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Montag, 26. Oktober 2009

Don't worry, be happy !



Egal, was Dir im Leben wiederfährt, versuche alles positiv zu akzeptieren. Alles ist von G - tt gewollt und Teil Seines Planes. Je eher wir dies erkennen, desto leichter kann es uns fallen, mit Problemen umzugehen.

Mehr zur Ideologie der Chassidut Breslov in deutscher Sprache:

Samstag, 4. April 2009

Zum Unterschied zwischen Mensch und Tier

B"H

Kabbalistische sowie chassidische Rabbiner kommentieren den Unterschied zwischen Mensch und Tier:

a) Der Mensch besitzt einen Intellekt und hat die Fähigkeit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

b) Nur der Mensch kann durch das Einhalten der Thoragesetze zu immer höheren Leveln aufsteigen; kann sich so von der tierischen Seele (Nefesch) bis hin zum höheren Seelenlevel Neschama hinaufarbeiten.

c) Der Mensch verfügt über die Fähigkeit zu sprechen, wobei Rabbi Nachman von Breslov hierbei auf das Reden mit Bina (Verstehen) hindeutet.

Montag, 2. März 2009

Chassidische Purim Weisheit

B"H

Anhand des Fastens am Yom Kippur (Versöhnungstag) bringen wir befördern wir unsere Seele auf den Level eines Engels, denn Engel bedürfen keiner materiellen / weltlichen Nahrung, sondern existieren ausschließlich spirituell.

An Purim bringen wir durch die Mitzwah (Gesetz) des sich Betrinkens unseren Körper auf einen höheren Level.
Im Talmud Traktat Megillah 7b (siehe ebenso den "Schulchan Aruch - Code of Jewish Law", Orach Chaim 695:2) heißt es, dass soviel getrunken werden soll, bis man den Unterschied zwischen Mordechai und Hamans (siehe das "Buch Esther") nicht mehr kennt.
(Rabbi Levi Yitzchak von Berditchev, 1740 - 1810)

Der Mittlerer Rebbe, Rabbi Dov Baer von Lubawitsch, 1773 - 1828, (Sohn des Chabad Gründers Rabbi Shneur Zalman von Liadi) kommentierte, dass Purim ein Zeichen der Selbstaufopferung für das Judentum gewesen sei.

Rabbi Nachman von Breslov, 1772 - 1810, vertrat die Ansicht, dass Purim die Vorbereitung auf das einen Monat später folgende Pessach darstelle. Durch die Mitzwah an Purim, sind wir vor dem Chametz (verbotenes Getreide an Pessach) geschützt (siehe "Likutei Moharan" 11:74).
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Ohne Zweifel lautet die Mitzwah (Gesetz) an Purim: Wein trinken.

Und zwar so viel wie möglich (s.o.). Allerdings herrschen darüber geteilte Meinungen. Jemand von der Chassidut Breslov, z.B., berichtete mir, dass sich die Breslover Chassidim nicht betrinken.

Halachische Kommentatoren deuten an, dass "Trinken" eigentlich nur etwas mehr als üblich zu sich zu nehmen. Der RAMA kommentiert zum "Schulchan Aruch", Orach Chaim 695:2, dass jemand die Mitzwa schon erfüllte, sobald ihn der Wein zum Einschlafen bringt (siehe hierzu auch den RAMBAM (Maimonides) in Hilchot Megillah 2:15 (Mischna Thora).

Montag, 9. Februar 2009

"Der Baal Shem Tov und der Frosch" oder "Tiere im Chassidismus"

B"H

Da der Chassidismus weitgehend auf der Kabbalah des Rabbi Yitzchak Luria (dem ARIZAL), 1534 - 1572, basiert, ist auch die Reinkarnationslehre von besonderer Bedeutung. Im Judentum besteht das Konzept, dass die Seele eines Toten reinkarniert werden KANN, aber nicht muss. Meist handelt es sich um Männer, deren Seele reinkarniert wird.

Die Reinkarnation einer Seele bedeutet im allgemeinen eine Strafe, denn der Besitzer handelte zu Lebzeiten gegen G - tt oder zumindest hat er nicht seine für ihn von G - tt vorgesehenen Ziele erreicht. Eine Version lautet, dass die gelangen. Die zweite, aber mit der ersten verbundenen Variante lautet, dass die reinkarnierte Seele gleichzeitig einen eigenen Tikun (Reparatur) durchläuft. Sich sozusagen verbessert und somit ihren eigentlichen Platz in der Kommenden Welt erreicht. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, denn eine reinkarnierte Seele muss sich nicht immer im "neuen Menschen" verperfektionieren, sondern kann ihre Position sogar noch verschlechtern !

Laut der Lurianischen Kabbalah kann die Seele in anderen Menschen, in Tieren, Pflanzen oder auch in Steinen reinkarniert werden. Wobei die Reinkarnation in einem Stein als besonders schlimme Strafe gilt. Nichtsdestotrotz, eine Reinkarnation gilt nur auf bestimmte Zeit und danach findet die Seele ihre Ruhe. Weiterhin ist es möglich die reinkarnierte Seele von Level zu Level anzuheben. Zum Beispiel kann die Reinkarnation aus dem Stein zu bestimmten Jahreszeiten in einer Pflanze untergebracht werden. Von der Pflanze zum Tier und vom Tier in den Menschen.

Dies nur vorweg bezüglich der Bedeutung der Tiere im Chassidismus, denn eigentlich beabsichtige ich, ein kleines Beispiel vom Baal Shem Tov zu geben.
Einmal meditierte der Baal Shem Tov (ca.1700 - 1760) drei Tage und drei Nächte lang dermassen tief, dass er gar nicht mitbekam, dass er sich fortbewegte. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er sich in einer riesigen Wüste befand und er hatte keinerlei Ahnung, wie er dahingekommen war.

Ein riesiger Frosch kam auf ihn zu und der Baal Shem Tov fragte diesen: "Wer bist Du denn ?"
"Ich war einmal ein großer jüdischer Gelehrter und jetzt ist meine Seele in einem Frosch reinkarniert".
"Du bist tatsächlich ein großer Gelehrter", gab der Baal Shem Tov zurück und in demselben Moment wurde die reinkarnierte Seele auf einen hohen Level befördert.

Der Frosch berichtete, dass seine Seele schon seit 500 Jahren in diesem Frosch steckt und selbst als der große Kabbalist Yitzchak Luria seinerzeit sämtliche Reinkarnationen erlöste, traf dies nicht auf ihn (den Frosch zu). Sein Vergehen sei so schwerwiegend gewesen, dass es vorerst keinerlei Gnade gab.

"Was war Dein Vergehen ?" fragte der Baal Shem Tov.
"Ich war beim Händewaschen vor dem Brotessen nachlässig und wie das so ist, begeht man eine Sünde, folgt auch schon die nächste. Am Ende brach ich fast alle Gesetze G - ttes und für Gnade war es fast zu spät. Zumindet interessierte mich die Gnade gar nicht mehr, obwohl se mir bestimmt erteilt worden wäre. Zum Trinker geworden verstarb ich und wurde in einem Frosch reinkarniert. In einem Tier, welches stets im Wasser ist und so bekam ich meine Strafe für die Nachlässigkeit beim Händewaschen.

Der Baal Shem Tov erlöste die Seele, erhob sie auf einen hohen Level und der Frosch lag tot da.
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- Im Judentum ist es Halacha, sich vor dem Brotessen rituell de Hände zu waschen.

- Als der Baal Shem Tov mit dem Frosch zu reden begann und dieser antwortete, war ihm bewusst, dass es sich hier um eine reinkarnierte Seele handelte und er wusste was diesbezüglich zu tun war.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Der Schabbat im chassidischen Sinne

B"H

Der Schabbat ist eines der wichtigsten Konzepte im Judentum überhaupt. Ein Ruhetag sowie zugleich ein Ausdruck des Bundes zwischen G - tt und den Juden.

Der chassidische Rabbiner, Rabbi Levi Yitzchak von Berditchev, sagte einst, dass G - tt den Juden einen Vorgeschmack auf die "Kommende Welt" (Welt nach der Ankunft des Meschiach oder aber auch die Seelenwelt nach dem Tode) geben wollte,

Vor dem Schabbateinbruch gehen insbesondere Chassidim (aber nicht nur sie) in die Mikweh (Ritualbad). Ein Tag des "Reinheit" sollte "ein" begangen werden.

Viele chassidische Rebben richten sich insbesondere bei der Schabbatvorbereitung nach der "Lurianischen Kabbalah" des Rabbi Yitzchak Luria (1534 - 1572). Zum Beispiel zog Rabbi Luria an jedem Schabbat stets eigene Schabbatkleidung an. Niemals trug er auch nur ein Paar Schuhe oder etwas anderes, welches er wochentags über benutzt.

Weiterhin herrscht die Tradition, 12 Schabbatbrote (Challot) auf den Tisch zu legen. Diese 12 Challot repräsentieren die 12 Brote "Lechem HaPanim" aus dem Tempel (siehe Leviticus - Vayikra 31:16 - 17). Zusätzlich werden Fisch und Fleisch gegessen.

Natürlich gibt es bei den meisten chassidischen Gruppen am Freitag abend (Erev Schabbat) einen chassidischen Tisch mit dem Rebben. Der Rebbe ißt, gibt ein kurzes Teaching und teils mehrere Hundert Chassidim stehen um ihn herum. Der Tisch hat eine immense spirituelle Wirkung auf die Besucher, denn es wird gesagt, dass der Rebbe die Verbindung zwischen den oberen spirituellen Welten sowie unserer materiellen Welt herstellt. Ein chassidisches Konzept, welches bis heute sehr ernst genommen wird. Auch teilt der Rebbe beim Tisch einiges an Essen (Schirayim) aus und auch hier gilt das Konzept, dass der Segen des Rebben über das Essen den Chassid in obere spirituelle Welten befördern kann.

Ein chassidischer Brauch ist es, die Dritte Schabbatmahlzeit (kurz vor Schabbatende) beim Rebben einzunehmen. Danach erfolgt die Havdalah - Zeremonie, bei welcher der Schabbat vom Wochentag offiziell verabschiedet wird und danach gibts bei Chassidim die traditionelle "Melaveh Malka". Singen, chassidische Stories erzählen und den Schabbat ganz einfach nicht gehen lassen wollen.
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Quelle:

"The Enzyclopedia of Hasidism" von Tzvi M. Rabinowicz

Dienstag, 11. November 2008

Montag, 29. September 2008

Jerusalem - Uman ?

B"H

Kurz vor seinem Tode, beauftragte der berühmte Rabbi Nachman von Breslov seine Chassidim, nach seinem Ableben an jedem Rosh HaShana an sein Grab nach Uman in der Ukraine zu kommen, um dort Tehillim (Psalmen) zu beten.

Erst wenige Monate vor seinem Tod, am Sukkot 1810, war Rabbi Nachman überhaupt erst nach Uman gezogen. Im Frühjahr 1810 war sein Haus in Medziboz abgebrannt und so suchte der Rabbi einen neuen Wohnort. Uman war nicht allzu weit von Medziboz entfernt und des Weiteren gab es einen zweiten wichtigen Grund, warum Rabbi Nachman seinen Wohnort gerade nach Uman verlegen wollte.

Im Jahre 1768 war dort ein Pogrom fatalen Ausmasses geschehen. Die Haidmacks hatten 10,000 Juden umgebracht und deren Seelen schrien nach "Erhebung zu G - tt". Und so sah Rabbi Nachman seine Aufgabe darin, diese armen Seelen der Ermordeten anhand von Gebetn zu G - tt zu führen. Aus diesem Grund fahren auch heute noch Tausende Breslover Chassidim an jedem Rosh HaShana nach Uman, denn auch sie übernahmen die Aufgabe, diese Seelen zu G - tt hinauszuführen.

Aber Moment - steigen unsere Seelen nicht von ganz allein zu G - tt auf ?

Einige chassidische Rebbes sowie chassidische Konzepte sagen "Nein", denn oftmals bedarf es eines Zaddiks (Gerechten), um nachzuhelfen. Ein weites chassidisches Konzept, welches langer ausführlicher Erklärung bedarf.

Andererseits war es Rabbi Nachman von Breslov selbst, der da verkündete, dass jeder Mensch das Potential zum Zaddik habe und sich so selbst G - tt nähern kann. Jeder Mensch hat das Potential einen extrem hohen Level zu erreichen.

Besonders in Israel betrachtet man es mit Missfallen, wenn alljährlich zu Rosh HaShana Tausende Breslover Chassidim nach Uman pilgern. Rosh HaShana ist ein hoher wichtiger Feiertag, an dem wir G - tt zum König krönen, denn ER erschuf unser Universum und auch uns. Und G - tt richtet uns und die gesamte Welt an Rosh HaShana; was also hat man da in der Ukraine am Grab eines Rabbis zu suchen ?
Wie können die Breslover Chassidim Jerusalem gen Uman den Rücken kehren ? An Rosh HaShana sollte ein jeder eine besondere Nähe zu G - tt suchen und um Vergebung bitten. Hat ein einziger Rabbi wie Rabbi Nachman die Macht, alle bisherigen traditionellen Konzepte und Halachot ausser Kraft zu setzen ? Das Konzept der Devekut (Nähe) und des Zusammensitzens mit der eigenen Familie am Feiertag ?

Stattdessen fahren die Breslover Chassidim nach Uman und ihre Frauen ggf. nach Meron (Nordisrael). Was kann das für ein Feiertag sein ? Zugegeben, eine Breslover Frau sagte mir, dass sie eigentlich recht froh ist, wenn ihr Mann ein paar Tage aus dem Haus ist. Die Frage jedoch bleibt, ob G - tt nicht die wichtigste "Person" am Rosh HaShana ist und nicht ein Rabbi, der sich selber als "Zaddik der Generation" betrachtete.

Viele israelische Rabbiner wie der ehemalige sephardische Oberrabbiner Ovadiah Yosef sowie viele nationalrelig. Rabbis lehnen das Uman - Business prinzipiell ab. Man soll gefälligst ein traditionelles Rosh HaShana begehen und nicht irgendwo in der Ukraine am Grabe eines Rabbis hocken. Zu G - tt beten, ohne Rabbi Nachman als Medium zu involvieren. Sich selbst in höhere Welten erheben und vor allem in Jerusalem bleiben.

Trotz aller Kontroversen, hier ein paar aktuelle Photos aus Uman














Ich werde an den Feiertagen mit litvischen Haredim beten und mich zwischen Rabbi Machlis sowie Mea Shearim aufteilen.

Allen Lesern ein tolles, erfolgreiches, gesundes und frohes Neues Jahr.

Chag Sameach und Shana Tova aus Jerusalem.
Nicht aus Uman, aber nach Uman !

Montag, 22. September 2008

Kabbalah - Chassidut


"Der Baum des Lebens - Etz Chaim" mit den Charaktereigenschaften G - ttes (Sefirot)


B"H

Zum Unterschied zwischen der Kabbalah und dem Chassidismus

Dienstag, 8. Juli 2008

Chassidismus und G - tt

B"H

Chassidismus und G - tt

Was geht's mich an ?

B"H

Was geht's mich an ? All das chassidische Zeugs. Chassidim sind doch eh Hinterwäldler. Laufen mit komischen Jahrhunderte alten Klamotten herum und leben in ihrer Shtetlwelt ? Und wen interessieren chassidische Inhalte heute noch ?

Diese Fragen bzw. Aussagen kommen recht häufig. Besonders von deutschen Juden sowie Nichtjuden. Obwohl die chassidische Gruppe Chabad in Deutschland immer mehr und erfolgreicher Fuß fast, sind den Deutschen insgesamt die Chassidim und deren Welt fremd. Chabad verbreitet vorwiegend nur seine eigenen Inhalte und als ich am letzten Schabbat in einer Tel Aviver Chabad - Synagoge war und nebenbei berichtete, dass ich am Abend zuvor bei den Chassidim von Nadvorna in Bnei Brak war, kam eine Null - Reaktion. Keine Antwort und das Thema wurde gewechselt. Schade, denn die chassidische Welt besteht aus Hunderten von kleineren und größeren Gruppen und hat viel mehr zu bieten als nur Chabad - Inhalte. Ich kann nur jedem Interessenten anraten, sich auch eingehend um andere Gruppen zu kümmern, sonst geht die Chassidut an einem vorbei.

Jahrelang dachten viele Nationalrelig. und litvische Juden genauso: Was geht mich die Chassidut an ? Soll man sich lieber auf die Thora, die Halachot und das Mussar (Ethik) - Studium konzentrieren, anstatt über Kabbalah und mystische Inhalte zu diskutieren und diese irgendwie meditativ in die chassidische Praxis zu schleifen. "Wir brauchen keine chassidischen fliegenden Teppiche", sondern pure Halacha. G - ttes Willen ausführen und nicht daherschweben.

Erklären wir es einmal ganz einfach und jeder wird zustimmen:
Jeder Mensch ist anders; der eine liebt das Aktive, die Halachot, das Thorastudium, das Lernen oder die Ethik. Der andere jedoch will einen tieferen Sinn in allem erkennen und nicht nur stumm dasitzen und vor sich hinlernen. Er will den Sinn verstehen und auch schon einmal die innere Bedeutung der Halachot kennen lernen. Kenne ich erst einmal die innere Bedeutung oder in anderen Worten, die kabbalistische Erklärung, fällt es mir eventuell einfacher, die Thoramitzwot zu halten. Was bringt mir das pausenlose Tun ohne großes Verständnis ?

Innerhalb der letzten zehn Jahre ist das Interesse am Chassidismus in den Staaten und in Israel enorm angewachsen. So enorm, dass selbst eine so furchtbar litvische Yeshiva wie AISH HATORAH vor einigen Jahren gezwungen war, Chassidismusvorträge einzuführen. Dies geschah auch aus prakischen Gründen, denn immer mehr ihrer Studenten rannten um die Ecke zu Chabad, wo einiges geboten war.

Chassidismus, das ist nicht nur chassidische Geschichte, bei denen einem ganz warm ums Herz wird. Chassidismus, das ist eine Lebensweise. Nicht jeder muß sich gleich chassidische anziehen und wer weiß wie herumrennen. Ich kenne unendlich viele Leute, einschließlich mir selbst, die sich eingehend mit chassidischen Inhalten und Lebensformen beschäftigen, ohne selbst richtige Chassidim zu sein. Wer weiß, vielleicht sind wir dies ja, dennoch gehören wir nicht offiziell einer bestimmten Gruppe an.
Wobei wir bei den Gruppen angelangt sind: Auch sie erleben innerhalb der vergangenen Jahre gewaltigen Zulauf. Und hier meine ich nun nicht nur Chabad oder Breslov; die Satmarer Chassidim haben regen Zulauf. Aber auch recht extremere Gruppen wie die Toldot Aharon oder das kaum extreme Belz erleben einen Boom. Insgesamt sind davon alle chassidischen Gruppen betroffen und jede von ihnen (außer Chabad und Breslov, wo man schnell hineinkommt) verfügen über ihre eigenen Aufnahmeregeln. Bei der Chassidut Dushinsky ist dies, z.B., ein Jahr Probezeit.

Aber was geht mich das nun alles an ?
Vielleicht nichts und es muß ja nicht jeden interessieren. Allerdings ist der Chassidismus ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Judentums und ein jeder, der nach Antwerpen, London, New York oder Jerusalem fährt, wird der Bewegung nicht entgehen. Und das Judentum bedeutet nicht nur starres Lernen und Beten, sondern es hat soviel mehr zu bieten. Für jederman ist etwas dabei und jeder kann auf seine Kosten kommen, wenn er sich denn nur damit beschäftigt und sucht.

Und nicht jeder ist gezwungen, sich irgendwie kleidungsmäßig anpassen zu müssen, wenn er nirgendwo ein offizielles Mitglied ist. In heutigen Diskussionen um das Judentum kommt man um den Chassidismus nicht mehr herum und um mitreden zu können, sollte man zumindest ein wenig Ahnung haben, worum es dabei geht, um nicht Vorurteile zu schüren.

Dienstag, 4. März 2008

Was macht einen Zaddik (Gerechten) aus ?

B"H

Nicht nur, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann, einer chassidischen Gruppe beizutreten oder nicht; aber selbst wenn, welche Gruppe würde dann bei mir ganz oben auf der Liste stehen ?

Wie ich einige Male zuvor erwähnte, bin ich keine Person, die mit einer einzigen Gruppierung mitläuft, denn ich behalte immer meine eigenen Ideen und Ansichten bei. Ich laufe nicht mit der Masse. Nach all den Jahren, in denen ich mit Chassidim zu tun hatte / habe, könnte ich nicht konkret bestimmen, welche chassidische Gruppe ich besonders bevorzuge und welche nicht. Und das, obwohl ich mich mit dem Chassidismus identifiziere und viele chassidische Bräuche halte und ein chassidisches Sidur (Gebetbuch) habe.

Allerdings ist es mehr als offensichtlich, dass die Chassidim bestimmter Gruppen sich durch eine spezielle Mentalität bzw. einem Verhalten voneinander unterscheiden. Ich weiß nicht genau, wie ich das einem Außenstehenden genau erklären könnte, jedoch sieht man nach einiger Zeit diverse Unterschiede. Ich nehme einfach einmal die Chassidut Belz als Beispiel und hoffe, dass sich kein Belzer beleidigt fühlt. Nichtsdestotrotz gibt Belz ein hervorragendes Beispiel her.

Andere chassidische Gruppen sagen Folgendes über die Belzer:
"Die denken doch einzig und allein nur an ihr Geld. Immer nur Geld, Geld, Geld."

Wer zum chassidischen Tisch des Belzer Rebben, Rabbi Yissachar Dov Rokeach, geht, der sieht Hunderte Chassidim, die beflissen ihrem Rebben zu dienen bereit sind. Einmal kam ich etwas zu früh zum Tisch am Freitag abend und der Rebbe war noch nicht eingetroffen. Seine Chassidim liefen auf und ab, redeten miteinander, etc. Plötzlich verkündete jemand laut, dass der Rebbe im Anmarsch sei und man sah die Chassidim nur noch rennen. Alle wollten schnell auf ihren Platz und bereitstehen. Solch Beflissenheit habe ich noch bei keiner anderen chassidischen Gruppe erlebt. Es war als käme ein Armeegeneral seine Truppe besuchen.

Am Schabbat tragen die Belzer ihre allerbeste Garderobe und vor allem die schwarzen Schuhe sind blitzblank geputzt.
Wer die Belzer nur vom Tisch kennt, der wird kaum übersehen, dass vor allem sie eine bestimmte Mentalität haben, die ich einfach nicht in der Lage bin genauer zu definieren. Man muß es schon selbst sehen. Allein ihr Gang ist schon anders. Man könnte es Eleganz nennen, andere Chassidim hingegen nennen es Arroganz.
Kennt man die Belzer jedoch etwas näher, lernt man meistens nette offene Menschen kennen, die nicht immer nur an Geld denken. Jedenfalls habe ich bisher nur positive Erfahrungen mit Belz gemacht.

Vor wenigen Wochen erzählte ich einem Chassid (NICHT Belz) von Bekannten von mir. Die nämlich schliessen sich gerade einer anderen chassidischen Gruppe an, da sie den Rebben lieben.
Der Chassid grinste und meinte ironisch: "Und was ist, wenn der Rebbe stirbt und sie seinen Nachfolger nicht mögen ? Was dann ? Wechseln sie dann wieder die Gruppe ?"

All diese Aufzählungen stellen nur einige meiner Gründe dar, warum ich mich mit keiner chassidischen Gruppe uneingeschränkt identifiziere. Einfach so ein bestimmtes Verhalten zu übernehmen, nur einen Rebben verehren und all dessen Ideen und Halachot (Psak Din – halachische Entscheidungen) zu 100%ig zu akzeptieren, ist nichts für mich.

Eines meiner größten Probleme ist es, einen chassidischen Rebben, egal welcher Gruppierung, als einen Zaddik (Gerechten) anzuerkennen. Ohne Frage stimme ich mit dem Baal Shem Tov und seinem Zaddik – Konzept zu. Dennoch ist mir Rabbi Elimelech von Lejansk in seinem Buch "Noam Elimelech" mit seiner Zaddik – Definition viel zu weit abhanden gekommen. Ich kann da kaum noch etwas nachvollziehen.

Es war Rabbi Elimelech von Lejansk (1717 – 1786), der das Zaddik – Konzept erst richtig ausbaute und der Meinung war: "Wenn der Zaddik großartige Dinge tut, kleidet sich seine Seele im Ruach HaKodesh (eine Art Prophezeihung)".

Besonders der Chozeh (Seher) von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (1745 – 1815) fügte dem chassidischen Zaddik – Konzept noch viele zusätzliche Aspekte hinzu. An dieser Stelle will ich nur einige wenige nennen, denn die gesamte Liste aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

Laut dem Chozeh steht der Zaddik über einem gewöhnlichen Juden (Am HaAretz). Ist es doch das Gebet des Zaddiks, welches den Meschiach bringen könnte und nur der Zaddik allein erhebt unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten.

Das Peshis'cha – Movement unter Rabbi Yaakov Yitzchak von Przysucha (Jiddisch: Peshis'cha) stimmte dem Konzept des Chozeh (Sehers) von Lublin alles andere als zu. Stattdessen lehrte der Rabbi von Przysucha (1765 – 1814), dass die Aufgabe eines Zaddiks (eines Rebben) darin bestehe, anderen Juden zu verhelfen, selbst ein Zaddik zu werden. Keineswegs sollte der Rebbe die alleinige Zaddikfunktion übernehmen und sich nur auf Distanz zu anderen Juden halten.

Wenn ich mir den historischen Background ansehe und die heutigen Rebben betrachte, bin ich mir nicht sicher, ob die Zaddik – Konzepte nicht etwas übertrieben klingen. So mancher mag mich in dem Punkt für einen Litvak (litvischen Juden) halten, aber ich kann hier einfach nicht von meiner Meinung abweichen.
Zuerst einmal habe ich immer das Chabad – Konzept des Zaddiks in meinem Kopf. Wenn ich hier Chabad sage, dann meine ich damit deren Gründer Rabbi Schneur Zalman von Liadi (1745 - 1812) und nicht die heutigen Meschiach – Fraktionen der Gruppe.
In seinem Buch "Tanya" definiert Rabbi Schneur Zalman den Zaddik als eine Person ohne jegliche Yetzer HaRah (die negative Seite in einem jeden von uns). Ein Konzept Rabbi Schneur Zalmans, welches ich besonders mag.

Obwohl viele verschiedene Ideen darüber bestehen, wie denn nun ein Zaddik zu sein hat, frage ich mich immer wieder, ob die Zaddikim, die Rebben der heutigen chassidischen Dynastien, wirkliche alle Zaddikim sind und ihre Yetzer HaRah überkommen haben. Ich bin manchmal recht altmodisch und wage zu behaupten, dass heutzutage die Zaddikim mehr als rar auf dieser Welt sind. Zu früheren Zeiten vor Hunderten oder einigen Tausend Jahren war mag dies noch anders gewesen sein. Kurz gesagt, in meinen Augen ist nicht jeder chassidische Rebbe automatisch gleichzusetzen mit einem Zaddik.

Um als ein Zaddik zu gelten, sollte eine Person über herausragende Eigenschaften verfügen und nicht diese Position einnehmen, weil sie ihm eben einmal so vererbt worden ist. Diejenigen, die mit den Schriften des Rabbi Yehoshua Heschel von Apta (1748 – 1825) vertraut sind, wissen, wie der Apter Rebbe einen Zaddik definiert. In seinem Buch "Ohev Israel" schreibt er, dass ein Zaddik sich diese hohe Position nicht alleine aussucht, sondern sie ihm vom Himmel gegeben wird.

Aber was ist mit all den chassidischen Rebben heute ? Haben sie wirklich ihre Position vom Himmel bekommen ? Einerseits schon, denn schließlich geschieht nichts auf der Welt ohne G – tt.

Viele der chassidischen Rebbes tun sicherlich großartige Dinge und halten die Mitzwot (Gesetze), aber sind sie deshalb automatisch Zaddikim ? Obwohl Rabbi Nachman von Breslov (1772 - 1810) sich selbst als "Zaddik HaDor – Als der Gerechte seiner Generation" proklamierte, predigte er dennoch einen weiteren Gedanken:
"Im Grunde genommen hat jeder das Zeug zum Zaddik. Er muß nur an sich arbeiten."

Für mich ist ein chassidischer Rebbe eher eine Authorität und eine Respektperson. Er kann eine herausragende Figur mit hervorragenden relig. Kenntnissen sein, was ihn jedoch für mich nicht unbedingt zu einem "Heiligen" macht. Eine Person mit großem Charisma, das ist alles. Ist das so schlimm ?

Ich sehe mich nicht einem speziellen Rebbe hinterherlaufen, der alles für mich entscheidet. Es gibt auch noch andere Meinungen und Leute bzw. Rabbis. Und der Chassid, mit dem ich sprach, sagte etwas Treffendes: "Was ist, wenn der Rebbe stirbt und Du seinen Nachfolger nicht magst ?"

Bei den chassidischen Tischen frage ich mich des öfteren schon, wo eigentlich G – tt ist. Die neben mir Stehenden sagen immer nur: "Der Rebbe, der Rebbe, der Rebbe." Übrigens geht mir dies genauso. Wir alle starren gemeinsam auf den Rebben.
Aber ist nicht G – tt wichtiger als der Rebbe ? Und wo bleibt er beim Tisch ? Chassidisch gesprochen verbindet uns der Rebbe mit G – tt. Aber andererseits können wir dies auch alleine und individuell tun, denn jeder Jude hat selbst eine jüdische Neschama (Seele).

Anscheinend ist es für solche Leute wie mich wirklich besser, sich keiner bestimmten Gruppe anzuschliessen und stattdessen ein Outsider zu bleiben. Ich könnte diesbezüglich keine definitive Entscheidung fällen, bewundere aber Leute, die dies können.