Vorgestern, am Sonntag, fand in der Chassidut Belz (Jerusalem) eine riesige Bar Mitzwah Feier statt. Einer der Enkel des Belzer Rebben names Zvi feierte seine Bar Mitzwah.
Warum trugen die Belzer weisse Socken zur Bar Mitzwah ?
Es ist ein Belzer Brauch am Schabbat schwarze Socken und zu Belzer Feiern (Belzer simches) weisse Socken zu tragen.
Ein STREIMEL besteht aus 24 dieser Tiere (siehe Bild unten). Ich kenne den Namen des Tieres nicht, doch wie kann jemand sich unter solch einem Fell (Streimel) wohlfühlen ?
Nein, ich bin keiner dieser fanatischen Tierschutzer, doch warum müssen Tiere für den Streimel sterben ?
Unterschiedliche Rabbiner versuchen die sogenannte "Pritzut - Unanständige Kleidung der Frau" zu unterbinden. Litvisch - haredische Rabbis setzen alles daran, wenn die Frauen ihrer eigenen Gesellschaft zu kurze Röcke tragen. Gerade das Knie erreichen derlei Röcke und besonders Bnei Brak (nahe Tel Aviv) ist voll mit Läden dieser Modeerscheinung.
Zahlreiche Chabad - Frauen oder Frauen der Chassidut Gur sind nicht gerade immer so anständig gekleidet, wie das von einer chassidischen Frau erwartet wird. Wenn die Verheirateten unter ihnen keine Scheitel (Perücke) tragen täten, würde ein Beobachter kaum denken, dass die Damen haredisch sind. Selbst die nationalrelig. Frauen mit ihren oft bulligen Jeansröcken sehen immer noch anständiger aus als so manche Gerrer (Gur) Frau, die da aufgetakelt daherkommt.
Die antizionistische Dachorganisation "Edah HaCharedit" ist das genaue Gegenteil und ihre Rabbiner legten den passend anständigen Rock für die Frau fest. Zuerst einmal muss der Rock eine Mindestlänge besitzen: Genau 20 cm vom Boden bis zum Rockende.
Die Edah argumentiert (genauso wie übrigens schon der Gründer der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon, Rebbe Aharon Roth in seinem Buch "Schomer Emunim"), dass eine unanständig gekleidete Frau die Schechinah (Anwesenheit G - ttes) von uns fernhält. Zumindest ist die Schechinah weiter weg als sonst und von daher sind Juden nicht so beschützt wie es sein sollte. Die Folge: Wir haben Probleme; insbesondere mit den anderen Völkern.
Nur durch das Einhalten der Thoramitzwot nähert sich uns die Schechinah und sorgt für das Wohlergehen des jüdischen Volkes.
Neben der optimalen Rocklänge, darf der anständige Rock zusätzlich nicht zu eng am Körper anliegen. Einer Frau ist es verboten, ihre Körperform zu zeigen. Keine engen Klamotten also !
Natürlich sollen die Klamotten auch nicht allzuweit sein und wie ein Sack ausschauen. Und so gibt es Vorschriften, die besagen, dass der perfekte Rock an der Hüfte mind. 10 cm hervorstehen muss. Um die Knie herum sind es gar 55 cm Rockweite.
Je nach dem Körperumfang der jeweiligen Frau.
Ferner versteht es sich von selbst, dass die Frauen der Edah HaCharedit (Satmar, Spinka, Dushinsky, Toldot Aharon, etc.) nur langärmlig tragen. Weiterhin sollten auffällig bunte Farben vermieden werden, denn diese ziehen die Blicke der Männer auf die anständige Frau.
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Warum aber soll nur wieder einmal die Frau schuld sein, wenn G - ttes Schechinah sich entfernt ? Kommt wegen meiner Hose der Meschiach nicht ?
Das obere Photo zeigt einige Frauen der chassidischen Gruppe Satmar in New York. Ihrem Brauch entsprechend tragen sie am Schabbat sowie an Feiertagen ein TICHEL (Tuch) auf ihrer Perücke (Jiddisch: Scheitel).
Aber ist der Scheitel allein nicht ausreichend ? Warum tragen viele chassidische Frauen zusätzlich noch ein Tichel auf ihrer Perücke ?
Ich befragte eine Frau aus Mea Shearim zu dem Thema und sie nannte mir ihren privaten Grund für das Tichel:
"Oftmals schaut der Scheitel so aus als handele es sich um natürliches Haar. Geht ein Mann hinter einer Frau, mag er vielleicht denken, dass die Frau unverheiratet ist und er könnte beginnen, sie anzustarren. Trage ich jedoch noch ein Tichel auf der Perücke, dann ist sofort jedem bewusst, dass ich eine verheiratete Frau bin. Selbst aus weitester Entfernung !"
Chassidische Frauen, die ein Tichel tragen: Zum Beispiel: Belz, Vishnitz, Dushinsky oder Satmar.
Wie bedecke ich mein Haar mit einem Tichel ? Eine Gebrauchsanweisung:
Yoelish Kroiz ist das Oberhaupt der Neturei Karta in Mea Shearim (Jerusalem). Neben der Hauptsynagoge der Neturei Karta, der Torah veYirah Synagogue, gibt es noch ein weiteres Zentrum. Nicht weit entfernt, kleiner und bescheidener und dort herrscht Israel Hirsch, der Sohn des mittlerweile an Alzheimer erkrankten Moshe Hirsch. Moshe Hirsch war bekannt dafür, Arafats Minister für jüdische Angelegenheiten zu sein. Ein extremer Zweig der NK, welcher auch jene Gruppe zugerechnet wird, die in den Iran fuhr und Achmadinejad huldigte.
Die folgenden Photos fand ich in einem haredischen Forum und sie entstanden erst vor kurzem. Yoelish Kroiz feierte die Bar Mitzwah seines Sohnes und es sind nicht allzu viele Gäste anwesend. Mir fiel auf, dass sein Sohn die Feiertagstracht der chassidischen Extremgruppe Toldot Aharon trägt und wunderte mich. Die Mehrheit der Neturei Karta Mitglieder sind nämlich litvische Haredim und keineswegs unbedingt Chassidim ! Warum also der Kleidungsstil des Sohnes ?
Der Name "Neturei Karta" hingegen stammt aus dem Aramäischen und bedeutet "Hüter der Stadt". Einige Rebbe Areles frühester Anhänger bilden also genauso die Neturei Karta.
Ganz rechts hinter dem Tisch stehend: Der Sohn des Yoelish Kroiz.
Seit Wochen wird geputzt und geschrubbt was das Zeug hält. Morgen abend beginnt das 7 - tägige Pessachfest und besonders Chassidim drehen vor und an Pessach durch. Alles wird restlos von jeglichen Brot - oder Kuchenkrümeln befreit. Der Herd wird abgerückt, die Fenster ausgehängt, in jeden Winkel wird mit dem Putzlappen gekrochen. Nicht nur Chassidim, sondern auch andere Leute; dennoch, bei Chassidim ist alles extremer, ansonsten wären sie ja auch keine Chassidim (jene, die mehr tun als die Halacha verlangt). Am Sederabend fallen dann Hausfrau und Töchter totmüde über den Tisch.
Ganz zu schweigen von dem extremen Augenmerk auf die Kaschrut. Jegliches Essen muss mehr als nur koscher sein. An Pessach incl. den Zwischenfeiertagen wird feierlich der traditionelle Streimel, die Pelzmütze, getragen. Es finden festliche Essen statt und in den Synagogen geht es ganz besonders feierlich zu.
Der traditionelle Streimel: Getragen am Schabbat und Festtagen
Von hoher Prägnanz ist der siebte Tag an Pessach (der Mittwoch nächster Woche, 15. April). Von der Nacht von Dienstag auf Mittwoch finden bei den meisten chassidischen Gruppen riesige Tische mit dem Rebben statt. An erster Stelle stehen dabei die Toldot Aharon in Mea Shearim, deren Rebbe gegen 2.00 Uhr nachts durch das Wasser tanzt.
Am siebten Tag von Pessach feiern wir die Durchquerung des Roten Meeres. Während die Juden am ersten Tag bzw. am Abend der Seder gen Rotes Meer auszogen, durchquerten sie dieses jedoch erst am siebten Tag. Nicht wenige chassidische Gruppen pflegen daher den Brauch, etwas Wasser in ihrer Synagoge auszuschütten und zu tanzen. Ein Symbol für die Spaltung des Roten Meeres und des Auszuges der Israeliten aus Ägypten. Daher tanzt auch der Rebbe der Toldot Aharon etwas in Wasser. Ganz allein tanzt er vor seinen Chassidim und es wird das Ereignis des Jahres.
Voll Menschen wird die Synagoge sein, doch ich werde mich bemühen, mir einen Platz zu ergattern und bis ca. 2.00 Uhr wach zu bleiben.
Chassid in Festtagstracht: Streimel und Bekische (glänzender schwarzer Kaftan)
Der litvisch geistige Führer, Rabbi Yosef Shalom Eliyashiv, sowie der ehemalige sephardische Oberrabbiner und geistiges Oberhaupt der SHASS - Partei, Rabbi Ovadiah Yosef erliessen ein offizielles Verbot gegen das Tragen von Perücken hergestellt aus dem Haar von Nichtjuden.
Seit Ewigkeiten gibt es Streit bezüglich der Perücke; der Kopfbedeckung meist haredischer (ultra - orthodox.) verheirateter, geschiedener oder verwitweter Frauen. Soll Frau nun Perücke tragen oder ihr Haar einfach nur mit einem Hut oder Tuch bedecken ? Und was ist mit jenen Frauen, die nach wie vor dem alten rumän. - ungarischen Brauch folgen und ihr Haar nach der Hochzeit ganz abrasieren ? Abrasieren, um ein Tuch umzubinden und darauf eine Perücke zu platzieren, denn ohne Tuch auf dem geschorenen Kopf würde die Perücke stets verrutschen.
Abrasieren sehen Rabbi Eliyashiv sowohl als auch Rabbi Ovadiah Yosef als zu abgefahren und erkennen diesen Brauch nicht an. Praktiziert wird dieses Verfahren heute eh immer weniger, außer bei extremen Gruppen wie den Toldot Aharon oder den Toldot Avraham Yitzchak. Vereinzelt scheren sich die weiblichen Anhänger des Chatam Sofer sowie weiterer Gruppierungen ebenso die Haare nach der Hochzeit. Jedoch nicht im Gruppenverfahren wie bei den Toldot Aharon.
Bnei Brak hängt derzeit voll mit Verbotspostern. Nichtjüdische Haare sollen in keine jüdische Perücke, denn wer kann schon genau sagen, was Völker wie die Inder (in der Vergangenheit kamen viele dieser Perücken aus Indien) praktizieren. Wird da etwa Haar zur Götzenanbetung benutzt ?
Wie auch immer, die beiden Rabbiner beziehen sich auf einen Vers (Passuk) im Talmud Schabbat, dessen genaue Seite ich leider nicht mitbekam. In Bnei Brak sind Perücken bei chassidischen Gruppen wie Gur, Satmar oder Vishnitz absolut IN. Wer dagegen die Toldot Aharon Synagoge in Jerusalem mit Perücke betreten will, der wird per Schild darauf aufmerksam gemacht, dass er sich gefälligst ein kleines weisses Tuch (Tichel) auf die Perücke zu setzen hat. Besagte Tücher sind neben dem Schild in einer kleinen Holzkiste vorzufinden.
Da behaupte noch einer, die Kopfbedeckung der haredischen Frau sei unkompliziert !
Dieses Schild macht Werbung für den Laden "Streimel Center" in Mea Shearim / Jerusalem.
Ein Streimel, die traditionelle chassidische Pelzmütze, ist eine aschkenazische Shetltradition aus Osteuropa. Der Streimel wird von den Chassidim am Schabbat, an Feiertagen sowie zu privaten feierlichen Anlässen wie, zum Beispiel, einer Hochzeit getragen. Bei vielen chassidischen Gruppen beginnt ein Chassid den Streimel nach der Bar Mitzwah im Alter von 13 Jahren zu tragen; bei anderen erst nach der Hochzeit.
Das Photo zeigt den weit verbreitetesten Streimel; das allgemeine Standardmodell. Allerdings sind jedoch noch viele weitere unterschiedliche Streimel im Umlauf.
Wenn ich eines jemals so richtig vermisst habe, dann sind das meine Hosen. Ganz gleich ob Jeans oder andere, immer beneidete ich andere weibliche Wesen, die nicht in einen Rock gezwungen wurden.
Wer als Frau religiös lebt, der zieht natürlich einen langen Rock an. Vor ca. zehn Jahren noch gab es weniger Grüppchen, die sich dem relig. Hippiestyle anschlossen. Heutzutage kann man sogar Rock und Hose miteinander verbinden, indem man beides trägt. Lange Hose unter dem langen Rock; egal, ob die Hosenbeine unten vorschauen oder nicht. Je flippiger, desto besser.
In haredischen (ultra - orthod.) Kreisen ist soetwas absolut unvorstellbar und kein weibliches Wesen täte sich dermassen öffentlich zur Schau stellen. Üblich ist es im allgemeinen bei den Anhängern des Hippie - Rabbi Shlomo Carlebach sowie bei vielen Nationalreligiösen.
Vielleicht wäre einiges bei mir anders verlaufen, wenn es diesen flippigen Stil vor mehreren Jahren schon gegeben hätte. Vielleicht aber auch nicht, denn ich bin alles andere als der Hippietyp und mag diesen Stil "Hose & Rock" überhaupt nicht. Er erinnert mich an Leute, die sich nicht entschliessen können, was sie wollen und auf zweierlei Schiene fahren. Genauso wie wenn eine verheiratete Frau eine Kopfbedeckung und eine Hose trägt. Irgendwie passt immer etwas nicht zusammen und wirkt wirr.
Als ich nur unter Rockträgerinnen war, fiel es mir weniger auf; sobald ich jedoch eine Frau in Hosen sah, neidete ich ihr diese. Das erste Mal auf einer Yeshiva (relig. Schule), in der eine neue Religiöse in den ersten Wochen täglich in Hose zum Unterricht erschien. Ob ich das auch tun könnte ? Vielleicht, aber ich war zu feige und litt stattdessen unter den Rock.
Mindestens zweimal im Monat fuhr ich zu Besuch in meinen alten Kibbutz, wo absolut alles erlaubt war. Nicht, dass ich mich wild ins nichtrelig. Leben stürzte, um meinen Frust des relig. Lebens abzuschütteln. Eher war das Gegenteil der Fall. Je mehr ich mich aus meinem relig. Leben entfernte, desto fremder wurde mir die nichtrelig. Umwelt samt Menschen.
Eines aber wurde mir nie fremd: eine Hose. Meines Erachtens nach kann man vollkommen relig. sein, auch wenn man sich in Hose kleidet. Für die relig. Umwelt sicher nicht, denn dort wird zuerst nach dem Äußeren geurteilt.
"Hose ?"
"Aha, also Du bist sekulär".
Bei solchen Vorurteilen bin ich gewöhnlich jedesmal an die Decke gegangen, finde es aber mittlerweile nur noch lustig. Sobald die Religiösen zwei Sätze mit mir reden, ändern sie ihre Meinung sofort.
Der Yeshiva und haredischen Umwelt konnte ich keine Hose antun. Jedenfalls nicht öffentlich. Bei manchen Anlässen zog ich sie dann allerdings doch an. Geheim.
Es dauerte nicht lange und ich kannte fast alle öffentlichen Toiletten der Stadt. Kann sich jemand vorstellen, wie das ist, Angst vor der Entdeckung haben zu müssen ?
Ich dachte immer, dass ich ja schliesslich erwachsen sei und anziehen könne, was ich wolle. Dem war aber nicht so. Nicht nur wegen der Umwelt, sondern zusätzlich blockierte mich mein Gewissen gleich mit.
War ich auf dem Weg in den Kibbutz, zog ich mich vorher um. Die Hose steckte immer griffbereit im Rucksack. Gewöhnlich machte ich mich freitags mittags zum Zentralen Busbahnhof auf und die Strassen waren dermassen voll Leute, dass ich den letzten einsamen Winkel ausfinding machen mußte, um mich umzuziehen. Die Toilette war passe, denn irgendwie wirkte es absurd, wenn ich im Rock hineinging und in Hose wieder herauskam. Käme da nicht jemand auf die Idee, ich sei pervers oder so ?
In einem haredischen Viertel fand ich die Lösung. Obwohl man mich dort bei einer eventuellen Entdeckung erst richtig für pervers gehalten hätte. Ich wechselte meine Kleidung auf einer kleinen Baustelle. Schnell hinter die Mauer geschlüpft, hinein in den neuen Hauseingang, Rock aus, Hose an und fertig war ich. Wer diese Prozedur ein paar Mal durchläuft, der kann seine Schnelligkeit ins Guiness - Buch der Rekorde eintragen lassen. Ganz sicher habe ich den absoluten Kleidungswechselrekord aufgestellt. Entdeckt wurde ich nie; auch dann nicht als ich aus dem haredischen Viertel hinauseilte, um zum Busbahnhof zu gelangen.
Wenn ich heute die gleiche Strasse durchquere, dann denke ich jedesmal an meine Kleiderwechsel. Natürlich gibt es die Baustelle nicht mehr und es steht dort ein fertiges Wohngebäude. Die Mehrheit der Wochentage trage ich Hose und beschränke mich bei relig. Anlässen und am Shabbat auf den Rock. Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht mehr, trage ich doch erstens genug Rock mittendrin und zweitens muss ich mich nicht vor der Umwelt rechtfertigen. Auch ohne ständigen Rock bin ich religiös. Zumindest in meinen Augen.
Für all jene verheirateten jüdisch - religiösen Frauen, welche da beabsichtigen, ihr Haar mit einem "Tichel" zu bedecken - hier eine kleine Gebrauchsanleitung:
Für mich ist das sogenannte "Tichel" auf der Site nichts weiter als ein "Schmattes - Fetzen" (Umgangssprache), denn mit einem Tichel identifiziere ich die kleinen weissen Tüchlein, mit der chassidische Frauen am Schabbat ihre Perücke bedecken. Nicht ganz bedecken, sondern eher auf das Kunsthaar stecken.
"Peyes (die Schläfenlocken ultra - orthodoxer Juden) stören nur", sagte ein mir gegenüber sitzender Soldat zu seinem Kollegen. Ich überhörte das eher belustigende Gespräch auf meiner Fahrt nach Jerusalem heute morgen. "Und wieso sollen die jetzt stören ?" fragte der zweite Soldat zurück. "Naja, die langen Peyes können halt überall hängenbleiben und so. Man schlägt eine Tür zu und arrgghhh".
Persönlich habe ich noch keinen Haredi erlebt, dessen Schläfenlocken irgendwo hängengeblieben sind; auch nicht in Türen, Maschinen, Autos oder sonst irgendwo.
Die beiden israelischen Soldaten waren amerikanischer Herkunft und ich schätze einmal säkuler. Denn täten sie sich mit der Materie näher auseinandersetzen, naja, vielleicht kämen dann andere Kommentare heraus.
Allgemein aber geraten besonders orthodoxe Juden ihrer Kleidung wegen immer wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Im Hochsommer mit Pelzmütze (der chassidische Streimel) herumlaufen, Das halte ja keiner aus und da würden bestimmt alle nach Schweiß stinken. Und dann noch der lange Kaftan und so. Wie halte man das nur aus ?
Aber nirgendwo wird soviel Wert auf die Tradition gelegt, wie in der chassidischen Gesellschaft. Und was vor 50 Jahren, 100 Jahren oder 250 Jahren gut war, das kann jetzt nicht schlecht sein. Viele chassidische Gruppen richten sich nach dem "Chatam Sofer" (Rabbi Moshe Sofer, (1762 - 1839), geboren in Frankfurt / Main, verstorben in Bratislava).
Dies trifft besonders auf die kleinere chassidische Gruppe, die "Chassidut Dushinsky" zu. Bei Dushinsky läuft alles nach dem Chatam Sofer ab und nichts wird verändert. Der Chatam Sofer selber führte seinerzeit einen leidenschaftlichen Krieg gegen die neuaufkommenden Reformbewegung. Die Thora verbietet und Veränderungen, doch die Anhänger des Chatam Sofer weiteten seine Definierung auch auf andere Lebenslagen aus.
Als ich neulich bei einer Frau der Dushinsky - Gruppe eingeladen war, so sagte mir diese, dass schon ihre Mutter auf all die alten Traditionen schwörte, Nicht nur in Bezug auf die superanständige Kleidung, aber auch auf das Verhalten der Kinder und den Haarstil der verheirateten haredischen / chassidischen Frau.
"Natürlich könnten meine Kinder theoretisch ihren Stil ändern, aber ich habe meine Töchter so erzogen, dass dies bei ihnen nicht in Frage kommt", so die besagte Dame.
Bedeuteten derlei Ansichten und Einstellungen eine Angst vor dem Neuem und dem damit eventuell verbundenen Wechsel einer Zeitepoche. Müßte sich die ultra - orthod. Gesellschaft so auf einen Umbruch gefasst machen ?
Ich denke NEIN, denn zu tief ist alles ineinander verwurzelt. Es müssten sich schon Hunderte gemeinsam auflehnen, um etwas zu erreichen. Aber dazu ist kaum jemand bereit, denn es drohen fatale Konsequenzen wie die Ausgrenzung. Und wer will das schon gerne auf sich nehmen ?
Die Kleidung der Haredim, insbesondere der Chassidim, unterscheidet sich ofmals von Gruppe zu Gruppe. Die Ungarn , Rumänen oder Ukrainer tragen einen anderen Stil als die Polen oder Lithauer. Ich werde einmal einiges an Material zusammensuchen. Auch deswegen, weil ich ungewöhnlich viele Hits auf die Artikel bezüglich der haredischen Frau bekomme.
Aber keine Sorge, am Türpfosten ist noch keiner hängengeblieben !!!
Im Jahre 1764 teilten Rußland, Preussen sowie Österreich die Länder Polen, Litauen, Reisin und die Ukraine unter sich auf, und für die folgenden 120 Jahre sollte dies auch so bleiben. Aus der Teilung jedoch folgte, dass plötzlich Rußland, Österreich und Preussen mit einem Haufen Chassidim dastand und genau die Tatsache den einheimischen christlichen Bewohnern Angst machte. Schon frühzeitig erfolgten daher drei Erlasse bezüglich der jüdischen Bevölkerung:
1. Juden war es verboten sich im ganzen Lande auszubreiten.
2. Spezielle Kleidungserlasse gaben den Juden die Kleidung vor.
3. Jüdische Händler waren verpflichtet, sich nach deutschen oder russischem Kleidungsstil zu kleiden.
Besonders relig. Juden hatten seit jeher darauf geachtet, den ursprünglichen Kleidungsstil beizubehalten. Waren nicht schon die Juden damals in Ägypten (vor dem Exodus) drei Werten treu geblieben ?
1. Der hebräischen Sprache.
2. Der Vergabe von jüdischen Namen an die Nachkommen.
3. Dem jüdischen Kleidungsstil.
Der im Jahre 1825 zum Zar gekrönte Nikolaus I. erließ zwei Jahre später einen schwerwiegenden Erlaß. Von nun an sollten jüdische Kinder in die russische Armee eingezogen werden.
Der chassidische Rabbi Simcha Bunim von Peshis'cha sagte: "Ein Jude soll auf sich achten und seine Kleidung nicht der Umwelt anpassen, denn von der Kleidung hängt unsere Heiligkeit (Kedusha) ab.
Vielerseits werden chassidische Kaftane als etwas Kabbalistisch – Mystisches gedeutet. Allerdings konnte ich soweit nur herausfinden, dass der Kaftan über einem Kaftan das kabbalistische "Or Makif – das strahlenden Licht" wiederspiegelt. Manche Chassidim tragen am Schabbat oder zu Feiertagen einen zweiten Kaftan über dem eigentlichen Kaftan. Der zweite Kaftan ist meist brauner Farbe und wird u.a. von einigen Breslover, Karliner oder Toldot Aharon Chassidim getragen. _________________
Quelle:
Unter anderem ein von Rabbi Amram Bloi (Blau) verfasster Artikel. Erschienen in der chassidischen Fachzeitschrift "Heichal HaBesht".
Der verstorbene Rabbi Amram Bloi (1894 - 1974) war das einstige Oberhaupt der antizionistischen Neturei Karta in Mea Shearim.
Insbesondere die Toldot Aharon, die Toldot Avraham Yitzchak und einige Teile der Breslover Chassidim Jerusalems tragen sie: die langen chassidischen. Am Schabbat allerdings bestehen diese Kaftane nicht aus blau - weiß, sondern aus einem fast goldfarbenen glänzenden Kaftan. Die goldfarbenen Kaftane werden am Schabbat ebenso von Karlin - Stolin genauso wie von Karlin - Pinks getragen. Letztere jedoch tragen an Wochentagen schwarze Kaftane.
Am Chol HaMoed (den Zwischenfeiertagen) Sukkot nahm ich an einer speziellen Tour durch das Arabische Viertel in der Jerusalemer Altstadt teil. Unser Guide, Student der nationalrelig. Yeshiva "Ateret Cohanim", klärte uns ebenso über die Herkunft dieser recht auffälligen Art der Kleidung auf. Sobald jemand einen Chassid in dem gestreiften Kaften erblickt, meint man glatt, dass da einer entweder total extrem oder sonst irgendwie außergewöhnlich streng zu sein scheint. Er fast sogar fehl am Platze erscheint, denn heutzutage beschränkt sich chassidische Welt auf überwiegend schwarze Kaftane. Besonders jene Chassidim, deren Gruppen ihren Ursprung in Polen haben. Rumänische, ungarische sowie ukrainische Rebben tragen am Schabbat fast immer einen farbenreichen Kaftan, denn gerade in diesen Länder herrschte diese Tradition (z.B. bei Chassidut Nadvorna, Kretchnif, etc.).
Die Toldot Aharon genauso wie ihre Abspaltung, die Toldot Avraham Yitzchak, machen einen Unterschied, indem sie auch wochentags gestreiften Kaftane tragen. Woher kommt dieser Brauch ? Der Gründer sowie erste Rebbe der Toldot Aharon, deren ursprünglicher Name "Shomrei Emunim" lautete, kam in den Zwanziger Jahren nach Jerusalem und fand dort sephardische Juden in dem gestreiften Kaftan gekleidet vor. Somit stand für Rebbe Aharon Roth fest, dass das ja wohl die originale Kleidung eines Juden sei, wenn man das in Jerusalem so trug. Rebbe Roth wollte alles so authentisch wie nur möglich haben und trug seinen Anhängern auf, sich diesen eigentlich sephardischen Kleidungsstil anzueignen.
Auf meiner Tour jedenfalls vernahm ich eine weitere Erklärung. Gegen Ende des 19. Jahrhundertes schmissen die moslemischen Bewohner des Arabischen Viertels immer mehr aschkenazische Juden hinaus, da diese ihnen angeblich Geld schuldeten. Jede Aschkenaze, der die Altstadt betreten bzw. Zugang zur Kotel (Klagemauer) verlangte, mußte zuerst ein hübsches Sümmchen an die Araber zahlen, damit diese ihn passieren liessen. Und so kamen die Aschkenazim auf die Idee, ihren Kleidungsstil zu verändern. Sephardische Juden nämlich wurden von den Arabern nicht zur Kasse gebeten und durften sich frei bewegen. Also kam man auf aschkenazischer Seite auf die Idee, sich als sephardischer Jude zu verkleiden. Man zog einfach den gestreiften Kaftan über und verzichtete auf Anzug und europ. Schnickschnack. Die Araber bemerkten den Unterschied nicht und liessen die verkleideten Aschkenazim kostenlos passieren.
So kam es, dass langsam immer mehr aschkenazische Juden in sephardischer Kleidung herumliefen, wohingegen die Sepharden ihrer alten Tradition immer mehr entsagten. Heutzutage sieht man kaum noch eine sephardischen Juden in einem gestreiften Kaftan herumlaufen, sondern ausschließlich Chassidim der aschkenazischen Toldot Aharon, Avarahm Yitzchak und Teilen von Breslov.
Die Breslover Chassidim sind leicht von den Toldot Aharon und Avraham Yitchak zu unterscheiden. Die Toldot Aharon und die Avraham Yitzchak tragen am Schabbat Kniebunthosen und dazu weiße Socken (verheiratete Männer, Singles tragen schwarze Socken). Innerhalb der Woche tragen alle Chassidim nur schwarze Socken. Die Breslover Chassidim hingegen tragen ausschließlich nur lange Hosen und daher spielen die Socken keine Rolle.
Vielerseits liessen mir Chassidim ihre Meinungen über "Jerusalemer Chassidim" zukommen. In Jerusalem herrschen oft teilweise unterschiedliche Mentalitäten oder Kleidungsstile. Was ein Chassid in Bnei Brak, New York oder anderswo noch tolerieren kann oder als ganz selbstverständlich betrachtet, gilt nicht unbedingt für einen Jerusalemer Chassid.
Die richtigen alten Jerusalemer Chassidim tragen, u.a., ebenso unterschiedliche Kleidung und von daher erscheinen meine Beschreibungen manchmal abweichend von Chassidim in anderen Orten. Zum Beispiel sind die Chassidim der Toldot Aharon nur in Jerusalem an ihre Kleidung gebunden. In Bnei Brak etc. hingegen, können sie andere Kleidung tragen.
Ganz offensichtlich wird dies bei den Schomrei Emunim, einer weiteren Abspaltung der Toldot Aharon. In Mea Shearim kleiden sich die Männer am Schabbat in ihren goldbrauenen seidenen Kaftan. In Bnei Brak dagegen tragen sie einen normalen schwarzen Kaftan (für Experten: noch nicht einmal eine "Bekishe").
Die Mentalitäten unterscheiden sich dahingehend, dass die Jerusalemer aus Mea Shearim weniger nach außen gerichtet sind. Eben weil es ihnen dort möglich ist, die Außenwelt fernzuhalten bzw. sich nicht zu sehr nach außen orientieren zu müssen.
Es verirren sich wahrlich nicht viele nichtjüdische Touristen in die haredische (ultra – orthod.) Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv. Eigentlich gibt es auch nichts zu sehen und derjenige, der die Stadt besucht ist meist jüdisch – relig. oder interessiert sich für die israelische Niederlassung der Coca Cola Produktion. Obwohl einige Säkulere sowie Nationalreligiöse leben auch in Bnei Brak. Die Mehrheit der Bevölkerung jedoch ist haredisch und die Mehrheit der Mehrheit ist litvisch – haredisch. Die Litvischen besetzen fast die ganze Stadt und viele von ihnen tummeln sich in ihren Yeshivot (u.a. in Ponibezh und Chazon Ish). Wer sich hingegen für die chassidischen Gebiete interessiert, nun, der muß etwas suchen. Hat man sie aber erst einmal gefunden, dann sind alle in wenigen Straßen leicht zu lokalisieren.
Etwas mehr als eine Stunde vor Schabbatbeginn stand ich am Freitag abend in der Hauptgeschäftsstraße von Bnei Brak, der Rabbi Akivah, und wußte nicht so recht wohin. Ich hatte absolut keine Ahnung, wo genau ich nun die Chassidim ausfindig machen sollte, und begann erst einmal, die Rabbi Akivah hinaufzulaufen. Unterwegs fragte ich eine Frau und eine Beit Yaakov – Schülerin (von einer haredischen Schule), wo ich denn den Stadtteil Kiryat Vishnitz finde. Die Vishnitzer Chassidim sind in der Stadt dermaßen verbreitet, dass sie sogar ihr eigenen Stadtteil haben.
"Wow, weit weg. Da mußt Du einen Bus nehmen; bis Chazon Ish und dann frag Dich durch", so lauteten die Antworten, die ich bekam.
Ich nahm keinen Bus, sondern beschloß, soviel von Bnei Brak zu sehen wie nur möglich. Und so machte ich mich zufuss auf den Weg. Nicht weit entfernt traf ich auf die erste Synagoge. Die der chassidschen Gruppe Alexander. Bis vor dem Holocaust war die Chassidut Alexander eine der blühenden polnischen chassidischen Gruppen gewesen. Nach dem Holocaust jedoch gab es kaum noch Chassidim und irgendwann beschloß man, sich der großen "Schwester" Gur (Jiddisch: Ger) anzuschliessen. Heute findet man Alexander überwiegend in Bnei Brak und da sie eine Art Teil von Gur sind, kenne ich ihre Politik gegenüber Frauen nicht. Ob sie Frauen zu ihrem chassidischen Tisch zulassen, denn Gur tut dies als einzige Gruppe nicht. Nach Alexander werde ich ein anderes Mal gehen, denn sie liegen etwas weiter von dem Rest der chassidischen Gruppen der Stadt entfernt.
Nachdem ich fast die gesamte Rabbi Akivah hinaufgelaufen war, sah ich rechts eine Einbiegung, welche Chazon Ish heißt. Ich bog ein und befragte sogleich eine Frau nach Kiryat Vishnitz. "Ich bin von Vishnitz", sagte sie und beschrieb mir sofort den Weg. Ich ging einige Meter weiter und sah sofort die Synagogen der chassidischen Gruppen "Dushinsky", "Bobov" sowie "Seret – Vishnitz". Fast genau gegenüber von ihnen befinden sich die Satmarer mit einer riesigen Synagoge und ihrem Wohngebiet einschließlich ihrer eigene kleinen Läden (u.a. Makolet Satmar).
Kurz darauf stößt man auf die "Aschlag – Synagoge" (einer der früheren Aschlag – Rabbis schrieb den ZOHAR – Kommentar "HaSulam"). Mein erklärtes Ziel jedoch waren die Schomrei Emunim, die Ursprungsgruppe der Toldot Aharon sowie die Chassidut Sadigora (Sadigura). Der Gründer und derzeitige Rebbe Avraham Chaim Roth ist der Sohn des Toldot Aharon Gründers Rebbe Aharon Roth.
Die Chazon Ish Street ist endlos lang und in ihr findet man unzählige Synagogen. In den Seitenstraßen findet man sogar einige litvische Synagogen. Und nun stand ich vor einem Dilemma. In welche der vielen Synagogen sollte ich nun zum abendlichen Schabbatservice gehen ? Selbst Breslov hatte ich gefunden.
Ich entschloß mich, die Schomrei Emunim – Synagoge zu finden und dorthin zu gehen. Endlich fand ich sie gleich neben der Raschi Street und man kann es kaum glauben. Die Frontseite des Schomrei Emunim – Gebäudes ist mit Musikinstrumenten behängt. Schaut ein wenig hippiemäßig aus, aber es ist einmal etwas anderes im sonst so angepassten Bnei Brak. Ich traf auf einen der Chassidim und er berichtete, dass die Frauen der Gruppe nicht den Brauch haben, am Freitag abend die Synagoge zu besuchen. Wie bei vielen anderen chassidischen Gruppen übrigens auch.
Ich kenne Rebbe Avraham Chaim Roth von seinem chassidischen Tisch in Jerusalem und war überrascht, seine Chassidim in Bnei Brak mit einem anderen Kleidungsstil anzutreffen. Schwarze Kaftane tragen sie dort anstatt des Jerusalemer Outfits blau – weiß. Toldot Aharon – Gründer Rebbe Aharon Roth wollte, dass seine Chassidim den Jerusalemer Stil tragen, woanders aber sind sie nicht daran gebunden.
Allerdings wollte ich nun nicht meine Zeit mit dem Suchen nach einer Gruppe, deren Frauen am Freitag abend in die Synagoge kommen, verschwenden und fand gleich um die Ecke Chabad. Wie könnte es auch anders sein ?
Dennoch war ich auch die einzige weibliche Person bei Chabad. Die Chabadnikim in der Synagoge waren anders. Keine Baalei Teshuva und andere neu hinzu Gekommene. Dies waren richtige ursprüngliche Chabadnikim, die auch Jiddisch sprachen. Selbst andere Chassidim hatten sich zum G – ttesdienst eingefunden. Einer von Gur oder Alexander war auch dabei. Ich sage hier "oder", denn Gur und Alexander haben denselben Kleidungstsil und man kann sich nicht auseinanderhalten.
Mincha, das Nachmittagsgebet, ging in weniger als zehn Minuten ruckzuck über die Bühne und danach gab es eine 40 – minütige Lernpause. Zum Abendgebet Mariv sang ein Chazan alle Gebete laut vor, was sehr schön anzuhören war. Ich hatte keine besonderen Pläne und aß mein mitgebrachtes Essen. Hinterher machte ich mich wieder auf die Suche nach Sadigura, an deren Tisch ich teilnehmen wollte. Ich ging und ging und fan dimmer neue chassidische Synagogen, aber nicht die von Sadigura. Ich ging die Rabbi Akivah bis zum Ende hinauf, wo sie in die Kahaneman Street mündet. Und dort fand ich eine chassidische Gruppe, die ich in Jerusalem schon oft besuchen wollte, aber nie dazu kam. Der Rebbe der Gruppe, welcher regelmäßig Jerusalem besucht und große Tische gibt kommt aus Lugano. Und nun wissen viele, welche Gruppe ich fand. Genau die chassidische Gruppe Biale. In Bnei Brak hat Biale einen eigenen Rebben. Ich fand den Fraueneingang und fand dort einen Mann vor. Typisch.
Mit dem Typen hatte ich dann auch gleich eine lange Diskussion, die sich über eine halbe Stunde lang hinzog. Er war kein Chassid, sondern betete bei Biale. Der Typ stellte sich als Glücksfall für mich heraus, denn er gab mir bessere Auskünfte, wie jede Enzyklopedie. Er wußte alles und kannte jeden. Hinterher fragte er mich auch noch nach meinem Alter, denn er suchte offebar einen Schidduch (Ehepartner). Aber ich entkam rechtzeitig. Auf alle Fälle werde ich zu Biale zurückkehren, aber nicht wegen dem Typen.
Einige Auszüge unserer Unterredung:
ER: "Weißt Du, Bnei Brak ist leicht zu erkunden. Die Chassidim haben sich so in etwas um vier große Straßen herum angesidelt und Du stehst gerade genau in der Mitte. Sadigura ist ganz in der Nähe. Geh nur einfach die Straße weiter hinauf. Aber da ist eh nicht viel los und ob es einen TIsch gibt ….wer weiß. Geh zu Vishnitz, da ist high life. Die sind so groß, dass sie allein zwei Stockwerke nur für Frauen haben. Jeder geht zum Vishnitzer Tisch".
ICH: "Wer gibt denn den Tisch ? Israel oder Menachem Mendel ?" (Die zwei Söhne (Rabbi Israel Hager sowie Menachem Mendel Hager) des Vishnitzer Rebben Bnei Brak kloppen sich um die Nachfolge)
ER: "Oh, Du kennst Dich ja mit den Gruppen aus. Israel gibt den Tisch und er ist hier der King. Nicht Menachem Mendel".
ICH: "Und was ist mit Gur (Ger) ? Was denken die Leute hier über sie ?"
ER: "Nun, Gur ist schwer zu handhaben. Die bleiben immer nur untereinander und reden mit keinem. Von denen kriegst Du nie Infos. Eine chassidische Gruppe sollte offen sein und den Leuten entgegenkommen und nicht so geschlossen wie Gur".
ICH: "Und was ist mit Machnovka, die derzeit mit Belz streiten ?"
ER: "Oh, Machnovke, Machnovke, die haben eine winzige Synagoge in der Raschi Street. Sie nennen sich jetzt sogar Belz – Machnovke oder Machnovke – Belz. Kämpfe zwischen chassidischen Gruppen sind schon etwas Trauriges".
ICH: "Und was gibt es hier bei Biale ?"
ER: "Mit Biale in Bnei Brak ist es recht traurig. Der Rebbe ist über achtzig und hat zwar 300 Leute zum Beten am Schabbat, aber keinerlei eigene Chassidim. Er ist ein großer Mann, aber leider ohne Anhänger".
Ich war dem Typen total dankbar für all seine Infos, trotz offensichtlicher Schidduch – Absichten.
Ich kehrte zurück in die Kahaneman Street und ging dann irgendwie in den Seitenstraßen verloren. Unterwegs fand ich das Center der Chassidut Karlin – Stolin und irgendwann dann war ich dann sogar in Kiryat Vishnitz. Dort ging ich total verloren und fragte eine Bewohnerin nach der Chazon Ish Street. Ich gelangte in die Ezra Street und unterwegs sah ich von weitem das riesige Center der Chassidut Nadvorna. Abe rich wollte zu den Schomrei Emunim zurück und schauen, ob die einen Tisch mit dem Rebben haben. Nein, hatten sie nicht; also auf zu Nadvorna.
Ich ging um den riesigen Gebäudekomplex herum und fand ohne Mühe den Fraueneingang. Kurz bevor den Fraueneingang erreichte, erschien hinter mir der Rebbe von Nadvorna. Einige Chassidim und zwei Litvische in Begleitung. Jemand machte mir ein Zeichen, dass ich kurz warten solle. Also stand ich fast neben dem Nadvorna Rebben, der sich von den Litvischen berieseln lassen mußte, denn die krochen fast, verbeugten sich und küßten ihm ohne Ende die Hand. Der Rebbe entkam dann irgendwann. Er wohnt übrigens genau gegenüber vom Fraueneingang und sein Privateingang in die Synagoge befindet sich gleich daneben.
Die Frauenempore bei Nadvorna ist riesig und erinnerte mich an jene von Belz in Jerusalem. Riesig und sauber. Die Mechitzah (Trennwand zu den Männern) besteht aus Glas mit eingefärbten kleinen Löchern. Immer mehr Frauen kamen herein und verschwanden im hinteren Teil um die Ecke. Ich folgte dann irgendwann und als ich ankam, sah ich eine riesige Glaswand, durch die man schauen konnte wie im Theater. Keine Löcher mehr. Eine Frau meinte, ich hätte man gleich hier stehen sollen und ich erwiderte, dass dies mein erster Besuch sei und ich mich nicht auskenne. So kamen wir ins Gespräch und sie erzählte, dass sie von Nadvorna sei. Überhaupt waren wir an dem Abend nur zwei weibliche Gäste. Im Männerbereich standen vier oder fünf Nationalrelig.
Man erzählte mir, dass es Nadvorna nur in Bnei Brak gebe. Kein Jerusalem, kein New York, nichts. Außer ein paar kleinen Synagogen hier und da. Es war total einfach mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Sie sprechen Jiddisch und Hebräisch untereinander. Genauso wie die Teenage Girls.
Unten im Männerbereich hatten sich mindestens 300 Chassidim eingefunden und der Rebbe klatschte in die Hände; als Zeichen zum Beginn. Und man kann mir glauben, wenn der Nadvorna Rebbe Befehle gibt, dann folgen alle. Der Typ aus der Biale Synagoge hatte mir gesagt, dass Nadvorna die besten Melodien (Niggunim) habe, was ich nicht unbedingt bestätigen kann. Das erste Lied war grandiose, das zweite wurde zur Melodie von "Avinu Malkeinu" gesungen und der Rest riss mich nicht gerade vom Tisch, auf dem ich sass. Für mich persönlich hat Belz immer noch die besten Niggunim.
Der Rebbe machte Kiddusch (Segnung des Weines) und aß etwas Challah (Schabbatbrot), aber das war es auch. Das gesamte Essen verteilte er unter den Chassidim, und es gab reichlich warmes Essen. Ein toller chassidischer Tisch und zu keinem Zeitpunkt der Dauer von zwei Stunden langweilig. Allerdings war schwer, mitten in der Nacht wieder nach Tel Aviv zurückzulaufen.
Wenn jemand in Bnei Brak ist, dann sollte er sich nicht nur auf Vishnitz konzentrieren, sondern auch andere chassidische Gruppen besuchen. Nadvorna lohnt sich immer und ich kann es wärmstens empfehlen.
Kaum eine andere chassidische Gruppe im ultra – orthod. Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim erregt soviel Interesse bei den Außenstehenden wie die als extrem angesehenen Toldot Aharon. Ich berichte verhältnismäßig viel über sie, da ich die Frauen der Gruppe sehr zu schätzen gelernt habe. Mit den Männern blieb mir vorläufig der Kontakt versagt, da diese aus Anstandsgründen grundsätzlich nicht mit fremden Frauen sprechen.
An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Einblick in die Besonderheiten der Kopfbedeckung der Toldot Aharon Frauen geben. Fast alles beruht auf meinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen bei den chassidischen Tischen der Gruppe am Schabbat.
Elf Jahre ist es her, dass der vorherige Rebbe der chassidischen Gruppe Toldot Aharon, Rabbi Avraham Yitzchak Kahn, verstarb. Nach dessen Tode wählten die Gruppenmitglieder nicht wie erwartet den älteren Sohn, Rabbi Shmuel Yaakov Kahn, sondern stattdessen den jüngeren Sohn, Rabbi David Kahn, zum neuen Rebben. Rabbi Shmuel Yaakov war so verärgert, dass er daraufhin die Gruppe verliess, um seine eigene zu gründen; die Toldot Avraham Yitzchak. Viele Toldot Aharon Mitglieder folgten ihm, doch verbindet beide Gruppen nach wie vor das gleiche Sidur (Gebetbuch) Tehilla u'Beracha sowie der Kleidungsstil. Anzumerken sei, dass die Toldot Avraham Yitzchak, die Gruppe des Rabbi Shmuel Yaakov, auch nebenbei ihr eigenes Sidur eingeführt haben. Trotz allem aber sind die Toldot Aharon die zahlenmäßig weitaus größere Gruppe der beiden.
Rein äußerlich kann man die Gruppenmitglieder beider Gruppierungen kaum auseinander halten, denn sie tragen die gleiche Keidung. Auch die Kopfbedeckungen der Frauen sind identisch und wenn ich daher hier von den Toldot Aharon rede, dann meine ich ebenso die Avraham Yitzchak.
Die eher "rebellische" oder besser gesagt, die moderne Toldot Aharon Frau bedeckt ihren Kopf mit der traditionellen Yasameh, welche nicht den Hals bedeckt. Die "Yasameh" ist ein Tuch, welches um den Kopf gebunden wird, denn jede verheiratet orthod. Frau bedeckt nach der Hochzeit ihr Haar. Dieses ist Halacha (jüd. Religionsgesetz) und unabhängig davon ob chassidisch oder nicht. Jede orthodoxe jüdische verheiratete Frau bedeckt ihr Haar und die Toldot Aharon machen dies auf eine etwas befremdliche Art und Weise. Die spezielle Yasameh der Toldot Aharon Frauen ist am Schabbat und an den Feiertagen weiß und innerhalb der Woche schwarz. Nicht immer handelt es sich bei ihr um ein Tuch, sondern es könnte theoretisch genauso eine Art Haube sein.
Auf alle Fälle drückt die jeweilige Toldot Aharon Frau einiges mehr anhand ihrer Kopfbedeckung aus. Wie ich zuvor oben berichtete, bedecken die moderneren Frauen nicht unbedingt ihren Hals bzw. Nacken. Andere hingegen tragen eine Yasameh, die nur ihren Nacken, nicht jedoch ihren Hals bedeckt. Beiderlei Arten von Kopfbedeckungen kommen sehr häufig vor.
Der dritte Typ ist die extrem konservative Frau. Sie trägt ein langes Tuch um den Kopf, dessen Enden hinunter bis auf die Brust reichen. Diese Art der Kopfbedeckung drückt aus, dass sich jene Frau uneingeschränkt an alle internen Gruppenregeln (Takanot) halt. Sie ist mit der Tradition verbunden und diesen Typ Frau sieht man "nur" ab und an. Was nicht bedeutet, dass andere Frauen die Takanot nicht einhalten. Dieser Typ Frau ist nur strenger in ihrer privaten Einhaltung.
Was ich an dieser Stelle nicht tue ist, auf die spezielle Kopfbedeckung vieler chassidischer Frauen, den "Spitz" einzugehen.
Was meiner Freundin und mir immer wieder bei den chassidischen Tischbesuchen auffiel war, dass die Frauen (sowohl Toldot Aharon als auch Avraham Yitzchak) offensichtlich noch ein weiteres Teil unter ihrer Yasameh trugen. Zuerst konnten wir nicht genau herausfinden, was sich genau unter der Yasameh befindet und die Frauen zu fragen war mir etwas peinlich. Jedenfalls nicht solange, bis ich jemanden bestimmtes von ihnen näher kenne.
Viele der Frauen haben den Brauch, ein Stück Schaumgummi zwischen ihren Kopf und der ihn bedeckenden Yasameh zu legen bzw. zu befestigen. Dieses Stück Schaumgummi befindet sich immer am Hinterkopf und mir sind bisher zwei verschiedene Arten davon aufgefallen. Erstens ein größeres rechteckiger Stück Schaumgummi (ca. 3 – 4 cm lang) und ein zweites, welches die Form eines Hufeisens zu haben scheint und nur einen Durchmesser von ca. 2,5 cm hat. Als Grund wird angegeben, dass die Frauen meinen, der Schaumgummizusatz gebe der Kopfbedeckung einen gewissen Grad an Attraktivität. Ein anderer Grund könnte sein, dass die Frauen ihrer Kopfbedeckung ganz einfach mehr Halt geben wollen.
Die Frauen der Toldot Aharon und Avraham Yitzchak haben den Brauch, ihre Haare ein oder zwei Tage nach der Hochzeit abzurasieren. Jemand fragte mich, ob denn nicht manche nur ihre Haare einfach ganz kurz schneiden. Zufolge dem, was wir beobachteten, werden die Haare jedoch ganz abrasiert, was man an der eng anliegenden Yasameh erkennen kann. Was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann ist, dass sie soviele Leute für den Haarstil der Toldot Aharon interessieren. Wieso sich die Frauen da die Haare abscheren und was das für persönliche Traumata mit sich bringen kann ? Dabei vergessen viele Leute daran zu denken, dass der Prozeß des Haareabrasierens eine lebenslange Prozedur ist. Es kann definitiv sein, dass die jung verheirateten Mädels beim Blick in den Spiegel nach der Rasur einen Schock bekommen. Andererseits sollte man bedenken, dass die Mädchen von kleinauf so erzogen werden und sie wissen, was auf sie zukommt. Wenn es dann soweit ist, reagiert jeder anders. Ich bin mir sicher, dass das Abrasieren der Haare immer einen Effekt auf die jeweilige Frau haben wird. Selbst noch nach Jahren der immer fortkehrenden Prozedur.
Sobald ich noch mehr über die Kopfbedeckungen in Erfahrung bringen kann, berichte ich davon.
After years of living in Jerusalem, I decided to betray the city by moving to Tel Aviv.:-) In the meantime I returned to the Holy City. It is actually very good to be back in Jerusalem !!!
Nevertheless, I am still writing about Jerusalem but also include many other places in Israel.
Until some years ago, I was a Yeshiva (Michlalah) student. First with the national religious and later with the Litvishe. Also got in contact with Chassidut and this subject and lifestyle has never left me.