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Donnerstag, 24. Dezember 2009

"I have never promised you a Rose Garden" - Chassidische Rebellinnen




B"H

Tel Aviv ist wie New York !
Eine für fast alles offene Großstadt. Nicht so riesig wie New York, aber die Stadt bietet genügend Platz sich zu verstecken.
Israels Chozrei Be'She'ela (geborene relig. Juden, die im späteren Lebensverlauf säkuler werden) flüchten, wenn, dann nach Tel Aviv, um sich dort ein neues "freies" Leben aufzubauen.

Religiöse Ausrichtungen aller Art lieben es positive Kommentare zur Masse jener abzulegen, welche im Lebensverlauf relig. werden (Baalei Teschuva), doch vergisst man nicht selten, auf die Anzahl derer einzugehen, welche die relig. fromme Orthodoxie verlassen. Wobei der Prozentsatz bei Letzteren wesentlich geringer liegt und man bedenken sollte, dass Aussteiger nun nicht zum Konservativen - oder Reformjudentum überlaufen. Sie nehmen einen säkuleren Lebensstil an und auch hierbei kommt man nicht drumherum zu unterscheiden, in wie weit der Lebensstil säkuler und dann wieder streng orthodox ist. Es entkommt sich nicht eben mal so leicht … Die relig. Vergangenheit wird ein Aussteiger niemals los werden.

Ich war selbst einmal so richtig relig. und näherte mich einer "extremen" chassidischen Gruppe an. Letzten Ende jedoch scheiterte ich an den zu hohen Erwartungen der Gesellschaft sowie meiner selbst. Ich verliess die haredische Gesellschaft und seither durchlief ich sämtliche relig. Launen in meinem Leben; nicht selten mit dem Ziel zurückzukehren.





Über längere Zeit hinweg verfolge ich per Internet die Stories dreier Frauen, die aus der chassidischen Gesellschaft ausgestiegen sind und die seither säkuler leben. Dabei tut sich zwangsläufig die Frage auf, inwieweit man denn nun tatsächlich ohne die Religion leben kann, wenn man jahrelang auf der Yeshiva lernte bzw. relig. aufwuchs. Alles so einfach abstreifen funktioniert nicht. Und wie ist das mit den Schuldgefühlen gegenüber sich selbst, G - tt, der Gesellschaft und der eigenen Familie ?

Ich las eine Menge über Gitty Grunwald aus New York, welche die Chassidut Satmar in Kiryat Yoel verliess. Gleichfalls halte mich mich auf dem Laufenden über Baile Glauber, ebenso ein Satmar - Aussteiger aus New York, die für ihren Traum, Police Officer zu werden, einen hohen Preis zahlte. In Israel ist vor allem der Fall der Sarah Einfeld äußerst bekannt. Sie verliess die Chassidut Gur und zog nach Tel Aviv.

Gitty Grunwald wurde im Sommer 2008 durch einen Artikel im "New York Magazine" berühmt. Heute ist Gitty abhanden gekommen und niemand scheint zu wissen, was aus ihr geworden ist. Mehr oder weniger als Hippie und instabil bekannt, erfreut sich Gitty nicht mehr einstigen der Popularität. Zwischenzeitlich erkannte zuviele ihren wahren Chaoscharakter.

Baile Glauber wurde in die Chassidut Satmar hineingeboren, war verheiratet und hat aus der Ehe ein Kind, welches beim Vater lebt. Baile träumte von einem "freien" Leben und einem Job bei der Polizei. Sie verliess die strengen Satmarer und fand tatsächlich einen Job bei der Polizei im Großraum New Jersey. Zumindest bis vor ca. drei Wochen, denn dann wurde sie bis auf Weiteres suspendiert und eine Festanstellung ist mehr als fraglich.
Schuld daran scheint sie selbst zu sein, denn wegen "übertriebener" Antisemitismusbeschwerden den Kollegen gegenüber machte sich Baile nicht gerade beliebt. Sie gab zu, schon im frügen Teeniealter gegen ihre Gruppe rebelliert zu haben.

Der bekannteste Fall in Israel ist der von Sarah Einfeld (ehemals GUR). Sie entflog der Gerrer Gemeinde in Ashdod und siedelte nach Tel Aviv über. Schon vor zwei Jahren begann sie ihren Blog, in welchem sie von ihren Gefühle berichtet. Kurzgeschichten zur chassidischen Gesellschaft verfasst sie und hiermit findet sie eine breitgefächerte Leserschaft: Säkulere Juden, aber auch Haredim.
Generell schreibt Sarah über die teilweise benachteiligten Frauen in der chassidischen Gesellschaft. Ständig schwanger, nur von ihren Kindern redend und daheim am Herd stehend. Das Leben beinhalte mehr als nur einem Rebben zu folgen und die Takanot (interne Gruppengesetze) zu bewahren. Viel zu sehr achten diese Frauen auf die Gesellschaftsanforderungen indem sie einfach den Mund halten und tun, was von ihnen verlangt wird. Männer reden von der perfekten "Eshet Chayil" (Hausfrau, treusorgende Mutter) und wollen damit ganz einfach andeuten, dass die Frau gefälligst die Klappe zu halten hat. Um es auf einen Nenner zu bringen: Schnauze halten und tun, was der Rebbe anordnet. Diese Frauen stecken mittendrin in einem emotionalen und psychischen Knast und denken noch nicht einmal an ein richtiges LEBEN. Träume und Freude.

Ich finde es erstaunlich, dass Gitty Grunwald sowie Sarah Einfeld demselben Muster folgen: Beide begannen in ihrer Jugend zu rebellieren, beide verliessen letztendlich die Gesellschaft und sobald sie ihre "Freiheit" fanden, flippten sie aus. Sie wurden säkuler. Sarah liess sich tätowieren (lt. Thora ist dies verboten); sie ißt am Yom Kippur, doch kocht für den Schabbat vor.
Gitty liess sich halbnackt ablichten und das "New York Magazine" brachte eine Slideshow auf seiner Site. Auch Sarah Einfeld ist halbnackt in der "Yediot Acharonot" zu sehen. Im Oktober stellte die israelische Tageszeitung einen Artikel mit Sarahs Erlebnissen ins Massenblatt.

Es scheint gerade so als flippten nicht wenige ehemalige Haredim völlig aus, sobald sie den frommen Gesellschaftskreisen Ade sagen. Sie geniessen die plötzlichee persönliche Freiheit. Sie essen, was sie wollen und Tel Aviv bietet derlei Leuten ein wahres Eldorado. Die liberale Stadt schreibt fast niemandem etwas vor.

Diese drei Frauen stehen für eine haredische Minderheit den Traum der Selbstverwirklichung auszuleben. "Its my Life" und ich brauche von nun an keinen Rebben mehr um irgendeine Erlaubnis zu bitten. Man wird nicht mehr mit jemandem im Alter von 18 verheiratet und lebt wie gefangen in der Gesellschaft. Diese Frauen versuchen, ihre Gefühle auszudrücken (nicht zu unterdrücken) und ihre Fähigkeiten zu nutzen. Wieso sollte man als Frau keinen Führerschein haben, fragte sich Sarah Einfeld und machte diesen in Tel Aviv. Warum ist einer Frau alles untersagt und ein Mann darf machen was er will ?

Sarah Einfelds Blog wird von nicht wenigen Haredim gelesen; männlich und weiblich. Einige von ihnen tun dies aus purer Neugier, denn man will wissen, wie es ihr so ergeht. Nicht wenige erfreuen sich über die Chassidut Gur zu ergötzen, denn Sarah veröffentlichte deren geheimgehaltene Sextakanot. Sex nur zweimal im Monat und ohne Vorspiel. Den Frauen ist es untersagt, mit anderen Frauen über ihre Eheangelegenheiten zu reden und so bleibt jede Frau mit ihren Emotionen allein.

Gewisse Verhaltensmuster wiederholen sich immer wieder. Eine junge Frau rebelliert, sie verlassen die haredische Gesellschaft und versuchen akribisch den verpassten "Spass" im Leben wie besessen nachzuholen. Sie saugen alles nur so auf, um sich von ihrem ehemaligen Leben abzusetzen. Am Ende werden sie erkennen, dass dies nicht so einfach ist, wie anfangs gedacht. Wie ich sagte: Man geht nicht so einfach und legt sein vorheriges Leben ab wie ein altes ausrangiertes Kleidungsstück. Die eigenen Gedanken drehen sich stets um die Religion, G - tt. Beginnend beim Aufstehen, wenn gebetet werden muss / sollte. Beim Essen. Soll auf die Segen vorher verzichten werden oder ertappt man sich nicht immer wieder dabei, wie man den Segen automatisch sagt ?

Tatsache ist, dass chassidische Gruppen bis heute nicht gelernt haben, mit dem internen Problem umzugehen. Nach wie vor wird zu sehr auf strenge Massregelungen wert gelegt, anstatt psychologisch hilfreich zur Seite zu stehen. Die Angst, dass rebellische Frauen andere in der Gruppe mit sich ziehen ist enorm.

Rabbi Samson Raphael Hirsch schrieb vor langer Zeit einen geradezu reformierenden Thorakommentar zur Parashat Toldot. Er regt den Gedanken an, dass, wenn Yitzchak und Rivka (Rebekka) den rebellischen Esav anders erzogen hätten, er sich wohl wenig als Krimineller entpuppte. Den wilden Esav aber zwangen sie stillzusitzen und Thora zu lernen. Genauso verhält es sich heutzutage mit Teilen der relig. Gesellschaft. Nicht jeder ist zum Lernen gemacht und es gibt halt energiegeladene hyperaktive Haredim, die besser dran wären, wenn sie eine entsprechende ausfüllende berufliche Aufgabe fänden, anstatt frustriert irgendwo zu sitzen. Bis heute wird das Problem der Rebellion zu sehr verdrängt und die Rabbiner kennen kaum etwas anders als rigorose Bestrafung. Die Familien reagieren mit Drohgebärden, denn man sieht sich am Abgrund der Gesellschaft. Die Nachbarn, die Schulen der Geschwister, was werden die wohl sagen ?


Sarah Einfeld in einem Dokumentarfilm. Beim Blogschreiben sowie einer Darstellung der haredischen Busse in Jerusalem.



Jeder Mensch geht mit seinen Problemen im Leben anders um. Einige ziehen es vor trotz aller Leiden nicht aus der Gesellschaft auszubrechen, andere machen auf Lebensumstellung. Ein neues Leben soll her. Eine dritte Gruppe kehrt nach einem zeitweiligen Ausbruch wieder in die haredische Gesellschaft zurück.

Es ist offensichtlich, dass chassidische Gruppen vor einem "Virus" angst haben, der sich schlimmstenfalls durch die gesamte Gruppen ziehen könnte. Der Rebell wird isoliert, damit er keine weiteren Gruppenmitglieder mit seinem abwegigen Gedankengut "infiziert".
Es wird immer Menschen geben, die sich in ihrer Gesellschaft nicht zurechtfinden. Eine perfekte Lösung wäre sicherlich ein Kompromiss beider Seiten. Manchmal gelingt es, diesen zu finden. Falls nicht, dann erweist sich ein Ausstieg (auf Lebenszeit) als unausweichlich.


Selbsterlebtes zum Thema:

Mittwoch, 7. Oktober 2009

"Anstandsbrücke" in Mea Shearim

B"H


Diese Woche finden täglich die Simchat Beit HaShoeva Feierlichkeiten in der chassidischen Gesellschaft statt. Chabad hat große Feiern im jüdischen Teil der Jerusalemer Altstadt; gleich neben ihrer "Zemach Zedek Synagoge" im Cardo.


Die wahren Feiern aber laufen nicht in der Altstadt, sondern in Mea Shearim. Für Juden sind dort sämtliche Synagogen geöffnet und trotz stetiger Enge herrscht eine tolle Atmosphäre.
Die Toldot Aharon haben eine neue Synagoge. Sind die nötigen Spendengelder also doch zusammen gekommen. Aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben, denn der Neubau ist noch längst nicht fertig. Wie bei Vishnitz in Bnei Brak hat man nun zwei Frauenemporen auf unterschiedlichen Stockwerken, denn die Mitgliederzahl der Gruppe wächst.
Die populärsten Feiern dieser Tage in Mea Shearim sind die der chassidischen Gruppen Toldot Aharon sowie von Karlin - Stolin. Ich bin heute nach Tel Aviv heimgekehrt und werde mich nach Bnei Brak hinausbewegen, um die dortigen Feiern anzuschauen. Vor allem bei Vishnitz, Biale oder Sadigura.


Die beiden unteren Photos zeigen die sogenannte "Anstandsbrücke" in Mea Shearim. Schon im vergangenen Jahr wurde sie von den Toldot Aharon für die Sukkot - Feiertage genau zwischen der großen Breslover Synagoge und dem Gebäude der Toldot Aharon platziert. Einige Straßen Mea Shearims sind an Sukkot abends nach Geschlechtern getrennt. Eine Tatsache, an die man sich schnell gewöhnt. Auch daran, dass der Menschenandrang von privaten Sicherheitsleuten kontrolliert wird. Letztere dienen sozusagen als AMPEL. Wenn die Männer passieren, müssen die Frauen anhalten und umgekehrt.


Die Brücke ist dieses Jahr, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, mit weissen Laken oder weissem Plastik verhängt. Die Männer gehen über die Brücke, die Frauen (siehe Schild) untendurch.


Den wahren Sinn der Brücke habe ich bis heute nicht begriffen. Am Brückenende stossen eh die Geschlechter wieder aufeinander und außer diverser interner Politik hat die Brücke keinerlei Bedeutung




 

Donnerstag, 18. Juni 2009

Das TICHEL


B"H

Das obere Photo zeigt einige Frauen der chassidischen Gruppe Satmar in New York. Ihrem Brauch entsprechend tragen sie am Schabbat sowie an Feiertagen ein TICHEL (Tuch) auf ihrer Perücke (Jiddisch: Scheitel).

Aber ist der Scheitel allein nicht ausreichend ? Warum tragen viele chassidische Frauen zusätzlich noch ein Tichel auf ihrer Perücke ?

Ich befragte eine Frau aus Mea Shearim zu dem Thema und sie nannte mir ihren privaten Grund für das Tichel:

"Oftmals schaut der Scheitel so aus als handele es sich um natürliches Haar. Geht ein Mann hinter einer Frau, mag er vielleicht denken, dass die Frau unverheiratet ist und er könnte beginnen, sie anzustarren. Trage ich jedoch noch ein Tichel auf der Perücke, dann ist sofort jedem bewusst, dass ich eine verheiratete Frau bin. Selbst aus weitester Entfernung !"


Chassidische Frauen, die ein Tichel tragen:
Zum Beispiel: Belz, Vishnitz, Dushinsky oder Satmar.

Wie bedecke ich mein Haar mit einem Tichel ?

Eine Gebrauchsanweisung:

http://www.coveryourhair.com/HowToTieTiechels.html


Sonntag, 14. Juni 2009

Frühe Verlobung

B"H

In Mea Shearim und sicher auch in Bnei Brak oder New York gibt es chassidische Gruppen, die normalerweiese kaum ein Mensch kennt. Allein ihrer Größe wegen sind sie fast unbekannt. Manchmal sitzen in Mea Shearim bei einem chassidischen Tisch nur 10 - 30 Chassidim um ihren Rebben herum. Sie stellen mit ihren Familien die gesamte Gruppe dar.

Fast immer habe ich von den großen bekannten Gruppen berichtet, doch am Freitag abend (Erev Schabbat) wurde ich ausgerechnet in Mea Shearim mit einer kleinen Gruppe konfrontiert. Ich war zum Schabbatessen eingeladen (genauso wie gestern bei der gleichen Familie). Tiefster Mea Shearim Hinterhof und eine der Enkelinnen der Gastgeber verkündete freudestrahlend, dass sie sich vor ca. drei Wochen verlobt habe. Geheiratet werde wahrscheinlich im Sommer 2010, doch ein genauer Termin stehe noch nicht fest.


"Hey, zeig mal Deinen Ring", rief eine andere eingeladene Frau dazwischen.
"Habe ich noch nicht", antwortete die Enkelin der Gastgeber.
"Bist Du denn schon alt genug ?" fragte ich.
"Klar, 18 und bald werde ich 19".
"Und von welcher Gruppe ist Dein Chatan (Bräutigam) ?" fragte ich weiter.
"Toltchav, so wie wir".

Nun darf man davon ausgehen, dass geborene Chassidim immer so reden als kenne sich jeder perfekt aus, denn sie sind eine bestimmte Umgebung gewohnt und nicht unbedingt Außenseiter. Bei der Chassidut Toltchav aber setzte es bei mir aus und ich hörte von einem anderen Chassid, dass es sich da um eine Gruppe zwischen 20 - 30 Leuten handele, die eigentlich niemand kenne. Im Internet sind sie nur kurz aufgeführt und deswegen versuche ich mein Glück gerade bei dem Chassidutexperten Yitzchak Alfassi und seinen Büchern. Die Enkelin direkt wollte ich nicht alle Einzelheiten fragen.

Eine Wartezeit bis zu einem Jahr nach der Verlobung ist durchaus nicht unüblich. Ob sich das zukünftige Brautpaar innerhalb dieser Zeit sehen darf und wie oft, das bestimmen die jeweiligen Eltern der beiden. Die Enkelin machte eher einen stolzen als einen total verknallten Eindruck. Stolz darauf, dass sie endlich bald ihre eigene Familie gründen kann und im Frauenkreis mit dazugehört.
Diesen Frauenkreis sah ich dann gestern zusammensitzen als ich mich auf den Heimweg machte. Man saß zusammen auf dem Hinterhof und dann erzählen die Frauen gewöhnlich von ihren Kindern und ggf. den Enkeln. Das mag dem einen oder anderen zu langweilig klingen, aber bei der Mehrheit der Mea Shearim Frauen ist es so, dass das Familiäre im absoluten Mittelpunkt steht.

Dienstag, 2. Juni 2009

Em HaBanim

B"H

Bei EM HABANIM handelt es sich um eine Organisation, welche geschiedenen alleinstehenden relig. Müttern aus Jerusalem hilft.

Trotz all der derzeitigen euphorischen Nachrichten im Internet, in der haredischen (ultra - orthodoxen) Welt gehe das Heiratsfieber um, gibt es dennoch auch Gegenteiliges zu vermelden. Immer mehr haredische Paare lassen sich scheiden. Prozentual betrachtet längst nicht soviele wie anderswo, doch steigen die Zahlen.

Allerdings wird auch nach der Scheidung haredisch weiterverfahren, was bedeutet, dass ein neuer Partner gesucht wird. EM HABINIM (übersetzt soviel wie "Mutter der Söhne") bietet relig. alleinerziehenden Frauen jede Menge Hilfe und Unterstützung. Bisher ausschließlich im Raum Jerusalem.

Montag, 4. Mai 2009

Vortrag bei der Rebbitzen der TOLDOT AHARON

B"H

Gestern abend nahm ich an einem Schiur (relig. Vortrag) der Toldot Aharon Rebbitzen teil. Hier ein kleiner Bericht:

http://hamantaschen.blogspot.com/2009/05/auch-in-der-auenwelt-muss-ich-mir.html

Dienstag, 17. März 2009

Vier Jahre Haft für Elchanan Buzaglo

B"H

Michal (der richtige Name bleibt anonym) ist so glücklich wie lange nicht mehr. "Es gibt doch noch einen G - tt. Einen G - tt der Gerechtigkeit und nicht "Ihren" G - tt".

Mit "Ihrem" G - tt meint die 28 - jährige den 29 - jährigen Elchanan Buzaglo, welcher von der antizionistischen Edah HaCharedit entsandt wurde, um die der haredischen Gesellschaft entwichenen Michal wieder auf die Pfade des Anstandes zurückzubringen. Und sei es mit Gewalt.

Zusammengetreten habe Buzaglo die Frau; gnadenlos und im Namen G - ttes und des Anstandes.

Vor wenigen Tagen wurde er zu vier Jahren Haft und zu einer Geldstrafe von 10,000 Schekel (ca. 2000 Euro) veurteilt. Damit dürften sich dann seine 2000 Dollar Kopfgeld, der Entlohnung der Edah, nicht ausgezahlt haben.

Die Geschichte der Michal ist typisch für eine junge aus der haredischen Gesellschaft ausgestiegenen Frau. Mit 16 Jahren schon wusste sie, dass sie nicht mehr dazugehörte, doch ihre Eltern, strenge Haredim, wollten den Ausstieg ihrer Tochter verhindern. So verheirateten sie sie schnell mit einem 28 - jährigen Mann, wobei sie ihrer Tochter gegenüber angaben, der Zukünftige sei erst 23 Jahre alt.

In haredischen Kreise ist es mehr als üblich durch eine Heirat Probleme auszuradieren. So glaubt man, aufmüpfige Sprößlinge wieder auf den richtigen "ehrenwerten" Pfad zu führen und ihnen mit der neuen Eheverantwortung die Flausen auszutreiben. Erst einmal verheiratet, wenn es geht mit einem strengen Ehepartner, werden einm schon andere Gedanken in den Kopf kommen und man denkt nicht mehr ans Davonlaufen.
Nicht jedoch bei Michal. Obwohl sie im Alter von 22 schon dreifache Mutter war, platzte ihr mit 25 ganz der Kragen. Sie verliess ihren Gatten, der sich sofort mit den drei Kindern (heute im Alter von 6, 10 und 11 Jahren) in die USA absetzte, damit kein israelisches Gericht der abtrünnigen Mutter das Sorgerecht zuspreche.

Da sich Michal mit Männern zwecks Wiederheira traf untd sich außerdem von der haredischen Gesellschaft losgesagt hatte, entsandte die Edah HaCharedit den Schläger Buzaglo. Der aber hatte schon mehrere Personen auf dem Gewissen und die Polizei ermittelte.

Vor lauter Gewissenhaftigkeit begreifen viele haredische Eltern gar nicht, was sie ihren Kindern antun. Hauptsache der Scheint bleibt gewahrt und das nennt man dann religiös.

Link:

http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1237114842081&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

Freitag, 13. März 2009

Verbot nichtjüdischer Haare in Perücken

B"H

Der litvisch geistige Führer, Rabbi Yosef Shalom Eliyashiv, sowie der ehemalige sephardische Oberrabbiner und geistiges Oberhaupt der SHASS - Partei, Rabbi Ovadiah Yosef erliessen ein offizielles Verbot gegen das Tragen von Perücken hergestellt aus dem Haar von Nichtjuden.

Seit Ewigkeiten gibt es Streit bezüglich der Perücke; der Kopfbedeckung meist haredischer (ultra - orthodox.) verheirateter, geschiedener oder verwitweter Frauen. Soll Frau nun Perücke tragen oder ihr Haar einfach nur mit einem Hut oder Tuch bedecken ? Und was ist mit jenen Frauen, die nach wie vor dem alten rumän. - ungarischen Brauch folgen und ihr Haar nach der Hochzeit ganz abrasieren ? Abrasieren, um ein Tuch umzubinden und darauf eine Perücke zu platzieren, denn ohne Tuch auf dem geschorenen Kopf würde die Perücke stets verrutschen.

Abrasieren sehen Rabbi Eliyashiv sowohl als auch Rabbi Ovadiah Yosef als zu abgefahren und erkennen diesen Brauch nicht an. Praktiziert wird dieses Verfahren heute eh immer weniger, außer bei extremen Gruppen wie den Toldot Aharon oder den Toldot Avraham Yitzchak. Vereinzelt scheren sich die weiblichen Anhänger des Chatam Sofer sowie weiterer Gruppierungen ebenso die Haare nach der Hochzeit. Jedoch nicht im Gruppenverfahren wie bei den Toldot Aharon.

Bnei Brak hängt derzeit voll mit Verbotspostern. Nichtjüdische Haare sollen in keine jüdische Perücke, denn wer kann schon genau sagen, was Völker wie die Inder (in der Vergangenheit kamen viele dieser Perücken aus Indien) praktizieren. Wird da etwa Haar zur Götzenanbetung benutzt ?

Wie auch immer, die beiden Rabbiner beziehen sich auf einen Vers (Passuk) im Talmud Schabbat, dessen genaue Seite ich leider nicht mitbekam. In Bnei Brak sind Perücken bei chassidischen Gruppen wie Gur, Satmar oder Vishnitz absolut IN. Wer dagegen die Toldot Aharon Synagoge in Jerusalem mit Perücke betreten will, der wird per Schild darauf aufmerksam gemacht, dass er sich gefälligst ein kleines weisses Tuch (Tichel) auf die Perücke zu setzen hat. Besagte Tücher sind neben dem Schild in einer kleinen Holzkiste vorzufinden.

Da behaupte noch einer, die Kopfbedeckung der haredischen Frau sei unkompliziert !

Mittwoch, 4. März 2009

Ein Single ist ein Nichts

B"H

Am vergangenen Schabbat aß ich in Mea Shearim (ultra - orthodoxer Stadtteil in Jerusalem) zu Mittag. Ich war bei einer chassidischen Familie eingeladen, die in einem der Hinterhöfe wohnt. Dort wo auch die Neturei Karta, die Toldot Aharon, Satmar, die Toldot Avraham Yitzchak sowie die Anhänger des Chatam Sofer zuhause sind.

Ich nahm eine Freundin mit und zu unser aller Überraschung waren wir fast allein mit der Gastgeberin. Sobald die Familie Gäste hat, wird die Sitzordnung nach Geschlechtern getrennt. Heißt, dass Männer und Frauen in getrennten Räumen sitzen. Die Mäner sitzen gleich in einer Eßecke neben der Eingangstüre und wir Frauen sassen dahinter im Wohnzimmer. Wenn der Hausherr am Schabbat Kiddusch (Segnung des Weines) macht, so hören wir Frauen dies nur, da wir ja im Wohnzimmer nebenan sitzen.
Ich kenne einige chassidische Frauen, welche die getrennte Sitzordnung (nur wenn Gäste im Haus sind) als einen Tikun (Seelenkorrektur) betrachten.

Wir waren mitten beim Essen als eine ältere Frau aus der Nachbarschaft hereinmarschierte. Sie stammte ursprünglich aus New Jersey lebt aber nun im gleichen Hinterhof wie meine Gastgeber. Die Dame stellte sich als Mitglied von Chabad (Lubawitsch) vor und ich war recht überrascht, denn normalerweise trifft man in der Gegend nicht gerade auf einen Lubawitscher. Obwohl die abstritt eine der Meschichisten (jene Chabadnikim, die glauben, ihr letzter Rebbe sei der Meschiach) zu sein, war uns klar, dass sie schwindelte. Vor allem dann als sie auch noch am Tisch den Meschichistensong "Yechi Adoneinu …" zu trällern begann. Hinterher nahm sie meine Freundin und mich mit zu sich in die Wohnung, um uns Bilder von ihrer zweiten Hochzeit (vor zwei Jahren) zu zeigen. Und was sah ich da frischgedruckt auf ihrem Tisch liegen ? Eine Ausgabe des Magazins "Beit Moshiach" von Lubawitsch.
Sie kann von Glück reden, dass ihre Nachbarn das noch nicht herausgefunden haben, sonst würden diese eine Stange Dynamit in ihrem Briefkasten platzieren.

Die Bewohner Mea Shearims sind extrem neugierig. So furchtbar neugierig, dass es mir schon teilweise richtig auf den Wecker geht. Sobald man sich näher mit den Frauen unterhält, glauben sie auch schon, einen zu besitzen. Dann transformiert man automatisch zum Informationssklaven. Erst hören sie gemächlich zu, um dann darauf auf einem herumzuhacken.

Und am letzten Schabbat wurde ich zu solch einem Hackopfer.
Da ich Anfang 40 und Single bin, wird selbstverständlich auf mir herumgehackt, denn in der haredischen (ultra - orthdox.) Gesellschaft ist derlei Tatsache einfach unvorstellbar. Geschieden oder verwitwet JA, aber Single ? Und somit hackten dann die 78 Jahre alte Lubawitscherin samt Gastgeberin (Anhängerin des Chatam Sofer) auf mir herum. Man stelle sich zwei alte Damen mit ihren verrückten Fragen einschließlich ihrer wilden Fantasie vor.
Die Männer nebendran schlossen sogar die Tür als die Lubawitscherin rief, G - tt habe mir eine Gebärmutter gegeben, damit ich diese auch benutze. Das Schließen der Tür bemerkte ich gar nicht, denn ich dachte, ich befände mich inmitten eines Traumes. Hier sassen zwei alte Damen aus Mea Shearim und redeten von Gebärmuttern und Gefühlen !

Die Lubawitscherin berichtete uns, dass die vor zwei Jahren zum zweiten Male geheiratet hatte. Ihr Gatte sei ein direkter Nachfahre des Chabad - Gründers Rabbi Shneur Zalman von Liadi gewesen. Zehn Tage nach der Hochzeit bekam der frischgebackene Gatte dann einen Herzinfarkt. "Kein Wunder !" - dachte ich mir.

Nicht alle Haredim sind so wie jene Bewohner Mea Shearims, aber gerade in der Nachbarschaft meiner Gastgeberin existiert keine Frau, die in meinem Alter Single ist. Als ich von einem Freund erzählte, aber dass mir die Zeit zur Ehe fehle, kamen die Ladies erst richtig in Schwung.

Sobald ich jemanden aus Mea Shearim treffe, werde augenblicklich zwei Themen diskutiert:
1. Warum ich immer noch Single bin und 2. Wieso ich nicht so religiös bin, wie ich eigentlich sein sollte bzw. in der Vergangenheit einmal war.

Egal, wo man hinhört; ob in Bnei Brak oder Mea Shearim, alles redet ständig nur von Schidduchim (Ehepartner finden) und Kindern. Zumindest hatte die Lubawitscherin nichts gegen mein Internet einzuwenden, denn laut dem letzten Rebben darf alles zur Keduscha (Heiligkeit) verwendet werden. Unsere Gastgeberin hingegen fiel fast vom Stuhl. Sie als Anhängerin einer Chatam Sofer Gruppe ist gegen jegliche Neuerungen im Leben. "Alles Neue ist schlecht und verboten", so der im Jahre 1839 verstorbene Rabbi Moshe Sofer. Nur die "alten traditionellen" Wege haben sich zeitlebens als richtig erwiesen.

Wie dem auch sei, die beiden Damen geben nicht auf und planen eine neue Attacke, mich auf die richtigen Pfade zu bringen. Sie wollen mich mit einer Deutschen bekannt machen, die da auch in ihrer Nachbarschaft wohne. Einen Polen habe sie geheiratet und beide seien Mitglied einer chassidischen Gruppe geworden. "Eine richtige Zaddekes (gerechte Frau)", schwärmten die Ladies und es sei schon ein starkes Stück, dass Leute von außen uns allen heutzutage erst den richtigen Weg zeigen müssen.

Ich geniesse die Besuche bei extremen chassidischen Gruppen sehr, doch irgendwann wird es mir zuviel und ich bin immer wieder froh, danach in der "normalen" Welt (in der unseren) abzutauchen. Der Gesellschaftsdruck, der Chatam Soifer, der Hinterhof … das ist einfach alles zuviel für mich. Vielleicht ist es sogar G - tt zuviel …

Montag, 23. Februar 2009

Vorsicht FRAUEN !!!

B"H

Das untere Photo fand ich in einem israelisch - haredischen (ultra - orthod.) Forum und eigentlich beschreibt der Poster das sensationelle neue Fahrrad für die ganze Familie. Toll, dachte ich, doch dann sah ich die zwei weissen Felder mitten im Bild, die auch nach mehrmaligem Mausklick nicht verschwinden wollten. Und dann erst wurde es mir klar: Dort, wor sich die zwei weissen Felder im Bild befinden, sitzen FRAUEN auf dem Fahrrad ! Und aus Anstandgründen und damit kein frommer Haredi unanständige Gedanken bekommt, wurden die Frauen halt kurzerhand wegretouschiert.



Photos, die Frauen zeigen, sind in der haredischen Gesellschaft verpönt und gelten als unanständig. Das erwecke im Mann diverse Gefühle und um das von vornherein auszuschalten, werden Frauengesichter grundsätzlich hinausretouschiert.

Vielleicht mag der ein oder andere Leser dem Eindruck erliegen, ich berichte zuviel zum Thema "Anstand in der haredischen Gesellschaft", doch dem ist eigentlich nicht so. Nur gewisse Vorfälle sowie dieser Art der Photos bringen mich auf die Palme.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Shiur bei der Rebbitzen der "Toldot Aharon"

B"H

Jede zweite Woche gibt die Rebbitzen der chassidischen Gruppe "Toldot Aharon" einen Schiur (relig. Vortrag) in ihrem Haus in Mea Shearim. Eine Freundin einer Freundin will mich nächste Woche dazu mitnehmen und ich freue mich schon auf das Event.

Ich hörte, dass die Rebbitzen mehr eine "Frage & Antwort" Session abhält und jeder fragen kann, was er will. Sie erklärt dann wie ein optimales ultra - orthodoxes Leben aussehen sollte. Zumindest aus ihrer Sicht.

Besagter Vortrag ist nur für Frauen !

Schade, dass nicht mehr Rebbitzens derlei Schiurim geben !
_______________

Bei einer Rebbitzen handelt es sich stets um die Frau eines chassidischen Rebben (Oberhaupt einer chassidischen Gruppe) !!!.

Alle anderen Frauen nicht - chassidischer Rabbiner werden "Rabbanit (Plural: Rabbaniyiot)" genannt !!!

Sonntag, 23. November 2008

Binde Dein "Tichel"

B"H

Für all jene verheirateten jüdisch - religiösen Frauen, welche da beabsichtigen, ihr Haar mit einem "Tichel" zu bedecken - hier eine kleine Gebrauchsanleitung:

http://www.coveryourhair.com/HowToTieTiechels.html

Für mich ist das sogenannte "Tichel" auf der Site nichts weiter als ein "Schmattes - Fetzen" (Umgangssprache), denn mit einem Tichel identifiziere ich die kleinen weissen Tüchlein, mit der chassidische Frauen am Schabbat ihre Perücke bedecken. Nicht ganz bedecken, sondern eher auf das Kunsthaar stecken.

Montag, 15. September 2008

Die neuen Generationen

B"H

Kann sein, dass ich manchmal blind bin, denn einige Leute sagten mir, dass ihnen das ja alles schon lange aufgefallen sei.
Wie dem auch sei, mir jedenfalls fiel es erst am letzten Freitag (Erev Shabbat) so richtig auf.

Die jungen Frauen der doch so extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon schauen längst nicht mehr so konservativ aus wie die ältere Generation. In den Takanot (internen Gruppengesetzen) ist die Kleidervorschrift fest verankert. Nach der Hochzeit müssen die Haare der Frau abgeschoren werden. Dies ist ein Gesetz der Gruppe und es gibt kein Drumherum. Genauso wie die Kleidung, welche fast ausschließlich aus schwarzen oder dunkelblauen Farben besteht. Niemand soll hindurch schauen können. Zusätzlich werden schwarze Wollstrümpfe getragen, denn auch die Beine der Frauen dürfen nicht sichtbar sein.

Die Kopfbedeckungen unterliegen mittlerweile vielerlei Variationen. Ganz Konservative bedecken ebenso ihren Nacken, andere wieder nur halb oder gar nicht. Und die ganz Strengen tragen eine Kopfbedeckung, welche gleichzeitig die Schultern mitbedeckt.

Wie auch alle Kleidervorschriften lauten mögen, die neue Zeit ist auch bei den Frauen der Toldot Aharon eingekehrt. Die Moderne geht heutzutage an keinem noch so engen Hinterhof mehr vorüber. Haredische Frauen haben schon vor langer Zeit die Schminke entdeckt. Make - up, Ringe an den Fingern, Ohrringe, moderne Kleidung. Kleiderregeln ja, doch irgendwie auf modern getrimmt.

Kein Zweifel, hier wächst eine ganz neue Generation heran, was bei den älteren Mitgliedern nicht immer auf das vollste Verständnis stößt. All die auffällige neue Moderne jedoch bedeutet nicht, dass die alten Ideale und Traditionen der Vergangenheit angehören; sind doch gerade die Toldot Aharon - Frauen dafür bekannt, die Gruppe zusammenzuhalten.

Dienstag, 26. August 2008

Feministin Par Excellence

B"H

In der orthodoxen jüdischen Gesellschaft wird stetig von Feminismus geredet. Nicht unbedingt die orthodoxen Frauen selbst beteiligen sich an der Diskussion, sondern vielmehr werden von völlig Außenstehenden Zweifel an der Gesellschaft angemeldet. Wie stehen orthodoxe Männer zu ihren Frauen ?
Hierüber kann ein jeder ellenlange Berichte verfassen und im Endeffekt läuft alles immer auf eines hinaus: Es kommt auf den jeweiligen Mann und die Frau an. Alles nur über einen Kamm scheren geht nicht immer und man ist gezwungen, sich hinzusetzen und viele Individualfälle zu analysieren.

Der Autor Tzvi M. Rabinowicz gibt in "The Encyclopedia of Hasidim" ein ausgezeichnetes Beispiel für eine weibliche Selbstverwirklichung in der Geschichte des Chassidismus. Adel, die Tochter des Baal Shem Tov selbst mag den meisten Leuten völlig unbekannt sein; doch zu Lebzeiten war sie eine herausragende und anerkannte Persönlichkeit.

Adel (ca. 1720 - ca. 1787) war die einzige Tochter des Baal Shem Tov und dessen Frau Channah. Der Baal Shem Tov liebte zu sagen, dass er die Buchstaben des Namen "Adel" der Thora entnahm (Esh Daat Lamo). Schnell zeigte sich Adels Intelligenz und ihr Vater liebte sie abgöttisch.

Nachdem Adel's Mutter Channah verstarb, kümmerte sich die Tochter um ihren Vater und als er krank wurde, pflegte sie ihn bis zu seinem Tode. Die Chassidim des Baal Shem Tov nahmen Adel durchaus ernst und sie hatte einen festen Platz innerhalb des Anhängerzirkels. Später heiratete sie Rabbi Yehiel Ashkenazi und die beiden betrieben einen kleinen Laden.

Adel und Rabbi Yehiel hatten zwei berühmte Kinder - Rabbi Moshe Chaim Ephraim von Sudzilkov und Rabbi Baruch von Medzibozh. Ihre Tochter Feiga (Feigi) wurde die Mutter von Rabbi Nachman von Breslov. Somit ist Rabbi Nachman der Urenkel des Baal Shem Tov.

Bei den Breslover Chassidim ist es eine alte Tradition, den Kindern bestimmte Namen zu geben. Aufgrunddessen wird man in fast jeder Breslover Familie einen "Nachman" sowie eine "Feiga" finden.

Sonntag, 24. August 2008

Dienstag, 29. Juli 2008

Eshet Chayil - Die Rolle der Frau in der haredischen Gesellschaft

B"H

Es ist schon mehr als erstaunlich, wie wenig sogar die Nationalreligiösen über die haredische (ultra – orthod.) Geesellschaft wissen. Vieles sind die üblichen Stereotype, was mich zu Beginn etwas überraschte. Bei den litvischen Haredim andererseits trifft das Gleiche im bezug auf die chassidische Welt zu. Auch dort herrscht Unwissenheit.

Neulich kam ich zu einem Schiur (Vortrag), bei dem ein amerikanischer nationalrelig. Rabbi auf mich zukam und meinte, er habe von meinem engl. Blog gehört und wolle mehr über die Rolle der haredischen oder besser gesagt, der chassidischen Frau wissen. Ob es wahr sei, dass Chassidim ihren Frauen keine höheren jüdischen Studien erlauben. Höhere Studien – dies bezieht sich insbesondere auf den Talmud, den Schulchan Aruch, Thorakommentatoren wie den Ohr HaChaim, den Malbim, Kli Yakar, die Kabbalah und ebenso (man mag es kaum glauben) den Rambam (Maimonides).

Um sich ein Bild über den Grund seiner Behauptung machen zu können, sollte sich ein jeder vielleicht erst einmal ein kleines Bild von der haredischen Frau in der Gesellschaft an sich machen. Aus diesem Grund füge ich einen aufgearbeiteten Artikel ein, den ich so ungefähr schon einmal veröffentlichte:

Eshet Chayil - Die Rolle der Frau in der haredischen Gesellschaft

Wer als Außenstehender der haredischen Frau auf der Straße begegnet, dem gehen nicht selten sämtliche stereotype Vorurteile durch den Kopf. Eines davon ist fast immer, dass haredische Frauen (Harediot) von der Männerwelt komplett unterdrückt werden. Doch wie schaut sie nun wirklich aus, die Rolle der haredischen Frau ?
Zuerst einmal muß man sehr zwischen den internen charedischen Gruppen differenzieren. Die Rolle der Haredit in Israel ist eine andere als der in New York oder London. Auch unterscheidet sich die Haredit in der chassidischen Gesellschaft von der in der litvischen oder der modern – orthodox Gesellschaft.

Für die Haredit, welche in die haredische Gesellschaft hineingeboren wird (und nicht später dazustößt), beginnt die Rolle schon in der frühesten Kindheit. Mit drei Jahren gehen sie in den haredischen Kindergarten und kurz darauf in die Mädchenschule Beit Yaakov. Fast jede chassidische Gruppe hat ihr eigenes Beit Yaakov und falls nicht, trägt die Schule einen anderen Namen, doch das Schulsystem bleibt im Wesentlichen gleich. Für die litvischen Harediot gibt es ein extra Beit Yaakov. Das System des Beit Yaakov wird in Israel anders gehandhabt als im Ausland. In New York oder anderswo ist die Schule wesentlich offener und weltlicher als in Israel. Dazu kommt, dass im Ausland der Lernstoff viel intellektueller ist. Intern gilt die Sitte, dass israel. Haredim ungern Frauen heiraten, die auf ausländ. Batei Yaakov waren. Sie werden als zu modern eingestuft. Für die chassidischen Gruppen, welche Mitglied der antizionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit sind, ist das Beit Yaakov absolut undiskutable, denn dort wird vorwiegend in hebräischer Sprache unterrichtet und nicht in Jiddisch.

Was lernt man nun auf Beit Yaakov oder einer haredischen Schule ?

Auch hier gibt es wieder die berühmten Unterschiede zwischen Chassidim und Litvisch. Allgemein lernen die Mädchen Thora mit Raschi - Kommentar, Kindererziehung, Haushaltsführung, Mathematik, Geographie, Geschichte und Psalmen (Tehillim). Das vermittelte Thorawissen ist auf keinem hohem Level, sondern wird vielmals auf ein Minimum beschränkt. Talmud steht nicht auf dem Lernplan. Hierzu wird gerne ein Satz aus dem Talmud selbst zitiert, nachdem Frauen andere Aufgaben haben als Männer und zu diesen Aufgaben gehoert nicht der Talmud. Man kann den zitierten Satz im Talmud auch anders auslegen, aber die meisten Frauen können sich diesbezüglich nicht mit Gegenzitaten wehren, denn die sind ihnen unbekannt. Anders liegt der Fall bei Chabad. Dort legte der letzte Lubawitscher Rebbe Menachem Mendel Schneerson fest, dass eine Frau Talmud lernen muß. Fremdsprachen wie Englisch stehen heutzutage mehr auf dem Stundenplan als jemals zuvor. Ausnahmen sind allerdings wieder die Mitglieder der Edah HaCharedit, wo keine Fremdsprache unterrichtet wird.

Von der Schulbank kommen die jungen Harediot im Alter von 17 oder 18 Jahren direkt auf den Heiratsmarkt, um ihren Schidduch (zukünftigen Ehepartner) finden. In die israel. Armee werden sie nicht eingezogen und sie leisten auch keinen Sozialdienst (Sherut Leumi) wie ihre "Kolleginnen" bei den Nationalreligiösen.

Von kleinauf wird die Haredit auf ein Familienleben vorbereitet. Sie soll einen guten Ehepartner finden, vorzugsweise jemanden, der Thora lernt. Zu erwähnen ist, dass sich heutzutage viele Ansichten schon geändert haben. Zumindest bei vielen ausländischen litvischen Haredim. Dort sollte der Ehemann schon arbeiten und Geld verdienen.
In streng chassidischen Kreisen ist das unvorstellbar. Dort muß der Mann lernen und die Frau verdient das Geld und versorgt gleichzeitig den Haushalt. Ob und wieviel der Gatte zur Haushaltsführung mithilft, ist sicher individuell zu betrachten und kann nicht verallgemeinert werden.

Die Hauptaufgabe der haredischen Frau besteht in der Haushaltsführung einschließlich Kindererziehung. Womit sich der Mann in den freien Stunden nach dem Thorastudium beschäftigt, weiß sie oft nicht. Sie sollte die perfekte Eshet Chayil und natürlich anständig sein. Anständige religiöse Kleidung tragen und sich dementsprechend in der Öffentlichkeit verhalten. Neben dem Haushalt geht sie zu Shiurim (relig. Vorträgen) oder zu Treffen mit anderen Harediot aus der gleichen Gruppe. Nähkurse, Kochkurse oder Musikgruppen werden als Freizeitprogramm angeboten. Diese Frauengruppen unternehmen auch gemeinschaftliche Ausflüge. Vorzugsweise zu Gräbern berühmter Rabbis oder zu Synagogen. Auch hat jede chassidische Gruppe ihre eigene Frauengruppe für soziale Zwecke. Krankenhausbesuche, Spendensammlungen etc.

Anzumerken sei, dass ich bei meinen Beschreibungen die chassidischen Gruppen Chabad sowie Breslov ausschließe, genauso wie viele litvische haredische Frauen, denn in diesen Gesellschaften gelten teilweise offenere Regeln bzw. die Frauen nehmen sich viel mehr Freiheiten heraus. Bei weiteren chassidischen Gruppe sind jedoch die o.g. Kurse Gang und Gebe.

In der haredischen Presse findet die Frau grundsätzlich keinen Platz. Selten wird über Frauen berichtet geschweige denn werden Artikel von weiblichen Autoren veröffentlicht. Photos von Frauen gibt es in der haredischen Presse überhaupt nicht.

Bis hierher scheint alles nach der stereotypen Meinung abzulaufen, doch geht es in vielen Familien oft ganz anders zu. Nicht selten lehrt der Ehemann der Frau daheim Talmud und fragt sie um Rat in allen Lebenslagen. Sogar innerhalb chassidischer Gruppen gibt es berühmte Rabbaniot, Ehefrauen der Rabbiner bzw. der Rebbes. So erreichte die Ehefrau des ehemaligen Rebbe der Satmarer Chassidim, Rabbi Yoel Teitelbaum, fast Popstarkult. Feiga Teitelbaum war äußerst populär, auch bei den Männern. Von jedem wurde sie um Rat gebeten. Eine frühere Rabbanit und Ehefrau eines ehemaligen Rebben von den Vishnitzer Chassidim steht im Ruf die Chassidut gemanagt zu haben. Was immer sie sagte, ihr Gatte führte es aus. Genauso die Frau des Rebben der Belzer Chassidim, die übrigens die Tochter der voher genannten Vishnitzer Rebbitzen ist. Die Belzer rebbitzen dient als Vorbild für die Frauen in der Gruppe. Bei der Chassidut Gur dagegen spielen die Frauen die geringste Rolle. Gur ist immer auf Anstand bedacht und sehr vorsichtig in Frauen – u. Männerangelegenheiten.

Vielleicht in chassidischen Kreisen weniger, doch bei den litvischen oder den modern – orthodox kann sich die Frau sehr wohl verwirklichen. Am ehesten, wenn diese Frauen aus dem Ausland kommen. Unter amerikanischen Harediot gibt es Universitätsprofessorinnen, Anwältinnen, Wissenschaftlehrinnen, Ärztinnen etc. Andererseits kenne ich Chassidiot mit Doktortiteln. Für israelische Harediot dagegen ist eine Universitätsausbildung so gut wie unmöglich. Nicht nur, dass die Uni als unanständiger Platz ansehen wird (Männer und Frauen lernen zusammen), sondern vielmehr weil eine Beit Yaakov Schulbildung für die Aufnahme an eine Uni nicht ausreicht.

Jetzt fragen sicher viele, wie die Frauen solch einem Leben zustimmen können. Sie müssten doch so schnell wie möglich entkommen. Nun, das ist genau das, was der Außenstehende denkt.
Aber nicht eines jeden persönliche Meinung ist ausschlaggebend. Was ich für richtig und modern ansehe, muß ein anderer noch lange nicht so sehen. Wer mit Harediot spricht, der wird in den seltensten Fällen das Wort Feminismus hören. Wer so aufwächst wie sie, der kennt die andere (unsere) Welt nicht und vermißt auch nichts. Im Gegenteil, mir ist aufgefallen, dass Harediot manchmal etwas arrogant auf nichtreligiöse jüdische Frauen herabsehen. Schließlich führen sie in ihren eigenen Augen das perfekte religiöse Leben.

Natürlich ist keine Welt perfekt, auch nicht die haredische. Eheprobleme oder Probleme innerhalb der Gruppe werden so gut wie nie nach außen getragen. Es gibt interne Beratungsstellen.
Jede Frau muß selbst wissen, in welcher Gesellschaft sie sich wohlfühlt. Kommt es in der haredischen Familie nicht unbedingt zu Komplikationen, so wird sich die Frau sicher wohlfühlen. Probleme kommen dann auf, sobald sich die Frau nicht anpaßt oder gar scheiden läßt. Sollte sie rebellieren oder vor den Beit Din Scheidungsrabbis stehen, dann kommt sie garantiert mit der herrschenden Männerwelt in Kontakt.

Jegliche Rebellion gegen das System hat noch nie etwas eingebracht. Die alles beherrschenden Rabbis können nur mit relig. Argumenten überzeugt werden, was manchmal Generationen dauern kann.
Eines ist aber sicher: Was ich daheim in meinen vier Wänden mit meinem Ehepartner mache, geht keinen etwas an. Auch nicht die wachsamen Nachbarn.

Zum Schluß sollte ich erwähnen, dass ich in meiner Beschreibung die sephardischen Harediot ausgelassen habe. In der sephardischen Gesellschaft schaut die Rolle der Frau wesentlich anders aus. Dort sind eventuelle akademische Ausbildungen von der Männerwelt total unerwünscht; einschließlich höhere akademische Studien über das Judentum.


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Soweit die kurze Beschreibung der Frau in der ultra – orthodoxen Gesellschaft.

Um auf den Rabbiner zurückzukommen, der mich nach den Lerninhalten der Frau in der haredischen Gesellschaft befragte: Ganz klar unterstreichen viele chassidischen Gruppen nicht gerade höhere Studien der Frau. Wobei auch keine Ermutigung dazu stattfindet. Andererseits sollte man diese Vorgehensweisen genauso als Individualfall betrachten. Vielleicht lernt die Frau ja daheim einiges, was sie allerdings niemals nach außen tragen kann. Gibt es soetwas ? Ja, ganz sicher, nur bleibt es halt hinter den Kulissen.

Warum die haredische Männerwelt die Frauen nicht gerade zu weiterführenden Studien ermuntert ?
Dies wiederum ist ein anderes Thema, wobei es auch wieder um Machtpositionen geht. Aber nicht individuell, sondern gruppenbedingt.

Freitag, 25. Juli 2008

Gitty Grunwald in Israel

B"H

Die aktuelle Wochenendausgabe der israel. linksgerichteten Tageszeitung "Haaretz" präsentiert ihrer Leserschaft den vollständigen "New York Times" - Artikel über Gitty Grunwald. Die nämlich war Anfang des Jahres 2007 den Satmarer Chassidim sowie deren Kleinstadt Kiryat Yoel (ca. 50 km weit entfernt von New York) entflohen.
Zusätzlich übernahm "Haaretz" ebenso die Photos, welche die "New York Times" von Gitty und ihrer Tochter Esther Miriam knipste.

Ich kann Gitty's Entscheidung, die chassidische Gruppe Satmar zu verlassen, durchaus verstehen, denn dies ist ihre private Angelegenheit. Aber wieso ist sie denn nur zur Presse gerannt ? Damit sie so richtig Aufmerksamkeit für den anstehenden Gerichtsprozeß um das Sorgerecht für ihre Tochter auf sich zieht ?
Okay, das kann ich ebenso akzeptieren, obwohl nicht jeder Satmar - Aussteiger automatisch den Drang verspürt zur Presse zu laufen und dort Dampf abzulassen.

Was ich dagegen absolut nicht akzeptiere, ist die Entscheidung Gitty's sich für die Öffentlichkeit und ihre Tochter halbnackt ablichten zu lassen. Trotz allem Drang nach Publicity sollte man doch ein gewisses Quentchen an Selbstrespekt aufrechterhalten. Gitty für sich selbst und insbesondere bezogen auf ihre Tochter.

Ich könnte so sauer auf Satmar sein, wie ich nur wollte, was mich allerdings nicht automatisch dazu verleitet, mich und meine Tochter halbnackt ablichten zu lassen. Und in dieser Hinsicht kann ich sogar Satmar verstehen.

Wieviel hat Gitty nun eigentlich von der "New York Times" für die Photos bekommen ?
Vielleicht täte mich die Antwort ja dazu verleiten, meine Meinung zu ändern.:-)

Freitag, 30. Mai 2008

Die Frum Girls

B"H

Manchmal geschieht es, dass ein Bus neben mir an einer roten Ampel hält. Ein Schulbus voll mit haredischen (ultra – orthod.) Beit Yaakov Girls (litvische sowie chassidische Schülergruppen). Ein jeder kann mit Leichtigkeit die frommen Beit Yaakov – Schülerinnen schon von Weitem erkennen. Ihre einheitliche Schuluniform besteht aus einem dunkelblauen Rock und einer hellblauen Bluse.

Beit Yaakov – Schulen sind haredische Mädchenschulen für litvische aber auch chassidische Mädels. Jede Richtung hat ihr eigenes Beit Yaakov. Jedoch gehen nicht alle chassidischen Schülerinnen auf das Beit Yaakov, sondern in ihre hauseigenen Schulen. Beit Yaakov wird mit der Agudat Israel identifiziert, welche die Knesset – Partei "Yahadut HaTorah" stellen und Gruppen wie Belz, Gur, Vishnitz sowie die litvischen Juden enthalten.

Extreme chassidische Gruppen lehnen das Beit Yaakov – System grundsätzlich ab, da es als zu modern gilt. Außerdem findet der Unterricht in hebräischer Sprache statt, wohingegen andere chassidische Gruppen ihre Schüler ausschließlich in jiddischer Sprache unterrichten. Der männliche Gegenpart zum Beit Yaakov heißt "Talmud Torah".

Zu der Zeit als ich noch in haredischen Stadtteilen wohnte, befragte ich meine Nachbarn nach der Beit Yaakov – Schule. Die Antwort hängt immer davon ab, wen man fragt. Die litvischen haredischen Juden geben andere Antworten als, zum Beispiel, die Chassidim. Grundsätzlich aber besteht für jede Beit Yaakov – Schülerin die Pflicht, in anständiger Kleidung im Klassenraum zu erscheinen. Eine Nachbarin berichtete mir, dass ihre Tochter einmal von der Lehrerin heimgeschickt worden war, weil sie Turnschuhe trug. Turnschuhe sind ausschließlich für den Sportunterricht gedacht und stellen ansonsten keine regulären Straßenschuhe dar. Des Weiteren ist es den Schülerinnen untersagt, ihre eventuell langen offen zu tragen. Stattdessen müssen die Haare aus Anstandsgründen zu einem Zopf zusammengebunden sein, um keine negativen Gefühle bei der männlichen Lehrerschaft hervorzurufen. Falls es überhaupt eine männliche Lehrerschaft gibt, denn auf den Beit Yaakov – Schulen unterrichten fast nur Lehrerinnen.

Wenn ich sie alle zusammen im Schulbus sitzen sehe, ist fast jede von ihnen emsig mit dem Beten beschäftigt. Ob das nun aus dem Sidur (Gebetbuch) ist oder den Tehillim (Psalmen). Zumindest in Bussen, welche längere Strecken fahren.

Ich erinnere mich noch, wie ich einmal mit meiner Yeshiva (relig. Schule) auf einen Ausflug ans Tote Meer fuhr. Eigentlich war uns das Schwimmen aus Anstandsgründen allen untersagt, doch rannten einige Mädels sofort in Richtung Strand und rissen sich unterwegs die halbe Kleidung vom Leibe. Kurz darauf hielt ein Schulbus mit Beit Yaakov Girls, welche selbstverständlich nicht ins Wasser hopsten, sondern mit ihren Sidurim (Gebetbüchern) brav in eine bestimmte Ecke gingen und sofort mit dem Abendgebet Maariv begannen. Etwas beschämt schauten wir auf die Mädels, denn uns war klar, dass auch wir in der Ecke beim Gebet hätten stehen müssen. Doch schnell versuchte jede von uns diese Gedanken der Schuld zu verdrängen.

Dieser Vorfall fand vor mehr als elf Jahren statt, aber er verfolgt mich bis heute. Sobald ich einen Schulbus mit betenden Beit Yaakov – Schülerinnen sehe, fühle ich mich schuldig, weil ich nicht auch betend dasitze. Und immer noch dränge ich das Schuldgefühlt beiseite. Wenigstens ein bißchen …….

Mittwoch, 28. Mai 2008

Einblicke in die Chassidut Satmar




B"H

In Deutschland kennt man sie fast gar nicht, in Antwerpen oder London dagegen mehr: die Chassidut Satmar.

Heutzutage stellen die Satmarer weltweit die größte chassidische Gruppe mit ca. 150.000 Mitgliedern. Und das, obwohl Chabad (die Lubawitscher) gerne von sich behaupten, die Größten zu sein; dennoch sind bei Satmar die Zahlenangaben wesentlich präziser, da sich nicht jeder einfach so Satmar nennen kann, sondern erst ein strenges Aufnahmeverfahren durchlaufen muß.

Die Chassidut Satmar (aus dem rumänischen Ort Satu Mare) ist ein sehr weit gefächertes Thema und läßt sich nie ganz in einem einzigen Artikel erklären. Aufgrunddessen möchte ich die Sache langsam angehen und mit dem Buch "Satmar - Two Generations of an Urban Island" von Israel Rubin beginnen. Der amerikanische Autor Israel Rubin ist kein Mitglied bei Satmar, doch befaßt sich seit vielen Jahren mit der Gruppe. Anfang der 70iger Jahre erschien die Buchausgabe zum ersten Mal und im Jahre 1997 gab er einen Chidush, eine überarbeitete Ausgabe, heraus. Allerdings hat sich seit 1997 wieder sehr viel geändert und in unserer Zeit ist die Chassidut Satmar in zwei Hälften gespalten. Aber dazu etwas später.

Wer den Namen "Satmar" schon hört, der denkt automatisch, dass es sich da um fanatische chassidische Spinner handelt. Geradezu militärisch antizionistisch und weltfremd. Durchgeknallt halt. Genau das ist das weitverbreitete Image der Satmarer Chassidim. Meistens jedoch spiegelt das Image nicht immer die Realität wieder, aber Satmar legt nach außen hin keinen Wert auf Imageverbesserung oder Erklärungen für ihr Handeln. Viele Vorurteile entstehen immer durch einen Mangel an Wissen. Man kennt keine Details, doch hört hier oder dort etwas oder liest halt einige Dinge in der Zeitung. Das Thema "Satmar" aber ist sehr komplex und wer sich eingehend damit beschäftigt, der trifft auf Tausende von Infos, die es ersteinmal gilt, auszuwerten.

Gründer der Gruppe war Rebbe Yoel (Yoelisch) Teitelbaum. Sein Name ist unsagbar mit Satmar verbunden und gerade er ist nicht mehr wegzudenken. Satmar, das ist Rebbe Yoelisch. Zu Lebzeiten stand er im Ruf, eine absolut unzugängliche Person zu sein. Der Autor Israel Rubin weiß Gegenteiliges zu berichten, denn man mußte nur wissen, wo genau man Rebbe Yoel Teitelbaum antreffen konnte und dann war er sehr wohl für jederman zugänglich.


Rebbe Yoel Teitelbaum

Einen grundsätzlichen Fehler, den die Mehrheit der Außenstehenden immer wieder macht, ist, die Chassidut Satmar gleichzusetzen mit der Neturei Karta. Ich kann nur immer wieder wiederholen, dass beide Gruppen vollkommen unanhängig voneinander fungieren. Obwohl Satmar die Neturei Karta sowie andere chassidische antizionistische Gruppen (z.B. Toldot Aharon) finanziell unterstützt.

Satmar hat eine verhältnismäßig junge Geschichte, denn Rebbe Yoel Teitelbaum gründete die Gruppe erst in den Jahren 1904 – 1905. Der bekannteste Vorfahre von Rebbe Yoel war der "Yismach Moshe – Rabbi Moshe Teitelbaum von Ujhel (1759 – 1841)". Und durch diesen Vorfahren besitzt Rebbe Yoelisch eine direkte Verbindung zum Baal Shem Tov (ca. 1700 – 1760), denn der "Yismach Moshe" war ein Schüler des "Chozeh von Lublin – des Sehers von Lublin (1745 – 1815)". Allerdings gründete der "Yismach Moshe" niemals seine eigene chassidische Gruppe, sondern war lediglich ein Ahne Rabbi Yoel Teitelbaums. Letzterer wurde am 18 Tevet 1887 in Sighet (heute Rumänien) geboren. Im Jahre 1904, im Alter von 17 Jahren, heiratete er Chava, die Tochter des Rebben von Plantscheh (Rabbi Avraham Chaim Horovitz) aus dem Hause Horovitz. Diese chassidische Dynastie war befreundet mit dem Hause Teitelbaum sowie Halberstam. Kurz nach der Hochzeit verstarb der Vater von Rebbe Yoelisch und sein älterer Bruder, Rabbi Chaim Hirsch (Zvi) Teitelbaum, übernahm das Rabbineramt in Sighet. Rebbe Yoel war nicht gerade sehr erbaut darüber, dass sein Bruder die Rabbinerposition seines Vaters übernahm und zog aufgrunddessen nach Satmar (damals Ungarn, heute Rumänien). Im Alter von 24 Jahren war Rebbe Yoelisch das Gegenteil von seinem reservierten, ruhigen, organisierten und taktvollem Bruder Rabbi Chaim Hirsch. Die Juden in Sighet sahen gerade deswegen in Rebbe Chaim Hirsch den besseren Nachfolger und dessen jüngerer Bruder Rebbe Yoel kämpfte viele Jahre lang für seine Anerkennung in Sighet.

Zu den damaligen Zeiten gehörte die Region noch zu Ungarn und als das ungarische zionistisch – relig. Mizrachi – Movement begann, wurde es heftig von Rebbe Yoel Teitelbaum attackiert. Laut Rebbe Yoel war der Zionismus noch gefährlicher, sobald er in der "Verkleidung" der jüdischen Religion auftrat. Wer religiös ist, der könne auf keinen Fall Zionist sein.

Trotz ihres militanten Charakters und Attacken gegen die "Zionistenclubs" war Rebbe Yoels Gruppe im Jahre 1926 relativ bedeutungslos, da sie der großen Konkurrenz aus Sighet und Munkatch nichts entgegenzusetzen hatten.

Völlig unerwartet verstarb Rabbi Chaim Hirsch im Jahre 1926 und dessen Sohn war erst 14 Jahre alt. Deswegen sah Rabbi Yoel Teitelbaum nun seine Chance gekommen, Rabbiner in Sighet zu werden. Daraus wurde jedoch wieder nichts, denn interne politische Prioritätensetzungen verhinderten dies. Vier Jahre später heiratete der Sohn des Rabbi Chaim Hirsch, Rabbi Zalman Leib Teitelbaum, und wurde gleichzeitig neuer Rebbe von Sighet. Eine Position, die er bis zum Jahre 1944 innehielt. Rabbi Zalman Leib erwies sich als etwas zu jung und unerfahren und so begannen viele Chassidim aus Sighet zu seinem Onkel Rebbe Yoel Teitelbaum zu reisen. Nach einigen Rabbipositionen hier und da kehrte Rebbe Yoel im Jahre 1934 nach Satmar zurück, wo er bis 1944 blieb.

Von Mai 1944 – Ende 1945 fand das jüdische Leben in Ungarn nur noch in Budapest statt. Im ländlichen Bereich hingegen hatten die Nazis jegliches jüdisches Leben ausgelöscht. Rebbe Yoel Teitelbaum entkam den Nazis; ironischerweise retteten ihn ausgerechnet die Zionisten. Und so entkam er mit dem legendären "Kastner – Transport" in die Schweiz; einem Zug, der für 1700 Juden die Freiheit bedeutete, da Rudolf Kastner ein Abkommen mit Adolf Eichmann ausgehandelt hatte. Die 450.000 verbliebenen ungarischen Juden endeten dagegen in den Gaskammern von Auschwitz. Am 7. Dezember 1944 (21 Kislev) erreichte Rebbe Yoel Teitelbaum die schweizer Grenze. Ein Tag, der bis heute in der Chassidut Satmar gefeiert wird.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz zog Rebbe Yoel Teitelbaum nach Jerusalem, wo er bis zum Jahre 1946 residierte. Danach zog es ihn nach Brooklyn / New York. Dort rief er im Jahre 1948 mit einer handvoll Leuten die Gemeinde "Yeter Lev D'Satmar" im New Yorker Stadtteil Williamsburgh ins Leben. Die Gemeinde wuchs stetig an und umfasste im Jahre 1961 schon 860 Haushalte. 90% davon entstammten nicht dem ursprünglichem Satmar oder Sighet, sondern kamen aus anderen Orten. Heutzutage gibt es ein spezielles Aufnahmekommittee bei Satmar, welches über die Aufnahme eines Bewerbers abstimmt.

Im Jahre 1968 erlitt Rebbe Yoelisch einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte. Obwohl er sich wieder einigermassen erholte, war er gezwungen, seine Aktivitäten auf ein Minimum zu beschränken. Im August (Av) 1979 verstarb Rebbe Yoel Teitelbaum im Alter von 92 Jahren. Rebbe Yoel Teitelbaum war zweimal verheiratet gewesen (seine erste Frau, Chava, verstarb im Jahre 1936). Mit seiner ersten Frau hatte er drei Töchter, die jedoch allesamt jung verstarben. Ein Jahr nach ihrem Tod heiratete er Alte Feiga, die Tochter des Rabbi Avigdor Schapiro. Allein die Person Feiga Teitelbaum ist einen eigenen Artikel wert, aber dazu später einmal.

Nach dem Tode des Rebben gab es keinen männlichen Erben, da Rebbe Yoelisch niemals einen Sohn hatte. Sein Neffe, der Sigheter Rebbe, Rabbi Moshe Teitelbaum übernahm das Amt des Satmarer Rebben.


Rebbe Moshe Teitelbaum beim Tanz auf einer Hochzeit

Eine kleine Gruppe innerhalb Satmars erkannte ihn nicht als Rebben an und folgte stattdessen der zweiten Frau Rebbe Yoelischs, Alte Feiga Teitelbaum (geborene Schapiro). Sie wiederum war eine höchst charismatische Persönlichkeit und nicht wenige Chassidim sahen ausgerechnet sie als Frau als die wahre Nachfolgerin auf dem Thron des Rebben. Über den offiziellen Nachfolger, Rebbe Moshe Teitelbaum, gab es heftige Kontroversen. So hatte dieser seine eigene Sigheter Gemeinde, von der Satmar kein Teil war. Des Weiteren hatte ihn sein Onkel Rebbe Yoelisch niemals öffentlich zum Nachfolger ernannt und ein Testament wurde ebenso wenig gefunden.

Das große Konzept der Chassidut Satmar lautet "Chesed – Wohltätigkeit". Außerdem soll der relig. Glaube einfach und ohne jegliche Intellektualität gehalten werden. Wahre Anhänger verspüren keinen Bedarf nach analytischen Diskussionen. Die Satmarer Chassidim achten nicht zu sehr auf die Geschichte, sondern schauen in die Zukunft – auf die Ankunft des Meschiach. Und als Antizionisten glauben auch sie an die drei Eide verankert im Talmud Traktat Ketubot 111. Aufgrunddessen betrachten sie den Holocaust als eine einzige G – ttesstrafe für den Zionismus.

Um Rebbe Yoel Teitelbaum wird bis heute auf geradezu fanatischer Personenkult betrieben. So heißt es, dass es sich bei ihm um einen "Heiligen" gehandelt hat. Bei Satmar entscheidet einzig und allein der Rebbe und niemand anderes. Und das selbst in persönlichen Angelegenheiten, denn die Chassidim wissen keine Entscheidungen zu fallen. Genau auf diese Art und Weise verhinderte Rebbe Yoelisch einst die Assimilation in die amerikanische Gesellschaft.

Die Chassidut Satmar ist eine elitäre Gruppe, unterteilt in Gesellschaftsschichten. Da sind zu allererst einmal die "Scheyneh Yidden" – die angesehenste Geselschaftsschicht: Schochtim (Schächter), Rabbiner, Nachfahren von Rabbinern, Sofrim (Thoraschreiber), Geschäftsleute, überragende Gelehrte genauso wie militante Antizionisten.

Aber wie oben beschrieben, die absolute Authorität hält der Rebbe inne, welches offiziell in Artikel 8 der internen Gesetze Takanot in jiddischer Sprache festgelegt ist:

"Seine verehrte Heiligkeit, unser Lehrer und Meister, der Gelehrte und Heilige Rebbe Yoel Teitelbaum – möge er ein langes Leben leben, Amen ! – ist unser Rabbi and möge er dies für viele Jahre bleiben. Niemand darf ihn ohne seine Zustimmung ersetzen. Er ist die alleinige Authorität in allen spirituellen Angelegenheiten. Keine einzige relig. Position darf ohne seine Zustimmung vergeben werden. Seine Entscheidungen sind für alle Mitglieder verbindlich".

Rebbe Yoelisch wurde innerhalb seiner Gruppe sogar als unfehlbar eingestuft. Fanatische Militante innerhalb Satmars gibt es nur wenige und der Rebbe kritisierte oft scharf deren wilde Exzesse. Gelegentlich sogar mit kleinen Sanktionen. Trotzdem der Rebbe die unumstrittene Führungsperson war, verlor er dennoch manchmal die Kontrolle über die Militanten. Von sich selbst behauptet Satmar, das authentische Judentum zu repräsentieren. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob das authentische Judentum etwas mit interner Kontrolle zu tun hat. So gibt es bei Satmar zum Beispiel die berühmten "Watchdogs" welche ihre Bespitzelungen nachgehen. Erwischen sie jemanden bei Vergehen, drohen sie demjenigen zuerst, alles dem Rebben zu sagen. Wenn sich der Ertappte nicht bessert, folgen weitere Bedrohungen was bis hin zur Rufmordkampagne gehen kann.

Ein Satmarer Chassid besucht seinen Rebben regelmäßig. Derzeit haben die Satmarer 150.000 Mitglieder und da ist es nicht so einfach, sich in eine Warteschlange zu stellen. Also kommt man auf die Warteliste. Die Chassidim jedoch gehen bei allen Privatangelegenheiten den Rebben aufsuchen, um ihn um Rat zu fragen: "Soll ich die neue Wohnung nehmen oder nicht ?" – zum Beispiel.

Die Chassidut Satmar legt hohen Wert auf das Familienleben. Sexuelle Befriedigung wird als Ausgleich zu sündhaften Gedanken angesehen. Außerdem spielen mystische Gründe eine Rolle für ausgewogenen Sex. In eine gute Familie hineinzuheiraten ist das höchste Ziel der jungen Leute. Alles dreht sich um den Status und der soll erhalten oder besser, ausgebaut werden. Wer hätte das gedacht ? Der Ehegatte ist verpflichtet, im Haushalt mitzuhelfen und beide Ehepartner sind für den Lebensunterhalt verantwortlich. Kinder haben ihren Eltern Respekt zu verleihen. Und die Verwandten sind ebenso zur tatkräftigen Hilfe bei Familienproblemen aufgerufen. Das ideale Hochzeitsalter liegt bei 18 Jahren. Wenn es zu einem Schidduch (eventuelle zukünftige Ehepartner werden miteinander bekannt gemacht) kommt, dann treffen sich beide Kandidaten im Hause des der jungen Frau. Beiden Kandidaten ist es erlaubt, in Anwesenheit der Elternteile miteinander zu reden. Im Falle einer Zusage, organisieren die Eltern der Braut die Verlobungsparty, zu welcher nur Verwandte, enge Freunde sowie mehrere prominente Satmarer eingeladen werden. Der zukünftige Bräutigam halt eine Thorarede, die traditionell mit dem Singen von Lieder unterbrochen wird.

In chassidischen Kreisen ist es üblich, schon bei der Verlobung ein offizielles Dokument zu unterschreiben, welches beide Seiten verpflichtet. Auch in der Chassidut Satmar ist dies der Fall. Nach der Unterschrift unter das Dokument wird ein Teller zerbrochen und es werden Erfrischungen gereicht. Hierbei befinden sich Männer und Frauen in separaten Räumen. Bei Satmar und anderen strengen chassidischen Gruppen ist es keine Seltenheit, dass Männer und Frauen in getrennten Zimmern sitzen. Dies gilt immer dann, sobald Gäste anwesend sind. Innerhalb der Familienmitglieder besteht diese Regelung normalerweise nicht. Laut Israel Rubin wird die Verlobungsparty immer weniger praktiziert und stattdessen schütteln sich die Väter des Paares zum Zeichen des Abkommens die Hände. Nach einigen Monaten findet dann die Hochzeit statt. Da im Judentum die Familienreinheitsgesetze (Taharat HaMischpacha) eine wichtige Rolle einnehmen, darf die Braut zum Zeitpunkt der Hochzeit nicht ihre Menstruation haben. Normalerweise wird bei jeder Hochzeit ausgerechnet, wann die Braut nicht im Niddah – Zustand (Menstruation) ist. Bei Satmar finden die Hochzeiten frühestens 12 Tage nach Beginn der Menstruation der Frau statt. Dann nämlich befindet sie sich wieder in einem Zustand der Reinheit (nach der Mikweh – dem Ritualbad).

Wie bei anderen chassidischen Gruppen auch, findet die Satmarer Hochzeit in zwei getrennten Sälen statt; Männer und Frauen getrennt. Der Bräutigam trägt einen langen Kaftan und zum ersten Mal seinen Streimel (die traditionelle Pelzmütze). In anderen chassidischen Gruppen trägt der Bräutigam manchmal die gesamte Woche vor der Hochzeit seinen neuen Streimel. Wenn es unter die Chuppah, den Hochzeitsbaldachin geht, zieht sich der Bräutigam einen weissen Kittel über. Weiß ist immer die Farbe der "Reinheit".


Der traditionelle Streimel

Des Weiteren gibt es auf jeder chassidischen Hochzeit einen Mitzwe – Tanz des Rebben mit der Braut. Der Braut werden dabei die Augen verbunden bzw. ihr Gesicht wird aus Anstandgründen verdeckt, da sie sich auf der Männerseite des Hochzeitssaales befindet. Nicht die Frau ist der Grund, sondern den Männern soll aus Anstandsgründen der Blick versperrt werden, damit sie auf keine dummen Gedanken kommen. Nach dem Mitzwe – Tanz des jeweiligen Rebben, der um die Braut herumtanzt, ist die Hochzeit vorbei. In der Vergangenheit war der frischgebackene Ehemann gezwungen, sich gleich nach der Hochzeit um einen Job zu bemühen. Doch dann änderte Rebbe Yoel die internen Gesetze und demnach muß der neue Gatte erst einmal 1 – 2 zwei Jahre im Kollel Thora lernen.

Auch in der Kindererziehung geht es bei den Satmarer Chassidim etwas anders zu. Kinder, selbst die verheirateten, sind zum Respekt den Eltern gegenüber verpflichtet. Jungen und Mädchen werden schon früh auf ihre spätere Rollen vorbereitet. Hierbei sollen die Mädels selbstverständlich im Haushalt helfen und das Stricken oder Nähen erlernen. Jungen hingegen sollen Thora lernen. So ist zumindest der Idealzustand.

Die Satmarer Chassidim verweigern jegliche Autopsien, da sie in ihnen einen Verstoß sehen. Wenn der Meschiach kommt, gibt es eine Wiederauferstehung der Toten und wie schaut das aus, wenn da alles aufgeschnittene Leute herumlaufen. Zu dem Thema gibt es unterschiedliche Ansichten und selbst im Talmud heißt es, dass ehemalige kranke Menschen zu der Zeit geheilt werden. Aber das Verfahren ist Satmarer Politik und als Außenstehender kann man da gar nichts ändern. Was bei Satmar noch anders ist, ist, das eine Leiche nicht nur rituell gewaschen, sondern ebenso in die Mikweh (Ritualbad) eingetaucht wird.

Die Satmarer sind bekannt für ihren unermüdlichen Kampf gegen die Mädchenschule Beit Yaakov, auf welche meistens die Mädchen der Agudat Israel (z.B. litvische Haredim) gehen. Außerdem erscheint ihnen das Beit Yaakov viel zu modern und der Chatam Sofer, dem die Satmarer folgen, verbot alle neuen Innovationen. Stattdessen gehen die Satmarer Mädels auf die eigene "Beit Rachel – Schule". Heutzutage werden die Mädchen jedoch auch in säkuleren Fächern wie das Bankwesen, die Börse sowie in Informatik unterrichtet. Bei Satmar ist man ausgesprochen stolz auf das eigens gegründete Schulwesen, wodurch unzählige neue Jobs entstanden sind.

Das Hauptzentrum der Chassidut Satmar befindet sich in New York. Ungefähr 50km außerhalb New Yorks erbaute Rebbe Yoel Teitelbaum sein "Kiryat Yoel". Kiryat Yoel wurde im Jahre 1976 nahe Monroe in Orange County erbaut. Es handelt sich um ein eigenes Satmar - Dorf auf 340 Hektar Land. Im Jahre 1990 gab es dort 8000 Bewohner.


Kiryat Yoel

Nach dem Tode von Rebbe Yoelisch (Aug. 1979) übernahm sein Neffe, Rebbe Moshe Teitelbaum den Job als Satmarer Rebbe, welchen er bis zu seinem Tode, im April 2006 innehielt. Rebbe Moshe Teitelbaum war ein Auschwitz – Überlebender, dessen erste Frau Leah in Auschwitz umkam. In späteren Jahre heiratete er ein zweites Mal und nach seinem Tode (im April 2006) hinterließ er drei Söhne und vier Töchter. Sein ältester Sohn, Rebbe Aharon Teitelbaum (geboren im Jahre 1948), ist mit der Tochter des Vishnitzer Rebben aus Bnei Brak (nahe Tel Aviv), Rebbe Moshe Yehoshua Hager, verheiratet.


Einer der derzeitigen Satmarer Rebben, Rabbi Aharon Teitelbaum

Seit dem Tode von Rebbe Moshe streiten zwei seiner Söhne um die Rebbe – Nachfolge. Militant und es wurde sogar vor ein nichtjüdisches Gericht gezogen. Derzeit ist es so, dass Rebbe Aharon Teitelbaum seinen Sitz in Kiryat Yoel aufschlug und sein Bruder, Rebbe Zalman Leib Teitelbaum, den Williamsburgher Teil von Satmar übernahm.


Der zweite Satmarer Rebbe, Rabbi Zalman Leib Teitelbaum

In Israel befindet sich das Zentrum von Rebbe Zalman Leib in Mea Shearim, in der Yoel Street. Die Zentren des Rebben Aharon Teitelbaum liegen in Bnei Brak sowie im Jerusalemer Stadtteil Ge'ulah, in der Yonah Street. Somit gibt es in Satmar zwei Rebben mit ihren jeweiligen Anhängern. Leider ist die Gruppe in zwei Teile gespalten, die sich selbständig verwalten.

Tausend weitere Dinge gibt es noch über Satmar zu berichten, aber ich habe mich vorerst auf diesen Artikel beschränkt, um einmal einen kleinen Einblick zu geben. Nicht alle Fakten sind vom Autor Israel Rubin, sondern ich habe nach eigenem Wissen einiges hinzugefügt.

Sonntag, 18. Mai 2008

Rigorose Frömmigkeit



B"H

Was mich jedesmal immer wieder aufs Neue beeindruckt, ist die rigorose Frömmigkeit der Toldot Aharon Frauen.

Einmal ganz realistisch und feministisch gesprochen: Da werden die weiblichen Gruppenmitglieder absolut streng erzogen, heiraten mit ca. 18 Jahren, nur um danach ein Familienleben zu führen. Wie andere chassidische Gruppen auch, sind die Toldot Aharon patriarchalisch geordnet. Nicht, dass der Mann immer das Sagen haben muß; dennoch, öffentlich hat die Frau hinter dem Mann herzugehen (siehe die internen Gesetze "Takanot" der Toldot Aharon) und auch anderweitig hat die Frau im öffentlichen Leben der Gruppe nichts zu suchen. Sie ist Hausfrau, Mutter und arbeitet, wenn erforderlich. Leitende Positionen innerhalb der chassidischen Gruppe sind für sie nicht vorhanden, es sei denn, es handelt sich um die Rebbitzen.

So mancher von uns mag sich sagen, dass das ja ein total eingeschränktes Leben sei. Unter der Männerknute, ohne Chance auf einen kleinen Hauch von Selbstverwirklichung. Wo bleibt denn da die Würde der Frau und so ?

Diese Argumente mögen schon angebracht erscheinen, trotzdem fällt es mir immer wieder auf. Zwar kann man den Frauen alles erzählen und sie zeigen sich interessiert. Am Ende des Gespräches jedoch kommt immer wieder der gleiche Satz: "Man muß halt mehr beten und auf G - tt vertrauen".
Und genau dann frage ich mich, wofür ich mir eigentlich die ganze Zeit den Mund fusselig geredet habe. Erst jaja, und dann kommt die lapidare Antwort vom beten und so. Das ist doch zum aus der Haut fahren.

Im ersten Moment sicherlich. Aber zwei Sekunden später überdenke ich die Aussage schon und komme zu dem Schluß, dass ich die uneingeschränkte Frömmigkeit der Toldot Aharon Frauen ungemein bewundere. Wie können sie nur solch ein G - ttvertrauen haben ? Wo sich so mancher von uns im Gebet geradezu abrackert, kommen gerade diese Frauen mit einer Leichtigkeit daher, die unbeschreiblich ist.
"Ja, klar, beten wir jetzt dies uns das. Keine Frage. Lust oder nicht ? Sowas gibt's bei uns nicht". Und gesagt - getan.

Da meinen wir Außenstehenden immer so toll und frei dran zu sein im Leben. Kein Gruppenzwang, jedenfalls nicht nach Takanot, und alles läuft irgendwie cool und easy. Oft läßt uns diese Art der Selbstsicherheit sogar auf eben jene chassidischen Frauen herabschauen. Und dann kommen wir dorthin, reden mit ihnen und merken, dass unsere so sicher geglaubte innere Sicherheit und Freiheit vor der uneingeschränkten bis hin zu Selbstaufgabe bereiten Frömmigkeit der Toldot Aharon Frauen wie eine Seifenblase zerplatzt.

Ich wünschte, ich könnte so standfest sein, wie diese Frauen.