Sonntag, 14. Juni 2009

Frühe Verlobung

B"H

In Mea Shearim und sicher auch in Bnei Brak oder New York gibt es chassidische Gruppen, die normalerweiese kaum ein Mensch kennt. Allein ihrer Größe wegen sind sie fast unbekannt. Manchmal sitzen in Mea Shearim bei einem chassidischen Tisch nur 10 - 30 Chassidim um ihren Rebben herum. Sie stellen mit ihren Familien die gesamte Gruppe dar.

Fast immer habe ich von den großen bekannten Gruppen berichtet, doch am Freitag abend (Erev Schabbat) wurde ich ausgerechnet in Mea Shearim mit einer kleinen Gruppe konfrontiert. Ich war zum Schabbatessen eingeladen (genauso wie gestern bei der gleichen Familie). Tiefster Mea Shearim Hinterhof und eine der Enkelinnen der Gastgeber verkündete freudestrahlend, dass sie sich vor ca. drei Wochen verlobt habe. Geheiratet werde wahrscheinlich im Sommer 2010, doch ein genauer Termin stehe noch nicht fest.


"Hey, zeig mal Deinen Ring", rief eine andere eingeladene Frau dazwischen.
"Habe ich noch nicht", antwortete die Enkelin der Gastgeber.
"Bist Du denn schon alt genug ?" fragte ich.
"Klar, 18 und bald werde ich 19".
"Und von welcher Gruppe ist Dein Chatan (Bräutigam) ?" fragte ich weiter.
"Toltchav, so wie wir".

Nun darf man davon ausgehen, dass geborene Chassidim immer so reden als kenne sich jeder perfekt aus, denn sie sind eine bestimmte Umgebung gewohnt und nicht unbedingt Außenseiter. Bei der Chassidut Toltchav aber setzte es bei mir aus und ich hörte von einem anderen Chassid, dass es sich da um eine Gruppe zwischen 20 - 30 Leuten handele, die eigentlich niemand kenne. Im Internet sind sie nur kurz aufgeführt und deswegen versuche ich mein Glück gerade bei dem Chassidutexperten Yitzchak Alfassi und seinen Büchern. Die Enkelin direkt wollte ich nicht alle Einzelheiten fragen.

Eine Wartezeit bis zu einem Jahr nach der Verlobung ist durchaus nicht unüblich. Ob sich das zukünftige Brautpaar innerhalb dieser Zeit sehen darf und wie oft, das bestimmen die jeweiligen Eltern der beiden. Die Enkelin machte eher einen stolzen als einen total verknallten Eindruck. Stolz darauf, dass sie endlich bald ihre eigene Familie gründen kann und im Frauenkreis mit dazugehört.
Diesen Frauenkreis sah ich dann gestern zusammensitzen als ich mich auf den Heimweg machte. Man saß zusammen auf dem Hinterhof und dann erzählen die Frauen gewöhnlich von ihren Kindern und ggf. den Enkeln. Das mag dem einen oder anderen zu langweilig klingen, aber bei der Mehrheit der Mea Shearim Frauen ist es so, dass das Familiäre im absoluten Mittelpunkt steht.

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