Montag, 25. Februar 2008

Nur eine Show ?

B"H

Soweit passierte es mir unzählige Male. Sobald ich mit Chassidim sprach und sie über ihre Gruppen ausquetschte, bekam ich Folgendes zu hören:

"Du bist jederzeit herzlichst willkommen. Wir stellen extra eine Person für Dich ab, die Dich durch die Synagoge etc. führt und Dir alles über unsere Chassidut erzählt. Natürlich kannst Du auch mit unseren weiblichen Gruppenmitglieder sprechen."

In dem Moment, wo ich diese Sätze höre, beginnen bei mir sofort die Alarmglocken zu läuten. Derlei Angebote sind sehr nette Gesten und ich freue mich aufrichtig darüber. Dennoch frage ich mich andererseits, wie weit das ganze eine einzige Show sein mag und wer mir genau die Wahrheit berichtet. "Komm zu uns, komm zu uns, wir sind die Besten. Du brauchst nicht zu den anderen zu laufen."

Unzählige Male habe ich eindeutig klargemacht, oder versucht es klarzumachen, dass ich über alle nur möglichen chassidischen Gruppen schreibe. Und ehrlich gesagt bin ich manchmal richtig neidisch, nicht in New York zu wohnen oder zumindest zu sein. Ich kann nicht einfach einmal so zum Satmar, Bobov, Tosch oder wie sie alle heissen, Rebbe - Tisch gehen. In Jerusalem kenne ich nur sehr wenige Satmarer Chassidim und es ist allgemein bekannt, dass die Mehrheit der Jerusalemer Satmarer Anhänger des Rebben Zalman Leib Teitelbaum sind. In Bnei Brak dagegen findet man mehrheitlich die Anhänger des zweiten Satmarer Rebben, Rabbi Aharon Teitelbaum.

Nur kurz zur Erklärung: Seitdem der letzte große Satmarer Rebbe, Rabbi Moshe Teitelbaum, vor fast zwei Jahren verstarb, liegt Satmar im Klinsch. Die zwei Söhne des Rebbe Moshe, Aharon und Zalman Leib, streiten sich um die Nachfolge und es herrscht Krieg zwischen Williamsburgh und Kiryat Yoel.

Obwohl einer der beiden Brüder, Rebbe Aharon, im letzten August Jerusalem besuchte (ich nahm an seinem chassidischen Tisch teil), bewegt sich nicht viel im neuen Kiryat Yoel an der Jerusalemer Raul Wallenberg Street. Rebbe Aharon legte den Grundstein für ein neues 10 – stöckiges Gebäude, in welches seine Anhänger irgendwann einziehen werden. Allerdings besteht die Baustelle nach wie vor aus einer riesigen tiefen Grube. Dafür hat jede der zwei Anhängerschaften ihre eigene Jerusalemer Synagoge.

Was aber ist mit den Angeboten der verschiedenen chassidischen Gruppen ? Und nebenbei bemerkt, diese Chassidim wissen genau, dass ich über die Gruppen im Internet schreibe. Viele von ihnen sehen gerne ihre eigene Gruppe im Internet vertreten, ohne Frage. Ich gebe offen zu, dass ich die Angebote annehmen werde. Warum auch nicht ? Der einzige Störfaktor ist, inwieweit ich wirkliche Infos erhalte. Ist das ganze nur ein PR – Trip ?
Und selbst wenn ich mit den Gruppenmitglieder, incl. der Frauen, rede, inwiefern sind die Angaben verläßlich ? Es kann mir ja jeder Friede, Freude, Eierkuchen berichten. Insbesondere dann, wenn sie wissen, dass da jemand etwas veröffentlicht.

Es kommt natürlich auf die Fragestellung drauf an. Selbstverständlich würde ich keine allzu gemeine Fragen stellen. Nach all der Zeit im Chassidut – Business wird eh alles zur Routine und man kriegt schnell mit, wie, wann, was, warum. Selbst wenn sich jemand bei den Antworten dreht und windet, man bekommt alles mit und weiß zu reagieren.

Das Witzige ist, wenn wir über andere chassidische Gruppen sprechen. Grundsätzlich wissen Chassidim alles von den anderen. Glaube nur ja keiner, dass etwas unbekannt ist. Und so kommt es, dass selbst eine extreme Gruppe wie die Toldot Aharon die Chabadnikkim ganz genau kennen. Manche von Toldot Aharon haben sogar Verwandte bei Chabad und am vergangene Schabbat hatte ich bei Toldot Aharon tolle Gespräche zum Thema "Chabad".

Viele Gruppen lieben es, sich ins allerbeste Licht zu setzen. Und alle wollen ihren Rebben im Internet sehen. "Unser Rebbe ist der Größte. Vergiss nicht, ihn zu erwähnen. Und wenn Du weitere Infos brauchst, wir sind die perfekte Adresse."

Eines aber sollte jedem klar sein: Wer kein akzeptiertes Gruppenmitglied ist, der kommt niemals an die "geheimsten internen" Infos heran. Selbst als ich noch bei Chabad lernte erfuhr ich so gut wie nichts aus den Interna. Die Chabadnikkim sassen zusammen und flüsterten untereinander. Als ich einmal eine Chabad – Bekannte in London nach einem Rabbi fragte, was denn mit dem nicht stimme, bekam ich zur Antwort, dass mich das als Außenseiter nichts angehe. Das war's.

Die einzige Antwort, die ich hier geben kann ist, dass es auf das Gefühl ankommt. Welche Infos sind richtig, wann will der Chassid einen nur loswerden oder billig abspeisen; was kann ich glauben und was nicht. Wann wird nur Show gemacht und wann wirklich Tacheles geredet. Es kommt darauf an, auf wen man trifft und wie man mit der Situation umgeht.

Eines ist ganz wichtig: Immer sollte man vorbereitet zu solch einem Treffen kommen. Und das kann ich versprechen. Ich werde gründlichst vorbereitet sein. Vom Seher von Lublin hin zu Peshis'cha hin zu dem Hause Kotzk. Nichts wird ausgelassen und ich werde den Leuten mit meinen Fragen so richtig schön auf den Geist gehen. Jedenfalls denen, welchen man soetwas antun kann.

Keine Kommentare: