Dienstag, 7. Juli 2009

Sinat Chinam

B"H

Die Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Traktat Yoma 9b listet "Sinat Chinam - Grundlosen Haß" als den Hauptgrund für die Zerstörung des Zweiten Jerusalemer Tempels. Laut dem Kommentator Raschi handelt es sich bei "Sinat Chinam" um Haß gegenüber anderen Menschen, welche nichts taten, um diesen Haß hervorzurufen
Das deutsche Wort "Haß" mag hier viel zu hart klingen. Die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 27b sowie der Chafetz Chaim nennen es vielmehr eine Situation, in der zwei Menschen entweder nicht miteinander sprechen oder ein Zusammentreffen vermeiden.

Da der Halbfastentag 17. Tammuz und die nachfolgende Trauerperiode um die zerstörten zwei Tempel kurz bevorsteht, sollten Juden sich die Zeit nehmen und ihre Taten anderen gegenüber hinterfragen. Ein jeder von uns wird dabei etwas finden und vielleicht korrigieren. Ich glaube kaum, dass G - tt sich so glücklich schätzt zu sehen, wenn nach wie vor Juden gegeneinander kämpfen. Die Zeit der "Cheshbon Nefesh - Analyse der eigenen Taten" ist wieder einmal angesagt und dabei sollten wir nicht die Fragen auslassen, ob wir tatsächlich soviel besser sind als die Generation zur Zeit der Zerstörung des Zweiten Tempels.

Heute morgen kehrte ich heim nach Tel Aviv und habe bisher nicht allzu viel unternommen, außer ein gewisses Quentchen an Freiheit zu geniessen. Nicht die Freiheit von der Thora oder G - tt, sondern jene um diversen Fanatikern zu entkommen. Gestern abend sprach ich am Telefon mit einer Bekannten, die mitten in Mea Shearim wohnt. Sie ist total offen und aufgeschlossen und keineswegs eine relig. Fanatikerin und sie berichtete mir sorgenvoll, dass viele (nicht alle) Kinder in Mea Shearim einem neuen Spiel nachgehen:


"Stell Dir vor, sagte sie, viele Kinder in der Nachbarschaft spielen Demonstration. Einige übernehmen den Part der "zionistischen" Polizei und die anderen spielen die Demonstranten. Das ist das, was die Kinder hier lernen. Wie man Steine schmeisst".

Ich fragte sie, ob ihr die Nachbarschaft nicht auf die Nerven gehe, doch sie meinte, sie kümmere sich nicht darum und mache ihre Türe zu.

Anscheinend fanden viele Kinder Mea Shearims neue Helden. Jene Demonstranten die vor knapp zehn Tagen wegen Steineschmeissen und anderen Übergriffen verhaftet worden waren. Und gerade die verhafteten Demonstraten wurden dieser Tage aus dem Knast entlassen, nur um in Mea Shearim einen freudigen Empfang zu bekommen. Bei weitem nur von einer Minderheit und keineswegs von der gesamten lokalen Bevölkerung !





Ist es das, was G - tt von uns will ? Drei Wochen vor Tisha Be'Av werfen Juden immer noch mit Steinen oder gehen anderweitig brutal miteinander um.
Einige Haredim mögen meinen, die besten "Sikarikim" zu sein, doch in Wahrheit entwickelten sich einige von ihnen zu falschen Helden und machen sich nur lächerlich.

Keine Kommentare: