Sonntag, 5. Oktober 2008

Zutritt nur für Männer !

B"H

Schabbat Teshuva. Der Schabbat zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur.

Am letzten Freitag abend (Erev Shabbat) hegte ich eine gewisse Hoffnung in Mea Shearim auf verschiedene chassidische Tische zu stoßen. Nachdem ein etwas daneben geratener Typ bei Rabbi Mordechai Machlis mit einer zischenden Colaflasche um sich spritzte, hielt der Rabbi eine lange Rede darüber, dass wir bei der Beurteilung von Menschen immer erst ein gewisses Quentchen Zweifel anbringen sollen. Es sollen keine voreiligen Vorurteile entstehen und bevor wir nicht die Hintergründe für eine Handlung kennen, sollten wir von generellen Statements versuchen Abstand zu nehmen. Und das nicht nur vor dem dieswöchigen Yom Kippur.

Nach den Machlises ging ich mit einer Freundin an der Toldot Aharon Synagoge vorbei. Nun fragen sich vielleicht Einige: "Warum immer ausgerechnet bei den Toldot Aharon und nicht einmal bei Belz, Dushinsky, dem Steipler oder Bialer Rebben ? " Meine Antwort darauf ist einfach: "Ich liebe die Toldot Aharon und es sind gerade sie, die ich meist zuerst passiere. Und viele Male gehe ich halt hinein und komme kaum mehr heraus".

Aus der Synagoge drangen Gesänge und es war offensichtlich, dass ein Tisch mit dem Rebben David Kahn im Gange war. Allerdings waren keinerlei Frauen in Sicht, bis auf eine, die ich schon längere Zeit kenne und oft mit ihr rede. Sie stand mit ihrer Tochter im Teenageralter mitten auf der Straße und sie grinste schon als sie mich kommen sah. "Nein, der Tisch sei heute nur für Männer, denn die Frauenempore (Ezrat Nashim) stehe voll Holzbänke für den nahenden Yom Kippur am Mittwoch abend.



Toldot Aharon Frauen mit ihren traditionellen Kopfbedeckungen


Wenn ich keine Informationen verbergen täte, dann garantiert nicht vor dieser Frau. Nicht, dass ich irgendetwas verberge, doch weiß man bei den Toldot Aharon immer noch nicht, dass ich über sie schreibe. Obwohl, vielleicht wissen sie es ja längst, wer weiß.

Einmal traf ich besagte Frau im Stadtteil Nachlaot, gegenüber vom Machane Yehudah Markt. Ich befand mich auf dem Weg zum Waschsalon und begegnete ihr völlig unerwartet. Niemals hätte ich überhaupt jemanden von den Toldot Aharon dort erwartet. In Shilo Street - wer denkt schon daran. Und dann stand ich ihr plötzlich in Hosen gegenüber und ein Entkommen in die Büsche oder so kam nicht in Frage. Sie grinste mich an und sagte HALLO. Ich stand etwas verdattert da und war froh, dass sie so offen reagierte, denn ich bin nicht der Typ, der nur in langen Röcken herumläuft.

Wenige Wochen später traf ich sie beim Tisch des Rebben und wir kamen erneut ins Gespräch, wobei wir jedoch unterbrochen worden sind. Letzten Freitag abend dann traf ich sie mit ihrer Tochter und es begann sofort eine Diskussion. Eigentlich wollten meine Freundin und ich weiter zu den Slonim, doch die Frau brach in einen Redeschwall aus. Und die Tochter stand dem nicht nach.

Wir redeten über die Gruppe und kamen auf das Thema "Neureligiöse - Baalei Teshuva (Juden, die erst im späteren Verlauf ihres Lebens relig. werden) zu sprechen. Komischerweise sind geborene Haredim (Ultra - Orthodo.) ständig der Meinung, dass ich in ein festes relig. Programm gehöre. Nur so könne man letztendlich ausschließlich relig. leben und nicht hier oder dort einmal vorbeischauen. Etwas Festes muß her, sonst sei das ja alles nichts Halbes und nicht Ganzes.

Als ich ihr gestand, dass ich in der Zwischenzeit ziemlich individualitisch geworden bin und mich nicht unbedingt einem Programm unterordnen will, konnte sie meine Worte kaum glauben. Ich erzählte ihr, dass ich einmal selbst in der haredischen Gesellschaft aber, aber irgendwann "Ade" sagte. Obwohl ich die haredische Mentalität sowie Ideologie sehr schätze, bin ich doch nie wieder ein fester Bestandteil der Gesellschaft geworden. Eher mehr modern - orthodox und außerdem trage ich Hosen.

Die Frau listete mir einige Programme auf, denn sie wollte mich irgendwo unterbringen. Woraufhin ich sie fragte, ob denn die Toldot Aharon Newcomer aufnehmen. Leute von außerhalb halt.

Nicht auf mich sei das bezogen. Keinesfalls, doch fragte ich allgemein.

Man zeige sich generell bei den Toldot Aharon nicht allzu begeistert über Neueinsteiger in die Gruppe. Wer von denen sei schon in der Lage, dass recht extreme Leben der Gruppe und deren Gesetze einzuhalten ?

"Für Baalei Teshuva brauche man immer extra Schulen oder Kurse, meinte die Frau. Nicht nur wegen der Religion, sondern weil sie eben das A und O der Gruppe nicht kennen". Sie zeigte sich erstaunt als ich gestand, dass meiner Meinung nach Leute chassidisch geboren werden sollten, denn ansonsten sehe ich sie nicht als richtigen Bestandteil einer Gruppe. Manche mögen sagen, dass sie es im Laufe der Zeit werden, doch glaube ich das nur bedingt. Es ist immer etwas anderes wenn jemand in eine chassidische Gruppe hineingeboren wird, und dessen Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, usw. Mitglieder der Gruppe waren.

Sie war überrascht, diese Ansicht gerade von mir zu hören, da ich ihr zuvor von der Moderne berichtete. Andererseits stimmte sie mir voll und ganz zu und bestätigte die Punkte, welche ein Boyaner Chassid einmal bei mir angab. Die Mehrheit derjenigen, welche Mitglied einer chassidischen Gruppe werden wollen, kämen mit den falschen Erwartungen und entweder die Gruppe oder der Betroffene könnte schnell enttäuscht werden.

Beim nächsten Tisch der Toldot Aharon werden wir sicher unser Gespräch fortsetzen.

Auf ging es zu den Slonim, doch auf dort war alles nur auf die Männer ausgerichtet. Das Wetter war warm und so spazierten wir durch den Mart von Mea Shearim und überlegten einen Ganz zur Chassidut Kretchnif. Aber es kam die große Müdigkeit auf und wir machten uns auf den Heimweg. Viele Leute suchten an dem Abend nach Tischen, doch allzu viel war nicht im Angebot.

Am nächsten Mittag gingen wir gerade die Yechezkel Street in Ge'ulah hinunter als wir vor uns einen Pulk Chassidim sahen. Sie umringten einen in der Mitte gehenden Rebben, welcher in einen braunen Kaftan gekleidet war und weiße Socken trug, in welche der untere Teil seiner Kniebundhose überging. Ich machte einen Witz und sagte, dass man jetzt einen PC haben müsse, um den anmarschierenden Rebben zu identifizieren.

Der Pulk bewegte sich aus Richtung der Sadigura Synagoge auf uns zu und dann erkannte ich den Rebben sogar ohne PC. Besser gesagt einen seiner Chassidim. Der Kretchnifer Rebbe aus Jerusalem lief genau an uns vorüber und wir freuten uns, ihn wieder munter herumlaufen zu sehen. Vor drei oder vier Monaten war er in einen Autounfall verwickelt, bei dem er sich die Schulter brach. Das war auch der Grund, warum wir solange nicht bei Kretchnifer Tisch waren, denn wegen der Krankheit des Rebben fand keiner statt. Der Kretchnifer Rebbe redete mit seinen Chassidim und alle lauschten gebannt. Er scheint wieder bei bester Gesundheit zu sein und an Sukkot wird sicher bei ihm etwas geboten werden.

Ob Ihr es glaubt oder nicht, nach dem Anblick des Rebben fühlte ich mich super. Der einzige Rebbe, dem ich einmal so nahe kam, war der Rebbe der Chassidut Nadvorna in Bnei Brak.

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