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Montag, 30. Juli 2012

Hintergründe zur Geschichte des Chassidismus

B"H

Obwohl der berühmte Baal Shem Tov (1698 – 1670) als der eigentliche Gründer des chassidischen Movements betrachtet wird, so gab es dennoch diverse chassidische Grundkonzepte bereits zu Zeiten der Tempel in Jerusalem. Und ich wage einmal zu behaupten, dass selbst unsere Vorväter sich der Ideologien der Kavanot (Konzentration im Gebet), der Spiritualität sowie der Suche nach der Nähe zu G – tt mehr als bewusst waren. Die eigentliche Idee der chassidischen Lehre war also nicht neu, sondern vor langer Zeit in Vergessenheit geraten. Was der Baal Shem Tov viele Jahre später tat war, die ursprünglichen Ideologien und Konzepte wieder aufleben zu lassen.

In der Zeit des 16.,17. und 18. Jahrhunderts bestand die Mehrheit des osteuropäischen Judentums aus einfachen Leuten und nicht aus rabbinischen Gelehrten. Man war orthodox, da es halt so üblich war, hielt die jüdischen Feiertage und aß koscher. Höhere jüdische Studien in Thora, Halacha und Talmud aber, dass war die Sache einiger weniger Rabbiner und nicht die der breiten Masse. So geschah es, dass eben diese breite Masse mit den grundlegenden Prinzipien des Judentums kaum mehr etwas anfangen konnte. Man betete, weil es halt so Vorschrift war. Die damalige Rabbinerschaft wiederum sah höhere jüdische Studien als außerordentlich intellektuell an.

Plötzlich kommt Mitte des 18. Jahrhunderts der Baal Shem Tov daher und lehrt, dass jeder Jude eine persönliche Verbindung zu G – tt aufbauen kann. Es bedarf keiner hohen intellektuellen Studien, sondern wichtig sind die Absicht sowie die Gefühle. Was nützt es, wenn man im jüdischen Sinne noch so gelehrt ist, aber ohne jegliches Gefühlt betet ? Wobei niemand behauptet, dass ein Jude auf die Studien verzichten und nur noch per Gefühl handeln sollte. Ganz im Gegenteil. Studien und Emotionen müssen zusammenfliessen. Wie gerne behauptet, verzichtete der Baal Shem nicht auf höhere Studien und lehnte Halachot sowie das Talmudstudium keineswegs ab. 


 Unterschrift des BESHT (Baal Shem Tov)


Die erste Generation der Chassidim bestand, wie erwartet, aus der direkten Anhängerschaft des Baal Shem Tov. Allmählch bereitete sich die neue Bewegung über ganz Osteuropa aus. Weissrussland hatte seinen Rabbi Shneur Zalman von Liadi (der Alter Rebbe des späteren Lubawitscher Movements). Poland hatte seinen Rabbi Elimelech von Lizhansk und den Seher (Chozeh) von Lublin.



Aus der Baal Shem Tov Ausstellung der National Jewish Library in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

Von Lublin hin zum Chozeh über das Przysucha Movement – jede chassidische Gemeinde führte ihren eigenen individuellen Lebensstil. Ideologien, spirituelle Pfade und die eigene Identität waren nicht immer dieselben, sondern von Ort zu Ort unterschiedlich. Der Rabbi Shneur Zalman, zum Beispiel, liess seine eigenen Interpretationen in die Lehren des Maggid von Mezritch (seinem einstigen Lehrer) mit einfliessen. Oder wer sich in der chassidischen Geschichte etwas auskennt, der weiss um den Zwist zwischen Lublin und Rabbi Simcha Bunim. Einem Thema, auf welches ich hier im Blog noch sehr häufig zu sprechen komme.

Wer heutzutage auf die immense Anzahl chassidischer Schriften schaut, der kann leicht den Überblick und vor allem die Lust verlieren. Die chassidische Literatur füllt meter oder kilometerweise Bücherregale und durch das muss man sich erst einmal durchgraben, um sich einen winzigen Einblick zu verschaffen. Dennoch lernt man die chassidische Gesellschaft und deren Hintergrund lediglich durch ihre Literatur kennen.

Bis heute sind die meisten chassidischen Gruppen stolz darauf, auf ihre direkte Linie zum Baal Shem Tov zu verweisen. Man schaue hierbei nur auf Rabbi Nachum von Chernobyl (und die heutige chassidische Gruppe Chernobyl mit ihrem Rebben in Bnei Brak), auf Rabbi Yaakov Yosef, den Maggid von Mezritch oder auf Rabbi Pinchas von Koretz. Nur ganz wenige Gruppen besitzen keine direkte Linie zum Baal Shem Tov wie, z.B., die Toldot Aharon. 
Nichtsdestotrotz haben sämtliche chassidischen Gruppe so einiges gemeinsam: Und zwar berufen sich alle auf die Lehren des Baal Shem Tov. Weiterhin folgen alle von ihnen dem Konzept des ZADDIK (Gerechten). Manche mehr, manche weniger. 

Wie einige Leser vielleicht wissen, waren es insbesondere Rabbi Elimelech von Lizhansk sowie sein einstiger Schüler, der Seher von Lublin, welche das Zaddik – Konzept viel weiter ausbauten als es der Baal Shem Tov jemals tat. Rabbi Simcha Bunim von Przysucha dagegen definierte die Aufgabe den Zaddik au seiner wesentlich anderen Betrachtungsweise heraus.

Mittwoch, 14. April 2010

Yahrzeit von Rabbi Menachem Mendel von Vitebsk


Vitebsk in Weissrussland, ca. 1910.
40 % der Stadtbevölkerung waren Juden.



Heute und morgen (Donnerstag) feiern wir Rosh Chodesh Iyar (den beginn des neuen jüdischen Monat Iyar). Dieser Rosh Chodesh beinhaltet ebenso die Yahrzeit (Todesgedenktag) des berühmten chassidischen Rabbi Menachem Mendel of Vitebsk.

Dienstag, 23. März 2010

Yahrzeit des Apta Rebben Avraham Joshua Heschel


B"H

Am vergangenen Schabbat gedachten wir der Yahrzeit (Todestag) des bekannten Apta (Opatov) Rebben, Rabbi Avraham Joshua Heshel.

Rabbi Avraham Joshua Heschel wurde im Jahre 1748 geboren und verstarb am 5 Nissan 1825. Allgemein kannte man ihn als den Apta Rav und unter diesem Namen ist er bis heute unvergesslich geblieben.

Er wurde in Zmigrod, nahe Rzeszov, als Sohn von Rabbi Shmuel von Neustadt. Im Jahre 1763 heiratete er Chaya Sarah, die Tochter von Rabbi Yaakov Titkin. Im Jahre 1788 wurde er Rabbiner in Kolbuszov, einem Ort, in welchem er mehr schlecht als recht in Armut lebte. Es war Rabbi Moshe Leib von Sassov sowie Rabbi Elimelech von Lizhesnk, die ihn an den Chassidismus heranführten.

Im Jahre 1800 wurde Rabbi Avraham Joshua der Rabbiner von Opatov (Apta, Apter). Später zog er, nach einem erfolglosen Aufenthalt in Iasi (Moldavien), nach Medziborz (Ukraine). Allerdings weiss heute niemand mehr zu sagen, ob Rabbi Avraham Joshua eine offizielle Rabbinerposition in Medziborz innehielt.

Er hinterliess zwei Söhne (Rabbi Yitzchak Me'ir und Rabbi Yosef Moshe) und drei Töchter (Yocheved, Dinah und Rachel).

Sein Enkelsohn Rabbi Meshullam Zusya of Zinkov veröffentlichte die gesammelten Werke seines Großvaters im berühmten Buch OHEV ISRAEL. Dies geschah im Jahre 1863 in Zhitomir.

Der Apta Rebbe lehnte jegliche Askese ab und war der Meinung, dass man genügend essen und trinken solle, um stark zu bleiben und so in der Lage zu sein, G - tt zu dienen. Der Baal Shem Tov war einst derselben Überzeugung gewesen. Andere chassidische Rabbiner wiederum schwörten auf Fasten (siehe Rabbi Nachman von Breslov, der von Schabbat zu Schabbat fastete und nur am Schabbat aß, nicht aber an den Wochentagen) und ein Leben in Armut.

Rabbi Avraham Joshua Heschel liebte alle Juden. Er hob hervor, dass es die Aufgabe der Menschheit sei, die Nähe zu G - tt zu suchen. Dies anhand von Huldigungen, reinen Gedanken und positiven Aktivitäten.

Ferner war er der Überzeugung, schon einmal gelebt zu haben. Als Hohepriester (Cohen HaGadol) oder König von Israel. Er glaubte durch mehrere Reinkarnationen gehen zu müssen, solange er seine Liebe zum Volke Israel (den Juden) noch nicht perfektionierte.
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Quellen:

- M.E. Gutmann, Migdolei HaHasidut, pp. 172 - 233

- The Encyclopedia of Hasidism by Tzvi M. Rabinowicz



Link:

Sonntag, 3. Januar 2010

Ursprünge chassidischer Gruppen

B"H

Fast jede chassidische Gruppe legt allerhöchsten Wert auf ihre direkte Linie zum Gründer der chassidischen Bewegung, dem Baal Shem Tov. Nur ganz wenige Gruppen wie, z.B., die Chassidut Dushinsky oder Toldot Aharon, haben keine direkte Linie, sondern wurden von Einzelpersonen gegründet, welche zwar charismatische gelehrte Rabbiner waren, jedoch nie bei einem direkten Folgeschüler des Baal Shem Tov lernten.

Als der grosse Baal Shem Tov im Jahre 1760 verstarb, übernahm der Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman) das Zepter. Allerdings rankten sich um den Maggid nicht wenige Gerüchte und er fing sich viel Kritik ein. Insbesondere seitens desjenigen, der dem Baal Shem Tov am nächsten stand und sich automatisch als dessen Nachfolger betrachtete: Rabbi Yaakov Yosef von Polonoye (Polna).

Es dauerte eine ganze Zeit, ehe sich der Maggid von Mezritch wirklich etablieren konnte. Ihm folgten die charismatischen Rebbes, Rabbi Shmuel von Nikolsburg sowie Rabbi Elimelech von Lizhensk (Lijansk). Schon lange vorher jedoch begannen sich einstige Schüler führender chassidischer Rabbiner abzuspalten um ihre eigenen Batei Midrash (Lerninstitute) zu eröffnen. Der berühmteste Nachfolger des Rabbi Elimelech wurde der Seher (Chozeh) von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak HaLevi Horowitz.

Trotz vielerlei Kritik und Tausenden von Gerüchten war der Seher von Lublin eine der zentralen Figuren, welche die Chassidut prägte und bekannte chassidische Gruppen wie Belz, Satmar, Zhvil, Lelov, Zidichov, Ropshitz, etc. stammen aus seiner Schule. Zu Lebzeiten lieferte sich der Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz nicht wenige Kontoversen mit anderen Rabbinern und einer seiner besten Schüler wandte sich von ihm ab und gründete seine eigene Schule. Eine weitere wichtige Spaltung innerhalb der chassidischen Bewegung war somit perfekt: das Haus Lublin gegen das Haus Peschis'cha.

Um die heutigen chassidischen Gruppen und deren Inhalte zu verstehen, ist ein Sprung in die Geschichte notwendig. Ohne jegliche Erläuterung der eigentlichen Ursprünge fällt es schwer, Politik, chassidische Lehren und selbst die Konflikte untereinander zu verstehen.

Donnerstag, 19. Februar 2009

"Andere Wege" - Kinder bekannter chassidischer Rabbiner verlassen die Religion

B"H

Rabbi Samson Raphael Hirsch schrieb einmal einen Kommentar warum Esav und Yaakov so unterschiedliche Richtungen im Leben einschlugen. Wie wir wissen war Esav ein Rasha (Bösewicht) und Yaakov war der Zaddik (Gerechte). Hierzu gab Rabbi Hirsch einen gewagten und gleichzeitig einzigartigen Kommentar ab:
Wenn Yitzchak und Rivka (Rebekka) nur frühzeitig genug erkannt hätten, dass sie da zwei Kinder ausgesprochen unterschiedlicher Charaktäre aufziehen, dann hätten sie unverzüglich reagieren müssen. Jedes Kind bedarf einer individuellen Erziehung und Esav war, Im Gegensatz zu seinem Bruder Yaakov, kein Typ, der sich hinsetzt und lernt. Stattdessen wollte er draußen herumtollen, unterwegs sein und seine körperlichen Kräfte zur Geltung bringen. Ein Beruf, eine Arbeit oder ausreichend sportliche Aktivitäten hätten vielleicht Esavs Hyperaktivität ausgleichen können, doch wurde er offenbar von seinen Eltern zum Lernen bewegt. Ohne Yitzchak groß zu kritisieren, aber Kinder haben ihre eigenen Wege und nicht alle Geschwister sind immer gleich veranlagt. Als Elternteil die Schwächen und Stärken des Kindes herauszufinden und es dementsprechend zu erziehen.
Hätte Esavs Zukunft bei einer offeneren Erziehung anders ausgeschaut ? Eine interessante Frage, so finde ich, doch eine befriedigende Antwort bekommen wir darauf heute nicht mehr.

Die jüdische Geschichte lehrt uns, dass sich schon einige Kinder unserer Vorväter, deren berühmter Rabbiner oder anderweitigen Gelehrten nicht immer auf relig. gerechten Pfaden entwickelten. Jedenfalls nicht so religiös wie noch ihre Eltern. Der israelische Autor David Assaf beschreibt in seinem Buch "Ne'echaz Basbach" unter anderem das Abgleiten der Söhne berühmter chassidischer Rabbiner in den Säkularismus. Andererseits fand ich Meinungen, die dagegen besagen, dass in all den von mir unten aufgeführten Fällen, die Söhne TESHUVA machten (zu G – tt zurückkehrten). Nur nicht in einem Fall, nämlich dem Sohn des Rabbi Shneur Zalman von Liadi.

Der Chassidismus besitzt unzählige positive und einzigartige Seiten, dennoch ist nie immer alles so perfekt, wie es eigentlich sein sollte. Gleich nach dem Tode des Baal Shem Tovs zerstritten sich schon dessen Anhänger bezüglich seiner Nachfolge als Oberhaupt der chassidischen Bewegung. Die ersten Konflikte begannen und die eigenen Familien blieben davon nicht verschont. Einen bekannten chassidischen Rabbiner zum Vater zu haben bedeutet noch lange keine Garantie für superreligiöse Kinder.

Dies musste schon der Gründer der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch), Rabbi Shneur Zalman von Liadi, 1745 – 1812, erkennen. Dessen jüngster Sohn Moshe nämlich konvertierte zum Christentum.

Der Sohn des Israel of Ruzhin, 1797 - 1851, verliess ebenso die jüd. relig. Wege. Dov Baer von Leove, 1817 - 1876, heiratete schon im frühen Alter von 14 Jahren. Seine Frau war Scheindel, die Tochter des Rabbi Mordechai Twersky von Chernobyl. Die Ehe war nicht besonders gut und es folgte ein Umzug nach dem anderen. Nach dem Tode seines Vaters wurde Dov Baer von seinem Bruder ins Haus im Städtchens Sadigura aufgenommen und es kamen Gerüchte auf, dass Dov Baer dort gefangengehalten werde. Später lebte Dov Baer in Czernowitz, wo er im Jahre 1869 erklärte: "Er wünschte, dass die dummen Bräuche, die rein gar nicht auf dem Judetum basieren, abgeschafft werden würden. Man solle die Dornen vom Hause Israels entfernen". Sprachs und bekam ein Anhänger der "Aufklärung (Haskalah)".

Der nächste Fall ist der des Yechezkel, des Sohnes von Rabbi Aryeh Leib von Kozmir. Auch Yechezkel verliess die relig. Bahnen und änderte seinen Namen in "Stanilaus Hoga".

Der Schwager des berühmten Apter (Opatov) Rebben Avraham Yehoshua Heshel, und Sohn des Rabbi Chaim Tirer von Czernowitz, Kalman Kalonymus, wurde zum G – tteslästerer (Apikoret). Er begann Kartenzuspielen und aß unkoscheres Essen. Daraufhin liess sich seine Frau Yocheved, die Schwester des Apta Rebben von ihm scheiden.

Me'ir, der Sohn des ungarischen Zaddik (Gerechten), Rabbi Yitzchak Eisik von Kalov, startete anscheinend seine säkulere "Karriere" nach dem Ableben seines Vaters.

Es gibt noch viele weitere Beispiele und wir sehen, dass gewiss nicht jede Familie perfekt ist. Manchmal mag es an der richtigen oder falschen Erziehung liegen; andererseits suchen nicht wenige Jude nein offeneres Leben ohne all die strengen Massregelungen und Vorschriften. Ich bin mir sicher, dass es viele weitere wichtige und individuelle fuer derlei Lebensentscheidungen gibt. Nicht jeder Heranwachsende geht nur den einen vorgeschriebenen Weg und nicht jeder drückt sich gleich aus.

In den seltensten Fällen sind Druck oder Zwang die angebrachten Erziehungsmittel und es ist unlogisch jemanden in eine Gesellschaft zu pferchen, in die er nicht passt bzw. gehört.
Vor ein paar Monaten erzählte mir eine ältere Dame der Chassidut Karlin – Stolin, dass in Stolin jedes Kind seinen Bedürfnissen nachbehandelt und gefördert wird. Allerdings werden die Heranwachsenden dann doch im Alter von ca. 19 Jahren verheiratet, damit sie eine Familie haben, Verantwortung übernehmen und nicht irgendwo anders verloren gehen.

Für einige mag dies die richtige Lösung sein, doch für andere kann sich diese Art des Lebenslaufes als persönliche Katastrophe entpuppen.

Montag, 24. November 2008

Montag, 6. Oktober 2008

Rabbi Israel Friedman von Ruzhin

B"H

Eine der Stories, die sich um den ersten Rebben sowie Begründer der Chassidut Ruzhin (Rizhin in Jiddisch) ranken, hat Weltberühmtheit erlangt und immer wieder wird sie gerne erzählt. Und das nicht nur von Chassidim.

Ich denke, dass uns die Story so einiges verdeutlicht und auch uns im Leben zum Nachdenken verhilft.



Rabbi Israel Friedman von Ruzhin wurde im Jahre 1797 in Probroddzice nahe Kiew geboren und verstarb 1850. Er war ein direkter Nachkomme des Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman), welcher der Nachfolger des Baal Shem Tov wurde.

Schon im jungen Alter von sechs Jahren verlor er seinen Vater und wuchs somit bei seinem älteren Bruder Avraham auf. Im Alter von 13 Jahren heiratete er Sarah, die Tochter von Rabbi Moshe HaLevi Efrati, dem damaligen Yeshivaleiter von Berditchev.

Als Avraham im Jahre 1813 kinderlos verstarb, erbte Israel dessen ganze Habe. Er ließ sich erst in Squira und danach in Ruzhin nieder, wo er ein Beit Din (rabbinisches Gericht) einrichtete. Rabbi Israel lebte im absoluten Luxus. Er nahm auf einem Thron Platz, trug edele Kleider, welche jener des russischen Hochadels glich. Und sein Hut war sogar aus Gold.

Außerdem lebte er in einem edelen Palast ausgestattet mit türkischen und persischen Teppichen. Seine Kutsche wurde von vier Pferden gezogen und im Hause arbeiteten viele Bedienstete. Doch im Gegensatz zu all dem materiellen Wohlstand, bestand Rebbe Israel auf ein schlichtes Leben. Das aber wiederum stand im Gegensatz zu seinem Reichtum und angehäuften Besitz, welchen er als unvermeidlich ansah. G - tt habe ihn damit schließlich beschenkt und nun sei er, Rebbe Israel, halt gezwungen, damit zu leben.

Unter anderem schlief der Rebbe nur ganz wenige Stunden am Tag. Früh morgens stand er auf und betete meist stundenlang und lernte danach Thora. Während des Gebetes bevorzugte er eine leise Stimme und hielt nicht von einem ausschreienden Gebet. Selbst der große Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch war begeistert von Rebbe Israel. "Das Licht von G - ttes Gegenwart sei in seinen Augen zu sehen", so Rabbi Hirsch nach einem Treffen.

Später wurde Rebbe Israel von Ruzhin 22 Monate lang inhaftiert, denn es wurde vermutet, dass seine Anhänger zwei jüdische Informanten getötet hatten. Im Jahre 1840, einen Tag nach Purim kam er frei und kehrte nach Ruzhin zurück. Die lokale Polizei jedoch gab nicht auf und hielt ihn unter ständiger Beobachtung, bis dem Rebben letztendlich die Flucht nach Rumänien gelang. Nach ewigem Hin und Her kaufte Rebbe Israel Land in Sadigura (nahe dem rumänischen Czernowitz) und die einstige glorreiche Zeit von Ruzhin blühte wieder auf. Auch seine Familie verließ Rußland im Jahre 1842 und zog zu ihm nach Sadigura. An Pessach 1847 verstarb des Rebben erste Frau und er heiratete die Witwe des Rabbi Tzvi Hirsch von Rymanov.

Rebbe Israel von Ruzhin erhielt die türkische Staatsbürgerschaft und ließ sich in seinem Paß als "Bürger Jerusalems" betiteln. Seine sechs Söhne gründeten allesamt chassidische Dynastien wie Sadigura, Chortkov, Bohush, Skver, Husyatin sowie Boyan.

Was ist nun so einzigartig an Rebbe Israel und was machte ihn so berühmt und bewunderswert ?

Bei all seinen teuren Kleidern und allem Reichtum trug er Schuhe ohne Schuhsohlen. Er lief ständig barfuß, denn niemals wollte er arrogant werden. Das Laufen mit blanken Füssen erinnerte ihn immer daran, dass alles vergänglich und er vor G - tt nur ein einfacher Mensch ist.
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Und wie immer kommt auch die kritische Frage auf, ob wir das alles so glauben sollen ? Nicht in Bezug auf die goldenen Schuhe ohne Sohlen, sondern ob ein Rebbe sich einfach solche einen unermeßlichen Reichtum anhäufen kann. Ist es erlaubt, seine Chassidim dermaßen mit Steuern zu plagen, nur um selbst ein Luxusleben führen zu können.

Genau diese Frage stellte ich mir auch als ich das Luxushotel des Toldot Aharoner Rebben in Saalbach / Österreich sah. Wie kann ein Rebbe dort Urlaub machen, während seine Chassidim im Hinterhof von Mea Shearim nicht immer ein finanziell gutgestelltes Leben führen ?

Jemand aus New York gab per e - mail Folgendes zu bedenken:

1. Finanziert der Toldot Aharon Rebbe David Kahn sämtliche Chassidim und sie hängen fast alle von ihm ab. Kein Grund also, ihm Vorwürfe zu machen.

2. Vielleicht trifft der Rebbe andere Reiche im Blumenhotel und diese sind unverhofft bereit, den Toldot Aharon zu spenden.

3. Kann es sein, dass der Rebbe repräsentieren muß ? Was sollen denn andere denken, wenn er in einer Hütte leben täte ?
Zu Punkt 3 kann ich sagen, dass manchmal weniger Luxus einen besseren Eindruck schindet !

Aber wie so oft, muß sich halt jeder von uns seine eigene Meinung darüber bilden.

Freitag, 19. September 2008

Rabbi Baruch von Medziboz



"Light of Torah" von Elie Benzaquen


B"H

Das ukrainische Städtchen Medziboz erlang seine Berühmtheit einzig und allein durch die Anwesenheit des großen Baal Shem Tov, der dort von 1740 - 1760 lebte. Zu seiner Zeit war Medziboz eine der größten Städte in der Ukraine;
545 Christen und 219 jüdische Haushalte waren zu verzeichnen. Insgesamt gab es 5000 Einwohner, wovon ein Drittel Juden waren. Man lebte in der Stadt überwiegend vom Handel, denn sie lag recht verkehrsgünstig zwischen Lvov und Kiew.

Rabbi Baruch ben Yechiel von Meziboz wurde im Jahre 1753 geboren und verstarb am 18. des jüdischen Monat Kislev (ca. Dezember) des Jahres 1810 (siehe "Encyclopedia of Chassidut" von Yitzchak Alfassi). Er hatte eine äußerst berühmte Mutter, die da Adel hieß und gleichzeitig die Tochter des Baal Shem Tov war. Sein Vater war Rabbi Yechiel Ashkenazi. Rabbi Baruchs jüngerer Bruder war nicht weniger berühmt, denn hierbei handelte es sich um Rabbi Moshe Chaim Ephraim von Sudlikov (der "Degel Machane Ephraim").

Baruch von Medziboz hatte das feurige Temperament seiner Mutter Adel geerbt.
Bei solch berühmter Verwandtschaft ist es natürlich klar, dass Rabbi Baruch die chassidische Rabbinerlaufbahn einschlagen würde, und so lernte er eine kurze Zeit be idem Nachfolger des Baal Shem Tov, bei Rabbi Dov Baer Friedman (dem Maggid von Mezritch). Danach wechselte Rabbi Baruch zur Schule des Rabbi Pinchas Shapira von Koretz. Später heiratete er die Tochter des wohlhabenden Rabbiner Tuvia von Ostrova und ließ sich in Tulchin, in der Ukraine, nieder.

Leider verstarb seine erste Frau und so heiratete er ein zweites Mal. Dieses Mal die Tochter des Verwandten Rabbi Aharon von Titov. Mit seiner neuen Frau zog er nach Medziboz, wo er ein riesiges Haus erwarb, Pferde hatte und nichts sah, was dagegen spricht, wenn ein Rabbiner wie er im Luxus lebt.

Den Charakter des Rabbi Baruch von Medziboz heute einzuschätzen ist nicht leicht. Er sah sich als der rechtmäßige Erbe des Baal Shem, denn schließlich war der ja auch sein Großvater gewesen. Doch gab e seine Fraktion von drei Rabbinern, welche Rabbi Baruch als Erben des Baal Shem Tov ablehnten. Bei den drei Rabbinern handelte es sich um Rabbi Levi Yitzchak von Berditchev, Rabbi Shneur Zalman von Liadi (dem Gründer von Chabad) sowie dem Seher von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz. Ein weiterer Kritiker des Rabbi Baruch war Rabbi Nachman von Breslov.
Sämtliche Dispute hielten jedoch jene Hunderte von Chassidim nicht ab, zu Rabbi Baruch nach Medziboz zu strömen. Und immerhin war er sehr gut mit Rabbi Menachem Mendel von Vitebsk befreundet.

Es bestehen unterschiedliche Versionen bezüglich eines Streites zwischen Rabbi Baruch und dem Chabad – Gründer Rabbi Shneur Zalman von Liadi. Schon allein deswegen, weil Rabbi Baruch sich als ein wahrer Vertreter der Chassidut des Baal Shem Tovs betrachtete. Heutzutage kennen wir nur noch ganz wenige originale Lehren des Baal Shem Tovs und alles andere basiert auf Interpretationen seiner Nachfolger. So gab schon der Maggid von Mezritch zu, die Lehren des Baal Shem Tots nicht immer direkt wörtlich zu übernehmen, sondern stattdessen gab er seine eigene Meinung der Lehre ab. Damit folgte Rabbi Shneur Zalman dem Beispiel des Maggid und packte seine eigene Meinung in die Lehr emit hinein. So kam alles mitunter durcheinander und Rabbi Baruch von Medziboz regte sich nicht wenig auf als Rabbi Shneur Zalman sein Buch TANYA herausgab. Die darin verfaßten Eigeninterpretationen des Rabbi Shneur Zalman waren für Rabbi Baruch eine Katastrophe. Und als Rabbi Shneur Zalman im Jahre 1808 zur Spendensammlung in die Ukraine kam, sah Rabbi Baruch dieses als ein Eindringen in sein Territorium an.

Und Letzterer hatte sicherlich den Vorteil sagen zu können, dass er der Enkel des Baal Shem Tov ist, woraufhin Konkurrent Rabbi Shneur Zalman behauptete, dass er dann halt der spirituelle Enkel des großen chassidischen Meisters sei. Wie dem auch sei, Rabbi Shneur Zalman hatte den Baal Shem niemals kennengelernt und konnte tun, was er wollte, er war halt kein "Originaler".

Zwar hatte der Baal Shem Tov das Konzept des Zaddik (Gerechten) geprägt, doch richtig ausgebaut wurde dieses erst von seinen Nachfolgern. Rabbi Baruch von Medziboz legte fest, dass der Zaddik das Centrum sein muß. Um ihn drehe sich alles und die Chassidim sollen von ihm lernen.

Immer wieder wurde verfiel Rabbi Baruch in Depressionen und Melancholie, wobei die Chassidim stetig versuchten, ihn aufzuheitern. Schriften hinterließ Rabbi Baruch nach seinem Tode nicht und da er keinen Sohn hatte, war dies das Ende seiner gegründeten Chassidut. Kinder hatte er dennoch: Drei Töchter, welche allesamt Rabbiner heirateten.




Das Grab des Baal Shem sowie der Friedhof in Medziboz / Ukraine

Photo: Solutix.de

Freitag, 29. August 2008

Das vergessene Zarki



B"H



Lucja Morawska nahm diese Photos in Zarki (nahe LELOV, in West Galizien) auf.




Händler in Zarki (ca. im Jahre 1936)



Jüdischer Friedhof in Zarki (West Galizien)












Es ist traurig, welcher einmalige Teil jüdischer Geschichte mit dem Holocaust in Osteuropa unterging.

Dienstag, 26. August 2008

Feministin Par Excellence

B"H

In der orthodoxen jüdischen Gesellschaft wird stetig von Feminismus geredet. Nicht unbedingt die orthodoxen Frauen selbst beteiligen sich an der Diskussion, sondern vielmehr werden von völlig Außenstehenden Zweifel an der Gesellschaft angemeldet. Wie stehen orthodoxe Männer zu ihren Frauen ?
Hierüber kann ein jeder ellenlange Berichte verfassen und im Endeffekt läuft alles immer auf eines hinaus: Es kommt auf den jeweiligen Mann und die Frau an. Alles nur über einen Kamm scheren geht nicht immer und man ist gezwungen, sich hinzusetzen und viele Individualfälle zu analysieren.

Der Autor Tzvi M. Rabinowicz gibt in "The Encyclopedia of Hasidim" ein ausgezeichnetes Beispiel für eine weibliche Selbstverwirklichung in der Geschichte des Chassidismus. Adel, die Tochter des Baal Shem Tov selbst mag den meisten Leuten völlig unbekannt sein; doch zu Lebzeiten war sie eine herausragende und anerkannte Persönlichkeit.

Adel (ca. 1720 - ca. 1787) war die einzige Tochter des Baal Shem Tov und dessen Frau Channah. Der Baal Shem Tov liebte zu sagen, dass er die Buchstaben des Namen "Adel" der Thora entnahm (Esh Daat Lamo). Schnell zeigte sich Adels Intelligenz und ihr Vater liebte sie abgöttisch.

Nachdem Adel's Mutter Channah verstarb, kümmerte sich die Tochter um ihren Vater und als er krank wurde, pflegte sie ihn bis zu seinem Tode. Die Chassidim des Baal Shem Tov nahmen Adel durchaus ernst und sie hatte einen festen Platz innerhalb des Anhängerzirkels. Später heiratete sie Rabbi Yehiel Ashkenazi und die beiden betrieben einen kleinen Laden.

Adel und Rabbi Yehiel hatten zwei berühmte Kinder - Rabbi Moshe Chaim Ephraim von Sudzilkov und Rabbi Baruch von Medzibozh. Ihre Tochter Feiga (Feigi) wurde die Mutter von Rabbi Nachman von Breslov. Somit ist Rabbi Nachman der Urenkel des Baal Shem Tov.

Bei den Breslover Chassidim ist es eine alte Tradition, den Kindern bestimmte Namen zu geben. Aufgrunddessen wird man in fast jeder Breslover Familie einen "Nachman" sowie eine "Feiga" finden.

Mittwoch, 6. August 2008

Kleine Einblicke in den Messianismus

B"H

Das frühe 19. Jahrhundert brachte enorme Veränderungen für die europ. Juden mit sich. Sie strebten nach Gleichberechtigung und wollten nicht nur das letzte Rad am Wagen hinter der nichtjüdischen Bevölkerung sein. Parallel dazu tobte die Haskalah (Aufklärung) und das gleichzeitige Aufkommen der Reformbewegung. Immer mehr Juden assimilierten sich, denn so erhofften sie sich eine Form der Gleichberechtigung. Und war das Shtetl nicht längst tot ? Viele deutsche Juden und polnische Juden zog es in den Bann der Haskalah. Man dachte akademisch und nicht an G - tt. Die Juden in Ungarn, Rumänien oder der Ukraine standen jedoch fast voll und ganz hinter der Thora und viele Rabbiner wehrten sich gegen die Reformer.

Aus den gleichen Rechten für alle wurde jedoch nicht viel, denn vielmehr trat das Gegenteil ein: es kam zu immer mehr Pogromen. Insbesondere in Osteuropa. Irgendwann reichte es vielen Juden und sie besannen sich auf das Land Israel. Die Rede ist dabei nicht von den Säkuleren, sondern von den Orthodoxen und sogar den Chassidim. Und ausgerechnet zu der Zeit kam es, wie schon unzählige Male zuvor, zu einer erneuten Berechnung des Messianischen Zeitalters. Im Jahre 1840 nämlich sollte der Meschiach kommen.

Wieviele Male hatte man das im Zeitverlauf der jüdischen Geschichte nicht schon angekündigt ? Das letzte große Jahr, in dem Meschiach erscheinen sollte, war das Jahr 1648. Alle warteten sehnsüchtig, doch wurde gerade dieses Jahr ein Katastrophenjahr für die Juden, denn die Chmielnicki - Pogrome brachten mehr als Hunderttausend Juden den Tod. Später nahm es der chassidische Rabbiner, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (der Seher von Lublin) auf sich, durch seine guten Taten den Meschiach zu bringen. Des Weiteren ging zu der Zeit Napoleon in Europa um und viele chassidische Rabbiner kommentierten seine Kriege und Eroberungen als den Krieg "Gog und Magog".
Rabbi Horowitz jedenfalls scheiterte in seinem Vorhaben und landete in einer Depression.

Nun sollte das Jahr 1840 endlich den erwarteten Meschiach bringen. Warum gerade das Jahr ?

Weil das weltliche Jahr 1840 das jüdische Jahr 5600 ergibt. Das kabbalistische Buch ZOHAR hatte dieses Jahr als das Jahr des Meschiach angegeben. Aus diesem Grunde machten sich vor 1840 viele Juden nach Israel auf, um den Meschiach zu erwarten. Selbst Juden aus der Türkei und Nordafrika zeigten sich von den Idee begeistert.
Die prominenteste Gruppe, die nach Israel kam, waren wahrscheinlich die Anhänger des Vilna Gaon (Rabbi Eliyahu von Vilna), die sich bereits im Jahre 1813 mit 511 Seelen in Israel niederliessen. Ziel dieser Gruppe war es, durch gute Taten die Ankunft des Meschiach einzuleiten und so sicherzustellen, dass er auch tatsächlich kommt. Es ist ein biblisches Gebot, dass ein Jude in Israel leben muß. Außerdem sollte Jerusalem wieder aufgebaut werden. Professor Yehudah Liebes von der Hebräischen Universität Jerusalem deckte auf, dass ein Anhänger des Vilna Gaon, Rabbi Menachem Mendel von Shklov, in seinem Lehrer (dem Vilna Gaon) den wahren Meschiach sah. Schabbtai Zvi hatte versagt und landete stattdessen in dunklen sündhaften Gefilden, doch war nicht der Vilna Gaon der perfekte Ersatz in der Neuzeit ?

Gerade zu der Zeit vor ca. 200 Jahren kamen vermehrt messianische Ideen auf. Nicht nur wegen der entstandenen chassidischen Bewegung, sondern die Welt an sich unterlag enormen Veränderungen. Die Französiche Revolution, das aufkommenden Industriezeitalter; all dies verunsicherte die Menschen und lesen wir Juden nicht im Talmud, dass die Zeit kurz vor dem Eintreffen des Meschiach gewaltigen Veränderungen unterliegt ? Selbst die aufkommende Reformbewegung wurde von vielen Juden als Grund für das Kommen des Meschiach gesehen. Die Reformbewegung ist eine Abspaltung des Judentums und wer könne schon mit ihr leben ? Aufgrund all der Gründe lag der Gedanke nahe, dass Meschiach unterwegs sei.

Im Sommer des Jahres 1832 ging in Europa eine Choleraepidemie um. Händler reisten daher in keine fremden Ortschaften mehr und so kam es zu einer Verarmung vieler Bevölkerungsteile. Viele europ. Länder kämpften für ihre Unabhängigkeit und wenn man all dieses historische Drumherum betrachtet, dann erkennt man schnell weitere Gründe für die Flucht vieler Juden zurück in ihre Heimat Israel. Der Messianismus war die Spitze des Eisberges.



Der Messianismus der Zeit sowie der chassidische Messinianismus sind breitgefächerte Themen, welche immer wieder separat in Länge angesprochen werden müssen und sollten.

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Quelle:

"Hastening Redemption" by Arie Morgenstern

Dienstag, 24. Juni 2008

Philosophie im Chassidismus ?

B"H

Eines stößt mir oftmals ganz besonders auf; und das ist wenn ich mir den Stundenplan haredischer Schulen anschaue.

Wenigstens haben sich schon vor einiger Zeit einige chassidische Gruppen wie Vishnitz dazu entschlossen, den Englischunterricht in den Lehrplan mit aufzunehmen. Das ist doch immerhin etwas, obwohl, wenn man die Realität näher unter die Lupe nimmt, überrascht die Entscheidung ganz und gar nicht. So sollen doch gerade haredische Frauen die Männerwelt ernähren und arbeiten gehen. Und Jobs finden sich teilweise heute nur, wenn man auch vom Englischen eine Ahnung hat. Beispiel: High Tech Branche.

Aber ich will keine Vorurteile schüren, denn nicht in der gesamten haredischen Welt besteht nur eine Meinung bzw. eine ausgemachte Männerwelt, die gegen die Frauen losgeht. Heutzutage ist es immer angebrachter, den Individualfall zu betrachten und nicht zu verallgemeinern.

Was mich jedoch verallgemeinern läßt ist, dass, zum Beispiel, die Philosophie auf keinem haredischen Lehrplan zu finden ist. Bei den Breslover Chassidim gleich gar nicht, denn ausgerechnet der Begründer Rabbi Nachman untersagte seinen Chassidim jeglichen Kontakt mit der Philosopie, da diese nur eine Verweltlichung des Juden hervorrufen würde. Rabbi Nachman meinte damit auch die jüdische und somit die Philosophie (Führer der Unschlüssigen - Guide of the Perplexed) des Rambam (Maimonides). Bei Chabad ist übrigens das genaue Gegenteil der Fall und der Rambam wird bis zum Erbrechen zitiert.

Bis fast zu Zeiten des Saadia Gaon im 9. / 10. Jahrhundert gab es fast gar keine jüdische Philosopie. Der Grund ist denkbar einfach: Es bestand einfach kein Bedürfnis.

Natürlich gab es auch vorher schon Juden (u.a. Philo) bzw. Rabbiner, die sich mit Aristoteles oder Plato auseinandersetzten. Doch wen interessierte das groß, wenn der Zweite Tempel zerstört worden war und das Judentum sehen mußte, dass es anhand von Halachot die Juden an Bord hielt und nicht völlig unterging. Erst mit dem Aufkommen des Islam und den Karaiten zur gleichen Zeit war auch das Judentum gezwungen, Farbe zu bekennen und den Anschuldigungen und Theorien des Moslems bzw. der Karaiten zu antworten. Rabbi Saadia Gaon zerschlug übrigens recht schnell sämtliche Karaitischen Thesen.

Von Beginn der chassidischen Bewegung (unter dem Baal Shem Tov) wie wir sie kennen, fand die Philosophie keinen Zuspruch. Philosophische Fragen, Rationales, Gründe, all das paßte nicht gerade in eine Kabbalahwelt, in der alles möglich erscheint. Rabbi Nachman bestand auf das Prinzip des "einfachen Glaubens". Man muß G - tt nur überall und in allem sehen - Seine Gründe sind oft unbegreifbar, doch müssen wir alles g - ttliche akzeptieren".

Die jüdische Philosophie besteht nun nicht gerade aus den Thesen des Aristoteles, doch eher aus schriftlichen, manchmal sogar, poetisch verfassten Thesen. Der Rambam beschäftigt eingehend mit Aristoteles und so mancher Realist befaßt sich mit der Frage, ob nicht so mancher große Rabbi doch von der griech. Philosophie beeinflußt wurde und einiges ins Judentum übernahm. Hatte nicht gerade Aristoteles das gleiche G - ttesbild, in dem er behauptete, dass G - tt nur ein einziges allumfassendes Wesen sein kann ?
Thesen, die heutzutage in keiner einzigen haredischen Welt zu hören sind. Außer von einigen Rabbis, die privat ermitteln.

Die einzige mir bekannte chassidische Gruppe, die sich ihre Intellekt lobt und rühmt, ist Chabad (Lubawitsch). Ihr Buch "Tanya" des Alter Rebben Shneur Zalman von Liadi ist ein einziges Intellektsammelsurium.

Leider, und ich muß hier sagen leider, kennen heutzutage die wenigstens haredischen Schüler noch einen Saadia Gaon, einen Rabbi Yehudah HaLevy oder einen Rabbi Shlomo ibn Gvirol.

Sonntag, 15. Juni 2008

Die historische Bedeutung des Baal Shem Tov

B"H

(Inhalte teilweise entnommen aus dem gleichnamigen Artikel des Philosophen Gerschom Scholem)

Mit bürgerlichem Namen hieß der Baal Shem Tov (Besht) "Rabbi Israel ben Eliezer". Geboren wurde er am 17 Elul ca. 1700 und er verstarb am Schavuot - Fest des Jahres 1760. Und wie wir alle wissen, war er es, der den Chassidismus neu aufkommen ließ.

Details über die wahren Lehren des Baal Shem Tov (Besht) liegen uns heute nicht mehr vor. Schon gleich nach seinem Tod übernahmen sein Nachfolger, der Maggid von Mezritch, sowie der spätere Begründer der chassidischen Gruppe Chabad, Rabbi Schneur Zalman von Liadi, das Zepter in die Hand und beide interpretierten die eigentlichen Lehren so, wie sie persönlich es verstanden. Daraus machten sie keineswegs einen Hehl und jeder der Beiden bestand auf sein Recht.

Aber nicht nur sie, denn kurz nach dem Tode des Besht hatte auch dessen engster Vertrauter und Schüler, Rabbi Yaakov Yosef von Polonoye, ein Wörtchen mitzureden. Er nämlich sah sich als der wahre Erbe und Nachfolger des großen Meisters und Rabbis Israel ben Eliezer. Der Maggid von Mezritch, obwohl nie bei bester Gesundheit, kämpfte viele Jahre um seine Anerkennung als Nachfolger. Währenddessen gingen jedoch immer mehr die originalen Aussagen des Besht verloren und heute sind uns leider nur noch einige Grundzüge bzw. Elemente bekannt.

Allgemein behaupten Historiker, dass der Besht keinerlei Bücher hinterließ und das was vorhanden ist, sei teilweise gefälscht. Außerdem wird historisch die angeblich so bedeutungsvolle Rolle des Besht in Frage gestellt. War er tatsächlich so einflußreich und begründet sich auf ihm die gesamte "moderne" Chassidut sowie deren Gruppen ? Historiker bezeifeln dies. Einige Historiker sehen diese, ihre, Theorie schon allein dadurch bestätigt, dass die chassidischen Stories um den Baal Shem Tov mehrheitlich mehr Fabeln als Realität gleichen. Ein jeder schien halt etwas Eigenes hinzu zudichten. Selbst historische Fakten aus dem privaten Leben des Besht sind uns heute nicht immer bekannt. Es gibt Tatsachen, doch zusätzlich auch viele wage Vermutungen. Laut Gerschom Scholem kritisierten nicht Wenige gerade die Handlungen des Baal Shem Tovs als geistiger Führer. Scholem bezieht sich hier auf Rabbi Moshe ben Yaakov von Sassov (1745 - 1807).

Insbesondere Rabbi Yaakov Yosef von Polonoye war es, der seinem ehemaligen Lehrer, dem Baal Shem Tov, prophetische Abstammung unterstellte. So sei Rabbi Israel niemand anderes als der legendäre Prophet Achiyah von Schiloh gewesen. Trotz allem gibt es keinen einzigen Beweis, dass der Besht jemals eine rabbinische Ordnation erhielt. Ist dies überhaupt notwendig, wenn andererseits der Beweis erbracht werden kann, dass er eine bemerkenswerte Persönlichkeit war und andere Qualitäten hatte, welche das eventuell Fehlen einer Ordination wettmachten ?

Gerschom Scholem bleibt dabei, dass der Besht der Meinung war, ein neues Kapitel innerhalb der jüdischen Anbetung G - ttes aufgeschlagen zu haben, welches das Kommen des Meschiach beschleunigen wird.

Es stimmt tatsächlich, dass wir viele der Lehren des Baal Shem Tov schon der früheren Lurianischen Kabbalah entnehmen können. Sein Verdienst war jedoch, all diese vorherigen Ideologien wie Zaddik (Gerechter), mystische Meditation, Meditatin in der Mikveh (Ritualbad), etc. auf einen Nenner gebracht und in einem einzigen Körper, der Chassidut, vereinigt zu haben.

Dienstag, 29. April 2008

Die kontroverse Unantastbarkeit

B"H

Mir ist durchaus bewußt, dass ich mich mit diesem Artikel auf brüchiges Eis begebe und aufpassen muß, dass man mich nicht falsch versteht oder falsch verstehen will. Falsch verstehen will eben deswegen, weil diverse rechte Gruppierungen sowie Holocaust - Leugner meine Argumente für ihre kranke und absurde Propaganda ausschlachten könnten. Aber dieser Gefahr läuft man überall, denn heutzutage kann einem jeder das Wort im Munde umdrehen.

Am morgigen Mittwoch abend beginnt in Israel der Holocaust - Gedenktag "Yom HaSchoah" und wird bis Donnerstag abend mit vielen Trauer - und Gedenkveranstaltungen begangen. Holocaust - Überlebende kommen ohne Ende zu Wort und das 2. staatliche Fernsehen plant einen umstrittenen Dokumentarfilm auszustrahlen. Es geht um die Geldernutzung der Holocaust - Opfer, aber das soll an dieser Stelle nicht mein Thema sein.

Vielmehr will ich mich seit langem mit einem ganz besonderen Thema beschäftigen, finde aber so gut wie nie die Zeit dazu. Das Thema existiert und es gibt einige, wenn auch wenige, Veröffentlichungen dazu. Sich schnelllebig damit auseinanderzusetzen, bringt nichts, denn das Thema ist kompakt und erfordert viel Research.Und ich gebe zu, dass ich es dazu noch nicht geschafft habe. Was ich zumindest tat war, mich mit einigen Chassidim der Gruppen Belz und Gur über die Problematik zu unterhalten.

Egal wo, wenn es um Holocaust - Darstellungen und die Opfer geht, stehen die Chassidim in den meisten Fällen weit hinten an. Selbst bei Marcel Reich - Ranicki, der sich ihnen gegenüber ablehnend in der Autobiographie äußerte. Er, Ranicki, sei im Warschauer Ghetto immer darauf bedacht gewesen, sich westlich zu kleiden und somit einen gewissen "zivilisierten" Eindruck zu machen.

Die Chassidim selber haben wie kaum eine andere jüdische Gruppe immens unter dem Holocaust gelitten। Immerhin ging es bei ihnen auch um den Erhalt der eigenen chassidischen Gruppe. Viele von ihnen wie Belz, Vishnitz, Satmar, Zanz - Klausenburg oder Bobov (um nur einige wenige Beispiele zu nennen) schafften dies nur mit Mühe und Not. Aber gerade innerhalb der Chassidut tut sich noch eine zweite Problematik auf, die seitens der Chassidim zwar bekannt ist, doch nur in seltenen Fällen oder gar nicht diskutiert wird. Dagegen findet man auf mehr oder weniger jüd. - relig. Websites mehr Anschuldigungen. Ob diese Anschuldigungen tatsächlich so der Wahrheit entsprechen, entzieht sich meiner Kenntnis. In dem Wust von widersprüchlichen Aussagen konkrete Hinweise zu finden, ist für den oberflächlichen Betrachter kaum mehr möglich.

Bei der Problematik geht es um das Verhalten einiger chassidischer Rebben im Holocaust. Inwieweit haben sie ihre Chassidim wirklich gewarnt oder ihnen gar befohlen, Europa zu verlassen ? Im Internet wird der einstige Belzer Rebbe, Rabbi Aharon Rokeach, beschuldigt, seinen Chassidim gesagt zu haben, dass sie Europa nicht verlassen sollen. Aber da ich mich derzeit ausgiebig mit Rebbe Aharon Rokeach und seiner Flucht vor der Gestapo / SS befasse, weigere ich mich oft, diese Anschuldigung zu glauben. Hat nicht gerade der damalige Belzer Rebbe unendlich unter den Nazis gelitten ? Verlor er nicht seinen Sohn, Rabbi Moshe Rokeach, als die Nazis eine Synagoge anzündeten und alle (auch ihn) anwesenden Chassidim in die Flammen zwangen ?
Und verlor er nicht seinen jüngeren Bruder Rabbi Shalom von Opatov (Apta) als sich dieser im Wald versteckte und letztendlich verhungerte ? In wahrlich letzter Minute war es den Belzer gelungen, den Rebben aus Europa nach Palästina zu schmuggeln und somit die Chassidut Belz am Leben zu erhalten.
Zur Erläuterung: Bei Kriegsausbruch lag das Städtchen Belz in Polen, heute gehört es zur Ukraine.

Der damalige Rebbe der Chassidut Gur (Polen) hatte es einfacher, denn er konnte sich problemlos rechtzeitig nach Palästina absetzen. Die Chassidut Gur war damals schon ein Begriff und ihr Rebbe eine bekannte Persönlichkeit. Anders hingegen bei der Chassidut Satmar (Rumänien), die zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges über fiel weniger Einfluß verfügte. Und so fand sich der im Jahre 1979 verstorbene Rebbe Yoel Teitelbaum in einem Arbeitslager wieder. Zumindest bis zu seinem Freilassung und Abreise in die sichere Schweiz.

Inwieweit haben einige chassidische Rebben ihre Chassidim im Stich gelassen oder ihnen verkündet, Europa nicht zu verlassen ? Ein schwer verdauliches Thema. Einige Gerer Chassidim (Gur) erzählten mir, dass heutzutage die Chassidut Gur fast nur aus Newcomern nach dem Kriege bestehe. Die alten originalen Gerer seien fast alle im Holocaust umgekommen. Insgesamt verlor die Chassidut Gur mehr als 100.000 Anhänger.

Aber sehen die Chassidim selber das Entkommen des Rebbe als "im Stich lassen" oder nicht eher als lebenswichtigen Faktor zum Erhalt der eigenen Gruppe ? Letzteres spielt mit Sicherheit eine entscheidene Rolle und meines Wissens nach sind Zweifel, Beschuldigungen oder dergleichen innerhalb den einzelnen chassidischen Gruppe absolut nicht an der Tagesordnung. Heute nicht und zu Zeiten des Holocaustes genauso wenig.
Aber unterscheiden sich die Chassidim so sehr von anderen europäischen und insbesondere deutschen Juden der damaligen Zeit ? Glaubten nicht gerade die deutschen Juden an einen schnell vorübergehenden Nazi - Spuk, den man schon irgendwie überstehe ? Und als es dann wirklich ums Überleben ging, jegliche Ausreisemöglichkeit schon zu spät war.

Wenn einige chassidische Rebben ihren Chassidim tatsächlich von einer Flucht abrieten, dann basieren die Gründe vorwiegend auf kabbalistischen Konzepten.
Und war es für die Rebben so einfach, abzureisen und die Chassidim zurückzulassen. Ehrlich gesagt, bin ich nur allzu froh, nicht diese Entscheidungen gefällt haben zu müssen.

Es gibt immer mehrere Seiten im Leben und auf der einen Seite finden wir hier jene Rebben, welche die Existenz der Gruppe sicherstellen wollten und ins Ausland abreisten und es gibt andere, die zusammen mit ihren Chassidim in den Tod gingen. Man stelle sich einmal ernsthaft die Frage, welche Alternative besser ist.
Und dann kommt man zu der Antwort, dass es keine Antwort gibt.


In einem weiteren kontroversen Artikel werde ich mich mit der Ansicht der anti - zionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" sowie deren Holocaust - Theorien etwas näher befassen !!!

Sonntag, 27. April 2008

In Erinnerung an Rabbi Kalonymus Kalman Shapira




B"H


Ich weiß nicht, wie andere denken, aber ich persönlich betrachte es als extrem wichtig, an große chassidische Rabbiner zu erinnern, die im Holocaust ums Leben kamen. Einer der bekanntesten Rabbis, der im Holocaust von den Deutschen ermordet wurde, ist Rabbi Kalonymus Kalman Shapira. Sein wichtigstes Werk, welches er teilweise im Warschauer Ghetto verfasste, ist das Buch "Aish Kodesh - Heiliges Feuer. Im Judentum ist es durchaus üblich, große Rabbiner, die einflußreiche Bücher schrieben, nach dem Namen ihres Buches zu nennen. So bilden hierbei der "Chafetz Chaim" , oder der "Chazon Isch" die besten Beispiele. Und somit wird Rabbi Kalonymus Kalman Shapira auch "Aish Kodesh" genannt.

Rabbi Shapira wurde im Jahre 1889 in Grozisk / Polen geboren und in späteren Jahren zum Rabbiner von Piaseczno ernannt. Schon sein Vater sowie viele seiner Vorfahren mütterlicherseits waren große Rabbiner gewesen.
Schon im frühen Alter von dei Jahren verlor er seinen Vater. Im Alter von 16 Jahren heiratete er Chaya Miriam, die Tochter von Rabbi Yerachmiel Moshe Hofstein von Koschnitz. Bei seiner Frau handelte es sich nicht um irgendjemanden, sondern sie beriet in und half ihm bei seinen Schriften.

Im Jahre 1909 wurde Rabbi Kalonymus Kalman Shapira zum Rabbiner von Piaseczno bei Warschau ernannt. Und es war zu der Zeit, dass sich ihm viele Chassidim anschlossen. Seine Hauptaufgabe sah der Rabbi jedoch in der Erziehung der Jugend. Im Jahre 1923 gründete er deshalb die Yeshiva "Da'at Moshe". Seine vielseitigen Aktivitäten fanden ein jehes Ende als die Deutschen in Polen einwanderten. Sofort nach der Errichtung des Warschauer Ghettos wurde er zusammen mit seinen Chassidim dort von den Deutschen einquartiert. Sein einziger Sohn und dessen Gattin kamen ums Leben. Sein Sohn Rabbi Elimelech Benzion wurde bei einem deutschen Luftangriff verwundet und erlag später seinen Verletzungen. Elimelechs Frau Gitel wurde ebenfalls bei einem Luftangriff getötet als sie ihren Gatten besuchen wollte.

Aber selbst im Warschauer Ghetto richtete der Rabbi eine geheime Synagoge ein. Noch während der Jahre im Ghetto hatte Rabbi Shapira begonnen, inspirierende Reden zu halten, die später im Buch "Aish Kodesh" veröffentlich wurden.
Ausserdem arbeitete der Rabbi im Ghetto in der Schultz – Schuhfabrik.

Nachdem der Warschauer Ghettoaufstand im Jahre 1943 niedergeschlagen worden war, inhaftierten die Deutschen den Rabbi im Arbeitslager Trawniki bei Lublin. Später wurde er nach Treblinka deportiert, wo er nach wenigen Monaten (noch im Jahr 1943) von den Nazis ermordet wurde.

Aber Rabbi Kalonymus Kalman Schapira verfasste nicht nur das Buch "Aish Kodesh", sondern weitere mehrere Schriften, welche bis heute zu den Standardwerken in den Yeshivot gehören.


Der derzeitige Rebbe von Piaseczno ist Rabbi Kalman Menachem Shapira, ein Großneffe des ersten Rabbi Shapiras. Rabbi Kalman Menachem wohnt in Ramat Beit Schemesch in Israel und ist das Oberhaupt der Gemeinde "Aish Kodesh". Heute ist "Aish Kodesh" nicht nur eine lokale Gemeinde, sondern die Reden und Schriften des Rabbi Kalonymus Kalman Shapira werden weltweit studiert. Des Weiteren gibt es eine "Aish Kodesh - Synagoge" in Woodmere - Long Island, New York.

In der jüdisch - relig. Gelehrtenwelt ist und bleibt Rabbi Shapira bis heute ein wichtiger Begriff.

Dienstag, 18. März 2008

Der merkwürdige Fall des Sehers (Chozeh) von Lublin

B"H

Es gab und wird immer Leute geben, die an historischen Ereignissen und Personen interessiert sind oder auch nicht.
Eine bemerkenswerte Persönlichkeit in der Geschichte sowie der Entwicklung des Chassidismus (Chassidut) stellte Rabbi Yaakov Yitzchak HaLevi Horowitz, der Seher von Lublin (HaChozeh MiLublin), dar. Kaum ein anderer Rabbiner prägte den Chassidismus so mit wie er und wurde von seiner Anhängerschaft so verehrt.

Das größte Aufsehen jedoch erregte sein seltsamer Tod und die Ursachen und Gründe geben bis heute viel Stoff für Spekulationen her. Es darf spekuliert werden, doch eine wahrheitsgetreue Antwort gibt es nicht. Auf meine Anfrage an einen Belzer Chassid antwortete mir dieser, dass niemand genau sagen kann, was passiert ist und warum. Die Leute, die damals im Jahre 1814 wirklich dabei gewesen waren, hüllten sich in Schweigen.

Geboren wurde Yaakov Yitzchak HaLevi Horowitz im Jahre 1745 in Lukov bei Tarnograd in Polen. Sein Vater war Rabbi Avraham Eliezer HaLevi, der außerhalb Lublins die Gemeinde Yosefov betreute. Die Mutter war Sprinza – Meitel, die Tochter des litvishen Rabbiners Yaakov Koppel. Wie viele Rabbis der damaligen Zeit verweigerte Rabbi Koppel beharrlich, sich der chassidischen Bewegung anzuschliessen. Seinerzeit bekam er sogar hohen Besuch vom Baal Shem Tov persönlich, doch Rabbi Koppel weigerte sich ebenso, den chassidischen Meister zu empfangen.

Frühzeitig fanden ihm sein Vater und Großvater eine passende Braut, aber Rabbi Yaakov Yitzchak fand sie alles andere als besonders passend und weigerte sich, die Dame zu heiraten. Aus Zwang heraus tat er es schließlich doch, nur um schnell zu verschwinden und den Maggid aus Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman, Nachfolger des Baal Shem Tov) um Rat zu fragen. Wenig später erreichte die frischgebackene Braut der Scheidungsantrag (Get). Er begründete die Scheidung damit, dass er keinerlei "Kedusha – Heiligkeit" aus den Augen der Braut herauslesen konnte. Die zweite Frau des Sehers von Lubin wurde Tehila Sprinza und gemeinsam hatten sie sechs Kinder. Vier Söhne (Israel, Yosef, Avraham und Zvi Hirsch) sowie zwei Töchter.

Rabbi Yaakov Yitzchak lebte in Armut, denn er weigerte sich, eine rabbinische Position anzunehmen. Stattdessen lernte er unter Rabbi Moshe Zvi Hirsch Meisels von Zulkov. Später lernte er unter Rabbi Shmuel aus Nikolsburg und danach traf er auf den Maggid aus Mezritch (1704 – 1772) bei dem er so berühmte chassidische Rabbiner wie Rabbi Levi Yitzchak aus Berditchev (1740 – 1810) und Rabbi Israel Hofstein (den Maggid aus Koznitz, 1733 - 1815) kennen lernte. Der Maggid aus Mezritch sagte über Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz, dass es solch außergewöhnliche Seele seit der Zeit der Propheten nicht mehr gab.

Nach den Lehrjahren beim Mezritcher Maggid wandte er sich dem ebenso berühmten Rabbiner, Rabbi Elimelech Weissblum aus Lejansk (1717 – 1786), zu. Rabbi Elimelech wurde soetwas wie eine Vaterfigur für den jungen vielversprechenden Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz. Bald sahen chassidische Größen wie Rabbi Zvi Naftali aus Ropschitz (1760 - 1827, Rabbi Elimelech aus Lejansk sowie Rabbi Levi Yitzchak aus Berditchev in ihm die chassidische Führerfigur der damaligen Generation.

Aber nicht alles war Friede, Freude, Eierkuchen, denn ausgerechnet mit seinem grossen Lehrer, Rabbi Elimelech von Lejansk, gab es Unstimmigkeiten. Rabbi Yaakov Yitzchak eröffnete sein eigenes Lernzentrum In der Stadt Lanzhut, nur wenige Kilometer entfernt von Lejansk. Rabbi Elimelech sah eine Art Konkurrenz am Horizont aufsteigen. Alsbald sandte er seinen Sohn Elazar zu Rabbi Yaakov Yitzchak, um letzteren zu bitten, den Konkurrenzbetrieb einzustellen. Rabbi Yaakov Yitzchak gab nach und zog nach Rozbadov.

Einige Zeit später zog Rabbi Yaakov Yitzchak zurück nach Lanzhut (Polen) und Rabbi Elimelech war abermals verärgert. Nun geschah noch Schlimmeres, denn einige wichtige Schüler Rabbi Elimelechs, wie Rabbi David aus Lelov, liefen zur Yeshiva (relig. Schule) des Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz über. Jetzt erschien Rabbi Elimelech persönlich vor dem Seher und beschuldigte ihn, seine Schüler zu "kidnappen". Somit gab es ein länger andauerndes Hin und Her zu dem es mehrere Berichte gibt. Einer davon lautet, dass Rabbi Elimelech aufgrund seines Alters als chassidischer "Führer der Generation" zurücktrat und an seiner Stelle den Seher von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak, ernannte.

Den Titel "Seher – Chozeh" erhielt Rabbi Yaakov Yitzchak, weil er in der Lage war, die Zukunft vorauszusagen. Weiterhin konnte er beim blossen Anblick einer Stirn die Herkunft und das Schicksal der Seele (Neshama) herauslesen. Aber nicht nur die Mystik war ausschlaggebend. Rabbi Yaakov Yitzchak war ebenso eine Größe auf dem Gebiet der Halachot (jüd. Gesetz).
Des Weiteren erhielt den Beinamen "Seher" da er noch vor seinem Tod prophezeihte, dass in einem Zeitraum von 100 Jahren die Russen ihre Herrschaft über Polen verlieren werden. Und so geschah es; im Jahre 1915 besetzten die Österreicher Lublin und die einstige Prophezeihung des Seher erschien sogar in der Zeitung.

Unter seinen Anhängern waren so berühmte Rabbis wie der Maggid aus Koznitz, Rabbi Menachem Mendel aus Rimanov, der Rebbe aus Apta, Rabbi Moshe Leib aus Sassov, Rabbi Naftali von Ropschitz, der Yismach Moshe (ein Vorfahre des späteren Satmarer Rebben Yoel Teitelbaum), Rabbi Yitzchak Eisik aus Kalov und Rabbi Chaim aus Czernowitz. Zwar hatte der Seher den bekannten Rabbi Nachman aus Breslov nicht persönlich, dennoch bewunderte er ihn sehr.

Sein gesamtes Leben über erwartete Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz die Ge'ulah, das Kommen des Meschiach. Zur damaligen Zeit, als Napoleon seine Kriege führte, sahen nicht wenige chassidische Rabbiner eben jene Kriege als Gog und Magog. In den Propheten wird uns mitgeteilt, dass der Krieg zwischen Gog und Magog dem Eintreffen des Meschiach vorausgeht. Wobei e shier verschiedene Kommentare darüber gibt, um wechen Krieg es sich handelt. Der letzte Lubawitscher Rebbe, Rabbi Menachem Mendel Schneerson, zum Beispiel, war der Ansicht, dass der Zweite Weltkrieg schon Gog und Magog verkörperte und somit der Weg für Meschiach frei sei.

In der Nacht von Simchat Thora (Ende des Laubhüttenfestes Sukkot / Sept. oder Oktober) des Jahre 1814, kam Rabbi Yaakov Yitzchak aus der Synagoge und zog sich zurück auf sein Schlafzimmer, welches sich im ersten Stock seines Hauses befand. Im Schlafzimmer befand sich nur ein schmales Fenster und im Untergeschoß lag die Beit Midrasch (Bibliothek).
Gegen Mitternacht fanden die Chassidim den Körper des Rabbis unten im Hof liegen. Wie er dahin kam, ob er gestürzt oder gesprungen war, ist bis heute unklar. Bis zu seinem Tode am Tischa Be' Av des Jahres 1815 (ungefähr im August) verliess er nicht mehr sein Bett.

Tatsachen, die gegen einen Selbstmord sprechen:
Der Rabbi hätte zu dem über seinen Schultern gelegenen Fenster hinaufklettern müssen. Die Weingläser auf dem Fenstersims waren jedoch unberührt und wurden nicht beiseite geschoben.

Da einfach keine logische Erklärung für den Fall zu finden war, sahen ihn die Chassidim als ein mystisches Zeichen an. Der behandelnde Arzt Doktor Bernhard fragte Rabbi Yaakov Yitzchak, was denn geschehen sei und lezterer antwortete, dass die "Sitra Achra" ihn überkommen habe. "Sitra Achra" bedeutet, dass jemand seinen negativen Gedanken folgt, anstatt sich an G – tt zu wenden. In anderen Worten, der Mensch ist anfällig für Vergehen.

War es ein Fall oder ein Selbstmordversuch ?
Wenn Selbstmord, dann warum ?

Jahrelang hatte Rabbi Yaakov Yitzchak den Meschiach sehnlichst erwartet und hatte dessen Ankunft sogar für das Jahr 1814 / 1815 vorhergesagt. Als dieser aber auf sich warten liess, verfiel der Rabbi in schwere Depressionen.

Kritiker des Rabbis, besonders die litvischen Juden, sehen in dem Fall genauso einen spirituellen Fall. Der Zaddik (Gerechter) Yaakov Yitzchak Horowitz fiel von seinem hohen Level. Manche Litvische gingen sogar soweit zu behaupten, der Rabbi sei betrunken gewesen und deshalb aus dem Fenster gefallen.

Eine chassidische Weisheit gilt jedoch bis heute:

Als der Rabbi verunglückte, verkündeten die Litvischen sarkastisch, dass sie sich am Tage seines Todes freudig betrinken werden. Die Strafe G – ttes an die Litvischen kam postwended; Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz verstarb am Tischa Be' Av. Der Tischa Be'Av ist in 25 – stündiger Fastentag, der an beide Tempelzerstörungen erinnert. Der Rabbi starb an einem Fastentag und so hatte G – tt die Litvischen um ihr Gelage gebracht.

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Folgende Buchautoren waren mir eine große Hilfe bei den Recherchen:

Yitzchak Alfassi, Rabbi Zvi Meir HaCohen Rabinovitch, David Assaf sowie Rachel Elior


Mit Absicht bin ich in diesem Artikel nicht auf die Lehren des Rabbi Yaakov Yitzchak eingegangen, denn dies werde ich in einem gesonderten Artikel tun, der sich ebenso mit der Abspaltung von Lublin, dem Peschis'cha – Movement befassen wird. Kurz darauf folgt dann ein langer Artikel über das Hause Kotzk und dessen Rabbi Menachem Mendel von Kotzk, sowie die daraus entstandene chassidische Gruppe Gur.

Bekannte chassidische Gruppen, die in den Lehren des Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz ihren Ursprung haben:

Apta, Ropschitz, Lelov, Belz, Satmar und weitere.