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Sonntag, 11. Oktober 2009

Sonntag, 29. März 2009

Yeshivat Derech HaMelech in Jerusalem


Yeshivat Derech HaMelech

B"H

Eine Yeshiva ist eine relig. Schule. Eigentlich bezeichnet der Ausdruck "Yeshiva" ein Lehrinstitut für die männliche Riege und "Seminar oder Michlalah" ist das weibliche Gegenstück. Im überwiegend englischen Sprachgebrauch ist es jedoch durchaus üblich, ein Institut für die Weiblichkeit genauso Yeshiva zu nennen.

Vor einigen Jahren war ich selbst noch Studentin in einer Yeshiva. Was heißt in einer ? Genau genommen war ich in mehreren, abgesehen vom vorherigen Yeshiva - Shopping (dem Suchen und Anschauen mehrerer Yeshivot, um die richtige für seine Ansprüche auszuwählen).

Um mich einmal auf die männliche Garde zu konzentrieren:

Im englischensprachigen Bereich der Yeshivot Jerusalems finden meist leider nur zwei Einrichtungen hohe Beachtung. Einerseits liegt das an deren Werbung und andererseits halt daran, dass sie die meisten Schüler und somit viel Mundpropaganda haben. In Jerusalem aber gibt es nicht nur AISH HATORAH oder OHR SAMEACH, sondern eben noch weitere Yeshivot oder Programme. Ganz zu schweigen einmal von der ernsthafteren MIR - Yeshiva. All diese drei Einrichtungen sind litvisch - haredisch und nur für junge Männer ab 18 Jahren. Halachischer Jude zu sein ist Zugangsvoraussetzung. Daneben sollte der Bewerber engl. oder hebräische Sprachkenntnisse besitzen. Obwohl die Yeshivot Geld kosten, werden Stipendien ausgegeben oder man unterschreibt ein Formular mit der "Moral Obligation - Moralische Verpflichtung" - was bedeutet, dass wenn man einmal in der Zukunft Geld haben sollte, man doch der Yeshiva einiges nachzahlt. Bei den drei bisher genannten Yeshivot wird kaum wegen Geldmangels abgewiesen !

Wie schon erwähnt, lohnt es sich, sich ebenso nach anderweitigen Yeshivot umzuschauen. Zwar bieten Aish und Ohr Sameach ein vollständiges Anfängerprogramm, doch sollte der Lernwillige gleichfalls in die Zukunft schauen und nach Lernfortschritten streben. Und wer sich für den litvisch - haredischen Weg entscheidet und gerne weisse Hemden und schwarze Anzüge trägt, der findet in Jerusalem eine reichliche Yeshiva - Auswahl.

Die MIR ist da schon etwas gehobener als AISH oder OHR SAMEACH. In der vergangenen Woche sah ich mir eine haredische Yeshiva im haredischen Stadtteil Kiryat Mattersdorf an, die es sicher wert ist, dass man sie einmal vorstellt. Überhaupt kommen im Internet leider oft kleinere Yeshivot zu kurz.

Die Yeshiva "Derech HaMelech" befindet sich in einem kleineren Gebäude gleich an der Hauptstraße von Kiryat Mattersdorf, der Sorotzkin Nr. 16, gelegen. "Derech HaMelech", das bedeutet soviel wie "auf dem Wege des Königs", wobei mit dem König selbstverständlich G - tt gemeint ist.

Ich traf mich zu einem Gespräch mit dem Verwalter der Yeshiva, mit Raphael Kalish, der mir einige Detailfragen beantwortete. Zuerst erweckte alles den Eindruck als sei ich als weibliches Wesen etwas fehl am Platze in dem Gebäude, doch im Nachhinein bestätigte sich das nicht. Im Gegenteil, der Rapahel Kalish war überaus aufgeschlossen und gab freudig Auskunft.

"Derech HaMelech" wurde erst vor vier Jahren von Rabbi Baruch Gartner ins Leben gerufen und derzeit lernen dort 35 Studenten. Die englische Sprache ist Grundvoraussetzung, ein Alterslimit wie bei vielen anderen, gibt es hingegen nicht. Jeder ab 18 Jahre aufwärts kann dort solange lernen, wie er will. Die Yeshiva verfügt über Dormitories (Wohngelegenheiten) !

Die Yeshiva nimmt sogenannte FFB's auf. "Frum from Birth - von Geburt an religiös", aber auch die BT's haben die gleiche Aufnahmechance (die Baalei Teshuva - erst im späteren Verlauf des Lebens relig. gewordene). In der Regel stammen die Studenten aus Südafrika, den USA oder England, doch jeder, egal woher, ist herzlich willkommen.
Die Ideologie und die Lehren basieren bzw. vermitteln das haredische Judentum mit einem chassidischen Touch. Und das ist das ganz Besondere, denn nicht jede litvische Yeshiva bietet gleichzeitig chassidische Lehren an. Obwohl heutzutage ein enormer Bedarf an Spiritualität und Chassidismus herrscht und selbst AISH deswegen schon kleine Chassidismussparten einführen musste, kommt der Chassidismus in der litvischen Welt gänzlich zu kurz. "Derech HaMelech" will das ändern und einen weiteren Überblick schaffen.

Auf dem Stundenplan der Yeshiva sind jedoch täglich "nur" eine einzige Stunde Chassidismus zu finden; wie denn das zu verstehen sei, fragte ich Raphael Kalish. "Wenn Du Dir die chassidische Vergangenheit anschaust, sagte er, dann wirst Du feststellen, dass eigentlich alle Gruppen und deren Yeshivot nicht dasassen und ausschließlich Chassidut lernten. Thora & Talmud standen auf dem Programm. Die Einzigen, die mehr Chassidismus lehrten waren Chabad sowie Breslov. Andere gaben ihren Schülern die regulären Thoraeinblicke allerdings mit chassidischem Touch. Und so geschieht dies auch bei uns im Hause. Wer jedoch von unseren Schülern zusätzlich lernen will, der kann das auf eigene Faust gerne tun".

Ob die Studenten hinterher oder noch während der Studien eine chassidische Laufbahn einschlagen ? Sprich, sogar Mitglied in einer chassidischen Gruppe werden ?

Gibt es durchaus und ein ehemaliger Schüler, der nach Monsey (New York) zurückkehrte, wurde dort Mitglied der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon. Insgesamt jedoch wenden sich diejenigen, die beabsichtigen, sich einer chassidischen Gruppe zu nähern, an vollkommen offene kleine Gruppen. Auch besteht die Mehrheit derjenigen auf dem "Two Footed Principle - Zwei Beine - Prinzip", welches bedeutet, dass man mit einem Bein in der chassidischen und mit dem anderen in der unseren weltlichen Welt steht. So jedenfalls liessen sich zwei innere Lebensweisen gut miteinander verbinden und niemand sollte gleich drauflos in die Extreme jagen.

Der Gedanke, dass es eine Yeshiva gibt, die den Studenten ein klein wenig auf eine chassidische Zukunft vorbereitet, fand ich ausgesprochen positiv. Schade, dass gerade dieser Lerninhalt viel zu sehr vernachlässigt wird. Anstatt sich gleich bei Chabad oder Breslov hineinzustürzen, sollte derjenige Interessent erst einmal herausfinden, was Chassidut ist und wo seine individuellen Stärken oder Schwächen liegen. Komme ich mit dem chassidischen Leben überhaupt klar und wenn ja, wie weit will ich gehen ? Alleine entscheiden und herausfinden, ohne das einem, wie bei Chabad, alles vorgekaut wird. Ich jedenfalls bin von der Idee begeistert und wünschte mir, dass sich mehr Yeshivot dieses in ihre Lerninhalte aufnehmen.

Außerdem bin ich eh ein Freund des selbständigen Lernens, eigene Gedanken zu äußern und mit Leuten darüber zu diskutieren. Im relig. Sinne und Rahmen natürlich, doch ist es wichtig, seinen eigenen Kopf / Persönlichkeit zu bewahren und nicht irgendwo auf der Strecke zum "Wohle" einer einzigen Gruppenideologie zu verlieren.
Aber selbst nach einigen Jahren des Studiums ist nicht jeder in der Lage oder überhaupt bereit, sein vorheriges Leben völlig aufzugeben. Ins Kino zu gehen, weltliche Bücher zu lesen, Popmusik zu hören, etc. Das muss auch nicht immer der Fall sein, wenn man sich auf kleinere offene chassidische Gruppen konzentriert und sich selber die Ziele nicht zu hoch steckt. Wie gesagt, ein Bein hier und eines dort. So gleicht sich der Druck aus und man verfällt nicht unbedingt in Depressionen.

Und wie sich denn "Derech HaMelech" finanzieren ?
Raphael Kalish beginnt zu lachen und weist mit dem Finger nach oben: "G - tt sorgt für uns ! Wir erhalten Spenden und derzeit läuft auf unserer Website ein "Raffle - eine Verlosung". Derjenige, der spendet, nimmt automatisch an einer Preisverlosung teil".

Wenn ich männlich wäre und ernsthaft vorhätte, den Chassidismus in Verbindung mit Thorastudien zu lernen, und noch dazu mit dem Gedanken spiele, mein Leben der Chassidut zu widmen, dann würde ich eine Einschreibung in "Derech HaMelech" sicher in Erwägung ziehen. Es muss nicht immer eine große Yeshiva sein; gerade ein kleiner Kreis baut einen mehr auf und schafft tiefere Kontakte als eine Massenabfertigung wie in großen Yeshivot.

Derech HaMelech bietet Stipendien und derzeit nehmen zwei Schüler diese in Anspruch.

Website mit allen Infos:
http://www.derechhamelech.org

Montag, 3. November 2008

Hochzeit in Ponibezh / Bnei Brak


Yeshivat Ponibezh in Bnei Brak


B"H

Die Tochter des Leiters (Rosh Yeshiva) der litvischen Ponibezh Yeshiva, Rabbi Kahaneman, hat sich verheiratet.

Hier ein paar nette Hochzeitsphotos:

http://bhol.co.il/news_read.asp?id=7183&cat_id=19

Aus Anstandsgründen werden stets nur Photos mit Männern und nicht mit Frauen gezeigt !


Sonntag, 12. Oktober 2008

ושמחת בחגך

B"H

An all jene Leser, die der hebräischen Sprache mächtig und jüdisch sind: Ein israelisch - haredisches Internetforum veröffentlichte diese Liste jeglicher anstehender haredischer Sukkotfeiern:

http://bhol.co.il/news_read.asp?id=6931&cat_id=2

Von Jerusalem bis hin über Bnei Brak, Ramat Beit Shemesh, Yeshivot oder Kfar Chabad - alles ist dabei !!!

Donnerstag, 18. September 2008

12 Monate ohne Rabbi Avraham Shapira


B"H


Die Jerusalemer Yeshiva Mercaz HaRav gedachte ihrem vor zwölf Monate verstorbenen Leiter (Rosh Yeshiva) Rabbi Avraham Elkana Kahane Shapira.


Dienstag, 16. September 2008

Ponevez Yeshiva




B"H

Hier ein Link zur Homepage der litvischen (und einmal nicht chassidischen) Yeshivat Ponevez in Bnei Brak bei Tel Aviv.

http://www.ponevez.co.il/HTMLs/Home.aspx

Ponevez steht im Ruf, eine Eliteyeshiva der litvischen Haredim zu sein.

Sonntag, 17. August 2008

G - ttesdienst bei Karlin – Stolin

B"H

Yeshivot (relig. Schulen) sind wegen der Sommerpause noch bis zum jüdischen Monat Elul (Anfang September) geschlossen. Dies ist die übliche relig. Routine; nach dem Fastentag Tisha Be' Av bleibt alles bis Elul geschlossen. In manchen Yeshivot nicht ganz, denn hier und da laufen spezielle Kurse weiter. Die haredische (ultra – orthod.) – litvische Jerusalemer Frauenyeshiva "Neve Yerushalaim" schließt in diesem Sommer gar nicht, sondern der Unterricht läuft regulär weiter.

Viele chassidische Rebben dagegen haben sich schon im Juli verabschiedet. Sie reisen im Ausland (USA, Belgien, Schweiz, Österreich oder in England) herum. Entweder um Ferien zu machen, Spendengelder zu sammeln oder gleich beides. Insbesondere kleinere chassidische Gruppen wie die Toldot Aharon, die Toldot Avraham Yitzchak oder Dushinksy sind auf Spendengelder angewiesen. Bei den Toldot Aharon heißt der große Spender Rebbe Aharon Teitelbaum von der Chassidut Satmar; bei den Avraham Yitzchak ist es ebenso Satmar, doch lautet der Rebbe hier Rabbi Zalman Leib Teitelbaum.

Aufgrunddessen geht es in diesen Wochen im chassidischen Bereich leider etwas ruhiger zu. Sieht man einmal von einer Hochzeit bei den Boyaner Chassidim in der kommenden Woche ab. Obwohl es aber kaum chassidische Tische gibt, geht der Synagogeng – ttesdienst wie gewohnt seinen geregelten Gang. Länger habe ich nicht berichtet, doch seit Monaten gehört bei mir die Jerusalemer Synagoge der Gruppe Karlin – Stolin zum freitagabendlichen Pflichtprogramm. Immer wenn ich in Jerusalem weile und nichts anderes vorhabe, gehe ich vor dem Schabbatessen zu Karlin – Stolin in die Yoel Street in Mea Shearim (gleich gegenüber den Satmarern des Rebben Zalman Leib Teitelbaum).

Unbedingt imposant schaut die große Synagoge der Karliner nicht gerade aus. Eher recht neu und betonklötzig. Wie üblich ist der Männereingang leicht zu finden, doch der für die Frauen ist unbeschreibbar, wenn man es nicht selber sieht. Von der Yoel führt eine winzige Seitengasse um das Gebäude herum und genau dort befindet sich der Fraueneingang. Zuerst jedoch muß man noch eine ewig lange Treppe bewältigen.

Helles Holz bestimmt die Inneneinrichtung im unteren Männerbereich. Der Aron HaKodesh (Thoraschrein) ist riesig und zieht sich über die gesamte Wand hin. Alles in dem gleichen hellen Holz gehalten und dazu mit Schnitzereien verziert. Ein Chassid ein anderen chassidischen Gruppe meinte einmal lakonisch zu mir, ob ich mir denn bei Karlin – Stolin einen Hörschutz für die Ohren mitnehmen.
Und genau das ist es, was die Karliner so einzigartig macht: ihr lautes euphorisch – ekstasisches Gebet. Man muß schon einige Male dabeisein, um den G – ttesdienstinhalt richtig mitzubekommen. Woanders werden der "Yedid Nefesh" oder "Lecha Dodi" mit verschiedenen Melodien gesungen, bei Karlin – Stolin wird alles ekstasisch herausgeschrien. Betende Männer biegen ihre Körper nach hinten und schreien in die Luft zu G – tt hinauf. Wer einmal ein richtiges chassidisches Gebet sehen will, der darf die Karliner nicht auslassen. Sie sind berühmt für ihre Art des Betens und nebenbei will ich erwähnen, dass die Karliner nicht nur aus Karlin – Stolin bestehen, sondern ebenso aus ihrer kleinen Abspaltung Karlin – Pinsk.

Schon allein wegen der einzigartigen Atmosphäre liebe ich Karlin. Am letzten Freitag war ich wieder dort und die Chassidim waren mitten im Gebet, was man schon von Weitem hören kann. Normalerweise kommt die Mehrheit der Karliner Frauen erst zum Schabbatmorgen in die Synagoge und von daher treffe ich an den Abenden am Freitag (Erev Schabbat) meist nur auf die gleichen zwei oder drei Frauen. Eine junge Amerikanerin von in Karlin New York, mit der ich schon einige Male sprach und die manchmal meine engl. Site liest. Eine weitere Karlinerin und eine etwas ältere Dame (ebenso von der Gruppe). Freitag traf ich nur auf die Dame, die ihre zwei Enkelinnen dabei hatte. Besagte Dame liebt es, wenn jemand mit ihr redet und sie beantwortet alle Fragen. Mehr als bereitwillig und noch darüber hinaus.

Nach dem G – ttesdienst kam sie zu mir und fragte, ob es nicht ein toller Karliner Bracu sei, wenn die kleinen Jungs sich am Freitag abend in der Synagoge versammeln und nach dem G – ttesdienst kleine Geschenke bekommen.

"Das ist alles kleines Spielzeug, was sie da bekommen, denn vor dem Kiddusch (Segnung des Weines vor dem Schabbatmahl) darf man ja nichts essen und somit bekommen die Kinder nichts Süßes, sondern kleines Plastikspielzeug".

Ich merkte an, dass ich den Brauch sehr originell finde und jedesmal schaue ich mir das Verteilen der kleinen Geschenke immer wieder gerne an. Kurz vor G – ttesdienstende versammeln sich die kleinen chassidischen Jungen vor dem Aron HaKodesh und warten mehr oder weniger geduldig auf das Austeilen. Einer ihrer Lehrer teilt dann das Plastikspielzeug a la Überraschungsei (oder auch etwas mehr) aus. Die Karliner Mädels bekommen ihre Geschenke beim Morgeng – ttesdienst am nächsten Tag.

Eifrig erklärte mir die ältere Dame den Brauch und ich überlegte schon, ob ich nicht anmerken solle, dass auch bei anderen chassidischen Gruppen dieser Brauch durchaus üblich ist. Ich ließ es dann aber lieber. Zum Schluß meinte die Dame, dass das ja überhaupt alles durch Spendengelder finanziert sei. "Es gibt Leute, die geben extra Geld dafür", meinte sie stolz.

Äh, war das jetzt nur eine Bemerkung oder eine Anspielung ?

Donnerstag, 3. Juli 2008

Mea Shearim übt Vorsicht

B"H

Mea Shearim hält sich seit wenigen Jahren bedeckt bezüglich der Schabbateinladungen von Außenstehenden. Sehr bedeckt sogar, denn heutzutage ist es so, dass man eine chassidische Familie gut kennen muß, um eingeladen zu werden. Aber es gibt auch eine nicht geringe Anzahl von Mea Shearim - Familien bzw. den chassidischen Rebben selbst, die Außenstehende zum Schabbat einladen. Hierfür allerdings sind gewisse Voraussetzungen erforderlich, wie: Man sollte in einer Yeshiva lernen oder die Mädels halt in einem Seminar für "Frum Girls". Ansonsten besteht kaum eine Chance irgendwohin zu gelangen.

Bei chassidischen Tischen kann man zwar dementsprechen Chassidim kennen lernen, doch hält sich dies im allgemeinen in Grenzen. Es sei denn, man lernt in einer ihnen bekannten Yeshiva, läßt sich total über die Religion und die chassidische Welt ausquetschen und liegt auch sonst irgendwie mit seinem Gegenüber auf einer Linie.

Gestern lernte ich ein Seminargirl kennen und wir unterhielten uns über unterschiedliche chassidische Tische bei den Rebben. Dabei berichtete sie mir, dass sie neulich bei der Rebbitzen von der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon eingeladen war. Wie ? Ganz einfach, sie besitzt die Telefonnummer der Rebbitzen.

Nun habe ich die Nummer auch, doch erfolgt die Einladung auf Umwegen. Wie immer, in den Kreisen.

Zuerst rufe man die Tochter der Rebbitzen an. Diese checkt einen dann genauestens durch und erlaubt einem dann ggf. zum Schabbatessen ihrer Eltern, des Toldot Aharon - Rebben und seiner Frau zu kommen. Man trifft sich irgendwo und wird dann von der Tochter zur Rebbitzen geführt.



Toldot Aharon Frauen


Sobald wieder ein Essen stattfindet (der Rebbe nebst Gattin weilt gerade auf Spendensuche im Ausland), werde ich die Tochter anrufen und mit ihr reden. Es würde mich natürlich riesig freuen, mit der Rebbitzen in Kontakt zu kommen. Die Toldot Aharon - Rebbitzen ist übrigens Amerikanerin und ich sah sie schon ein paar Mal beim Tisch ihrer Gruppe. Natürlich solle alles sehr anständig zugehen und das Schabbatessen findet, nach Geschlechter getrennt, in zwei Räumen statt.

Sonntag, 27. April 2008

Haredim (Ultra - Orthod.) und die Jüdische Geschichte

B"H

Genau genommen betrifft dieser Artikel nicht nur Haredim aller Art (livisch oder chassidisch), sondern genauso viele Nationalreligiöse. Niemand sollte sich also ausgeschlossen fühlen, sondern alle sind angesprochen.

Was mir immer wieder auffällt ist, dass in den heutigen relig. Schulen vieles gelehrt wird, nur eines nicht: Jüdische Geschichte.

Da werden sämtliche Talmudtraktate und Thoraparagraphen auswendig gelernt, aber wenn die Geschichte zur Sprache kommt, müssen viele passen. Zwar geht es im Talmud selbst viel um Geschichte, doch die richtige Historie wer gegen wen und wann bleibt oftmals im Dunkeln oder ist nicht bis ins Detail erwähnt. Auch fehlen viele welthistorische Zusammenhänge und nicht alle politischen Intrigen finden Erwähnung.

Aber nicht nur die Jüdische Geschichte von vor über 2000 Jahren und weit davor wird ausgelassen. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels hakt es komplett. Die wichtigen talmudischen Schulen in Babylon und Israel werden zwar ausgiebig genannt, doch fehlen die späteren Ereignisse, die zu einer Fastauslöschung der "Reish Galuta - Die Nachfolger aus dem Hause Davids" führte. Ebenso wenig findet ein gewisser Bustenai Erwähnung, der sozusagen der letzte aus dem Hause Davids war und in Babylon eine Nichtjüdin heiratete. Die Kinder wurden jedoch von führenden Rabbinern als Juden anerkannt, denn man wollte das Hause David nicht sang und klanglos untergehen lassen.

Aber wir brauchen nicht zu weit nach Babylon ausweichen. Wer von den Yeshiva - Studenten lernt schon noch die Geschichte der Hellenistischen Juden sowie die Ereignisse, welche zur Zweiten Tempelzerstörung führten. Und später ? Wie weit reichte der moslemische Einfluß auf das Judentum ? Übernahmen nicht gerade die spanischen Juden viel von den moslemischen Landsleuten ?
Einen kleinen Einblick hierzu gibt das Buch "Der Kuzari - Al Khazari" von Rabbi Yehudah HaLevi (1075 - 1141). Nicht selten ließ der Autor viele arabische Konzepte mit einfliessen. Und das Arabische war zur damaligen Zeit die Landessprache Spaniens und somit auch der dort ansäßigen Juden.

Inwieweit beeinflussten Philosophen und selbst das Christentum das Judentum ?

Wird nicht gerade dem berühmten spanischen mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Avraham Abulafia ein allzu enger Kontakt mit christlichen Mönchen nachgesagt ? Ein breites Themengebiet, auf das ich irgendwann in der Zukunft noch ausführlich einzugehen plane.
Bis heute weigern sich nicht wenige Juden, die Schriften und die Kabbalah des Rabbi Abulafia zu lernen. Eben aufgrund des Verdachtes einiger christlicher Einflüsse. Ob zu recht oder zu unrecht, sei vorerst dahingestellt. Aber ist es nicht dennoch wichtig, sich vor allem mit der eigenen Jüdischen Geschichte eingehend zu befassen ? Nicht, dass wir daraus lernen sollten, uns nicht mit externen Konzepten zu befassen, aber vielmehr um zu in Erfahrung zu bringen, was wirklich jüdisch ist und falls nicht, welche Wurzeln es tatsächlich hat. Ein Bekannter von mir, ein Vishnitzer Chassid, schreibt sogar an einem Buch zum Thema der philosophischen Einflüsse auf das Judentum. Nicht, dass er der Erste dieser Art wäre, denn die großen mittelalterlichen Rabbiner wie Maimonides (Rambam) oder Nachmanides (Ramban) waren, unter anderem, bekannte ambitionierte Philosophen.

Leider ist heutzutage die Wissenschaft aus den Yeshivot fast ganz verschwunden. Anstatt die Groß - und Einzigartigkeit von G - ttes Kreationen anhand von Fallbeispielen zu studieren, werden Talmudtraktate auf und ab heruntergerasselt. Wenn der Rambam in eine heutige Yeshiva treten täte, dann würde ihn sicherlich der Schlag treffen. Aus den einstigen Rabbiner mit wissenschaftlichen Kenntnisse wurden Rabbiner, die es für relevanter halten, ihre privaten Kleinkriege auszuleben oder festzulegen, wo genau die Mechitzah (Trennwand zwischen Frauen und Männern) in einem Bus installiert werden soll.

Ich habe keine Ahnung, wie man Yeshivot davon überzeugen soll, ihren Lehrplan zu erweitern und jedem Studenten wenigstens eine gehörige Portion Jüdische Geschichte zu vermitteln. Andererseits kann ich mir manchmal nicht erklären, warum die Studenten nicht von sich aus nachfragen oder ein Buch zur Hand nehmen. Ist es einfach nur Desinteresse, das nicht zu Hinterfragen wissen oder das Nichtanzweifeln der Entscheidungen eines Rabbiners / Lehrers ?

Kann sein, dass gerade ich so denke, da das Fach Geschichte mich immer interessiert hat und ich zu jedem Thema unzählige Bücher las. Meiner Meinung kann kein Talmudstudium ohne Jüdische Geschichtskenntnisse über die Zeit, Land und Leute stattfinden. Und mit meiner Meinung stehe ich da nicht allein, denn viele männliche Haredim stimmten mit mir in dem Punkt mehr als nur überein.