Posts mit dem Label Chassidut Karlin - Stolin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Chassidut Karlin - Stolin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 25. Oktober 2010

Karlin - Stolin in Tiberias


Karlin - Stoliner Chassidim bei ihrem Weg in die Beit Midrash (Lernsaal), welche zugleich das Haus des einstigen chassidischen Rabbiners, Rabbi Menachem Mendel of Vitebsk, 1730 - 1788, ist.
Die Stoliner haben das Haus gekauft.

Photo: Miriam Woelke

Donnerstag, 20. Mai 2010

Und wie war Schavuot ?

B"H

Ich muss sagen, dass ich ein tolles ausgeruhtes Schavuot hinter mir habe ! 
Zusammen mit einem Leser meines englischen Blogs machte ich mich am Dienstag abend zum Maariv (Abendgebet) in der Synagoge bei der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin Synagogue in Mea Shearim / Jerusalem auf. Schavuot schient eine der wenigen Gelegenheiten zu sein, bei denen der Karliner Rebbe von seinem Hauptsitz in Givat Ze'ev (außerhalb Jerusalems) in seiner Jerusalemer Synagoge auftritt.

Die Mehrheit der Karliner Chassidim befand sich allerdings draußen vor der Synagoge. Auf den tribünenartigen Metallbänken. Zu Hunderten warteten sie auf ihren Rebben. Ich ging zuerst in die Synagogue, wo sogar einige Frauen anzutreffen waren. Normalerweise sichtet man kaum eine der Frauen am Erev Schabbat (Freitag abend) zur Kabbalat Schabbat. An Feiertagsabenden ist dies allerdings anders.

Der Rebbe ging aufrecht und eiligen Schrittes durch den Mittelgang der Synagoge hinaus zu den auf den Metalltribünen stehenden Chassidim. Alle anderen folgten ihm nach draußen, wo sogleich der Abendg - ttesdienst begann.

Wer die Art zu beten der Karlin - Stoliner Chassidim nicht gewöhnt ist, verfällt zuerst einmal in einen Schock ! Der Chazan betet laut die ersten Worte eines Gebetes vor und danach stimmen alle Chassidim mit schreiender Stimme ein. Es ist schwer, überhaupt ein Wort auszumachen, denn alle schreien die Gebete in Ekstase heraus. Eine Besonderheit, welche die Karliner Synagoge zu einer Attraktion macht.

Nach dem G - ttesdienst waren mein Bekannter und ich zum Abendessen bei einem Karliner Chassid und seiner Familie eingeladen. Ich kenne den Chassid schon mindestens ein Jahr; ein Rabbiner, der mir nicht selten bei der Beantwortung halachischer Fragen hilft.

Das Essen war unbeschreiblich und wir lernten sämtliche anwesende Familienmitglieder kennen. Es wurde, wie an Schavuot üblich, milchig serviert: Lasagne, Lachs, Eierkuchen, in Scheiben geschnittene Kartoffeln mit einer milchigen Sauce und zum Schluss Zwiebelsuppe und ein Kuchen aus brauner und weisser Schokolade.

Unser ursprünglicher Plan war, zum Tisch des Karliner Rebben zu gehen, welcher gegen 23.00 Uhr stattfinden sollte. Allerdings beschlossen wir, einen Spaziergang durch den ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim zu machen und uns verschiedene chassidische Tische anzusehen. Irgendwie kamen wir zu spät, dank des guten Essens. Somit verpassten wir die Tische und im Nachhinein auch noch den des Karliner Rebben. Nichtsdestotrotz war es ein eindrucksvoller Anblick Hunderte Chassidim mit ihren Büchern unter dem Arm in die Gebetshäuser (Batei Midrash) eilen zu sehen, wo die gesamte Schavuot - Nacht durchgebetet wurde.

Nach unserem "abenteuerlichen" Trip machte ich mich jedoch auf ins Bett.

Dienstag, 2. März 2010

Purim 5770 in Mea Shearim

B"H

Gleich vorweg: Mein Purim war hervorragend, obwohl ich gar nicht unbedingt der großartige Purim - Typ bin.

Seit vergangenem Freitag goss es in Jerusalem in Strömen und der Guß setzte sich auch am Sonntag abend fort. So verbrachte ich das Lesen der Megillath Esther (Buch Esther) im Stadtteil Nachlaot (wo ich arbeite und wohne, wenn ich in Jerusalem weile). Nichts war es mit "nach Mea Shearim gehen" und so. Letztendlich landete ich in der (Shlomo) Carlebach Synagoge "Kol Rina". Eine Synagoge, die von vielen amerikanischen Olim besucht werden soll. Dies erwies sich zumindest am Sonntag abend nicht unbedingt als richtig, denn die Mehrheit der weiblichen Wesen auf der Frauenseite waren junge Israelinnen.
Das freakige Carlebach Hippietum ist alles andere als mein Ding, doch die Megillahlesung war einmalig. Der "Baal Koreh" verlas sie perfekt und mit Stimmen verziert. Achaschwerosch, Charvona oder Mordechai bekamen Männerstimmen und Vaschti, Esther sowie Seresch wurden bei Lesen mit Frauenstimmen belegt. Eine tolle Idee !
So wechselte der Baal Koreh von Stimme zu Stimme und dies gelang ihm perfekt.

Das gestrige Jerusalemer "Shushan Purim Essen" verbrachte ich teilweise bei den Machlises. Dort war Highlife, doch traf ich auf alte Bekannte, die ich schon monatelang nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Am Ende (vor Maariv) sassen wir wenigen Verbliebenen am Tisch des Rabbis und lauschten seinen Stories. Unter anderem die des Linschitzer Rebben, der die Purimspenden an die Armen immer erst einen Tag nach Purim austeilte. Als man ihn nach dem Grund fragte, antwortete der Linschitzer Rebbe, dass an Purim alle die Armen mit Geld beglücken, doch wer tut das schon einen Tag nach Purim ?

Gegen 18.30 Uhr machte ich mich ins nicht allzu weit entfernte haredische (ultra - orthodoxe) Mea Shearim auf. "Shushan Purim" ist in Mea Shearim mitunter DIE Attraktion und viele Synagogen sind offen und die chassidischen Gruppen feiern wild.
Überflüssig zu sagen, dass Tausende auf den Beinen waren. Die Besucherzahl von außerhalb hielt sich erstaunlich in Grenzen. Eine offenbar nichtjüdische blonde Photographin krebste zwar sowohl als auch in "Kol Rina" als auch bei den Machlises herum, doch in Mea Shearim (wo ich sie ebenso sah) machte sie keine besondere Figur, denn sie begriff nicht, dass die Action erst später losgeht. Bleibt nur zu hoffen, dass wir ihre Photos nicht auf christlichen Sites zusammen mit dämlichen Bemerkungen zu sehen bekommen.

Die Chassidut Toldot Aharon begrenzt die Besucherzahl, denn es nimmt überhand und es bleibt kaum Platz für die eigenen Mitglieder; trotz erweiterter Synagoge. Hier war dann auch das Photographieren strengstens untersagt und man hatte ein privates Wachunternehmen vor die Eingänge platziert. Fremde sollten draußen bleiben, doch nach einigen Diskussionen mit einem der Guards wurde ich eingelassen. Gerade richtig um mitzuverfolgen wie ein total betrunkener Chassid auf den Tisch des Rebben David Kahn krabbeln wollte. Der Chassid wurde zurückgehalten und hätte den Vorstoss eh kaum geschafft.
Bei den Toldot Aharon war es übervoll und die Frauen auf der Empore drückten sich die Nasen an der Glasmechitzah (Trennwand) platt.

Meine nächste Station war die Chassidut Slonim gleich um die Ecke. Dort allerdings schienen nur die Männer zu feiern. Rein in den Mea Shearim Markt und zur Toldot Avraham Yitzchak. Resultat: Übervoll und keine Chance irgendetwas zu sehen.

Weiter durch den Markt an eine der zwei Synagogen der "Neturei Karta" vorbei. Dort war tote Hose und die "Torah ve'Yirah" war dunkel. 
 


Die Synagoge einer der zwei Neturei Karta Gruppen in Mea Shearim


Als ich nach einigen Minuten bei der Chassidut Karlin - Stolin (die älteste chassidische Gruppe, noch vor Chabad in Litauen gegründet) ankam, stellte sich heraus, dass man dort erst später zu feiern beginnen wollte. Also ging ich nebendran zur Chassidut Kretchnif. Eine kleinere Gruppe mit einem urgemütlichen Tisch des Rebben. Vor dem eigentlichen Tisch, der gegen 21.00 Uhr beginnen sollte, wurde unten im Erdgeschoss schon gefeiert. Die Chassidim samt Rebbe befanden sich in einem kleineren Raum und die Frauen auf gleicher Höhe nebendran. Ein blauer Vorhang war als Mechitzah (Trennwand) gedacht gewesen, doch wurde der an beiden Enden von den Frauen so verschoben, sodass wir frei Sicht zu den Männern gleich vor uns hatten. Niemand beschwerte sich, denn die Kretchnifer Rebbitzen verschob den Vorhang und somit war alles "offiziell".

Immer wird von den großen bekannten chassidischen Gruppen wie Toldot Aharon oder Karlin - Stolin gesprochen, doch viele kleinere wie Lelov oder Kretchnif fallen durch das Raster. Dabei ist die Kretchnifer Rebbitzen eine extrem nette Frau und einige Male schon sprachen wir zusammen. Auch gestern abend wieder als sie mir berichtete, dass ihr Mann (der Rebbe), nachdem er vor ca. 1,5 Jahren bei einem Verkehrsunfall verletzt worden war, nicht mehr jeden Schabbat einen seiner Tische gibt. Sie lud mich zum später stattfindenden Tisch ein, doch machte ich mich nach einer Stunde im Erdgeschoss auf nach Karlin - Stolin.

Zu Kretchnif:
Der Kretchnifer Rebbe (Jerusalem) hat eine ganz besondere Art zu feiern und zu tanzen und wer ihm zusieht, der wird definitv ziemlich "spiritual uplifted". Viele Männer traten vor ihn und bekamen einen Segen. Zwischendurch tanzte und sang der Rebbe. Ein paar Chassidim tanzten vor ihm auf dem Tisch und die Stimmung war super.

Als ich nebenan bei den Karlinern ankam, sah ich, wie mal wieder draußen vor der Synagoge im Zelt gefeiert wurde. Die Frauen standen daneben oder oben auf der Dachterrasse. Ich war kaum zwei Minuten dort als hinter uns fast mit quietschenden Reifen ein grauer Crysler hielt. Ein paar Chassidim sprangen heraus und rannten zum Festzelt. Einen von ihnen erkannte ich als den Karlin - Stoliner Rebben. So nahe (ca. zwei Meter Entfernung) hatte ich nur einmal den Rebben der Chassidut Ruzhin - Boyan zu Gesicht bekommen. Und einmal den Kretchnifer Rebben nahe Mea Shearim als er mit seinen Chassidim zufuss unterwegs war.

Mein letzter Stopp galt der Chassidut Satmar gegenüber Karlin. In der Vergangenheit hegte ich viele private Kontakte zu Satmar. Das war vor Jahren und noch vor der offiziellen Spaltung und die Ernennung zweier Rebben. Die Kontakte schliefen etwas ein, doch gestern traf ich auf ein bekanntes Gesicht in der Satmarer Synagoge.
Anzumerken sei, dass es sich um die Synagoge des Williamsburgher (New York) Rebben Zalman Leib Teitelbaum handelte. In den USA führen die zwei Satmerer Gruppen nicht selten Privatkriege aus, nachdem sie sich wegen interner Meinungsverschieden spalteten. Zwei Brüder kämpften nach dem Tode des Vaters um die Rebbeposition und keiner von beiden gab nach. Somit ist Satmar nun in zwei Hälften gespalten. Den Rebben der größeren Hälfte, Rebbe Aharon Teitelbaum aus Kiryat Yoel bei New York, sah ich im November 2008 bei einem Satmarer Tisch in Bnei Brak (bei Tel Aviv).

In Satmar ende ich immer auf einer Synagogenbank stehend und so auch gestern wieder. Wer durch die Mechitzah schauen will wenn der Andrang rieisg ist, der stelle sich auf die Bank. Bei Satmar war es voll und ich war, wie schon bei Kretchnif, die einzige von auswärts. Man sagte mir auf Hebräisch (die antizionistischen Satmarer sprechen in der Regel Jiddisch, denn Hebräisch ist die "heilige Sprache" aus dem Gebet und wenn der Meschiach eintrifft). In der Regel scheuen sich die israelischen Satmarer nicht vor dem Hebräischen, die amerikanischen Satmarer hingegen eher.

Bei Satmar gab es freien Mineralwasserausschank und die besten chassidischen Melodien. Unten tanzten die Männer und ein Chassid tanzte auf dem Tisch, wobei er unentwegt Weinbecher austeilte. Wir Frauen bekamen davon nichts und uns blieb das Mineralwasser.
Ich hätte noch viele Stunden herumwandern können, doch ging ich heim und bald ins Bett. Platt vom vielen Stehen und auf den letzten Tag von Pessach wartend, wenn einige chassidische Gruppen wieder feiern.

Purim in Mea Shearim war grandios, wenn man von einigen Besoffenen und den nervigen Knaller absieht.

Dienstag, 29. September 2009

Event in Karlin - Stolin


Karlin - Stoliner Chassidim


B"H


Am Mozzaei Yom Kippur, ca. zwei Stunden, nachdem der Yom Kippur geendet hatte, begann die Chassidut Karlin - Stolin (Mea Shearim / Jerusalem) riesig zu feiern. Die hauseigene Band spielte auf und fast alle Chassidim schwangen begeistert das Tanzbein. Ebenso sollte der Stoliner Rebbe aus seinem Wohnort Givat Ze'ev (nahe Jerusalem) anreisen. Der Rebbe in Jerusalem ist immer höchst spektakulär, denn er besucht seine Jerusalemer Gemeinde nur wenige Male im Jahr.


Ich ging mit einer Freundin zum großen Even und was wir vorfanden war eine vollbeladene Ezrat Nashim (Frauenempore); die Mehrheit der Frauen bis dahin waren Teenage Girls. Letztendlich waren wir doch noch irgendwie erfolgreich und konnten einige Blicke auf das Geschehen im Erdgeschoß werfen. Allzu lange blieben wir nicht, denn wir sehnten uns nach Frischluft.

Sonntag, 15. März 2009

Purim in Mea Shearim


Blick über Jerusalem vom Dach der Ruzhin - Boyan Synagoge

B"H

Andernorts ist Purim nach einem Tag vorüber, doch in Jerusalem wird noch ein weiterer Tag namens "Schuschan Purim" angehängt. Normalerweise finden am Purimausgang DIE großen Feiern im ultra - orthod. Mea Shearim statt. Einschließlich chassidischer Tische mit den jeweiligen Rebben. Sämtlich Synagogen stehen offen, aber bekannt ist Außenstehenden das Event weniger. Und so zog ich mit einer Freundin los und wir hatten Glück, nicht auf allzu viele Tischtouristen zu treffen. Die Straßen Mea Shearims waren, wie noch am Sukkot (Laubhüttenfest im Oktober), nicht in Männlein und Weiblein unterteilt und alle managten die Situationen bestens.

Die chassidischen Tische begannen mit dem Sonnenuntergang am vergangenen Mittwoch abend und unser erstes Ziel waren die Toldot Aharon. Obwohl es gerammelt voll war, gelang es uns dennoch auf der Frauenempore einen Platz auf den Metallgestellen zu ergattern und einen Blick auf Rebbe David Kahn und seine Chassidim zu werfen. Ich kenne den Rebben stets als organisiert und ernst, doch an Purim waren seine Peyes (Seitenschläfen) so ziemlich durcheinander geraten und ich bekam das Gefühl, dass er wohl die ganze Nacht durchgefeiert hatte.

Wir waren gerade am Gehen als eine junge Toldot Aharon Frau auf mich zukam und meinte, dass wir ja recht regelmässig zu den Tischen der Gruppe kommen. Sie beobachte halt alles genau.
Ich fragte sie, was genau sie denn jetzt wissen wolle, denn normalerweise ist dies ein Anzeichen, was Ausfragen bedeutet.
"Nichts wolle sie fragen, sondern ich sei ja in positivem Sinne an der Gruppe interessiert". Da sie das Wort "interessiert" unendlich viele Male wiederholte, sagte ich ihr, dass ich ebenso im Internet über den Chassidismus schreibe.
Wer denn meine Leser seien, wollte sie wissen.
Chassidim, Haredim, Säkulere, Nichtjuden, was immer Du willst, gab ich zurück. Damit war unser Gespräch schnell beendet und sie zog von dannen. Einen besonderen Reim konnte ich mir darauf nicht machen und meine Freundin meinte, dass die Leute halt neugierig seien. Außerdem passen wir in keine deren Kategorien. Wir sind keine frommen Seminarmädels oder anderweitig haredisch.

Wer meint, die Situation genauer erklären zu können, der kann gerne einen Kommentar hinterlassen !

Gleich danach gingen wir fast direkt nebenan zu den Toldot Avraham Yitzchak, geleitet vom zweiten Kahn - Bruder, Rebbe Shmuel Yaakov. Der Rebbe war noch ruhig am Essen und der Chor / die Band etwas in den falschen Tönen, was sich aber sicherlich noch besserte.

Toldot Avraham Yitzchak







Nächste Station: Die Neturei Karta.
Die Neturei Karta besitzt die prachtvollste Synagogue im ganzen Stadtteil, aber dennoch war Purimmässig eher tote Hose. Außer ein paar jugendlichen Betrunkenen, die auf einem Tisch auf und abrannten, war nichts los.


Die Neturei Karta Synagoge in Mea Shearim





Nächste Station: Die Mishkenot HaRoim
Die beste Band; swinging, laut und voller Freude.
Rebbe Chaim Rabinovitch saß in der Mitte und jeder konnte zu ihm kommen und mit ihm sprechen.

Die Mishkenot HaRoim mit Rebbe Chaim Rabinovitch










Nächste Station: Stropkov
Die Frauen hingen wie festgeklebt an der Mechitzah (Trennwand zu den Männern) und wir sahen keinerlei Chance uns daziwschenzuquetschen. Also trotteten wir weiter zu den Schomrei Emunim. Bei den Schomrei Emunim erwartete uns eine absolut positive Überraschung, denn dort hatte man auf der Frauenempore einen größeren Bildschirm aufgestellt und so konnten wir alle den Rebben und seine Chassidim im Untergeschoß ohne Probleme sehen. Eine tolle Idee den Bildschirm aufzustellen !


Nächste Station: Karlin - Stolin
Die Karliner hielten weniger Vorteilhaftes für die Frau parat, denn das Männerzelt draußen vor der Synagoge war mit Vorhängen verhängt. So konnten wir nichts sehen und stellten uns einfach neben dem Zelt auf. Solange bis sich ein Chassid und eine Frau bei uns beschwerten. Wir und einige andere weibliche Wesen sollen gefälligst die Absperrung beachten.

Karlin - Stolin



Aber wir sind keine "hinter den Vorhang Fans" und so gingen wir weiter zu Kretchnif. Die Kretchnifer Synagoge war fast leer, aber der Rebbe tanzte wundervoll vor sich hin. Ich liebe es, dem Kretchnifer Rebben beim Tanzen zuzusehen.

Unsere letzte Station war die Synagogue der Chassidut Ruzhin - Boyan und dort war das Schmankerl der Nacht geboten. Hunderte Chassidim und Frauen auf der Empore waren versammelt und dann stellten sich fünft Chassidim mit einer Chuppah (Hochzeitsbaldachin) vor dem Rebben auf dem riesigen Tisch auf und sangen. Ich befragte eine Boyaner Frau und die meinte aufgeregt, dass man sich jedes Jahr neue Entertainments einfallen liesse.

Auf dem Heimweg konnte ich meine Beine kaum noch bewegen und kam um Mitternacht in Tel Aviv an, wo ich gerade so eine der letzten Sherut - Taxen erwischte.
_______________________

Sämtliche Bilder wurden von meiner Freundin aufgenommen !

Donnerstag, 19. Februar 2009

"Andere Wege" - Kinder bekannter chassidischer Rabbiner verlassen die Religion

B"H

Rabbi Samson Raphael Hirsch schrieb einmal einen Kommentar warum Esav und Yaakov so unterschiedliche Richtungen im Leben einschlugen. Wie wir wissen war Esav ein Rasha (Bösewicht) und Yaakov war der Zaddik (Gerechte). Hierzu gab Rabbi Hirsch einen gewagten und gleichzeitig einzigartigen Kommentar ab:
Wenn Yitzchak und Rivka (Rebekka) nur frühzeitig genug erkannt hätten, dass sie da zwei Kinder ausgesprochen unterschiedlicher Charaktäre aufziehen, dann hätten sie unverzüglich reagieren müssen. Jedes Kind bedarf einer individuellen Erziehung und Esav war, Im Gegensatz zu seinem Bruder Yaakov, kein Typ, der sich hinsetzt und lernt. Stattdessen wollte er draußen herumtollen, unterwegs sein und seine körperlichen Kräfte zur Geltung bringen. Ein Beruf, eine Arbeit oder ausreichend sportliche Aktivitäten hätten vielleicht Esavs Hyperaktivität ausgleichen können, doch wurde er offenbar von seinen Eltern zum Lernen bewegt. Ohne Yitzchak groß zu kritisieren, aber Kinder haben ihre eigenen Wege und nicht alle Geschwister sind immer gleich veranlagt. Als Elternteil die Schwächen und Stärken des Kindes herauszufinden und es dementsprechend zu erziehen.
Hätte Esavs Zukunft bei einer offeneren Erziehung anders ausgeschaut ? Eine interessante Frage, so finde ich, doch eine befriedigende Antwort bekommen wir darauf heute nicht mehr.

Die jüdische Geschichte lehrt uns, dass sich schon einige Kinder unserer Vorväter, deren berühmter Rabbiner oder anderweitigen Gelehrten nicht immer auf relig. gerechten Pfaden entwickelten. Jedenfalls nicht so religiös wie noch ihre Eltern. Der israelische Autor David Assaf beschreibt in seinem Buch "Ne'echaz Basbach" unter anderem das Abgleiten der Söhne berühmter chassidischer Rabbiner in den Säkularismus. Andererseits fand ich Meinungen, die dagegen besagen, dass in all den von mir unten aufgeführten Fällen, die Söhne TESHUVA machten (zu G – tt zurückkehrten). Nur nicht in einem Fall, nämlich dem Sohn des Rabbi Shneur Zalman von Liadi.

Der Chassidismus besitzt unzählige positive und einzigartige Seiten, dennoch ist nie immer alles so perfekt, wie es eigentlich sein sollte. Gleich nach dem Tode des Baal Shem Tovs zerstritten sich schon dessen Anhänger bezüglich seiner Nachfolge als Oberhaupt der chassidischen Bewegung. Die ersten Konflikte begannen und die eigenen Familien blieben davon nicht verschont. Einen bekannten chassidischen Rabbiner zum Vater zu haben bedeutet noch lange keine Garantie für superreligiöse Kinder.

Dies musste schon der Gründer der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch), Rabbi Shneur Zalman von Liadi, 1745 – 1812, erkennen. Dessen jüngster Sohn Moshe nämlich konvertierte zum Christentum.

Der Sohn des Israel of Ruzhin, 1797 - 1851, verliess ebenso die jüd. relig. Wege. Dov Baer von Leove, 1817 - 1876, heiratete schon im frühen Alter von 14 Jahren. Seine Frau war Scheindel, die Tochter des Rabbi Mordechai Twersky von Chernobyl. Die Ehe war nicht besonders gut und es folgte ein Umzug nach dem anderen. Nach dem Tode seines Vaters wurde Dov Baer von seinem Bruder ins Haus im Städtchens Sadigura aufgenommen und es kamen Gerüchte auf, dass Dov Baer dort gefangengehalten werde. Später lebte Dov Baer in Czernowitz, wo er im Jahre 1869 erklärte: "Er wünschte, dass die dummen Bräuche, die rein gar nicht auf dem Judetum basieren, abgeschafft werden würden. Man solle die Dornen vom Hause Israels entfernen". Sprachs und bekam ein Anhänger der "Aufklärung (Haskalah)".

Der nächste Fall ist der des Yechezkel, des Sohnes von Rabbi Aryeh Leib von Kozmir. Auch Yechezkel verliess die relig. Bahnen und änderte seinen Namen in "Stanilaus Hoga".

Der Schwager des berühmten Apter (Opatov) Rebben Avraham Yehoshua Heshel, und Sohn des Rabbi Chaim Tirer von Czernowitz, Kalman Kalonymus, wurde zum G – tteslästerer (Apikoret). Er begann Kartenzuspielen und aß unkoscheres Essen. Daraufhin liess sich seine Frau Yocheved, die Schwester des Apta Rebben von ihm scheiden.

Me'ir, der Sohn des ungarischen Zaddik (Gerechten), Rabbi Yitzchak Eisik von Kalov, startete anscheinend seine säkulere "Karriere" nach dem Ableben seines Vaters.

Es gibt noch viele weitere Beispiele und wir sehen, dass gewiss nicht jede Familie perfekt ist. Manchmal mag es an der richtigen oder falschen Erziehung liegen; andererseits suchen nicht wenige Jude nein offeneres Leben ohne all die strengen Massregelungen und Vorschriften. Ich bin mir sicher, dass es viele weitere wichtige und individuelle fuer derlei Lebensentscheidungen gibt. Nicht jeder Heranwachsende geht nur den einen vorgeschriebenen Weg und nicht jeder drückt sich gleich aus.

In den seltensten Fällen sind Druck oder Zwang die angebrachten Erziehungsmittel und es ist unlogisch jemanden in eine Gesellschaft zu pferchen, in die er nicht passt bzw. gehört.
Vor ein paar Monaten erzählte mir eine ältere Dame der Chassidut Karlin – Stolin, dass in Stolin jedes Kind seinen Bedürfnissen nachbehandelt und gefördert wird. Allerdings werden die Heranwachsenden dann doch im Alter von ca. 19 Jahren verheiratet, damit sie eine Familie haben, Verantwortung übernehmen und nicht irgendwo anders verloren gehen.

Für einige mag dies die richtige Lösung sein, doch für andere kann sich diese Art des Lebenslaufes als persönliche Katastrophe entpuppen.

Freitag, 14. November 2008

Hochzeit in Karlin - Stolin

B"H

In ca. einem Monat verheiratet der Karlin - Stoliner Rebbe aus Jerusalem (Givat Ze'ev) einen seiner Söhne !!!

Dienstag, 21. Oktober 2008

Gestreifte Kaftane


Blau - weiß gestreifte Kaftane der Toldot Aharon


B"H

Insbesondere die Toldot Aharon, die Toldot Avraham Yitzchak und einige Teile der Breslover Chassidim Jerusalems tragen sie: die langen chassidischen. Am Schabbat allerdings bestehen diese Kaftane nicht aus blau - weiß, sondern aus einem fast goldfarbenen glänzenden Kaftan. Die goldfarbenen Kaftane werden am Schabbat ebenso von Karlin - Stolin genauso wie von Karlin - Pinks getragen. Letztere jedoch tragen an Wochentagen schwarze Kaftane.

Am Chol HaMoed (den Zwischenfeiertagen) Sukkot nahm ich an einer speziellen Tour durch das Arabische Viertel in der Jerusalemer Altstadt teil. Unser Guide, Student der nationalrelig. Yeshiva "Ateret Cohanim", klärte uns ebenso über die Herkunft dieser recht auffälligen Art der Kleidung auf. Sobald jemand einen Chassid in dem gestreiften Kaften erblickt, meint man glatt, dass da einer entweder total extrem oder sonst irgendwie außergewöhnlich streng zu sein scheint. Er fast sogar fehl am Platze erscheint, denn heutzutage beschränkt sich chassidische Welt auf überwiegend schwarze Kaftane. Besonders jene Chassidim, deren Gruppen ihren Ursprung in Polen haben. Rumänische, ungarische sowie ukrainische Rebben tragen am Schabbat fast immer einen farbenreichen Kaftan, denn gerade in diesen Länder herrschte diese Tradition (z.B. bei Chassidut Nadvorna, Kretchnif, etc.).

Die Toldot Aharon genauso wie ihre Abspaltung, die Toldot Avraham Yitzchak, machen einen Unterschied, indem sie auch wochentags gestreiften Kaftane tragen.
Woher kommt dieser Brauch ?
Der Gründer sowie erste Rebbe der Toldot Aharon, deren ursprünglicher Name "Shomrei Emunim" lautete, kam in den Zwanziger Jahren nach Jerusalem und fand dort sephardische Juden in dem gestreiften Kaftan gekleidet vor. Somit stand für Rebbe Aharon Roth fest, dass das ja wohl die originale Kleidung eines Juden sei, wenn man das in Jerusalem so trug. Rebbe Roth wollte alles so authentisch wie nur möglich haben und trug seinen Anhängern auf, sich diesen eigentlich sephardischen Kleidungsstil anzueignen.

Auf meiner Tour jedenfalls vernahm ich eine weitere Erklärung. Gegen Ende des 19. Jahrhundertes schmissen die moslemischen Bewohner des Arabischen Viertels immer mehr aschkenazische Juden hinaus, da diese ihnen angeblich Geld schuldeten. Jede Aschkenaze, der die Altstadt betreten bzw. Zugang zur Kotel (Klagemauer) verlangte, mußte zuerst ein hübsches Sümmchen an die Araber zahlen, damit diese ihn passieren liessen. Und so kamen die Aschkenazim auf die Idee, ihren Kleidungsstil zu verändern. Sephardische Juden nämlich wurden von den Arabern nicht zur Kasse gebeten und durften sich frei bewegen. Also kam man auf aschkenazischer Seite auf die Idee, sich als sephardischer Jude zu verkleiden. Man zog einfach den gestreiften Kaftan über und verzichtete auf Anzug und europ. Schnickschnack. Die Araber bemerkten den Unterschied nicht und liessen die verkleideten Aschkenazim kostenlos passieren.

So kam es, dass langsam immer mehr aschkenazische Juden in sephardischer Kleidung herumliefen, wohingegen die Sepharden ihrer alten Tradition immer mehr entsagten. Heutzutage sieht man kaum noch eine sephardischen Juden in einem gestreiften Kaftan herumlaufen, sondern ausschließlich Chassidim der aschkenazischen Toldot Aharon, Avarahm Yitzchak und Teilen von Breslov.

Die Breslover Chassidim sind leicht von den Toldot Aharon und Avraham Yitchak zu unterscheiden. Die Toldot Aharon und die Avraham Yitzchak tragen am Schabbat Kniebunthosen und dazu weiße Socken (verheiratete Männer, Singles tragen schwarze Socken). Innerhalb der Woche tragen alle Chassidim nur schwarze Socken. Die Breslover Chassidim hingegen tragen ausschließlich nur lange Hosen und daher spielen die Socken keine Rolle.



Gestreifte Kaftane am Schabbat

Sonntag, 28. September 2008

Der letzte Schabbat des Jahres

B"H

Und was geschah in Mea Shearim am vergangenen letzten Schabbat des Jahres 5768 ?

Am Freitag abend (Erev Schabbat) ging ich in die Synagoge der Karlin - Stoliner Chassidim in der Yoel Street. Die Männerseite war rappelvoll und die Frauenseite … naja, wir waren vier oder fünf weibliche Wesen. Zum Hauptg - ttesdienst am Schabbatmorgen schaut die Lage mit mindestens Hundert Frauen schon ganz anders aus.

Sämtliche chassidische Gruppen zeigen sich besorgt über den Platzmangel, der in ihren Synagoge über die anstehenden hohen Feiertage herrschen wird. Außenstehende müssen derweil oft draußen bleiben, denn man weiß ja noch nicht einmal die eigenen Leute unterzubringen. Besonders bei den Toldot Aharon in Mea Shearim schaut die Lage fatal aus, denn die neue Synagoge steht noch im Rohbau da. Kein Geld zum Weiterbau und man muß sich derzeit anderweitig behelfen. Jedenfalls haben Außenstehnde bei den TA absolut keine Chance auf Einlaß, es sei denn, man kleidet sich so wie sie und macht auf Mitglied.

Als ich am gleichen Abend mit einer Freundin zu deren chassidischem Tisch mit Rebbe David Kahn gehen wollte, fanden wir schon keinen Einlaß mehr. Vor dem Eingang zur Frauenempore stand ein weibliches Gruppenmitglied in traditioneller Gruppenuniform samt weißer Schürze und versperrte den Weg. Sie sagte mir, dass nur Mitglieder hineinkommen und die Dame sah aus als ob sie nicht spaße. Und das sage ich aus Erfahrung heraus ! Ich wünschte ihr "Schabbat Schalom" und "Schana Tova" und wir machten uns von dannen.

Ich komme aber nicht drumherum zu sagen, dass die Toldot Aharon die besten Türsteher haben. An denen kommt keiner vorbei - leider !

Freitag, 29. August 2008

Aufruf in Karlin - Stolin


Karliner Chassidim an Purim Schuschan in Jerusalem


B"H

Morgen früh (Schabbat) während des Morgengebetes Schacharit findet ein weiterer Aufruf statt. Dieses Mal bei der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin in Mea Shearim.

Ein Aufruf ist eine feierliche Zeremonie / Tradition bei der ein Chassid, welcher in der Woche nach dem jeweiligen Schabbat heiratet, zur Thoralesung aufgerufen wird.

Nein, die Karliner verheiraten diesesmal keinen Verwandten ihres Rebben, sondern ein regulärer Chassid verheiratet seinen dritten Sohn. Ich kenne den Chassid (Vater des Bräutigams) persönlich und traf ihn gerade im Zentrum von Jerusalem, wo er mich zur morgigen Feier einlud.

MAZAL TOV


Sonntag, 24. August 2008

Sonntag, 17. August 2008

G - ttesdienst bei Karlin – Stolin

B"H

Yeshivot (relig. Schulen) sind wegen der Sommerpause noch bis zum jüdischen Monat Elul (Anfang September) geschlossen. Dies ist die übliche relig. Routine; nach dem Fastentag Tisha Be' Av bleibt alles bis Elul geschlossen. In manchen Yeshivot nicht ganz, denn hier und da laufen spezielle Kurse weiter. Die haredische (ultra – orthod.) – litvische Jerusalemer Frauenyeshiva "Neve Yerushalaim" schließt in diesem Sommer gar nicht, sondern der Unterricht läuft regulär weiter.

Viele chassidische Rebben dagegen haben sich schon im Juli verabschiedet. Sie reisen im Ausland (USA, Belgien, Schweiz, Österreich oder in England) herum. Entweder um Ferien zu machen, Spendengelder zu sammeln oder gleich beides. Insbesondere kleinere chassidische Gruppen wie die Toldot Aharon, die Toldot Avraham Yitzchak oder Dushinksy sind auf Spendengelder angewiesen. Bei den Toldot Aharon heißt der große Spender Rebbe Aharon Teitelbaum von der Chassidut Satmar; bei den Avraham Yitzchak ist es ebenso Satmar, doch lautet der Rebbe hier Rabbi Zalman Leib Teitelbaum.

Aufgrunddessen geht es in diesen Wochen im chassidischen Bereich leider etwas ruhiger zu. Sieht man einmal von einer Hochzeit bei den Boyaner Chassidim in der kommenden Woche ab. Obwohl es aber kaum chassidische Tische gibt, geht der Synagogeng – ttesdienst wie gewohnt seinen geregelten Gang. Länger habe ich nicht berichtet, doch seit Monaten gehört bei mir die Jerusalemer Synagoge der Gruppe Karlin – Stolin zum freitagabendlichen Pflichtprogramm. Immer wenn ich in Jerusalem weile und nichts anderes vorhabe, gehe ich vor dem Schabbatessen zu Karlin – Stolin in die Yoel Street in Mea Shearim (gleich gegenüber den Satmarern des Rebben Zalman Leib Teitelbaum).

Unbedingt imposant schaut die große Synagoge der Karliner nicht gerade aus. Eher recht neu und betonklötzig. Wie üblich ist der Männereingang leicht zu finden, doch der für die Frauen ist unbeschreibbar, wenn man es nicht selber sieht. Von der Yoel führt eine winzige Seitengasse um das Gebäude herum und genau dort befindet sich der Fraueneingang. Zuerst jedoch muß man noch eine ewig lange Treppe bewältigen.

Helles Holz bestimmt die Inneneinrichtung im unteren Männerbereich. Der Aron HaKodesh (Thoraschrein) ist riesig und zieht sich über die gesamte Wand hin. Alles in dem gleichen hellen Holz gehalten und dazu mit Schnitzereien verziert. Ein Chassid ein anderen chassidischen Gruppe meinte einmal lakonisch zu mir, ob ich mir denn bei Karlin – Stolin einen Hörschutz für die Ohren mitnehmen.
Und genau das ist es, was die Karliner so einzigartig macht: ihr lautes euphorisch – ekstasisches Gebet. Man muß schon einige Male dabeisein, um den G – ttesdienstinhalt richtig mitzubekommen. Woanders werden der "Yedid Nefesh" oder "Lecha Dodi" mit verschiedenen Melodien gesungen, bei Karlin – Stolin wird alles ekstasisch herausgeschrien. Betende Männer biegen ihre Körper nach hinten und schreien in die Luft zu G – tt hinauf. Wer einmal ein richtiges chassidisches Gebet sehen will, der darf die Karliner nicht auslassen. Sie sind berühmt für ihre Art des Betens und nebenbei will ich erwähnen, dass die Karliner nicht nur aus Karlin – Stolin bestehen, sondern ebenso aus ihrer kleinen Abspaltung Karlin – Pinsk.

Schon allein wegen der einzigartigen Atmosphäre liebe ich Karlin. Am letzten Freitag war ich wieder dort und die Chassidim waren mitten im Gebet, was man schon von Weitem hören kann. Normalerweise kommt die Mehrheit der Karliner Frauen erst zum Schabbatmorgen in die Synagoge und von daher treffe ich an den Abenden am Freitag (Erev Schabbat) meist nur auf die gleichen zwei oder drei Frauen. Eine junge Amerikanerin von in Karlin New York, mit der ich schon einige Male sprach und die manchmal meine engl. Site liest. Eine weitere Karlinerin und eine etwas ältere Dame (ebenso von der Gruppe). Freitag traf ich nur auf die Dame, die ihre zwei Enkelinnen dabei hatte. Besagte Dame liebt es, wenn jemand mit ihr redet und sie beantwortet alle Fragen. Mehr als bereitwillig und noch darüber hinaus.

Nach dem G – ttesdienst kam sie zu mir und fragte, ob es nicht ein toller Karliner Bracu sei, wenn die kleinen Jungs sich am Freitag abend in der Synagoge versammeln und nach dem G – ttesdienst kleine Geschenke bekommen.

"Das ist alles kleines Spielzeug, was sie da bekommen, denn vor dem Kiddusch (Segnung des Weines vor dem Schabbatmahl) darf man ja nichts essen und somit bekommen die Kinder nichts Süßes, sondern kleines Plastikspielzeug".

Ich merkte an, dass ich den Brauch sehr originell finde und jedesmal schaue ich mir das Verteilen der kleinen Geschenke immer wieder gerne an. Kurz vor G – ttesdienstende versammeln sich die kleinen chassidischen Jungen vor dem Aron HaKodesh und warten mehr oder weniger geduldig auf das Austeilen. Einer ihrer Lehrer teilt dann das Plastikspielzeug a la Überraschungsei (oder auch etwas mehr) aus. Die Karliner Mädels bekommen ihre Geschenke beim Morgeng – ttesdienst am nächsten Tag.

Eifrig erklärte mir die ältere Dame den Brauch und ich überlegte schon, ob ich nicht anmerken solle, dass auch bei anderen chassidischen Gruppen dieser Brauch durchaus üblich ist. Ich ließ es dann aber lieber. Zum Schluß meinte die Dame, dass das ja überhaupt alles durch Spendengelder finanziert sei. "Es gibt Leute, die geben extra Geld dafür", meinte sie stolz.

Äh, war das jetzt nur eine Bemerkung oder eine Anspielung ?