B"H
Egal ob Chassidim oder litvische Haredim (Ultra - Orthod.), eines haben alle gemeinsam. Übrigens möge man die Nationalreligiösen auch noch mit hinzufügen.
Keine einzige der genannten Richtungen beachtet den Philosophen Martin Bubers. Diese Tatsache basiert nicht auf seinen philosophischen Auslegungen, sondern darauf, dass er ganz einfach keiner von ihnen war.
In der heutigen israelischen Gesellschaft sollten sich Religiöse identifizieren. Viele sind dazu nicht unbedingt in der Lage, so wie ich, denn ich habe von allem etwas angenommen und gebe mich nicht nur ausschließlich einer Richtung hin. Normalerweise jedoch identifiziert sich die relig. Mehrheit mit etwas; mit einer Richtung oder zumindest einem Rabbiner. Und demnach erfolgt dann die Erziehung bzw. die Auswahl der Schulen für die Kinder und deren spätere Ehepartner. Alles bleibt sozusagen meistens in der Familie.
Sobald jedoch jemand über relig. Themen, sei es Chassidismus oder Gesellschaft, schreibt, findet er nur dann Beachtung, wenn er aus eben einer der genannten relig. Richtungen kommt. Schreibt ein Nationalrelig. über besagte Themen, ist die Wahrscheinlichkeit, von den Haredim gelesen zu werden, sehr gering. Im umgekehrten Falle, Haredim schreiben und Nationalrelig. lesen, liegt die Wahrscheinlichkeit dagegen eher hoch.
Schreibt ein Säkulerer Jude über ein jüdisches Thema, so wird er von keiner der Richtungen gelesen. Was weiß denn auch schon ein Säkulerer ? Dabei kann er von der Religion soviel Ahnung haben, wie er will. Gehört er nicht in eine der Richtungen, ist sein Anerkennungsschicksal besiegelt.
Und findet Martin Buber zwar in Deutschland hohe Beachtung bezüglich seiner Chassidismusauslegungen, so ist er in der chassidischen Gesellschaft hingegen vollkommen unbekannt, denn er war kein Chassid. Martin Buber war keiner von ihnen.
Und in dieser Hinsicht stimme ich Hundertprozentig mit den Chassidim überein. Man sollte sich schon in der Gesellschaft auskennen, ein Teil von ihr sein oder zumindest einmal ein Teil von ihr gewesen sein. Dann kommen Aspekte zutage, die ein Außenstehender wie Buber oder die amerik. - israel. Schriftstellerin Naomi Ragen niemals aufgreifen täten. Die eigene Erfahrung ist wichtig, die Sprache der Haredim, die Gesellschaft an sich und die herrschende Atmosphäre. Dies lernt man nicht aus Büchern oder Erzählungen, diese Luft muß man atmen.
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Freitag, 11. Juli 2008
Dienstag, 8. Juli 2008
Dienstag, 24. Juni 2008
Philosophie im Chassidismus ?
B"H
Eines stößt mir oftmals ganz besonders auf; und das ist wenn ich mir den Stundenplan haredischer Schulen anschaue.
Wenigstens haben sich schon vor einiger Zeit einige chassidische Gruppen wie Vishnitz dazu entschlossen, den Englischunterricht in den Lehrplan mit aufzunehmen. Das ist doch immerhin etwas, obwohl, wenn man die Realität näher unter die Lupe nimmt, überrascht die Entscheidung ganz und gar nicht. So sollen doch gerade haredische Frauen die Männerwelt ernähren und arbeiten gehen. Und Jobs finden sich teilweise heute nur, wenn man auch vom Englischen eine Ahnung hat. Beispiel: High Tech Branche.
Aber ich will keine Vorurteile schüren, denn nicht in der gesamten haredischen Welt besteht nur eine Meinung bzw. eine ausgemachte Männerwelt, die gegen die Frauen losgeht. Heutzutage ist es immer angebrachter, den Individualfall zu betrachten und nicht zu verallgemeinern.
Was mich jedoch verallgemeinern läßt ist, dass, zum Beispiel, die Philosophie auf keinem haredischen Lehrplan zu finden ist. Bei den Breslover Chassidim gleich gar nicht, denn ausgerechnet der Begründer Rabbi Nachman untersagte seinen Chassidim jeglichen Kontakt mit der Philosopie, da diese nur eine Verweltlichung des Juden hervorrufen würde. Rabbi Nachman meinte damit auch die jüdische und somit die Philosophie (Führer der Unschlüssigen - Guide of the Perplexed) des Rambam (Maimonides). Bei Chabad ist übrigens das genaue Gegenteil der Fall und der Rambam wird bis zum Erbrechen zitiert.
Bis fast zu Zeiten des Saadia Gaon im 9. / 10. Jahrhundert gab es fast gar keine jüdische Philosopie. Der Grund ist denkbar einfach: Es bestand einfach kein Bedürfnis.
Natürlich gab es auch vorher schon Juden (u.a. Philo) bzw. Rabbiner, die sich mit Aristoteles oder Plato auseinandersetzten. Doch wen interessierte das groß, wenn der Zweite Tempel zerstört worden war und das Judentum sehen mußte, dass es anhand von Halachot die Juden an Bord hielt und nicht völlig unterging. Erst mit dem Aufkommen des Islam und den Karaiten zur gleichen Zeit war auch das Judentum gezwungen, Farbe zu bekennen und den Anschuldigungen und Theorien des Moslems bzw. der Karaiten zu antworten. Rabbi Saadia Gaon zerschlug übrigens recht schnell sämtliche Karaitischen Thesen.
Von Beginn der chassidischen Bewegung (unter dem Baal Shem Tov) wie wir sie kennen, fand die Philosophie keinen Zuspruch. Philosophische Fragen, Rationales, Gründe, all das paßte nicht gerade in eine Kabbalahwelt, in der alles möglich erscheint. Rabbi Nachman bestand auf das Prinzip des "einfachen Glaubens". Man muß G - tt nur überall und in allem sehen - Seine Gründe sind oft unbegreifbar, doch müssen wir alles g - ttliche akzeptieren".
Die jüdische Philosophie besteht nun nicht gerade aus den Thesen des Aristoteles, doch eher aus schriftlichen, manchmal sogar, poetisch verfassten Thesen. Der Rambam beschäftigt eingehend mit Aristoteles und so mancher Realist befaßt sich mit der Frage, ob nicht so mancher große Rabbi doch von der griech. Philosophie beeinflußt wurde und einiges ins Judentum übernahm. Hatte nicht gerade Aristoteles das gleiche G - ttesbild, in dem er behauptete, dass G - tt nur ein einziges allumfassendes Wesen sein kann ?
Thesen, die heutzutage in keiner einzigen haredischen Welt zu hören sind. Außer von einigen Rabbis, die privat ermitteln.
Die einzige mir bekannte chassidische Gruppe, die sich ihre Intellekt lobt und rühmt, ist Chabad (Lubawitsch). Ihr Buch "Tanya" des Alter Rebben Shneur Zalman von Liadi ist ein einziges Intellektsammelsurium.
Leider, und ich muß hier sagen leider, kennen heutzutage die wenigstens haredischen Schüler noch einen Saadia Gaon, einen Rabbi Yehudah HaLevy oder einen Rabbi Shlomo ibn Gvirol.
Eines stößt mir oftmals ganz besonders auf; und das ist wenn ich mir den Stundenplan haredischer Schulen anschaue.
Wenigstens haben sich schon vor einiger Zeit einige chassidische Gruppen wie Vishnitz dazu entschlossen, den Englischunterricht in den Lehrplan mit aufzunehmen. Das ist doch immerhin etwas, obwohl, wenn man die Realität näher unter die Lupe nimmt, überrascht die Entscheidung ganz und gar nicht. So sollen doch gerade haredische Frauen die Männerwelt ernähren und arbeiten gehen. Und Jobs finden sich teilweise heute nur, wenn man auch vom Englischen eine Ahnung hat. Beispiel: High Tech Branche.
Aber ich will keine Vorurteile schüren, denn nicht in der gesamten haredischen Welt besteht nur eine Meinung bzw. eine ausgemachte Männerwelt, die gegen die Frauen losgeht. Heutzutage ist es immer angebrachter, den Individualfall zu betrachten und nicht zu verallgemeinern.
Was mich jedoch verallgemeinern läßt ist, dass, zum Beispiel, die Philosophie auf keinem haredischen Lehrplan zu finden ist. Bei den Breslover Chassidim gleich gar nicht, denn ausgerechnet der Begründer Rabbi Nachman untersagte seinen Chassidim jeglichen Kontakt mit der Philosopie, da diese nur eine Verweltlichung des Juden hervorrufen würde. Rabbi Nachman meinte damit auch die jüdische und somit die Philosophie (Führer der Unschlüssigen - Guide of the Perplexed) des Rambam (Maimonides). Bei Chabad ist übrigens das genaue Gegenteil der Fall und der Rambam wird bis zum Erbrechen zitiert.
Bis fast zu Zeiten des Saadia Gaon im 9. / 10. Jahrhundert gab es fast gar keine jüdische Philosopie. Der Grund ist denkbar einfach: Es bestand einfach kein Bedürfnis.
Natürlich gab es auch vorher schon Juden (u.a. Philo) bzw. Rabbiner, die sich mit Aristoteles oder Plato auseinandersetzten. Doch wen interessierte das groß, wenn der Zweite Tempel zerstört worden war und das Judentum sehen mußte, dass es anhand von Halachot die Juden an Bord hielt und nicht völlig unterging. Erst mit dem Aufkommen des Islam und den Karaiten zur gleichen Zeit war auch das Judentum gezwungen, Farbe zu bekennen und den Anschuldigungen und Theorien des Moslems bzw. der Karaiten zu antworten. Rabbi Saadia Gaon zerschlug übrigens recht schnell sämtliche Karaitischen Thesen.
Von Beginn der chassidischen Bewegung (unter dem Baal Shem Tov) wie wir sie kennen, fand die Philosophie keinen Zuspruch. Philosophische Fragen, Rationales, Gründe, all das paßte nicht gerade in eine Kabbalahwelt, in der alles möglich erscheint. Rabbi Nachman bestand auf das Prinzip des "einfachen Glaubens". Man muß G - tt nur überall und in allem sehen - Seine Gründe sind oft unbegreifbar, doch müssen wir alles g - ttliche akzeptieren".
Die jüdische Philosophie besteht nun nicht gerade aus den Thesen des Aristoteles, doch eher aus schriftlichen, manchmal sogar, poetisch verfassten Thesen. Der Rambam beschäftigt eingehend mit Aristoteles und so mancher Realist befaßt sich mit der Frage, ob nicht so mancher große Rabbi doch von der griech. Philosophie beeinflußt wurde und einiges ins Judentum übernahm. Hatte nicht gerade Aristoteles das gleiche G - ttesbild, in dem er behauptete, dass G - tt nur ein einziges allumfassendes Wesen sein kann ?
Thesen, die heutzutage in keiner einzigen haredischen Welt zu hören sind. Außer von einigen Rabbis, die privat ermitteln.
Die einzige mir bekannte chassidische Gruppe, die sich ihre Intellekt lobt und rühmt, ist Chabad (Lubawitsch). Ihr Buch "Tanya" des Alter Rebben Shneur Zalman von Liadi ist ein einziges Intellektsammelsurium.
Leider, und ich muß hier sagen leider, kennen heutzutage die wenigstens haredischen Schüler noch einen Saadia Gaon, einen Rabbi Yehudah HaLevy oder einen Rabbi Shlomo ibn Gvirol.
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Sonntag, 27. April 2008
Haredim (Ultra - Orthod.) und die Jüdische Geschichte
B"H
Genau genommen betrifft dieser Artikel nicht nur Haredim aller Art (livisch oder chassidisch), sondern genauso viele Nationalreligiöse. Niemand sollte sich also ausgeschlossen fühlen, sondern alle sind angesprochen.
Was mir immer wieder auffällt ist, dass in den heutigen relig. Schulen vieles gelehrt wird, nur eines nicht: Jüdische Geschichte.
Da werden sämtliche Talmudtraktate und Thoraparagraphen auswendig gelernt, aber wenn die Geschichte zur Sprache kommt, müssen viele passen. Zwar geht es im Talmud selbst viel um Geschichte, doch die richtige Historie wer gegen wen und wann bleibt oftmals im Dunkeln oder ist nicht bis ins Detail erwähnt. Auch fehlen viele welthistorische Zusammenhänge und nicht alle politischen Intrigen finden Erwähnung.
Aber nicht nur die Jüdische Geschichte von vor über 2000 Jahren und weit davor wird ausgelassen. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels hakt es komplett. Die wichtigen talmudischen Schulen in Babylon und Israel werden zwar ausgiebig genannt, doch fehlen die späteren Ereignisse, die zu einer Fastauslöschung der "Reish Galuta - Die Nachfolger aus dem Hause Davids" führte. Ebenso wenig findet ein gewisser Bustenai Erwähnung, der sozusagen der letzte aus dem Hause Davids war und in Babylon eine Nichtjüdin heiratete. Die Kinder wurden jedoch von führenden Rabbinern als Juden anerkannt, denn man wollte das Hause David nicht sang und klanglos untergehen lassen.
Aber wir brauchen nicht zu weit nach Babylon ausweichen. Wer von den Yeshiva - Studenten lernt schon noch die Geschichte der Hellenistischen Juden sowie die Ereignisse, welche zur Zweiten Tempelzerstörung führten. Und später ? Wie weit reichte der moslemische Einfluß auf das Judentum ? Übernahmen nicht gerade die spanischen Juden viel von den moslemischen Landsleuten ?
Einen kleinen Einblick hierzu gibt das Buch "Der Kuzari - Al Khazari" von Rabbi Yehudah HaLevi (1075 - 1141). Nicht selten ließ der Autor viele arabische Konzepte mit einfliessen. Und das Arabische war zur damaligen Zeit die Landessprache Spaniens und somit auch der dort ansäßigen Juden.
Inwieweit beeinflussten Philosophen und selbst das Christentum das Judentum ?
Wird nicht gerade dem berühmten spanischen mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Avraham Abulafia ein allzu enger Kontakt mit christlichen Mönchen nachgesagt ? Ein breites Themengebiet, auf das ich irgendwann in der Zukunft noch ausführlich einzugehen plane.
Bis heute weigern sich nicht wenige Juden, die Schriften und die Kabbalah des Rabbi Abulafia zu lernen. Eben aufgrund des Verdachtes einiger christlicher Einflüsse. Ob zu recht oder zu unrecht, sei vorerst dahingestellt. Aber ist es nicht dennoch wichtig, sich vor allem mit der eigenen Jüdischen Geschichte eingehend zu befassen ? Nicht, dass wir daraus lernen sollten, uns nicht mit externen Konzepten zu befassen, aber vielmehr um zu in Erfahrung zu bringen, was wirklich jüdisch ist und falls nicht, welche Wurzeln es tatsächlich hat. Ein Bekannter von mir, ein Vishnitzer Chassid, schreibt sogar an einem Buch zum Thema der philosophischen Einflüsse auf das Judentum. Nicht, dass er der Erste dieser Art wäre, denn die großen mittelalterlichen Rabbiner wie Maimonides (Rambam) oder Nachmanides (Ramban) waren, unter anderem, bekannte ambitionierte Philosophen.
Leider ist heutzutage die Wissenschaft aus den Yeshivot fast ganz verschwunden. Anstatt die Groß - und Einzigartigkeit von G - ttes Kreationen anhand von Fallbeispielen zu studieren, werden Talmudtraktate auf und ab heruntergerasselt. Wenn der Rambam in eine heutige Yeshiva treten täte, dann würde ihn sicherlich der Schlag treffen. Aus den einstigen Rabbiner mit wissenschaftlichen Kenntnisse wurden Rabbiner, die es für relevanter halten, ihre privaten Kleinkriege auszuleben oder festzulegen, wo genau die Mechitzah (Trennwand zwischen Frauen und Männern) in einem Bus installiert werden soll.
Ich habe keine Ahnung, wie man Yeshivot davon überzeugen soll, ihren Lehrplan zu erweitern und jedem Studenten wenigstens eine gehörige Portion Jüdische Geschichte zu vermitteln. Andererseits kann ich mir manchmal nicht erklären, warum die Studenten nicht von sich aus nachfragen oder ein Buch zur Hand nehmen. Ist es einfach nur Desinteresse, das nicht zu Hinterfragen wissen oder das Nichtanzweifeln der Entscheidungen eines Rabbiners / Lehrers ?
Kann sein, dass gerade ich so denke, da das Fach Geschichte mich immer interessiert hat und ich zu jedem Thema unzählige Bücher las. Meiner Meinung kann kein Talmudstudium ohne Jüdische Geschichtskenntnisse über die Zeit, Land und Leute stattfinden. Und mit meiner Meinung stehe ich da nicht allein, denn viele männliche Haredim stimmten mit mir in dem Punkt mehr als nur überein.
Genau genommen betrifft dieser Artikel nicht nur Haredim aller Art (livisch oder chassidisch), sondern genauso viele Nationalreligiöse. Niemand sollte sich also ausgeschlossen fühlen, sondern alle sind angesprochen.
Was mir immer wieder auffällt ist, dass in den heutigen relig. Schulen vieles gelehrt wird, nur eines nicht: Jüdische Geschichte.
Da werden sämtliche Talmudtraktate und Thoraparagraphen auswendig gelernt, aber wenn die Geschichte zur Sprache kommt, müssen viele passen. Zwar geht es im Talmud selbst viel um Geschichte, doch die richtige Historie wer gegen wen und wann bleibt oftmals im Dunkeln oder ist nicht bis ins Detail erwähnt. Auch fehlen viele welthistorische Zusammenhänge und nicht alle politischen Intrigen finden Erwähnung.
Aber nicht nur die Jüdische Geschichte von vor über 2000 Jahren und weit davor wird ausgelassen. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels hakt es komplett. Die wichtigen talmudischen Schulen in Babylon und Israel werden zwar ausgiebig genannt, doch fehlen die späteren Ereignisse, die zu einer Fastauslöschung der "Reish Galuta - Die Nachfolger aus dem Hause Davids" führte. Ebenso wenig findet ein gewisser Bustenai Erwähnung, der sozusagen der letzte aus dem Hause Davids war und in Babylon eine Nichtjüdin heiratete. Die Kinder wurden jedoch von führenden Rabbinern als Juden anerkannt, denn man wollte das Hause David nicht sang und klanglos untergehen lassen.
Aber wir brauchen nicht zu weit nach Babylon ausweichen. Wer von den Yeshiva - Studenten lernt schon noch die Geschichte der Hellenistischen Juden sowie die Ereignisse, welche zur Zweiten Tempelzerstörung führten. Und später ? Wie weit reichte der moslemische Einfluß auf das Judentum ? Übernahmen nicht gerade die spanischen Juden viel von den moslemischen Landsleuten ?
Einen kleinen Einblick hierzu gibt das Buch "Der Kuzari - Al Khazari" von Rabbi Yehudah HaLevi (1075 - 1141). Nicht selten ließ der Autor viele arabische Konzepte mit einfliessen. Und das Arabische war zur damaligen Zeit die Landessprache Spaniens und somit auch der dort ansäßigen Juden.
Inwieweit beeinflussten Philosophen und selbst das Christentum das Judentum ?
Wird nicht gerade dem berühmten spanischen mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Avraham Abulafia ein allzu enger Kontakt mit christlichen Mönchen nachgesagt ? Ein breites Themengebiet, auf das ich irgendwann in der Zukunft noch ausführlich einzugehen plane.
Bis heute weigern sich nicht wenige Juden, die Schriften und die Kabbalah des Rabbi Abulafia zu lernen. Eben aufgrund des Verdachtes einiger christlicher Einflüsse. Ob zu recht oder zu unrecht, sei vorerst dahingestellt. Aber ist es nicht dennoch wichtig, sich vor allem mit der eigenen Jüdischen Geschichte eingehend zu befassen ? Nicht, dass wir daraus lernen sollten, uns nicht mit externen Konzepten zu befassen, aber vielmehr um zu in Erfahrung zu bringen, was wirklich jüdisch ist und falls nicht, welche Wurzeln es tatsächlich hat. Ein Bekannter von mir, ein Vishnitzer Chassid, schreibt sogar an einem Buch zum Thema der philosophischen Einflüsse auf das Judentum. Nicht, dass er der Erste dieser Art wäre, denn die großen mittelalterlichen Rabbiner wie Maimonides (Rambam) oder Nachmanides (Ramban) waren, unter anderem, bekannte ambitionierte Philosophen.
Leider ist heutzutage die Wissenschaft aus den Yeshivot fast ganz verschwunden. Anstatt die Groß - und Einzigartigkeit von G - ttes Kreationen anhand von Fallbeispielen zu studieren, werden Talmudtraktate auf und ab heruntergerasselt. Wenn der Rambam in eine heutige Yeshiva treten täte, dann würde ihn sicherlich der Schlag treffen. Aus den einstigen Rabbiner mit wissenschaftlichen Kenntnisse wurden Rabbiner, die es für relevanter halten, ihre privaten Kleinkriege auszuleben oder festzulegen, wo genau die Mechitzah (Trennwand zwischen Frauen und Männern) in einem Bus installiert werden soll.
Ich habe keine Ahnung, wie man Yeshivot davon überzeugen soll, ihren Lehrplan zu erweitern und jedem Studenten wenigstens eine gehörige Portion Jüdische Geschichte zu vermitteln. Andererseits kann ich mir manchmal nicht erklären, warum die Studenten nicht von sich aus nachfragen oder ein Buch zur Hand nehmen. Ist es einfach nur Desinteresse, das nicht zu Hinterfragen wissen oder das Nichtanzweifeln der Entscheidungen eines Rabbiners / Lehrers ?
Kann sein, dass gerade ich so denke, da das Fach Geschichte mich immer interessiert hat und ich zu jedem Thema unzählige Bücher las. Meiner Meinung kann kein Talmudstudium ohne Jüdische Geschichtskenntnisse über die Zeit, Land und Leute stattfinden. Und mit meiner Meinung stehe ich da nicht allein, denn viele männliche Haredim stimmten mit mir in dem Punkt mehr als nur überein.
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Dienstag, 12. Februar 2008
Derech Eretz - דרך ארץ
B"H
"Derech Eretz" bedeutet soviel wie "die eigene religiöse Welt mit der Außenwelt zu verbinden".
Im Klartext heißt dies, dass kein relig. Jude nur in seiner eigenen kleinen Welt leben sollte; vielmehr muß er sich auch mit seinen Mitmenschen befassen, die da vielleicht nicht unbedingt auf dem gleichen Level sind.
Aber nicht nur das Verhalten spielt eine Rolle; weiterhin sollte ein Relig. nicht abgeneigt sein, Musik, Kunst oder Naturwissenschaften zu erlernen. Der Rambam (Maimonides) war, zum Beispiel, ein großer berühmter Physiker und Arzt seiner Zeit.
Schade, dass sich in vielen Teilen der haredischen (ultra - orthod.) Gesellschaft und auch jener der Nationalreligiösen viel zu sehr nach innen abgeschottet wird. Vielmals gilt alles Äußere als störend.
"Wozu brauche ich schon historische oder wissenschaftliche Kenntnisse, wenn ich in der Yeshiva (relig. Schule) Talmud lerne". Umfaßt nicht gerade der Talmud ebenso diese Themen ? Insbesondere Musik oder Kunst gelten als wesentlich verpönter und wenn, dann solle gefälligst nur ein Mann musizieren. Und sollte es denn schon einmal eine Frau sein, dann trete sie lieber vor weiblichem Publikum auf.
Zuviele chassidische Gruppen kapseln sich immer mehr von der Außenwelt ab. Dies geschieht aus vielerlei Gründen:
1. Um sich und seine chassidische Gruppe vor fremden Einflüssen bzw. modernen Veränderungen zu bewahren.
2. Die Jugend könnte negativ beeinflusst werden.
3. Man selber könnte die Gruppe verlassen und sich dem Sekulärismus zuwenden.
Die Kabbalah sowohl als auch der Chassidismus heben immer wieder die Wichtigkeit des "Tikkun Olam" hervor. Hierbei handelt es sich um eine Art "Seelenreparatur". Jeder einzelne von uns, egal welcher Religion oder Herkunft, hat die Aufgabe, die Welt und sich selbst zu perfektionieren. Um diesen Prozeß in Gang zu bringen, muß ich mich automatisch mit all meinen Mitmenschen befassen, denn vielleicht liegt mein Tikkun ja gerade dort. Wenn ich jemandem anderen helfe oder einfach nur mit ihm rede.
Und wie schrieb der Maharal von Prag in seinem Kommentar zu den "Pirkei Avot - Sayings of the Fathers" ?
Niemand von uns ist allein auf der Welt und wir sind verpflichtet, uns mit der Außenwelt zu befassen.
Und lehren uns wissenschaftliche Studien oder sogar die Kunst nicht von der Schönheit dieser Welt und G - ttes einzigartiger Erschaffung ?
Nicht immer sind alle hier genannten Gruppen strikt "Anti - Derech - Eretz". Im Gegenteil, oft wird man überrascht sein, wieviel es dort gibt. Häufig jedoch zu sehr auf die eigene Gruppe beschränkt.
Eine Ideallösung habe ich bestimmt nicht parat. Von Vorteil ist es auf alle Fälle, wenn alle Seiten sich etwas besser kennen lernen. Wobei dies in einer unaufdringlichen Art und Weise geschehen sollte. Die beste Propaganda ist sicher das Zwischenmenschliche zwischen nur zwei Personen. Nicht immer benötigt es gleich Hunderte von Menschen.
"Derech Eretz" bedeutet soviel wie "die eigene religiöse Welt mit der Außenwelt zu verbinden".
Im Klartext heißt dies, dass kein relig. Jude nur in seiner eigenen kleinen Welt leben sollte; vielmehr muß er sich auch mit seinen Mitmenschen befassen, die da vielleicht nicht unbedingt auf dem gleichen Level sind.
Aber nicht nur das Verhalten spielt eine Rolle; weiterhin sollte ein Relig. nicht abgeneigt sein, Musik, Kunst oder Naturwissenschaften zu erlernen. Der Rambam (Maimonides) war, zum Beispiel, ein großer berühmter Physiker und Arzt seiner Zeit.
Schade, dass sich in vielen Teilen der haredischen (ultra - orthod.) Gesellschaft und auch jener der Nationalreligiösen viel zu sehr nach innen abgeschottet wird. Vielmals gilt alles Äußere als störend.
"Wozu brauche ich schon historische oder wissenschaftliche Kenntnisse, wenn ich in der Yeshiva (relig. Schule) Talmud lerne". Umfaßt nicht gerade der Talmud ebenso diese Themen ? Insbesondere Musik oder Kunst gelten als wesentlich verpönter und wenn, dann solle gefälligst nur ein Mann musizieren. Und sollte es denn schon einmal eine Frau sein, dann trete sie lieber vor weiblichem Publikum auf.
Zuviele chassidische Gruppen kapseln sich immer mehr von der Außenwelt ab. Dies geschieht aus vielerlei Gründen:
1. Um sich und seine chassidische Gruppe vor fremden Einflüssen bzw. modernen Veränderungen zu bewahren.
2. Die Jugend könnte negativ beeinflusst werden.
3. Man selber könnte die Gruppe verlassen und sich dem Sekulärismus zuwenden.
Die Kabbalah sowohl als auch der Chassidismus heben immer wieder die Wichtigkeit des "Tikkun Olam" hervor. Hierbei handelt es sich um eine Art "Seelenreparatur". Jeder einzelne von uns, egal welcher Religion oder Herkunft, hat die Aufgabe, die Welt und sich selbst zu perfektionieren. Um diesen Prozeß in Gang zu bringen, muß ich mich automatisch mit all meinen Mitmenschen befassen, denn vielleicht liegt mein Tikkun ja gerade dort. Wenn ich jemandem anderen helfe oder einfach nur mit ihm rede.
Und wie schrieb der Maharal von Prag in seinem Kommentar zu den "Pirkei Avot - Sayings of the Fathers" ?
Niemand von uns ist allein auf der Welt und wir sind verpflichtet, uns mit der Außenwelt zu befassen.
Und lehren uns wissenschaftliche Studien oder sogar die Kunst nicht von der Schönheit dieser Welt und G - ttes einzigartiger Erschaffung ?
Nicht immer sind alle hier genannten Gruppen strikt "Anti - Derech - Eretz". Im Gegenteil, oft wird man überrascht sein, wieviel es dort gibt. Häufig jedoch zu sehr auf die eigene Gruppe beschränkt.
Eine Ideallösung habe ich bestimmt nicht parat. Von Vorteil ist es auf alle Fälle, wenn alle Seiten sich etwas besser kennen lernen. Wobei dies in einer unaufdringlichen Art und Weise geschehen sollte. Die beste Propaganda ist sicher das Zwischenmenschliche zwischen nur zwei Personen. Nicht immer benötigt es gleich Hunderte von Menschen.
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