B"H
"Yeshiva World News" berichtet, dass der Rebbe der Toldot Avraham Yitzchak, Rebbe Shmuel Yaakov Kahn, am JFK Airport längere Zeit von der Polizei verhört worden ist:
Sources tell YWN that upon the Rebbe’s arrival, he was immediately taken by agents into a private room and hassled for more than an hour. He was repeatedly questioned how much cash he was bringing into the USA. After more than an hour of intense interrogation, and searching all the Rebbes belongings, it was obvious that there was no illegal activity involving the Rebbe - and he was permitted to exit the airport.
The Rebbe arrived today for a scheduled visit seeking to raise funds to support his ailing mosdos, some reportedly on the verge of collapse.
This upcoming shabbos, Lech Lecha, the Rebbe will hold a tisch in Boro Park.
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Montag, 26. Oktober 2009
Donnerstag, 23. April 2009
Zwischen Brooklyn und Wien II
B"H
Diesen Comment bestehend aus einem Zeitungsartikel sandte mir eine Leserin zu einem anderen chassidischen Thema zu. Der Artikel ist gut zu lesen, dennoch verkneife ich mir am Schluss nicht noch ein paar Kommentare dazu.
Aus der österreichischen Tageszeitung "Die Presse"
Das Schtetl lebt! Und wie! Über die wundersame Renaissance der Chassidim in New York - und was Österreich damit zu tun hat.
Als ich vor gut zwei Jahren eingeladen war, bei einem "Fund Raising Dinner" einer jüdischen Flüchtlingsorganisation die Festrede zu halten, staunte ich nicht wenig, als ich im ärmlichen New Yorker Stadtteil Williamsburg in einen riesigen Veranstaltungssaal geleitet wurde: Begleitet von den neugierigen Blicken Hunderter orthodoxer Juden mit langen Prophetenbärten, Schläfenlocken, kaftanartigen Mänteln und hohen schwarze Hüten, ging ich zum Podium. Während viele auf dem Weg dorthin freundlich auf mich zukamen und mir als offensichtlich einzig fremdem Gast die Hand drückten, donnerte bereits vom Rednerpult eine dramatisch anmutende Ansprache. Auf Jiddisch!
Dies war meine erste Begegnung mit einer eigenartigen und faszinierenden Kultur, deren Anhänger zwar durch ihr exotisch anmutendes Äußeres unübersehbarer Bestandteil des Stadtbildes sind, jedoch den meisten New Yorkern so fremd bleiben wie Menschen aus einer anderen Zeit: Es ist die Welt der Chassidim, ultraorthodoxer Juden, die ihre Wurzeln im Osteuropa des 18. Jahrhunderts haben und in Enklaven inmitten der Acht-Millionen-Metropole an ihren Traditionen festhalten. Gegen den vermeintlich unentrinnbaren Strom der Zeit.
Begründer des Chassidismus war Israel ben Elieser (1698 bis 1760), den sie "Baal Schem Tow", den "Meister des guten Namens" nannten. In einer Zeit, als ein von Askese und Intellektualität geprägter Glaube die von Verfolgung und wirtschaftlicher Not bedrohten einfachen Juden in Osteuropa nicht zu trösten vermochte, löste dieser mit seiner mystisch-religiösen Volksbewegung ein spirituelles Feuer aus. Durch die von Martin Buber gesammelten Legenden über die Wundertaten des Baal Schem und der ihm nachfolgenden Weisen ist die Essenz der Lehre erhalten geblieben. Von den Chassidim selbst gibt es jedoch kaum noch Spuren in dieser Region. Hatte bereits die Russische Revolution und der Aufstieg des Kommunismus zu einer Auflösung der chassidischen Zentren in der heutigen Ukraine geführt, rottete der Holocaust diese Kultur in Ost- und Mitteleuropa fast gänzlich aus. Die wenigen Überlebenden flüchteten zumeist in die USA oder nach Israel, wo sie versuchten, sich nach dem Vorbild ihrer zerstörten Gemeinschaften wieder zu sammeln: "Lubavitch", "Satmar", "Ger", "Bobov", "Skver", "Vizhnitz", "Sanz", "Puppa", "Munkacz" und "Spinka" heißen einige der Sekten, deren Namen an die Städte ihrer Herkunft erinnern und deren Anhänger sich wie eh und je um ihre spirituellen Führer, die väterlich verehrten "Grand Rebbes", scharen.
Die Umstände der Wiedergründungen dieser Dynastien in New York waren zumeist dramatisch. Viele Sekten erzählen von der legendären Errettung ihres damaligen Rebbe vor dem Holocaust und vom Neuaufbau von Gemeinschaften mit wenig verbliebenen Getreuen in der Neuen Welt, die viele Orthodoxe lange Zeit als regellos, materialistisch, als "treyfe medina", unreines Land, verteufelt hatten. Sie berichten von der Schwierigkeit, als Gemeinschaft zu überleben, die ihre Auslegung des Gesetzes Gottes nicht den Wertvorstellungen der sie umgebenden Gesellschaft opfern wollte, und von den Komplikationen, die eine kompromisslose Einhaltung des "Schabbes" bei der Arbeitssuche - und damit für das materielle Überleben - bedeutete. Die örtliche (und geistige) Absonderung in eigenen Stadtvierteln, die sehr konservativen Wertvorstellungen, die reglementierte Rolle der Frau, die Art der Kleidung, die Ablehnung von Radio und Fernsehen sowie später des Internets als verderblicher Einfluss auf die Gläubigen: All das ließ jedenfalls auch noch viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Chassidentum in New York als nicht viel mehr erscheinen als ein hartnäckiges Relikt aus der Vergangenheit.
Doch das Blatt hat sich gewendet. Im ethnischen und kulturellen "salad bowl" von New York, einer Stadt, deren wunderbarste Eigenschaft das im Großen und Ganzen achtungsvolle Nebeneinander des Verschiedenartigen ist, haben die Chassidim aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz eine wundersame Renaissance erlebt. Geht man heute durch Williamsburg, Borough Park oder andere Viertel des New Yorker Stadtteiles Brooklyn, wird man Zeuge einer beeindruckend vitalen Subkultur, die einem als Mitteleuropäer fremd und vertraut zugleich erscheint. So ähnlich könnte es gewesen sein, vor dem Krieg, in Krakau oder Czernowitz: Man sieht belebte Straßen mit koscheren Läden, Bethäusern, Tora-Schulen, Buchhandlungen mit jiddischer Literatur, Auslagen von Schneiderläden mit traditionellen Gewändern, Greise mit langen weißen Bärten, versunken ins Gebet, rasch dahineilende junge Chassidim, deren Schläfenlocken bei jedem Schritt zittern - und vor allem sieht man eines: viele Kinder.
Wird in der westlichen Kultur Kinderreichtum oft als Belastung empfunden, bildet er für die Orthodoxen den wahren Sinn des Lebens. "Gott hat uns auf die Welt gebracht, damit wir uns vermehren", sagte mir einmal voller Stolz ein Rabbiner und Vater von zehn Kindern, der mit dieser Anzahl selbst den chassidischen Durchschnitt von sieben deutlich übertrifft. Da den Chassidim höhere weltliche Bildung und somit auch zumeist größerer Wohlstand verwehrt bleiben, bringt dieser Kinderreichtum oft ein Leben an der Armutsgrenze mit sich. Doch die Gemeinschaft lindert die Not, indem sie mit autonomen Sozialnetzen sowie eigenen Gesundheits- und Bildungseinrichtungen für die Ihren sorgt.
So sind über Jahrzehnte, für die Außenwelt fast unbemerkt, große Gemeinschaften herangewachsen. Heute schätzt man die Zahl der Chassidim im Großraum New York auf mindestens 165.000. Dermaßen gestärkt wird auch in das Umland New Yorks expandiert: Etwa 60 Kilometer nördlich der Metropole haben beispielsweise die aus Satu Mare im heutigen Rumänien stammenden "Satmarer" in den 1970er-Jahren ein Schtetl aus dem Boden gestampft, das sie nach ihrem damaligen Rebbe, Joel Teitelbaum, "Kiryas Joel", Joels Stadt, nannten. Die augenscheinliche Vitalität dieser ultraorthodoxen Kultur hat insbesondere eine Volksgruppe in New York überrascht: die jüdische selbst. Im Großraum New York leben mit knapp 1,3 Millionen mehr Juden als irgendwo sonst außerhalb Israels. So groß diese Gemeinschaft ist, so facettenreich ist sie in religiöser, kultureller und ethnischer Hinsicht. Von glühenden Zionisten bis zu überzeugten Antizionisten, von den Aschkenasim Mitteleuropas über die mediterranen Sepharden bis hin zu Juden zentralasiatischer Abstammung reicht das Spektrum.
Bei aller Unterschiedlichkeit haben die meisten etwas gemein: Sie gliedern sich in die umgebende Gesellschaft ein und arbeiten sich oft die soziale Leiter hinauf. Und ebendieser Mehrheit können die Chassiden in Brooklyn bestenfalls als anachronistisch wirkende entfernte Verwandte erscheinen, die wiederum für ihre assimilierten Glaubensbrüder nur Häme und Schelte übrig haben. Trotz dieser distanzierten Beziehung blicken heutzutage jene einflussreichen Organisationen, die den jüdischen "Mainstream" politisch repräsentieren, mit einem gewissen Respekt über den East River, der Manhattan von Brooklyn trennt. Denn für das nicht orthodoxe Judentum in den USA, das sich durch Assimilation und Geburtenrückgang in seiner gesellschaftlichen Position gegenüber schnell wachsenden Volksgruppen wie den Hispanics zusehends geschwächt sieht, könnte die Vitalität der rigiden Welt der Chassiden fast wie die Erteilung einer göttlichen Lektion erscheinen.
Besonders hohe Wellen schlägt die chassidische Bewegung der "Chabad-Lubavicher", deren spirituelles Zentrum ebenfalls in New York beheimatet ist. Die Sekte hatte mit dem 1994 verstorbenen Rabbi Menachem Mendel Schneerson über Jahrzehnte einen charismatischen Grand Rebbe. Geleitet von seiner Vision, dass die Ankunft des Moshiach, des Messias, unmittelbar bevorstehe und durch Akte der Barmherzigkeit und Befolgung der göttlichen Gebote beschleunigt werden könne, schuf Schneerson eine weltweite Bewegung. Heute sendet diese Tausende Emissäre in alle Welt aus, um - mit enormen Erfolgen - Juden zum Glauben zurückzuführen. "Wo immer es Coca-Cola gibt, dort sind auch wir", erklärte mir dazu augenzwinkernd ein Repräsentant der Bewegung, die auch über eine kleine Gemeinde in Wien verfügt. Diese hat mit Unterstützung des ehemaligen US-Botschafters in Österreich, Ronald Lauder, im zweiten Wiener Gemeindebezirk ein jüdisches pädagogisches Zentrum eingerichtet - am neu benannten Rabbiner-Schneerson-Platz.
Stellt diese missionarische Offenheit von "Chabad" eine Ausnahme in der Reihe der chassidischen Sekten dar, darf man bei der sonst vorherrschenden Abgewandtheit von der restlichen Gesellschaft dennoch nicht den Pragmatismus und das politische Geschick unterschätzen, die oft im Kontakt mit der Außenwelt an den Tag gelegt werden. Als ich Rabbi David Niederman, dem Präsidenten der "United Jewish Organizations of Williamsburg", einem Dachverband religiöser, sozialer und schulischer Einrichtungen dieses Stadtteils, in seinem etwas desolaten Büro einen Besuch abstatte, erzählt er mir, unterbrochen von zahlreichen Telefonanrufen, von seiner Arbeit. Er schildert mir den Kampf mit der New Yorker Stadtverwaltung um sozialen Wohnbau für die wachsende Gemeinde, spricht über die Kunst der Verständigung mit anderen Volksgruppen, über sein nicht lange zurückliegendes Treffen mit Hillary Clinton und über den afroamerikanischen Baptisten-Prediger Edolphus "Ed" Towns, dem die Chassidim als US-Kongressabgeordneten ihres Distriktes seit vielen Legislaturperioden das Vertrauen schenken. Nein, ihr Vertreter in Washington müsse kein Jude sein, das Einvernehmen mit den Schwarzen sei sehr gut.
Für Österreichs Diplomatie in New York ist Rabbi Niederman auch eine langjährige Verbindungsperson zur ultraorthodoxen Gemeinschaft New Yorks - einer Gesellschaft, die den meisten ausländischen Repräsentanten verschlossen bleibt. Die von ihm geleitete Flüchtlingshilfsagentur "Rav Tov" ist eine jener Organisationen, die gemeinsam mit der Bundesregierung seit den 1970er-Jahren Juden bei der Emigration aus der damaligen UdSSR und anderen Teilen der Welt unterstützte. Insgesamt erlebten über 360.000 Juden auf diese Weise Wien als Tor zur freien Welt. Eine Tatsache, die Österreich im Kreise der Chassidim hoch angerechnet und immer wieder lautstark publik gemacht wird. "Ohne Österreichs Hilfe wäre unsere florierende Gemeinschaft nicht vorstellbar!", ließ Niederman vor einigen Monaten die staunende politische Prominenz bei der Eröffnung einer Veranstaltung wissen, bei der Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens New Yorks für Verdienste um die chassidische Community geehrt wurden.
Im Scherz wurde mir einmal gesagt, es gäbe im Judentum eine Reihe von Festen, die man mit den Worten zusammenfassen könne: "Sie wollten uns töten. Sie haben's nicht geschafft. Lasst uns essen, lasst uns feiern!" In diesem Sinne erscheint ganz New York wie ein jüdisches Fest des über die Vernichtung triumphierenden Lebens. Auch und ganz besonders für die Chassidim. Und Österreich, das sich immer mehr seines mitteleuropäischen Erbes besinnt - samt seiner jüdischen Kultur und samt seiner Schtetlach - kann sich mit ihnen freuen. [*]
http://diepresse.com/home/diverse/zeichen/57171/index.do?from=suche.intern.portal
Mein Kommentar:
Der Autor Jerome R. Mintz beschreibt in seinem Buch "Hasidic People" den Wiederaufbau bzw. die Neuorientierung chassidischer Gruppe in New York. Dabei geht er vor allem auf Bobov, Satmar, Karlin und die Lubawitscher (Chabad) ein.
Eine wunderbare Dokumentation, die ich derzeit auseinandernehme, um an dieser Stelle darüber zu berichten.
Bis in die sechziger Jahre hinein gehörte auch noch der New Yorker Stadtteil CROWN HEIGHTS zum neuerrichteten chassidischen Center. Dieses änderte sich jedoch allmählich, da es immer mehr Auschreitungen von Schwarzen gegenüber den ansässigen Chassidim gab. Zusätzlich war die hohe Kriminalitätsrate der schwarzen Bevölkerung ein Problem.
Das Resultat war, dass viele Gruppen ins benachbarte Borough Park (Boro Park) zogen. Bestes Beispiel hierfür sind die Bobover Chassidim, die ihren Stammsitz in Boro Park eröffneten.
Die einzige Gruppe, die tatsächlich in Crown Heights blieb, sind die Lubawitscher. Und das bis heute mit extremen Ausfällen der schwarzen Bevölkerungsschicht gegen die Chassidim. Von einem netten Miteinander kann zumindest dort keine Rede sein !
Zur Missionierung der Lubawitscher in New York:
Ihre Missionspolitik brachte Chabad nicht selten in Schwierigkeiten. Schauen wir nur auf den Fall des Mendel (Menachem) Wechter, ein Satmarer Chassid, der zu Chabad wechselte und einige seiner Studenten mit sich zog. Hierzu ist viel zu sagen und der Fall ist einen eigenen Artikel wert, doch soll nur einmal erwähnt sein, dass Chabad, zumindest in der Vergangenheit, ihre besten Lehrer aussandte, um zu missionieren. Nicht wie sonst üblich, irgendwelche Neurelig., die da meinen etwas zu wissen, sondern richtig gezielt geschulte Leute, die eigentlich Talmidim Chachamim (herausragende Lehrer) waren. Satmar ist mit irgendeinem neurelig. Schalich (Chabad - Abgesandten) nicht beizukommen und da muss schon ganz anderes Kaliber her.
In Satmar jedenfalls war man sauer und reagierte dementsprechend.
Weiterhin versuchte Chabad, ihre abgespaltene Gruppe, die Malachim, wieder für sich zu gewinnen und begann in dem 50iger Jahren mit einem Missionszug in die New Yorker Synagoge der Malachim. Man schmiss die Chabadnikkim hinaus, dennoch kehrten zwei oder drei Malachim zurück zu Chabad.
Was damals noch möglich war, dürfte heute schwieriger sein, denn heutzutage hegt Chabad den negativen Beigeschmack der Meschichistim. Es macht sich für einen "anständigen" Chassid nicht gut, in eine Gruppe zu wechseln, die dermassen gespalten ist und ein Teil den Lubawitscher Rebben als Meschiach verehrt.
Leider ist damit der gute Ruf, den Chabad einst innehielt, dahin.
Diesen Comment bestehend aus einem Zeitungsartikel sandte mir eine Leserin zu einem anderen chassidischen Thema zu. Der Artikel ist gut zu lesen, dennoch verkneife ich mir am Schluss nicht noch ein paar Kommentare dazu.
Aus der österreichischen Tageszeitung "Die Presse"
Das Schtetl lebt! Und wie! Über die wundersame Renaissance der Chassidim in New York - und was Österreich damit zu tun hat.
Als ich vor gut zwei Jahren eingeladen war, bei einem "Fund Raising Dinner" einer jüdischen Flüchtlingsorganisation die Festrede zu halten, staunte ich nicht wenig, als ich im ärmlichen New Yorker Stadtteil Williamsburg in einen riesigen Veranstaltungssaal geleitet wurde: Begleitet von den neugierigen Blicken Hunderter orthodoxer Juden mit langen Prophetenbärten, Schläfenlocken, kaftanartigen Mänteln und hohen schwarze Hüten, ging ich zum Podium. Während viele auf dem Weg dorthin freundlich auf mich zukamen und mir als offensichtlich einzig fremdem Gast die Hand drückten, donnerte bereits vom Rednerpult eine dramatisch anmutende Ansprache. Auf Jiddisch!
Dies war meine erste Begegnung mit einer eigenartigen und faszinierenden Kultur, deren Anhänger zwar durch ihr exotisch anmutendes Äußeres unübersehbarer Bestandteil des Stadtbildes sind, jedoch den meisten New Yorkern so fremd bleiben wie Menschen aus einer anderen Zeit: Es ist die Welt der Chassidim, ultraorthodoxer Juden, die ihre Wurzeln im Osteuropa des 18. Jahrhunderts haben und in Enklaven inmitten der Acht-Millionen-Metropole an ihren Traditionen festhalten. Gegen den vermeintlich unentrinnbaren Strom der Zeit.
Begründer des Chassidismus war Israel ben Elieser (1698 bis 1760), den sie "Baal Schem Tow", den "Meister des guten Namens" nannten. In einer Zeit, als ein von Askese und Intellektualität geprägter Glaube die von Verfolgung und wirtschaftlicher Not bedrohten einfachen Juden in Osteuropa nicht zu trösten vermochte, löste dieser mit seiner mystisch-religiösen Volksbewegung ein spirituelles Feuer aus. Durch die von Martin Buber gesammelten Legenden über die Wundertaten des Baal Schem und der ihm nachfolgenden Weisen ist die Essenz der Lehre erhalten geblieben. Von den Chassidim selbst gibt es jedoch kaum noch Spuren in dieser Region. Hatte bereits die Russische Revolution und der Aufstieg des Kommunismus zu einer Auflösung der chassidischen Zentren in der heutigen Ukraine geführt, rottete der Holocaust diese Kultur in Ost- und Mitteleuropa fast gänzlich aus. Die wenigen Überlebenden flüchteten zumeist in die USA oder nach Israel, wo sie versuchten, sich nach dem Vorbild ihrer zerstörten Gemeinschaften wieder zu sammeln: "Lubavitch", "Satmar", "Ger", "Bobov", "Skver", "Vizhnitz", "Sanz", "Puppa", "Munkacz" und "Spinka" heißen einige der Sekten, deren Namen an die Städte ihrer Herkunft erinnern und deren Anhänger sich wie eh und je um ihre spirituellen Führer, die väterlich verehrten "Grand Rebbes", scharen.
Die Umstände der Wiedergründungen dieser Dynastien in New York waren zumeist dramatisch. Viele Sekten erzählen von der legendären Errettung ihres damaligen Rebbe vor dem Holocaust und vom Neuaufbau von Gemeinschaften mit wenig verbliebenen Getreuen in der Neuen Welt, die viele Orthodoxe lange Zeit als regellos, materialistisch, als "treyfe medina", unreines Land, verteufelt hatten. Sie berichten von der Schwierigkeit, als Gemeinschaft zu überleben, die ihre Auslegung des Gesetzes Gottes nicht den Wertvorstellungen der sie umgebenden Gesellschaft opfern wollte, und von den Komplikationen, die eine kompromisslose Einhaltung des "Schabbes" bei der Arbeitssuche - und damit für das materielle Überleben - bedeutete. Die örtliche (und geistige) Absonderung in eigenen Stadtvierteln, die sehr konservativen Wertvorstellungen, die reglementierte Rolle der Frau, die Art der Kleidung, die Ablehnung von Radio und Fernsehen sowie später des Internets als verderblicher Einfluss auf die Gläubigen: All das ließ jedenfalls auch noch viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Chassidentum in New York als nicht viel mehr erscheinen als ein hartnäckiges Relikt aus der Vergangenheit.
Doch das Blatt hat sich gewendet. Im ethnischen und kulturellen "salad bowl" von New York, einer Stadt, deren wunderbarste Eigenschaft das im Großen und Ganzen achtungsvolle Nebeneinander des Verschiedenartigen ist, haben die Chassidim aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz eine wundersame Renaissance erlebt. Geht man heute durch Williamsburg, Borough Park oder andere Viertel des New Yorker Stadtteiles Brooklyn, wird man Zeuge einer beeindruckend vitalen Subkultur, die einem als Mitteleuropäer fremd und vertraut zugleich erscheint. So ähnlich könnte es gewesen sein, vor dem Krieg, in Krakau oder Czernowitz: Man sieht belebte Straßen mit koscheren Läden, Bethäusern, Tora-Schulen, Buchhandlungen mit jiddischer Literatur, Auslagen von Schneiderläden mit traditionellen Gewändern, Greise mit langen weißen Bärten, versunken ins Gebet, rasch dahineilende junge Chassidim, deren Schläfenlocken bei jedem Schritt zittern - und vor allem sieht man eines: viele Kinder.
Wird in der westlichen Kultur Kinderreichtum oft als Belastung empfunden, bildet er für die Orthodoxen den wahren Sinn des Lebens. "Gott hat uns auf die Welt gebracht, damit wir uns vermehren", sagte mir einmal voller Stolz ein Rabbiner und Vater von zehn Kindern, der mit dieser Anzahl selbst den chassidischen Durchschnitt von sieben deutlich übertrifft. Da den Chassidim höhere weltliche Bildung und somit auch zumeist größerer Wohlstand verwehrt bleiben, bringt dieser Kinderreichtum oft ein Leben an der Armutsgrenze mit sich. Doch die Gemeinschaft lindert die Not, indem sie mit autonomen Sozialnetzen sowie eigenen Gesundheits- und Bildungseinrichtungen für die Ihren sorgt.
So sind über Jahrzehnte, für die Außenwelt fast unbemerkt, große Gemeinschaften herangewachsen. Heute schätzt man die Zahl der Chassidim im Großraum New York auf mindestens 165.000. Dermaßen gestärkt wird auch in das Umland New Yorks expandiert: Etwa 60 Kilometer nördlich der Metropole haben beispielsweise die aus Satu Mare im heutigen Rumänien stammenden "Satmarer" in den 1970er-Jahren ein Schtetl aus dem Boden gestampft, das sie nach ihrem damaligen Rebbe, Joel Teitelbaum, "Kiryas Joel", Joels Stadt, nannten. Die augenscheinliche Vitalität dieser ultraorthodoxen Kultur hat insbesondere eine Volksgruppe in New York überrascht: die jüdische selbst. Im Großraum New York leben mit knapp 1,3 Millionen mehr Juden als irgendwo sonst außerhalb Israels. So groß diese Gemeinschaft ist, so facettenreich ist sie in religiöser, kultureller und ethnischer Hinsicht. Von glühenden Zionisten bis zu überzeugten Antizionisten, von den Aschkenasim Mitteleuropas über die mediterranen Sepharden bis hin zu Juden zentralasiatischer Abstammung reicht das Spektrum.
Bei aller Unterschiedlichkeit haben die meisten etwas gemein: Sie gliedern sich in die umgebende Gesellschaft ein und arbeiten sich oft die soziale Leiter hinauf. Und ebendieser Mehrheit können die Chassiden in Brooklyn bestenfalls als anachronistisch wirkende entfernte Verwandte erscheinen, die wiederum für ihre assimilierten Glaubensbrüder nur Häme und Schelte übrig haben. Trotz dieser distanzierten Beziehung blicken heutzutage jene einflussreichen Organisationen, die den jüdischen "Mainstream" politisch repräsentieren, mit einem gewissen Respekt über den East River, der Manhattan von Brooklyn trennt. Denn für das nicht orthodoxe Judentum in den USA, das sich durch Assimilation und Geburtenrückgang in seiner gesellschaftlichen Position gegenüber schnell wachsenden Volksgruppen wie den Hispanics zusehends geschwächt sieht, könnte die Vitalität der rigiden Welt der Chassiden fast wie die Erteilung einer göttlichen Lektion erscheinen.
Besonders hohe Wellen schlägt die chassidische Bewegung der "Chabad-Lubavicher", deren spirituelles Zentrum ebenfalls in New York beheimatet ist. Die Sekte hatte mit dem 1994 verstorbenen Rabbi Menachem Mendel Schneerson über Jahrzehnte einen charismatischen Grand Rebbe. Geleitet von seiner Vision, dass die Ankunft des Moshiach, des Messias, unmittelbar bevorstehe und durch Akte der Barmherzigkeit und Befolgung der göttlichen Gebote beschleunigt werden könne, schuf Schneerson eine weltweite Bewegung. Heute sendet diese Tausende Emissäre in alle Welt aus, um - mit enormen Erfolgen - Juden zum Glauben zurückzuführen. "Wo immer es Coca-Cola gibt, dort sind auch wir", erklärte mir dazu augenzwinkernd ein Repräsentant der Bewegung, die auch über eine kleine Gemeinde in Wien verfügt. Diese hat mit Unterstützung des ehemaligen US-Botschafters in Österreich, Ronald Lauder, im zweiten Wiener Gemeindebezirk ein jüdisches pädagogisches Zentrum eingerichtet - am neu benannten Rabbiner-Schneerson-Platz.
Stellt diese missionarische Offenheit von "Chabad" eine Ausnahme in der Reihe der chassidischen Sekten dar, darf man bei der sonst vorherrschenden Abgewandtheit von der restlichen Gesellschaft dennoch nicht den Pragmatismus und das politische Geschick unterschätzen, die oft im Kontakt mit der Außenwelt an den Tag gelegt werden. Als ich Rabbi David Niederman, dem Präsidenten der "United Jewish Organizations of Williamsburg", einem Dachverband religiöser, sozialer und schulischer Einrichtungen dieses Stadtteils, in seinem etwas desolaten Büro einen Besuch abstatte, erzählt er mir, unterbrochen von zahlreichen Telefonanrufen, von seiner Arbeit. Er schildert mir den Kampf mit der New Yorker Stadtverwaltung um sozialen Wohnbau für die wachsende Gemeinde, spricht über die Kunst der Verständigung mit anderen Volksgruppen, über sein nicht lange zurückliegendes Treffen mit Hillary Clinton und über den afroamerikanischen Baptisten-Prediger Edolphus "Ed" Towns, dem die Chassidim als US-Kongressabgeordneten ihres Distriktes seit vielen Legislaturperioden das Vertrauen schenken. Nein, ihr Vertreter in Washington müsse kein Jude sein, das Einvernehmen mit den Schwarzen sei sehr gut.
Für Österreichs Diplomatie in New York ist Rabbi Niederman auch eine langjährige Verbindungsperson zur ultraorthodoxen Gemeinschaft New Yorks - einer Gesellschaft, die den meisten ausländischen Repräsentanten verschlossen bleibt. Die von ihm geleitete Flüchtlingshilfsagentur "Rav Tov" ist eine jener Organisationen, die gemeinsam mit der Bundesregierung seit den 1970er-Jahren Juden bei der Emigration aus der damaligen UdSSR und anderen Teilen der Welt unterstützte. Insgesamt erlebten über 360.000 Juden auf diese Weise Wien als Tor zur freien Welt. Eine Tatsache, die Österreich im Kreise der Chassidim hoch angerechnet und immer wieder lautstark publik gemacht wird. "Ohne Österreichs Hilfe wäre unsere florierende Gemeinschaft nicht vorstellbar!", ließ Niederman vor einigen Monaten die staunende politische Prominenz bei der Eröffnung einer Veranstaltung wissen, bei der Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens New Yorks für Verdienste um die chassidische Community geehrt wurden.
Im Scherz wurde mir einmal gesagt, es gäbe im Judentum eine Reihe von Festen, die man mit den Worten zusammenfassen könne: "Sie wollten uns töten. Sie haben's nicht geschafft. Lasst uns essen, lasst uns feiern!" In diesem Sinne erscheint ganz New York wie ein jüdisches Fest des über die Vernichtung triumphierenden Lebens. Auch und ganz besonders für die Chassidim. Und Österreich, das sich immer mehr seines mitteleuropäischen Erbes besinnt - samt seiner jüdischen Kultur und samt seiner Schtetlach - kann sich mit ihnen freuen. [*]
http://diepresse.com/home/diverse/zeichen/57171/index.do?from=suche.intern.portal
Mein Kommentar:
Der Autor Jerome R. Mintz beschreibt in seinem Buch "Hasidic People" den Wiederaufbau bzw. die Neuorientierung chassidischer Gruppe in New York. Dabei geht er vor allem auf Bobov, Satmar, Karlin und die Lubawitscher (Chabad) ein.
Eine wunderbare Dokumentation, die ich derzeit auseinandernehme, um an dieser Stelle darüber zu berichten.
Bis in die sechziger Jahre hinein gehörte auch noch der New Yorker Stadtteil CROWN HEIGHTS zum neuerrichteten chassidischen Center. Dieses änderte sich jedoch allmählich, da es immer mehr Auschreitungen von Schwarzen gegenüber den ansässigen Chassidim gab. Zusätzlich war die hohe Kriminalitätsrate der schwarzen Bevölkerung ein Problem.
Das Resultat war, dass viele Gruppen ins benachbarte Borough Park (Boro Park) zogen. Bestes Beispiel hierfür sind die Bobover Chassidim, die ihren Stammsitz in Boro Park eröffneten.
Die einzige Gruppe, die tatsächlich in Crown Heights blieb, sind die Lubawitscher. Und das bis heute mit extremen Ausfällen der schwarzen Bevölkerungsschicht gegen die Chassidim. Von einem netten Miteinander kann zumindest dort keine Rede sein !
Zur Missionierung der Lubawitscher in New York:
Ihre Missionspolitik brachte Chabad nicht selten in Schwierigkeiten. Schauen wir nur auf den Fall des Mendel (Menachem) Wechter, ein Satmarer Chassid, der zu Chabad wechselte und einige seiner Studenten mit sich zog. Hierzu ist viel zu sagen und der Fall ist einen eigenen Artikel wert, doch soll nur einmal erwähnt sein, dass Chabad, zumindest in der Vergangenheit, ihre besten Lehrer aussandte, um zu missionieren. Nicht wie sonst üblich, irgendwelche Neurelig., die da meinen etwas zu wissen, sondern richtig gezielt geschulte Leute, die eigentlich Talmidim Chachamim (herausragende Lehrer) waren. Satmar ist mit irgendeinem neurelig. Schalich (Chabad - Abgesandten) nicht beizukommen und da muss schon ganz anderes Kaliber her.
In Satmar jedenfalls war man sauer und reagierte dementsprechend.
Weiterhin versuchte Chabad, ihre abgespaltene Gruppe, die Malachim, wieder für sich zu gewinnen und begann in dem 50iger Jahren mit einem Missionszug in die New Yorker Synagoge der Malachim. Man schmiss die Chabadnikkim hinaus, dennoch kehrten zwei oder drei Malachim zurück zu Chabad.
Was damals noch möglich war, dürfte heute schwieriger sein, denn heutzutage hegt Chabad den negativen Beigeschmack der Meschichistim. Es macht sich für einen "anständigen" Chassid nicht gut, in eine Gruppe zu wechseln, die dermassen gespalten ist und ein Teil den Lubawitscher Rebben als Meschiach verehrt.
Leider ist damit der gute Ruf, den Chabad einst innehielt, dahin.
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New York
Montag, 24. November 2008
Die "Schluchim" kommen
B"H
An diesem Mittwoch versammeln sich Tausende von Chabad - Abgesandten aus aller Welt (Jiddisch: Schluchim, Hebr.: Schlichim, שליחים) zu einem gigantischen Meeting in New Yorks 770 Eastern Parkway in Crown Heights.

In der Mitte im Hintergrund: Das Haus des letzten Lubavitcher Rebber, welcher im Juni 1994 verstarb. Im Chabad Slang wird das Haus nur 770 genannt.

Beten am Grabe des Rebben.

Der Kongress in New York.
Sämtliche Photos können hier eingesehen werden:
http://bhol.co.il/news_read.asp?id=7495&cat_id=1
An diesem Mittwoch versammeln sich Tausende von Chabad - Abgesandten aus aller Welt (Jiddisch: Schluchim, Hebr.: Schlichim, שליחים) zu einem gigantischen Meeting in New Yorks 770 Eastern Parkway in Crown Heights.

In der Mitte im Hintergrund: Das Haus des letzten Lubavitcher Rebber, welcher im Juni 1994 verstarb. Im Chabad Slang wird das Haus nur 770 genannt.

Beten am Grabe des Rebben.

Der Kongress in New York.
Sämtliche Photos können hier eingesehen werden:
http://bhol.co.il/news_read.asp?id=7495&cat_id=1
Montag, 17. November 2008
Toldos Aharon Rebbe's Shabbos in Boro Park, Brooklyn
B"H
Der Toldot Aharon Rebbe David Kahn gab am vergangenen Schabbat einen riesigen chassidischen Tisch in Boro Park / New York.
Hier ein Bericht des Tisches geschrieben von einem Leser meines englischen SHEARIM - Blogs, der es vorzieht, nicht namentlich genannt zu werden.
Den Originaltext könnt Ihr hier einsehen:
http://shearim.blogspot.com/2008/11/toldos-aharon-rebbes-shabbos-in-boro.html
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Rechts außen sitzend: Der Toldot Aharon Rebbe David Kahn.
B"H
Mit großer Aufregung und Erwartung hiessen die nordamerikanischen Chassidim sowie die Bewunderer des Toldot Aharon Rebben aus Jerusalem in New York zu seinem Kurzbesuch willkommen. Der Rebbe weilt zu dieser Jahreszeit stets auf Amerikabesuch. Hierfür gibt es zwei Gründe: Zum einen um einen Schabbat mit seinen Anhänger der großen chassidischen Gemeinden in der New Yorker Umgebung zu feiern und zum zweiten um in den USA Fundraising zu betreiben. Die Toldot Aharon Institutionen in Jerusalem und Beit Shemesh müssen schließlich erst einmal finanziert sein. Ebenso besucht der Rebbe viele der wohlhabenden Toldot Aharon - Förderer, um Spenden zu erhalten. Gewöhnlich dauert der Besuch einen Monat an. Im vergangenen Jahr verbrachte der Rebbe einen Schabbat in Monsey (bei New York), Williamsburgh, Montreal und South Fallsburg im Staat New York.
In diesem Jahr macht der Rebbe einen kürzeren Besuch, denn demnächst kehrt er eh in wenigen Monaten nach New York zurück, da ein Enkel von ihm heiratet. Dann wird er auch seinen jährlichen "Schabbat in Williamsburg" leiten. Williamsburg, ein Stadtteil in Brooklyn, in welchem die meisten Anhänger und Förderer leben.
Der derzeitige Besuch des Rebben dauert nur zwei Wochen, wobei er nur zwei Schabbatot gibt; einen in Boro Park (Brooklyns größter chassidischer Stadtteil) sowie in Monsey, wo der Rebbe einmal lebte, bevor sein Vater verstarb und die Toldot Aharon Chassidim ihn heim nach Jerusalem holten, um nach seinem Vater die Position des Rebben einzunehmen.
Der Rebbe traf gestern vor einer Woche auf dem Newark Airport ein und verbrachte die Woche im Stadtteil Flatbush, wo er seine Förderer besuchte und einige chassidische Funktionen wahrnahm. Ebenso nahm er an einer wichtigen Hochzeit in der Satmarer Gemeinde in Boro Park teil. Das Video dazu ist hier zu finden:
Seit 8 - 9 Jahren bin ich mit den Toldot Aharon sehr verbunden und zähle viele amerikanische und israelische Chassidim zu meinen Freunden. Und wenn ich einmal in Israel bin, verbringe ich den Schabbat stets in der Gemeinde und besuche den Tisch des Toldot Aharon Rebben. Ich bin nicht chassidisch, aber ich habe eine gehörige Portion Respekt für die chassidischen Gemeinden. Immer wurde ich herzlich von den Chassidim aufgenommen; besonders von den Toldot Aharon. Daher habe ich Letztere sehr in meine Herz geschlossen, da ich ihre "Reinheit", ihr Zelotentum und ihre erstaunliche Traditionsbewahrung schätze. Jedes Jahr verbringe ich wenigstens einen Schabbat mit dem Rebben, wenn er gerade Amerika besucht. Schon vorher treffe ich alle nötigen Vorkehrungen zwecks Mahlzeiten und Unterkunft bei einer Familie in Boro Park, die ich schon viele Jahre lang kenne. Die Familie besitzt ein gesamtes Stockwerk, das nur für Gäste ausgerichtet ist, sodass mein Schabbat jedesmal recht bequem ist. Mit einem Freund, der in einer Yeshiva lernt (ich arbeite derzeit) und der Kontakte zu den Toldot Aharon unterhält und gleichzeitig ein Bewunderer des Rebben ist, zum chassidischen Tisch.
Die Toldot Aharon Chassidim mieteten eine extra Halle für den Rebben zum letzten Schabbat. Hier fanden dann auch die Schabbatgebete statt. Mincha (Nachmittagsgebet) und Kabolas Shabbos (Schabbateingang) wurden in der Menorah Hall an der 14. Straße (Avenue) abgehalten. Da Mincha erst 45 Minuten nach dem Kerzenzünden angesetzt war (was recht spät ist), beteten mein Freund und ich stattdessen in der Synagoge unserer Gastfamilie und entschieden uns dafür, den Toldot Aharon Rebben etwas später beim Tisch zu sehen. Der Tisch sollte um 9 Uhr abends beginnen, aber ein jeder, der zuvor an chassidischen Tischen teilgenommen hat weiß, dass die Zeitangabe nicht immer genau ist. Wir kamen um ca. 21.15 Uhr zum Tisch, um einen guten Stehplatz auf den Metalltribünen zu ergattern. Diese Metallgestelle sind rechts und links um den ewig langen Tisch des Rebben aufgestellt. Der Rebbe sitzt normalerweise am Ende des Tisches, an einem quergestellten Tisch. Am langen Tisch in der Mitte (quer zum Rebben) sitzen führende Rabbiner sowie ältere Chassidim.
Der Tisch fand im Auditorium einer chassidischen Mädchenschule statt. In der "Beit Esther Halle" der Zanz - Klausenburg Chassidim. Die Halle ist nicht besonders groß und ich kann nicht verstehen, warum die Chassidim nicht eine größere Räumlichkeit organisiert hatten. Jedenfalls war die Atmosphäre in dem eher kleinen Raum umso angenehmer, denn jeder fühlte sich dem Rebben irgendwie näher und man konnte ihn hören und sehen.
Der Rebbe traf um ca. 9.45 Uhr ein. Er trug einen Tallit (Gebetsmantel) und seinen silbernen weissgestreiften Jerusalemer Kaftan (Bekishe: glänzender Feiertags - u. Schabbatkaftan). Mit seinem weissen Bart, seinem Streimel (traditionelle Pelzmütze) und seiner glänzenden Bekishe war er von eleganter Erscheinung. Sofort begann er seine Gebete für das freitagliche Schabbatessen zu beten und sang "Ribon Kol HaOlamim". Die Gebete vor dem Kiddusch (Segnung des Weines) waren sehr lang und begleitet von seiner anhaltenden Konzentration und den Melodien der Toldot Aharon Gemeinde. Der Rebbe sprach einen Segen über ein paar Kräuter, welches eigentlich Myrrhezweige waren. Dann machte er mit lauter Stimme Kiddusch. Der Wein wurde aus einer silbernen, mit Ornamenten besetzten, Kanne in den Kidduschbecher gegossen. Dann brachte jemand eine Schüssel herein und der Rebbe wusch sich feierlich und rituell die Hände zur Vorbereitung auf den "HaMotzi - Segen" über die Challot (Schabbatbrote). Traditionell waren für den Rebben immens große Challot vorbereitet worden. Nachdem der Rebbe den Segen über das Brot gesprochen hatte, wurde die Challah in kleinere Scheiben geschnitten und an die anwesenden Chassidim im Raum verteilt. Alles stürzte sich sofort auf die "Schirayim" (Essen, worüber der Rebben einen Segen sprach und dieses somit die Chassidim in obere spirituelle Welten befördern soll) des Rebben.
In der Zwischenzeit war die kleine Beit Esther Halle vollgepackt mit Leuten. Der lange Tisch in der Mitte war für die respektierten Mitglieder der Gemeinde reserviert - Toldot Aharon Chassidim (die von weither angereist waren, um den Rebben zu sehen. Darunter auch einige, die mit ihm aus Jerusalem angereist waren und andere, die aus Monsey und Kanada eingetroffen waren). Zusätzlich waren auch viele nicht - chassidische "litvische" Haredim anwesend, welche die Institutionen der Toldot Aharon ebenfalls finanziell unterstützen. Auf den Metalltribünen rechts und links standen junge Chassidim und ebenso Besucher. Nicht - chassidische Besucher kamen die ganze Zeit über herein; die Litvischen sind stets anhand ihres Borsolinos (Firmenmarke des schwarzen Hutes) auszumachen, ultra - orthodoxe Juden. Der hintere Raum war für die Damen reserviert worden. Zwei Reihen von Laken hingen als Mechitzah (Trennwand zu den Männern) von der Decke herab und ich glaube kaum, dass die Frauen da so leicht durchschauen konnten. Sie konnten den Rebben definitiv hören und ich denke, dass es schmale Löcher in den Laken gab, durch welche die Frauen hindurchschauen konnten.
Der Tisch zog eine grosse Menschenmenge an und es gab einfach nicht genügend Platz auf den Metalltribünen. Mein Freund und ich wurden von allen Seiten eingequetscht. Die Hitze war unerträglich und außerdem schien niemand etwas von einer Klimaanlage gehört zu haben. Kurz gesagt, es war nicht gerade angenehm, dort zu stehen. Immerhin wurden einige Flaschen Seltzer gereicht. Man konnte sich kaum bewegen und als wir zu einem Bekannten auf der gegenüberliegenden Seite gingen, so dauerte es einige Zeit, bis wir unseren Weg durch die Menschenmenge bahnen konnten.
Nachdem der Rebbe mit seinem Mahl begonnen hatte, wurden ihm ausgiebige Speisen und Gänge wie Suppe, zwei Sorten Fisch, Fleisch, Karotten (tsimmes) und farfel (eine Art Reis) serviert. Der Rebbe kostete kurz von allem und der Rest wurde in kleine Behälter gefüllt und durch den Raum gereicht. Zwischendurch wurde gesungen und der Rebbe sprach in Jiddisch über die Thoralesung am Schabbat. Außerdem sagte er, wie wichtig es ist, zu G - tt zu singen (wiederholt diskutierte er den Vers "Tov L'Hodos Lashem, ulezamer l'shimchoh elyon"). Die Höhepunkte des abends waren die herzzereissenden Lieder "Koh Echsoif" und "Koh Ribon Olam", wobei die versammelte Menge mit besonderen Emotionen sang. Dem Rebben während all der Zeremonien zuzuschauen, war ein ganz besonderes Privileg. Er und sein Sohn, welcher neben ihm saß. Sein Sohn lebt in Monsey, New York, und ist der dortige Rabbiner der Toldot Aharon. Vater und Sohn schienen sich in anderen Spähren zu bewegen; fast über allem Weltlichen schienen sie eine Devekut (Nähe zu G - tt) zu erreichen. Ekstasisch und zugleich heilig.
Nach dem Segen nach der Mahlzeit (Benching, Birkat HaMazon) wurden Früchte aufgetragen. Jeder bekam eine Frucht ab. Mein Freund und ich mussten zu dem Zeitpunkt einmal hinausgehen, um frische Luft zu schnappen. Wir hatten die Nase voll vom Eingequetscht sein und brauchten dringend eine Pause.
Am nächsten Morgen wurden die Schabbatgebete um 9.00 Uhr in der Menorah Hall abgehalten. Die Toldot Aharon sind bekannt für ihre ausserordentlich langen Gebete und die Chassidim legen Wert darauf, jedes Wort mit voller Konzentration auszusprechen. Die Zitierung des "Pesukei D'Zimrah" allein dauerte schon eine Stunde, was sehr ungewöhnlich ist. Vor der Thoralesung wurde ein kurzer Kiddusch in der Küche der Dining Hall abgehalten, da man laut Halacha normalerweise den Kiddusch vor dem beginnenden Nachmittag macht, denn nur nach dem Kiddusch darf man am Schabbat essen. Wer zu spät Kiddusch macht, der könnte theoretisch in den Zustand des Fastens kommen. Ein ganz später Kiddusch und bis dahin nichts essen, führt zu einem Fastenzustand und das Fasten ist uns am Schabbat verboten (außer am Yom Kippur, wenn dieser auf einen Schabbat fallen sollte). Der Rebbe las aus der Thora und die Menschenmenge um ihn herum lautschte gebannt. Nachdem das Morgengebet beendet war, stellten sich die Chassidim in eine Reihe auf, um dem Rebben "Gut Schabbes" zu sagen und vielleicht einen Segen von ihm zu erhalten. Danach gab es einen Catering - Lunch in der Menorah Hall, zu dem auch die Gäste eingeladen waren. Mein Freund und ich gingen jedoch zu unserer Gastfamilie zurück.
Am Nachmittag, fast gleich nach dem Mittagessen, denn der Schabbat beginnt und endet früher im Winter, kehrten wir zum Mincha in die Beit Esther Hall zurück. Dort wurde auch der Tisch für die Dritte Schabbatmahlzeit (Shalosh Seudos Tish) abgehalten. Als wir auf den Beginn des Tisches warteten, sprachen wir einige Minuten mit dem Sohn des Rebben, der in Monsey wohnt. Er ist von großer Statur, schlank und trägt den Gesichtsausdruck eines Zeloten. Während wir mit ihm sprachen, lächelte er stets und sein Gesicht war mit dm Ausdruck einer stetigen reinen Freude durchzogen. Er scheint über dieser Welt zu stehen; vollkommen getrennt von dieser materiellen säkuleren Welt. Nur eingebunden in Spritualität. Er fragte uns, wo wir wohnen und was wir so tun im Leben. Er versuchte uns zum Thorastudium zu ermutigen und sagte: "Ashrei Mi She'amolo BaTorah" (Glücklich sei der, der Thora lerne).
Bei den Toldot Aharon ist der Tisch am Schabbat zum Schabbatende hin besonders schön, da alle Lichter ausgeschaltet werden und die Halle von Dunkelheit durchzogen ist. Im Dunkeln singen Hunderte Chassidim heilige Lieder mit dem Rebben.
Zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich, dass anscheinend hinter der Frauenmechitzah Männer herumliefen. Ich sah die Silhouetten von Hüten. Es waren mehrere chassidische Jungen, die dort spielten. Sie waren einfach durch einen Spalt in der Mechitzah gestiegen und liefen frei umher. Die Türen hingegen waren geschlossen. Ich ging hinaus und sprach mit einer Frau aus Monroe (Upstate New York), deren Sohn ich kenne und der sehr aktiv bei den Toldot Aharon mit dabei ist. Die Frau war total sauer, denn die Frauen waren einfach vom Tisch des Rebben ausgesperrt worden. Ich weiß nicht, warum zum Schabbatende hin die Zugangstüren zur Frauenseite verschlossen blieben, aber es scheint mir nicht so als seien die Frauen absichtlich ausgesperrt worden, denn wieso hätte man sonst alle Mühen aufgewandt, um die Trennwand überhaupt erst zu errichten. Eher gab es wohl ein Missverständnis mit dem Hallenbesitzer.
In der Halle ging der Tisch weiter und der Rebbe gab einen kleinen Diskurs auf Jiddisch. Am Ende machte der Rebbe eine öffentliche Havdalah (Zeremonie zum Schabbatausklang). Alles in allem war es ein extrem toller Schabbat mit dem Toldot Aharon Rebben in Boro Park gewesen. Viele Chassidim waren in der Lage gewesen, den Schabbat "b'tzeil rabeini," im "Schatten" ihres Rebben zu verbringen. Viele nicht - chassidische Bewunderer kamen während der Tische sowohl als auch zu den Gebeten. Leider kann ich beim nächsten Schabbat in Mosey nicht anwesend sein, aber es wird sicher genauso toll werden. Ein extra Zelt wird im Vorhof der Toldot Aharon Synagoge errichtet werden
Ich warte schon jetzt sehnsüchtig auf den nächsten Besuch des Rebben in den Staaten, welcher für Ende Januar geplant ist. Dann gehe ich zu der Hochzeit seines Enkels sowohl als auch zum Schabbat in Williamsburg.

Toldot Aharon Chassidim in Mea Shearim / Jerusalem
Der Toldot Aharon Rebbe David Kahn gab am vergangenen Schabbat einen riesigen chassidischen Tisch in Boro Park / New York.
Hier ein Bericht des Tisches geschrieben von einem Leser meines englischen SHEARIM - Blogs, der es vorzieht, nicht namentlich genannt zu werden.
Den Originaltext könnt Ihr hier einsehen:
http://shearim.blogspot.com/2008/11/toldos-aharon-rebbes-shabbos-in-boro.html
__________________

Rechts außen sitzend: Der Toldot Aharon Rebbe David Kahn.
B"H
Mit großer Aufregung und Erwartung hiessen die nordamerikanischen Chassidim sowie die Bewunderer des Toldot Aharon Rebben aus Jerusalem in New York zu seinem Kurzbesuch willkommen. Der Rebbe weilt zu dieser Jahreszeit stets auf Amerikabesuch. Hierfür gibt es zwei Gründe: Zum einen um einen Schabbat mit seinen Anhänger der großen chassidischen Gemeinden in der New Yorker Umgebung zu feiern und zum zweiten um in den USA Fundraising zu betreiben. Die Toldot Aharon Institutionen in Jerusalem und Beit Shemesh müssen schließlich erst einmal finanziert sein. Ebenso besucht der Rebbe viele der wohlhabenden Toldot Aharon - Förderer, um Spenden zu erhalten. Gewöhnlich dauert der Besuch einen Monat an. Im vergangenen Jahr verbrachte der Rebbe einen Schabbat in Monsey (bei New York), Williamsburgh, Montreal und South Fallsburg im Staat New York.
In diesem Jahr macht der Rebbe einen kürzeren Besuch, denn demnächst kehrt er eh in wenigen Monaten nach New York zurück, da ein Enkel von ihm heiratet. Dann wird er auch seinen jährlichen "Schabbat in Williamsburg" leiten. Williamsburg, ein Stadtteil in Brooklyn, in welchem die meisten Anhänger und Förderer leben.
Der derzeitige Besuch des Rebben dauert nur zwei Wochen, wobei er nur zwei Schabbatot gibt; einen in Boro Park (Brooklyns größter chassidischer Stadtteil) sowie in Monsey, wo der Rebbe einmal lebte, bevor sein Vater verstarb und die Toldot Aharon Chassidim ihn heim nach Jerusalem holten, um nach seinem Vater die Position des Rebben einzunehmen.
Der Rebbe traf gestern vor einer Woche auf dem Newark Airport ein und verbrachte die Woche im Stadtteil Flatbush, wo er seine Förderer besuchte und einige chassidische Funktionen wahrnahm. Ebenso nahm er an einer wichtigen Hochzeit in der Satmarer Gemeinde in Boro Park teil. Das Video dazu ist hier zu finden:
Seit 8 - 9 Jahren bin ich mit den Toldot Aharon sehr verbunden und zähle viele amerikanische und israelische Chassidim zu meinen Freunden. Und wenn ich einmal in Israel bin, verbringe ich den Schabbat stets in der Gemeinde und besuche den Tisch des Toldot Aharon Rebben. Ich bin nicht chassidisch, aber ich habe eine gehörige Portion Respekt für die chassidischen Gemeinden. Immer wurde ich herzlich von den Chassidim aufgenommen; besonders von den Toldot Aharon. Daher habe ich Letztere sehr in meine Herz geschlossen, da ich ihre "Reinheit", ihr Zelotentum und ihre erstaunliche Traditionsbewahrung schätze. Jedes Jahr verbringe ich wenigstens einen Schabbat mit dem Rebben, wenn er gerade Amerika besucht. Schon vorher treffe ich alle nötigen Vorkehrungen zwecks Mahlzeiten und Unterkunft bei einer Familie in Boro Park, die ich schon viele Jahre lang kenne. Die Familie besitzt ein gesamtes Stockwerk, das nur für Gäste ausgerichtet ist, sodass mein Schabbat jedesmal recht bequem ist. Mit einem Freund, der in einer Yeshiva lernt (ich arbeite derzeit) und der Kontakte zu den Toldot Aharon unterhält und gleichzeitig ein Bewunderer des Rebben ist, zum chassidischen Tisch.
Die Toldot Aharon Chassidim mieteten eine extra Halle für den Rebben zum letzten Schabbat. Hier fanden dann auch die Schabbatgebete statt. Mincha (Nachmittagsgebet) und Kabolas Shabbos (Schabbateingang) wurden in der Menorah Hall an der 14. Straße (Avenue) abgehalten. Da Mincha erst 45 Minuten nach dem Kerzenzünden angesetzt war (was recht spät ist), beteten mein Freund und ich stattdessen in der Synagoge unserer Gastfamilie und entschieden uns dafür, den Toldot Aharon Rebben etwas später beim Tisch zu sehen. Der Tisch sollte um 9 Uhr abends beginnen, aber ein jeder, der zuvor an chassidischen Tischen teilgenommen hat weiß, dass die Zeitangabe nicht immer genau ist. Wir kamen um ca. 21.15 Uhr zum Tisch, um einen guten Stehplatz auf den Metalltribünen zu ergattern. Diese Metallgestelle sind rechts und links um den ewig langen Tisch des Rebben aufgestellt. Der Rebbe sitzt normalerweise am Ende des Tisches, an einem quergestellten Tisch. Am langen Tisch in der Mitte (quer zum Rebben) sitzen führende Rabbiner sowie ältere Chassidim.
Der Tisch fand im Auditorium einer chassidischen Mädchenschule statt. In der "Beit Esther Halle" der Zanz - Klausenburg Chassidim. Die Halle ist nicht besonders groß und ich kann nicht verstehen, warum die Chassidim nicht eine größere Räumlichkeit organisiert hatten. Jedenfalls war die Atmosphäre in dem eher kleinen Raum umso angenehmer, denn jeder fühlte sich dem Rebben irgendwie näher und man konnte ihn hören und sehen.
Der Rebbe traf um ca. 9.45 Uhr ein. Er trug einen Tallit (Gebetsmantel) und seinen silbernen weissgestreiften Jerusalemer Kaftan (Bekishe: glänzender Feiertags - u. Schabbatkaftan). Mit seinem weissen Bart, seinem Streimel (traditionelle Pelzmütze) und seiner glänzenden Bekishe war er von eleganter Erscheinung. Sofort begann er seine Gebete für das freitagliche Schabbatessen zu beten und sang "Ribon Kol HaOlamim". Die Gebete vor dem Kiddusch (Segnung des Weines) waren sehr lang und begleitet von seiner anhaltenden Konzentration und den Melodien der Toldot Aharon Gemeinde. Der Rebbe sprach einen Segen über ein paar Kräuter, welches eigentlich Myrrhezweige waren. Dann machte er mit lauter Stimme Kiddusch. Der Wein wurde aus einer silbernen, mit Ornamenten besetzten, Kanne in den Kidduschbecher gegossen. Dann brachte jemand eine Schüssel herein und der Rebbe wusch sich feierlich und rituell die Hände zur Vorbereitung auf den "HaMotzi - Segen" über die Challot (Schabbatbrote). Traditionell waren für den Rebben immens große Challot vorbereitet worden. Nachdem der Rebbe den Segen über das Brot gesprochen hatte, wurde die Challah in kleinere Scheiben geschnitten und an die anwesenden Chassidim im Raum verteilt. Alles stürzte sich sofort auf die "Schirayim" (Essen, worüber der Rebben einen Segen sprach und dieses somit die Chassidim in obere spirituelle Welten befördern soll) des Rebben.
In der Zwischenzeit war die kleine Beit Esther Halle vollgepackt mit Leuten. Der lange Tisch in der Mitte war für die respektierten Mitglieder der Gemeinde reserviert - Toldot Aharon Chassidim (die von weither angereist waren, um den Rebben zu sehen. Darunter auch einige, die mit ihm aus Jerusalem angereist waren und andere, die aus Monsey und Kanada eingetroffen waren). Zusätzlich waren auch viele nicht - chassidische "litvische" Haredim anwesend, welche die Institutionen der Toldot Aharon ebenfalls finanziell unterstützen. Auf den Metalltribünen rechts und links standen junge Chassidim und ebenso Besucher. Nicht - chassidische Besucher kamen die ganze Zeit über herein; die Litvischen sind stets anhand ihres Borsolinos (Firmenmarke des schwarzen Hutes) auszumachen, ultra - orthodoxe Juden. Der hintere Raum war für die Damen reserviert worden. Zwei Reihen von Laken hingen als Mechitzah (Trennwand zu den Männern) von der Decke herab und ich glaube kaum, dass die Frauen da so leicht durchschauen konnten. Sie konnten den Rebben definitiv hören und ich denke, dass es schmale Löcher in den Laken gab, durch welche die Frauen hindurchschauen konnten.
Der Tisch zog eine grosse Menschenmenge an und es gab einfach nicht genügend Platz auf den Metalltribünen. Mein Freund und ich wurden von allen Seiten eingequetscht. Die Hitze war unerträglich und außerdem schien niemand etwas von einer Klimaanlage gehört zu haben. Kurz gesagt, es war nicht gerade angenehm, dort zu stehen. Immerhin wurden einige Flaschen Seltzer gereicht. Man konnte sich kaum bewegen und als wir zu einem Bekannten auf der gegenüberliegenden Seite gingen, so dauerte es einige Zeit, bis wir unseren Weg durch die Menschenmenge bahnen konnten.
Nachdem der Rebbe mit seinem Mahl begonnen hatte, wurden ihm ausgiebige Speisen und Gänge wie Suppe, zwei Sorten Fisch, Fleisch, Karotten (tsimmes) und farfel (eine Art Reis) serviert. Der Rebbe kostete kurz von allem und der Rest wurde in kleine Behälter gefüllt und durch den Raum gereicht. Zwischendurch wurde gesungen und der Rebbe sprach in Jiddisch über die Thoralesung am Schabbat. Außerdem sagte er, wie wichtig es ist, zu G - tt zu singen (wiederholt diskutierte er den Vers "Tov L'Hodos Lashem, ulezamer l'shimchoh elyon"). Die Höhepunkte des abends waren die herzzereissenden Lieder "Koh Echsoif" und "Koh Ribon Olam", wobei die versammelte Menge mit besonderen Emotionen sang. Dem Rebben während all der Zeremonien zuzuschauen, war ein ganz besonderes Privileg. Er und sein Sohn, welcher neben ihm saß. Sein Sohn lebt in Monsey, New York, und ist der dortige Rabbiner der Toldot Aharon. Vater und Sohn schienen sich in anderen Spähren zu bewegen; fast über allem Weltlichen schienen sie eine Devekut (Nähe zu G - tt) zu erreichen. Ekstasisch und zugleich heilig.
Nach dem Segen nach der Mahlzeit (Benching, Birkat HaMazon) wurden Früchte aufgetragen. Jeder bekam eine Frucht ab. Mein Freund und ich mussten zu dem Zeitpunkt einmal hinausgehen, um frische Luft zu schnappen. Wir hatten die Nase voll vom Eingequetscht sein und brauchten dringend eine Pause.
Am nächsten Morgen wurden die Schabbatgebete um 9.00 Uhr in der Menorah Hall abgehalten. Die Toldot Aharon sind bekannt für ihre ausserordentlich langen Gebete und die Chassidim legen Wert darauf, jedes Wort mit voller Konzentration auszusprechen. Die Zitierung des "Pesukei D'Zimrah" allein dauerte schon eine Stunde, was sehr ungewöhnlich ist. Vor der Thoralesung wurde ein kurzer Kiddusch in der Küche der Dining Hall abgehalten, da man laut Halacha normalerweise den Kiddusch vor dem beginnenden Nachmittag macht, denn nur nach dem Kiddusch darf man am Schabbat essen. Wer zu spät Kiddusch macht, der könnte theoretisch in den Zustand des Fastens kommen. Ein ganz später Kiddusch und bis dahin nichts essen, führt zu einem Fastenzustand und das Fasten ist uns am Schabbat verboten (außer am Yom Kippur, wenn dieser auf einen Schabbat fallen sollte). Der Rebbe las aus der Thora und die Menschenmenge um ihn herum lautschte gebannt. Nachdem das Morgengebet beendet war, stellten sich die Chassidim in eine Reihe auf, um dem Rebben "Gut Schabbes" zu sagen und vielleicht einen Segen von ihm zu erhalten. Danach gab es einen Catering - Lunch in der Menorah Hall, zu dem auch die Gäste eingeladen waren. Mein Freund und ich gingen jedoch zu unserer Gastfamilie zurück.
Am Nachmittag, fast gleich nach dem Mittagessen, denn der Schabbat beginnt und endet früher im Winter, kehrten wir zum Mincha in die Beit Esther Hall zurück. Dort wurde auch der Tisch für die Dritte Schabbatmahlzeit (Shalosh Seudos Tish) abgehalten. Als wir auf den Beginn des Tisches warteten, sprachen wir einige Minuten mit dem Sohn des Rebben, der in Monsey wohnt. Er ist von großer Statur, schlank und trägt den Gesichtsausdruck eines Zeloten. Während wir mit ihm sprachen, lächelte er stets und sein Gesicht war mit dm Ausdruck einer stetigen reinen Freude durchzogen. Er scheint über dieser Welt zu stehen; vollkommen getrennt von dieser materiellen säkuleren Welt. Nur eingebunden in Spritualität. Er fragte uns, wo wir wohnen und was wir so tun im Leben. Er versuchte uns zum Thorastudium zu ermutigen und sagte: "Ashrei Mi She'amolo BaTorah" (Glücklich sei der, der Thora lerne).
Bei den Toldot Aharon ist der Tisch am Schabbat zum Schabbatende hin besonders schön, da alle Lichter ausgeschaltet werden und die Halle von Dunkelheit durchzogen ist. Im Dunkeln singen Hunderte Chassidim heilige Lieder mit dem Rebben.
Zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich, dass anscheinend hinter der Frauenmechitzah Männer herumliefen. Ich sah die Silhouetten von Hüten. Es waren mehrere chassidische Jungen, die dort spielten. Sie waren einfach durch einen Spalt in der Mechitzah gestiegen und liefen frei umher. Die Türen hingegen waren geschlossen. Ich ging hinaus und sprach mit einer Frau aus Monroe (Upstate New York), deren Sohn ich kenne und der sehr aktiv bei den Toldot Aharon mit dabei ist. Die Frau war total sauer, denn die Frauen waren einfach vom Tisch des Rebben ausgesperrt worden. Ich weiß nicht, warum zum Schabbatende hin die Zugangstüren zur Frauenseite verschlossen blieben, aber es scheint mir nicht so als seien die Frauen absichtlich ausgesperrt worden, denn wieso hätte man sonst alle Mühen aufgewandt, um die Trennwand überhaupt erst zu errichten. Eher gab es wohl ein Missverständnis mit dem Hallenbesitzer.
In der Halle ging der Tisch weiter und der Rebbe gab einen kleinen Diskurs auf Jiddisch. Am Ende machte der Rebbe eine öffentliche Havdalah (Zeremonie zum Schabbatausklang). Alles in allem war es ein extrem toller Schabbat mit dem Toldot Aharon Rebben in Boro Park gewesen. Viele Chassidim waren in der Lage gewesen, den Schabbat "b'tzeil rabeini," im "Schatten" ihres Rebben zu verbringen. Viele nicht - chassidische Bewunderer kamen während der Tische sowohl als auch zu den Gebeten. Leider kann ich beim nächsten Schabbat in Mosey nicht anwesend sein, aber es wird sicher genauso toll werden. Ein extra Zelt wird im Vorhof der Toldot Aharon Synagoge errichtet werden
Ich warte schon jetzt sehnsüchtig auf den nächsten Besuch des Rebben in den Staaten, welcher für Ende Januar geplant ist. Dann gehe ich zu der Hochzeit seines Enkels sowohl als auch zum Schabbat in Williamsburg.

Toldot Aharon Chassidim in Mea Shearim / Jerusalem
Labels:
Chassidischer Tisch,
Gastbeitraege,
New York,
Toldot Aharon
Freitag, 24. Oktober 2008
Guest Posting von Yisroel - Stimmen der Admorim und Ben-Zion Halberstam von Bobov
B"H
Schon immer war ich neugierig darauf zu erfahren, wie denn wohl ein chassidischer Tisch in New York (Boro Park, Williamsburgh, etc.) ausschaut. Da ich in Israel lebe und nicht in den Staaten bin, fragte ich einmal herum, ob nicht jemand von dort Interesse hätte, einige Gastbeiträge zu verfassen. Yisroel, ein Chazan, sagte sofort zu und ich bin ihm sehr dankbar dafür.
Dieses ist sein erster Artikel und ich hoffe, dass das Thema bei den Lesern ankommt !
Vokabel:
ADMURIM (ADMORIM) – Adoneinu Moreinu Rabbeinu = ein chassidischer Rebbe
_________________
Stimmen der Admorim und Ben-Zion Halberstam von Bobov:
Es gibt wohl kaum ein Gegenargument, dass die süßeste Stimme unter den heutigen Rebben die des Ben – Zion Halberstam ist.
Um mich kurz vorzustellen:
Mein Name ist Yisroel und ich bin ein Baal Teshuva (geborener Jude und im späteren Verlauf des Lebens religiös geworden). Ich bin ein begeisterter Leser von Miriam's SHEARIM. Ich arbeite als Chazan (Vorsänger in der Synagoge) und ungefähr während der letzten drei Jahre begann meine Liebe zum Chassidismus.
Es begann in einem Stiebel (kleine Synagoge) in Lakewood, New Jersey (USA), wo ich einen Schabbat verbrachte. Sobald das Eröffnungslied "Lechu Neranana" erklang, war ich hin und weg. Niemals zuvor hatte ich Leute so laut beten hören. Ich wußte von modern - orthodoxen Synagogen, die sehr litvischen Synagogen in Lakewood, in denen gewiß niemand "Lecha Dodi" zu laut sang, und ich wußte von den konservativen Synagogen. Hier jedoch wurden die Worte nicht nur laut ausgesprochen, sondern ausgerufen ! Laut herausgesungen von "Lechu Neranana bis hin zu "Et Menuchati". Jedes Wort wurde mit Leidenschaft und Intensität gausgesprochen. Als wir beim Lied "Lecha Dodi" ankamen, hörte ich eine chassidische Melodie (Niggun), bei der ich mich sogleich heimisch fühlte. Jeder sang mit – sogar die kleinen Kinder.
Es war eine Erfahrung, die mich letztendlich jene Wörter analysieren liess, welche ich seit wenigen Jahren als Chazan zu sagen pflegte. Schließlich befasste ich mich immer mehr mit dem Gebet und so lernte ich eine ganz neue Bedeutung kennen. Seit diesem ersten Erlebnis mit den Chassidim habe ich praktisch jede meiner arbeitsfreien Wochen als Chazan genutzt, um am Schabbat chassidische Gemeinden zu besuchen. Niemals zuvor fand ich bessere relig. Inspirationen als in den chassidischen Melodien (Niggunim). Immer noch entdecke ich Neues, wenn ich Gemeinden wie die der chassidischen Gruppen Satmar, Skver, Bobov, Belz und Stolin (Karlin) besuche.
Am Chol HaMoed (Zwischenfeiertage) Sukkot nahm ich am chassidischen Tisch bei Bobov in der 48. Straße teil. Nach einem ewigen Warten in der Sukkah (Laubhütte), entschied ich mich dafür, etwas die Synagoge zu erforschen; nur um zu entdecken, dass in ihr schon ein vorzeitiger Tisch stattfand. Die Synagoge war gerammelt voll (vielleicht 1000 Leute) und die Frauenemporen waren ebenso gefüllt. Das Interessante an Bobov ist, das ein Mann, welcher in den zweiten oder dritten Stock hinaufschaut, die Frauen sehen kann, falls diese stehen sollten; was sie übrigens meistens tun. Bobov scheint diesbezüglich liberaler zu sein als andere Gruppen.
Gesang und Tanz auf den vorderen Bänken (der Männer) waren sehr bewegend und intensiv. Erfolgreich gelang ich in die vorderste Reihe und schüttelte sogar dem Rebben die Hand. Er wünschte mir einen schönen Feiertag zusammen mit einem warmem Lächeln. Kurz darauf begann der chassidische Tisch in der Bobover Sukkah (Laubhütte) und es gab eine Menge zu essen. Tatsächlich stopfte ich mich bis zum Eintreffen des Rebben voll Kugel (Pastete) und Salate.
Zu Beginn sang der Rebbe "Shir HaMa'a lot" dreimal, so wie es der Brauch in Bobov ist. Die Chassidim stimmten jedesmal nach wenigen Versen mit einer Melodie ein. Jeder singt wie auf ein Stichwort. Bei Bobov wird nichts dem Zufall überlassen zu sein und Spontanität scheint ausgeschlossen. Jeder hat seinen Platz, jede Melodie ist festgelegt, jeder Ton erfolgt genau zu seiner Zeit. Nichtsdestotrotz ist diese Planung wunderbar und die Stimme des Rebben beim "Sir HaMa'a lot" zu hören liess mich nur so wegschmelzen. Zum ersten Male hörte ich ihn mit dem Mikrofon (ohne Mikro hat er eine eher dünne Stimme) und die Süße der Stimme stach auf diese Weise besonders hervor. Ich stellte mir leuchtende Farben vor, die von seinen Lippen kommen und so den süßen Gesang begleiten.
Von all den Rebben habe ich nie zuvor einen schöneren Gesang vernommen. Der zweite Rebbe (die Chassidut Bobov ist in zwei Gruppen mit je einem Rebben gespalten), Rabbi Mordechai David Unger, liegt in seinem Gesang nicht weit hinter dem Rebben Ben – Zion Halberstam. Allerdings scheint er die Wörter noch intensiver auszusprechen bzw. sie auszudrücken. Manche mögen das eine höhere Kavanah (Konzentration) nennen. Was immer es auch ist, es gleicht einer süßen Stimme in sich selbst.
Eine weitere bemerkenswerte Stimme hat der Kaliver Rebbe. Ja, sie ist ein wenig brüchig, aber dennoch einzigartig. Er scheint so ausgesprochen angesehen zu sein, dass er sogar bei der Belzer Bar Mitzwah im vergangenen Jahr gebeten, einige Lieder vorzutragen. Einer meiner weiteren Lieblingssänger ist der chassidische Rabbi Gerstner, jedoch verfüge ich über keine näheren Informationen seine Person betreffend. Falls jemand mehr weiß, kann er mich das gerne wissen lassen. Auf der DVD "Bechatzrot Kadsheinu" scheint er wie ein großer Rabbiner behandelt zu werden. Er hat eine ungewöhnlich süße Stimme. Ich hörte ihn das berühmte Lied Ilan singen genauso wie er einige Segen sprach.
Aber zurück zum Bobov Tisch. Die Sukkah war bis zur letzten Kapazität gefüllt und schließlich, wie in jedem Jahr, zogen die Geiger hinter dem Rebben in Stellung. Ungefähr ein Dutzend Geiger spielten einige bekannte Lieder wie das "Kol Rina", in welches alle miteinstimmen wollten. Allerdings wurde man zur Ruhe befohlen. Der Auftritt war nicht so professionell wie der eines Orchesters, aber für die Gelegenheit war es durchaus passabel. Sicher zehnmal besser als wenn der Kretchnifer Rebbe oder der Zutchka Rebbe (so glaube ich) an Chanukkah spielen. So jedenfalls ist es ihr Brauch. Ich glaube, dass der Premishalemer Rebbe auch Violine spielt; aber besser als die anderen Rebbes.
Bobov verfügt über einen interessanten Brauch, wenn Leute von außerhalb anwesend sind. Vielleicht nicht nur dann, sondern auch zu anderen Zeiten – was ich aber bisher noch nicht miterlebte. Man verteilt riesige Bierflaschen und jede Flasche ist einer bestimmten Person von außerhalb der Stadt gewidmet. Der Gabbai schreit dann "Yossele Greem aus London" und die Flasche erreicht die ausgerufene Person. Der Empfänger teilt nach Erhalt den Flascheninhalt mit seinen Banknachbarn. Dasselbe gilt für die Shirayim, das Essen, welches der Rebbe austeilt" "Yosef Baus aus Bnei Brak" und jeder Chassid reicht das Essen an den ausgerufenen Empfänger weiter. Irgendwie landete ich dort, wo viel Bier ausgeteilt wurde und ich war fast am alkoholischen Ende. Der Gesang ging weiter und danach sprach der Rebbe für ungefähr 25 Minuten. Insgesamt war es eine wundervolle Nacht. Der Bobover Tisch ist definitiv eine Erfahrung; dennoch scheint er für mich persönlich niemals die Intensität des Skverer oder Karlin – Stoliner Tisches zu erreichen.
In den folgenden Wochen werde ich bei Satmar und Skver vorbeischauen und freue mich auf neue Berichterstattungen.
Schon immer war ich neugierig darauf zu erfahren, wie denn wohl ein chassidischer Tisch in New York (Boro Park, Williamsburgh, etc.) ausschaut. Da ich in Israel lebe und nicht in den Staaten bin, fragte ich einmal herum, ob nicht jemand von dort Interesse hätte, einige Gastbeiträge zu verfassen. Yisroel, ein Chazan, sagte sofort zu und ich bin ihm sehr dankbar dafür.
Dieses ist sein erster Artikel und ich hoffe, dass das Thema bei den Lesern ankommt !
Vokabel:
ADMURIM (ADMORIM) – Adoneinu Moreinu Rabbeinu = ein chassidischer Rebbe
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Stimmen der Admorim und Ben-Zion Halberstam von Bobov:
Es gibt wohl kaum ein Gegenargument, dass die süßeste Stimme unter den heutigen Rebben die des Ben – Zion Halberstam ist.
Um mich kurz vorzustellen:
Mein Name ist Yisroel und ich bin ein Baal Teshuva (geborener Jude und im späteren Verlauf des Lebens religiös geworden). Ich bin ein begeisterter Leser von Miriam's SHEARIM. Ich arbeite als Chazan (Vorsänger in der Synagoge) und ungefähr während der letzten drei Jahre begann meine Liebe zum Chassidismus.
Es begann in einem Stiebel (kleine Synagoge) in Lakewood, New Jersey (USA), wo ich einen Schabbat verbrachte. Sobald das Eröffnungslied "Lechu Neranana" erklang, war ich hin und weg. Niemals zuvor hatte ich Leute so laut beten hören. Ich wußte von modern - orthodoxen Synagogen, die sehr litvischen Synagogen in Lakewood, in denen gewiß niemand "Lecha Dodi" zu laut sang, und ich wußte von den konservativen Synagogen. Hier jedoch wurden die Worte nicht nur laut ausgesprochen, sondern ausgerufen ! Laut herausgesungen von "Lechu Neranana bis hin zu "Et Menuchati". Jedes Wort wurde mit Leidenschaft und Intensität gausgesprochen. Als wir beim Lied "Lecha Dodi" ankamen, hörte ich eine chassidische Melodie (Niggun), bei der ich mich sogleich heimisch fühlte. Jeder sang mit – sogar die kleinen Kinder.
Es war eine Erfahrung, die mich letztendlich jene Wörter analysieren liess, welche ich seit wenigen Jahren als Chazan zu sagen pflegte. Schließlich befasste ich mich immer mehr mit dem Gebet und so lernte ich eine ganz neue Bedeutung kennen. Seit diesem ersten Erlebnis mit den Chassidim habe ich praktisch jede meiner arbeitsfreien Wochen als Chazan genutzt, um am Schabbat chassidische Gemeinden zu besuchen. Niemals zuvor fand ich bessere relig. Inspirationen als in den chassidischen Melodien (Niggunim). Immer noch entdecke ich Neues, wenn ich Gemeinden wie die der chassidischen Gruppen Satmar, Skver, Bobov, Belz und Stolin (Karlin) besuche.
Am Chol HaMoed (Zwischenfeiertage) Sukkot nahm ich am chassidischen Tisch bei Bobov in der 48. Straße teil. Nach einem ewigen Warten in der Sukkah (Laubhütte), entschied ich mich dafür, etwas die Synagoge zu erforschen; nur um zu entdecken, dass in ihr schon ein vorzeitiger Tisch stattfand. Die Synagoge war gerammelt voll (vielleicht 1000 Leute) und die Frauenemporen waren ebenso gefüllt. Das Interessante an Bobov ist, das ein Mann, welcher in den zweiten oder dritten Stock hinaufschaut, die Frauen sehen kann, falls diese stehen sollten; was sie übrigens meistens tun. Bobov scheint diesbezüglich liberaler zu sein als andere Gruppen.
Gesang und Tanz auf den vorderen Bänken (der Männer) waren sehr bewegend und intensiv. Erfolgreich gelang ich in die vorderste Reihe und schüttelte sogar dem Rebben die Hand. Er wünschte mir einen schönen Feiertag zusammen mit einem warmem Lächeln. Kurz darauf begann der chassidische Tisch in der Bobover Sukkah (Laubhütte) und es gab eine Menge zu essen. Tatsächlich stopfte ich mich bis zum Eintreffen des Rebben voll Kugel (Pastete) und Salate.
Zu Beginn sang der Rebbe "Shir HaMa'a lot" dreimal, so wie es der Brauch in Bobov ist. Die Chassidim stimmten jedesmal nach wenigen Versen mit einer Melodie ein. Jeder singt wie auf ein Stichwort. Bei Bobov wird nichts dem Zufall überlassen zu sein und Spontanität scheint ausgeschlossen. Jeder hat seinen Platz, jede Melodie ist festgelegt, jeder Ton erfolgt genau zu seiner Zeit. Nichtsdestotrotz ist diese Planung wunderbar und die Stimme des Rebben beim "Sir HaMa'a lot" zu hören liess mich nur so wegschmelzen. Zum ersten Male hörte ich ihn mit dem Mikrofon (ohne Mikro hat er eine eher dünne Stimme) und die Süße der Stimme stach auf diese Weise besonders hervor. Ich stellte mir leuchtende Farben vor, die von seinen Lippen kommen und so den süßen Gesang begleiten.
Von all den Rebben habe ich nie zuvor einen schöneren Gesang vernommen. Der zweite Rebbe (die Chassidut Bobov ist in zwei Gruppen mit je einem Rebben gespalten), Rabbi Mordechai David Unger, liegt in seinem Gesang nicht weit hinter dem Rebben Ben – Zion Halberstam. Allerdings scheint er die Wörter noch intensiver auszusprechen bzw. sie auszudrücken. Manche mögen das eine höhere Kavanah (Konzentration) nennen. Was immer es auch ist, es gleicht einer süßen Stimme in sich selbst.
Eine weitere bemerkenswerte Stimme hat der Kaliver Rebbe. Ja, sie ist ein wenig brüchig, aber dennoch einzigartig. Er scheint so ausgesprochen angesehen zu sein, dass er sogar bei der Belzer Bar Mitzwah im vergangenen Jahr gebeten, einige Lieder vorzutragen. Einer meiner weiteren Lieblingssänger ist der chassidische Rabbi Gerstner, jedoch verfüge ich über keine näheren Informationen seine Person betreffend. Falls jemand mehr weiß, kann er mich das gerne wissen lassen. Auf der DVD "Bechatzrot Kadsheinu" scheint er wie ein großer Rabbiner behandelt zu werden. Er hat eine ungewöhnlich süße Stimme. Ich hörte ihn das berühmte Lied Ilan singen genauso wie er einige Segen sprach.
Aber zurück zum Bobov Tisch. Die Sukkah war bis zur letzten Kapazität gefüllt und schließlich, wie in jedem Jahr, zogen die Geiger hinter dem Rebben in Stellung. Ungefähr ein Dutzend Geiger spielten einige bekannte Lieder wie das "Kol Rina", in welches alle miteinstimmen wollten. Allerdings wurde man zur Ruhe befohlen. Der Auftritt war nicht so professionell wie der eines Orchesters, aber für die Gelegenheit war es durchaus passabel. Sicher zehnmal besser als wenn der Kretchnifer Rebbe oder der Zutchka Rebbe (so glaube ich) an Chanukkah spielen. So jedenfalls ist es ihr Brauch. Ich glaube, dass der Premishalemer Rebbe auch Violine spielt; aber besser als die anderen Rebbes.
Bobov verfügt über einen interessanten Brauch, wenn Leute von außerhalb anwesend sind. Vielleicht nicht nur dann, sondern auch zu anderen Zeiten – was ich aber bisher noch nicht miterlebte. Man verteilt riesige Bierflaschen und jede Flasche ist einer bestimmten Person von außerhalb der Stadt gewidmet. Der Gabbai schreit dann "Yossele Greem aus London" und die Flasche erreicht die ausgerufene Person. Der Empfänger teilt nach Erhalt den Flascheninhalt mit seinen Banknachbarn. Dasselbe gilt für die Shirayim, das Essen, welches der Rebbe austeilt" "Yosef Baus aus Bnei Brak" und jeder Chassid reicht das Essen an den ausgerufenen Empfänger weiter. Irgendwie landete ich dort, wo viel Bier ausgeteilt wurde und ich war fast am alkoholischen Ende. Der Gesang ging weiter und danach sprach der Rebbe für ungefähr 25 Minuten. Insgesamt war es eine wundervolle Nacht. Der Bobover Tisch ist definitiv eine Erfahrung; dennoch scheint er für mich persönlich niemals die Intensität des Skverer oder Karlin – Stoliner Tisches zu erreichen.
In den folgenden Wochen werde ich bei Satmar und Skver vorbeischauen und freue mich auf neue Berichterstattungen.
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