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Montag, 28. Juni 2010

Tiere im Chassidismus

B"H

Die Mehrheit der in Israel lebenden religiösen Juden besitzt keinerlei Haustiere. Manche sagen, dass es halachisch verboten sei, am Schabbat jegliche Tiere zu füttern, andere wiederum meinen, dass dies schon in Ordnung gehe. Zweierlei Ansichten bestehen genauso darüber, ob ein Tier am Schabbat nun Muktzeh (Dinge, die man am Schabbat zur Seite legt wie, z.B., Stifte) oder nicht.

Was in Israel auffällt, ist die relativ hohe Anzahl relig. Kinder, die mit Tieren nichts anzufangen wissen und sie sogar gelegentlich auf der Straße misshandeln. Anscheinend haben ihre Eltern / Lehrer es versäumt, solchen Kindern die Achtung vor G - ttes Erschaffung beizubringen !

Schauen wir also einmal in die chassidische Literatur was diese bezüglich "Tiere" zu sagen hat:

Der Glaube an Seelenwanderungen (Wiedergeburt der Seele - "Gilgul" auf Hebräisch) verursacht normalerweise eine vorsichtige Handhabe der Chassidim mit Tieren. Rabbi Chaim Vital (der engste Schüler des Kabbalisten, Rabbi Yitzchak Luria, 1534 - 1572), schreibt in seinem "Sefer HaGilgulim", dass die Seele eines Verstorbenen in Tieren, Pflanzen oder Steine reinkarniert werden kann. Rabbi Vital war der Meinung, dass "die Mehrheit der Menschen unserer Generation aus reinkarnierten Seelen von wilden Tieren sowie Vieh besteht" (Sefer HaGilgulim, Kapitel 66).

Einer Legende zufolge traf der Besht (Baal Shem Tov) einst auf einen Frosch, in welchem die Seele eines gelehrten Juden reinkarniert war. Der Jude hatte zu Lebzeiten die jüdische Mitzwah des rituellen Händewaschens vor dem Brotessen nicht allzu ernst genommen (siehe "Shivtei HaBesht, Seite 49). Der Baal Shem Tov - Anhänger Rabbi Yaakov Joseph von Polonnoye hatte seinerzeit eine koscher geschlachtete Gans für "unrein" erklärt, denn die Gans enthielt eine Reinkarnation eines Juden (siehe "Meirat Einayim, Seite 279). Ebenso berichtet uns der Baal Shem Tov in seinem Kommentar zur Thora Parashat Mishpatim von einer seltsamen Begebenheit um eine Reinakarnation.

Legenden zufolge war der Besht mit der Sprache der Vögel sowie allen möglichen Getiers vertraut. Rabbi von Zbarazh erlaubte seinem Kutscher nicht, auf das Pferd einzuprügeln, denn es könnte sich theoretisch eine Reinkarnation in dem Pferd befinden. "Von der Katze lernen wir Anstand, von der Ameise Ehrlichkeit, vom Tiger Mut und vom Adler Fleiß", sagte einst ein chassidischer Rabbiner.

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Quelle:

"The Encyclopedia of Hasidism" von
Tzvi M. Rabinowicz

Donnerstag, 30. Juli 2009

Toldot Aharon Rebbe beim Siyum Bereshit

Der Toldot Aharon Rebbe David Kahn beim Siyum (Lernende) des Kommentares zum Buch Bereshit (Genesis) des kabbalistischen Zohar.
Die Rede des Rebben ist in jiddischer Sprache. Ich verstehe kaum ein Wort, denn das ungarische Jiddisch ist oft grauenvoll schwer zu verstehen.


Samstag, 4. April 2009

Zum Unterschied zwischen Mensch und Tier

B"H

Kabbalistische sowie chassidische Rabbiner kommentieren den Unterschied zwischen Mensch und Tier:

a) Der Mensch besitzt einen Intellekt und hat die Fähigkeit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

b) Nur der Mensch kann durch das Einhalten der Thoragesetze zu immer höheren Leveln aufsteigen; kann sich so von der tierischen Seele (Nefesch) bis hin zum höheren Seelenlevel Neschama hinaufarbeiten.

c) Der Mensch verfügt über die Fähigkeit zu sprechen, wobei Rabbi Nachman von Breslov hierbei auf das Reden mit Bina (Verstehen) hindeutet.

Montag, 9. Februar 2009

"Der Baal Shem Tov und der Frosch" oder "Tiere im Chassidismus"

B"H

Da der Chassidismus weitgehend auf der Kabbalah des Rabbi Yitzchak Luria (dem ARIZAL), 1534 - 1572, basiert, ist auch die Reinkarnationslehre von besonderer Bedeutung. Im Judentum besteht das Konzept, dass die Seele eines Toten reinkarniert werden KANN, aber nicht muss. Meist handelt es sich um Männer, deren Seele reinkarniert wird.

Die Reinkarnation einer Seele bedeutet im allgemeinen eine Strafe, denn der Besitzer handelte zu Lebzeiten gegen G - tt oder zumindest hat er nicht seine für ihn von G - tt vorgesehenen Ziele erreicht. Eine Version lautet, dass die gelangen. Die zweite, aber mit der ersten verbundenen Variante lautet, dass die reinkarnierte Seele gleichzeitig einen eigenen Tikun (Reparatur) durchläuft. Sich sozusagen verbessert und somit ihren eigentlichen Platz in der Kommenden Welt erreicht. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, denn eine reinkarnierte Seele muss sich nicht immer im "neuen Menschen" verperfektionieren, sondern kann ihre Position sogar noch verschlechtern !

Laut der Lurianischen Kabbalah kann die Seele in anderen Menschen, in Tieren, Pflanzen oder auch in Steinen reinkarniert werden. Wobei die Reinkarnation in einem Stein als besonders schlimme Strafe gilt. Nichtsdestotrotz, eine Reinkarnation gilt nur auf bestimmte Zeit und danach findet die Seele ihre Ruhe. Weiterhin ist es möglich die reinkarnierte Seele von Level zu Level anzuheben. Zum Beispiel kann die Reinkarnation aus dem Stein zu bestimmten Jahreszeiten in einer Pflanze untergebracht werden. Von der Pflanze zum Tier und vom Tier in den Menschen.

Dies nur vorweg bezüglich der Bedeutung der Tiere im Chassidismus, denn eigentlich beabsichtige ich, ein kleines Beispiel vom Baal Shem Tov zu geben.
Einmal meditierte der Baal Shem Tov (ca.1700 - 1760) drei Tage und drei Nächte lang dermassen tief, dass er gar nicht mitbekam, dass er sich fortbewegte. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er sich in einer riesigen Wüste befand und er hatte keinerlei Ahnung, wie er dahingekommen war.

Ein riesiger Frosch kam auf ihn zu und der Baal Shem Tov fragte diesen: "Wer bist Du denn ?"
"Ich war einmal ein großer jüdischer Gelehrter und jetzt ist meine Seele in einem Frosch reinkarniert".
"Du bist tatsächlich ein großer Gelehrter", gab der Baal Shem Tov zurück und in demselben Moment wurde die reinkarnierte Seele auf einen hohen Level befördert.

Der Frosch berichtete, dass seine Seele schon seit 500 Jahren in diesem Frosch steckt und selbst als der große Kabbalist Yitzchak Luria seinerzeit sämtliche Reinkarnationen erlöste, traf dies nicht auf ihn (den Frosch zu). Sein Vergehen sei so schwerwiegend gewesen, dass es vorerst keinerlei Gnade gab.

"Was war Dein Vergehen ?" fragte der Baal Shem Tov.
"Ich war beim Händewaschen vor dem Brotessen nachlässig und wie das so ist, begeht man eine Sünde, folgt auch schon die nächste. Am Ende brach ich fast alle Gesetze G - ttes und für Gnade war es fast zu spät. Zumindet interessierte mich die Gnade gar nicht mehr, obwohl se mir bestimmt erteilt worden wäre. Zum Trinker geworden verstarb ich und wurde in einem Frosch reinkarniert. In einem Tier, welches stets im Wasser ist und so bekam ich meine Strafe für die Nachlässigkeit beim Händewaschen.

Der Baal Shem Tov erlöste die Seele, erhob sie auf einen hohen Level und der Frosch lag tot da.
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- Im Judentum ist es Halacha, sich vor dem Brotessen rituell de Hände zu waschen.

- Als der Baal Shem Tov mit dem Frosch zu reden begann und dieser antwortete, war ihm bewusst, dass es sich hier um eine reinkarnierte Seele handelte und er wusste was diesbezüglich zu tun war.

Dienstag, 20. Januar 2009

… und die Engel wohnen da oben

B"H

Wer von uns hat sich nicht schon einmal vorgestellt, wie das wäre, wenn plötzlich ein Engel vom Himmel herabsteigt und uns all unsere Probleme lost ? Ganz so wie im Film halt.
Engel haben normalerweise eine Aufgabe und helfen ebenso uns Menschen. Schutzengel zum Beispiel. Wären wir nicht froh, einmal unseren ganz privaten Schutzengel zu treffen, der uns da unaufhörlich vor allem und jedem beschützt ?

Engel finden in der Thora, dem Talmud, dem kabbalistischen ZOHAR sowie der Midrasch Erwähnung. Der Baal Shem Tov sagte, dass die Engel anhand unserer Gebet zu G – tt ernährt werden.
Wie soll das möglich sein ? Ernährt durch unsere Gebete zu G – tt ?
Die Antwort des Baal Shem Tov selbst lautet, dass sein Konzept eine Illusion darstellt, denn Engel sind nichts anderes als G – ttes "Kleidung". Eigene, von Ihm ausgehende, Kräfte. Die Engel, die eben jene Kräfte symbolisieren, sind ein Teil G – ttes. Er nämlich reagiert und agiert mit unterschiedlichen Kräften, welche normalerweise durch die Sefirot (Symbole der Charaktereigenschaften G – ttes in der Kabbalah) verdeutlicht werden.

Andererseits lehren uns der Talmud und der Mezritcher Maggid (Rabbi Dov Baer Friedman), dass Engel nicht den Hauch eines Freien Willens besitzen. Ein jeder von ihnen hat eine Aufgabe und erfüllt den Willen G – ttes. Ferner verfügen Engel über keine Grundlage, ihre Aufgabe zu verändern bzw. in eine andere Richtung zu lenken. Wir hingegen besitzen einen Freien Willen und haben eine Wahl im Leben.
Darüberhinaus sagte der Maggid von Mezritch, dass sich Menschen auf einem höheren Level befinden als die Engel, denn ihre Seelen (Neschamot) kommen aus der oberen Welt der Beriah. Engel dagegen kommen nur aus der Welt der Yetzirah (einen Level unter der Beriah).

Das "Engelkonzept" im Judentum ist nicht einfach zu verstehen und es bestehen mehrere Ansichten diesbezüglich. Die Mehrheit der Kommentatoren ist allerdings der Meinung, dass wenn es in der Thora heißt, dass ein Engel mit Moshe etc. redet, es sich dabei tatsä chlich im G – tt handelt. G – tt auf einem Seiner Level, anhand denen Er sich der Menschheit offenbart. Und gewöhnlich sorgen all diese verschiedenen Konzepte die Leute, mich selbst miteingeschlossen. Erst sind Engel eigentlich ein Bestandteil
G – ttes und dann lautet es, sie besitzen keinen Freien Willen, haben aber eine Aufgabe. Demnach sind sie dann doch Wesen oder etwa nicht ? Eine Art spirituelle Wesen.

In der höchsten der Welten, in der Atzilut, gibt es nur den puren Gedanken und keinerlei Sprache, denn dort "existiert" G – tt allein und keinerlei Engel.
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Anmerkung:
Bitte berücksichtigen, dass es sich bei den oberen Welten immer nur um spirituelle Einheiten bzw. Symbole und keineswegs reale Welten handelt . Die Symbole beschreiben lediglich einen spirituellen Zustand.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Golem

B"H

Eine populäre Folkloreidee, in welcher ein Körper gemäß der Kabbalah, in diesem Falle der "Parktischen Kabbalah", zusammengesetzt wird. Laut kabbalistischen Maßstäben kann dies nur mit jeder Erde geschehen, welche von einem Boden stammt, der zuvor noch nie von Menschen betreten worden ist. Es handelt sich also um ganz spezielle Erde. Das "Sefer Yetzirah - The Book of Creation" beschreibt die Herstellung eines Golem, aber hoffentlich rennt jetzt nicht jeder los und kauft das Buch.

Der Talmud Sanhedrin 38b lehrt, dass Adam HaRishon (der Erste Mensch) während der ersten zwölf Stunden seines Dasein als "Golem" bezeichnet wird. Die Historie nennt uns mehrere Rabbiner, welche anscheinend einen Golem formten. Darunter Rava, ein Rabbiner aus dem 3. Jahrhundert, der einen Golem erschuf, welcher allerdings nicht sprechen konnte. Rava's Kollege Zera verwandelte die Gestalt wieder in Staub zurück. Zusätzlich wird im Talmud von Rabbinern berichtet, die an jedem Erev Schabbat (Freitag abend) ein Kalb in kabbalistischem Sinne erzeugten und aufaßen.
Diverse Literatur berichtet, dass selbst der Prophet Jeremia (Yirmeyahu) ein Golem erzeugte.

Der berühmteste Golem stammt angeblich aus Prag. Geformt vom Maharal (Rabbi Loew ben Bezalel, 1525 - 1609). Dieser Golem sollte die damalige Gemeinde beschützen, doch wurde er kurz nach seiner Entstehung wieder ausrangiert.

Rabbi Zvi Hirsch Aschkenazi und sowie der bekannte deutsche Rabbiner Jakob Emden diskutierten einmal darüber, ob ein Golem halachisch betrachtet Teil einer Minyan in der Synagoge (zehn jüdische Männer) sein kann.

Bei all der Mystik kommt leicht der Gedanke auf, dass die Chassidut einmal wieder mehr einen speziellen Bezug zum Golem hat, denn alles klingt ja so spirituell. In Wahrheit aber beschäftigte sich auch der Vilna Gaon mehr als ausführlich mit der praktischen Kabbalah und trotz seiner Ablehnung des Chassidismus, war es gerade er, der die Kabbalah studierte und zu dem Schluß kam, dass nicht jeder sie studieren sollte. Und er, der Vilna Gaon, wollte in seiner Jugend selbst einen Golem herstellen, war dann jedoch verhindert dies in die Tat umzusetzen.

Generell befassten sich viele chassidische Rabbiner ausgiebig mit der "Praktischen Kabbalah". Unter anderem auch der Baal Shem Tov. Andererseits spielte der Golem niemals solch eine immense Rolle. Die nämlich bekam er erst nach diversen Verfilmungen.

Bis heute ist nicht klar, ob der Maharal von Prag tatsächlich einen Golem herstellte. Von einem aber wird gesagt, er habe einen weiblichen Golem geformt. Und das war der Kommentator Ibn Ezra.
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Quelle:

Unter anderem Tzvi M. Rabinowicz "The Encyclopedia of Hasidism"

Sonntag, 30. November 2008

"Die drei Reiter" - Eine Baal Shem Tov Story



B"H

Die Zeit vor und an Chanukkah (Beginn am Abend des 21. Dezember 2008) ist jedesmal wieder die Zeit der chassidischen Stories. Das Wetter wird kühler und da zieht man sich gern ins Warme zurück und erzählt Geschichten. In chassidischer und kabbalistischer Literatur stehen die Lichter des Chanukkah - Leuchters (Chanukkiah) für Seelen (Neschamot). Unsere Seelen sollen sich beim Anblick der Chanukkah - Lichter erwärmen. Hier eine kurz chassidische Geschichte zum Vorwärmen.


Der Maggid von Mezritch bat den Baal Shem Tov ihm den Vers "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe" aus dem kabbalistischen Buch "Zohar" zu erklären. Der Baal Shem Tov sagte dem Maggid, dass er in den nahegelegenen Wald gehen soll, sich dort einige Stunden unter einen Baum an einem Bach setze und später zu ihm zurückkehre.
Der Maggid tat wie ihm aufgetragen.

Als er unter dem Baum saß, sah er einen Reiter kommen. Der Reiter stieg vom Pferd, setzte sich, aß und trank und setzte seinen Weg fort. Allerdings bemerkte er nicht, dass er seine Brieftasche verloren hatte.

Danach kam ein zweiter Reiter, der sehr ärmlich ausschaute. Er fand die Brieftasche des Reiters, nahm sie an sich und ging.

Danach kam ein dritter Reiter, der ebenfalls arm ausschaute. Er trank aus dem nahegelegenen Bach, legte sich hin und schlief ein. Da kam der erste Reiter zurück, der in der Zwischenzeit den Verlust seiner Brieftasche bemerkt hatte und fragte den dritten Reiter, ob er diese gesehen hat. Der Mann wußte nicht, von was der Reiter sprach. Daraufhin schlug ihn der Reiter zu Tode, weil er glaubte, dass der Mann ihn belüge.

Der Maggid kehrte zum Hause des Baal Shem Tov zurück und berichtete ihm, was er gesehen hatte. Der Baal Shem Tov erklärte ihm Folgendes:

Diese drei Personen waren allesamt Reinkarnationen aus einem früheren Leben. Der erste Reiter schuldete dem zweiten Reiter Geld. Genau die Summe, welche sich in der Brieftasche befand. Der dritte Mann war der Richter, der ein Fehlurteil sprach als er dem Reiter Recht gab, die Schuld nicht an den zweiten Reiter zahlen zu müssen.

In diesem Leben zahlte der Reiter seine Schuld, der Richter bekam seine Strafe und der zweite Mann bekam sein Geld.
Und dies ist, was der "Zohar" meint mit "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe".

Montag, 22. September 2008

Kabbalah - Chassidut


"Der Baum des Lebens - Etz Chaim" mit den Charaktereigenschaften G - ttes (Sefirot)


B"H

Zum Unterschied zwischen der Kabbalah und dem Chassidismus

Mittwoch, 6. August 2008

Kleine Einblicke in den Messianismus

B"H

Das frühe 19. Jahrhundert brachte enorme Veränderungen für die europ. Juden mit sich. Sie strebten nach Gleichberechtigung und wollten nicht nur das letzte Rad am Wagen hinter der nichtjüdischen Bevölkerung sein. Parallel dazu tobte die Haskalah (Aufklärung) und das gleichzeitige Aufkommen der Reformbewegung. Immer mehr Juden assimilierten sich, denn so erhofften sie sich eine Form der Gleichberechtigung. Und war das Shtetl nicht längst tot ? Viele deutsche Juden und polnische Juden zog es in den Bann der Haskalah. Man dachte akademisch und nicht an G - tt. Die Juden in Ungarn, Rumänien oder der Ukraine standen jedoch fast voll und ganz hinter der Thora und viele Rabbiner wehrten sich gegen die Reformer.

Aus den gleichen Rechten für alle wurde jedoch nicht viel, denn vielmehr trat das Gegenteil ein: es kam zu immer mehr Pogromen. Insbesondere in Osteuropa. Irgendwann reichte es vielen Juden und sie besannen sich auf das Land Israel. Die Rede ist dabei nicht von den Säkuleren, sondern von den Orthodoxen und sogar den Chassidim. Und ausgerechnet zu der Zeit kam es, wie schon unzählige Male zuvor, zu einer erneuten Berechnung des Messianischen Zeitalters. Im Jahre 1840 nämlich sollte der Meschiach kommen.

Wieviele Male hatte man das im Zeitverlauf der jüdischen Geschichte nicht schon angekündigt ? Das letzte große Jahr, in dem Meschiach erscheinen sollte, war das Jahr 1648. Alle warteten sehnsüchtig, doch wurde gerade dieses Jahr ein Katastrophenjahr für die Juden, denn die Chmielnicki - Pogrome brachten mehr als Hunderttausend Juden den Tod. Später nahm es der chassidische Rabbiner, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (der Seher von Lublin) auf sich, durch seine guten Taten den Meschiach zu bringen. Des Weiteren ging zu der Zeit Napoleon in Europa um und viele chassidische Rabbiner kommentierten seine Kriege und Eroberungen als den Krieg "Gog und Magog".
Rabbi Horowitz jedenfalls scheiterte in seinem Vorhaben und landete in einer Depression.

Nun sollte das Jahr 1840 endlich den erwarteten Meschiach bringen. Warum gerade das Jahr ?

Weil das weltliche Jahr 1840 das jüdische Jahr 5600 ergibt. Das kabbalistische Buch ZOHAR hatte dieses Jahr als das Jahr des Meschiach angegeben. Aus diesem Grunde machten sich vor 1840 viele Juden nach Israel auf, um den Meschiach zu erwarten. Selbst Juden aus der Türkei und Nordafrika zeigten sich von den Idee begeistert.
Die prominenteste Gruppe, die nach Israel kam, waren wahrscheinlich die Anhänger des Vilna Gaon (Rabbi Eliyahu von Vilna), die sich bereits im Jahre 1813 mit 511 Seelen in Israel niederliessen. Ziel dieser Gruppe war es, durch gute Taten die Ankunft des Meschiach einzuleiten und so sicherzustellen, dass er auch tatsächlich kommt. Es ist ein biblisches Gebot, dass ein Jude in Israel leben muß. Außerdem sollte Jerusalem wieder aufgebaut werden. Professor Yehudah Liebes von der Hebräischen Universität Jerusalem deckte auf, dass ein Anhänger des Vilna Gaon, Rabbi Menachem Mendel von Shklov, in seinem Lehrer (dem Vilna Gaon) den wahren Meschiach sah. Schabbtai Zvi hatte versagt und landete stattdessen in dunklen sündhaften Gefilden, doch war nicht der Vilna Gaon der perfekte Ersatz in der Neuzeit ?

Gerade zu der Zeit vor ca. 200 Jahren kamen vermehrt messianische Ideen auf. Nicht nur wegen der entstandenen chassidischen Bewegung, sondern die Welt an sich unterlag enormen Veränderungen. Die Französiche Revolution, das aufkommenden Industriezeitalter; all dies verunsicherte die Menschen und lesen wir Juden nicht im Talmud, dass die Zeit kurz vor dem Eintreffen des Meschiach gewaltigen Veränderungen unterliegt ? Selbst die aufkommende Reformbewegung wurde von vielen Juden als Grund für das Kommen des Meschiach gesehen. Die Reformbewegung ist eine Abspaltung des Judentums und wer könne schon mit ihr leben ? Aufgrund all der Gründe lag der Gedanke nahe, dass Meschiach unterwegs sei.

Im Sommer des Jahres 1832 ging in Europa eine Choleraepidemie um. Händler reisten daher in keine fremden Ortschaften mehr und so kam es zu einer Verarmung vieler Bevölkerungsteile. Viele europ. Länder kämpften für ihre Unabhängigkeit und wenn man all dieses historische Drumherum betrachtet, dann erkennt man schnell weitere Gründe für die Flucht vieler Juden zurück in ihre Heimat Israel. Der Messianismus war die Spitze des Eisberges.



Der Messianismus der Zeit sowie der chassidische Messinianismus sind breitgefächerte Themen, welche immer wieder separat in Länge angesprochen werden müssen und sollten.

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Quelle:

"Hastening Redemption" by Arie Morgenstern

Sonntag, 25. Mai 2008

Se'udat Shlishit

B"H

Seltsamerweise nimmt auch das Essen in der Chassidut einen breiten Raum ein. Aber was heißt da "seltsamerweise", denn immerhin hat ist die Chassidut sehr mit der Kabbalah verknüpft und gerade dort spielt das Essen eine immense Rolle. Anhand des Essens unternimmt jeder Jude diverse "Tikunim - Seelenreparaturen". Wie das ?

Der Arizal, Rabbi Yitzchak Luria, beschreibt in seinem Buch "Shaar HaGilgulim", wie es geschehen kann, dass Seelen in Tieren reinkarniert werden können. Anhand der Segen, welche wir vor und nach dem Essen sagen, sind wir in der Lage, diese Seelen aus ihrer Lage zu befreien und ihnen so zu einem höheren Level (ihres Tikun - Reparatur) zu verhelfen.

Aber um solche hoch kabbalistische Theorien geht es in diesem Artikel eigentlich nicht. Vielmehr ist mein Thema das "Se'udat Shlishit - Die traditionelle dritte Mahlzeit am Schabbat".

Die erste Mahlzeit nehmen wir nach dem Kiddusch (Segnung des Weines) am Erev Schabbat (Freitag abend) zu uns. Die zweite folgt nach dem Synagogengang am Schabbat (Mittagessen am Samstag) und die dritte Mahlzeit erfolgt kurz vor Schabbatausklang. Oder in präziseren Worten ausgedrückt: Das Se'udat Shlishit wird zwischen Mincha (Nachmittagsgebet) und dem Maariv (Abendgebet) gegessen.

Viele chassidische Rebben und auch die Rebbitzens nehmen die dritte Schabbatmahlzeit (Se'udat Shlishit) zusammen mit ihren Anhängern ein. Zum Beispiel veranstaltet die chassidische Gruppe Dushinsky in Jerusalem solch ein gemeinsames Essen. Ob dazu Frauen zugelassen sind, habe ich noch nicht getestet. Dafür erzählte mir jemand, dass die Rebbitzen des Toldot Aharon Rebben ein Se'udat Shlishit für die Toldot Aharon - Frauen gibt. Gerne würde ich einmal daran teilnehmen, habe mich jedoch noch nicht eingehend erkundigt. Was ich zu meiner Schande eingestehen muß.

Natürlich spielen bei dem Essen mit dem Rebben auch wieder die "Schirayim" eine überwiegende Rolle. Der Rebbe sagt den Segen über das Brot und verteilt dann kleine Stückchen an seine Chassidim. Und genau hier kommen wir wieder zum großen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria und seiner Theorie in der Lurianischen Kabbalah zurück, dass ausgerechnet der Rebbe als Zaddik (Gerechter) die Kraft besitzt, solche reinkarnierten Seelen zu befreien bzw. die bei der Erschaffung der Welt herabgefallenen Netzizot (Funken) anhand seines Segens an ihren Ursprung zurückzuführen.

Begleitet wird das Se'udat Shlishit von verschiedenen Niggunim (Melodien und Liedern). Die Musik spielt in der Chassidut eine ebenso wichtige Rolle, denn durch sie erreicht man eine direkte Verbindung zu G - tt. Und auch aus diesem Grund singen viele Religiöse ihre Tehillim (Psalmen) oder Gebete. Des Weiteren ist bei in vielen chassidischen Gruppen üblich, dass die Chassidim den Psalm 23 vortragen und der Rebbe antwortet mit Psalm 21.

Ebenso besteht im Judentum das Konzept, dass ein Jude am Schabbat eine zusätzliche Seele bekommt und diese am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) den Körper wieder verläßt. Durch das Verlassen geht uns eine gehörige Portion spirituelle Kraft verloren und wir müssen bis zum nächsten Schabbat warten, dass wir sie zurückerhalten.

Die Mischna (mündl. Gesetzesüberlieferung G - ttes an Moshe auf dem Berg Sinai) sowie die anschließende Gemara (rabbinische Diskussionen) lehren uns im Talmud Traktat Schabbat 117b, dass wir am Schabbat mindestens drei Mahlzeien zu uns nehmen müssen (siehe oben). In Schabbat 118a heißt es, dass jeder, der die Mitzwah, drei Mahlzeiten am Schabbat zu essen erfüllt, wird von drei Katastrophen verschont:

1. Von den Repressalien, welche dem Kommen des Meschiach vorausgehen.

2. Vom Gericht im Gehinnom (vom strengen Gericht der Seele).

3. Vom Krieg zwischen Gog und Magog (Yechezkiel 38 - 39).


In Jerusalem hat das Se'udat Shlishit immer eine ganz besondere Bedeutung für mich. Meistens gehe ich zu Rabbi Mordechai Machlis, wo wir mit mindestens zwanzig weiteren Teilnehmern samt seiner Family zusammensitzen. Serviert werden die Reste des Mittagessen, aber genauso frisch zubereitete Leckereien. Außerdem hält der Rabbi eine Rede und es werden ebenso Lieder gesungen. Im Anschluß findet das Maariv (Abendgebet) statt und danach die Havdalah (Trennungszeremonie des Schabbats von der neu beginnenden Woche).

Auf dem Heimweg herrscht eine komische Stimmung. Da ist man noch in der Schabbatkleidung und innerlich im Schabbat versunken; andererseits kehrt jedoch schon wieder der Alltag ein und die Geschäfte öffenen und der Busverkehr beginnt.

Sonntag, 27. April 2008

Haredim (Ultra - Orthod.) und die Jüdische Geschichte

B"H

Genau genommen betrifft dieser Artikel nicht nur Haredim aller Art (livisch oder chassidisch), sondern genauso viele Nationalreligiöse. Niemand sollte sich also ausgeschlossen fühlen, sondern alle sind angesprochen.

Was mir immer wieder auffällt ist, dass in den heutigen relig. Schulen vieles gelehrt wird, nur eines nicht: Jüdische Geschichte.

Da werden sämtliche Talmudtraktate und Thoraparagraphen auswendig gelernt, aber wenn die Geschichte zur Sprache kommt, müssen viele passen. Zwar geht es im Talmud selbst viel um Geschichte, doch die richtige Historie wer gegen wen und wann bleibt oftmals im Dunkeln oder ist nicht bis ins Detail erwähnt. Auch fehlen viele welthistorische Zusammenhänge und nicht alle politischen Intrigen finden Erwähnung.

Aber nicht nur die Jüdische Geschichte von vor über 2000 Jahren und weit davor wird ausgelassen. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels hakt es komplett. Die wichtigen talmudischen Schulen in Babylon und Israel werden zwar ausgiebig genannt, doch fehlen die späteren Ereignisse, die zu einer Fastauslöschung der "Reish Galuta - Die Nachfolger aus dem Hause Davids" führte. Ebenso wenig findet ein gewisser Bustenai Erwähnung, der sozusagen der letzte aus dem Hause Davids war und in Babylon eine Nichtjüdin heiratete. Die Kinder wurden jedoch von führenden Rabbinern als Juden anerkannt, denn man wollte das Hause David nicht sang und klanglos untergehen lassen.

Aber wir brauchen nicht zu weit nach Babylon ausweichen. Wer von den Yeshiva - Studenten lernt schon noch die Geschichte der Hellenistischen Juden sowie die Ereignisse, welche zur Zweiten Tempelzerstörung führten. Und später ? Wie weit reichte der moslemische Einfluß auf das Judentum ? Übernahmen nicht gerade die spanischen Juden viel von den moslemischen Landsleuten ?
Einen kleinen Einblick hierzu gibt das Buch "Der Kuzari - Al Khazari" von Rabbi Yehudah HaLevi (1075 - 1141). Nicht selten ließ der Autor viele arabische Konzepte mit einfliessen. Und das Arabische war zur damaligen Zeit die Landessprache Spaniens und somit auch der dort ansäßigen Juden.

Inwieweit beeinflussten Philosophen und selbst das Christentum das Judentum ?

Wird nicht gerade dem berühmten spanischen mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Avraham Abulafia ein allzu enger Kontakt mit christlichen Mönchen nachgesagt ? Ein breites Themengebiet, auf das ich irgendwann in der Zukunft noch ausführlich einzugehen plane.
Bis heute weigern sich nicht wenige Juden, die Schriften und die Kabbalah des Rabbi Abulafia zu lernen. Eben aufgrund des Verdachtes einiger christlicher Einflüsse. Ob zu recht oder zu unrecht, sei vorerst dahingestellt. Aber ist es nicht dennoch wichtig, sich vor allem mit der eigenen Jüdischen Geschichte eingehend zu befassen ? Nicht, dass wir daraus lernen sollten, uns nicht mit externen Konzepten zu befassen, aber vielmehr um zu in Erfahrung zu bringen, was wirklich jüdisch ist und falls nicht, welche Wurzeln es tatsächlich hat. Ein Bekannter von mir, ein Vishnitzer Chassid, schreibt sogar an einem Buch zum Thema der philosophischen Einflüsse auf das Judentum. Nicht, dass er der Erste dieser Art wäre, denn die großen mittelalterlichen Rabbiner wie Maimonides (Rambam) oder Nachmanides (Ramban) waren, unter anderem, bekannte ambitionierte Philosophen.

Leider ist heutzutage die Wissenschaft aus den Yeshivot fast ganz verschwunden. Anstatt die Groß - und Einzigartigkeit von G - ttes Kreationen anhand von Fallbeispielen zu studieren, werden Talmudtraktate auf und ab heruntergerasselt. Wenn der Rambam in eine heutige Yeshiva treten täte, dann würde ihn sicherlich der Schlag treffen. Aus den einstigen Rabbiner mit wissenschaftlichen Kenntnisse wurden Rabbiner, die es für relevanter halten, ihre privaten Kleinkriege auszuleben oder festzulegen, wo genau die Mechitzah (Trennwand zwischen Frauen und Männern) in einem Bus installiert werden soll.

Ich habe keine Ahnung, wie man Yeshivot davon überzeugen soll, ihren Lehrplan zu erweitern und jedem Studenten wenigstens eine gehörige Portion Jüdische Geschichte zu vermitteln. Andererseits kann ich mir manchmal nicht erklären, warum die Studenten nicht von sich aus nachfragen oder ein Buch zur Hand nehmen. Ist es einfach nur Desinteresse, das nicht zu Hinterfragen wissen oder das Nichtanzweifeln der Entscheidungen eines Rabbiners / Lehrers ?

Kann sein, dass gerade ich so denke, da das Fach Geschichte mich immer interessiert hat und ich zu jedem Thema unzählige Bücher las. Meiner Meinung kann kein Talmudstudium ohne Jüdische Geschichtskenntnisse über die Zeit, Land und Leute stattfinden. Und mit meiner Meinung stehe ich da nicht allein, denn viele männliche Haredim stimmten mit mir in dem Punkt mehr als nur überein.

Donnerstag, 3. April 2008

Spiritualität in der Mikweh

B"H

Eine der zentralen Rollen im Judentum wird manchmal leicht übersehen; nämlich der Mikwehgang - der Gang ins Ritualbad. Frauen benutzen sie in der Regel zum ersten Mal am Abend vor ihrer Hochzeit und danach als verheiratete Frau natürlich regelmässig. Es besteht die Halacha, dass eine jüdische verheiratete Frau nach dem Ende jeder monatlichen Regel in die Mikweh gehen muß. Hierfür gibt es genaue Gesetze wie, z.B., wann genau sie nach der Regel als zulässig für die Mikweh gilt oder wieviel Tage zwischen dem Beginn und Ende der Regel mindestens vergangen sein müssen. Darüber hinaus geht sie nach jeder Geburt (auch hier gibt es eine vorgeschriebene Anzahl von Tagen) in die Mikweh. Ein relig. Mann geht in der Regel jeden Freitag vor dem Schabbatbeginn in die Mikweh. Hinzu kommen ebenso die Feiertage.

Eines aber übersehen viele, die sich zum Thema "Mikweh" informieren. Das Ritualbad dient nicht nur der körperlichen, sondern ebenso der spirituellen Reinigung. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria (1534 - 1572) sah eine hohe mystische Bedeutung in der Mikweh. Genauso wie in der Kabbalah, massen später der Baal Shem Tov und seine chassidischen Anhänger bzw. Nachfolger der Mikweh allerhöchste spirituelle Bedeutung bei. Und so kommt es, dass chassidische Männer bis heute täglich in die Mikweh gehen. In der Regel geschieht dies am frühen Morgen.

Litvische Juden lieben es, sich über den täglichen Mikwehgang der Chassidim entweder zu beschweren oder einfach nur lustig zu machen. Das ganze Mikwehgerenne sei ja viel zu übertrieben. Chassidim hingegen betrachten es als eine absolute Notwendigkeit, nicht nur den Körper, sondern auch die Seele zu reinigen und mit der richtigen Kavanah (Konzentration) in der Mikweh sei dies allemal möglich. In der Chassidut heißt es, dass, z.B., der Baal Shem seine Weisheiten in der Mikweh erlangte. Durch Gebet und Kavanah stieg er zu höheren Leveln auf.

Gewöhnlich hegen die Chassidim ihre gruppeneigenen Bräuche in der Mikweh - so auch, wieviele Male man untertauchen muß. Bei der Chassidut Breslov ist es so, dass selbst die Frauen siebenmal untertauchen. Jedes Untertauchen wird als ein höherer Level gesehen, bei dem man völlig vom Wasser umgeben ist und so G - tt nahe kommt. Andere chassidische Gruppen hingegen folgen dem Brauch, mindestens dreimal unterzutauchen.

Unter chassidischen Rebbes sowie Kabbalisten ist es nichts Ungewöhnliches, die größte individuelle Kavanah (Konzentration) dadurch zu erreichen, indem sie sich auf die Namen G - ttes konzentrieren und völlig in die Meditation eintauchen.

Sonntag, 30. März 2008

Schirayim

B"H

Jedesmal ist es immer wieder eine Show, wie sich die Chassidim am Freitag abend (beim chassidischen Tisch) um den Tisch des Rebben drängen bzw. gierig nach dem herumgereichten Essen greifen. Nicht jeder Rebbe, doch die Mehrheit schon, ißt bei seinem chassidischen Tisch am Erev Schabbat (Freitag abend).

Bei einem Tisch des Rebben einer chassidischen Gruppe handelt es sich um ein öffentliches Treffen zwischen ihm und seinen Chassidim in der Synagoge. Bei großen chassidischen Gruppen sitzt der Rebbe an einem langen Tisch zusammen mit den wichtigsten Rabbiner der jeweiligen Gruppe. Hierbei ißt der Rebbe gewöhnlich nur ein paar Häppchen und reicht den Rest des Mahles an die Chassidim herum. Meistens auf Tabletts oder Tellern. Jeder nimmt sich dann ein paar Brocken bzw. Krümel. Gegen Tischende werden Früchte und Kuchenstücke verteilt. Für die Frauen habe ich diesbezüglich schlechte Nachrichten, denn außer bei den Kretchnifer Chassidim bekommen sie nie etwas ab. Bei Kretchnif hingegen kann Frau schon mal zu einem Kuchenstück kommen.

Zu Beginn fragte ich mich, warum sich die Chassidim so danach drängeln, vom angetouchten Essen des Rebben etwas abzubekommen. Als ich den Grund dafür herausfand, betrachtete ich jedoch alles mit anderen Augen. Obwohl ich dennoch auf kein angegrabbschtes Essen stehe.

"SCHIRAYIM" - so heißt das Essen, welches der Rebbe mit seinen Chassidim teilt. Zuerst einmal ist es ein Privileg, jene Stücke Nahrung zu sich zu nehmen, über welche der Rebbe einen Segen gesprochen hat. Zum anderen bauten die Chassidim die kabbalistischen Ideen des Rabbi Yitzchak Luria aus; sobald der Rebbe einen Segen über sein Essen spricht (von dem er danach einen Großteil an seine Chassidim weiterreicht), setzt er die sogenannten Netzizot (sparks, Funken) frei, welche somit zu ihrem Ursprung zurückkehren.

Bei den "Netzizot" handelt es sich um eine Metaphor aus der Lurianischen Kabbalah. Bei der Erschaffung der Welt zog G - tt Seine unbegrenzte Macht zurück, um so Platz für eine unvollkommene Welt zu schaffen. Er erschuf die Welt also nicht mit Seiner unbegrenzten perfekten Macht, sondern schränkte Sich ein. Um die Welt in einen absolut perfekten Zustand zu bekommen, müssen wir gewisse Netzizot (Funken) zu ihrem Ausgangsort zurückführen.

Diese Funken fielen metaphorisch einmal von den höheren Welten in unsere materielle Welt und unsere Aufgabe ist es, sie wieder nach oben zurückzubringen. Dies geschieht durch die Einhaltung der Mitzwot (Thoragesetze) sowie dem Essen, wenn wir vorher einen Segen sprechen. Wir benutzen also die materielle Welt für heilige Zwecke. Aber auch wenn Männer Tefillin (Gebetsriemen) und Zizit tragen, kommen eben jene Funken frei. Des Weiteren bewirken wir sehr viel, sobald wir uns für ein Leben nach den Mitzwot entscheiden.

Daher ist es so wichtig, einen wenn auch nur winzigen Teil vom Mahl des Rebben zu bekommen. In der Chassidut ist er meistens ein Zaddik - Gerechter (zumindest die früheren Rebbes) und somit hat er die Kraft, viele Netzizot in die oberen Welten zu führen. Die Chassidim sehen sich als Teil davon und fühlen sich genauso durch den Zaddik erhoben.

Das Zaddik - Konzept ist heutzutage nicht immer das, was es einmal war. Viele heutige chassidische Rebben sind keineswegs mehr die großen Gerechten, die ihre Vorväter einmal waren. Heutzutage sagt man auch nicht immer, dass der Rebbe ein Zaddik ist, sondern das er der Sohn eines Zaddiks ist.

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