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Sonntag, 6. Dezember 2009

Yahrzeit des Maggid von Mezritch



Grab des Maggid von Mezritch


B"H

Heute am 19. Kislev (fällt in diesem Jahr auf den 6. Dezember) ist die Yahrzeit (Todesgedenktag des Nachfolgers des Baal Shem Tov: Rabbi Dov Baer Friedman, der Maggid von Mezritch verstarb am heutigen Tage vor 237 Jahren.

Geboren wurde Rabbi Dov Baer im Jahre 1704 in Lukatz (Osteuropa). Sein Vater war Rabbi Shlomo Dov Baer Friedman, der Ortsrabbiner von Lukatz. Da der junge Dov Baer schon eine frühe Begabung für jüdische Studien entwickelte, wurde er kurzerhand von seinem Vater auf die Yeshiva des Rabbiner Yaakov Joshua Falk (1680 - 1756), Autor des Buches "Pne'i Israe'l entsandt.

Später heiratete Rabbi Dov Baer die Tochter des Rabbi Shalom Shachna von Torchin. In der Anfangszeit arbeitete er als Lehrer und Prediger (Maggid) in Koretz, Dubno und Rovno.
So richtig als MAGGID (Prediger) wurde er bekannt als er begann, Parabeln in seinen Erzählungen zu benutzen. Alles basierte auf einer Story, die eine einzige Metapher wiedergab und der Zuhörer aus dem wahren Inhalt seine Lehren zog. Zusätzlich beschäftigte sich der Maggid ausführlich mit der Lurianischen Kabbalah.

Ich habe bisher noch nicht herausfinden können, an welcher Krankheit der Maggid von Mezritch tatsächlich litt, doch stand es um seinen Körper nicht besonders gut. Um sich eine Linderung zu verschaffen, machte er sich auf den Weg, um den großen Baal Shem Tov zu treffen. Dieser sollte ihm einen Segen erteilen und für ihn beten, denn er hatte schon soviel von dem Besht und seinen Heilkräften vernommen.
Das erste Zusammentreffen zwischen ihm und dem Baal Shem Tov verlief allerdings für Rabbi Dov Baer so ziemlich enttäuschend und er sah nichts Besonderes in dem Mann. Obwohl er nicht unbedingt nochmals zum Baal Shem Tov wollte, fuhr er dennoch erneut und diesmla blieb er ganze sechs Monate. "Er lehrte mich die Sprache der Vögel, die Geheimnisse der Weisen und die mystische Bedeutung vieler Dinge", so der Maggid später.

Im Jahre 1760 verstarb der Baal Shem Tov und angeblich wollte der Maggid nun dessen Nachfolge übernehmen. Viele Quellen behaupten dies zumindest. Andere Quellen sprechen dagegen und besagen, dass es keine Beweise gibt, der Maggid habe die Führungsrolle im Chassidismus an sich reissen wollen.
Die verbreitetere Meinung ist, dass Rabbi Dov Baer nach dem Tode des Baal Shem Tov verkündete, dieser habe ihn zu seinem Nachfolger erhoben. Die Schüler des Baal Shem Tov wussten davon nichts und viele von ihnen lehnten den Maggid als Nachfolger ab. Insbesondere deswegen, weil der liebste Schüler des Baal Shem Tov, Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye (Polna) die Nachfolge so gut wie sicher zu haben schien. Eine Nachfolge, die Rabbi Dov Baer ihm nun streitig machen wollte; und das, wo der Maggid nicht gerade allzu lange Zeit beim Baal Shem Tov gelernt hatte.

Es gab zum riesen Zwist zwischen den Lagern des Yaakov Yosef und Dov Baer. Nicht gerade wenige Anhänger des Baal Shem Tov verliessen das Lager nach dessen Tode ganz und gründeten irgendwo in Polen oder der Ukraine ihre eigenen Gemeinden. Nach Jahren (ca. sieben Jahre) wurde der Maggid doch noch anerkannt und das insbesondere aufgrund seines immensen Wissens. Der Baal Shem Tov hatte den Chassidismus wieder auferleben lassen, doch der Maggid von Mezritch erweiterte die Ideologien und verbreitete sie. Dank ihm gab es bald chassidische Gemeinden überall in Polen, der Ukraine und in anderen Ländern Osteuropas. Allerdings mussten die Leute zu ihm kommen, denn seine schlechte Gesundheit erlaubte ihm kein Herumreisen. Und an Besuchern / Anhängern mangelte es wahrlich nicht: Rabbi Levi Yitzchak von Berditschev, Rabbi Menachem Mendel von Vitebsk, Rabbi Schneur Zalman von Liadi (Chabad), Rabbi Aharon von Karlin, Rabbi Nachum von Chernobyl, alles was Rang und Namen hatte oder haben sollte, lernte bei Rabbi Dov Baer Friedman.

Wie schon der Baal Shem zuvor, schrieb Rabbi Dov Baer keine Bücher. Seine Lehren wurden von Rabbi Salomon von Lutzk (verstarb im Jahre 1813) niedergeschrieben. Die niedergeschriebenen Lehren Des Maggid gaben seine Ansicht über G - tt und die Rolle des Zaddik (Gerechten) wieder. Der Besht war die Seele der Chassidim und der Maggid wurde zu deren Körper. Es war der Maggid, der ein chassidisches Beit Din (rabbinisches Gericht) einrichtete.
In jedem menschlichen Handeln befindet sich eine g - ttliche Manifestation; selbst in allem Schlechten. Wir sollen nicht nur für unsere eigenen Belange beten, sondern auch dafür, dass die Schechinah (G - ttes Anwesenheit) nicht mehr länger in der Diaspora weilt, sondern alle Juden nach Israel zurückkehren.
Eretz Israel bedeutete für Rabbi Dov Baer das spirituelle Zentrum dieser Welt. G - ttes Schechinah, welche die Juden schon nach der Zerstörung des Ersten Tempels mit in die Diaspora (damals Babylon) begleitet hatte, teilte alle Leiden des jüdischen Volkes. Die Rolle des Zaddik sei, die ursprüngliche Heiligkeit der Schechinah wieder herzustellen, damit sie uns zurück nach Israel führe (anhand des Meschiach).
Wir Juden haben Ägypten noch lange nicht verlassen, denn nach wie vor befinden sich viele in der Diaspora und somit auch in einem spirituellen Exil; mit der Diasporamentalität und dem Diasporadenken. Solange es eine Diaspora gibt, solange besteht Ägypten weiter. Wir Juden sind es, welche für die lange Dauer der Diaspora verantwortlich sind. Haben wir uns IMMER nach dem Meschiach gesehnt und für sein Eintreffen gebetet ?

Rabbi Dov Baer hatte sich nach dem Tode des Baal Shem Tov in Mezritch niedergelassen. Er verstarb am 19. Kislev 1772. Nachfolger wurde sein bekannter Sohn Rabbi Avraham HaMalach (Rabbi Avraham der Engel).
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Quelle:

"The Encyclopedia of Hasidism" von Tzvi M. Rabinowicz

Dienstag, 20. Januar 2009

… und die Engel wohnen da oben

B"H

Wer von uns hat sich nicht schon einmal vorgestellt, wie das wäre, wenn plötzlich ein Engel vom Himmel herabsteigt und uns all unsere Probleme lost ? Ganz so wie im Film halt.
Engel haben normalerweise eine Aufgabe und helfen ebenso uns Menschen. Schutzengel zum Beispiel. Wären wir nicht froh, einmal unseren ganz privaten Schutzengel zu treffen, der uns da unaufhörlich vor allem und jedem beschützt ?

Engel finden in der Thora, dem Talmud, dem kabbalistischen ZOHAR sowie der Midrasch Erwähnung. Der Baal Shem Tov sagte, dass die Engel anhand unserer Gebet zu G – tt ernährt werden.
Wie soll das möglich sein ? Ernährt durch unsere Gebete zu G – tt ?
Die Antwort des Baal Shem Tov selbst lautet, dass sein Konzept eine Illusion darstellt, denn Engel sind nichts anderes als G – ttes "Kleidung". Eigene, von Ihm ausgehende, Kräfte. Die Engel, die eben jene Kräfte symbolisieren, sind ein Teil G – ttes. Er nämlich reagiert und agiert mit unterschiedlichen Kräften, welche normalerweise durch die Sefirot (Symbole der Charaktereigenschaften G – ttes in der Kabbalah) verdeutlicht werden.

Andererseits lehren uns der Talmud und der Mezritcher Maggid (Rabbi Dov Baer Friedman), dass Engel nicht den Hauch eines Freien Willens besitzen. Ein jeder von ihnen hat eine Aufgabe und erfüllt den Willen G – ttes. Ferner verfügen Engel über keine Grundlage, ihre Aufgabe zu verändern bzw. in eine andere Richtung zu lenken. Wir hingegen besitzen einen Freien Willen und haben eine Wahl im Leben.
Darüberhinaus sagte der Maggid von Mezritch, dass sich Menschen auf einem höheren Level befinden als die Engel, denn ihre Seelen (Neschamot) kommen aus der oberen Welt der Beriah. Engel dagegen kommen nur aus der Welt der Yetzirah (einen Level unter der Beriah).

Das "Engelkonzept" im Judentum ist nicht einfach zu verstehen und es bestehen mehrere Ansichten diesbezüglich. Die Mehrheit der Kommentatoren ist allerdings der Meinung, dass wenn es in der Thora heißt, dass ein Engel mit Moshe etc. redet, es sich dabei tatsä chlich im G – tt handelt. G – tt auf einem Seiner Level, anhand denen Er sich der Menschheit offenbart. Und gewöhnlich sorgen all diese verschiedenen Konzepte die Leute, mich selbst miteingeschlossen. Erst sind Engel eigentlich ein Bestandteil
G – ttes und dann lautet es, sie besitzen keinen Freien Willen, haben aber eine Aufgabe. Demnach sind sie dann doch Wesen oder etwa nicht ? Eine Art spirituelle Wesen.

In der höchsten der Welten, in der Atzilut, gibt es nur den puren Gedanken und keinerlei Sprache, denn dort "existiert" G – tt allein und keinerlei Engel.
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Anmerkung:
Bitte berücksichtigen, dass es sich bei den oberen Welten immer nur um spirituelle Einheiten bzw. Symbole und keineswegs reale Welten handelt . Die Symbole beschreiben lediglich einen spirituellen Zustand.

Sonntag, 30. November 2008

"Die drei Reiter" - Eine Baal Shem Tov Story



B"H

Die Zeit vor und an Chanukkah (Beginn am Abend des 21. Dezember 2008) ist jedesmal wieder die Zeit der chassidischen Stories. Das Wetter wird kühler und da zieht man sich gern ins Warme zurück und erzählt Geschichten. In chassidischer und kabbalistischer Literatur stehen die Lichter des Chanukkah - Leuchters (Chanukkiah) für Seelen (Neschamot). Unsere Seelen sollen sich beim Anblick der Chanukkah - Lichter erwärmen. Hier eine kurz chassidische Geschichte zum Vorwärmen.


Der Maggid von Mezritch bat den Baal Shem Tov ihm den Vers "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe" aus dem kabbalistischen Buch "Zohar" zu erklären. Der Baal Shem Tov sagte dem Maggid, dass er in den nahegelegenen Wald gehen soll, sich dort einige Stunden unter einen Baum an einem Bach setze und später zu ihm zurückkehre.
Der Maggid tat wie ihm aufgetragen.

Als er unter dem Baum saß, sah er einen Reiter kommen. Der Reiter stieg vom Pferd, setzte sich, aß und trank und setzte seinen Weg fort. Allerdings bemerkte er nicht, dass er seine Brieftasche verloren hatte.

Danach kam ein zweiter Reiter, der sehr ärmlich ausschaute. Er fand die Brieftasche des Reiters, nahm sie an sich und ging.

Danach kam ein dritter Reiter, der ebenfalls arm ausschaute. Er trank aus dem nahegelegenen Bach, legte sich hin und schlief ein. Da kam der erste Reiter zurück, der in der Zwischenzeit den Verlust seiner Brieftasche bemerkt hatte und fragte den dritten Reiter, ob er diese gesehen hat. Der Mann wußte nicht, von was der Reiter sprach. Daraufhin schlug ihn der Reiter zu Tode, weil er glaubte, dass der Mann ihn belüge.

Der Maggid kehrte zum Hause des Baal Shem Tov zurück und berichtete ihm, was er gesehen hatte. Der Baal Shem Tov erklärte ihm Folgendes:

Diese drei Personen waren allesamt Reinkarnationen aus einem früheren Leben. Der erste Reiter schuldete dem zweiten Reiter Geld. Genau die Summe, welche sich in der Brieftasche befand. Der dritte Mann war der Richter, der ein Fehlurteil sprach als er dem Reiter Recht gab, die Schuld nicht an den zweiten Reiter zahlen zu müssen.

In diesem Leben zahlte der Reiter seine Schuld, der Richter bekam seine Strafe und der zweite Mann bekam sein Geld.
Und dies ist, was der "Zohar" meint mit "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe".