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Sonntag, 18. Januar 2009

Welche "Herrschaft" ?

B"H

Am 10. des jüdischen Monat Shevat (Yud be ' Shevat), feiert Chabad Jerusalem im Stadtteil Rehavia einen großen "Farbrengen". Wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt nicht nur dort, sondern überall auf der Welt, wo es Chabad gibt.

An all jene, die keine Ahnung haben, von was ich eigentlich schreibe:
Der 10. Shevat fällt in diesem Jahr auf den 3. Februar.
Da Chabad keinen Rebben mehr hat, begehen sie nicht wie jede andere chassidische Gruppe mit Rebben einen chassidischen Tisch, sondern feiern einen "Farbrengen".
"Farbrengen" bedeutet in Jiddisch "verbringen". Chabadnikim verbringen eine gewisse Zet gemeinsam mit essen, trinken, singen und chassidischen Stories erzählen. Letzteres vornehmlich Hausgemachtes aus dem Chabad - Movement der Lubawitscher Rebben.

Grund für den Farbrengen im Shevat ist der 58. Jahrestag der Herrschaft des Lubawitscher Rebben Menachem Mendel Schneerson.
Aber Moment !
Der siebte und letzte Lubawitscher Rebbe übernahm die Leitung der Gruppe im Januar 1951; nachdem sein Schwiegervater Rabbi Yosef Yitzchak Schneersohn, der zugleich auch der sechste Lubawitscher Rebbe war, verstarb. Rebbe Menachem Mendel verstarb im Juni 1994 und somit endete seine Leitung des Movements und ein neuer Rebbe wurde danach nicht mehr ernannt. Wie also kann es sein, dass jetzt im Februar (gemäss des jüdischen Kalenders) der 58. Jahrestag begangen wird ?



Verstarb im Juni 1994: Rebbe Menachem Mendel Schneerson.


Nehmen wir einmal an, der Farbrengen wird von Chabad Meschichisten (jene die glauben, Rebbe Schneerson sei der Meschiach) organisiert. Es besteht keinerlei Beweis dafür, dass dem tatsächlich der Fall ist, doch nehmen wir es einfach einmal an.

Innerhalb des Chabad - Movements gibt es mehrere Ausrichtungen und die der Meschichisten ist eine davon. Weitergehend unterscheiden sich diese jedoch intern nochmals in die "normalen" Meschichisten und jene, die ihrer Ansichten mehr als radikal Luftmachen. Dies kann sogar von Schlägereien untereinander bis hin zu der Ideologie führen, dass der letzte Rebbe sogar G - tt war.

Die Meschichisten behaupten, Rebbe Menachem Mendel Schneerson sei niemals verstorben, sondern einfach nur eine höhere Dimension eingetaucht und somit für und "Normalos" unsichtbar geworden. Der Rebbe lebt weiter und wenn die Zeit reif ist, wird er sich offiziellals Meschiach offenbaren und folglich wieder sichtbar werden. Bis dahin lebt der Rebbe trotzdem weiter; und zwar in seinem ehemaligen Haus 770 in Crown Heights / New York.

Nach all den Erklärunge, hier die Infos für jene, die ggf. an dem Event teilnehmen wollen:

Dienstag, 3. Februar, 20.00 Uhr, Beit Menachem Shul (Synagoge) in Rehavia (Jerusalem), 6 Ibn Shaprut Street.

Die Veranstaltung ist in englischer Sprache English und es wird natürlich eine "Mechitzah" (Trennung von Männlein und Weiblein) geben.

Dies nur zur näheren Erläuterung des 10. Shevat innerhalb des Chabad - Movements und um einige Hintergrundinformationen zu liefern.

Montag, 5. Januar 2009

Die "Chmielnicki Massaker"

B"H

Die "Chmielnicki Massaker" fanden in den Jahren 1648 - 1649 statt. Im Judentum ist es gewiß nichts Ungewöhnliches, wenn von Zeit zu Zeit immer wieder die Idee des Messianismus auftaucht. Ein Thema, auf welches in in Kürze etwas näher eingehen will.

Besonders nach der Ausweisung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 (auch hierzu wird es noch mehr zu lesen geben), fand eine Kehrtwendung in der jüdischen Mystik statt. Das Mittelalter hielt nie eine besonders gute Epoche für die Juden in Europa bereit. Obwohl Spanien viele Jahre lang zur neuen Heimat wurde, kam es im 15. Jahrhundert zu einem radikalen Ende. Später auch in Portugal sowie weiteren Ländern, denn die Kirche leistete ganze Arbeit.

Manchmal sahen die Juden einen kleinen Hoffnungsschimmer, der aber nie lange anzuhalten schien. Die Kabbalah wurde apokalyptischer und wegen der schlechten Zeiten und der unsagbaren Opfer wünschte man sich endlich die Erlösung, sprich den Messias herbei. Ungewöhnlich war es ebenso wenig, dass immer wieder neue Daten für die Ankunft des Meschiach genannt wurden und das Jahr 1648 sollte endlich den langersehnten Erlöser bringen. Doch stattdessen wurde gerade das Jahr 1648 zu einem der schicksalshaften und grausamsten für die Juden in Osteuropa.

Die "Chmielnicki Massaker" fanden in einem weitreichenden Gebiet statt. Namen von Bezirken, welche wir heutzutage gar nicht mehr kennen wie Podolia, Volhynia, Cherginov und Poltava. Die heutige Ukraine und Teile Polens. Wer im Chassidismus besser bewandert ist, der wird die alten Landesnamen doch noch kennen, denn genau dort startete später der Baal Shem Tov "sein" Movement.

Damals im 17. Jahrhundert regierte Polen das gesamte Gebiet und auch in ökonomischem Sinne waltete der polnische Adel. Die ansässien Juden hingegen litten unter den anhaltenden Spannungen zwischen dem Adel und deren "Untertanen"; zwischen den polnischen Katholiken sowie den den Anhängern der Russisch – Orthodoxen Kirche; zwischen dem Stadt – und dem Landvolk. Und wie fast überall nahmen damals viele Juden wichtige Stellungen ein, denn sie besassen Ansehen und Einfluß in der polnischen Wirtschaft, was sie somit zu Unterstützern eines kapitalistischen Systemes machte.

Schon im Jahre 1637 riefen militante Kosaken zum Kampf gegen die Juden auf, wurden jedoch von der polnischen Armee überwältigt. Leider verstanden die Juden diese Warnung nicht und das sich solch ein begonnenes Pogrom jederzeit wiederholen könnte. Stattdessen glaubte man, dass kabbalistische Einflüsse sie noch einmal davonkommen liessen und man ging sogar noch weiter: Im Jahre 1648 sollte endlich der Meschiach eintreffen.

Bis zum Jahre 1648 waren die Kosaken viel besser organisiert und wurden angeführt von Hetman Bogdan Chmielnicki. Einen Bund mit den Tartaren waren sie ebenso eingegangen und hatten so an Stärke hinzugewonnen. Chmielnicki wollte die Juden erledigen und zu Beginn des Pogroms wurden die jüdischen Gemeinden am Dnjeper dem Erdboden gleichgemacht. Überlebende konvertierten entweder zum Christentum oder wurden in die Sklaverei verkauft.
Weiter mit den Massakern ging es in Nemirov, wo 6000 Juden abgeschlachtet wurden. Abgeschlachtet im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Kosaken schnitten Kehlen durch, ertränkten jüdische Kinder und wendeten auch sonst alle nur erdenklich Folter an. Synagogen und Thorarollen wurden zerstört und aus dem Material der Thorarollen wurdne Sandalen angefertigt.

Wenig später erfolgte die Auslöschung der Gemeinden Tulchin, Polonnoye und Narol. Letztendlich wurde ein Friedensvertrag zwischen dem polnischen König John Casimir und Chmienicki ausgehandelt. Demnach war es Jude nab sofort verboten, sich an jenen Orten niederzulassen, in denen Kosaken lebten. Chmielnicki hatte seinn Ziel, nämlich die offizielle Anerkennung der Kosaken, erreicht.

Aber nicht nur in Polen kam es zu Massenmorden; Litauen und Weißrußland waren genauso betroffen und die Kosaken stürmten die jüdischen Gemeinden in Moghilev, Vitebsk und Vilna. Als die Schweden im Jahre 1665 Polen eroberten, brachte dies eine kurzweilige Erleichterung für die Juden. Aber da die Juden sich freundlichst mit dem schwedschen Feind einliessen, brachte das wiederum die Polen auf die Barrikaden und es kam zu erneuten Massakern. Offiziell heißt es, dass in den Jahren von 1648 – 1658 über 300 jüdische Geimden vernichtet und ca. 100.000 Juden umkamen.

Was haben wir heute noch damit zu tun ? Ist dies nicht alles längst Vergangenheit ?

Mag sein, aber zum einen begehen wir morgen den Halbfastentag des 10. Tevet und zweitens haben diese Massaker unter anderem weitreichendere Auswirkungen als wir dies auf den ersten Blick anzunehmen vermögen.
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Quelle:

"The Encyclopedia of Hasidism" von Tzvi M. Rabinowicz

sowie einige Literatur von Gershom Scholem

Sonntag, 17. August 2008

Der Meschiach zieht um


Außenansicht der Meschichistenniederlassung in der Ben Yehudah



B"H

Die Chabad - Meschichisten (jene Chabadnikim, die glauben, dass der letzte Rebbe Menachem Mendel Schneerson der Meschiach ist) ziehen in ca. zwei Monaten um. Von der Jerusalemer Ben Yehudah Nr. 5 ans Ende der benachbarten Rivlin Street.

Der Meschiach zieht also fort aus der Fußgängerzone und ich werde die wilden Meschichisten - Plakate vermissen. Wenn auch total durchgeknallt, irgendwie gehörten sie doch zum Straßenbild.



Eingang vom Treppenhaus in der Ben Yehudah Nummer 5



Tanzende Chabad - Meschichisten in der Ben Yehudah (mit gelber "Meschiach - Flagge")







Publikumsmagnet "Chabad - Meschichisten"

Mittwoch, 6. August 2008

Kleine Einblicke in den Messianismus

B"H

Das frühe 19. Jahrhundert brachte enorme Veränderungen für die europ. Juden mit sich. Sie strebten nach Gleichberechtigung und wollten nicht nur das letzte Rad am Wagen hinter der nichtjüdischen Bevölkerung sein. Parallel dazu tobte die Haskalah (Aufklärung) und das gleichzeitige Aufkommen der Reformbewegung. Immer mehr Juden assimilierten sich, denn so erhofften sie sich eine Form der Gleichberechtigung. Und war das Shtetl nicht längst tot ? Viele deutsche Juden und polnische Juden zog es in den Bann der Haskalah. Man dachte akademisch und nicht an G - tt. Die Juden in Ungarn, Rumänien oder der Ukraine standen jedoch fast voll und ganz hinter der Thora und viele Rabbiner wehrten sich gegen die Reformer.

Aus den gleichen Rechten für alle wurde jedoch nicht viel, denn vielmehr trat das Gegenteil ein: es kam zu immer mehr Pogromen. Insbesondere in Osteuropa. Irgendwann reichte es vielen Juden und sie besannen sich auf das Land Israel. Die Rede ist dabei nicht von den Säkuleren, sondern von den Orthodoxen und sogar den Chassidim. Und ausgerechnet zu der Zeit kam es, wie schon unzählige Male zuvor, zu einer erneuten Berechnung des Messianischen Zeitalters. Im Jahre 1840 nämlich sollte der Meschiach kommen.

Wieviele Male hatte man das im Zeitverlauf der jüdischen Geschichte nicht schon angekündigt ? Das letzte große Jahr, in dem Meschiach erscheinen sollte, war das Jahr 1648. Alle warteten sehnsüchtig, doch wurde gerade dieses Jahr ein Katastrophenjahr für die Juden, denn die Chmielnicki - Pogrome brachten mehr als Hunderttausend Juden den Tod. Später nahm es der chassidische Rabbiner, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (der Seher von Lublin) auf sich, durch seine guten Taten den Meschiach zu bringen. Des Weiteren ging zu der Zeit Napoleon in Europa um und viele chassidische Rabbiner kommentierten seine Kriege und Eroberungen als den Krieg "Gog und Magog".
Rabbi Horowitz jedenfalls scheiterte in seinem Vorhaben und landete in einer Depression.

Nun sollte das Jahr 1840 endlich den erwarteten Meschiach bringen. Warum gerade das Jahr ?

Weil das weltliche Jahr 1840 das jüdische Jahr 5600 ergibt. Das kabbalistische Buch ZOHAR hatte dieses Jahr als das Jahr des Meschiach angegeben. Aus diesem Grunde machten sich vor 1840 viele Juden nach Israel auf, um den Meschiach zu erwarten. Selbst Juden aus der Türkei und Nordafrika zeigten sich von den Idee begeistert.
Die prominenteste Gruppe, die nach Israel kam, waren wahrscheinlich die Anhänger des Vilna Gaon (Rabbi Eliyahu von Vilna), die sich bereits im Jahre 1813 mit 511 Seelen in Israel niederliessen. Ziel dieser Gruppe war es, durch gute Taten die Ankunft des Meschiach einzuleiten und so sicherzustellen, dass er auch tatsächlich kommt. Es ist ein biblisches Gebot, dass ein Jude in Israel leben muß. Außerdem sollte Jerusalem wieder aufgebaut werden. Professor Yehudah Liebes von der Hebräischen Universität Jerusalem deckte auf, dass ein Anhänger des Vilna Gaon, Rabbi Menachem Mendel von Shklov, in seinem Lehrer (dem Vilna Gaon) den wahren Meschiach sah. Schabbtai Zvi hatte versagt und landete stattdessen in dunklen sündhaften Gefilden, doch war nicht der Vilna Gaon der perfekte Ersatz in der Neuzeit ?

Gerade zu der Zeit vor ca. 200 Jahren kamen vermehrt messianische Ideen auf. Nicht nur wegen der entstandenen chassidischen Bewegung, sondern die Welt an sich unterlag enormen Veränderungen. Die Französiche Revolution, das aufkommenden Industriezeitalter; all dies verunsicherte die Menschen und lesen wir Juden nicht im Talmud, dass die Zeit kurz vor dem Eintreffen des Meschiach gewaltigen Veränderungen unterliegt ? Selbst die aufkommende Reformbewegung wurde von vielen Juden als Grund für das Kommen des Meschiach gesehen. Die Reformbewegung ist eine Abspaltung des Judentums und wer könne schon mit ihr leben ? Aufgrund all der Gründe lag der Gedanke nahe, dass Meschiach unterwegs sei.

Im Sommer des Jahres 1832 ging in Europa eine Choleraepidemie um. Händler reisten daher in keine fremden Ortschaften mehr und so kam es zu einer Verarmung vieler Bevölkerungsteile. Viele europ. Länder kämpften für ihre Unabhängigkeit und wenn man all dieses historische Drumherum betrachtet, dann erkennt man schnell weitere Gründe für die Flucht vieler Juden zurück in ihre Heimat Israel. Der Messianismus war die Spitze des Eisberges.



Der Messianismus der Zeit sowie der chassidische Messinianismus sind breitgefächerte Themen, welche immer wieder separat in Länge angesprochen werden müssen und sollten.

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Quelle:

"Hastening Redemption" by Arie Morgenstern

Sonntag, 3. August 2008

Ge'ulat Meschiach

B"H

Beim gestrigen Schabbatessen lernte ich wieder eine neue Chabad - Vokabel. Allerdings muß ich zugeben, dass ich mir nicht sicher bin, ob es sich hierbei nur um eine Chabad - Vokabel handelt oder ob andere chassidische Richtungen diese besondere Abkürzung genauso benutzen. Wer Genaues weiß, kann mir dies gerne mitteilen.

Der neben mir sitzende Chabadnik zumindest erklärte mir die Abkürzung
"GE ' UMASCH".

Ge'umasch bedeutet ausgeschrieben: "Ge'ulat Meschiach - Die Meschiach - Erlösung oder Erlösung durch den Meschiach".
Das hebrä. Wort "Ge'ulah" bedeutet die Zeit nach der Ankunft des Meschiach.

Dienstag, 18. März 2008

Der merkwürdige Fall des Sehers (Chozeh) von Lublin

B"H

Es gab und wird immer Leute geben, die an historischen Ereignissen und Personen interessiert sind oder auch nicht.
Eine bemerkenswerte Persönlichkeit in der Geschichte sowie der Entwicklung des Chassidismus (Chassidut) stellte Rabbi Yaakov Yitzchak HaLevi Horowitz, der Seher von Lublin (HaChozeh MiLublin), dar. Kaum ein anderer Rabbiner prägte den Chassidismus so mit wie er und wurde von seiner Anhängerschaft so verehrt.

Das größte Aufsehen jedoch erregte sein seltsamer Tod und die Ursachen und Gründe geben bis heute viel Stoff für Spekulationen her. Es darf spekuliert werden, doch eine wahrheitsgetreue Antwort gibt es nicht. Auf meine Anfrage an einen Belzer Chassid antwortete mir dieser, dass niemand genau sagen kann, was passiert ist und warum. Die Leute, die damals im Jahre 1814 wirklich dabei gewesen waren, hüllten sich in Schweigen.

Geboren wurde Yaakov Yitzchak HaLevi Horowitz im Jahre 1745 in Lukov bei Tarnograd in Polen. Sein Vater war Rabbi Avraham Eliezer HaLevi, der außerhalb Lublins die Gemeinde Yosefov betreute. Die Mutter war Sprinza – Meitel, die Tochter des litvishen Rabbiners Yaakov Koppel. Wie viele Rabbis der damaligen Zeit verweigerte Rabbi Koppel beharrlich, sich der chassidischen Bewegung anzuschliessen. Seinerzeit bekam er sogar hohen Besuch vom Baal Shem Tov persönlich, doch Rabbi Koppel weigerte sich ebenso, den chassidischen Meister zu empfangen.

Frühzeitig fanden ihm sein Vater und Großvater eine passende Braut, aber Rabbi Yaakov Yitzchak fand sie alles andere als besonders passend und weigerte sich, die Dame zu heiraten. Aus Zwang heraus tat er es schließlich doch, nur um schnell zu verschwinden und den Maggid aus Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman, Nachfolger des Baal Shem Tov) um Rat zu fragen. Wenig später erreichte die frischgebackene Braut der Scheidungsantrag (Get). Er begründete die Scheidung damit, dass er keinerlei "Kedusha – Heiligkeit" aus den Augen der Braut herauslesen konnte. Die zweite Frau des Sehers von Lubin wurde Tehila Sprinza und gemeinsam hatten sie sechs Kinder. Vier Söhne (Israel, Yosef, Avraham und Zvi Hirsch) sowie zwei Töchter.

Rabbi Yaakov Yitzchak lebte in Armut, denn er weigerte sich, eine rabbinische Position anzunehmen. Stattdessen lernte er unter Rabbi Moshe Zvi Hirsch Meisels von Zulkov. Später lernte er unter Rabbi Shmuel aus Nikolsburg und danach traf er auf den Maggid aus Mezritch (1704 – 1772) bei dem er so berühmte chassidische Rabbiner wie Rabbi Levi Yitzchak aus Berditchev (1740 – 1810) und Rabbi Israel Hofstein (den Maggid aus Koznitz, 1733 - 1815) kennen lernte. Der Maggid aus Mezritch sagte über Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz, dass es solch außergewöhnliche Seele seit der Zeit der Propheten nicht mehr gab.

Nach den Lehrjahren beim Mezritcher Maggid wandte er sich dem ebenso berühmten Rabbiner, Rabbi Elimelech Weissblum aus Lejansk (1717 – 1786), zu. Rabbi Elimelech wurde soetwas wie eine Vaterfigur für den jungen vielversprechenden Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz. Bald sahen chassidische Größen wie Rabbi Zvi Naftali aus Ropschitz (1760 - 1827, Rabbi Elimelech aus Lejansk sowie Rabbi Levi Yitzchak aus Berditchev in ihm die chassidische Führerfigur der damaligen Generation.

Aber nicht alles war Friede, Freude, Eierkuchen, denn ausgerechnet mit seinem grossen Lehrer, Rabbi Elimelech von Lejansk, gab es Unstimmigkeiten. Rabbi Yaakov Yitzchak eröffnete sein eigenes Lernzentrum In der Stadt Lanzhut, nur wenige Kilometer entfernt von Lejansk. Rabbi Elimelech sah eine Art Konkurrenz am Horizont aufsteigen. Alsbald sandte er seinen Sohn Elazar zu Rabbi Yaakov Yitzchak, um letzteren zu bitten, den Konkurrenzbetrieb einzustellen. Rabbi Yaakov Yitzchak gab nach und zog nach Rozbadov.

Einige Zeit später zog Rabbi Yaakov Yitzchak zurück nach Lanzhut (Polen) und Rabbi Elimelech war abermals verärgert. Nun geschah noch Schlimmeres, denn einige wichtige Schüler Rabbi Elimelechs, wie Rabbi David aus Lelov, liefen zur Yeshiva (relig. Schule) des Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz über. Jetzt erschien Rabbi Elimelech persönlich vor dem Seher und beschuldigte ihn, seine Schüler zu "kidnappen". Somit gab es ein länger andauerndes Hin und Her zu dem es mehrere Berichte gibt. Einer davon lautet, dass Rabbi Elimelech aufgrund seines Alters als chassidischer "Führer der Generation" zurücktrat und an seiner Stelle den Seher von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak, ernannte.

Den Titel "Seher – Chozeh" erhielt Rabbi Yaakov Yitzchak, weil er in der Lage war, die Zukunft vorauszusagen. Weiterhin konnte er beim blossen Anblick einer Stirn die Herkunft und das Schicksal der Seele (Neshama) herauslesen. Aber nicht nur die Mystik war ausschlaggebend. Rabbi Yaakov Yitzchak war ebenso eine Größe auf dem Gebiet der Halachot (jüd. Gesetz).
Des Weiteren erhielt den Beinamen "Seher" da er noch vor seinem Tod prophezeihte, dass in einem Zeitraum von 100 Jahren die Russen ihre Herrschaft über Polen verlieren werden. Und so geschah es; im Jahre 1915 besetzten die Österreicher Lublin und die einstige Prophezeihung des Seher erschien sogar in der Zeitung.

Unter seinen Anhängern waren so berühmte Rabbis wie der Maggid aus Koznitz, Rabbi Menachem Mendel aus Rimanov, der Rebbe aus Apta, Rabbi Moshe Leib aus Sassov, Rabbi Naftali von Ropschitz, der Yismach Moshe (ein Vorfahre des späteren Satmarer Rebben Yoel Teitelbaum), Rabbi Yitzchak Eisik aus Kalov und Rabbi Chaim aus Czernowitz. Zwar hatte der Seher den bekannten Rabbi Nachman aus Breslov nicht persönlich, dennoch bewunderte er ihn sehr.

Sein gesamtes Leben über erwartete Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz die Ge'ulah, das Kommen des Meschiach. Zur damaligen Zeit, als Napoleon seine Kriege führte, sahen nicht wenige chassidische Rabbiner eben jene Kriege als Gog und Magog. In den Propheten wird uns mitgeteilt, dass der Krieg zwischen Gog und Magog dem Eintreffen des Meschiach vorausgeht. Wobei e shier verschiedene Kommentare darüber gibt, um wechen Krieg es sich handelt. Der letzte Lubawitscher Rebbe, Rabbi Menachem Mendel Schneerson, zum Beispiel, war der Ansicht, dass der Zweite Weltkrieg schon Gog und Magog verkörperte und somit der Weg für Meschiach frei sei.

In der Nacht von Simchat Thora (Ende des Laubhüttenfestes Sukkot / Sept. oder Oktober) des Jahre 1814, kam Rabbi Yaakov Yitzchak aus der Synagoge und zog sich zurück auf sein Schlafzimmer, welches sich im ersten Stock seines Hauses befand. Im Schlafzimmer befand sich nur ein schmales Fenster und im Untergeschoß lag die Beit Midrasch (Bibliothek).
Gegen Mitternacht fanden die Chassidim den Körper des Rabbis unten im Hof liegen. Wie er dahin kam, ob er gestürzt oder gesprungen war, ist bis heute unklar. Bis zu seinem Tode am Tischa Be' Av des Jahres 1815 (ungefähr im August) verliess er nicht mehr sein Bett.

Tatsachen, die gegen einen Selbstmord sprechen:
Der Rabbi hätte zu dem über seinen Schultern gelegenen Fenster hinaufklettern müssen. Die Weingläser auf dem Fenstersims waren jedoch unberührt und wurden nicht beiseite geschoben.

Da einfach keine logische Erklärung für den Fall zu finden war, sahen ihn die Chassidim als ein mystisches Zeichen an. Der behandelnde Arzt Doktor Bernhard fragte Rabbi Yaakov Yitzchak, was denn geschehen sei und lezterer antwortete, dass die "Sitra Achra" ihn überkommen habe. "Sitra Achra" bedeutet, dass jemand seinen negativen Gedanken folgt, anstatt sich an G – tt zu wenden. In anderen Worten, der Mensch ist anfällig für Vergehen.

War es ein Fall oder ein Selbstmordversuch ?
Wenn Selbstmord, dann warum ?

Jahrelang hatte Rabbi Yaakov Yitzchak den Meschiach sehnlichst erwartet und hatte dessen Ankunft sogar für das Jahr 1814 / 1815 vorhergesagt. Als dieser aber auf sich warten liess, verfiel der Rabbi in schwere Depressionen.

Kritiker des Rabbis, besonders die litvischen Juden, sehen in dem Fall genauso einen spirituellen Fall. Der Zaddik (Gerechter) Yaakov Yitzchak Horowitz fiel von seinem hohen Level. Manche Litvische gingen sogar soweit zu behaupten, der Rabbi sei betrunken gewesen und deshalb aus dem Fenster gefallen.

Eine chassidische Weisheit gilt jedoch bis heute:

Als der Rabbi verunglückte, verkündeten die Litvischen sarkastisch, dass sie sich am Tage seines Todes freudig betrinken werden. Die Strafe G – ttes an die Litvischen kam postwended; Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz verstarb am Tischa Be' Av. Der Tischa Be'Av ist in 25 – stündiger Fastentag, der an beide Tempelzerstörungen erinnert. Der Rabbi starb an einem Fastentag und so hatte G – tt die Litvischen um ihr Gelage gebracht.

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Folgende Buchautoren waren mir eine große Hilfe bei den Recherchen:

Yitzchak Alfassi, Rabbi Zvi Meir HaCohen Rabinovitch, David Assaf sowie Rachel Elior


Mit Absicht bin ich in diesem Artikel nicht auf die Lehren des Rabbi Yaakov Yitzchak eingegangen, denn dies werde ich in einem gesonderten Artikel tun, der sich ebenso mit der Abspaltung von Lublin, dem Peschis'cha – Movement befassen wird. Kurz darauf folgt dann ein langer Artikel über das Hause Kotzk und dessen Rabbi Menachem Mendel von Kotzk, sowie die daraus entstandene chassidische Gruppe Gur.

Bekannte chassidische Gruppen, die in den Lehren des Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz ihren Ursprung haben:

Apta, Ropschitz, Lelov, Belz, Satmar und weitere.