Heute morgen fand ich einen haredischen (ultra - orthodoxen) Laden, wo mir der Inhaber die wöchentlichen Thora Parashot sämtlicher chassidischer Gruppen versprach. Einschliesslich der Toldot Aharon sowie deren Abspaltung, die "Schomrei Emunim". Und das an jedem Freitag. Die ersten Ausgaben bekam ich gleich heute mit heim. Zumindest habe ich von nun ab alles im Original und brauche nicht mehr durch das Internet hasten !
Eine sehr gute Beschreibung der Chassidut Toldot Aharon und deren Ideologie. Einige englische Worte jedoch schauen recht seltsam aus und scheinen abgekürzt zu sein.
Der Satmarer Rebbe aus New York besuchte London. Stets verwechsele ich die gleichen Rebben miteinander, denn als Brüder sehen sie sich ungemein ähnlich. Da sind zum einen die zwei Satmarer Rebben (Rebbe Zalman Leib und Rebbe Aharon Teitelbaum) sowie die zwei Vishnitzer Rebben aus Bnei Brak (Rebbe Israel und Rebbe Menachem Mendel Hager).
Ich nehme an, dass es sich bei dem Satmarer unten im Bild um Rebbe Aharon Teitelbaum. Wer jedoch Gegenteiliges weiß, kann dies gerne kundtun
Bisher sah ich nur einen der zwei Satmarer Rebbe: Rebbe Aharon Teitelbaum in Bnei Brak im vergangenen November.
Die Enkelin des Shomrei Emunim Rebbe Avraham Chaim Roth hat geheiratet.
Eine dermassen gigantische Challah (Brot) ist in chassidischen Kreisen nicht unüblich.
Sheva Berachot (Segen nach einer Hochzeit) in der Chassidut Toldot Avraham Yitzchak
Sämtliche Photos der Events können hier angeschaut werden:
Yoelish Kroiz ist das Oberhaupt der Neturei Karta in Mea Shearim (Jerusalem). Neben der Hauptsynagoge der Neturei Karta, der Torah veYirah Synagogue, gibt es noch ein weiteres Zentrum. Nicht weit entfernt, kleiner und bescheidener und dort herrscht Israel Hirsch, der Sohn des mittlerweile an Alzheimer erkrankten Moshe Hirsch. Moshe Hirsch war bekannt dafür, Arafats Minister für jüdische Angelegenheiten zu sein. Ein extremer Zweig der NK, welcher auch jene Gruppe zugerechnet wird, die in den Iran fuhr und Achmadinejad huldigte.
Die folgenden Photos fand ich in einem haredischen Forum und sie entstanden erst vor kurzem. Yoelish Kroiz feierte die Bar Mitzwah seines Sohnes und es sind nicht allzu viele Gäste anwesend. Mir fiel auf, dass sein Sohn die Feiertagstracht der chassidischen Extremgruppe Toldot Aharon trägt und wunderte mich. Die Mehrheit der Neturei Karta Mitglieder sind nämlich litvische Haredim und keineswegs unbedingt Chassidim ! Warum also der Kleidungsstil des Sohnes ?
Der Name "Neturei Karta" hingegen stammt aus dem Aramäischen und bedeutet "Hüter der Stadt". Einige Rebbe Areles frühester Anhänger bilden also genauso die Neturei Karta.
Ganz rechts hinter dem Tisch stehend: Der Sohn des Yoelish Kroiz.
Blick über Jerusalem vom Dach der Ruzhin - Boyan Synagoge
B"H
Andernorts ist Purim nach einem Tag vorüber, doch in Jerusalem wird noch ein weiterer Tag namens "Schuschan Purim" angehängt. Normalerweise finden am Purimausgang DIE großen Feiern im ultra - orthod. Mea Shearim statt. Einschließlich chassidischer Tische mit den jeweiligen Rebben. Sämtlich Synagogen stehen offen, aber bekannt ist Außenstehenden das Event weniger. Und so zog ich mit einer Freundin los und wir hatten Glück, nicht auf allzu viele Tischtouristen zu treffen. Die Straßen Mea Shearims waren, wie noch am Sukkot (Laubhüttenfest im Oktober), nicht in Männlein und Weiblein unterteilt und alle managten die Situationen bestens.
Die chassidischen Tische begannen mit dem Sonnenuntergang am vergangenen Mittwoch abend und unser erstes Ziel waren die Toldot Aharon. Obwohl es gerammelt voll war, gelang es uns dennoch auf der Frauenempore einen Platz auf den Metallgestellen zu ergattern und einen Blick auf Rebbe David Kahn und seine Chassidim zu werfen. Ich kenne den Rebben stets als organisiert und ernst, doch an Purim waren seine Peyes (Seitenschläfen) so ziemlich durcheinander geraten und ich bekam das Gefühl, dass er wohl die ganze Nacht durchgefeiert hatte.
Wir waren gerade am Gehen als eine junge Toldot Aharon Frau auf mich zukam und meinte, dass wir ja recht regelmässig zu den Tischen der Gruppe kommen. Sie beobachte halt alles genau. Ich fragte sie, was genau sie denn jetzt wissen wolle, denn normalerweise ist dies ein Anzeichen, was Ausfragen bedeutet. "Nichts wolle sie fragen, sondern ich sei ja in positivem Sinne an der Gruppe interessiert". Da sie das Wort "interessiert" unendlich viele Male wiederholte, sagte ich ihr, dass ich ebenso im Internet über den Chassidismus schreibe. Wer denn meine Leser seien, wollte sie wissen. Chassidim, Haredim, Säkulere, Nichtjuden, was immer Du willst, gab ich zurück. Damit war unser Gespräch schnell beendet und sie zog von dannen. Einen besonderen Reim konnte ich mir darauf nicht machen und meine Freundin meinte, dass die Leute halt neugierig seien. Außerdem passen wir in keine deren Kategorien. Wir sind keine frommen Seminarmädels oder anderweitig haredisch.
Wer meint, die Situation genauer erklären zu können, der kann gerne einen Kommentar hinterlassen !
Gleich danach gingen wir fast direkt nebenan zu den Toldot Avraham Yitzchak, geleitet vom zweiten Kahn - Bruder, Rebbe Shmuel Yaakov. Der Rebbe war noch ruhig am Essen und der Chor / die Band etwas in den falschen Tönen, was sich aber sicherlich noch besserte.
Toldot Avraham Yitzchak
Nächste Station: Die Neturei Karta. Die Neturei Karta besitzt die prachtvollste Synagogue im ganzen Stadtteil, aber dennoch war Purimmässig eher tote Hose. Außer ein paar jugendlichen Betrunkenen, die auf einem Tisch auf und abrannten, war nichts los.
Die NetureiKarta Synagoge in MeaShearim
Nächste Station: Die Mishkenot HaRoim Die beste Band; swinging, laut und voller Freude. Rebbe Chaim Rabinovitch saß in der Mitte und jeder konnte zu ihm kommen und mit ihm sprechen.
Die MishkenotHaRoim mit Rebbe Chaim Rabinovitch
Nächste Station: Stropkov Die Frauen hingen wie festgeklebt an der Mechitzah (Trennwand zu den Männern) und wir sahen keinerlei Chance uns daziwschenzuquetschen. Also trotteten wir weiter zu den Schomrei Emunim. Bei den Schomrei Emunim erwartete uns eine absolut positive Überraschung, denn dort hatte man auf der Frauenempore einen größeren Bildschirm aufgestellt und so konnten wir alle den Rebben und seine Chassidim im Untergeschoß ohne Probleme sehen. Eine tolle Idee den Bildschirm aufzustellen !
Nächste Station: Karlin - Stolin Die Karliner hielten weniger Vorteilhaftes für die Frau parat, denn das Männerzelt draußen vor der Synagoge war mit Vorhängen verhängt. So konnten wir nichts sehen und stellten uns einfach neben dem Zelt auf. Solange bis sich ein Chassid und eine Frau bei uns beschwerten. Wir und einige andere weibliche Wesen sollen gefälligst die Absperrung beachten.
Karlin - Stolin
Aber wir sind keine "hinter den Vorhang Fans" und so gingen wir weiter zu Kretchnif. Die Kretchnifer Synagoge war fast leer, aber der Rebbe tanzte wundervoll vor sich hin. Ich liebe es, dem Kretchnifer Rebben beim Tanzen zuzusehen.
Unsere letzte Station war die Synagogue der Chassidut Ruzhin - Boyan und dort war das Schmankerl der Nacht geboten. Hunderte Chassidim und Frauen auf der Empore waren versammelt und dann stellten sich fünft Chassidim mit einer Chuppah (Hochzeitsbaldachin) vor dem Rebben auf dem riesigen Tisch auf und sangen. Ich befragte eine Boyaner Frau und die meinte aufgeregt, dass man sich jedes Jahr neue Entertainments einfallen liesse.
Auf dem Heimweg konnte ich meine Beine kaum noch bewegen und kam um Mitternacht in Tel Aviv an, wo ich gerade so eine der letzten Sherut - Taxen erwischte. _______________________
Sämtliche Bilder wurden von meiner Freundin aufgenommen !
Hier einige aktuelle Photos des Shomrei Emunim Rebben Avraham Chaim Roth, dem Sohn des legendären Gründers der chassidischen Gruppe Toldot Aharon, Rebbe Aharon Roth.
Der derzeitige Rebbe der Schomrei Emunim, welche in Bnei Brak bei Tel Aviv sowohl als auch in Mea Shearim / Jerusalem ansässig sind, verbrennt hier die übriggebliebenen Dochte der mit Öl gezündeten Chanukkah - Kerzen. Laut dem "Schulchan Aruch - Code of Jewish Law) darf kein Jude nach Chanukkah einen weiteren Nutzen aus den Kerzen bzw. dem Öl ziehen. Einzelheiten gibt es hier: http://www.dailyhalacha.com/Display.asp?ClipID=1559
Vielerseits liessen mir Chassidim ihre Meinungen über "Jerusalemer Chassidim" zukommen. In Jerusalem herrschen oft teilweise unterschiedliche Mentalitäten oder Kleidungsstile. Was ein Chassid in Bnei Brak, New York oder anderswo noch tolerieren kann oder als ganz selbstverständlich betrachtet, gilt nicht unbedingt für einen Jerusalemer Chassid.
Die richtigen alten Jerusalemer Chassidim tragen, u.a., ebenso unterschiedliche Kleidung und von daher erscheinen meine Beschreibungen manchmal abweichend von Chassidim in anderen Orten. Zum Beispiel sind die Chassidim der Toldot Aharon nur in Jerusalem an ihre Kleidung gebunden. In Bnei Brak etc. hingegen, können sie andere Kleidung tragen.
Ganz offensichtlich wird dies bei den Schomrei Emunim, einer weiteren Abspaltung der Toldot Aharon. In Mea Shearim kleiden sich die Männer am Schabbat in ihren goldbrauenen seidenen Kaftan. In Bnei Brak dagegen tragen sie einen normalen schwarzen Kaftan (für Experten: noch nicht einmal eine "Bekishe").
Die Mentalitäten unterscheiden sich dahingehend, dass die Jerusalemer aus Mea Shearim weniger nach außen gerichtet sind. Eben weil es ihnen dort möglich ist, die Außenwelt fernzuhalten bzw. sich nicht zu sehr nach außen orientieren zu müssen.
Es verirren sich wahrlich nicht viele nichtjüdische Touristen in die haredische (ultra – orthod.) Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv. Eigentlich gibt es auch nichts zu sehen und derjenige, der die Stadt besucht ist meist jüdisch – relig. oder interessiert sich für die israelische Niederlassung der Coca Cola Produktion. Obwohl einige Säkulere sowie Nationalreligiöse leben auch in Bnei Brak. Die Mehrheit der Bevölkerung jedoch ist haredisch und die Mehrheit der Mehrheit ist litvisch – haredisch. Die Litvischen besetzen fast die ganze Stadt und viele von ihnen tummeln sich in ihren Yeshivot (u.a. in Ponibezh und Chazon Ish). Wer sich hingegen für die chassidischen Gebiete interessiert, nun, der muß etwas suchen. Hat man sie aber erst einmal gefunden, dann sind alle in wenigen Straßen leicht zu lokalisieren.
Etwas mehr als eine Stunde vor Schabbatbeginn stand ich am Freitag abend in der Hauptgeschäftsstraße von Bnei Brak, der Rabbi Akivah, und wußte nicht so recht wohin. Ich hatte absolut keine Ahnung, wo genau ich nun die Chassidim ausfindig machen sollte, und begann erst einmal, die Rabbi Akivah hinaufzulaufen. Unterwegs fragte ich eine Frau und eine Beit Yaakov – Schülerin (von einer haredischen Schule), wo ich denn den Stadtteil Kiryat Vishnitz finde. Die Vishnitzer Chassidim sind in der Stadt dermaßen verbreitet, dass sie sogar ihr eigenen Stadtteil haben.
"Wow, weit weg. Da mußt Du einen Bus nehmen; bis Chazon Ish und dann frag Dich durch", so lauteten die Antworten, die ich bekam.
Ich nahm keinen Bus, sondern beschloß, soviel von Bnei Brak zu sehen wie nur möglich. Und so machte ich mich zufuss auf den Weg. Nicht weit entfernt traf ich auf die erste Synagoge. Die der chassidschen Gruppe Alexander. Bis vor dem Holocaust war die Chassidut Alexander eine der blühenden polnischen chassidischen Gruppen gewesen. Nach dem Holocaust jedoch gab es kaum noch Chassidim und irgendwann beschloß man, sich der großen "Schwester" Gur (Jiddisch: Ger) anzuschliessen. Heute findet man Alexander überwiegend in Bnei Brak und da sie eine Art Teil von Gur sind, kenne ich ihre Politik gegenüber Frauen nicht. Ob sie Frauen zu ihrem chassidischen Tisch zulassen, denn Gur tut dies als einzige Gruppe nicht. Nach Alexander werde ich ein anderes Mal gehen, denn sie liegen etwas weiter von dem Rest der chassidischen Gruppen der Stadt entfernt.
Nachdem ich fast die gesamte Rabbi Akivah hinaufgelaufen war, sah ich rechts eine Einbiegung, welche Chazon Ish heißt. Ich bog ein und befragte sogleich eine Frau nach Kiryat Vishnitz. "Ich bin von Vishnitz", sagte sie und beschrieb mir sofort den Weg. Ich ging einige Meter weiter und sah sofort die Synagogen der chassidischen Gruppen "Dushinsky", "Bobov" sowie "Seret – Vishnitz". Fast genau gegenüber von ihnen befinden sich die Satmarer mit einer riesigen Synagoge und ihrem Wohngebiet einschließlich ihrer eigene kleinen Läden (u.a. Makolet Satmar).
Kurz darauf stößt man auf die "Aschlag – Synagoge" (einer der früheren Aschlag – Rabbis schrieb den ZOHAR – Kommentar "HaSulam"). Mein erklärtes Ziel jedoch waren die Schomrei Emunim, die Ursprungsgruppe der Toldot Aharon sowie die Chassidut Sadigora (Sadigura). Der Gründer und derzeitige Rebbe Avraham Chaim Roth ist der Sohn des Toldot Aharon Gründers Rebbe Aharon Roth.
Die Chazon Ish Street ist endlos lang und in ihr findet man unzählige Synagogen. In den Seitenstraßen findet man sogar einige litvische Synagogen. Und nun stand ich vor einem Dilemma. In welche der vielen Synagogen sollte ich nun zum abendlichen Schabbatservice gehen ? Selbst Breslov hatte ich gefunden.
Ich entschloß mich, die Schomrei Emunim – Synagoge zu finden und dorthin zu gehen. Endlich fand ich sie gleich neben der Raschi Street und man kann es kaum glauben. Die Frontseite des Schomrei Emunim – Gebäudes ist mit Musikinstrumenten behängt. Schaut ein wenig hippiemäßig aus, aber es ist einmal etwas anderes im sonst so angepassten Bnei Brak. Ich traf auf einen der Chassidim und er berichtete, dass die Frauen der Gruppe nicht den Brauch haben, am Freitag abend die Synagoge zu besuchen. Wie bei vielen anderen chassidischen Gruppen übrigens auch.
Ich kenne Rebbe Avraham Chaim Roth von seinem chassidischen Tisch in Jerusalem und war überrascht, seine Chassidim in Bnei Brak mit einem anderen Kleidungsstil anzutreffen. Schwarze Kaftane tragen sie dort anstatt des Jerusalemer Outfits blau – weiß. Toldot Aharon – Gründer Rebbe Aharon Roth wollte, dass seine Chassidim den Jerusalemer Stil tragen, woanders aber sind sie nicht daran gebunden.
Allerdings wollte ich nun nicht meine Zeit mit dem Suchen nach einer Gruppe, deren Frauen am Freitag abend in die Synagoge kommen, verschwenden und fand gleich um die Ecke Chabad. Wie könnte es auch anders sein ?
Dennoch war ich auch die einzige weibliche Person bei Chabad. Die Chabadnikim in der Synagoge waren anders. Keine Baalei Teshuva und andere neu hinzu Gekommene. Dies waren richtige ursprüngliche Chabadnikim, die auch Jiddisch sprachen. Selbst andere Chassidim hatten sich zum G – ttesdienst eingefunden. Einer von Gur oder Alexander war auch dabei. Ich sage hier "oder", denn Gur und Alexander haben denselben Kleidungstsil und man kann sich nicht auseinanderhalten.
Mincha, das Nachmittagsgebet, ging in weniger als zehn Minuten ruckzuck über die Bühne und danach gab es eine 40 – minütige Lernpause. Zum Abendgebet Mariv sang ein Chazan alle Gebete laut vor, was sehr schön anzuhören war. Ich hatte keine besonderen Pläne und aß mein mitgebrachtes Essen. Hinterher machte ich mich wieder auf die Suche nach Sadigura, an deren Tisch ich teilnehmen wollte. Ich ging und ging und fan dimmer neue chassidische Synagogen, aber nicht die von Sadigura. Ich ging die Rabbi Akivah bis zum Ende hinauf, wo sie in die Kahaneman Street mündet. Und dort fand ich eine chassidische Gruppe, die ich in Jerusalem schon oft besuchen wollte, aber nie dazu kam. Der Rebbe der Gruppe, welcher regelmäßig Jerusalem besucht und große Tische gibt kommt aus Lugano. Und nun wissen viele, welche Gruppe ich fand. Genau die chassidische Gruppe Biale. In Bnei Brak hat Biale einen eigenen Rebben. Ich fand den Fraueneingang und fand dort einen Mann vor. Typisch.
Mit dem Typen hatte ich dann auch gleich eine lange Diskussion, die sich über eine halbe Stunde lang hinzog. Er war kein Chassid, sondern betete bei Biale. Der Typ stellte sich als Glücksfall für mich heraus, denn er gab mir bessere Auskünfte, wie jede Enzyklopedie. Er wußte alles und kannte jeden. Hinterher fragte er mich auch noch nach meinem Alter, denn er suchte offebar einen Schidduch (Ehepartner). Aber ich entkam rechtzeitig. Auf alle Fälle werde ich zu Biale zurückkehren, aber nicht wegen dem Typen.
Einige Auszüge unserer Unterredung:
ER: "Weißt Du, Bnei Brak ist leicht zu erkunden. Die Chassidim haben sich so in etwas um vier große Straßen herum angesidelt und Du stehst gerade genau in der Mitte. Sadigura ist ganz in der Nähe. Geh nur einfach die Straße weiter hinauf. Aber da ist eh nicht viel los und ob es einen TIsch gibt ….wer weiß. Geh zu Vishnitz, da ist high life. Die sind so groß, dass sie allein zwei Stockwerke nur für Frauen haben. Jeder geht zum Vishnitzer Tisch".
ICH: "Wer gibt denn den Tisch ? Israel oder Menachem Mendel ?" (Die zwei Söhne (Rabbi Israel Hager sowie Menachem Mendel Hager) des Vishnitzer Rebben Bnei Brak kloppen sich um die Nachfolge)
ER: "Oh, Du kennst Dich ja mit den Gruppen aus. Israel gibt den Tisch und er ist hier der King. Nicht Menachem Mendel".
ICH: "Und was ist mit Gur (Ger) ? Was denken die Leute hier über sie ?"
ER: "Nun, Gur ist schwer zu handhaben. Die bleiben immer nur untereinander und reden mit keinem. Von denen kriegst Du nie Infos. Eine chassidische Gruppe sollte offen sein und den Leuten entgegenkommen und nicht so geschlossen wie Gur".
ICH: "Und was ist mit Machnovka, die derzeit mit Belz streiten ?"
ER: "Oh, Machnovke, Machnovke, die haben eine winzige Synagoge in der Raschi Street. Sie nennen sich jetzt sogar Belz – Machnovke oder Machnovke – Belz. Kämpfe zwischen chassidischen Gruppen sind schon etwas Trauriges".
ICH: "Und was gibt es hier bei Biale ?"
ER: "Mit Biale in Bnei Brak ist es recht traurig. Der Rebbe ist über achtzig und hat zwar 300 Leute zum Beten am Schabbat, aber keinerlei eigene Chassidim. Er ist ein großer Mann, aber leider ohne Anhänger".
Ich war dem Typen total dankbar für all seine Infos, trotz offensichtlicher Schidduch – Absichten.
Ich kehrte zurück in die Kahaneman Street und ging dann irgendwie in den Seitenstraßen verloren. Unterwegs fand ich das Center der Chassidut Karlin – Stolin und irgendwann dann war ich dann sogar in Kiryat Vishnitz. Dort ging ich total verloren und fragte eine Bewohnerin nach der Chazon Ish Street. Ich gelangte in die Ezra Street und unterwegs sah ich von weitem das riesige Center der Chassidut Nadvorna. Abe rich wollte zu den Schomrei Emunim zurück und schauen, ob die einen Tisch mit dem Rebben haben. Nein, hatten sie nicht; also auf zu Nadvorna.
Ich ging um den riesigen Gebäudekomplex herum und fand ohne Mühe den Fraueneingang. Kurz bevor den Fraueneingang erreichte, erschien hinter mir der Rebbe von Nadvorna. Einige Chassidim und zwei Litvische in Begleitung. Jemand machte mir ein Zeichen, dass ich kurz warten solle. Also stand ich fast neben dem Nadvorna Rebben, der sich von den Litvischen berieseln lassen mußte, denn die krochen fast, verbeugten sich und küßten ihm ohne Ende die Hand. Der Rebbe entkam dann irgendwann. Er wohnt übrigens genau gegenüber vom Fraueneingang und sein Privateingang in die Synagoge befindet sich gleich daneben.
Die Frauenempore bei Nadvorna ist riesig und erinnerte mich an jene von Belz in Jerusalem. Riesig und sauber. Die Mechitzah (Trennwand zu den Männern) besteht aus Glas mit eingefärbten kleinen Löchern. Immer mehr Frauen kamen herein und verschwanden im hinteren Teil um die Ecke. Ich folgte dann irgendwann und als ich ankam, sah ich eine riesige Glaswand, durch die man schauen konnte wie im Theater. Keine Löcher mehr. Eine Frau meinte, ich hätte man gleich hier stehen sollen und ich erwiderte, dass dies mein erster Besuch sei und ich mich nicht auskenne. So kamen wir ins Gespräch und sie erzählte, dass sie von Nadvorna sei. Überhaupt waren wir an dem Abend nur zwei weibliche Gäste. Im Männerbereich standen vier oder fünf Nationalrelig.
Man erzählte mir, dass es Nadvorna nur in Bnei Brak gebe. Kein Jerusalem, kein New York, nichts. Außer ein paar kleinen Synagogen hier und da. Es war total einfach mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Sie sprechen Jiddisch und Hebräisch untereinander. Genauso wie die Teenage Girls.
Unten im Männerbereich hatten sich mindestens 300 Chassidim eingefunden und der Rebbe klatschte in die Hände; als Zeichen zum Beginn. Und man kann mir glauben, wenn der Nadvorna Rebbe Befehle gibt, dann folgen alle. Der Typ aus der Biale Synagoge hatte mir gesagt, dass Nadvorna die besten Melodien (Niggunim) habe, was ich nicht unbedingt bestätigen kann. Das erste Lied war grandiose, das zweite wurde zur Melodie von "Avinu Malkeinu" gesungen und der Rest riss mich nicht gerade vom Tisch, auf dem ich sass. Für mich persönlich hat Belz immer noch die besten Niggunim.
Der Rebbe machte Kiddusch (Segnung des Weines) und aß etwas Challah (Schabbatbrot), aber das war es auch. Das gesamte Essen verteilte er unter den Chassidim, und es gab reichlich warmes Essen. Ein toller chassidischer Tisch und zu keinem Zeitpunkt der Dauer von zwei Stunden langweilig. Allerdings war schwer, mitten in der Nacht wieder nach Tel Aviv zurückzulaufen.
Wenn jemand in Bnei Brak ist, dann sollte er sich nicht nur auf Vishnitz konzentrieren, sondern auch andere chassidische Gruppen besuchen. Nadvorna lohnt sich immer und ich kann es wärmstens empfehlen.
After years of living in Jerusalem, I decided to betray the city by moving to Tel Aviv.:-) In the meantime I returned to the Holy City. It is actually very good to be back in Jerusalem !!!
Nevertheless, I am still writing about Jerusalem but also include many other places in Israel.
Until some years ago, I was a Yeshiva (Michlalah) student. First with the national religious and later with the Litvishe. Also got in contact with Chassidut and this subject and lifestyle has never left me.