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Sonntag, 11. Juli 2010

Englisch, Mathe und Naturwissenschaften für Haredim


Heutiger Artikel in der "Yediot Acharonot"

Photo: Miriam Woelke


B"H

Haredim (Ultra - Orthodoxe) und darunter jene, die der Agudat Israel (Gur, litvische Haredim, Belz oder Vishnitz) angehören, lernen demnächst nicht "nur" Talmud und Thora, sondern auch Englisch, Mathematik sowie naturwissenschaftliche Fächer. Die Knesset will den Haredim das Arbeiten ermöglichen.

Viele Haredim arbeiten seit Jahren oder stehen einem Job nicht unbedingt abgeneigt gegenüber, da man das Geld gut gebrauchen kann. Ohne Allgemeinbildung gibt es jedoch keinen Job und das soll jetzt anders werden. Zumindest für jene haredischen Schulen, welche Geld vom Staat Israel erhalten. Alle anderen wie die chassidischen Gruppen Satmar, Toldot Aharon, Dushinsky oder Toldot Avraham Yitzchak sind nicht an die neuen Regelungen gebunden, denn sie verzichten auf staatlich - finanzielle Unterstützung.

Die Mädchen der Agudah lernen hingegen schon seit Jahren Englisch und Computer, denn sie sind es, die einen Job suchen gehen, um ihren Gatten finanziell mitzuunterstützen. Jungen allerdings lernen weder ausrereifte Mathematik, noch Physik oder Bio, geschweige denn Englisch.

Wir werden sehen, wie die haredisch - sephardische SHASS - Partei sowie die Haredim der Agudah reagieren, denn weltliche Studien sind bei vielen verpönt. In meinen Augen jedoch gehört Bildung zum Leben dazu. Wie soll jemand G - ttes Schöpfung zu schätzen wissen, wenn er noch nicht einmal den Tag von der Nacht unterscheiden kann ? Bildung war immer eine jüdische Auszeichnung. Selbst bei Rabbinern wie dem letzten Lubawitscher Rebben, Maimonides, Nachmanides, dem Gaon von Vilna und vielen mehr. Heutzutage werden allerdings viele junge Haredim fast zu Golems erzogen, die absolut keine Ahnung von der Außenwelt haben und ihren Lebensunterhalt kaum zu bestreiten in der Lage sind.

Mittwoch, 7. April 2010

Schabbesschrei in Nachlaot

B"H

Der kleine beschauliche Stadtteil Nachlaot gerät offensichtlich immer mehr ins "Schabbeskreuzfeuer". Gleich am Jerusalemer Machane Yehudah Markt gelegen unterliegt Nachlaot seit langem einem Künstler - Lebenskünstlerflair. Waren es vor mehr als 30 - 40 Jahren noch vorwiegend kurdische oder überhaupt sephardische Neueinwanderer, die sich dort niederliessen, so wandelte sich die Zeit. Heute wird Nachlaot vorwiegend von amerikanischen Neueinwanderern, relig. oder nicht sowie jungen Israelis, relig. oder auch nicht, bewohnt. Man kommt miteinander aus und die total Spirituellen a la Rabbi Shlomo Carlebach oder seinem modernen Ableger Rabbi Shalom Brod stören nicht weiter im Getriebe. Eine Seite Nachlaots aber wird mittlerweile von den Haredim (Ultra - Orthodoxen) beherrscht und das richtig. Am Schabbat sind dort die Straßen gesperrt und Anstandsschilder sind eh schon überall zu finden. Doch auch hier macht man, mehr oder weniger, auf gute tolerante Nachbarschaft. Keiner nervt den anderen und alles plätschert gemächlich dahin.

Seit Monaten aber postieren sich einige fanatische Haredim an die Agrippas Street am Schabbat und brüllen auf die vorbeifahrenden Autos "Schabbes, Schabbes" ein. Die Agrippas ist ganz und gar nicht haredisches Territorium, doch am Schabbat ein Anlaufpunkt für Schreie. Selbst noch drei Minuten vor dem offiziellen Schabbatende.

Am Montag abend (Pessach) ging es zwei Stunden mit den Schreien die Agrippas auf und ab. Ich frage mich nur, inwieweit sich die ansässige Bevölkerung nicht bald auflehnt. Vor lauter relig. Erhabenheit scheinen einige die bisherigen toleranten Spielregeln des Zusammenlebens niederzutreten.

Montag, 18. Januar 2010

Eliyokim ist in die Tochter eines Rabbiners verliebt,

aber ein Schidduch (Partnervermittlung) wird keinerlei Chancen haben, denn zu gravierend sind die sozialen Unterschiede.

In der heutigen haredischen (ultra - orthod.) sowie auch nationalreligiösen Gesellschaft werden Partnervermittlungen unter strengen Vorgaben / Regulierungen gehandhabt: Ein Behinderter hat höchstens die Chance, eine Behinderte zu ehelichen. Ein Baal Teschuva (im späteren Lebensverlauf relig. gewordener Jude) wird eine Baalat Teschuva bekommen, ein Armer ebenso eine Arme, der Sohn eines Rabbiners die Tochter eines Rabbiners,etc. Das mag grausam klingen, ist jedoch weitgehend einmal so.

Im Video sehen wir den im Rollstuhl sitzenden talentierten Talmudschüler Eliyokim (Eliyakim), der sich in die Tochter eines Rabbiners verliebt, doch dem der Schadchan (Heiratsvermittler) ein Mädchen zur Hochzeit offeriert, die selbst diverse Probleme hat. Welche, das kommt in dem Video nicht vor, denn es handelt sich hier lediglich um einen kleiner Ausschnitt eines Filmes. "Liebe" spielt bei der relig. Eheanbahnung kaum bis gar keine Rolle. Das komme erst nach der Hochzeit.

Die Sprachen im Film sind Hebräisch und Jiddisch mit englischen Untertiteln !




Montag, 29. Juni 2009

Haredi Bashing

B"H

Momentan habe ich kräftig die Schnauze voll von Teilen unserer Gesellschaft, die sich da ständig gegen die Haredim mockiert. Viele säkulere wie nationalreligiöse Juden.

Meistens handelt es sich dann auch noch um die Leute, die keinen blassen Schimmer von der haredischen Gesellschaft haben, aber ihre alten Stereotype auffahren.
Der Journalist Yair Borochov (Ynet) bringt es auch den Punkt !

Jene Undercover Polizisten, die im Artikel erwähnt sind, befinden sich auf diesem Photo:



Weitere Photos:

http://www.bhol.co.il/news_read.asp?id=10451&cat_id=1

Montag, 8. Juni 2009

Verhaftung eines Kindes

B"H

Bezogen auf die Mea Shearim Demonstration am vergangenen Schabbat:


Die Polizei entfernt hier einen chassidischen Jungen von der besagten Demonstration. Sollte das Photo einen Aufschrei der Entrüstung hervorrufen, da die Polizei nicht gerade zimperlich mit dem Jungen umgeht oder sollte man eher die Eltern anklagen, die da ihr Kind an einer Demo teilnehmen lassen ?

Mittwoch, 3. Juni 2009

Sündenböcke

B"H

Ich traute kaum meinen Augen als ich heute morgen den YNET - Artikel las, in welchem die säkulere israelische Presse beschuldigt wird, die Haredim (Ultra - Orthodoxe) stets negativ vorzuverurteilen. Hetzerische Meinungsmache und Hetze verbreitet.
Dies sagt ausgerechnet YNET, denn die Site samt ihrer Zeitungsausgabe "Yediot Acharonot" ist mit eine der hetzerischsten Elemente, wenn es um die religiöse jüdisch - orthodoxe Welt geht. Allerdings wird YNET noch von Haaretz überboten.

Nicht gerade begonnen, aber extrem verschlimmert hat es sich unter dem ehemaligen Premierminister Ariel Sharon, der da die Medien nutzte, um seine Räumpolitik von Gush Katif durchzusetzen. Und dann mussten die nationalrelig. Siedler gleich mit dran glauben.
Heute (sowie damals) wissen (wussten) wir, dass sich all die Haßverbreitung nur allzu destruktiv auf unsere israelisch - jüdische Gesellschaft auswirken kann. Es gibt keinen Grund, warum ein Säkulerer aus dem Großraum Tel Aviv seinen Mitjuden aus der Shomron (Samara) oder von anderswo hassen soll. Die säkulere Presse verursachte so einen der größten "Chilul HaShem" (Schändung von G - ttes Namen). Das Ergebnis war, dass die nichtjüdische ausländische Presse eifrig nachzog und in Ruhe konnte sie sich auf israelisch - jüdische Quellen berufen, ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen. Andererseits, und das darf nicht unerwähnt bleiben, hegen die Haredim genauso ihre Vorurteile gegen die säkulere Welt - und gespart wird damit erst recht nicht.

Unsere größte Herausforderung scheint heutzutage die Vereinigung dieser beiden sich so fremden Welten zu vereinigen. Anscheinend sollten wir unverzüglich damit beginnen und nicht erst auf den Meschiach warten, damit der alles regelt.

Heute früh jedenfalls wurde ich in der Bäckerei wieder einmal mehr Zeuge eines Diskurses (vielleicht trifft die Bezeichnung "Mißverständnis" eher zu), der uns aufzeigt, wie stark die Meinungen verhärtet sind:

Ich sass noch in der Bäckerei und trank eine Tasse Kaffee als ein junger amerikanischer haredischer Yeshiva - Student (relig. Schule) mit schwarzem Hut und Anzug den Laden betrat. Er kaufte eine Kleinigkeit und betonte dann beim Bezahlen, dass er Student sei.

Die Bäckerei gewährt Studentenrabatte und so wollte er anzeigen, dass er eigentlich berechtigt ist, weniger zu zahlen.

Unser Geschäftsführer hingegen fragte den "Schwarzen Hut", wo er denn studiere.
"Yeshiva" (relig. Schule), antwortete der. Der Geschäftsführer seinerseits machte deutlich, dass er einen Studentenausweis sehen wolle. Es könne ja sonst jeder daherkommen. Und weiter fragte er den "Schwarzen Hut", ob er denn in der israelischen Armee gedient habe. Der Yeshiva Typ war beleidigt und sagte "NEIN, er habe nicht gedient". In dem Moment fühlte er sich diskriminiert und begann rot zu sehen. Hierbei erweckte er allerdings den Anschein, dass er sich zu sehr auf die Frage nach der Armee bezog als auf den geforderten Studentenausweis. Es war nur allzu offensichtlich, dass seine Yeshiva ihn auf säkulere Juden getrimmt hatte. Jene die da meinen, Haredim seien zu faul, um zur Armee zu gehen und eh nur Parasiten der Gesellschaft sind.

Der Geschäftsführer wollte weiterhin den Studentenausweis sehen bevor er einen Rabatt gewährte und der Yeshiva Typ stellte seine Gegenargumentation, von wegen ihn auf die Armee anzusprechen, zwecks fehlender Hebräischsprachkenntnisse ein.
Hinterher sagte ich zum Geschäftsführer, dass der junge Haredi jetzt hinaus in die haredische Welt marschiere und lauthals verkünde, wie er da von einem Säkuleren angemacht worden ist. Dabei verpasste der "Schwarze Hut" eine wichtige und somit die eigentliche Botschaft: Es ging um das Vorzeigen eines Studentenausweises und nicht um die Frage nach der Armee. Der Yeshiva Typ hörte allem Anschein nach nur das, was er hören wollte und vergass den eigentlichen Kommunikationsgrund.

Litvische Haredim (im amerikanisch - relig. Slang auch "Black Hats - Schwarze Hüte" genannt.

Anstatt richtig zuzuhören und sich offener der Meinung des Gegenüber zu zeigen, akzeptieren wir nur unsere eigene Sichtweise und bestehen darauf. Dies geht uns alle an, aber Patensrezepte liefere ich nicht.

Sonntag, 24. Mai 2009

Nachal HaCharedi

B"H

Eines der Vorurteile gegenüber Haredim (Ultra - Orthodoxe) lautet, sie gehen nicht zur israelischen Armee. Das ist nicht immer richtig, denn viele nehmen am Armeedienst teil und die Nachal ist eine der etabliertesten Kampfeinheiten der israelischen Armee (IDF).

http://www.nahalharedi.org/

Freitag, 22. Mai 2009

Bildung innerhalb der religiösen jüdischen Gesellschaft

B"H

Nehmen wir eine relig. jüdische Familie, nationalrelig., doch an der Schwelle zum haredischen (ultra - orthodoxen) Judentum. Mehrere ihrer Kinder haben sie im Alter von 18 - 19 Jahren sofort verheiratet. Die Töchter ohne jegliche Berufsausbildung geschweige denn höhere Studien unverzüglich in die Ehe und Mutterschaft entsandt. Neben dem ersten Kind kann man ja immer noch einen Beruf erlernen. Erzieherin oder Grundschullehrerin für die eigene relig. Sparte. Die Söhne lernen auf der Yeshiva, wurden verheiratet und hängen, da ohne großem eigenen Einkommen, nach wie vor am finanziellen Tropf der Eltern bzw. Schwiegereltern. Der Rest der noch unverheirateten Töchter will einen Beruf erlernen, doch fehl es an ausreichender Vorbildung. Haredischulen für brave Töchter vermitteln kein akademisches Wissen, mit dem man einen Psychometritest an einer isarelischen Uni besteht. So bleibt die relig. Akademie, aber wer stellt jemanden von dort ein, wenn nicht "nur" die relig. Gesellschaft selbst ? Um es einfach auszudrücken: Große wissenschaftliche Errungenschaften werden dort nicht erzielt.

So schaut es in vielen religiösen amerikanischen Familien aus, die nach Israel einwandern. Israelische Nationalrelig. sind teilweise besser drauf, denn sie sind sich des israelischen Systems bewusst, dass da "Arbeit und Bildung" lautet. Wer kann, der geht auf die Bar Ilan University oder in die Akademia nach Ariel. Selbst die haredische Gesellschaft an sich arbeitet immer mehr. Offiziell sollen die Anzahl der arbeitenden Haredim um 70% angestiegen sein. Dies allerdings ist nicht so neu, wie es scheint, denn zahlreiche Haredim arbeiten eh. Meist innerhalb ihrer Gemeinde oder als Rechtsbeistand.

Vielleicht erwarte ich es von vielen haredischen Richtungen nicht anders, wenn die Kinder nicht gerade Doktoren werden. Von der nationalrelig. Gesellschaft jedoch erwarte ich etwas mehr. Teilweise findet es statt, was aber immer wieder auf die Eltern ankommt. Nicht jeder Vater fördert seine Kinder bildungsmässig und sieht sie stattdessen lieber frühzeitig unter der Haube. Kinder sollen her zwecks Planerfüllung. Der Rest ergibt sich dann schon irgendwie.

Dise Einstellung ist mir zuwider. In den frühen 80iger Jahren erregte ein Satmarer Chassid, Mendel Wechter, Aufmerksamkeit als er im tiefsten Satmar Kiryat Yoel (bei New York) Lubawitscher (Chabad) Chassidut predigte. So sehr, dass einige seiner Schüler sogar zu den Lubawitschern überliefen. Wechter wurde gefeuert und rannte selbst zu den Lubawitschern nach Israel.


Jene übergelaufenen Satmarer wurden zwar dumm angeschaut, doch letztendlich fanden sich nicht wenige Familien mit deren Entscheidungen ab. Vor allem die Ehefrauen, denn plötzlich war ihnen das Lernen erlaubt. Bei Chabad gibt es keine Beschränkungen und wissenschaftliche Studien sind sogar erwünscht. Ganz im Gegensatz zu Satmar. Die Ehefrauen der Abtrünnigen wurden mit Möglichkeiten konfrontiert, die sie sich niemals erträumt hatten.

Und darum geht es. G - tt erschuf uns alle mit vielen unterschiedlichen Potentialen und Fähigkeiten, die wir nutzen sollten. Viele relig. Väter jedoch befördern, meist aus Angst vor dem Neuen und der Entfaltung der Kinder, in den geistigen Keller. Und so läuft das Leben an der zukünftigen Generation im wesentlichen Sinne vorbei.

Schade, um das ungenutzte Potential.

Link:

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3719333,00.html

Sonntag, 29. März 2009

Yeshivat Derech HaMelech in Jerusalem


Yeshivat Derech HaMelech

B"H

Eine Yeshiva ist eine relig. Schule. Eigentlich bezeichnet der Ausdruck "Yeshiva" ein Lehrinstitut für die männliche Riege und "Seminar oder Michlalah" ist das weibliche Gegenstück. Im überwiegend englischen Sprachgebrauch ist es jedoch durchaus üblich, ein Institut für die Weiblichkeit genauso Yeshiva zu nennen.

Vor einigen Jahren war ich selbst noch Studentin in einer Yeshiva. Was heißt in einer ? Genau genommen war ich in mehreren, abgesehen vom vorherigen Yeshiva - Shopping (dem Suchen und Anschauen mehrerer Yeshivot, um die richtige für seine Ansprüche auszuwählen).

Um mich einmal auf die männliche Garde zu konzentrieren:

Im englischensprachigen Bereich der Yeshivot Jerusalems finden meist leider nur zwei Einrichtungen hohe Beachtung. Einerseits liegt das an deren Werbung und andererseits halt daran, dass sie die meisten Schüler und somit viel Mundpropaganda haben. In Jerusalem aber gibt es nicht nur AISH HATORAH oder OHR SAMEACH, sondern eben noch weitere Yeshivot oder Programme. Ganz zu schweigen einmal von der ernsthafteren MIR - Yeshiva. All diese drei Einrichtungen sind litvisch - haredisch und nur für junge Männer ab 18 Jahren. Halachischer Jude zu sein ist Zugangsvoraussetzung. Daneben sollte der Bewerber engl. oder hebräische Sprachkenntnisse besitzen. Obwohl die Yeshivot Geld kosten, werden Stipendien ausgegeben oder man unterschreibt ein Formular mit der "Moral Obligation - Moralische Verpflichtung" - was bedeutet, dass wenn man einmal in der Zukunft Geld haben sollte, man doch der Yeshiva einiges nachzahlt. Bei den drei bisher genannten Yeshivot wird kaum wegen Geldmangels abgewiesen !

Wie schon erwähnt, lohnt es sich, sich ebenso nach anderweitigen Yeshivot umzuschauen. Zwar bieten Aish und Ohr Sameach ein vollständiges Anfängerprogramm, doch sollte der Lernwillige gleichfalls in die Zukunft schauen und nach Lernfortschritten streben. Und wer sich für den litvisch - haredischen Weg entscheidet und gerne weisse Hemden und schwarze Anzüge trägt, der findet in Jerusalem eine reichliche Yeshiva - Auswahl.

Die MIR ist da schon etwas gehobener als AISH oder OHR SAMEACH. In der vergangenen Woche sah ich mir eine haredische Yeshiva im haredischen Stadtteil Kiryat Mattersdorf an, die es sicher wert ist, dass man sie einmal vorstellt. Überhaupt kommen im Internet leider oft kleinere Yeshivot zu kurz.

Die Yeshiva "Derech HaMelech" befindet sich in einem kleineren Gebäude gleich an der Hauptstraße von Kiryat Mattersdorf, der Sorotzkin Nr. 16, gelegen. "Derech HaMelech", das bedeutet soviel wie "auf dem Wege des Königs", wobei mit dem König selbstverständlich G - tt gemeint ist.

Ich traf mich zu einem Gespräch mit dem Verwalter der Yeshiva, mit Raphael Kalish, der mir einige Detailfragen beantwortete. Zuerst erweckte alles den Eindruck als sei ich als weibliches Wesen etwas fehl am Platze in dem Gebäude, doch im Nachhinein bestätigte sich das nicht. Im Gegenteil, der Rapahel Kalish war überaus aufgeschlossen und gab freudig Auskunft.

"Derech HaMelech" wurde erst vor vier Jahren von Rabbi Baruch Gartner ins Leben gerufen und derzeit lernen dort 35 Studenten. Die englische Sprache ist Grundvoraussetzung, ein Alterslimit wie bei vielen anderen, gibt es hingegen nicht. Jeder ab 18 Jahre aufwärts kann dort solange lernen, wie er will. Die Yeshiva verfügt über Dormitories (Wohngelegenheiten) !

Die Yeshiva nimmt sogenannte FFB's auf. "Frum from Birth - von Geburt an religiös", aber auch die BT's haben die gleiche Aufnahmechance (die Baalei Teshuva - erst im späteren Verlauf des Lebens relig. gewordene). In der Regel stammen die Studenten aus Südafrika, den USA oder England, doch jeder, egal woher, ist herzlich willkommen.
Die Ideologie und die Lehren basieren bzw. vermitteln das haredische Judentum mit einem chassidischen Touch. Und das ist das ganz Besondere, denn nicht jede litvische Yeshiva bietet gleichzeitig chassidische Lehren an. Obwohl heutzutage ein enormer Bedarf an Spiritualität und Chassidismus herrscht und selbst AISH deswegen schon kleine Chassidismussparten einführen musste, kommt der Chassidismus in der litvischen Welt gänzlich zu kurz. "Derech HaMelech" will das ändern und einen weiteren Überblick schaffen.

Auf dem Stundenplan der Yeshiva sind jedoch täglich "nur" eine einzige Stunde Chassidismus zu finden; wie denn das zu verstehen sei, fragte ich Raphael Kalish. "Wenn Du Dir die chassidische Vergangenheit anschaust, sagte er, dann wirst Du feststellen, dass eigentlich alle Gruppen und deren Yeshivot nicht dasassen und ausschließlich Chassidut lernten. Thora & Talmud standen auf dem Programm. Die Einzigen, die mehr Chassidismus lehrten waren Chabad sowie Breslov. Andere gaben ihren Schülern die regulären Thoraeinblicke allerdings mit chassidischem Touch. Und so geschieht dies auch bei uns im Hause. Wer jedoch von unseren Schülern zusätzlich lernen will, der kann das auf eigene Faust gerne tun".

Ob die Studenten hinterher oder noch während der Studien eine chassidische Laufbahn einschlagen ? Sprich, sogar Mitglied in einer chassidischen Gruppe werden ?

Gibt es durchaus und ein ehemaliger Schüler, der nach Monsey (New York) zurückkehrte, wurde dort Mitglied der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon. Insgesamt jedoch wenden sich diejenigen, die beabsichtigen, sich einer chassidischen Gruppe zu nähern, an vollkommen offene kleine Gruppen. Auch besteht die Mehrheit derjenigen auf dem "Two Footed Principle - Zwei Beine - Prinzip", welches bedeutet, dass man mit einem Bein in der chassidischen und mit dem anderen in der unseren weltlichen Welt steht. So jedenfalls liessen sich zwei innere Lebensweisen gut miteinander verbinden und niemand sollte gleich drauflos in die Extreme jagen.

Der Gedanke, dass es eine Yeshiva gibt, die den Studenten ein klein wenig auf eine chassidische Zukunft vorbereitet, fand ich ausgesprochen positiv. Schade, dass gerade dieser Lerninhalt viel zu sehr vernachlässigt wird. Anstatt sich gleich bei Chabad oder Breslov hineinzustürzen, sollte derjenige Interessent erst einmal herausfinden, was Chassidut ist und wo seine individuellen Stärken oder Schwächen liegen. Komme ich mit dem chassidischen Leben überhaupt klar und wenn ja, wie weit will ich gehen ? Alleine entscheiden und herausfinden, ohne das einem, wie bei Chabad, alles vorgekaut wird. Ich jedenfalls bin von der Idee begeistert und wünschte mir, dass sich mehr Yeshivot dieses in ihre Lerninhalte aufnehmen.

Außerdem bin ich eh ein Freund des selbständigen Lernens, eigene Gedanken zu äußern und mit Leuten darüber zu diskutieren. Im relig. Sinne und Rahmen natürlich, doch ist es wichtig, seinen eigenen Kopf / Persönlichkeit zu bewahren und nicht irgendwo auf der Strecke zum "Wohle" einer einzigen Gruppenideologie zu verlieren.
Aber selbst nach einigen Jahren des Studiums ist nicht jeder in der Lage oder überhaupt bereit, sein vorheriges Leben völlig aufzugeben. Ins Kino zu gehen, weltliche Bücher zu lesen, Popmusik zu hören, etc. Das muss auch nicht immer der Fall sein, wenn man sich auf kleinere offene chassidische Gruppen konzentriert und sich selber die Ziele nicht zu hoch steckt. Wie gesagt, ein Bein hier und eines dort. So gleicht sich der Druck aus und man verfällt nicht unbedingt in Depressionen.

Und wie sich denn "Derech HaMelech" finanzieren ?
Raphael Kalish beginnt zu lachen und weist mit dem Finger nach oben: "G - tt sorgt für uns ! Wir erhalten Spenden und derzeit läuft auf unserer Website ein "Raffle - eine Verlosung". Derjenige, der spendet, nimmt automatisch an einer Preisverlosung teil".

Wenn ich männlich wäre und ernsthaft vorhätte, den Chassidismus in Verbindung mit Thorastudien zu lernen, und noch dazu mit dem Gedanken spiele, mein Leben der Chassidut zu widmen, dann würde ich eine Einschreibung in "Derech HaMelech" sicher in Erwägung ziehen. Es muss nicht immer eine große Yeshiva sein; gerade ein kleiner Kreis baut einen mehr auf und schafft tiefere Kontakte als eine Massenabfertigung wie in großen Yeshivot.

Derech HaMelech bietet Stipendien und derzeit nehmen zwei Schüler diese in Anspruch.

Website mit allen Infos:
http://www.derechhamelech.org

Sonntag, 8. März 2009

Die Haredim ziehen sich aus













VERSUS




B"H

Ich habe keine Ahnung woher die drei jungen Yeshiva (relig. Schule) Studenten kamen. Amerikanisch litvische oder israelische Yeshiva Studenten. Ich hörte sie nicht miteinander reden als sie ca. 10 Meter vor mir ihre Handtücher ausbreiteten und sich auszogen.

Am vergangenen Freitag mittag wurde der Strand in Tel Aviv immer voller und plötzlich betraten die drei jungen Yeshiva Leute die Szene. Schwarze Hosen, weisse Hemden, schwarze Kipot (Käppchen).

Nein, diese Szene spielte sich nicht an einem religiösen Strand nach Männlein und Weiblein getrennt ab, sondern an einem ganz "normalen" Strand in Tel Aviv. Ich fand es nur interessant zu sehen, wie auch so mancher Haredi seine Freizeit einfach so geniesst, wie alle andere Leute um ihn herum auch.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Koschere Werbung

B"H

Egal ob in Ge'ulah, Mea Shearim (Jerusalem) oder in Bnei Brak (bei Tel Aviv); dieses Werbeposter (für Purim) ist derzeit überall aufzufinden:



Aber wo genau stammt es eigentlich her und wer ist der Junge auf dem Plakat ?

Hier ist die Antwort:
Das Bild wurde für die haredische Werbung koscher "Mehadrin" gemacht. Aus einem säkuleren Kind wurde ein Haredi, denn Säkulere finden in der haredischen Werbung keinen Platz, da ALLES koscher sein muss.
_____________________

Als MEHADRIN wird normalerweise das Koscherzertifikat des Rabbanut (Oberrabbinat) bezeichnet, doch im haredischen Slang steht es für alles Koschere.

Sonntag, 15. Februar 2009

Nicht ohne meine Kipa !


B"H

Auch bei der Werbung geht weder bei den Haredim (Ultra- Orthodox.) noch bei den Nationalrelig. etwas ohne Kipa. Und wenn sie nicht auf dem Kopf des Kindes von vornherein vorhanden ist, wird sie halt draufretouschiert.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Die "Anti - Litzman" Kampagne


B"H
Poster gegen Yaakov Litzman von der Chassidut Gur.
Die chassidische Gruppe Gur ist seit Tagen Thema aller israelisch - haredischen Foren. Geklatscht wird darüber, ob sie, die Haredim, bei den anstehenden Knessetwahlen ihre hauseigene Partei, die "Yahadut HaTorah" wählen sollen oder nicht.
Die Zeichen stehen eher auf Ablehnung, denn die Mehrheit hat gerade der Chassidut Gur nie verziehen, was diese im vergangenen Oktober / November dem Haredi Me'ir Porush aus Jerusalem antat. Porush wollte Bürgermeister werden, doch wegen eines inneren Zwistes unterstützte Gur den säkuleren Buergermeisterkandidaten Nir Barkat, der letztendlich auch die Wahlen gewann. Dank Gur hat Jerusalem nun einen säkuleren Bürgermeister !
Yaakov Litzman ist der Abgesandte der Gerrer (Gur) Rebben bei der "Yahadut HaTorah" in der Knesset, und gerade er ist allen wegen seiner diktatorischen Machenschaften verhasst. Und nun diese Plakataktion in haredischen Wohngebieten.
Der Gerrer Rebbe ist mittlerweile in Sorge, ob die "Yahadut HaTorah" ihre bisherigen fünf Knessetsitze halten kann, wenn andere Haredim ihn boykottieren und auf "Porush - Rache" machen.
"SCHULDIG" und "WEGEN IHM !" - so lautet es auf den Postern.
Wegen ihm wählen wir nicht "Yahadut HaTorah !
"Ihm" ist in diesem Falle Yaakov Litzman.

Montag, 26. Januar 2009

"Bin gleich zurück !"

B"H

Das Grab unserer Vormutter Rachel (Yaakovs Gattin neben Leah). Das Photo kann per Klick vergrössert werden !
Der Sticker im Vordergrund ist eine Photomontage, und sarkastisch wird angedeutet das Rachel die Mitteilung

"Bin gleich zurück !"
Rachel.


schrieb.



Rachels Grab bei Bethlehem (Beit Lechem)

Nicht viele aschkenazische Juden glauben tatsächlich an die Kriegsstory mit "Rachel Imenu - unserer Vormutter Rachel".
Diese Story wurde vor allem innerhalb der relig. israelischen Bevölkerung verbreitet und manche böse Zunge behauptet, dass dies nur der Spenden halber geschah. Plötzlich stehe das Grab Rachels wieder hoch im Kurs. Nicht wenige aschkenazische Haredim meinen, dass die Story eine Ente sei, aber die sephardischen Juden, die derlei Wundergeschichten lieben, voll drauf abfahren.

Beim letzten Gazakrieg wollte eine Gruppe israel. Soldaten ein Haus in Gaza stürmen, weil dort Hamas - Terroristen vermutet wurden. Plötzlich erschien in der Tür eine in Weiss gekleidete Frau und warnte die Soldaten, dass dies eine Falle sei. Die Soldaten gingen zum nächsten Haus und auch dort erschien die Frau wie aus dem Nichts. Man fragte sie, wer sie sei und sie sagte: "Rachel Imenu - Eure Vormutter Rachel !"

Wahr oder nicht ? Wer weiss ... ?
Die Photomontage ist aber allemal gelungen !

Dienstag, 16. Dezember 2008

Wahrheit oder böswilliges Spiel ?

B"H

Ja, meine Sympathien gehören bekanntlich der haredischen (ultra - orthod.) Gesellschaft, obwohl ich kein direkter Teil mehr von ihr bin. Und wenn Medien wie die "Jüdische Allgemeine Zeitung", "Haaretz", oder andere ûber Haredim genauso wie teilweise über die Nationalreligiösen herfallen, dann regt mich das auf. Gerade diese Art der Presse propagandiert alles andere, nur keine jüdische Orthodoxie, denn Relig. sind ja nur "wirre Fundamentalisten". Und wer von den Schreiberlingen macht sich schon die Mühe, sich ausgiebig mit der Gesellschaft zu beschäftigen ?

Aber auch viele Nationalrelig. haben Probleme mit den Haredim. Mehr als diese mit den Nationalrelig. haben. Normalerweise kümmern sich die meisten Haredim weniger um die Außenwelt, es sei denn, man dringt in ihre Angelegenheiten ein.

Gerade wird von nationalrelig. Lesern auf meinem englischen Blog die Behauptung aufgestellt, die Haredim in Beit Shemesh hätten einmal wieder Leute tätlich angegriffen und warum ich solche Vorfälle kaum erwähne.

Ich denke, dass ich die haredische Gesellschaft genügend kritisiere wie lobe. Wer jedoch auf seinem Blog, einer der besagten Leser nannte den Link zweimal, die Haredim als "Krebs" bezeichnet, dann nehme ich das nicht ernst. Und dabei können die wildesten Anschuldigungen ausgesprochen werden, aber nur einfach hasserfüllt drauflosreden … Meiner Meinung werden oftmals Behauptungen wie "die Haredim fallen über andere her" total übertrieben und erweisen sich nicht selten im Nachhinein als unwahr.

Am letzten Schabbat war ich in Beit Shemesh und sogar an besagter Stelle, an welcher die Angriffe stattgefunden haben sollen. Nationalrelig. seien angegriffen worden … Als ich in Beit Shemesh war, war ich alles, nur nicht unbedingt haredisch angezogen. Und das im tiefsten chassidischen Viertel. Eher nationalrelig. schaute ich mit meinen Crocs aus. Dumm angemacht hat mich niemand; und dabei hatte ich sogar eine Frau der extremen Toldot Aharon nach dem Weg nach meinen Gastgebern gefragt.
Nach dem Schabbat fuhr ich mit dem haredischen Bus Nr. 417 nach Jerusalem und rechnete schon mit dem Schlimmsten. Ein relig. EGGED - Bus, in dem sicher Männlein und Weiblein streng voneinander getrennt sitzen. Als ich in den Bus kam, war ich allerdings mehr als erstaunt. Die Geschlechter sassen zusammen verstreut und nichts war es mit einer Trennung.

Egal, was über Haredim behauptet wird, das Negative bleibt stets in den Hinterköpfen hängen und nicht das Positive. Ist es, weil die Haredim sich im Internet nicht besonders wehren können oder keinen Grund sehen, die falschen Behauptungen unbedingt widerlegen zu müssen ? Wem kann man eigentlich noch glauben ? Besonders jetzt, seitdem Beit Shemesh durch einen neuen haredischen Bürgermeister (Moshe Abutbul) zum Politikum geworden ist.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Die Edah gegen das Bildungsministerium


Aufruf zur Demo


B"H

Gestern berichtete ich noch über die Ankündigung des israel. Bildungsministeriums, den Lehrplan haredischer Schulen auf "modern" zu trimmen und prompt fand eine Demonstration statt.

Die antizionistische Dachorganisation "Edah HaCharedit" veranstaltete diese gestern auf dem "Kikar Shabbat" (Kreuzung Strauss, Mea Shearim, Yechezkel) im Jerusalemer Stadtteil Ge'ulah / Mea Shearim.

Von haredischer Seite aus denkt man gar nicht daran, den neuen Lehrplan des Ministeriums anzunehmen, denn man betrachtet die eigene Erziehung als "rein".

Dienstag, 9. Dezember 2008

Der Sturm gegen die Bildung

B"H

Israel will in das haredische (ultra - orthod.) Bildungssytem eingreifen. Bisher stellte eine Vielzahl haredischer Schulen ihren Lehrplan selber auf und auf dem standen mehr Thora, Halachot oder Talmud statt Physik, Mathe, Englisch oder Erdkunde und Biologie. Bei den Mädels schaut es noch schlechter aus, denn dort wird oft nur "Thora light" gelehrt. Ein wenig mit Raschi - Kommentar, aber vergesst all die anspruchsvollen Kommentare des Kli Yakar, Ohr HaChaim, Ramban (Nachmanides) und von den kabbalistischen Kommentaren einmal ganz abgesehen. Womit ich nicht sagen will, dass Raschi weniger anspruchsvoll oder der Ramban kein kabbalistischer Kommentator sei.

Wer sich heute mit einem israelischen Chassid oder ebenso einem israelischen litvischen Haredi unterhält, der wird erhebliche Allgemeinbildungslücken entdecken, was schon meist bei der englischen Sprache beginnt. Viele Haredim fragten mich schon, warum das Internet nicht funktioniere, wenn man die Adresse einer Website auf Hebräisch schreibe. Im Ausland mag es sein, dass Haredim gebildeter sind, in Israel hingegen steht außer Religion kaum etwas anderes auf dem Stundenplan.

Und was ist, wenn ein Kind besonders begabt ist ? Wird es in dem Falle nicht seiner Fähigkeiten betrogen, wenn nur Halachot oder Mischnayiot aus dem Talmud auf ihn eingedroschen werden ? Genauso bei den Mädels ? Was, wenn eine junge Frau das Zeug zu einer Ärztin hat ?

Schon früh werden jegliche Gedanken an eine Uni ausgeschaltet. Bei beiden Geschlechtern. Und wenn, dann wird nur auf relig. Einrichtungen studiert, denn höhere säkulere Studien kommen nicht in Frage. Und schon gar keine Fächer, welche die Thora in Frage stellen.

Als ob irgendeine Wissenschaft die Thora in Frage stellen könne. Schon der Rambam etc. waren da ganz anderer Meinung und viele Rabbiner des Mittelalters waren ebenso Physiker, Ärzte oder Mathematiker. Später jedoch legte der allseits gepriesene Chatam Sofer fest, dass es innerhalb der haredischen Gesellschaft keinerlei Erneuerungen geben darf. Alles Traditionelle kann nicht falsch sein, denn es hat sich bewährt.

Alles Neue wird daher als eine Art Bedrohung aufgefasst. Aber Bedrohung für wen ? Für die jeweilige Gruppe / Gemeinde oder den jeweiligen Rabbiner . Rebben ? Hat der Rebbe kein Interesse seine Schäfchen man schön bei der Stange zu halten ? Oder ist es wirklich so, dass säkulere Studien nur verwirren ?

G - tt hat uns alle mit besonderen Fähigkeiten und Talenten ausgestattet und diese sollen wir zum Positiven nutzen. Nun will der Staat Israel einige säkulere Studien in den haredischen Stundenplan zwingen und bezieht sich dabei auf die geistigen Schwachheiten der Gesellschaft. Mit bemindertem Wissen finde man keinen Job und könne sich nicht alleine ernähren. Nur erweiterte Studien sichern ein erfolgreiches Berufsleben.

Da haben wir es wieder. Als ob alle Haredim am stattlichen Sozialtropf hängen täten.
Viele von ihnen arbeiten schon immer oder längst; davon Hunderte in der eigenen Gemeinde als Rabbiner, Lehrer, Kaufmann, Schochet (Tiere schächten), etc. Andere wiederum, welche den Gruppen der antizionistischen Edah HaCharedit angehören (wie Satmar, Toldot Aharon, Spinka, Teile Breslovs, den alteingesessenen Jerusalemern und vielen anderen) nehmen eh kein Geld vom zionistischen Staat an, sondern leben von ihren eigenen Spendengeldern aus den USA.

Seit Wochen regt sich Widerstand in der israelisch - haredischen Gesellschaft und es wird zu Demos aufgerufen. Man wolle keine staatlichen Vorschriften zum Lehrplan und was sich jahrhunderte lang bewährte, kann jetzt nicht falsch sein.

Bleibt die Frage:
Ist alles nur eine Machtfrage oder auch eine Machtfrage ?


Link:

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3634458,00.html

Montag, 1. Dezember 2008

Abokündigungen bei "HaModia"



B"H

Offiziell bleibt es unbestätigt, doch die haredische Gerüchteküche kocht und es wird allgemein behauptet, dass mehrere Hundert Haredim ihr "HaModia" Abo gekündigt haben.

"HaModia" ist eine der bekanntesten haredischen Zeitungen überhaupt. Die Tageszeitung erscheint nicht nur in Hebräisch, sondern ebenso in Englisch und Französisch. "HaModia" steht für die "Agudat Israel" (nicht für die antizionistische Edah HaCharedit) und insbesondere für die Chassidut Gur. Allgemein heißt es, dass die Chassidut Gur die eigentliche Macht hinter dem "HaModia" sei und dabei besonders Yaakov Litzman, der Knessetabgeordnete des Gerrer Rebben. Laut zahlreicher Kritiker der Chassidut Gur ist Yaakov Litzman der eigentliche Hausherr bei Gur und nicht der Rebbe selbst.


Knessetmitglied der "Yahadut HaTorah": Yaakov Litzman (Chassidut Gur)

Für die Abokündigungen werden gleich mehrere Gründe angegeben:

1. Haben andere Haredim die Nase gründlich voll von den politischen Intrigen, welche Gur gegen den Jerusalemer Bürgermeisterkandidaten Me'ir Porush startete.

2. Haben viele Haredim genug von Yaakov Litzmans "One Man Show".

3. Viele Haredim haben diverse Gewalttaten einiger Gerrer Chassidim gegenüber satt.

Ein weiteres Gerücht besagt, dass folgende chassidische Gruppen dem "HaModia" alles andere als freundschaftlich gesinnt sind: Kretchnif in Kiryat Gat, Orloi, Zanz, Slonim, Breslov, Lublin, Nadvorna, Machnovke, sowie einige andere.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Rabbi Wosner und die weibliche Stimme

B"H

Rabbi Shmuel Wosner verkündete in seiner letzten Derasha (relig. Rede) zum vergangenen Schabbat Teshuva:

Eine im Bus sitzende Frau sollte davon Abstand nehmen, öffentliche Handygespräche zu führen.

Öffentlich bedeutet in diesem Falle, vor aller sich im Bus befindenden Männeraugen, denn die Herren der Schöpfung könnten durch das Hören einer weiblichen Stimme sexuelle Gefühle bekommen.




In der Mitte: Rabbi Shmuel Wosner

In seiner Derash am vergangenen Sonntag betonte der Rabbi, dass der Anstand (Zniut) mehr Beachtung finden muß. Viele Male habe er es selbst erlebt, dass Männer zwischen Frauen herumlaufen oder die Frauen noch dazu lauthals ihre Handygespräche führen. Dieses Verhalten sei völlig unanständig und inakzeptable.

Ob es sich bei der Anordnung um eine neue Halacha handele or lediglich um eine "Empfehlung" ?
Zahlreiche Quellen bekunden, dass es lediglich eine "Empfehlung zu anständigerem Verhalten" sein.


In jüdisch - orthodoxen Kreisen gilt das Hören einer weiblichen Stimme in gewissen Fällen als Versuchung für den Mann. Von daher singen Frauen nicht vor fremden Männern (außer der eigenen Ehefrau sowie den Töchtern).

Persönlich wurde ich jedoch schon Zeuge, wie junge nationalreligiöse Mädels und Frauen sich in haredischen Synagoge daran machten, zu singen. Selbst vor der Kotel (Klagemauer) habe ich es erlebt und normalerweise werden solche Frauen von den Haredim jedesmal zurechtgewiesen.

Ich habe durchaus Respekt vor dieser Halacha, denke aber, dass manchmal die Verbote zu überzogen ausgelegt werden. Die Männer mögen mir widersprechen, doch ich sehe Rabbi Wosners Empfehlung, oder was immer es ist, als viel zu übertrieben an.
Ein Mann vernimmt eine Frauenstimme, na und ?

Es ist nicht mein Problem, wenn die weibliche Stimme einen Mann sexuell erregt oder zumindest animiert. Wenn ein Mann derlei Probleme oder Versuchungen hat / verspürt, soll er sich fernhalten oder zu einem Psychologen gehen. Und ein Mann, der diese Art der Erregung vielleicht sogar sucht, der findet sie garantiert auch woanders. Wetten wir ?

Mittwoch, 24. September 2008

Spanner unter der "unanständigen Brücke"

B"H

Wie weit sollte das Thema "Anstand" eigentlich reichen ? Manchmal denke ich wirklich, dass besonders die haredische (ultra - orthod.) Gesellschaft total ausflippt. Was mich am meisten nervt ist die Behauptung einiger Rabbiner, dass der Meschiach nicht kommt, weil es soviele jüdische Frauen gibt, die "unanständig" herumlaufen. Nun, ich bin eine davon, denn ich ziehe Hosen an und nicht nur lange Röcke.

Haben jene Rabbiner, die solche eine Behauptung aufstellen, jemals mit dem Meschiach gesprochen ? Woher wollen wollen sie sonst wissen, warum der Meschiach bis jetzt nicht erschienen ist ?
Normalerweise unterliegt man immer dem Eindruck, dass irgendwelche strengen Regeln immer von Männer aufgestellt werden. Frauen sollten dies und nicht das anziehen; Frauen gehören in die Küche und sollen sich gefälligst um die Kinder kümmern.
Höhere Studien für Frauen ?
"Chas ve'Shalom - Um Himmels Willen".
Die Modern - Orthodox und alle anderen denken immer, dass da irgendwelche alten Rabbis am Werk sind, die daheim abgeschieden im dunklen Zimmerchen sitzen und derlei Regeln nur aufstellen, um ihr eigenes Männermonopol aufrecht zuerhalten.

Wer bisher so dachte, dem sei gesagt, dass er sich da gewaltig irrt.
Es gibt genügend haredische Frauen, denen das Thema "Anstand" mehr als wichtig erscheint. Man schaue nur auf die Frauen der chassidischen Gruppe Gur, die da besonderen Wert auf die hauseigenen Schlafzimmergesetzte legen. Und jetzt kam eine neue Angelegenheit zur Sprache, welche da auf den ersten Blick so unglaublich wirr erscheint.

Unzählige religiöse Frauen haben sich beschwert, dass sie neue Jerusalemer Brücke an der Stadteinfahrt absolut "unanständig" sei. Beschwerden über die Brücke sind bestimmt nichts Neues, aber was jetzt kam, schlägt den Boden aus dem Faß.
Religiöse Frauen monierten, dass das Brückengeländer aus durchsichtigem Plastik bestehe und deswegen koenne jeder, der unterhalb der Brücke steht, ihnen unter die Röcke schauen. Kurz gesagt, jeder Spanner habe da wohl seine helle Freude.

Religiöse Frauen betrachten das durchsichtige Brückengeländer also als einen Angriff auf ihre Unterwäsche und wollen das die Stadtverwaltung das Geländermaterial auswechselt. Die Brücke solle gefälligst anständig werden.


Das unanständige Brückengeländer aus Plastik. Wer wird hier zum Spanner ?
Photo: Ynet


Ehrlich gesagt bin ich immer wieder überrascht über all die fanatischen Einfälle. Damit will ich nicht sagen, dass ich gegen den Anstand bin, aber trotzdem frage ich mich, was wohl Sarah, Rachel, Rivka (Rebekka) oder Leah zu derlei Themen zu sagen gehabt hätten. Unsere Vormütter, die Prophetin Deborah, Beruriah (Frau des talmudischen Rabbi Me'ir), Raschis Töchter sowie weitere berühmte jüdische Frauen.

Anscheinen werden die Leute immer durchgeknallter und ich frage mich, ob das nicht der wahre Grund ist, warum Meschiach noch nicht erschienen ist.

Zumindest sollte er nicht unter der Brücke stehen !