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Montag, 19. September 2011

Die Synagoge der chassidischen Gruppe MACHNOVKE in Bnei Brak


Erinnert sich noch jemand an die Kämpfe der beiden chassidischen Gruppen Belz und Machnovke ? Falls nicht, dann findet Ihr HIER alle Einzelheiten. 

Das Kriegsbeil wurde nicht gerade begraben, aber mittlerweile ist Ruhe eingekehrt, denn Belz versucht die kleine Konkurrenz von Machnovke zu ignorieren. 

Die Chassidut Machnovke hat ihren Hauptsitz in Bnei Brak (bei Tel Aviv) und hier sind zwei aktuelle Photos ihrer Synagoge. 


Die Treppe führt hinein in die Machnovke Synagogue (Der Eingang ist nur für Männer und Frauen betreten das Gebäude von der Rückseite aus !)

Photos: Miriam Woelke

Sonntag, 3. Mai 2009

Chassidischer Tisch in Belz

B"H

Dies ist eine wahre Geschichte über jemanden, der bei seinem Kiddusch (Segnung des Weines, u.a. am Schabbat) den Wein etwas zu sehr genoß.

Ich war in Jerusalem am vergangenen Schabbat und aß bei einer Freundin das Schabbatessen. Vor dem Essen machte ich Kiddusch, doch zuvor verkündete T., sie habe nur Weisswein im Haus.
Weisswein ist normalerweise kein passables Getränk für einen Kiddusch am Freitag abend (Erev Schabbat) und es sollte schon Rotwein oder Traubensaft sein. Nach einigem Suchen zerrte sie dann doch noch eine Flasche roten Inhalts hervor und dachte, es handele sich um Traubensaft. War aber nicht, denn es handelte sichm um süssen Rotwein der Marke "Ginossar". Kann ich nur wärmstens empfehlen ! Jedenfalls war ich es dann auch, die den Kiddusch zu sehr genoß und meine Gedanken waren nicht mehr so klar wie vielleicht zuvor.

Letztendlich entschieden wir uns aber doch zum chassidischen Tisch der Gruppe Belz zu gehen. Ich plante eine Abkürzung, doch hakte es bei den Gedanken etwas aufgrund des Weines.
Wir passierten die Synagoge der Boyaner Chassidim, gingen geradeaus und kamen so auf die Yirmeyahu. Ich sah das Gebäude der TNUVA - Milchfabrik (TNUVA zog schon vor einiger Zeit um und jetzt gehört das Anwesen der Chassidut Gur) und geriet ins Grübeln. Kann das jetzt schon die Bar Ilan Street sein oder ist die weiter unten ?


Ich stand auf der Straßenmitte und versuchte krampfhaft meine Gedanken zu ordnen. Zwischenzeitlich begann mich meine Freundin aufzuregen, die da wissen wollte, wo wir jetzt langgehen. "Lass mich in Ruhe, ich bin so ziemlich daneben und muss nachdenken", antwortete ich genervt. Genau in dem Moment ging ein Chassid an uns vorbei. Er sah aus wie ein Vishnitzer, in seiner schwarzen Bekische (schwarzer glänzender Kaftan am Schabbat), in weissen Socken und dem traditionellen Streimel. Der Chassid stoppte und fragte in einer Art amerikanischen Akzent in seinem Emglisch was wir denn suchen.
"Bar Ilan Street", sagte ich.
"Oh, das ist hier weiter runter", antwortete er.
Ich schaute ziemlich verwirrt drein und er fragte weiter, wo wir denn genau hin wollen.
"Belz".
"Einfach nur geradeaus und dann links.
Schabbes".

Jetzt ging meine Freundin erst recht auf mich los. Wenn wir das nächste Mal etwas suchen, solle ich mich nur auf der Straße platzieren und rufen, ich sei betrunken. Dann kommt garantiert alles herbeigelaufen und hilft uns.

Tatsächlich fanden wir wenige Minuten danach die Belzer Synagoge und müssen dem Chassid für die Abkürzung total dankbar sein. In der Tat erreichten wir Belz so zeitig, dass wir noch vor Beginn (um 23.00 Uhr) des Tisches eintrafen. Nur eine Frau war weit und breit auf der riesigen Frauenempore (Ezrat Naschim) zu sichten. Nach einigen Minuten bemerkte ich, dass dort fast neben uns ein kleines Podest mit zwei Stühlen darauf aufgebaut war. Auf einem Stuhl sollte die Belzer Rebbitzen (Gattin eines chassidischen Rebben) sitzen.
Wenige Minuten später kam sie auch schon. Mit Perücke und weissem Tichel (Tuch) darauf. Ganz nach Belzer Tradition.


Die Rebbitzen stammt aus einer sehr traditionsreichen und einflussreichen Familie: Ihr Vater ist der eigentliche Vishnitzer Rebbe von Bnei Brak, die zwei jüngeren Rebben sind ihre Brüder, eine Schwester ist die Frau des Rebben der Chassidut Skver in Monsey / New York und die zweite Schwester ist mit dem Rebben Aharon Teitelbaum der Satmarer Chassidim verheiratet.

Die Rebbitzen nahm Platz und kurz darauf trat ihr Gatte, der Rebbe Yissachar Dov Rokeach, zu den Chassidim ins Untergeschoß.
Es ist jedesmal erstaunlich wie schnell sämtliche Chassidim auf ihren Platz auf den Metallbänken rennen, sobald der Rebbe im Anmarsch ist. Wie eine Armee wenn der General naht. Dann ist es mucksmäuschenstill und alle warten darauf, was der Rebbe tut.

Der Belzer Rebbe beginnt seinen Tisch jedesmal mit einem langen Gebet, welches er im Stehen sagt. Danach setzt er sich, macht Kiddusch, ißt und verteilt ebenso Essen an die Chassidim. Dieses Essen mit dem Segen des Rebben soll einen Chassid den oberen spirituellen Welten näherbringen und man nennt es "Schirayim".
Es mag banal klingen, aber was ich bei den Belzer mag, sind die blitzblank geputzten glänzenden Schuhe am Schabbat. Niemand anderes in der haredischen Welt besitzt derlei blanke schwarze Schuhe.

Immer, wenn der Belzer Rebbe mit dem Essen beginnt, warte ich darauf, dass er unser Brot aus der Bäckerei hervorholt. Aber anscheinend ißt er dies daheim. Die Bäckerei besitzt ein Koscherzertifikat (Hechscher) der Belzer Chassidim (Badatz Belz) und nicht selten backen wir die Challot (Schabbatbrote) für den Rebben. Jedesmal ohne Hefe !

Ich mag die Belzer, doch sind sie mir so unbeschreiblich gut organisiert. Alles ist geplant und nichts wird ausgelassen. Die Challot werden in einer bestimmten Art und Weise geschnitten, die Scheiben auf den Tisch geschichtet (nebeneinander und aufeinander), das Obst ist wie mit einer Wasserwaage zurechtgelegt (alles gerade und nichts Schiefes dabei). Auch im Leben sind die Belzer organisiert.

Wir genossen den Tisch, doch gingen wir als der Rebbe seine Suppe zu löffeln begann. Der Weg zurück war wesentlich einfacher und am kommenden Schabbat wird der Rebbe nicht in Jerusalem, sondern in Telshe Stone, etwas außerhalb, sein.



Die Belzer Beit Midrasch in Jerusalem bietet insgesamt 7000 Menschen Platz. Den festen Sitzplatz kaufen die Chassidim für 5000 Dollar auf Lebenszeit. Wer gerade nicht soviel Cash hat, darf Ratenzahlung einrichten.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Schabbat Chatan in Toldot Aharon


Die Kinder der Toldot Aharon in ihrer Synagoge


B"H

Am Schabbat, zum Morgengebet Schacharit, ging ich in die große Synagoge der chassidischen Gruppe Toldot Aharon in Mea Shearim. Rebbe David Kahn war nicht anwesend und so leitete einer seiner jüngeren Brüder den G - ttesdienst. Die Frauenseite (Ezrat Nashim) war ungewöhnlich wenig besucht und so gab es massig Sitzplätze auf den Metallbänken hinter der Mechitzah (Trennwand zur Männerseite).

In der Toldot Aharon Synagoge sitzen die Männer im Erdgeschoß und die Frauen im ersten Stock. Bei den chassidischen Tischen des Rebben am Freitag abend (Erev Schabbat) besteht die Mechitzah aus riesigen Glasfenstern und somit hat man einen hervorragenden, fast theatermässigen, Blick auf das Geschehen im Erdgeschoß. Am Schabbat, beim Morgengebet Schacharit jedoch, werden Eisengestelle vor die Glasscheiben gehängt, was das Hinunterschauen fast unmöglich macht. Das Tageslicht sowie die Synagogenlichter ermöglichen während des Tages beim Heraufschauen den Männern einen Einblick in die Frauenempore und das soll aus Anstandsgründen verhindert werden.



Die Toldot Aharon Synagoge


Nach einer Weile wurde mir klar, dass es sich wieder einmal um einen "Schabbat Chatan" handelt. Am Schabbat vor einer Hochzeit wird der Bräutigam zur Thora aufgerufen und danach werfen die Frauen aus dem Obergeschoß traditionell Süßigkeiten zu den Jungen auf der Männerseite herab. Die kleinen Jungen wiederum sammeln alles emsig ein und stopfen es in kleine Plastiktüten. Diese Tradition mit den Süßigkeiten findet in jeder orthodoxen Synagoge statt. Nach der dritten und voerten Thoralesung (Aliyah) schmissen die Frauen gestern ihre Süßigkeiten hinab und danach machte der Chatan seine Runde und schüttelte fast allen Männern die Hand.

Nur schade, dass Rebbe David Kahn nicht anwesend war.

Sonntag, 17. August 2008

G - ttesdienst bei Karlin – Stolin

B"H

Yeshivot (relig. Schulen) sind wegen der Sommerpause noch bis zum jüdischen Monat Elul (Anfang September) geschlossen. Dies ist die übliche relig. Routine; nach dem Fastentag Tisha Be' Av bleibt alles bis Elul geschlossen. In manchen Yeshivot nicht ganz, denn hier und da laufen spezielle Kurse weiter. Die haredische (ultra – orthod.) – litvische Jerusalemer Frauenyeshiva "Neve Yerushalaim" schließt in diesem Sommer gar nicht, sondern der Unterricht läuft regulär weiter.

Viele chassidische Rebben dagegen haben sich schon im Juli verabschiedet. Sie reisen im Ausland (USA, Belgien, Schweiz, Österreich oder in England) herum. Entweder um Ferien zu machen, Spendengelder zu sammeln oder gleich beides. Insbesondere kleinere chassidische Gruppen wie die Toldot Aharon, die Toldot Avraham Yitzchak oder Dushinksy sind auf Spendengelder angewiesen. Bei den Toldot Aharon heißt der große Spender Rebbe Aharon Teitelbaum von der Chassidut Satmar; bei den Avraham Yitzchak ist es ebenso Satmar, doch lautet der Rebbe hier Rabbi Zalman Leib Teitelbaum.

Aufgrunddessen geht es in diesen Wochen im chassidischen Bereich leider etwas ruhiger zu. Sieht man einmal von einer Hochzeit bei den Boyaner Chassidim in der kommenden Woche ab. Obwohl es aber kaum chassidische Tische gibt, geht der Synagogeng – ttesdienst wie gewohnt seinen geregelten Gang. Länger habe ich nicht berichtet, doch seit Monaten gehört bei mir die Jerusalemer Synagoge der Gruppe Karlin – Stolin zum freitagabendlichen Pflichtprogramm. Immer wenn ich in Jerusalem weile und nichts anderes vorhabe, gehe ich vor dem Schabbatessen zu Karlin – Stolin in die Yoel Street in Mea Shearim (gleich gegenüber den Satmarern des Rebben Zalman Leib Teitelbaum).

Unbedingt imposant schaut die große Synagoge der Karliner nicht gerade aus. Eher recht neu und betonklötzig. Wie üblich ist der Männereingang leicht zu finden, doch der für die Frauen ist unbeschreibbar, wenn man es nicht selber sieht. Von der Yoel führt eine winzige Seitengasse um das Gebäude herum und genau dort befindet sich der Fraueneingang. Zuerst jedoch muß man noch eine ewig lange Treppe bewältigen.

Helles Holz bestimmt die Inneneinrichtung im unteren Männerbereich. Der Aron HaKodesh (Thoraschrein) ist riesig und zieht sich über die gesamte Wand hin. Alles in dem gleichen hellen Holz gehalten und dazu mit Schnitzereien verziert. Ein Chassid ein anderen chassidischen Gruppe meinte einmal lakonisch zu mir, ob ich mir denn bei Karlin – Stolin einen Hörschutz für die Ohren mitnehmen.
Und genau das ist es, was die Karliner so einzigartig macht: ihr lautes euphorisch – ekstasisches Gebet. Man muß schon einige Male dabeisein, um den G – ttesdienstinhalt richtig mitzubekommen. Woanders werden der "Yedid Nefesh" oder "Lecha Dodi" mit verschiedenen Melodien gesungen, bei Karlin – Stolin wird alles ekstasisch herausgeschrien. Betende Männer biegen ihre Körper nach hinten und schreien in die Luft zu G – tt hinauf. Wer einmal ein richtiges chassidisches Gebet sehen will, der darf die Karliner nicht auslassen. Sie sind berühmt für ihre Art des Betens und nebenbei will ich erwähnen, dass die Karliner nicht nur aus Karlin – Stolin bestehen, sondern ebenso aus ihrer kleinen Abspaltung Karlin – Pinsk.

Schon allein wegen der einzigartigen Atmosphäre liebe ich Karlin. Am letzten Freitag war ich wieder dort und die Chassidim waren mitten im Gebet, was man schon von Weitem hören kann. Normalerweise kommt die Mehrheit der Karliner Frauen erst zum Schabbatmorgen in die Synagoge und von daher treffe ich an den Abenden am Freitag (Erev Schabbat) meist nur auf die gleichen zwei oder drei Frauen. Eine junge Amerikanerin von in Karlin New York, mit der ich schon einige Male sprach und die manchmal meine engl. Site liest. Eine weitere Karlinerin und eine etwas ältere Dame (ebenso von der Gruppe). Freitag traf ich nur auf die Dame, die ihre zwei Enkelinnen dabei hatte. Besagte Dame liebt es, wenn jemand mit ihr redet und sie beantwortet alle Fragen. Mehr als bereitwillig und noch darüber hinaus.

Nach dem G – ttesdienst kam sie zu mir und fragte, ob es nicht ein toller Karliner Bracu sei, wenn die kleinen Jungs sich am Freitag abend in der Synagoge versammeln und nach dem G – ttesdienst kleine Geschenke bekommen.

"Das ist alles kleines Spielzeug, was sie da bekommen, denn vor dem Kiddusch (Segnung des Weines vor dem Schabbatmahl) darf man ja nichts essen und somit bekommen die Kinder nichts Süßes, sondern kleines Plastikspielzeug".

Ich merkte an, dass ich den Brauch sehr originell finde und jedesmal schaue ich mir das Verteilen der kleinen Geschenke immer wieder gerne an. Kurz vor G – ttesdienstende versammeln sich die kleinen chassidischen Jungen vor dem Aron HaKodesh und warten mehr oder weniger geduldig auf das Austeilen. Einer ihrer Lehrer teilt dann das Plastikspielzeug a la Überraschungsei (oder auch etwas mehr) aus. Die Karliner Mädels bekommen ihre Geschenke beim Morgeng – ttesdienst am nächsten Tag.

Eifrig erklärte mir die ältere Dame den Brauch und ich überlegte schon, ob ich nicht anmerken solle, dass auch bei anderen chassidischen Gruppen dieser Brauch durchaus üblich ist. Ich ließ es dann aber lieber. Zum Schluß meinte die Dame, dass das ja überhaupt alles durch Spendengelder finanziert sei. "Es gibt Leute, die geben extra Geld dafür", meinte sie stolz.

Äh, war das jetzt nur eine Bemerkung oder eine Anspielung ?