Morgen (Dienstag) ist die Yahrzeit (Todesgedenktag) des Rabbi Amram Blau (Bloi). Wer interessiert ist, die Mishkenot HaRoim Gruppe in Mea Shearim veranstaltet zum Gedenken ein Mischnastudium, welches am frühen Nachmittag beginnen soll. Bedeutet, die Gedenkfeier ist NUR für Männer !
Rabbi Amram Blau war bis zu seinem Tode im Sommer 1974 der geistige Führer der antizionistischen Neturei Karta in Mea Shearim.
Nicht, dass ich wieder beschuldigt were, ich sei Neturei Karta; nein, ich bin es nicht, doch verstehe ich die ideologischen Gründe für den Antizionismus. Rabbi Blau war seinerzeit einer der bekanntesten Charaktäre Jerusalems und deswegen setzte ich seine Yahrzeit in den Blog.
Die aktuellen Pakshivilim (Mitteilungsposter) aus Mea Shearim und anderen haredischen (ultra - orthodox.) Stadtteilen bzw. Orten. All die nachfolgend aufgeführten Poster befassen sich mit dem heute abend beginnenden israelischen Unabhängigkeitstag (Yom HaAtzma'ut).
Zusammenkunft zwecks eines Aufschrei gegen den zionistischen Staat Israel
Die Edah HaCharedit verbietet jegliche Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Yom HaAtzma'ut.
Spezielles Gebet in der Synagoge der antizionistischen Gruppe Mishkenot HaRoim in Mea Shearim Street.
Allgemein betrachten antizionistische Gruppierungen den Yom HaAtzma'ut als Trauertag !
Blick über Jerusalem vom Dach der Ruzhin - Boyan Synagoge
B"H
Andernorts ist Purim nach einem Tag vorüber, doch in Jerusalem wird noch ein weiterer Tag namens "Schuschan Purim" angehängt. Normalerweise finden am Purimausgang DIE großen Feiern im ultra - orthod. Mea Shearim statt. Einschließlich chassidischer Tische mit den jeweiligen Rebben. Sämtlich Synagogen stehen offen, aber bekannt ist Außenstehenden das Event weniger. Und so zog ich mit einer Freundin los und wir hatten Glück, nicht auf allzu viele Tischtouristen zu treffen. Die Straßen Mea Shearims waren, wie noch am Sukkot (Laubhüttenfest im Oktober), nicht in Männlein und Weiblein unterteilt und alle managten die Situationen bestens.
Die chassidischen Tische begannen mit dem Sonnenuntergang am vergangenen Mittwoch abend und unser erstes Ziel waren die Toldot Aharon. Obwohl es gerammelt voll war, gelang es uns dennoch auf der Frauenempore einen Platz auf den Metallgestellen zu ergattern und einen Blick auf Rebbe David Kahn und seine Chassidim zu werfen. Ich kenne den Rebben stets als organisiert und ernst, doch an Purim waren seine Peyes (Seitenschläfen) so ziemlich durcheinander geraten und ich bekam das Gefühl, dass er wohl die ganze Nacht durchgefeiert hatte.
Wir waren gerade am Gehen als eine junge Toldot Aharon Frau auf mich zukam und meinte, dass wir ja recht regelmässig zu den Tischen der Gruppe kommen. Sie beobachte halt alles genau. Ich fragte sie, was genau sie denn jetzt wissen wolle, denn normalerweise ist dies ein Anzeichen, was Ausfragen bedeutet. "Nichts wolle sie fragen, sondern ich sei ja in positivem Sinne an der Gruppe interessiert". Da sie das Wort "interessiert" unendlich viele Male wiederholte, sagte ich ihr, dass ich ebenso im Internet über den Chassidismus schreibe. Wer denn meine Leser seien, wollte sie wissen. Chassidim, Haredim, Säkulere, Nichtjuden, was immer Du willst, gab ich zurück. Damit war unser Gespräch schnell beendet und sie zog von dannen. Einen besonderen Reim konnte ich mir darauf nicht machen und meine Freundin meinte, dass die Leute halt neugierig seien. Außerdem passen wir in keine deren Kategorien. Wir sind keine frommen Seminarmädels oder anderweitig haredisch.
Wer meint, die Situation genauer erklären zu können, der kann gerne einen Kommentar hinterlassen !
Gleich danach gingen wir fast direkt nebenan zu den Toldot Avraham Yitzchak, geleitet vom zweiten Kahn - Bruder, Rebbe Shmuel Yaakov. Der Rebbe war noch ruhig am Essen und der Chor / die Band etwas in den falschen Tönen, was sich aber sicherlich noch besserte.
Toldot Avraham Yitzchak
Nächste Station: Die Neturei Karta. Die Neturei Karta besitzt die prachtvollste Synagogue im ganzen Stadtteil, aber dennoch war Purimmässig eher tote Hose. Außer ein paar jugendlichen Betrunkenen, die auf einem Tisch auf und abrannten, war nichts los.
Die NetureiKarta Synagoge in MeaShearim
Nächste Station: Die Mishkenot HaRoim Die beste Band; swinging, laut und voller Freude. Rebbe Chaim Rabinovitch saß in der Mitte und jeder konnte zu ihm kommen und mit ihm sprechen.
Die MishkenotHaRoim mit Rebbe Chaim Rabinovitch
Nächste Station: Stropkov Die Frauen hingen wie festgeklebt an der Mechitzah (Trennwand zu den Männern) und wir sahen keinerlei Chance uns daziwschenzuquetschen. Also trotteten wir weiter zu den Schomrei Emunim. Bei den Schomrei Emunim erwartete uns eine absolut positive Überraschung, denn dort hatte man auf der Frauenempore einen größeren Bildschirm aufgestellt und so konnten wir alle den Rebben und seine Chassidim im Untergeschoß ohne Probleme sehen. Eine tolle Idee den Bildschirm aufzustellen !
Nächste Station: Karlin - Stolin Die Karliner hielten weniger Vorteilhaftes für die Frau parat, denn das Männerzelt draußen vor der Synagoge war mit Vorhängen verhängt. So konnten wir nichts sehen und stellten uns einfach neben dem Zelt auf. Solange bis sich ein Chassid und eine Frau bei uns beschwerten. Wir und einige andere weibliche Wesen sollen gefälligst die Absperrung beachten.
Karlin - Stolin
Aber wir sind keine "hinter den Vorhang Fans" und so gingen wir weiter zu Kretchnif. Die Kretchnifer Synagoge war fast leer, aber der Rebbe tanzte wundervoll vor sich hin. Ich liebe es, dem Kretchnifer Rebben beim Tanzen zuzusehen.
Unsere letzte Station war die Synagogue der Chassidut Ruzhin - Boyan und dort war das Schmankerl der Nacht geboten. Hunderte Chassidim und Frauen auf der Empore waren versammelt und dann stellten sich fünft Chassidim mit einer Chuppah (Hochzeitsbaldachin) vor dem Rebben auf dem riesigen Tisch auf und sangen. Ich befragte eine Boyaner Frau und die meinte aufgeregt, dass man sich jedes Jahr neue Entertainments einfallen liesse.
Auf dem Heimweg konnte ich meine Beine kaum noch bewegen und kam um Mitternacht in Tel Aviv an, wo ich gerade so eine der letzten Sherut - Taxen erwischte. _______________________
Sämtliche Bilder wurden von meiner Freundin aufgenommen !
Am vergangenen Schabbat (Freitag abend) ging ich wie üblich zum Schabbatessen von Rabbi Mordechai Machlis. Ich kam eine Stunde zu früh an, denn das Abendgebet Maariv incl. Kabbalat Schabbat bei der chassidischen Gruppe Karlin – Stolin in Mea Shearim zog nicht nicht allzu lange hin. Dennoch sicher länger als in litvisch – haredischen Synagogen, wo alles recht schnell geht. Chassidim hingegen haben die Angewohnheit, ihre Gebete mit einer bedeutenden Kavanah (Konzentration) zu beten, was sich daher länger hinzieht.
Die Chassidut Karlin wurden von Rabbi Aharon dem Großen (1736 – 1772) gegründet, der wiederum ein Schüler des Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman) war. Der Maggid war der Nachfolger des Baal Shem Tov und bei Karlin handelt es sich um einen Vorort der lithauischen Stadt Pinsk. Nicht, wie viele meinen. Rebbe Aharon der Große gründete das allererste chassidische Zentrum in Lithauen und schon bald gab es Karliner Chassidim auch in der Stadt Vilna, was wiederum einen Kampf mit dem berühmten Gaon von Vilna nach sich zog.
Heute sind die Karliner Chassidim Jerusalems in zwei Lager gespalten, aufgrunddessen dass in dernicht allzu langen Vergangenheit Probleme mit der Anerkennung des neuen Rebben gegeben hatte. Jener kleinere Teil, welcher den derzeitigen Rebben nicht anerkannte, spaltete sich ab und nennt sich heute Karlin – Pinsk. Der wesentlich größere Teil blieb zusammen und nennt sich Karlin – Stolin. Weiterhin haben die Stoliner eine großes Zentrum in New York. Der Karlin – Stoliner Rebbe Baruch Yaakov Meir Shochet verlegte seinen Wohnsitz in den Jerusalemer Vorort Givat Ze'ev, wo er allmählich viele seiner Chassidim um sich scharrt. Trotzdem, ein Großteil gehört nach wie vor zur Synagoge in Mea Shearim. Leider kommt der Rebbe selbst nur selten dorthin und gibt seinen chassidischen Tisch überwiegend in Givat Ze'ev. Auch am vergangenen Schabbat war er nicht in Jerusalem.
Sukkot - Feier in der Karlin - Stoliner Synagoge in Mea Shearim
Bei den Machlises waren überraschenderweise weniger Gäste anwesend als sonst mit mindestens 70 Leuten. Zum einen mag das daran liegen, dass am Schabbat von Chanukkah viele Leute anderswo eingeladen sind. Und es war nicht "nur" Schabbat Chanukkah, sondern gleichzeitig Rosh Chodesh, der Beginn des neuen jüdischen Monat (diesesmal TEVET). Eine mehrfache Keduscha (Heiligkeit) also; ein Thema, was auch bei den Machlises zur Sprache kam. Obwohl der riesige Küchenherd der Familie am Nachmittag zuvor seinen Geist aufgab, managte man doch noch Dank der Nachbarschaftsmithilfe ein tolles Schabbatessen zu servieren.
Danach ging ich zu dei verschiedenen chassidischen Tischen:
Zuerst zu den Toldot Aharon wo alles total überfüllt war. Kein Wunder, denn es war ja Chanullah und Rosh Chodesh. Nicht nur, dass die Frauen der Toldot Aharon fast sämtliche Metallbänke besetzt hatten; nach und nach kamen auch immer mehr Besuchergruppen (meist Nationalrelig. oder haredische Seminargirls) an und versuchten sich irgendwo dazwischen zuklemmen, um den Rebben sowie seine Chassidim im Erdgeschoß zu sehen. Die weitläufige Frauenempore war so voll, dass ich noch nicht einmal in die Nähe der Mechitzah (Trennwand zu den Männern) gelangte. Bei den Toldot Aharon besteht die Mechitzah überwiegend aus riesigen Glasfenstern und man hat einen herrlichen Blick über Hunderte Chassidim und dem Rebben David Kahn.
Eine der Frauen drehte sich um und bat mir einen Platz inmitten all der anderen Mitglieder an. Schließlich seien wir ja alle hier um etwas zu sehen, meinte sie augenzwinkernd. Ich nutzte die Gelegenheit sogleich um mich zu erkundigen, ob die Rebbitzen der Gruppe in der folgenden Woche einen Schiur (Vortrag) gibt, denn der letzte fiel wegen Chanukkah aus. Leider wusste die Frau nicht Bescheid und so muss ich mir die Antwort auf anderem Wege suchen. Zwar stand die Rebbitzen an dem Abend nur wenige Meter von uns entfernt, doch war der Andrang so groß, dass ich mich nicht auch noch zwischen den anderen Frauen durchquetschen wollte.
Rebbe David Kahn war in gewohnt guter Stimmung, nur auf der Frauenempore war es viel zu heiß und die Menschenmenge atmete jeglichen Sauerstoff weg. Gerne wäre ich länger geblieben, brauchte jedoch frische Luft und entschloß mich, zur nächsten Gruppe zu gehen.
Die Toldot Avraham Yitzchak sind eine 12 Jahre alte Abspaltung der Toldot Aharon, tragen jedoch die gleiche Kleidung und sind äußerlich eigentlich gar nicht zu unterscheiden. Insgesamt aber sind beide Gruppen unabhängig voneinander, wobei die Toldot Aharon sich eher an Satmar orientieren und die Toldot Avraham Yitzchak viele Bräuche der Chassidut Vishnitz übernahmen, da der derzeitige Rebbe Shmuel Yaakov Kahn (der ältere Bruder von Rabbi David Kahn) beim Vishnitzer Rebben lernte. Beide Gruppen liegen räumlich sehr nahe beieinander. Die Toldot Aharon in der Shivtei Israel Street und die Avraham Yitzchak im Markt von Mea Shearim. Bei den Avraham Yitzchak erwartete mich übrigens das gleiche überfüllte Bild und somit machte ich mich nach kurzer Zeit zu meiner dritten Station auf.
Die "Mishkenot HaRoim" sind keine klassische chassidische Gruppe in dem Sinn, sondern eher eine Organisation oder Zweckgemeinschaft vieler Chassidim anderer Gruppen, die alle dasselbe Ziel verfolgen: den Antizionismus. Immerhin aber haben die Mishkenot HaRoim einen eigenen Rebben (Rabbi Chaim Rabinovitch) und sind Mitglied der antizionistischen Dachvereinigung "Edah HaCharedit". So mancher Haredi nennt die Mishkenot HaRoim sogar "Zeloten", denn sie können ziemlich radikal im eigenen Stadtteil gegen andere Haredim vorgehen.
Leider war dort der Tisch schon zuende und Rabbi Rabinovich verabschiedete sich von seinen Chassidim. Ein weiterer chassidischer Brauch ist es, den Rebben nach dem Tisch heimzubegleiten und dies taten ca. 40 Anhänger der Mishkenot HaRoim. Ich sah sie draußen begeistert ihrem Rebben hinterherlaufen.
After years of living in Jerusalem, I decided to betray the city by moving to Tel Aviv.:-) In the meantime I returned to the Holy City. It is actually very good to be back in Jerusalem !!!
Nevertheless, I am still writing about Jerusalem but also include many other places in Israel.
Until some years ago, I was a Yeshiva (Michlalah) student. First with the national religious and later with the Litvishe. Also got in contact with Chassidut and this subject and lifestyle has never left me.