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Mittwoch, 2. September 2009

Die Mülltonnen brennen wieder

Umgekippter Müllcontainer am Kikar Shabbat gestern abend
Photo: Haredim.co.il

B"H

Sonntag nacht begannen erneute wilde Demonstrationen in den haredischen Stadtteilen Jerusalems: in Ge'ulah und Mea Shearim. Am Tage zuvor, nach Schabbatende, demonstrierten Hunderte Haredim vor dem "Karta" Parkhaus in Jerusalem. Bürgermeister Nir Barkat erlaubt nach wie vor die Öffnung des Parkhauses am Schabbat.

Seit Monaten befinden sich die antizionistische "Edah HaCHaredit" (Mitglieder: Chassidut Satmar, Dushinsky, Toldot Aharon, Spinka, Toldot Avraham Yitzchak, Teile Breslovs sowie Anhänger des Vilna Gaon) im Streit mit der Stadtverwaltung. Insbesondere mit Nir Barkat, der auf haredischen Mitteilungspostern (Paschkevilim) nach wie vor angegriffen wird. Anderweitige chassidische Gruppen (jene der "Agudat Israel" wie Belz, Vishnitz oder Gur), mischen sich in den Krieg nicht ein. Am vergangenen Mozzaei Shabbat wurden mehrere Haredim (meist Toldot Aharon) verhaftet, kamen aber zwischenzeitlich wieder frei.

Am Sonntag abend nun erstach ein Palästinenser in der Nähe des "Hotel Zephania" in Ge'ulah einen Juden. Die Tat geschah aufgrund eines kriminellen Hintergrundes. Überhaupt ist das "Hotel Zephania" als Absteige der Stadtverwaltung bekannt. Sozialarbeiter stopfen zeitlich befristet sämtliche obdachlose Junkies, Alkoholiker und sonstige Gestalten in das "Zephania".
Ein Freund von mir meinte neulich, ich solle doch einmal über das "Zephania" berichten. Wenn ich dorthin gehe, sollte ich allerdings meinen "Baseball Schläger" nicht vergessen, denn ehe ich bis zur Verwaltung vordringe, könnte ich von einem der irren Bewohner angegriffen werden.

Nachdem der Palästinenser vor dem Hotel einen Juden erstochen hatte, flüchtete der Täter. Wenig später wurde er von der Polizei verhaftet. Die Polizei kam zum "Hotel Zephania", um die Leiche abzuholen und zur Obduktion zu bringen. Zwischenzeitlich hatten sich mehrere Haredim versammelt, um die Abholung der Leiche zu verhindern. Laut Halacha ist eine Obduktion verboten ! Es kam zu einer wilden Auseinandersetzung und die Polizei setzte Tränengas ein. Gestern abend brannten am Kikar Schabbat in Ge'ulah aus Protest erneut die Mülltonnen.

Dienstag, 19. Mai 2009

Was ist das Besondere am Tisch des Rebben ?

B"H

Fast jeder chassidische Rebbe gibt am Freitag abend (nach dem Schabbatmahl) einen TISCH für seine Chassidim. Einige Rebbes essen dabei, andere wiederum beschränken sich auf das Geben einer Derascha, eines Teachings aus der Thora, oder fordern ihre Chassidim zum Singen auf.

Die Jerusalemer Bäckerei, in der ich zweimal pro Woche arbeite, besitzt das Koscherzertifikat der Belzer Chassidim ( Badatz Belz). Regelmässig unterhalte ich mich mit einem unserer Mashgichim (Kaschrut Experten) und, wie so oft, geht es dabei um verschiedene chassidische Gruppen genauso wie um die Chassidut Belz.

Neulich trat mitten im Gespräch einer der Verkäufer zu uns ins Büro, stetzte sich hin und fragte den Maschgiach, was denn so toll daran sei, wenn Hunderte Chassidim ihrem Rebben beim Essen zuschauen. Und überhaupt, verstößt das nicht gegen die Halacha ? Und was hat man von dem ganzen Gestarre ? Jemand stopft sich voll Essen, na und ?
Nebenbei bemerkt, der Verkäufer ist absolut säkuler, obwohl sein Großvater ein respektierter Rabbiner innerhalb der kurdischen Gemeinde Jerusalems war.

Tatsächlich ist es so, dass der Kitzur Schulchan Aruch jemandem verbietet, einem anderen Menschen beim Essen auf den Mund zu schauen. Der Belzer meinte, dass es nicht darum ginge, dem Rebben jeden Happen in den Mund zu zählen; es sei vielmehr eine Sache der "Keduscha - Heiligkeit", welche den Rebben umgebe. Er sei ein Zaddik (ein Gerechter) und wenn ein Chassid ein Bissen vom Essen abbekommt, über welches der Rebbe einen Segen sprach, so kann das den Chassid positiv beeinflussen. Der Level desjenigen kann ansteigen, wenn er von dem Schirayim (eben jenem Essen) kostet. Eines der ältesten chassidischen Konzepte ist es, dass die Nähe zu einem Zaddik auf alle anderen positiv beeinflussend wirkt.

Der Verkäufer verstand nur Bahnhof und dachte äußerst pragmatisch a la "Was wäre für mich bei dem Tisch drin ?"
"Ich kann das nicht so leicht beschreiben, meinte der Belzer. Nächstes Mal nehme ich dich mit zum Tisch des Rebben". Der Verkäufer wollte auf keinen spirituellen Zweig kommen und manchmal denke ich mir, dass jemand die Chassidut in sich hat oder nicht. Jeder Jude hat seinen individuellen Zugang zum Judentum und geht den Weg, der er für richtig hält. Der eine sieht in einem Rebben den großen Zaddik und für den anderen ist der Rebbe nur ein Mensch wie jeder andere auch.

Mittwoch, 25. März 2009

Streimel Krieg




Quelle: Chadrei HaCharedim

B"H

Zwei verschiedene Streimel Hersteller, eine Werbung ?

Das linke Werbeplakat wurde zuerst an die Wand geklebt und ein zweiter Streimel (traditionelle chassidische Pelzmütze) Hersteller klebte sein Poster einfach über die erste Werbung. Zusammen schauen beide Plakate wie eines aus; als gehöre alles voll und ganz zum zweiten konkurrierenden Hersteller. So erhalten die Leute einen absichtlich herbeigeführten falschen Eindruck.

Diese Art des Werbemißbrauchs ist laut Halacha verboten, aber dieser Tage scheint einfach alles "erlaubt" nur damit windige Geschäftsleute etwas verdienen. Wer denkt da noch an halachisches Businessgebahren ?

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Diese Art der Werbung wurde in einem haredischen Internetforum angeprangert.

Freitag, 27. Februar 2009

Belz untersucht seine Tallitot auf Schatnez


Belzer Chassidim vor ihrem rabbinischen Gericht: Beit Din "Machzikei HaDa'at"

B"H

Das Beit Din (rabbinisches Gericht) der "Machzikei HaDa'at" forderte alle Belzer Chassidim auf, ihre Tallitot (Gebetsmäntel) Chassid Belz auf Schatnez zu untersuchen. Bei dem biblischen Verbot des Tragen von "Schatnez" in der Kleidung handelt es sich um einen gemischten Stoff aus Wolle und einer bestimmten Leinenart.

Jude beim Gebet in seinem Tallit (Gebetsmantel)

In jüdisch orthodoxen Wohngegenden wie Mea Shearim / Jerusalem oder in Brooklyn / New York bieten spezielle Geschäfte einen kostenlosen "Schatnez - Dienst" an. Per Labor kann man seine Kleidung auf Schatnez - Fasern untersuchen lassen.

Schatnez Link:

http://shatnez.n3.net/

http://www.aish.com/literacy/mitzvahs/Wool_and_Linen_=_Shatnez.asp
http://en.wikipedia.org/wiki/Shaatnez

Die Thora nennt uns keinerlei Grund, warum das Schatnez - Verbot existiert. Einen der möglichen Gründe nennt uns Rabbi Aron HaLevi von Barcelona in seinem "Sefer HaChinuch":


The reason why it is forbidden to mix wool and linen together is because it destroys the spiritual fabric of the universe. This can be explained as follows: Each and every thing on earth, except for man, has its own spiritual force that influences it. When some of these earthly items are mixed together, they cause their spiritual counterparts to become entangled. Once entangled, they cannot perform their tasks as originally designed, thusly destroying the spiritual fabric of the universe. However, after the explanation, the author tacked on "We still need a Mystic to explain this." (Sefer HaChinuch - The Book of Mitzvah Education #62)

Montag, 23. Februar 2009

Vorsicht FRAUEN !!!

B"H

Das untere Photo fand ich in einem israelisch - haredischen (ultra - orthod.) Forum und eigentlich beschreibt der Poster das sensationelle neue Fahrrad für die ganze Familie. Toll, dachte ich, doch dann sah ich die zwei weissen Felder mitten im Bild, die auch nach mehrmaligem Mausklick nicht verschwinden wollten. Und dann erst wurde es mir klar: Dort, wor sich die zwei weissen Felder im Bild befinden, sitzen FRAUEN auf dem Fahrrad ! Und aus Anstandgründen und damit kein frommer Haredi unanständige Gedanken bekommt, wurden die Frauen halt kurzerhand wegretouschiert.



Photos, die Frauen zeigen, sind in der haredischen Gesellschaft verpönt und gelten als unanständig. Das erwecke im Mann diverse Gefühle und um das von vornherein auszuschalten, werden Frauengesichter grundsätzlich hinausretouschiert.

Vielleicht mag der ein oder andere Leser dem Eindruck erliegen, ich berichte zuviel zum Thema "Anstand in der haredischen Gesellschaft", doch dem ist eigentlich nicht so. Nur gewisse Vorfälle sowie dieser Art der Photos bringen mich auf die Palme.

Sonntag, 25. Januar 2009

Vergessen zu leben ?

B"H

Es gibt Zeiten, da haut es mich die Fülle der Halachot (Gesetze) tatsächlich fast um. Vielleicht nicht einmal so sehr die Fülle, aber vielmehr die Schlußfolgerungen, die wir orthodoxen Juden ziehen. Schlußfolgerungen, bei denen ich oftmals nicht vollständig nachvollziehen kann, ob diese nun richtig oder falsch bzw. übertrieben sind. Manchmal hört sich einfach nur alles so unglaublich kompliziert, wenn nicht irrational an.

Nicht, dass G - tt uns ausschließlich nur mit rationalen Gesetzen ausstattete - das ist nicht, was ich meine und ich sollte besser die Begegenheit vom letzten Schabbat erklären, auf die ich hier hinaus will.

Ich war im Haus eines Rabbiners zum Essen und am Ende beteten wir, wie vorgeschrieben nach einem Mahl, welches Brot beinhaltet, das Birkat HaMazon (den Segen nach dem Mahl). Ich langte nach einem sich auf dem Tisch befindenden Bencher (Buch mit Gebeten und Liedern) und als ich danach fasste bemerkte ich zu spät, dass die Außenseite des Buches voll Sauce war. Anscheinend ein Unfall beim Essen.

Meine Hand war verschmiert und klebrig und um sie zu reinigen, fragte ich eine der Töchter des Rabbis nach einer Papierserviette.
Sie gab sie mir ohne zu Zögern.
Jedenfalls reichte die Serviette nicht aus, denn meine Hand klebte weiter. Ich hätte jetzt zuende beten und mir dann beim Verlassen des Hauses die Hände waschen können. Allerdings befanden sich mindestens 70 Gäste im Haus und ich erahnte schon im voraus das Gedränge beim Hinausgehen. Von daher bat ich eine andere der Töchter, die Serviette ganz einfach ein wenig nass zu machen, damit ich so meine Hand abreiben konnte. Die Tochter jedoch weigerte sich mit der Bemerkung, dass sie nicht wisse, ob das am Schabbat erlaubt sei.


Soweit der besagte Zwischenfall und er mag völlig belanglos klingen. Ich habe noch nicht nachgeforscht, ob die Teenage - Tochter im Recht war oder nicht. In dem Moment war mir das irgendwie egal, denn das Einzige, was mir durch den Kopf ging war, wie Leute so besessen von der Halacha sein können.
Ohne Zweifel gab uns G - tt die Thora samt der Gesetze (schriftliche in der Thora sowie mündliche in späteren Mischna, welche Bestandteil des Talmud ist). Vielfach jedoch erscheint mir dass, was wir Menschen aus den Halachot machten, zu übertrieben. Eine Papierserviette am Schabbat nassmachen oder nicht ? Fällt das etwa unter "einweichen" und ist verboten am Schabbat ? Warum aber benutzen wir dann überhaupt Wischlappen oder Servietten am Schabbat ?

Es liegt mir fern, mich über die Tochter zu beschweren, dennoch aber meine ich, dass wir manchmal vor lauter Halachot vergessen haben, zu leben oder besser gesagt, das Leben zu geniessen. Deswegen, weil wir jedesmal bevor wir etwas beginnen, nachdenken, ob es erlaubt ist und falls wir uns nicht sicher sind, lassen wir es lieber. Auch hier keine Frage, denn G - tt beabsichtigt, dass wir Juden eine gewisse Moral und Disziplin einhalten. Genauso wie Nichtjuden mit den Sieben Noachidischen Gesetzen. Und viele Halachot dienen nun einmal dazu, einen sogenannten "Zaun" oder eine "Grenze" um das eigentliche Gesetz zu ziehen. Einen Zaun um den Ursprung setzen, damit wir erst gar nicht in Versuchung kommen. Zum Beispiel Stifte, Telefone, etc. vor Schabbatbeginn zu entfernen, damit wir dies nicht aus irgendeinem Grund benutzen. Wenn auch nur aus Versehen.

Andererseits erscheinen mir persönlich viele Vorschriften absolut irrational und dies soll, jetzt keine Ausrede für "unbequem" sein. Aus diesem Grund frage ich mich häufig, ob G - tt tatsächlich irgendwelche Roboter aus uns machen wollte und wir nicht doch vergessen haben zu leben bzw. das Leben zu geniessen ?

Montag, 29. Dezember 2008

Aktuelle Photos des "Schomrei Emunim" Rebben

B"H

Hier einige aktuelle Photos des Shomrei Emunim Rebben Avraham Chaim Roth, dem Sohn des legendären Gründers der chassidischen Gruppe Toldot Aharon, Rebbe Aharon Roth.

Der derzeitige Rebbe der Schomrei Emunim, welche in Bnei Brak bei Tel Aviv sowohl als auch in Mea Shearim / Jerusalem ansässig sind, verbrennt hier die übriggebliebenen Dochte der mit Öl gezündeten Chanukkah - Kerzen. Laut dem "Schulchan Aruch - Code of Jewish Law) darf kein Jude nach Chanukkah einen weiteren Nutzen aus den Kerzen bzw. dem Öl ziehen. Einzelheiten gibt es hier:
http://www.dailyhalacha.com/Display.asp?ClipID=1559








Sämtliche Photos können hier eingesehen werden: http://bhol.co.il/forum/topic.asp?topic_id=2546795&forum_id=771

Dienstag, 7. Oktober 2008

Rabbi Wosner und die weibliche Stimme

B"H

Rabbi Shmuel Wosner verkündete in seiner letzten Derasha (relig. Rede) zum vergangenen Schabbat Teshuva:

Eine im Bus sitzende Frau sollte davon Abstand nehmen, öffentliche Handygespräche zu führen.

Öffentlich bedeutet in diesem Falle, vor aller sich im Bus befindenden Männeraugen, denn die Herren der Schöpfung könnten durch das Hören einer weiblichen Stimme sexuelle Gefühle bekommen.




In der Mitte: Rabbi Shmuel Wosner

In seiner Derash am vergangenen Sonntag betonte der Rabbi, dass der Anstand (Zniut) mehr Beachtung finden muß. Viele Male habe er es selbst erlebt, dass Männer zwischen Frauen herumlaufen oder die Frauen noch dazu lauthals ihre Handygespräche führen. Dieses Verhalten sei völlig unanständig und inakzeptable.

Ob es sich bei der Anordnung um eine neue Halacha handele or lediglich um eine "Empfehlung" ?
Zahlreiche Quellen bekunden, dass es lediglich eine "Empfehlung zu anständigerem Verhalten" sein.


In jüdisch - orthodoxen Kreisen gilt das Hören einer weiblichen Stimme in gewissen Fällen als Versuchung für den Mann. Von daher singen Frauen nicht vor fremden Männern (außer der eigenen Ehefrau sowie den Töchtern).

Persönlich wurde ich jedoch schon Zeuge, wie junge nationalreligiöse Mädels und Frauen sich in haredischen Synagoge daran machten, zu singen. Selbst vor der Kotel (Klagemauer) habe ich es erlebt und normalerweise werden solche Frauen von den Haredim jedesmal zurechtgewiesen.

Ich habe durchaus Respekt vor dieser Halacha, denke aber, dass manchmal die Verbote zu überzogen ausgelegt werden. Die Männer mögen mir widersprechen, doch ich sehe Rabbi Wosners Empfehlung, oder was immer es ist, als viel zu übertrieben an.
Ein Mann vernimmt eine Frauenstimme, na und ?

Es ist nicht mein Problem, wenn die weibliche Stimme einen Mann sexuell erregt oder zumindest animiert. Wenn ein Mann derlei Probleme oder Versuchungen hat / verspürt, soll er sich fernhalten oder zu einem Psychologen gehen. Und ein Mann, der diese Art der Erregung vielleicht sogar sucht, der findet sie garantiert auch woanders. Wetten wir ?

Sonntag, 25. Mai 2008

Se'udat Shlishit

B"H

Seltsamerweise nimmt auch das Essen in der Chassidut einen breiten Raum ein. Aber was heißt da "seltsamerweise", denn immerhin hat ist die Chassidut sehr mit der Kabbalah verknüpft und gerade dort spielt das Essen eine immense Rolle. Anhand des Essens unternimmt jeder Jude diverse "Tikunim - Seelenreparaturen". Wie das ?

Der Arizal, Rabbi Yitzchak Luria, beschreibt in seinem Buch "Shaar HaGilgulim", wie es geschehen kann, dass Seelen in Tieren reinkarniert werden können. Anhand der Segen, welche wir vor und nach dem Essen sagen, sind wir in der Lage, diese Seelen aus ihrer Lage zu befreien und ihnen so zu einem höheren Level (ihres Tikun - Reparatur) zu verhelfen.

Aber um solche hoch kabbalistische Theorien geht es in diesem Artikel eigentlich nicht. Vielmehr ist mein Thema das "Se'udat Shlishit - Die traditionelle dritte Mahlzeit am Schabbat".

Die erste Mahlzeit nehmen wir nach dem Kiddusch (Segnung des Weines) am Erev Schabbat (Freitag abend) zu uns. Die zweite folgt nach dem Synagogengang am Schabbat (Mittagessen am Samstag) und die dritte Mahlzeit erfolgt kurz vor Schabbatausklang. Oder in präziseren Worten ausgedrückt: Das Se'udat Shlishit wird zwischen Mincha (Nachmittagsgebet) und dem Maariv (Abendgebet) gegessen.

Viele chassidische Rebben und auch die Rebbitzens nehmen die dritte Schabbatmahlzeit (Se'udat Shlishit) zusammen mit ihren Anhängern ein. Zum Beispiel veranstaltet die chassidische Gruppe Dushinsky in Jerusalem solch ein gemeinsames Essen. Ob dazu Frauen zugelassen sind, habe ich noch nicht getestet. Dafür erzählte mir jemand, dass die Rebbitzen des Toldot Aharon Rebben ein Se'udat Shlishit für die Toldot Aharon - Frauen gibt. Gerne würde ich einmal daran teilnehmen, habe mich jedoch noch nicht eingehend erkundigt. Was ich zu meiner Schande eingestehen muß.

Natürlich spielen bei dem Essen mit dem Rebben auch wieder die "Schirayim" eine überwiegende Rolle. Der Rebbe sagt den Segen über das Brot und verteilt dann kleine Stückchen an seine Chassidim. Und genau hier kommen wir wieder zum großen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria und seiner Theorie in der Lurianischen Kabbalah zurück, dass ausgerechnet der Rebbe als Zaddik (Gerechter) die Kraft besitzt, solche reinkarnierten Seelen zu befreien bzw. die bei der Erschaffung der Welt herabgefallenen Netzizot (Funken) anhand seines Segens an ihren Ursprung zurückzuführen.

Begleitet wird das Se'udat Shlishit von verschiedenen Niggunim (Melodien und Liedern). Die Musik spielt in der Chassidut eine ebenso wichtige Rolle, denn durch sie erreicht man eine direkte Verbindung zu G - tt. Und auch aus diesem Grund singen viele Religiöse ihre Tehillim (Psalmen) oder Gebete. Des Weiteren ist bei in vielen chassidischen Gruppen üblich, dass die Chassidim den Psalm 23 vortragen und der Rebbe antwortet mit Psalm 21.

Ebenso besteht im Judentum das Konzept, dass ein Jude am Schabbat eine zusätzliche Seele bekommt und diese am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) den Körper wieder verläßt. Durch das Verlassen geht uns eine gehörige Portion spirituelle Kraft verloren und wir müssen bis zum nächsten Schabbat warten, dass wir sie zurückerhalten.

Die Mischna (mündl. Gesetzesüberlieferung G - ttes an Moshe auf dem Berg Sinai) sowie die anschließende Gemara (rabbinische Diskussionen) lehren uns im Talmud Traktat Schabbat 117b, dass wir am Schabbat mindestens drei Mahlzeien zu uns nehmen müssen (siehe oben). In Schabbat 118a heißt es, dass jeder, der die Mitzwah, drei Mahlzeiten am Schabbat zu essen erfüllt, wird von drei Katastrophen verschont:

1. Von den Repressalien, welche dem Kommen des Meschiach vorausgehen.

2. Vom Gericht im Gehinnom (vom strengen Gericht der Seele).

3. Vom Krieg zwischen Gog und Magog (Yechezkiel 38 - 39).


In Jerusalem hat das Se'udat Shlishit immer eine ganz besondere Bedeutung für mich. Meistens gehe ich zu Rabbi Mordechai Machlis, wo wir mit mindestens zwanzig weiteren Teilnehmern samt seiner Family zusammensitzen. Serviert werden die Reste des Mittagessen, aber genauso frisch zubereitete Leckereien. Außerdem hält der Rabbi eine Rede und es werden ebenso Lieder gesungen. Im Anschluß findet das Maariv (Abendgebet) statt und danach die Havdalah (Trennungszeremonie des Schabbats von der neu beginnenden Woche).

Auf dem Heimweg herrscht eine komische Stimmung. Da ist man noch in der Schabbatkleidung und innerlich im Schabbat versunken; andererseits kehrt jedoch schon wieder der Alltag ein und die Geschäfte öffenen und der Busverkehr beginnt.

Dienstag, 12. Februar 2008

Derech Eretz - דרך ארץ

B"H

"Derech Eretz" bedeutet soviel wie "die eigene religiöse Welt mit der Außenwelt zu verbinden".

Im Klartext heißt dies, dass kein relig. Jude nur in seiner eigenen kleinen Welt leben sollte; vielmehr muß er sich auch mit seinen Mitmenschen befassen, die da vielleicht nicht unbedingt auf dem gleichen Level sind.

Aber nicht nur das Verhalten spielt eine Rolle; weiterhin sollte ein Relig. nicht abgeneigt sein, Musik, Kunst oder Naturwissenschaften zu erlernen. Der Rambam (Maimonides) war, zum Beispiel, ein großer berühmter Physiker und Arzt seiner Zeit.

Schade, dass sich in vielen Teilen der haredischen (ultra - orthod.) Gesellschaft und auch jener der Nationalreligiösen viel zu sehr nach innen abgeschottet wird. Vielmals gilt alles Äußere als störend.

"Wozu brauche ich schon historische oder wissenschaftliche Kenntnisse, wenn ich in der Yeshiva (relig. Schule) Talmud lerne". Umfaßt nicht gerade der Talmud ebenso diese Themen ? Insbesondere Musik oder Kunst gelten als wesentlich verpönter und wenn, dann solle gefälligst nur ein Mann musizieren. Und sollte es denn schon einmal eine Frau sein, dann trete sie lieber vor weiblichem Publikum auf.

Zuviele chassidische Gruppen kapseln sich immer mehr von der Außenwelt ab. Dies geschieht aus vielerlei Gründen:

1. Um sich und seine chassidische Gruppe vor fremden Einflüssen bzw. modernen Veränderungen zu bewahren.

2. Die Jugend könnte negativ beeinflusst werden.

3. Man selber könnte die Gruppe verlassen und sich dem Sekulärismus zuwenden.

Die Kabbalah sowohl als auch der Chassidismus heben immer wieder die Wichtigkeit des "Tikkun Olam" hervor. Hierbei handelt es sich um eine Art "Seelenreparatur". Jeder einzelne von uns, egal welcher Religion oder Herkunft, hat die Aufgabe, die Welt und sich selbst zu perfektionieren. Um diesen Prozeß in Gang zu bringen, muß ich mich automatisch mit all meinen Mitmenschen befassen, denn vielleicht liegt mein Tikkun ja gerade dort. Wenn ich jemandem anderen helfe oder einfach nur mit ihm rede.

Und wie schrieb der Maharal von Prag in seinem Kommentar zu den "Pirkei Avot - Sayings of the Fathers" ?
Niemand von uns ist allein auf der Welt und wir sind verpflichtet, uns mit der Außenwelt zu befassen.

Und lehren uns wissenschaftliche Studien oder sogar die Kunst nicht von der Schönheit dieser Welt und G - ttes einzigartiger Erschaffung ?

Nicht immer sind alle hier genannten Gruppen strikt "Anti - Derech - Eretz". Im Gegenteil, oft wird man überrascht sein, wieviel es dort gibt. Häufig jedoch zu sehr auf die eigene Gruppe beschränkt.

Eine Ideallösung habe ich bestimmt nicht parat. Von Vorteil ist es auf alle Fälle, wenn alle Seiten sich etwas besser kennen lernen. Wobei dies in einer unaufdringlichen Art und Weise geschehen sollte. Die beste Propaganda ist sicher das Zwischenmenschliche zwischen nur zwei Personen. Nicht immer benötigt es gleich Hunderte von Menschen.

Sonntag, 10. Februar 2008

Die Tempelmenorah

B"H

Nach Schabbatausklang bin ich heute einmal wieder an die Kotel (Klagemauer) gegangen. Dort herrscht gerade am Samstag abend immer eine einzigartige Atmosphäre. Die ersten Busse rollen nach Schabbatende an und karren sämtliche Haredim (Ultra - Orthod.) in ihre relig. Stadtteile. Auf der anderen Seite kommen die Buslinien 1 und 2 schon vollbeladen an der Kotel an. Sobald sich die Bustüren öffnen, vermischen sich die aussteigenden Fahrgäste mit den einsteigenden. Menschen strömen von der Kotel zu den Bushaltestellen und andere strömen an die Kotel um zu beten.

Im Hintergrund leuchten oberhalb der Kotel der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel und rechts davon die Al - Aksa - Moschee. Es versteht sich von selbst, dass ich kein großer Freund dieser Bauwerke bin und lieber den Dritten Tempel auf dem Tempelberg sehen würde. Hierauf allerdings müssen wir noch bis zur Ankunft des Meschiach warten.

Rechts vom Tempelberg sieht man hinter dem arab. Dorf Silwan die Berge Judäas, hinter denen man tagsüber bei guter Sicht bis ans Tote Meer hinabschauen kann.

Als ich heute die Treppen zur Klagemauer hinabstieg, stand auf einem kleinen Vorplatz zur linken Seite ein riesiger Glaskasten mit der riesigen goldenen Tempelmenorah (Siebenarmiger Leuchter) darin. Das Hinweisschildchen besagte, dass es sich hier um ein nachgebautes Modell der Tempelmenorah handelt, welche unter Titus von den Römern nach Rom verschleppt worden war und heutzutage versteckt im Vatikan vermutet wird.

Der Rambam (Maimonides) schreibt jedoch in der Einführung zu seiner "Mishna Thora", dass es sich bei der Menorah keinesfalls um einen Leuchter mit runden Armen handelte, sondern vielmehr mit sieben spitzen eckigen Armen. Das ist auch der Grund, warum viele religiöse Juden das ausgestellte Menorah - Modell als architektonisch falsch dargestellt sehen.

Zuvor war das Modell jahrelang im Cardo in der Jüdischen Altstadt (Rova) ausgestellt.


Menorah - Design laut dem Rambam (Maimonides)




Bisheriges Menorah - Design im Cardo und derzeit vor der Kotel