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Mittwoch, 11. November 2009

Chassidischer Tisch in Belz und Ruzhin - Boyan

B"H

So einiges habe ich in der Vergangenheit schon über die verschiedenen chassidischen Tische berichtet und die Labels sind voll davon.
Am heutigen Abend (in ca. 30 Minuten) beginnt ein Tisch mit dem Rebben der chassidischen Gruppe Belz in Jerusalem. Im Stadtteil Kiryat Belz.

Anlass ist der Todesgedenktag (Yahrzeit) des Vaters des derzeitigen Rebben, dem im Jahre 1949 verstorbenen Rabbiner Mordechai von Bilgoraj.
Die Belzer stammen ursprünglich aus dem Teil Ostpolens, welches heute zur Ukraine gehört.

Rabbi Mordechai war der Bruder des einstigen Belzer Rebben Aharon Rokeach. Seit den 60iger Jahre regiert der derzeitige Rebbe Yissachar Dov Rokeach.

Ein durchorganisierter Tisch, denn Belz ist mehr als organisiert !


Ferner gibt der Rebbe der Chassidut Ruzhin - Boyan (Jerusalem) an diesem Freitag abend gegen 21.00 Uhr einen Tisch.
Ort: Die Boyaner Synagoge in Jerusalem / Malchei Israel Street.

Die Boyaner haben viele Abspaltgruppen wie Sadigura oder Bohusch. Jeden Monat feiern sie nur einmal einen Tisch und das ist stets der Schabbat vor dem Rosch Chodesh, Beginn des neuen jüdischen Monat.
Der Boyaner Rebbe stammt ursprünglich aus New York, lebt aber in Jerusalem.

Mit zwei Freunden werde ich am Freitag abend mit dabeisein.

Freitag, 19. Juni 2009

Tisch und Scheva Berachot in Ruzhin - Boyan

B"H

Leider kann ich nicht an dem Event teilnehmen, denn ich verbringe diesen Schabbat im "heiligen" Tel Aviv.

In der Chassidut Ruzhin - Boyan in Jerusalem findet heute abend (Erev Schabbat) ein chassidischer Tisch statt. In der nächsten Woche beginnt der neue jüdische Monat (Tammuz) und am Schabbat zuvor (Schabbat Mevarchin) begehen die Boyaner traditionell ihren Tisch. Hinzu kommt, dass der Bruder des Boyaner Rebben erst jetzt heiratete und seine Scheva Berachot (sieben Tage Segen und Abendessen nach der Hochzeit) auch in Jerusalem feiert. Und dies findet heute abend beim Tisch statt.

Wegen des erwarteten Menschenandrangs weicht Boyan auf die gegenüberliegende Belzer Synagoge aus. Dort wird für die Männer ein Zelt aufgestellt und die Frauen befinden sich in einem Korridorgang mit riesigem Fenster innerhalb des Belzer Gebäudes. So richtig schön eingequetscht; das durfte ich vor wenigen Wochen als der Vishnitzer Rebbe Israel Hager dort seinen Tisch abhielt, live miterleben.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Feiern in Ruzhin - Boyan

B"H

Am Freitag abend (Erev Schabbat) feiert die Chassidut Ruzhin - Boyan einen "Schalom Zachor", denn eine der Töchter des Rebben brachte einen Jungen zur Welt.

Während des Se'udat Shlischit, der dritten Schabbatmahlzeit, findet der monatliche Tisch des Rebben statt.
Ruzhin - Boyan in Jerusalem verfolgt den Brauch, nur einmal pro Monat einen Tisch zu zelebrieren: am Schabbat vor dem Rosch Chodesh (Beginn des neuen jüd. Monat).

Dienstag, 12. Mai 2009

Photos aus Meron 5769 / 2009

B"H

Die folgenden Photos entnahm ich einem haredischen (ultra - orthodox.) Forum !

Noch bevor Lag Ba'Omer (der 33. Tag in der Omerzählung) begann, versahen die antizionistische Edah HaCharedit sowie extreme Gruppierungen Mea Shearims das staatliche Busunternehmen EGGED mit einem neuen / alten Bann. Zuviel "Prizut - Prostitution" spiele sich in den Egged - Bussen ab; besonders auf dem Weg nach Meron. Männlein und Weiblein sitzen nicht getrennt voneinander und da müsse man ja zwangsläufig auf unanständige Gedanken kommen. Und so wurden "koschere" Busse aus eigener "Produktion" empfohlen, um nur koschere Gedanken zu erzeugen und erst gar keine "wilde Prostitution" aufkommen zu lassen.

EGGED seinerseits machte Werbung für einen Sonderpreis nach Meron (zum Grabe des Rabbi Schimon bar Yochai an Lag Ba'Omer). 71,40 Schekel (ca. 14 Euro) für ein Ticket !
Ich sah viele Litvaks (litvische Haredim) die derlei Tickets am Jerusalems Zentralem Busbahnhof erstanden.

Litvishe Haredim

Auf einigen Pakshivilim (Mitteilungspostern) an den Wänden von Mea Shearim / Ge'ulah war ein "koscherer Stadtplan" zu sehen.
Wie verlasse ich den Bus in Meron und komme auf dem koschersten Wege an das Grab von Rabbi Schimon ? "Koscherer Weg" steht hier für getrennte Geschlechter. Frauen und Männer benutzten zwei unterschiedliche Strassen.

Was hätte wohl Rabbi Schimon selbst zu all den "koscheren Ideen" gesagt ?
Mich täte seine Meinung brennend interessieren !


MERON 5769 / 2009






Der Boyaner Rebbe zündet das Lag Ba'Omer Feuer an
(Es ist mir unbekannt, ob die Photos in Meron oder in Jerusalem aufgenommen worden sind).


Sonntag, 15. März 2009

Purim in Mea Shearim


Blick über Jerusalem vom Dach der Ruzhin - Boyan Synagoge

B"H

Andernorts ist Purim nach einem Tag vorüber, doch in Jerusalem wird noch ein weiterer Tag namens "Schuschan Purim" angehängt. Normalerweise finden am Purimausgang DIE großen Feiern im ultra - orthod. Mea Shearim statt. Einschließlich chassidischer Tische mit den jeweiligen Rebben. Sämtlich Synagogen stehen offen, aber bekannt ist Außenstehenden das Event weniger. Und so zog ich mit einer Freundin los und wir hatten Glück, nicht auf allzu viele Tischtouristen zu treffen. Die Straßen Mea Shearims waren, wie noch am Sukkot (Laubhüttenfest im Oktober), nicht in Männlein und Weiblein unterteilt und alle managten die Situationen bestens.

Die chassidischen Tische begannen mit dem Sonnenuntergang am vergangenen Mittwoch abend und unser erstes Ziel waren die Toldot Aharon. Obwohl es gerammelt voll war, gelang es uns dennoch auf der Frauenempore einen Platz auf den Metallgestellen zu ergattern und einen Blick auf Rebbe David Kahn und seine Chassidim zu werfen. Ich kenne den Rebben stets als organisiert und ernst, doch an Purim waren seine Peyes (Seitenschläfen) so ziemlich durcheinander geraten und ich bekam das Gefühl, dass er wohl die ganze Nacht durchgefeiert hatte.

Wir waren gerade am Gehen als eine junge Toldot Aharon Frau auf mich zukam und meinte, dass wir ja recht regelmässig zu den Tischen der Gruppe kommen. Sie beobachte halt alles genau.
Ich fragte sie, was genau sie denn jetzt wissen wolle, denn normalerweise ist dies ein Anzeichen, was Ausfragen bedeutet.
"Nichts wolle sie fragen, sondern ich sei ja in positivem Sinne an der Gruppe interessiert". Da sie das Wort "interessiert" unendlich viele Male wiederholte, sagte ich ihr, dass ich ebenso im Internet über den Chassidismus schreibe.
Wer denn meine Leser seien, wollte sie wissen.
Chassidim, Haredim, Säkulere, Nichtjuden, was immer Du willst, gab ich zurück. Damit war unser Gespräch schnell beendet und sie zog von dannen. Einen besonderen Reim konnte ich mir darauf nicht machen und meine Freundin meinte, dass die Leute halt neugierig seien. Außerdem passen wir in keine deren Kategorien. Wir sind keine frommen Seminarmädels oder anderweitig haredisch.

Wer meint, die Situation genauer erklären zu können, der kann gerne einen Kommentar hinterlassen !

Gleich danach gingen wir fast direkt nebenan zu den Toldot Avraham Yitzchak, geleitet vom zweiten Kahn - Bruder, Rebbe Shmuel Yaakov. Der Rebbe war noch ruhig am Essen und der Chor / die Band etwas in den falschen Tönen, was sich aber sicherlich noch besserte.

Toldot Avraham Yitzchak







Nächste Station: Die Neturei Karta.
Die Neturei Karta besitzt die prachtvollste Synagogue im ganzen Stadtteil, aber dennoch war Purimmässig eher tote Hose. Außer ein paar jugendlichen Betrunkenen, die auf einem Tisch auf und abrannten, war nichts los.


Die Neturei Karta Synagoge in Mea Shearim





Nächste Station: Die Mishkenot HaRoim
Die beste Band; swinging, laut und voller Freude.
Rebbe Chaim Rabinovitch saß in der Mitte und jeder konnte zu ihm kommen und mit ihm sprechen.

Die Mishkenot HaRoim mit Rebbe Chaim Rabinovitch










Nächste Station: Stropkov
Die Frauen hingen wie festgeklebt an der Mechitzah (Trennwand zu den Männern) und wir sahen keinerlei Chance uns daziwschenzuquetschen. Also trotteten wir weiter zu den Schomrei Emunim. Bei den Schomrei Emunim erwartete uns eine absolut positive Überraschung, denn dort hatte man auf der Frauenempore einen größeren Bildschirm aufgestellt und so konnten wir alle den Rebben und seine Chassidim im Untergeschoß ohne Probleme sehen. Eine tolle Idee den Bildschirm aufzustellen !


Nächste Station: Karlin - Stolin
Die Karliner hielten weniger Vorteilhaftes für die Frau parat, denn das Männerzelt draußen vor der Synagoge war mit Vorhängen verhängt. So konnten wir nichts sehen und stellten uns einfach neben dem Zelt auf. Solange bis sich ein Chassid und eine Frau bei uns beschwerten. Wir und einige andere weibliche Wesen sollen gefälligst die Absperrung beachten.

Karlin - Stolin



Aber wir sind keine "hinter den Vorhang Fans" und so gingen wir weiter zu Kretchnif. Die Kretchnifer Synagoge war fast leer, aber der Rebbe tanzte wundervoll vor sich hin. Ich liebe es, dem Kretchnifer Rebben beim Tanzen zuzusehen.

Unsere letzte Station war die Synagogue der Chassidut Ruzhin - Boyan und dort war das Schmankerl der Nacht geboten. Hunderte Chassidim und Frauen auf der Empore waren versammelt und dann stellten sich fünft Chassidim mit einer Chuppah (Hochzeitsbaldachin) vor dem Rebben auf dem riesigen Tisch auf und sangen. Ich befragte eine Boyaner Frau und die meinte aufgeregt, dass man sich jedes Jahr neue Entertainments einfallen liesse.

Auf dem Heimweg konnte ich meine Beine kaum noch bewegen und kam um Mitternacht in Tel Aviv an, wo ich gerade so eine der letzten Sherut - Taxen erwischte.
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Sämtliche Bilder wurden von meiner Freundin aufgenommen !

Montag, 6. Oktober 2008

Rabbi Israel Friedman von Ruzhin

B"H

Eine der Stories, die sich um den ersten Rebben sowie Begründer der Chassidut Ruzhin (Rizhin in Jiddisch) ranken, hat Weltberühmtheit erlangt und immer wieder wird sie gerne erzählt. Und das nicht nur von Chassidim.

Ich denke, dass uns die Story so einiges verdeutlicht und auch uns im Leben zum Nachdenken verhilft.



Rabbi Israel Friedman von Ruzhin wurde im Jahre 1797 in Probroddzice nahe Kiew geboren und verstarb 1850. Er war ein direkter Nachkomme des Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman), welcher der Nachfolger des Baal Shem Tov wurde.

Schon im jungen Alter von sechs Jahren verlor er seinen Vater und wuchs somit bei seinem älteren Bruder Avraham auf. Im Alter von 13 Jahren heiratete er Sarah, die Tochter von Rabbi Moshe HaLevi Efrati, dem damaligen Yeshivaleiter von Berditchev.

Als Avraham im Jahre 1813 kinderlos verstarb, erbte Israel dessen ganze Habe. Er ließ sich erst in Squira und danach in Ruzhin nieder, wo er ein Beit Din (rabbinisches Gericht) einrichtete. Rabbi Israel lebte im absoluten Luxus. Er nahm auf einem Thron Platz, trug edele Kleider, welche jener des russischen Hochadels glich. Und sein Hut war sogar aus Gold.

Außerdem lebte er in einem edelen Palast ausgestattet mit türkischen und persischen Teppichen. Seine Kutsche wurde von vier Pferden gezogen und im Hause arbeiteten viele Bedienstete. Doch im Gegensatz zu all dem materiellen Wohlstand, bestand Rebbe Israel auf ein schlichtes Leben. Das aber wiederum stand im Gegensatz zu seinem Reichtum und angehäuften Besitz, welchen er als unvermeidlich ansah. G - tt habe ihn damit schließlich beschenkt und nun sei er, Rebbe Israel, halt gezwungen, damit zu leben.

Unter anderem schlief der Rebbe nur ganz wenige Stunden am Tag. Früh morgens stand er auf und betete meist stundenlang und lernte danach Thora. Während des Gebetes bevorzugte er eine leise Stimme und hielt nicht von einem ausschreienden Gebet. Selbst der große Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch war begeistert von Rebbe Israel. "Das Licht von G - ttes Gegenwart sei in seinen Augen zu sehen", so Rabbi Hirsch nach einem Treffen.

Später wurde Rebbe Israel von Ruzhin 22 Monate lang inhaftiert, denn es wurde vermutet, dass seine Anhänger zwei jüdische Informanten getötet hatten. Im Jahre 1840, einen Tag nach Purim kam er frei und kehrte nach Ruzhin zurück. Die lokale Polizei jedoch gab nicht auf und hielt ihn unter ständiger Beobachtung, bis dem Rebben letztendlich die Flucht nach Rumänien gelang. Nach ewigem Hin und Her kaufte Rebbe Israel Land in Sadigura (nahe dem rumänischen Czernowitz) und die einstige glorreiche Zeit von Ruzhin blühte wieder auf. Auch seine Familie verließ Rußland im Jahre 1842 und zog zu ihm nach Sadigura. An Pessach 1847 verstarb des Rebben erste Frau und er heiratete die Witwe des Rabbi Tzvi Hirsch von Rymanov.

Rebbe Israel von Ruzhin erhielt die türkische Staatsbürgerschaft und ließ sich in seinem Paß als "Bürger Jerusalems" betiteln. Seine sechs Söhne gründeten allesamt chassidische Dynastien wie Sadigura, Chortkov, Bohush, Skver, Husyatin sowie Boyan.

Was ist nun so einzigartig an Rebbe Israel und was machte ihn so berühmt und bewunderswert ?

Bei all seinen teuren Kleidern und allem Reichtum trug er Schuhe ohne Schuhsohlen. Er lief ständig barfuß, denn niemals wollte er arrogant werden. Das Laufen mit blanken Füssen erinnerte ihn immer daran, dass alles vergänglich und er vor G - tt nur ein einfacher Mensch ist.
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Und wie immer kommt auch die kritische Frage auf, ob wir das alles so glauben sollen ? Nicht in Bezug auf die goldenen Schuhe ohne Sohlen, sondern ob ein Rebbe sich einfach solche einen unermeßlichen Reichtum anhäufen kann. Ist es erlaubt, seine Chassidim dermaßen mit Steuern zu plagen, nur um selbst ein Luxusleben führen zu können.

Genau diese Frage stellte ich mir auch als ich das Luxushotel des Toldot Aharoner Rebben in Saalbach / Österreich sah. Wie kann ein Rebbe dort Urlaub machen, während seine Chassidim im Hinterhof von Mea Shearim nicht immer ein finanziell gutgestelltes Leben führen ?

Jemand aus New York gab per e - mail Folgendes zu bedenken:

1. Finanziert der Toldot Aharon Rebbe David Kahn sämtliche Chassidim und sie hängen fast alle von ihm ab. Kein Grund also, ihm Vorwürfe zu machen.

2. Vielleicht trifft der Rebbe andere Reiche im Blumenhotel und diese sind unverhofft bereit, den Toldot Aharon zu spenden.

3. Kann es sein, dass der Rebbe repräsentieren muß ? Was sollen denn andere denken, wenn er in einer Hütte leben täte ?
Zu Punkt 3 kann ich sagen, dass manchmal weniger Luxus einen besseren Eindruck schindet !

Aber wie so oft, muß sich halt jeder von uns seine eigene Meinung darüber bilden.

Sonntag, 7. September 2008

Der Belzer Rebbe schüttelt die Hand


Sheva Berachot in Boyan in der vergangenen Woche.


B"H

In der letzten Woche feierte die chassidische Gruppe Ruzhin - Boyan die traditionellen "Sheva Berachot", da einer der Söhne des Rebben geheiratet hatte. Zu den Sheva Berachot kamen natürlich auch wichtige Persönlichkeiten aus der chassidischen Szene und ein Ereignis gab ganz besonderen Anlaß für viel Gesprächsstoff:
Der Händedruck zwischen dem Belzer Rebben, Rabbi Yissachar Dov Rokeach, sowie einer der führenden Rabbis der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit", Rabbi Me'ir Brandsdorfer (Chassidut Toldot Avraham Yitzchak).



Das Photo ist von keiner besonderen Qualität, doch zeigt es Rabbi Me'ir Brandsdorfer wie er die Hand des Belzer Rebben schüttelt. Allerdings gab es zwischen den Beiden keinen einzigen Wortwechsel.

Das Ereignis sorgt deswegen für Aufregung, weil die Chassidut Belz seit ihrem Ausstieg aus der Edah (in den 80iger Jahren) eben mit der Edah HaCharedit und deren Mitgliedergruppen im Clinch liegt.

Hier ist der Link zu allen Photos der Sheva Berachot:

http://www.bhol.co.il/forum/topic.asp?topic_id=2475406&forum_id=771

Donnerstag, 28. August 2008

Feiern in Ruzhin - Boyan

B"H

Da einer der Söhne des Boyaner Rebben am Dienstag heiratete, finden gerade die traditionellen "Sheva Berachot" statt. Allabendlich wird das frischgebackene Brautpaar sieben Tage lang zu Feiern eingeladen.

Am morgigen Freitag, Erev Schabbat, finden in der chassidischen Gruppe Ruzhin - Boyan öffentliche Sheva Berachot statt. Die Zeremonie beginnt um 23.30 Uhr in der Boyaner Synagoge in Ge'ulah, Jerusalem (Malchei Israel Street). Am Tag darauf gibt es zur dritten Schabbatmahlzeit (Se'udat Shlishit) einen chassidischen Tisch mit dem Boyaner Rebben.



Die grosse Boyaner Synagoge im Jerusalemer Stadtteil Ge'ulah.

Ruzhin - Boyan pflegt den Brauch, den Tisch des Rebben zu unterschiedlichen Zeiten zu zelebrieren. Im Sommer zur dritten Schabbatmahlzeit (Se'udat Shlishit) und im Winter am Freitag abend (Erev Schabbat).

Persönlich treffe ich mich am kommenden Sonntag mit einem Boyaner Chassid, um ihn zu einigen Themen zu interviewen.

Sonntag, 24. August 2008

Dienstag, 12. August 2008

"Aufruf" in Boyan

B"H

Bei der chassischen Gruppe Ruzhin - Boyan findet am übernächsten Schabbat (Parashat Ekev) ein "Aufruf" statt.

Der Sohn des Rebben wird heiraten und am Schabbat vor der eigentlichen Hochzeit ist es üblich, den zukünftigen Bräutigam zur Thora aufzurufen.

Sonntag, 27. Juli 2008

Chassidischer Tisch bei Ruzhin - Boyan

B"H

Zuerst dachten wir, dass alles ins Wasser fällt. Das Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis zog sich in die volle Länge und vor lauter Gästen (garantiert 200) ging gar nichts mehr. Seitdem der Rabbi sein Wohnzimmer baulich erweiterte, strömen die Massen am Schabbat nur so herein. Und als dann noch eine jüd. - amerik. Studentengruppe von 42 Leutchen auftauchte, ging fast gar nichts mehr. Wie die Sardinen hingen wir in den Sitzen und selbst der Anbau wurde zu klein. Tür auf und der Rest saß draußen in der riesigen Sukka (Laubhütte), welche das ganze Jahr über aufgebaut hinter dem Haus steht.

In letzter Zeit habe ich eine "Fast - Freundschaft" mit einem Boyaner Chassid geschlossen. Er schrieb mir eine Mail bezüglich meines engl. Blogs und seither versorgt er mich mit sehr hilfreichen Infos. Und er war es dann auch, der mich wissen liess, dass es höchste Zeit sei, einmal über die Ruzhin - Boyaner Chassidim zu berichten und zu deren Tisch mit dem Rebben zu gehen. Gesagt, getan, denn meine Freundin und ich hatten dies schon lange einmal vor. Nur besteht bei einigen chassidischen Gruppen das Problem, dass man oft als Außenstehender nicht weiß, wann genau ein Tisch mit dem Rebben (meistens freitags abends) stattfindet. Manche Gruppen tun dies nur an Feiertagen oder zu bestimmten festlichen Anlässen wie Hochzeiten etc. Dem Boyaner Rebben, Rabbi Nachum Dov Brayer, in Jerusalem war ein Enkel geboren worden und von daher gab es den Tisch. Aber auch, weil es sich um den Schabbat vor Rosh Chodesh (dem Beginn eines neuen jüdischen Monats handelt).

Ruzhin - Boyan ?
Vielleicht ein etwas ungewöhnlicher Name für eine chassidische Gruppe.

Ihren Ursprung hat sie in der Ukraine und der Begründer der Chassidut Ruzhin, Rabbi Israel Friedman (1796 - 1850) war väterlicherseits ein Nachfahre des Rabbi Avraham Mal'ach, welcher wiederum der Sohn des berühmten Maggid von Mezritch, dem Nachfolger des Baal Shem Tov, war. Rabbi Israel hatte einige hatte sechs Söhne, von denen alle ihren eigenen chassidischen Dynastien gründeten. So, u.a., Sadigura und Boyan. Boyan ist also eine sogenannte "Filiale" oder "Abzweigung" von Ruzhin. Wie man es auch immer betrachten mag.

Die große Boyaner Synagoge befindet sich in Ge'ula (Jerusalem) in der Malchei Israel Street und viel wurde mir soweit berichtet. Ja, die Boyaner seien total nett und das hat einen Grund. Anscheinend weil kaum jemand zu ihnen findet und alles nur nach Mea Shearim zu den Tischen stürmt.

Um 23.00 Uhr machten wir uns von den Machlises auf, um zu den Boyanern zu gelangen. Den Fraueneingang der Synagoge, auf der Rückseite des Gebäudes, fanden wir Dank Beschreibung des Chassid, sehr schnell. Die Synagoge selbst ist ein riesiges Gebäude und schon Jahre zuvor fiel mir jedesmal am Sukkot (Laubhüttenfest) die gigantische Sukka auf.

Der Tisch begann gegen 23.30 Uhr und Rebbe Nachum Dov Brayer betratt die im Untergeschoß gelegene Männerseite. Für einen chassidischen Rebben macht er einen recht jungen Eindruck und ich hörte, dass er sowie seine Frau eigentlich Amerikaner seien. Hunderte Chassidim hatten sich versammelt und die Boyaner tragen am Schabbat den traditionellen Streimel (Pelzmütze) sowie lange schwarze Kaftane. Eine ukrainische Chassidut ohne die bunten Kaftane der ungarischen oder rumänischen Gruppen. Stattdessen war alles schlicht und einfach.

Eines jedoch war ganz anders und ein Chassid aus England ließ es mich vorher wissen. "Achte auf den Streimel des Rebben", meinte er in einer e - mail an mich. Und das tat ich dann auch. Der Streimel des Rebben war anders, denn oben in der Mitte ist keine übliche niedrige Rundung zu sehen, sondern stattdessen ein kleiner Spitz, der heraussteht.


Der Boyaner Rebbe, Rabbi Nachum Dov Brayer, in der Mitte mit Buch in der Hand. Man beachte seinen aussergewöhnlichen Streimel (Pelzmütze) !!!!

Überhaupt benahm sich der Boyaner Rebbe während seines ca. zweistündigen Tisches sehr ruhig. Zwischendrin gab er eine Thora - Derascha (eine Rede), von der wir Frauen aufgrund der Mechitzah (Trennwand zu den Männern im Erdgeschoß) kein einziges Wort verstanden.

Was war besonders an den Boyaner Chassidim ?

Dass die Frauen total nett waren und alle Fragen wurden sofort beantworteten. Nun gut, das hatten wir schon bei vielen anderen Gruppen, doch dass jemand von allein auf uns zukam, gab es noch nicht. Eine der Frauen schien eine gewisse Aufsichtsposition auszuüben und diese kam auf uns zu und fragte, wer wir seien. Ich erklärte es ihr, danach begannen wir mit ihr über andere Tische zu reden, wobei ich zugab, im Internet zu schreiben. Sie war weder abgeneigt noch zeigte sie sich beeindruckt. Unser Gespräch verlief einfach ganz normal weiter.

Was mir nicht besonders zusagte waren die Lieder der Chassidim. Etwas langsam, obwohl die Chassidim auf den Rängen dazu hin und her wippten. Keine chassidische Gruppe bei der wir bisher waren, übertraf die tollen Lieder von Belz. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die letzten zwei Lieder der Boyaner hingegen waren dann doch noch etwas vertröstlich.

Der Tisch war sehr gut und ein Besuch lohnt sich wirklich. Was aber besonders gut bei uns ankam war die Freundlichkeit, mit der wir aufgenommen worden sind. Meine Freundin, die mich zu fast jedem der Tisch begleitet, war total hin und weg. Sie wollte am nächsten Morgen in die Boyaner Synagoge geben und ich sollte die Aufsichtsdame fragen, wann der G - ttesdienst am Schabbat beginne. Das tat ich dann auch und bekam ein "Welcome" zu hören. Gegen 8.45 Uhr, recht früh für eine chassidische Gruppe. Fast überall wonaders beginnt der G - ttesdienst erst zwischen 9.30 - 10.00 Uhr.

Leider haben die Boyaner ihren Tisch nur einmal im Monat, doch gleich nach dem Trauer - und Fastentag "Tisha Be' Av" gibt es in Boyan eine große Hochzeit. Der Chassid will mir Details nennen und wenn alles gutgeht, fahren wir dorthin.

Was gibt es noch zu den Boyanern zu sagen ?

Ja, sie haben Takanot (interne Gruppenregeln). Die Mehrheit von ihnen regeln das Verhalten in der Synagoge und was man beim Kiddusch (Segnung des Weines am Schabbat) essen darf. Der Rebbe legt höchsten Wert darauf, dass während des G - ttesdienstes nicht geredet wird. Er selber betet in einem Nebenraum und erscheint nur beim Herausholen bzw. Zurückbringen der Thora in den Aron HaKodesh (Thoraschrein) sowie zum "Birkat HaCohanim - Segen der Cohanim (Tempelpriester)".

Ja, man kann neu in die Gruppe hinzustossen. Dies wird jedoch nicht sonderlich gefördert, denn in der Vergangenheit gab es mit vielen Neuzugängen von außen Probleme.

Ja, eine Frau kann außerhalb der Gruppe arbeiten. Auch mit Computern etc. Dagegen lernen die Frauen keinen Talmud oder höhere jüdische Studien wie den Rambam.

Nein, die Boyaner hören nicht unbedingt Radio, denn dies sei nicht förderlich für irgendwelche relig. Gedanken und störe nur.

Ansonsten ist jedes Mitglied relativ frei in seinem Leben und trifft alleinige Entscheidungen. Ein Mitglied meinte zu mir, dass die Chassidim die Anordnungen des Rebben mit Freude ausführen.

Zum Morgeng - ttesdienst Schacharit kamen wir dann übrigens doch nicht, denn es wurde ausgeschlafen. Trotzdem ist meine Freundin so begeistert von der Gruppe, dass es kaum möglich ist, sie zu bremsen.