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Mittwoch, 28. Mai 2008

Einblicke in die Chassidut Satmar




B"H

In Deutschland kennt man sie fast gar nicht, in Antwerpen oder London dagegen mehr: die Chassidut Satmar.

Heutzutage stellen die Satmarer weltweit die größte chassidische Gruppe mit ca. 150.000 Mitgliedern. Und das, obwohl Chabad (die Lubawitscher) gerne von sich behaupten, die Größten zu sein; dennoch sind bei Satmar die Zahlenangaben wesentlich präziser, da sich nicht jeder einfach so Satmar nennen kann, sondern erst ein strenges Aufnahmeverfahren durchlaufen muß.

Die Chassidut Satmar (aus dem rumänischen Ort Satu Mare) ist ein sehr weit gefächertes Thema und läßt sich nie ganz in einem einzigen Artikel erklären. Aufgrunddessen möchte ich die Sache langsam angehen und mit dem Buch "Satmar - Two Generations of an Urban Island" von Israel Rubin beginnen. Der amerikanische Autor Israel Rubin ist kein Mitglied bei Satmar, doch befaßt sich seit vielen Jahren mit der Gruppe. Anfang der 70iger Jahre erschien die Buchausgabe zum ersten Mal und im Jahre 1997 gab er einen Chidush, eine überarbeitete Ausgabe, heraus. Allerdings hat sich seit 1997 wieder sehr viel geändert und in unserer Zeit ist die Chassidut Satmar in zwei Hälften gespalten. Aber dazu etwas später.

Wer den Namen "Satmar" schon hört, der denkt automatisch, dass es sich da um fanatische chassidische Spinner handelt. Geradezu militärisch antizionistisch und weltfremd. Durchgeknallt halt. Genau das ist das weitverbreitete Image der Satmarer Chassidim. Meistens jedoch spiegelt das Image nicht immer die Realität wieder, aber Satmar legt nach außen hin keinen Wert auf Imageverbesserung oder Erklärungen für ihr Handeln. Viele Vorurteile entstehen immer durch einen Mangel an Wissen. Man kennt keine Details, doch hört hier oder dort etwas oder liest halt einige Dinge in der Zeitung. Das Thema "Satmar" aber ist sehr komplex und wer sich eingehend damit beschäftigt, der trifft auf Tausende von Infos, die es ersteinmal gilt, auszuwerten.

Gründer der Gruppe war Rebbe Yoel (Yoelisch) Teitelbaum. Sein Name ist unsagbar mit Satmar verbunden und gerade er ist nicht mehr wegzudenken. Satmar, das ist Rebbe Yoelisch. Zu Lebzeiten stand er im Ruf, eine absolut unzugängliche Person zu sein. Der Autor Israel Rubin weiß Gegenteiliges zu berichten, denn man mußte nur wissen, wo genau man Rebbe Yoel Teitelbaum antreffen konnte und dann war er sehr wohl für jederman zugänglich.


Rebbe Yoel Teitelbaum

Einen grundsätzlichen Fehler, den die Mehrheit der Außenstehenden immer wieder macht, ist, die Chassidut Satmar gleichzusetzen mit der Neturei Karta. Ich kann nur immer wieder wiederholen, dass beide Gruppen vollkommen unanhängig voneinander fungieren. Obwohl Satmar die Neturei Karta sowie andere chassidische antizionistische Gruppen (z.B. Toldot Aharon) finanziell unterstützt.

Satmar hat eine verhältnismäßig junge Geschichte, denn Rebbe Yoel Teitelbaum gründete die Gruppe erst in den Jahren 1904 – 1905. Der bekannteste Vorfahre von Rebbe Yoel war der "Yismach Moshe – Rabbi Moshe Teitelbaum von Ujhel (1759 – 1841)". Und durch diesen Vorfahren besitzt Rebbe Yoelisch eine direkte Verbindung zum Baal Shem Tov (ca. 1700 – 1760), denn der "Yismach Moshe" war ein Schüler des "Chozeh von Lublin – des Sehers von Lublin (1745 – 1815)". Allerdings gründete der "Yismach Moshe" niemals seine eigene chassidische Gruppe, sondern war lediglich ein Ahne Rabbi Yoel Teitelbaums. Letzterer wurde am 18 Tevet 1887 in Sighet (heute Rumänien) geboren. Im Jahre 1904, im Alter von 17 Jahren, heiratete er Chava, die Tochter des Rebben von Plantscheh (Rabbi Avraham Chaim Horovitz) aus dem Hause Horovitz. Diese chassidische Dynastie war befreundet mit dem Hause Teitelbaum sowie Halberstam. Kurz nach der Hochzeit verstarb der Vater von Rebbe Yoelisch und sein älterer Bruder, Rabbi Chaim Hirsch (Zvi) Teitelbaum, übernahm das Rabbineramt in Sighet. Rebbe Yoel war nicht gerade sehr erbaut darüber, dass sein Bruder die Rabbinerposition seines Vaters übernahm und zog aufgrunddessen nach Satmar (damals Ungarn, heute Rumänien). Im Alter von 24 Jahren war Rebbe Yoelisch das Gegenteil von seinem reservierten, ruhigen, organisierten und taktvollem Bruder Rabbi Chaim Hirsch. Die Juden in Sighet sahen gerade deswegen in Rebbe Chaim Hirsch den besseren Nachfolger und dessen jüngerer Bruder Rebbe Yoel kämpfte viele Jahre lang für seine Anerkennung in Sighet.

Zu den damaligen Zeiten gehörte die Region noch zu Ungarn und als das ungarische zionistisch – relig. Mizrachi – Movement begann, wurde es heftig von Rebbe Yoel Teitelbaum attackiert. Laut Rebbe Yoel war der Zionismus noch gefährlicher, sobald er in der "Verkleidung" der jüdischen Religion auftrat. Wer religiös ist, der könne auf keinen Fall Zionist sein.

Trotz ihres militanten Charakters und Attacken gegen die "Zionistenclubs" war Rebbe Yoels Gruppe im Jahre 1926 relativ bedeutungslos, da sie der großen Konkurrenz aus Sighet und Munkatch nichts entgegenzusetzen hatten.

Völlig unerwartet verstarb Rabbi Chaim Hirsch im Jahre 1926 und dessen Sohn war erst 14 Jahre alt. Deswegen sah Rabbi Yoel Teitelbaum nun seine Chance gekommen, Rabbiner in Sighet zu werden. Daraus wurde jedoch wieder nichts, denn interne politische Prioritätensetzungen verhinderten dies. Vier Jahre später heiratete der Sohn des Rabbi Chaim Hirsch, Rabbi Zalman Leib Teitelbaum, und wurde gleichzeitig neuer Rebbe von Sighet. Eine Position, die er bis zum Jahre 1944 innehielt. Rabbi Zalman Leib erwies sich als etwas zu jung und unerfahren und so begannen viele Chassidim aus Sighet zu seinem Onkel Rebbe Yoel Teitelbaum zu reisen. Nach einigen Rabbipositionen hier und da kehrte Rebbe Yoel im Jahre 1934 nach Satmar zurück, wo er bis 1944 blieb.

Von Mai 1944 – Ende 1945 fand das jüdische Leben in Ungarn nur noch in Budapest statt. Im ländlichen Bereich hingegen hatten die Nazis jegliches jüdisches Leben ausgelöscht. Rebbe Yoel Teitelbaum entkam den Nazis; ironischerweise retteten ihn ausgerechnet die Zionisten. Und so entkam er mit dem legendären "Kastner – Transport" in die Schweiz; einem Zug, der für 1700 Juden die Freiheit bedeutete, da Rudolf Kastner ein Abkommen mit Adolf Eichmann ausgehandelt hatte. Die 450.000 verbliebenen ungarischen Juden endeten dagegen in den Gaskammern von Auschwitz. Am 7. Dezember 1944 (21 Kislev) erreichte Rebbe Yoel Teitelbaum die schweizer Grenze. Ein Tag, der bis heute in der Chassidut Satmar gefeiert wird.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz zog Rebbe Yoel Teitelbaum nach Jerusalem, wo er bis zum Jahre 1946 residierte. Danach zog es ihn nach Brooklyn / New York. Dort rief er im Jahre 1948 mit einer handvoll Leuten die Gemeinde "Yeter Lev D'Satmar" im New Yorker Stadtteil Williamsburgh ins Leben. Die Gemeinde wuchs stetig an und umfasste im Jahre 1961 schon 860 Haushalte. 90% davon entstammten nicht dem ursprünglichem Satmar oder Sighet, sondern kamen aus anderen Orten. Heutzutage gibt es ein spezielles Aufnahmekommittee bei Satmar, welches über die Aufnahme eines Bewerbers abstimmt.

Im Jahre 1968 erlitt Rebbe Yoelisch einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte. Obwohl er sich wieder einigermassen erholte, war er gezwungen, seine Aktivitäten auf ein Minimum zu beschränken. Im August (Av) 1979 verstarb Rebbe Yoel Teitelbaum im Alter von 92 Jahren. Rebbe Yoel Teitelbaum war zweimal verheiratet gewesen (seine erste Frau, Chava, verstarb im Jahre 1936). Mit seiner ersten Frau hatte er drei Töchter, die jedoch allesamt jung verstarben. Ein Jahr nach ihrem Tod heiratete er Alte Feiga, die Tochter des Rabbi Avigdor Schapiro. Allein die Person Feiga Teitelbaum ist einen eigenen Artikel wert, aber dazu später einmal.

Nach dem Tode des Rebben gab es keinen männlichen Erben, da Rebbe Yoelisch niemals einen Sohn hatte. Sein Neffe, der Sigheter Rebbe, Rabbi Moshe Teitelbaum übernahm das Amt des Satmarer Rebben.


Rebbe Moshe Teitelbaum beim Tanz auf einer Hochzeit

Eine kleine Gruppe innerhalb Satmars erkannte ihn nicht als Rebben an und folgte stattdessen der zweiten Frau Rebbe Yoelischs, Alte Feiga Teitelbaum (geborene Schapiro). Sie wiederum war eine höchst charismatische Persönlichkeit und nicht wenige Chassidim sahen ausgerechnet sie als Frau als die wahre Nachfolgerin auf dem Thron des Rebben. Über den offiziellen Nachfolger, Rebbe Moshe Teitelbaum, gab es heftige Kontroversen. So hatte dieser seine eigene Sigheter Gemeinde, von der Satmar kein Teil war. Des Weiteren hatte ihn sein Onkel Rebbe Yoelisch niemals öffentlich zum Nachfolger ernannt und ein Testament wurde ebenso wenig gefunden.

Das große Konzept der Chassidut Satmar lautet "Chesed – Wohltätigkeit". Außerdem soll der relig. Glaube einfach und ohne jegliche Intellektualität gehalten werden. Wahre Anhänger verspüren keinen Bedarf nach analytischen Diskussionen. Die Satmarer Chassidim achten nicht zu sehr auf die Geschichte, sondern schauen in die Zukunft – auf die Ankunft des Meschiach. Und als Antizionisten glauben auch sie an die drei Eide verankert im Talmud Traktat Ketubot 111. Aufgrunddessen betrachten sie den Holocaust als eine einzige G – ttesstrafe für den Zionismus.

Um Rebbe Yoel Teitelbaum wird bis heute auf geradezu fanatischer Personenkult betrieben. So heißt es, dass es sich bei ihm um einen "Heiligen" gehandelt hat. Bei Satmar entscheidet einzig und allein der Rebbe und niemand anderes. Und das selbst in persönlichen Angelegenheiten, denn die Chassidim wissen keine Entscheidungen zu fallen. Genau auf diese Art und Weise verhinderte Rebbe Yoelisch einst die Assimilation in die amerikanische Gesellschaft.

Die Chassidut Satmar ist eine elitäre Gruppe, unterteilt in Gesellschaftsschichten. Da sind zu allererst einmal die "Scheyneh Yidden" – die angesehenste Geselschaftsschicht: Schochtim (Schächter), Rabbiner, Nachfahren von Rabbinern, Sofrim (Thoraschreiber), Geschäftsleute, überragende Gelehrte genauso wie militante Antizionisten.

Aber wie oben beschrieben, die absolute Authorität hält der Rebbe inne, welches offiziell in Artikel 8 der internen Gesetze Takanot in jiddischer Sprache festgelegt ist:

"Seine verehrte Heiligkeit, unser Lehrer und Meister, der Gelehrte und Heilige Rebbe Yoel Teitelbaum – möge er ein langes Leben leben, Amen ! – ist unser Rabbi and möge er dies für viele Jahre bleiben. Niemand darf ihn ohne seine Zustimmung ersetzen. Er ist die alleinige Authorität in allen spirituellen Angelegenheiten. Keine einzige relig. Position darf ohne seine Zustimmung vergeben werden. Seine Entscheidungen sind für alle Mitglieder verbindlich".

Rebbe Yoelisch wurde innerhalb seiner Gruppe sogar als unfehlbar eingestuft. Fanatische Militante innerhalb Satmars gibt es nur wenige und der Rebbe kritisierte oft scharf deren wilde Exzesse. Gelegentlich sogar mit kleinen Sanktionen. Trotzdem der Rebbe die unumstrittene Führungsperson war, verlor er dennoch manchmal die Kontrolle über die Militanten. Von sich selbst behauptet Satmar, das authentische Judentum zu repräsentieren. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob das authentische Judentum etwas mit interner Kontrolle zu tun hat. So gibt es bei Satmar zum Beispiel die berühmten "Watchdogs" welche ihre Bespitzelungen nachgehen. Erwischen sie jemanden bei Vergehen, drohen sie demjenigen zuerst, alles dem Rebben zu sagen. Wenn sich der Ertappte nicht bessert, folgen weitere Bedrohungen was bis hin zur Rufmordkampagne gehen kann.

Ein Satmarer Chassid besucht seinen Rebben regelmäßig. Derzeit haben die Satmarer 150.000 Mitglieder und da ist es nicht so einfach, sich in eine Warteschlange zu stellen. Also kommt man auf die Warteliste. Die Chassidim jedoch gehen bei allen Privatangelegenheiten den Rebben aufsuchen, um ihn um Rat zu fragen: "Soll ich die neue Wohnung nehmen oder nicht ?" – zum Beispiel.

Die Chassidut Satmar legt hohen Wert auf das Familienleben. Sexuelle Befriedigung wird als Ausgleich zu sündhaften Gedanken angesehen. Außerdem spielen mystische Gründe eine Rolle für ausgewogenen Sex. In eine gute Familie hineinzuheiraten ist das höchste Ziel der jungen Leute. Alles dreht sich um den Status und der soll erhalten oder besser, ausgebaut werden. Wer hätte das gedacht ? Der Ehegatte ist verpflichtet, im Haushalt mitzuhelfen und beide Ehepartner sind für den Lebensunterhalt verantwortlich. Kinder haben ihren Eltern Respekt zu verleihen. Und die Verwandten sind ebenso zur tatkräftigen Hilfe bei Familienproblemen aufgerufen. Das ideale Hochzeitsalter liegt bei 18 Jahren. Wenn es zu einem Schidduch (eventuelle zukünftige Ehepartner werden miteinander bekannt gemacht) kommt, dann treffen sich beide Kandidaten im Hause des der jungen Frau. Beiden Kandidaten ist es erlaubt, in Anwesenheit der Elternteile miteinander zu reden. Im Falle einer Zusage, organisieren die Eltern der Braut die Verlobungsparty, zu welcher nur Verwandte, enge Freunde sowie mehrere prominente Satmarer eingeladen werden. Der zukünftige Bräutigam halt eine Thorarede, die traditionell mit dem Singen von Lieder unterbrochen wird.

In chassidischen Kreisen ist es üblich, schon bei der Verlobung ein offizielles Dokument zu unterschreiben, welches beide Seiten verpflichtet. Auch in der Chassidut Satmar ist dies der Fall. Nach der Unterschrift unter das Dokument wird ein Teller zerbrochen und es werden Erfrischungen gereicht. Hierbei befinden sich Männer und Frauen in separaten Räumen. Bei Satmar und anderen strengen chassidischen Gruppen ist es keine Seltenheit, dass Männer und Frauen in getrennten Zimmern sitzen. Dies gilt immer dann, sobald Gäste anwesend sind. Innerhalb der Familienmitglieder besteht diese Regelung normalerweise nicht. Laut Israel Rubin wird die Verlobungsparty immer weniger praktiziert und stattdessen schütteln sich die Väter des Paares zum Zeichen des Abkommens die Hände. Nach einigen Monaten findet dann die Hochzeit statt. Da im Judentum die Familienreinheitsgesetze (Taharat HaMischpacha) eine wichtige Rolle einnehmen, darf die Braut zum Zeitpunkt der Hochzeit nicht ihre Menstruation haben. Normalerweise wird bei jeder Hochzeit ausgerechnet, wann die Braut nicht im Niddah – Zustand (Menstruation) ist. Bei Satmar finden die Hochzeiten frühestens 12 Tage nach Beginn der Menstruation der Frau statt. Dann nämlich befindet sie sich wieder in einem Zustand der Reinheit (nach der Mikweh – dem Ritualbad).

Wie bei anderen chassidischen Gruppen auch, findet die Satmarer Hochzeit in zwei getrennten Sälen statt; Männer und Frauen getrennt. Der Bräutigam trägt einen langen Kaftan und zum ersten Mal seinen Streimel (die traditionelle Pelzmütze). In anderen chassidischen Gruppen trägt der Bräutigam manchmal die gesamte Woche vor der Hochzeit seinen neuen Streimel. Wenn es unter die Chuppah, den Hochzeitsbaldachin geht, zieht sich der Bräutigam einen weissen Kittel über. Weiß ist immer die Farbe der "Reinheit".


Der traditionelle Streimel

Des Weiteren gibt es auf jeder chassidischen Hochzeit einen Mitzwe – Tanz des Rebben mit der Braut. Der Braut werden dabei die Augen verbunden bzw. ihr Gesicht wird aus Anstandgründen verdeckt, da sie sich auf der Männerseite des Hochzeitssaales befindet. Nicht die Frau ist der Grund, sondern den Männern soll aus Anstandsgründen der Blick versperrt werden, damit sie auf keine dummen Gedanken kommen. Nach dem Mitzwe – Tanz des jeweiligen Rebben, der um die Braut herumtanzt, ist die Hochzeit vorbei. In der Vergangenheit war der frischgebackene Ehemann gezwungen, sich gleich nach der Hochzeit um einen Job zu bemühen. Doch dann änderte Rebbe Yoel die internen Gesetze und demnach muß der neue Gatte erst einmal 1 – 2 zwei Jahre im Kollel Thora lernen.

Auch in der Kindererziehung geht es bei den Satmarer Chassidim etwas anders zu. Kinder, selbst die verheirateten, sind zum Respekt den Eltern gegenüber verpflichtet. Jungen und Mädchen werden schon früh auf ihre spätere Rollen vorbereitet. Hierbei sollen die Mädels selbstverständlich im Haushalt helfen und das Stricken oder Nähen erlernen. Jungen hingegen sollen Thora lernen. So ist zumindest der Idealzustand.

Die Satmarer Chassidim verweigern jegliche Autopsien, da sie in ihnen einen Verstoß sehen. Wenn der Meschiach kommt, gibt es eine Wiederauferstehung der Toten und wie schaut das aus, wenn da alles aufgeschnittene Leute herumlaufen. Zu dem Thema gibt es unterschiedliche Ansichten und selbst im Talmud heißt es, dass ehemalige kranke Menschen zu der Zeit geheilt werden. Aber das Verfahren ist Satmarer Politik und als Außenstehender kann man da gar nichts ändern. Was bei Satmar noch anders ist, ist, das eine Leiche nicht nur rituell gewaschen, sondern ebenso in die Mikweh (Ritualbad) eingetaucht wird.

Die Satmarer sind bekannt für ihren unermüdlichen Kampf gegen die Mädchenschule Beit Yaakov, auf welche meistens die Mädchen der Agudat Israel (z.B. litvische Haredim) gehen. Außerdem erscheint ihnen das Beit Yaakov viel zu modern und der Chatam Sofer, dem die Satmarer folgen, verbot alle neuen Innovationen. Stattdessen gehen die Satmarer Mädels auf die eigene "Beit Rachel – Schule". Heutzutage werden die Mädchen jedoch auch in säkuleren Fächern wie das Bankwesen, die Börse sowie in Informatik unterrichtet. Bei Satmar ist man ausgesprochen stolz auf das eigens gegründete Schulwesen, wodurch unzählige neue Jobs entstanden sind.

Das Hauptzentrum der Chassidut Satmar befindet sich in New York. Ungefähr 50km außerhalb New Yorks erbaute Rebbe Yoel Teitelbaum sein "Kiryat Yoel". Kiryat Yoel wurde im Jahre 1976 nahe Monroe in Orange County erbaut. Es handelt sich um ein eigenes Satmar - Dorf auf 340 Hektar Land. Im Jahre 1990 gab es dort 8000 Bewohner.


Kiryat Yoel

Nach dem Tode von Rebbe Yoelisch (Aug. 1979) übernahm sein Neffe, Rebbe Moshe Teitelbaum den Job als Satmarer Rebbe, welchen er bis zu seinem Tode, im April 2006 innehielt. Rebbe Moshe Teitelbaum war ein Auschwitz – Überlebender, dessen erste Frau Leah in Auschwitz umkam. In späteren Jahre heiratete er ein zweites Mal und nach seinem Tode (im April 2006) hinterließ er drei Söhne und vier Töchter. Sein ältester Sohn, Rebbe Aharon Teitelbaum (geboren im Jahre 1948), ist mit der Tochter des Vishnitzer Rebben aus Bnei Brak (nahe Tel Aviv), Rebbe Moshe Yehoshua Hager, verheiratet.


Einer der derzeitigen Satmarer Rebben, Rabbi Aharon Teitelbaum

Seit dem Tode von Rebbe Moshe streiten zwei seiner Söhne um die Rebbe – Nachfolge. Militant und es wurde sogar vor ein nichtjüdisches Gericht gezogen. Derzeit ist es so, dass Rebbe Aharon Teitelbaum seinen Sitz in Kiryat Yoel aufschlug und sein Bruder, Rebbe Zalman Leib Teitelbaum, den Williamsburgher Teil von Satmar übernahm.


Der zweite Satmarer Rebbe, Rabbi Zalman Leib Teitelbaum

In Israel befindet sich das Zentrum von Rebbe Zalman Leib in Mea Shearim, in der Yoel Street. Die Zentren des Rebben Aharon Teitelbaum liegen in Bnei Brak sowie im Jerusalemer Stadtteil Ge'ulah, in der Yonah Street. Somit gibt es in Satmar zwei Rebben mit ihren jeweiligen Anhängern. Leider ist die Gruppe in zwei Teile gespalten, die sich selbständig verwalten.

Tausend weitere Dinge gibt es noch über Satmar zu berichten, aber ich habe mich vorerst auf diesen Artikel beschränkt, um einmal einen kleinen Einblick zu geben. Nicht alle Fakten sind vom Autor Israel Rubin, sondern ich habe nach eigenem Wissen einiges hinzugefügt.

Donnerstag, 3. April 2008

Spiritualität in der Mikweh

B"H

Eine der zentralen Rollen im Judentum wird manchmal leicht übersehen; nämlich der Mikwehgang - der Gang ins Ritualbad. Frauen benutzen sie in der Regel zum ersten Mal am Abend vor ihrer Hochzeit und danach als verheiratete Frau natürlich regelmässig. Es besteht die Halacha, dass eine jüdische verheiratete Frau nach dem Ende jeder monatlichen Regel in die Mikweh gehen muß. Hierfür gibt es genaue Gesetze wie, z.B., wann genau sie nach der Regel als zulässig für die Mikweh gilt oder wieviel Tage zwischen dem Beginn und Ende der Regel mindestens vergangen sein müssen. Darüber hinaus geht sie nach jeder Geburt (auch hier gibt es eine vorgeschriebene Anzahl von Tagen) in die Mikweh. Ein relig. Mann geht in der Regel jeden Freitag vor dem Schabbatbeginn in die Mikweh. Hinzu kommen ebenso die Feiertage.

Eines aber übersehen viele, die sich zum Thema "Mikweh" informieren. Das Ritualbad dient nicht nur der körperlichen, sondern ebenso der spirituellen Reinigung. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria (1534 - 1572) sah eine hohe mystische Bedeutung in der Mikweh. Genauso wie in der Kabbalah, massen später der Baal Shem Tov und seine chassidischen Anhänger bzw. Nachfolger der Mikweh allerhöchste spirituelle Bedeutung bei. Und so kommt es, dass chassidische Männer bis heute täglich in die Mikweh gehen. In der Regel geschieht dies am frühen Morgen.

Litvische Juden lieben es, sich über den täglichen Mikwehgang der Chassidim entweder zu beschweren oder einfach nur lustig zu machen. Das ganze Mikwehgerenne sei ja viel zu übertrieben. Chassidim hingegen betrachten es als eine absolute Notwendigkeit, nicht nur den Körper, sondern auch die Seele zu reinigen und mit der richtigen Kavanah (Konzentration) in der Mikweh sei dies allemal möglich. In der Chassidut heißt es, dass, z.B., der Baal Shem seine Weisheiten in der Mikweh erlangte. Durch Gebet und Kavanah stieg er zu höheren Leveln auf.

Gewöhnlich hegen die Chassidim ihre gruppeneigenen Bräuche in der Mikweh - so auch, wieviele Male man untertauchen muß. Bei der Chassidut Breslov ist es so, dass selbst die Frauen siebenmal untertauchen. Jedes Untertauchen wird als ein höherer Level gesehen, bei dem man völlig vom Wasser umgeben ist und so G - tt nahe kommt. Andere chassidische Gruppen hingegen folgen dem Brauch, mindestens dreimal unterzutauchen.

Unter chassidischen Rebbes sowie Kabbalisten ist es nichts Ungewöhnliches, die größte individuelle Kavanah (Konzentration) dadurch zu erreichen, indem sie sich auf die Namen G - ttes konzentrieren und völlig in die Meditation eintauchen.

Sonntag, 30. März 2008

Schirayim

B"H

Jedesmal ist es immer wieder eine Show, wie sich die Chassidim am Freitag abend (beim chassidischen Tisch) um den Tisch des Rebben drängen bzw. gierig nach dem herumgereichten Essen greifen. Nicht jeder Rebbe, doch die Mehrheit schon, ißt bei seinem chassidischen Tisch am Erev Schabbat (Freitag abend).

Bei einem Tisch des Rebben einer chassidischen Gruppe handelt es sich um ein öffentliches Treffen zwischen ihm und seinen Chassidim in der Synagoge. Bei großen chassidischen Gruppen sitzt der Rebbe an einem langen Tisch zusammen mit den wichtigsten Rabbiner der jeweiligen Gruppe. Hierbei ißt der Rebbe gewöhnlich nur ein paar Häppchen und reicht den Rest des Mahles an die Chassidim herum. Meistens auf Tabletts oder Tellern. Jeder nimmt sich dann ein paar Brocken bzw. Krümel. Gegen Tischende werden Früchte und Kuchenstücke verteilt. Für die Frauen habe ich diesbezüglich schlechte Nachrichten, denn außer bei den Kretchnifer Chassidim bekommen sie nie etwas ab. Bei Kretchnif hingegen kann Frau schon mal zu einem Kuchenstück kommen.

Zu Beginn fragte ich mich, warum sich die Chassidim so danach drängeln, vom angetouchten Essen des Rebben etwas abzubekommen. Als ich den Grund dafür herausfand, betrachtete ich jedoch alles mit anderen Augen. Obwohl ich dennoch auf kein angegrabbschtes Essen stehe.

"SCHIRAYIM" - so heißt das Essen, welches der Rebbe mit seinen Chassidim teilt. Zuerst einmal ist es ein Privileg, jene Stücke Nahrung zu sich zu nehmen, über welche der Rebbe einen Segen gesprochen hat. Zum anderen bauten die Chassidim die kabbalistischen Ideen des Rabbi Yitzchak Luria aus; sobald der Rebbe einen Segen über sein Essen spricht (von dem er danach einen Großteil an seine Chassidim weiterreicht), setzt er die sogenannten Netzizot (sparks, Funken) frei, welche somit zu ihrem Ursprung zurückkehren.

Bei den "Netzizot" handelt es sich um eine Metaphor aus der Lurianischen Kabbalah. Bei der Erschaffung der Welt zog G - tt Seine unbegrenzte Macht zurück, um so Platz für eine unvollkommene Welt zu schaffen. Er erschuf die Welt also nicht mit Seiner unbegrenzten perfekten Macht, sondern schränkte Sich ein. Um die Welt in einen absolut perfekten Zustand zu bekommen, müssen wir gewisse Netzizot (Funken) zu ihrem Ausgangsort zurückführen.

Diese Funken fielen metaphorisch einmal von den höheren Welten in unsere materielle Welt und unsere Aufgabe ist es, sie wieder nach oben zurückzubringen. Dies geschieht durch die Einhaltung der Mitzwot (Thoragesetze) sowie dem Essen, wenn wir vorher einen Segen sprechen. Wir benutzen also die materielle Welt für heilige Zwecke. Aber auch wenn Männer Tefillin (Gebetsriemen) und Zizit tragen, kommen eben jene Funken frei. Des Weiteren bewirken wir sehr viel, sobald wir uns für ein Leben nach den Mitzwot entscheiden.

Daher ist es so wichtig, einen wenn auch nur winzigen Teil vom Mahl des Rebben zu bekommen. In der Chassidut ist er meistens ein Zaddik - Gerechter (zumindest die früheren Rebbes) und somit hat er die Kraft, viele Netzizot in die oberen Welten zu führen. Die Chassidim sehen sich als Teil davon und fühlen sich genauso durch den Zaddik erhoben.

Das Zaddik - Konzept ist heutzutage nicht immer das, was es einmal war. Viele heutige chassidische Rebben sind keineswegs mehr die großen Gerechten, die ihre Vorväter einmal waren. Heutzutage sagt man auch nicht immer, dass der Rebbe ein Zaddik ist, sondern das er der Sohn eines Zaddiks ist.

Siehe hier einen ähnlichen Artikel zum Thema.

Dienstag, 4. März 2008

Was macht einen Zaddik (Gerechten) aus ?

B"H

Nicht nur, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann, einer chassidischen Gruppe beizutreten oder nicht; aber selbst wenn, welche Gruppe würde dann bei mir ganz oben auf der Liste stehen ?

Wie ich einige Male zuvor erwähnte, bin ich keine Person, die mit einer einzigen Gruppierung mitläuft, denn ich behalte immer meine eigenen Ideen und Ansichten bei. Ich laufe nicht mit der Masse. Nach all den Jahren, in denen ich mit Chassidim zu tun hatte / habe, könnte ich nicht konkret bestimmen, welche chassidische Gruppe ich besonders bevorzuge und welche nicht. Und das, obwohl ich mich mit dem Chassidismus identifiziere und viele chassidische Bräuche halte und ein chassidisches Sidur (Gebetbuch) habe.

Allerdings ist es mehr als offensichtlich, dass die Chassidim bestimmter Gruppen sich durch eine spezielle Mentalität bzw. einem Verhalten voneinander unterscheiden. Ich weiß nicht genau, wie ich das einem Außenstehenden genau erklären könnte, jedoch sieht man nach einiger Zeit diverse Unterschiede. Ich nehme einfach einmal die Chassidut Belz als Beispiel und hoffe, dass sich kein Belzer beleidigt fühlt. Nichtsdestotrotz gibt Belz ein hervorragendes Beispiel her.

Andere chassidische Gruppen sagen Folgendes über die Belzer:
"Die denken doch einzig und allein nur an ihr Geld. Immer nur Geld, Geld, Geld."

Wer zum chassidischen Tisch des Belzer Rebben, Rabbi Yissachar Dov Rokeach, geht, der sieht Hunderte Chassidim, die beflissen ihrem Rebben zu dienen bereit sind. Einmal kam ich etwas zu früh zum Tisch am Freitag abend und der Rebbe war noch nicht eingetroffen. Seine Chassidim liefen auf und ab, redeten miteinander, etc. Plötzlich verkündete jemand laut, dass der Rebbe im Anmarsch sei und man sah die Chassidim nur noch rennen. Alle wollten schnell auf ihren Platz und bereitstehen. Solch Beflissenheit habe ich noch bei keiner anderen chassidischen Gruppe erlebt. Es war als käme ein Armeegeneral seine Truppe besuchen.

Am Schabbat tragen die Belzer ihre allerbeste Garderobe und vor allem die schwarzen Schuhe sind blitzblank geputzt.
Wer die Belzer nur vom Tisch kennt, der wird kaum übersehen, dass vor allem sie eine bestimmte Mentalität haben, die ich einfach nicht in der Lage bin genauer zu definieren. Man muß es schon selbst sehen. Allein ihr Gang ist schon anders. Man könnte es Eleganz nennen, andere Chassidim hingegen nennen es Arroganz.
Kennt man die Belzer jedoch etwas näher, lernt man meistens nette offene Menschen kennen, die nicht immer nur an Geld denken. Jedenfalls habe ich bisher nur positive Erfahrungen mit Belz gemacht.

Vor wenigen Wochen erzählte ich einem Chassid (NICHT Belz) von Bekannten von mir. Die nämlich schliessen sich gerade einer anderen chassidischen Gruppe an, da sie den Rebben lieben.
Der Chassid grinste und meinte ironisch: "Und was ist, wenn der Rebbe stirbt und sie seinen Nachfolger nicht mögen ? Was dann ? Wechseln sie dann wieder die Gruppe ?"

All diese Aufzählungen stellen nur einige meiner Gründe dar, warum ich mich mit keiner chassidischen Gruppe uneingeschränkt identifiziere. Einfach so ein bestimmtes Verhalten zu übernehmen, nur einen Rebben verehren und all dessen Ideen und Halachot (Psak Din – halachische Entscheidungen) zu 100%ig zu akzeptieren, ist nichts für mich.

Eines meiner größten Probleme ist es, einen chassidischen Rebben, egal welcher Gruppierung, als einen Zaddik (Gerechten) anzuerkennen. Ohne Frage stimme ich mit dem Baal Shem Tov und seinem Zaddik – Konzept zu. Dennoch ist mir Rabbi Elimelech von Lejansk in seinem Buch "Noam Elimelech" mit seiner Zaddik – Definition viel zu weit abhanden gekommen. Ich kann da kaum noch etwas nachvollziehen.

Es war Rabbi Elimelech von Lejansk (1717 – 1786), der das Zaddik – Konzept erst richtig ausbaute und der Meinung war: "Wenn der Zaddik großartige Dinge tut, kleidet sich seine Seele im Ruach HaKodesh (eine Art Prophezeihung)".

Besonders der Chozeh (Seher) von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (1745 – 1815) fügte dem chassidischen Zaddik – Konzept noch viele zusätzliche Aspekte hinzu. An dieser Stelle will ich nur einige wenige nennen, denn die gesamte Liste aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

Laut dem Chozeh steht der Zaddik über einem gewöhnlichen Juden (Am HaAretz). Ist es doch das Gebet des Zaddiks, welches den Meschiach bringen könnte und nur der Zaddik allein erhebt unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten.

Das Peshis'cha – Movement unter Rabbi Yaakov Yitzchak von Przysucha (Jiddisch: Peshis'cha) stimmte dem Konzept des Chozeh (Sehers) von Lublin alles andere als zu. Stattdessen lehrte der Rabbi von Przysucha (1765 – 1814), dass die Aufgabe eines Zaddiks (eines Rebben) darin bestehe, anderen Juden zu verhelfen, selbst ein Zaddik zu werden. Keineswegs sollte der Rebbe die alleinige Zaddikfunktion übernehmen und sich nur auf Distanz zu anderen Juden halten.

Wenn ich mir den historischen Background ansehe und die heutigen Rebben betrachte, bin ich mir nicht sicher, ob die Zaddik – Konzepte nicht etwas übertrieben klingen. So mancher mag mich in dem Punkt für einen Litvak (litvischen Juden) halten, aber ich kann hier einfach nicht von meiner Meinung abweichen.
Zuerst einmal habe ich immer das Chabad – Konzept des Zaddiks in meinem Kopf. Wenn ich hier Chabad sage, dann meine ich damit deren Gründer Rabbi Schneur Zalman von Liadi (1745 - 1812) und nicht die heutigen Meschiach – Fraktionen der Gruppe.
In seinem Buch "Tanya" definiert Rabbi Schneur Zalman den Zaddik als eine Person ohne jegliche Yetzer HaRah (die negative Seite in einem jeden von uns). Ein Konzept Rabbi Schneur Zalmans, welches ich besonders mag.

Obwohl viele verschiedene Ideen darüber bestehen, wie denn nun ein Zaddik zu sein hat, frage ich mich immer wieder, ob die Zaddikim, die Rebben der heutigen chassidischen Dynastien, wirkliche alle Zaddikim sind und ihre Yetzer HaRah überkommen haben. Ich bin manchmal recht altmodisch und wage zu behaupten, dass heutzutage die Zaddikim mehr als rar auf dieser Welt sind. Zu früheren Zeiten vor Hunderten oder einigen Tausend Jahren war mag dies noch anders gewesen sein. Kurz gesagt, in meinen Augen ist nicht jeder chassidische Rebbe automatisch gleichzusetzen mit einem Zaddik.

Um als ein Zaddik zu gelten, sollte eine Person über herausragende Eigenschaften verfügen und nicht diese Position einnehmen, weil sie ihm eben einmal so vererbt worden ist. Diejenigen, die mit den Schriften des Rabbi Yehoshua Heschel von Apta (1748 – 1825) vertraut sind, wissen, wie der Apter Rebbe einen Zaddik definiert. In seinem Buch "Ohev Israel" schreibt er, dass ein Zaddik sich diese hohe Position nicht alleine aussucht, sondern sie ihm vom Himmel gegeben wird.

Aber was ist mit all den chassidischen Rebben heute ? Haben sie wirklich ihre Position vom Himmel bekommen ? Einerseits schon, denn schließlich geschieht nichts auf der Welt ohne G – tt.

Viele der chassidischen Rebbes tun sicherlich großartige Dinge und halten die Mitzwot (Gesetze), aber sind sie deshalb automatisch Zaddikim ? Obwohl Rabbi Nachman von Breslov (1772 - 1810) sich selbst als "Zaddik HaDor – Als der Gerechte seiner Generation" proklamierte, predigte er dennoch einen weiteren Gedanken:
"Im Grunde genommen hat jeder das Zeug zum Zaddik. Er muß nur an sich arbeiten."

Für mich ist ein chassidischer Rebbe eher eine Authorität und eine Respektperson. Er kann eine herausragende Figur mit hervorragenden relig. Kenntnissen sein, was ihn jedoch für mich nicht unbedingt zu einem "Heiligen" macht. Eine Person mit großem Charisma, das ist alles. Ist das so schlimm ?

Ich sehe mich nicht einem speziellen Rebbe hinterherlaufen, der alles für mich entscheidet. Es gibt auch noch andere Meinungen und Leute bzw. Rabbis. Und der Chassid, mit dem ich sprach, sagte etwas Treffendes: "Was ist, wenn der Rebbe stirbt und Du seinen Nachfolger nicht magst ?"

Bei den chassidischen Tischen frage ich mich des öfteren schon, wo eigentlich G – tt ist. Die neben mir Stehenden sagen immer nur: "Der Rebbe, der Rebbe, der Rebbe." Übrigens geht mir dies genauso. Wir alle starren gemeinsam auf den Rebben.
Aber ist nicht G – tt wichtiger als der Rebbe ? Und wo bleibt er beim Tisch ? Chassidisch gesprochen verbindet uns der Rebbe mit G – tt. Aber andererseits können wir dies auch alleine und individuell tun, denn jeder Jude hat selbst eine jüdische Neschama (Seele).

Anscheinend ist es für solche Leute wie mich wirklich besser, sich keiner bestimmten Gruppe anzuschliessen und stattdessen ein Outsider zu bleiben. Ich könnte diesbezüglich keine definitive Entscheidung fällen, bewundere aber Leute, die dies können.

Sonntag, 3. Februar 2008

Tragödie oder Glück - Die Spaltung der chassidischen Gruppe Toldot Aharon

B"H

Sobald sich eine chassidische Gruppe spaltet, gleicht dies immer einer Tragödie. Plötzlich streiten sich die Hinterbliebenen eines verstorbenen Rebben (meistens zwei Söhne) um die Nachfolge. Der eine Sohn will nicht akzeptieren, dass sein Bruder der neue Rebbe der Gruppe wird. Besonders heute ist die Position eines Rebben ebenso mit Macht verbunden und leider meinen viele Menschen, dass gerade sie die Fähigkeiten für diese neue Position mitbringen und nicht ein anderer.

Aber ich hörte auch andere Ansichten. So manche chassidische Gruppe mag sogar von einer Spaltung profitieren. Es kann sein, dass ein vollkommen neuer Rebbe sowie eine gänzlich neue Einrichtung vielen Mitgliedern hilft, sich neu zu orientieren und neue Ziele zu entwickeln.

In diesem Artikel geht es um die berühmte Spaltung der chassidischen Gruppe Toldot Aharon. Für so manchen mag die Spaltung eine weitere Tragödie bedeuten, aber ich bin mir sicher, dass vielen Mitgliedern dadurch sehr viel Positives wiederfahren ist.

Rebbe Aharon Roth war der Gründer der Toldot Aharon und wurde im Jahre 1894 im tschechischen Ungvar geboren. Sein Vater war Rabbi Shmuel Yaakov, der nebenbei sein Geld als Gemüsehändler verdiente. Im Alter von 22 Jahren heiratete Rabbi Aharon Roth die Tocher des Rabbi Yitzchak Katz aus Budapest. Sima war ihr Name.

Rabbi Roth verdiente sein Geld als relig. Lehrer, der jegliche Schüler, die aus diversen Yeshivot (relig. Schulen) geflogen waren, akzeptierte. So baute er sich allmählich eine Gefolgschaft auf.
Im Jahre 1925 zog er nach Jerusalem, wo er weitere Anhänger fand. Aufgrund gesundheitlicher Probleme zog er 1929 wieder zurück ins rumänische Satmar. Allerdings war dort der selbsternannte Rebbe nicht gerade willkommen, denn in Satmar hatten sich anderweitige Rebben formiert und Rabbi Roth wurde nur als Konkurrenz gesehen. Aus diesem Grund verließ er Satmar und ging nach Deregszaz (Deregovo), wo er eine Yeshiva (relig. Schule) mit dem Namen "Schomrei Emunim (Hüter des Glaubens) aufbaute. Acht Schüler lernten in der Yeshiva, welche von Rabbi Chaim Elazar von Munkatch unterstützt wurde. Allerdings verlor Rabbi Roth niemals den Kontakt zu seinen Jerusalemer Anhängern. Im Jahre 1939 machte er sich erneut nach Jerusalem auf, wo er die extrem geschlossene chassidische Gruppe Toldot Aharon ins Leben rief. He war ein strikter Antizionist, legte Wert auf ekstasische Gebete und richtete eigene interne Gesetzte (Takanot) für seine Gruppe ein.

Rebbe Aharon Roth verstarb am 6. Nissan (ca. April) 1947 und ist auf dem Ölberg begraben. Rebbe Arele, wie ihn seine Chassidim nur nennen, war Autor der Bücher "Shomer Emunim" und "Shulchan HaTahor".

Gleich nach dem Tode Rebbe Areles spaltete sich die Gruppe zum ersten Mal. Sein Sohn, Rebbe Avraham Chaim Roth, wollte die Führung übernehmen, aber die Anhängerschaft seines Vaters lehnte ihn ab. Stattdessen wählten sie den Schwiegersohn Rebbe Areles, Rabbi Avraham Yitzchak Kahn, als neuen Rebben. Natürlich war Rabbi Avraham Chaim Roth nicht besonders darüber erbaut, verließ die Gruppe und gründete seine eigene, die "Schomrei Emunim (Hüter des Glaubens)". Später zog er nach Bnei Brak bei Tel Aviv, aber seine Gemeinde in Jerusalem behielt er bei. Der Rebbe ist nach wie vor am Leben, kommt aber nur manchmal nach Jerusalem auf Besuch. Die Synagoge der Schomrei Emunim befindet sich in der Mea Shearim Street. Rebbe Avraham Chaim Roth ist bei seiner Gefolgschaft extrem populär und auch sein Tisch erfreut sich großer Beliebtheit. Wenn er denn einmal einen gibt, ist die kleine Synagoge überfüllt. Ein Wahrzeichen der Synagoge ist der riesige Aron HaKodesh (Thoraschrein), der wunderschön anzuschauen ist.

Bis heute haben die Schomrei Emunim fast keinen Kontakt zu den Toldot Aharon. Insgesamt haben sie sich mehr der Außenwelt geöffnet und sind auch nicht Mitglied der anti - zionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit.

Rabbi Avraham Yitzchak Kahn wurde der neue Rebbe der Toldot Aharon, welche er bis zu seinem Tode im Dezember 1996 anführte. Deren Mitglieder sehen fast immer denselben Problemen entgegen: Ein Rebbe stirbt und der Newcomer plant Veränderungen aller Art innerhalb der Gruppe. Viele der Toldot Aharon Mitglieder jedoch sind glücklich mit dem Status Quo der Gruppe und sogar mit den Takanot. Für sie ist ihre Mitgliedschaft nicht nur eine Identifikation, sondern es ist ihr Leben wie sie es leben wollen. Somit lehnen sie Veränderungen ab.


Rebbe Avraham Yitzchak Kahn



Rebbe Avraham Yitzchak Kahn setzte den extremen Weg seines Schwiegervaters, Rebbe Arele, fort. Was genau das ist, was die Mitglieder von ihm verlangten. Der nächste Konflikt ließ nach dem Tode des Rebben nicht lange auf sich warten. Natürlich erwartete der älteste Sohn, Rabbi Shmuel Yaakov Kahn, das neue Oberhaupt der Gruppe zu werden. Allerdings gab es schon vor dem Tode seines Vaters, Rebbe Avraham Yitzchak Kahn, erhebliche Konflikte, denn Rabbi Shmuel Yaakov war weniger extrem und wollte Veränderungen mit einbringen. Er hatte unter dem Vishnitzer Rebben gelernt und war weniger anti - zionistisch veranlagt. Heutzutage trifft er sich sogar mit Mitglieder der haredischen (ultra - orthod.) Knessetpartei, der Yahadut HaTorah (Agudat Israel). Vor zwei Jahren nahm er dann an einer Familienfeier des Knessetabgeordneten Rabbi Israel Eichler (Chassidut Belz) teil, worauf sich Rebbe Shmuel Yaakov harsche Kritik einfing. Insbesondere von den Satmarer Chassidim.

Die anti - zionistische Dachorganisation Edah HaCharedit betrachtet die chassidische Gruppe Belz nach wie vor als eine Art Feind. In den frühen 80 - iger Jahren verließ Belz die Edah HaCharedit und wurde Mitglied der Agudat Israel. Dies kam einem Verrat an der Edah gleich und es kam zu wilden Auseinandersetzungen zwischen den Belzer und Satmarer sowie Toldot Aharon Chassidim. In New York fackelten die Satmarer des nachts sogar Belzer Schulbusse ab (ohne Passagiere).

Heute ist die Lage wesentlich ruhiger, aber dennoch gibt es zwei unterschiedliche Hechscherim (Koscherzertifikate):
Das Badatz (Beit Din Zedek) der Belzer Chassidim sowie das Badatz der Edah HaCharedit. Beide Parteien essen keine Produkte versehen mit einem Hechscher der Konkurrenz.

Rabbi Shmuel Yaakov Kahn wollte der neue Rebbe werden, aber die Mitglieder fürchteten wieder einmal einschneidende Veränderungen. Daher wollten sie den jüngeren Bruder, Rabbi David Kahn, zum neuen Rebben ernennen. Der nämlich wurde als extremer eingestuft, denn er hatte unter dem berühmten Satmarer Rebben, Rabbi Yoel Teitelbaum, gelernt. Genau das wollte die Mitgliedermehrheit. Wie zu erwarten, war Rabbi Shmuel Yaakov als Älterer darüber nicht erbaut und schaltete das rabbinische Gericht (Beit Din Zedek) der Edah HaCharedit ein. Er entschied sich für diesen Weg auch aus dem Grund, weil er Rabbi Me'ir Brandsdorfer (ein angesehener Rabbi innerhalb des Beit Din Zedek) hinter sich wußte. Die Edah wiederum wollte sich nicht festlegen und empfahl Rabbi Shmuel Yaakov eine Wahl innerhalb der Gruppe durchzuführen. Jedes Mitglied sollte selbst bestimmen und wählen. Wie wir alle wissen, verlor Rabbi Shmuel Yaakov Kahn und sein Bruder, Rabbi David Kahn, wurde der neue Toldot Aharon Rebbe. Eine Funktion, die er bis heute ausübt.

Rabbi Shmuel Yaakov Kahn konnte die demokratische Entscheidung nicht akzeptieren und verließ die Gruppe mit ca. 200 Familien um seine eigene, die Toldot Avraham Yitzchak, zu gründen. Offziell sind beide Brüder befreundet und gehen freundlich miteinander um. Egal, wen man in den Gruppen befragt, immer lautet die Antwort: "Wir haben nichts gegeneinander."

Die Fakten lauten jedoch etwas anders, was jedem offensichtlich wird, der ins Detail geht.
Beispiel: Rebbe David Kahn unterstützt den Satmarer Rebben, Rabbi Aharon Teitelbaum, wohingegen sein Bruder den zweiten Satmarer Rebben, Rabbi Zalman Leib Teitelbaum, unterstützt. Bei Satmar in den Staaten herrscht ein offener Krieg zwischen den beiden Rebben und sich auf eine Seite zu stellen, bedeutet gleichzeitig, sich gegen den anderen zu stellen. Insider berichteten mir, dass Rebbe Aharon Teitelbaum über mehr finanzielle Mittel verfüge als sein Bruder, Rebbe Zalman Leib. Mittel, welche die kleine Gruppe Toldot Aharon dringend benötigt. Aber auch die Toldot Aharon Yitzchak hängen am Tropf von Satmar.


Mitte: Rebbe David Kahn von den Toldot Aharon.
Ganz rechts: Rebbe Shmuel Yaakov Kahn von den Toldot Avraham Yitzchak




Persönlich mag ich die Tische von Toldot Aharon sowohl als auch den der Avraham Yitzchak. Falls es einen bei den Schomrei Emunim gibt, bin ich selbstverständlich auch mit von der Partie.
Mein Lieblingstisch sind aber auf alle Fälle die Avraham Yitzchak unter Rebbe Shmuel Yaakov Kahn. Der Rebbe ist energievoll und äußerst warmherzig. Er liebt es, wenn seine Chassidim beim Tanzen und Singen mit einstimmen. Obwohl seine Gruppe Mitglied der Edah ist, gibt er sich weniger anti - zionistisch. Die Mitglieder übernahmen Rebbe Areles Takanot (Gesetze), aber insgesamt betrachten sie sie weniger extrem und sind auch nicht zur Unterschrift gezwungen wie es bei den Toldot Aharon der Fall ist. Da Rebbe Shmuel Yaakov unter dem Vishnitzer Rebbe lernte, führte er viele Vishnitzer Bräuche in seine neu gegründeten Avraham Yitzchak ein. Generell gleicht die Kleidung der Frau jener von Toldot Aharon, aber die Kopfbedeckungen der Avraham Yitzchak weisen hier und da schon einmal unterschiedliche Farben auf. Die Toldot Aharon Frau trägt an Wochentage eine schwarze eng anliegende Kopfbedeckung, die Yasameh, und am Schabbat eine weiße. Das Gleiche bei den Avraham Yitzchak, doch sind andere Farben durchaus nichts Ungewöhnliches.

Die Toldot Avraham Yitzchak erwecken den Anschein, wesentlich offener zu sein. Vielleicht ist es nur ein Gefühl, aber bei den Toldot Aharon Frauen herrscht meistens eine gewisse Portion Reserviertheit. Bei ihnen befrage ich die Frauen vorsichtiger und überlege mir meine Vorgehensweise genau. Die Frauen sind freundlich, aber zurückhaltend. Zweimal traf ich auf eine recht offene Frau, aber leider ergab sich bisher kein tieferes Gespräch. Aber dies kommt sicher noch.

Ein Fall dagegen wird mir besonders in Erinnerung bleiben:
Einmal kam eine junge frisch verheiratete Frau auf mich zu und wollte mit mir sprechen. Über die Gründe kann ich nur spekulieren und durch einige äußere Begebenheiten ergab sich in dem Moment leider kein Gespräch. Wie ich beim nächsten Mal reagieren würde, kann ich nicht sagen. Es ist nie leicht, wenn man plötzlich mit Gruppenmitgliedern konfrontiert wird, die sich allem Anschein nach nicht besonders wohl in der Gruppe oder in einer Situation fühlen. Jedenfalls war es soweit die schlimmste Situation, die ich jemals bei einem chassidischen Tisch erlebt habe.

Aus all diesen aufgeführten Beispielen ergibt sich, dass es immer Gruppenmitglieder gibt, die Veränderungen offen gegenüber stehen. Und jene bevorzugen natürlich einen Rebbekandidaten, der sich offen für Änderungen einsetzt. Eine Abspaltung bedeutet auch gleichzeitig immer eine neue Chance verbunden mit dem Bewußtsein, etwas Neues aufbauen zu können.

Aber andererseits sind dort auch die Fundamentalisten, die sich gegen jede noch so kleine Veränderung wehren, weil sie diese als Eingriff in ihr Leben betrachten und die Gruppeninhalte in Gefahr sehen. Es kommt wirklich auf jedes einzelne Mitglied selbst an.

Avraham Yitzchak Homepage:
http://toldosay.com/index.htm

Dienstag, 29. Januar 2008

Das Essen des Rebben

B"H

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, aber ich muß zugeben, dass es mir am Anfang recht schwer fiel, den genauen Sinn zu verstehen.

Wer an einem chassidischen Tisch am Schabbat teilnimmt, der wird in den meisten Fällen Zeuge folgender Szene:

Der Rebbe kommt herein und mehrere Hundert Chassidim (bei kleineren Gruppen natürlich weniger) warten auf ihn. Sie stehen bzw. sitzen an den Seiten des sich in der Mitte befindenden unendlich langen Tisches. Der Rebbe nimmt am Ende des Tisches Platz und beginnt zu beten und macht dann Kiddush (Segnung des Weines vor dem Schabbatmahl).

Nach dem Kiddush folgt die Segnung der Challot (Schabbatbrote) und danach folgt in der Regel ein Mahl. Nicht bei jeder chassidischen Gruppen (Dushinsky, Karlin - Stolin oder den Slonim) wird gegessen, aber bei vielen schon (Belz, Toldot Aharon, Avraham Yitzchak, Kretchnif, etc.).

Gewöhnlich ißt der Rebbe einige Häppchen von allem Aufgetischten, gibt jedoch den Rest an seine umstehenden Chassidim weiter. Zum Beispiel wird der Reis in kleine Plastikschälchen aufgeteilt und durch die Reihen gereicht. Jeder nimmt sich dann ein paar Reiskörner.

Zuerst war ich der Überzeugung, dass sollte ich dort unten stehen, ich nichts von dem Reis etc. nehmen würde. Da grabbelt ja jeder mit seinen Händen darin herum und wie wichtig kann der Brauch schon sein.

Seitdem ich das Buch des Holländers Daniel Meijers "Ascetic Hasidism in Jerusalem" las, haben sich mir völlig neue Welten eröffnet. Endlich habe ich verstanden, warum den Chassidim das Essen des Rebben so wichtig ist und sie sich auf jeden noch so kleinen Bissen stürzen.

Bevor der Rebbe mit dem Essen beginnt, spricht er einen Segen darüber aus, in welchem G - tt gedankt wird, dass Essen erschaffen zu haben. Wenn der Rebbe nun Teile seines Mahles an die Chassidim weiterreicht, wird der hohe Segen des Rebben an seine Chassidim durch das Essen weitergeleitet.

Der Rebbe ist in der Chassidut nicht wegzudenken und eine chassidische Gruppe ohne Rebben (Breslov oder Chabad) ist fast immer ein Desaster. Letztendlich unterteilt sich die Gruppe in mehrere Strömungen, da niemand die Richtung bestimmt.

Die Chassidim sehen den Rebben als Respektperson und ebenso als Zaddik (Gerechter). Durch seine spezielle Frömmigkeit ist er G - tt näher und wer dem Rebben nahe ist, der ist automatisch auch G - tt nahe.

Dieses ist ein altes Konzept, welches insbesondere vom Chozeh (Seher) von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (1745 - 1815), vertreten wurde. Seine Konkurrenz, die Peschis'cha - Schule mit Rabbi Yaakov Yitzchak Rabinovicz (1766-1813), hält dagegen, daß auch ein Rebbe bzw. der Zaddik an sich arbeiten muß, um G - tt nahe zu sein. Allein durch seine Position erreiche er dies nicht.

Der Peshis'cha - Schule entstammen so berühmte Gruppen wie Chassidut Gur. Der derzeitige Rebbe der Chassidut Biale in Jerusalem (Stadtteil Givat Shaul) ist der direkte Nachfahre des Rabbi Yaakov Yitzchak Rabinovicz.

Der Schule des Chozeh von Lublin folgen unter anderem Belz oder Satmar.

Dienstag, 22. Januar 2008

Die Gründung der chassidischen Gruppen Toldot Aharon, Shomrei Emunim und Toldot Avraham Yitzchak

B"H

Da ich mich besonders häufig und sehr eingehend mit der extremsten chassidischen Gruppe, den Toldot Aharon, beschäftige, hier eine kleine historische Einführung zu dem Thema.

Der Artikel ist etwas älteren Datums und in der kommenden Zeit werde ich vieles hinzufügen oder entsprechend ändern.

Die Toldot Aharon sind im deutschsprachigen Raum gänzlich unbekannt, aber ebenso in anderen Sprachen fallen die Infos nur recht spärlich aus. Dies soll sich hiermit ändern.

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Der Gründer sowie zugleich der erste Rebbe der chassidischen Gruppe Toldot Aharon war der in der ehemaligen Tschechoslowakei geborene Rabbi Aharon (Arele) Roth. Er wurde im Jahre 1894 in der Stadt Ungvar geboren. Sein Vater war Rabbi Shmuel Yaakov und seine Mutter war ein Enkelkind eines Zaddik (Gerechten) aus der Zeit des Baal Shem Tov. Schon frühzeitig im Alter von neun Jahren lernte Rabbi Arele (so sein Kosename) in der Yeshiva des Rabbi Yosef Rothenberg in Krasnoye. Später lernte er in galizischen Yeshivot sowie unter Rabbi Yeshayahu Zilberstein in Ungarn. Während des Ersten Weltkrieges lebte Rabbi Aharon Roth in Ungarn.

Im Alter von 22 Jahren heiratete er Sima (Inta ?), die Tochter des Rabbi Yitzchak Katz von Budapest. Danach zog er für kurze Zeit nach Satmar, wo er sich eine kleine Gefolgschaft von Schülern aufbaute. Obwohl Rabbi Aharon Roth später ein berühmter Rebbe und Begründer einer chassidischen Dynastie war, verband ihn keine direkte Linie mit dem Baal Shem Tov. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, waren fast alle Begründer chassidischer Dynastien Schüler von den Schülern des Baal Shem Tov. Bei Rabbi Roth war das nicht der Fall, sondern vielmehr besass er eine charismatische Persönlichkeit und verfügte über hervorragende Kenntnisse in der jüdischen Religion. Aufgrunddessen fand er schnell Anhänger, die ihn zum Rebben auserwählten.

Er hatte unter grossen Rebben wie Rabbi Yissachar Dov Rokeach, Rabbi Zvi Elimelech Sira von Bluzhov, Rabbi Israel Hager von Vishnitz, Rabbi Yeshaya Silberstein von Weitzen und Rabbi Moshe Vorhand von Makov gelernt.

Im Jahre 1925 zog Rabbi Aharon Roth nach Jerusalem, wo er schon kurz darauf eine kleine Gefolgschaft um sich versammelte. Aufgrund gesundheitlicher Probleme kehrte er im Jahre 1929 nach Satmar zurück. Dort jedoch begegnete man dem selbsternannten Rebben mit Misstrauen und schliesslich war er gezwungen, Satmar zu verlassen und nach Beregszaz (Beregovo) zu ziehen, wo er eine neue Yeshiva gründete, die den Namen "Shomrei Emunim" - (Hüter des Glaubens) trug. Acht Schüler lernten bei ihm und ausserdem wurde die Yeshiva von Rabbi Chaim Elazar Shapira von Munkacs unterstützt.

All die verstrichenen Jahre hatte er jedoch niemals seine Anhänger in Jerusalem vergessen und es herrschte ein ständiger reger Kontakt. Im Jahre 1939 zog Rebbe Roth zurück nach Jerusalem und rief die extreme geschlossene chassidische Gruppe Shomerei Emunim ins Leben. Er war ein rigoroser Gegner des Zionismus, legte allerhöchsten Wert auf leidenschaftlich gesprochene Gebet bis hin zur Ekstase und entwickelte die Gesetze (Takanot), nach denen seine Anhänger zu leben haben. Anfang der 50iger Jahre wurde aus den Shomrei Emunim die Toldot Aharon.

Rebbe Aharon Roth verstarb am 6. des jüdischen Monats Nissan 1947 und wurde auf dem jüd. Friedhof auf dem Ölberg begraben. Rebbe Arele, der Kosenamen seiner Chassidim, war Autor mehrerer Bücher, darunter "Shomer Emunim" und "Shulchan HaTahor".

Nach seinem Tod wählte die grosse Mehrheit seiner Chassidim wider Erwarten nicht seinen Sohn, Rabbi Avraham Chaim Roth, zum Nachfolger, sondern den Schwiegersohn des Rebben, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kahn.

Rabbi Avraham Chaim Roth war, wie man sich sicher vorstellen kann, darüber alles andere als erfreut und wandte sich ab. Er gründete seine eigene chassidische Gruppe, die er Shomrei Emunim (Hueter des Glaubens) nannte. Rabbi Avraham Chaim war im Jahre 1924 in Satmar geboren wurden und ist mit Beila Chaya, der Tochter des Rebben von Zhevil, Rabbi Mordechai Goldman of Zevil (Selutchov) verheiratet.

Nach der Abspaltung exisitierten also zwei Gruppen: Toldot Aharon unter der Führung des Rebben Avraham Yitzchak Kahn und Shomrei Emunim mit dem Rebben Avraham Chaim Roth. Die Mehrheit der Chassidim blieb bei Toldot Aharon.

Rebbe Avraham Chaim ist nach wie vor der Rebbe der Shomrei Emunim und lebt in Bnei Brak, nahe Tel Aviv. Ein grosser Teil seiner Anhänger blieb dennoch in Jerusalem und verfügt über eine Synagoge in Mea Shearim sowie einen eigenen kleinen Stadtteil dort. Genauso leben mittlerweile viele Shomrei Emunim in Beit Shemesh, nahe Jerusalem.

Rebbe Avraham Yitzchak HaCohen Kahn wurde in Safed (Nordisrael) geboren. Sein Vater war Rabbi Aharon David und seine Mutter war die Tochter von Rabbi Moshe Deutsch von Sighet. Er zog nach Ungarn, um dort an der Yeshiva vom Satmarer Rebben, Rabbi Yoel Teitelbaum zu studieren. Dort traf er Rebbe Aharon Roth, der ihn mit seiner Tochter verheiratete. Unter den neuen Führung von Rebbe Avraham Yitzchak Kahn zogen viele Toldot Aharon Chassidim nach Beit Shemesh. Wer heute zu dessen Tisch im Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim geht, der wird nur die Haelfte der Chassidim antreffen, denn ein Grossteil lebt im eigenen Stadtteil in Beit Shemesh.
Rebbe Kahn verstarb an Chanukkah 1996 und wurde auf dem Ölberg neben seinem Schwiegervater beerdigt. Er war der Autor der Bücher "Divrei Emunim", "Derech Emunah" und "Tikvat HaGeulah".

Sein Tod verursachte eine dritte Abspaltung innerhalb der Gruppe, da er zwei Söhne hinterliess, von denen beide der neue Rebbe sein wollten. Die Chassidim von Toldot Aharon wählten den Jüngeren der Brüder, Rabbi David Kahn, zu ihrem neuen Oberhaupt. Der ältere Bruder, Rabbi Shmuel Yaakov Kahn, gründete seine eigene chassidische Gruppe, die er nach seinem Vater, Toldot Avraham Yitzchak benannte.

Beide Brüder sind gelehrte Rabbiner. Rebbe Shmuel Yaakov lernte in der Yeshiva des Visnitzer Rebben Chaim Meir Hager (Imrei Chaim) und Rebbe David Kahn lernte unter dem ehemaligen Satmarer Rebben Yoel Teitelbaum.

Bis heute sind beide Brüder äusserst gut miteinander befreundet. So heisst es jedenfalls offiziell. Dennoch ist das Verhältnis unklar und es bestehen viele Zweifel.

Vielerseits wurde mir berichtet, dass die Avraham Yitzchak Gruppe ein wenig offener sei. Ich beschäftige mich persönlich seit einem Monat mit den Gruppen und bisher ist mir das noch nicht aufgefallen. Die Mitglieder beider Gruppen geben sich mir gegenüber sehr offen. Sie sind jederzeit bereit, Fragen zu beantworten.

Beide Gruppen halten fast die gleichen Minhagim (Braeuche) und benutzen das gleiche rote Sidur (Gebetbuch), welches "Beracha u' Tehillah" genannt wird. Zusätzlich benutzt man bei Toldot Avraham Yitzchak noch das "Tehillat Avraham Yitzchak". Bisher hatte ich nur kurz Gelegenheit in das "Beracha u' Tehillah" hineinzuschauen, welches übrigens sehr viele kabbalistische Zusätze enthaelt.

Beide Gruppen sind Mitglied bei der anti - zinonistischen Dachorganisation Edah HaCharedit. Ein wichtiges Mitglied des Beit Din Zedek - Badatz (Rabbinisches Gericht) der Edah ist Rabbi Meir Brandsdorfer, welcher der Gruppe Toldot Avraham Yitzchak angehört.

Die Gruppen unterscheiden sich in keinster Weise von ihrer Kleidung und von daher ist ein äusserer Unterschied kaum zu ersehen. Die grosse Synagoge der Toldot Aharon sowie jene der Toldot Avraham Yitzchak befinden sich in Mea Shearim.

Sonntag, 20. Januar 2008

Der Sinneswandel des Rabbi Yissachar Shlomo Teichtal

B"H

Viele chassidische Gruppen, welche eine anti - zionistische Agenda haben, beharren auf ihrer Meinung. Ein großer ungarischer Rabbiner aber hatten einen Sinneswandel während des Holocaustes. Dieser Rabbiner, Rabbi Yissachar Shlomo Teichtal, wird heutzutage von der nationalreligiösen Bevölkerungsschicht in Israel als Beispiel genommen, dass es auch anders geht.

Rabbi Yissachar Shlomo Teichtal wurde 1885 in Ungarn geboren; sein Vater war ein bekannter Rabbiner der chassidischen Gruppe Zanz.

Schnell stieg Rabbi Yissachar zur Berühmtheit auf und wurde chassidischer Rabbiner in mehreren Orten. Als der anti - zionistische Rebbe der Chassidut Munkatch eine anti - zionistische These verfasste, war Rabbi Yissachar Teichtal mit von der Partie. Auch er lehnte eine Besiedlung Israels vor der Ankunft des Meschiach vehement ab.

Als jedoch der Holocaust der Deutschen begann, änderte Rabbi Yissachar seine Meinung gewaltig. Im Jahre 1943 schrieb er sein berühmtes Buch "Ein HaBanim Smeicha", in welchem er zugab, sich geirrt zu haben. Die Juden sollten aufgrund ihrer Leiden das Land Israel wieder besiedeln. Hierfür gibt der Rabbi mehrere Punkte an, welche anti - zionistischen Thesen als nicht mehr gültig erklären. Gerade der Holocaust gebe den Juden das recht, ihr eigenes Land wieder zubesiedeln.

In diesen Tagen begehen wir die Yahrzeit (Todesgedenktag) des Rabbiner Yissachar Shlomo Teichtal. Er kam auf einem Transport vom Vernichtungslager Auschwitz in das Lager Mauthausen um. Am 10. Shevat 1945 verstarb er in dem Bahntransport.

Dienstag, 8. Januar 2008

Die chassidische Reaktion auf den Holocaust

B"H

Da sich der 27. Januar nähert und dieser in Deutschland als Holocaust - Gedenktag begangen wird, veröffentliche ich vorab einen diesbezüglichen Artikel, welchen ich im vergangenen Jahr verfasste.

In diesem Jahr werde ich einen neuen Artikel zu dem Thema vorbereiten, den ich wenige Tage vor dem 27. Januar in den Blog stellen werde. Auch in dem neuen Artikel wird es wieder um die Chassidim und den Holocaust gehen.



Allgemein: Chassidim sind ultra - orthodoxe Juden, die der Lehre des Baal Shem Tov (Besht) folgen.


Viele Bücher wurden über die Reaktion der Juden auf den Holocaust (hebrä. Shoah) geschrieben, doch gibt es nur ganz wenige Publikationen über die Reaktion der Chassidim.

Mein Beitrag zu diesem Thema stützt sich überwiegend auf eine Publikation von Pesach Schindler (Leiter einer konservativen Yeshiva und Holocaust - Experte).


Tausende Chassidim sind im Holocaust umgekommen und fast ganze Dynastien wie Gur, Belz oder Bobov wurden vernichtet. Erst Jahrzehnte nach dem Krieg "erholten" sich chassidische Gruppen von den Verlusten ganzer Gemeinden und Generationen und formierten sich neu.

Die Mehrheit der Chassidim nahm die Verfolgung und den Holocaust als G - ttesurteil auf. Niemand hat das Recht, G - ttes Urteile und Handlungen in Frage zu stellen. Alle Antworten bekommen wir vom Meschiach. Außerdem ist Leiden eine Einleitung für das Kommen des Meschiach (hierzu gibt es unterschiedliche Interpretationen).

Der Grodzisker Rebbe, Rabbi Yisrael Shapira, sagte noch in Treblinka: Wir sollen G - ttes Handlungen nicht anzweifeln.

Solcherlei Meinungen basieren auf einem sehr komplizierten chassidischen Konzept: Selbst das Böse hat seine Wurzeln im Guten. Dadurch, dass die Thora und Mitzwot(Gebote) in den schlimmsten Zeiten eingehalten werden, bringen wir den Meschiach näher. Chassidim hielten auch weiterhin an der Idee fest, G - tt mit totaler Selbstaufgabe zu dienen. Die Diaspora (Galut) sei nun einmal eine Tragödie.

Aber es gab auch andere Stimmen. Viele Chassidim formierten sich in
Partisanengruppen. Der Belzer Rebbe verlangte von seinen Chassidim Europa zu verlassen. So auch der Komarner Rebbe.
Zwanzig Chassidim des Ostrower Rebben wollten sich opfern, um ihrem Rebben das Leben zu retten, doch die Nazis erschossen alle Zwanzig und den Rebben.

Chassidim weigerten sich, soweit möglich, ihre Kleidung auszutauschen und die Bärte abzurasieren. Chassidische Admorim (Rebbes) liessen ihre Anhänger nicht allein und gingen mit ihnen in den Tod. Noch in Auschwitz gab es Gebets - Service und in Birkenau wurden sogar illegal Mazzot gebacken.

Einige chassidische Rebbes stellten G - ttes Handlungen dennoch in Frage. Ob G - tt nicht seine eigenen Gebote missachte.
Rabbi Aharon Rokeach (Belz) wurde gefragt, ob man nicht ein g - ttliches Einschreiten arrangieren sollte.
Seine Antwort: Nein, alles sei ein G - ttesurteil.

Es gibt mehrere Berichte und ich selbst habe dies von jemandem gehört: In Auschwitz haben viele Gefangene einmal die Kabbalisten gefragt, ob man nicht kabbalistische Flüche gegen die Deutschen aussprechen solle. Man fragte sogar G - tt selbst um Rat. Doch eine "Bat Kol" (das Echo einer himmlischen Stimme, siehe Talmud Traktate Yoma 9b und Eruvin 13b) sagte NEIN.

Antworten auf den Holocaust gibt es keine. Auch keine Religiösen. Wie heisst es doch ? Wir erfahren alle Geheimnisse nach unserem Tod oder dem Eintreffen des Meschiach. Für die Chassidim ist das Leiden vor dessen Eintreffen nicht vorüber. Alle, auch wir, sehen den Krieg Gog und Magog vor dem Meschiach. Doch der letzte Lubawitscher Rebbe, Menachem Mendel Schneerson, vertrat einen anderen Standpunkt:
Der Zweite Weltkrieg sei schon Gog und Magog gewesen und nun sei der Weg frei für Meschiach.

Eines aber ist gewiß: Deutsche insgesamt haben auch heute noch einen schweren Stand bei den Chassidim. Ich kenne einen Gerer Chassid (gebürtig aus Polen), welcher seine gesamte Familie verlor. Er heisst Shalom Mark und schrieb ein Booklet über seine Erlebnisse in verschiedenen Konzentrationslagern. Der Titel seines Booklets: "Choose Life".
Auch bei Shalom Mark finden Deutsche keine Vergebung. Aber nicht nur die Chassidim verhalten sich so; auch die Nationalreligiösen haben ähnliche Meinungen. Oder wurde Angela Merkel schon einmal vom Gerer Rebben, Rabbi Yaakov Aryeh Alter, oder von Rabbi Mordechai Eliyahu eingeladen ?

Tatsache ist, dass 99% der Chassidim Deutschland meiden. Selbst bei den dort ansässigen Chabadnikkim bleibt immer ein bitterer Nachgeschmack. Ein sephardischer Chassid meinte zu mir, dass Angela Merkel zwar sehr israelfreundlich sei, doch es für Deutschland insgesamt keine Vergebung gebe.

Was vielen Israelis immer noch missfällt, ist das Hören der deutschen Sprache. Eine nationalreligiöse Frau sagte, dass sie zwar keine deutschen Produkte aus dem Haushalt verbanne, wie ihre Mutter. Doch sehe sie im deutschen Charakter immer eine Kultur, die von sich meint, besser zu sein als andere Kulturen.

In anderen Worten: Mit Kranzniederlegungen ist es nicht getan. Deutschland muss auch in der Zukunft weiterhin beweisen, dass es den Antisemitismus bekämpft und ein demokratisches Land bleibt.