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Freitag, 16. Oktober 2009

"Hakafot Schniyiot" in Dushinsky



In der Mitte: Der Dushinsky Rebbe

B"H

In Israel begann Simchat Torah (der letzte Tag von Sukkot) am vergangenen Freitag abend. Sollte jemand am Erev Simchat Thora jemals in Jerusalem sein, macht nicht den Fehler und geht zur Klagemauer (Kotel) und erwartet doch riesige Feiern. Da ist allgemein tote Hose, denn die wahren Feiern finden in der Neustadt statt. Insbesondere in Mea Shearim.

Am vergangenen Freitag abend ging ich aus dem Grunde in chassidische Gefilde, nämlich zur Chassidut Dushinsky. Ich kenne dort Leute und wurde eingeladen, zur Synagoge zu kommen.
Schon eine ganze Weile war ich nicht mehr beim Tisch des Dushinsky Rebben gewesen und oft hat man es als weibliches Wesen dort eh nicht einfach. Es kann passieren, dass der Rebbe einen chassidischen Tisch gibt, doch der Zugang für die Frauen verschlossen bleibt.
Bei Dushinsky muss man mehrere Male probieren und am Ball bleiben.

Als ich zu den Hakafot (Tanz mit der Thorarolle an Simchat Thora) eintraf, war die Synagoge schon übervoll. Auf der Frauenseite drängte sich alles eng zusammen, denn jede wollte einen Blick hinunter zu den tanzenden Chassidim erhaschen. Hunderte Chassidim tanzten im Kreis und mindestens 15 Thorarollen wurden hochgehalten bzw. mit ihnen getanzt. Der Dushinsky Rebbe sah dem Treiben von seinem Stuhl zu. Die gesamte Atmosphäre erreichte Mystisches, denn die Männerseite war fast dunkel und nur die Lichter aus dem Aron HaKodesh (Thoraschrein) brannten. Dushinsky hat einen massiv schönen Thoraschrein mit kleinen eingebauten Lichtern.

Die Dushinsky Frauen sind recht seltsam, denn stets geben sie sich äußerst distanziert Fremden gegenüber. Wer eine Frage hat, kann diese stellen bekommt eine kurze Antwort und mehr nicht.
Die Leute, die ich in Dushinksky kenne, sind aus etwas anderem Holz geschnitzt, doch muss man sie einige Zeit kennen, um diesen Eindruck zu erhalten. Ansonsten sind die Frauen der Chassidut Dushinsky sehr reserviert und man verschweigt dieses Verhalten auch nicht.

Mittwoch, 2. September 2009

"Mesibat Chumash" in Chassidut Dushinsky

B"H

Die "Talmud Torah" Jungenschule der Chassidut Dushinsky feierte eine "Mesibat Chumash" (Thora Feier) in ihrer Jerusalemer Synagoge (7. Elul 5769).



Die Synagoge der Chassidut Dushinsky in Jerusalem.


Links: Der Dushinsky Rebbe Yosef Zvi Dushinsky. Rechts: Der "zweite Mann" in Dushinsky: Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann.



Alle Photos gibt es hier zu sehen:

http://ladaat.net/gallery.php?catid=185#ancor

Mittwoch, 27. Mai 2009

Dushinsky Rebbe in Melbourne

B"H

Rebbe Yosef Zvi Dushinsky besucht Melbourne. Ich nehme an, dass der Rebbe nach Australien reiste, um Spendengelder für seine Gruppe sowie dessen Mosdot (Institute) einzu
sammeln. Chassidische Gruppen hängen weitgehend von Spendengelder ab und jene antizionistischen Gruppen, wie Dushinsky, ganz besonders, da sie kein Geld vom Staat Israel annehmen !

Chassidut Dushinsky ist außerhalb der chassidischen Welt recht unbekannt. Es ist eine kleinere Gruppe, die erst vor ca. 70 Jahren gegründet worden ist. Ferner ist Dushinsky eine der ganz wenigen chassidischen Gruppen, welche nach dem Familiennamen des Gründers benannt wurden und nicht nach dem Ort, an dem der Gründer Rebbe war.

Chassidut Dushinsky ist Mitglied der antizionistischen Vereinigung "Edah HaCharedit" in Mea Shearim und ihre Hauptsynagoge befindet sich in Jerusalems Shmuel Hanavi Street.


Zweiter von rechts: Der Dushinsky Rebbe Yosef Zvi Dushinsky



Sonntag, 9. November 2008

Die Peyes (Schläfenlocken) klemmen in der Tür

B"H

"Peyes (die Schläfenlocken ultra - orthodoxer Juden) stören nur", sagte ein mir gegenüber sitzender Soldat zu seinem Kollegen.
Ich überhörte das eher belustigende Gespräch auf meiner Fahrt nach Jerusalem heute morgen.
"Und wieso sollen die jetzt stören ?" fragte der zweite Soldat zurück.
"Naja, die langen Peyes können halt überall hängenbleiben und so. Man schlägt eine Tür zu und arrgghhh".

Persönlich habe ich noch keinen Haredi erlebt, dessen Schläfenlocken irgendwo hängengeblieben sind; auch nicht in Türen, Maschinen, Autos oder sonst irgendwo.

Die beiden israelischen Soldaten waren amerikanischer Herkunft und ich schätze einmal säkuler. Denn täten sie sich mit der Materie näher auseinandersetzen, naja, vielleicht kämen dann andere Kommentare heraus.

Allgemein aber geraten besonders orthodoxe Juden ihrer Kleidung wegen immer wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Im Hochsommer mit Pelzmütze (der chassidische Streimel) herumlaufen, Das halte ja keiner aus und da würden bestimmt alle nach Schweiß stinken. Und dann noch der lange Kaftan und so. Wie halte man das nur aus ?

Aber nirgendwo wird soviel Wert auf die Tradition gelegt, wie in der chassidischen Gesellschaft. Und was vor 50 Jahren, 100 Jahren oder 250 Jahren gut war, das kann jetzt nicht schlecht sein. Viele chassidische Gruppen richten sich nach dem "Chatam Sofer" (Rabbi Moshe Sofer, (1762 - 1839), geboren in Frankfurt / Main, verstorben in Bratislava).

Dies trifft besonders auf die kleinere chassidische Gruppe, die "Chassidut Dushinsky" zu. Bei Dushinsky läuft alles nach dem Chatam Sofer ab und nichts wird verändert. Der Chatam Sofer selber führte seinerzeit einen leidenschaftlichen Krieg gegen die neuaufkommenden Reformbewegung. Die Thora verbietet und Veränderungen, doch die Anhänger des Chatam Sofer weiteten seine Definierung auch auf andere Lebenslagen aus.

Als ich neulich bei einer Frau der Dushinsky - Gruppe eingeladen war, so sagte mir diese, dass schon ihre Mutter auf all die alten Traditionen schwörte, Nicht nur in Bezug auf die superanständige Kleidung, aber auch auf das Verhalten der Kinder und den Haarstil der verheirateten haredischen / chassidischen Frau.

"Natürlich könnten meine Kinder theoretisch ihren Stil ändern, aber ich habe meine Töchter so erzogen, dass dies bei ihnen nicht in Frage kommt", so die besagte Dame.

Bedeuteten derlei Ansichten und Einstellungen eine Angst vor dem Neuem und dem damit eventuell verbundenen Wechsel einer Zeitepoche. Müßte sich die ultra - orthod. Gesellschaft so auf einen Umbruch gefasst machen ?

Ich denke NEIN, denn zu tief ist alles ineinander verwurzelt. Es müssten sich schon Hunderte gemeinsam auflehnen, um etwas zu erreichen. Aber dazu ist kaum jemand bereit, denn es drohen fatale Konsequenzen wie die Ausgrenzung. Und wer will das schon gerne auf sich nehmen ?

Die Kleidung der Haredim, insbesondere der Chassidim, unterscheidet sich ofmals von Gruppe zu Gruppe. Die Ungarn , Rumänen oder Ukrainer tragen einen anderen Stil als die Polen oder Lithauer. Ich werde einmal einiges an Material zusammensuchen. Auch deswegen, weil ich ungewöhnlich viele Hits auf die Artikel bezüglich der haredischen Frau bekomme.

Aber keine Sorge, am Türpfosten ist noch keiner hängengeblieben !!!

Donnerstag, 6. November 2008

Chassidische Simchat Thora Photos

B"H

Simchat Thora ist der letzte Tag von Sukkot, dem Laubhüttenfest, welches wir im Oktober begingen.

Hier ein paar chassidische Photos aus Jerusalem:



Simchat Thora in Chassidut Belz.
Rechts: Der Belzer Rebbe Yissachar Dov Rokeach




Belzer Chassidim am Simchat Thora



Simchat Thora Feiern in Chassidut Dushinsky in Jerusalem



Chassidut Dushinsky in Jerusalem


Der Dushinsky Rebbe





Simchat Thora in Chassidut Zhvil





Simchat Thora bei den Toldot Avraham Yitzchak (einer Abspaltung der Toldot Aharon)





Simchat Thora bei den Shomrei Emunim (einer weiteren Abspaltung der Toldot Aharon).





Simchat Thora in Pinsk - Karlin


Sämtliche Photos können hier eingesehen werden:
http://www.bhol.co.il/forum/topic.asp?topic_id=2502526&forum_id=20293

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Sonntag, 5. Oktober 2008

Zutritt nur für Männer !

B"H

Schabbat Teshuva. Der Schabbat zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur.

Am letzten Freitag abend (Erev Shabbat) hegte ich eine gewisse Hoffnung in Mea Shearim auf verschiedene chassidische Tische zu stoßen. Nachdem ein etwas daneben geratener Typ bei Rabbi Mordechai Machlis mit einer zischenden Colaflasche um sich spritzte, hielt der Rabbi eine lange Rede darüber, dass wir bei der Beurteilung von Menschen immer erst ein gewisses Quentchen Zweifel anbringen sollen. Es sollen keine voreiligen Vorurteile entstehen und bevor wir nicht die Hintergründe für eine Handlung kennen, sollten wir von generellen Statements versuchen Abstand zu nehmen. Und das nicht nur vor dem dieswöchigen Yom Kippur.

Nach den Machlises ging ich mit einer Freundin an der Toldot Aharon Synagoge vorbei. Nun fragen sich vielleicht Einige: "Warum immer ausgerechnet bei den Toldot Aharon und nicht einmal bei Belz, Dushinsky, dem Steipler oder Bialer Rebben ? " Meine Antwort darauf ist einfach: "Ich liebe die Toldot Aharon und es sind gerade sie, die ich meist zuerst passiere. Und viele Male gehe ich halt hinein und komme kaum mehr heraus".

Aus der Synagoge drangen Gesänge und es war offensichtlich, dass ein Tisch mit dem Rebben David Kahn im Gange war. Allerdings waren keinerlei Frauen in Sicht, bis auf eine, die ich schon längere Zeit kenne und oft mit ihr rede. Sie stand mit ihrer Tochter im Teenageralter mitten auf der Straße und sie grinste schon als sie mich kommen sah. "Nein, der Tisch sei heute nur für Männer, denn die Frauenempore (Ezrat Nashim) stehe voll Holzbänke für den nahenden Yom Kippur am Mittwoch abend.



Toldot Aharon Frauen mit ihren traditionellen Kopfbedeckungen


Wenn ich keine Informationen verbergen täte, dann garantiert nicht vor dieser Frau. Nicht, dass ich irgendetwas verberge, doch weiß man bei den Toldot Aharon immer noch nicht, dass ich über sie schreibe. Obwohl, vielleicht wissen sie es ja längst, wer weiß.

Einmal traf ich besagte Frau im Stadtteil Nachlaot, gegenüber vom Machane Yehudah Markt. Ich befand mich auf dem Weg zum Waschsalon und begegnete ihr völlig unerwartet. Niemals hätte ich überhaupt jemanden von den Toldot Aharon dort erwartet. In Shilo Street - wer denkt schon daran. Und dann stand ich ihr plötzlich in Hosen gegenüber und ein Entkommen in die Büsche oder so kam nicht in Frage. Sie grinste mich an und sagte HALLO. Ich stand etwas verdattert da und war froh, dass sie so offen reagierte, denn ich bin nicht der Typ, der nur in langen Röcken herumläuft.

Wenige Wochen später traf ich sie beim Tisch des Rebben und wir kamen erneut ins Gespräch, wobei wir jedoch unterbrochen worden sind. Letzten Freitag abend dann traf ich sie mit ihrer Tochter und es begann sofort eine Diskussion. Eigentlich wollten meine Freundin und ich weiter zu den Slonim, doch die Frau brach in einen Redeschwall aus. Und die Tochter stand dem nicht nach.

Wir redeten über die Gruppe und kamen auf das Thema "Neureligiöse - Baalei Teshuva (Juden, die erst im späteren Verlauf ihres Lebens relig. werden) zu sprechen. Komischerweise sind geborene Haredim (Ultra - Orthodo.) ständig der Meinung, dass ich in ein festes relig. Programm gehöre. Nur so könne man letztendlich ausschließlich relig. leben und nicht hier oder dort einmal vorbeischauen. Etwas Festes muß her, sonst sei das ja alles nichts Halbes und nicht Ganzes.

Als ich ihr gestand, dass ich in der Zwischenzeit ziemlich individualitisch geworden bin und mich nicht unbedingt einem Programm unterordnen will, konnte sie meine Worte kaum glauben. Ich erzählte ihr, dass ich einmal selbst in der haredischen Gesellschaft aber, aber irgendwann "Ade" sagte. Obwohl ich die haredische Mentalität sowie Ideologie sehr schätze, bin ich doch nie wieder ein fester Bestandteil der Gesellschaft geworden. Eher mehr modern - orthodox und außerdem trage ich Hosen.

Die Frau listete mir einige Programme auf, denn sie wollte mich irgendwo unterbringen. Woraufhin ich sie fragte, ob denn die Toldot Aharon Newcomer aufnehmen. Leute von außerhalb halt.

Nicht auf mich sei das bezogen. Keinesfalls, doch fragte ich allgemein.

Man zeige sich generell bei den Toldot Aharon nicht allzu begeistert über Neueinsteiger in die Gruppe. Wer von denen sei schon in der Lage, dass recht extreme Leben der Gruppe und deren Gesetze einzuhalten ?

"Für Baalei Teshuva brauche man immer extra Schulen oder Kurse, meinte die Frau. Nicht nur wegen der Religion, sondern weil sie eben das A und O der Gruppe nicht kennen". Sie zeigte sich erstaunt als ich gestand, dass meiner Meinung nach Leute chassidisch geboren werden sollten, denn ansonsten sehe ich sie nicht als richtigen Bestandteil einer Gruppe. Manche mögen sagen, dass sie es im Laufe der Zeit werden, doch glaube ich das nur bedingt. Es ist immer etwas anderes wenn jemand in eine chassidische Gruppe hineingeboren wird, und dessen Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, usw. Mitglieder der Gruppe waren.

Sie war überrascht, diese Ansicht gerade von mir zu hören, da ich ihr zuvor von der Moderne berichtete. Andererseits stimmte sie mir voll und ganz zu und bestätigte die Punkte, welche ein Boyaner Chassid einmal bei mir angab. Die Mehrheit derjenigen, welche Mitglied einer chassidischen Gruppe werden wollen, kämen mit den falschen Erwartungen und entweder die Gruppe oder der Betroffene könnte schnell enttäuscht werden.

Beim nächsten Tisch der Toldot Aharon werden wir sicher unser Gespräch fortsetzen.

Auf ging es zu den Slonim, doch auf dort war alles nur auf die Männer ausgerichtet. Das Wetter war warm und so spazierten wir durch den Mart von Mea Shearim und überlegten einen Ganz zur Chassidut Kretchnif. Aber es kam die große Müdigkeit auf und wir machten uns auf den Heimweg. Viele Leute suchten an dem Abend nach Tischen, doch allzu viel war nicht im Angebot.

Am nächsten Mittag gingen wir gerade die Yechezkel Street in Ge'ulah hinunter als wir vor uns einen Pulk Chassidim sahen. Sie umringten einen in der Mitte gehenden Rebben, welcher in einen braunen Kaftan gekleidet war und weiße Socken trug, in welche der untere Teil seiner Kniebundhose überging. Ich machte einen Witz und sagte, dass man jetzt einen PC haben müsse, um den anmarschierenden Rebben zu identifizieren.

Der Pulk bewegte sich aus Richtung der Sadigura Synagoge auf uns zu und dann erkannte ich den Rebben sogar ohne PC. Besser gesagt einen seiner Chassidim. Der Kretchnifer Rebbe aus Jerusalem lief genau an uns vorüber und wir freuten uns, ihn wieder munter herumlaufen zu sehen. Vor drei oder vier Monaten war er in einen Autounfall verwickelt, bei dem er sich die Schulter brach. Das war auch der Grund, warum wir solange nicht bei Kretchnifer Tisch waren, denn wegen der Krankheit des Rebben fand keiner statt. Der Kretchnifer Rebbe redete mit seinen Chassidim und alle lauschten gebannt. Er scheint wieder bei bester Gesundheit zu sein und an Sukkot wird sicher bei ihm etwas geboten werden.

Ob Ihr es glaubt oder nicht, nach dem Anblick des Rebben fühlte ich mich super. Der einzige Rebbe, dem ich einmal so nahe kam, war der Rebbe der Chassidut Nadvorna in Bnei Brak.

Sonntag, 25. Mai 2008

Se'udat Shlishit

B"H

Seltsamerweise nimmt auch das Essen in der Chassidut einen breiten Raum ein. Aber was heißt da "seltsamerweise", denn immerhin hat ist die Chassidut sehr mit der Kabbalah verknüpft und gerade dort spielt das Essen eine immense Rolle. Anhand des Essens unternimmt jeder Jude diverse "Tikunim - Seelenreparaturen". Wie das ?

Der Arizal, Rabbi Yitzchak Luria, beschreibt in seinem Buch "Shaar HaGilgulim", wie es geschehen kann, dass Seelen in Tieren reinkarniert werden können. Anhand der Segen, welche wir vor und nach dem Essen sagen, sind wir in der Lage, diese Seelen aus ihrer Lage zu befreien und ihnen so zu einem höheren Level (ihres Tikun - Reparatur) zu verhelfen.

Aber um solche hoch kabbalistische Theorien geht es in diesem Artikel eigentlich nicht. Vielmehr ist mein Thema das "Se'udat Shlishit - Die traditionelle dritte Mahlzeit am Schabbat".

Die erste Mahlzeit nehmen wir nach dem Kiddusch (Segnung des Weines) am Erev Schabbat (Freitag abend) zu uns. Die zweite folgt nach dem Synagogengang am Schabbat (Mittagessen am Samstag) und die dritte Mahlzeit erfolgt kurz vor Schabbatausklang. Oder in präziseren Worten ausgedrückt: Das Se'udat Shlishit wird zwischen Mincha (Nachmittagsgebet) und dem Maariv (Abendgebet) gegessen.

Viele chassidische Rebben und auch die Rebbitzens nehmen die dritte Schabbatmahlzeit (Se'udat Shlishit) zusammen mit ihren Anhängern ein. Zum Beispiel veranstaltet die chassidische Gruppe Dushinsky in Jerusalem solch ein gemeinsames Essen. Ob dazu Frauen zugelassen sind, habe ich noch nicht getestet. Dafür erzählte mir jemand, dass die Rebbitzen des Toldot Aharon Rebben ein Se'udat Shlishit für die Toldot Aharon - Frauen gibt. Gerne würde ich einmal daran teilnehmen, habe mich jedoch noch nicht eingehend erkundigt. Was ich zu meiner Schande eingestehen muß.

Natürlich spielen bei dem Essen mit dem Rebben auch wieder die "Schirayim" eine überwiegende Rolle. Der Rebbe sagt den Segen über das Brot und verteilt dann kleine Stückchen an seine Chassidim. Und genau hier kommen wir wieder zum großen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria und seiner Theorie in der Lurianischen Kabbalah zurück, dass ausgerechnet der Rebbe als Zaddik (Gerechter) die Kraft besitzt, solche reinkarnierten Seelen zu befreien bzw. die bei der Erschaffung der Welt herabgefallenen Netzizot (Funken) anhand seines Segens an ihren Ursprung zurückzuführen.

Begleitet wird das Se'udat Shlishit von verschiedenen Niggunim (Melodien und Liedern). Die Musik spielt in der Chassidut eine ebenso wichtige Rolle, denn durch sie erreicht man eine direkte Verbindung zu G - tt. Und auch aus diesem Grund singen viele Religiöse ihre Tehillim (Psalmen) oder Gebete. Des Weiteren ist bei in vielen chassidischen Gruppen üblich, dass die Chassidim den Psalm 23 vortragen und der Rebbe antwortet mit Psalm 21.

Ebenso besteht im Judentum das Konzept, dass ein Jude am Schabbat eine zusätzliche Seele bekommt und diese am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) den Körper wieder verläßt. Durch das Verlassen geht uns eine gehörige Portion spirituelle Kraft verloren und wir müssen bis zum nächsten Schabbat warten, dass wir sie zurückerhalten.

Die Mischna (mündl. Gesetzesüberlieferung G - ttes an Moshe auf dem Berg Sinai) sowie die anschließende Gemara (rabbinische Diskussionen) lehren uns im Talmud Traktat Schabbat 117b, dass wir am Schabbat mindestens drei Mahlzeien zu uns nehmen müssen (siehe oben). In Schabbat 118a heißt es, dass jeder, der die Mitzwah, drei Mahlzeiten am Schabbat zu essen erfüllt, wird von drei Katastrophen verschont:

1. Von den Repressalien, welche dem Kommen des Meschiach vorausgehen.

2. Vom Gericht im Gehinnom (vom strengen Gericht der Seele).

3. Vom Krieg zwischen Gog und Magog (Yechezkiel 38 - 39).


In Jerusalem hat das Se'udat Shlishit immer eine ganz besondere Bedeutung für mich. Meistens gehe ich zu Rabbi Mordechai Machlis, wo wir mit mindestens zwanzig weiteren Teilnehmern samt seiner Family zusammensitzen. Serviert werden die Reste des Mittagessen, aber genauso frisch zubereitete Leckereien. Außerdem hält der Rabbi eine Rede und es werden ebenso Lieder gesungen. Im Anschluß findet das Maariv (Abendgebet) statt und danach die Havdalah (Trennungszeremonie des Schabbats von der neu beginnenden Woche).

Auf dem Heimweg herrscht eine komische Stimmung. Da ist man noch in der Schabbatkleidung und innerlich im Schabbat versunken; andererseits kehrt jedoch schon wieder der Alltag ein und die Geschäfte öffenen und der Busverkehr beginnt.

Dienstag, 11. März 2008

Chassidischer Tisch Guide Teil 2 - Chassidut Dushinsky

B"H

Wer die chassidische Gruppe Dushinsky weniger oder gar nicht kennt, steht nicht allein. Die Mehrheit der Israelis hat noch niemals von Dushinsky gehört.

In der chassidischen Welt dagegen ist der Name "Dushinsky" bekannt. Vielleicht weniger bei so manchem Chassid, welcher einer Gruppe der Agudat Israel (Vishnitz, Belz oder Gur) angehört. Dafür umso mehr bei anderen Chassidim. Besonders natürlich jenen Gruppen, die der anti - zionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" angehören.
Beispiel: Satmar, Toldot Aharon, Avraham Yitzchak oder Spinka. Und selbstverständlich spielen auch die Chassidim von Dushinsky eine wichtige Rolle in der Edah. Wichtigster Dushinsky - Vertreter bei der Edah HaCharedit ist derzeit Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann (Mitglied im Beit Din Zedek der Edah).

Sitzend in der Mitte mit weissem Schal: Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann



Die Dushinsky - Gruppe ist relativ neu und ist mit die einzige chassidische Gruppe überhaupt, welche nach einem Familiennamen benannt worden ist und nicht nach dem Herkunftsort (Shtetl). Des Weiteren verfügt Dushinsky, wie unter anderem auch die Toldot Aharon Chassidim, über keine direkte Baal Shem Tov - Linie. Heißt, dass die Vorfahren nie direkt mit einem Schüler des Baal Shem Tov oder einem Schüler des Schüler des Baal Shem Tov lernten.

Die Gruppe wurde erst vor ca. 70 Jahren von Rabbi Yosef Zvi Dushinsky gegründet. Sie ist extrem anti - zionistisch und der Gründer sprach im Jahre 1948 höchstpersönlich bei der UNO vor, um diese von der Zustimmung der Gründung eines Staates Israel abzubringen.

Details zum Anti - Zionismus:

Auf Deutsch:
http://chassidicstories.blogspot.com/2008/01/der-talmudisch-begrndete-antizionismus.html

Auf Englisch: http://shearim.blogspot.com/2007/12/talmudic-reason-for-anti-zionism.html


http://www.jewsagainstzionism.com/rabbi_quotes/dushinsky.cfm

Anti - zionistisch oder nicht, der chassidische Tisch bei Dushinsky ist begehrt. Vor allem von anderen chassidischen Gruppen der Edah. Da Dushinksky im allgemeinen weniger bekannt ist, verirren sich nicht allzu viele Fremde wie Nationalrelig. oder litvische Juden zum Tisch. Man sieht sie schon, aber die Anzahl hält sich in Maßen.

Während der Wintermonate beginnt der chassidische Tisch mit dem Rebben Yosef Zvi Dushinsky (nicht der, der zur UNO fuhr) gegen 22.00 Uhr. In den Sommermonaten hingegen um 23.00 Uhr (am Erev Schabbat).

Der Tisch ist verhältnismässig klein, aber gut besucht. Mindestens 200 Chassidim dürften schon anwesend sein. Falls nicht mehr. Die Atmosphäre ist ein wesentlich familiärer als, zum Beispiel, bei der riesigen Gruppe Belz. Bei Dushinsky ist alles übersichtlich gehalten und ein persönlicher Rebbe - Kontakt ist möglich.

Rebbe Yosef Zvi Dushinsky ißt keine Mahlzeit, sondern hält eine Derascha (relig. Rede zum Schabbat) oder stimmt Lieder (Niggunim) an.

Der derzeitige Rebbe, Rabbi Yosef Zvi Dushinsky.



Nicht selten kommt es vor, dass ein hoher Rabbi der Edah HaCharedit präsent ist und ebenso eine Derascha gibt.

Der Dushinsky - Komplex schaut von außen etwas vernachlässigt aus. Die gleich anschließende neue Synagoge macht jedoch den Eindruck etwas wett. Solange man sich aber im alten Gebäude befindet, bleibt der alte Eindruck bestehen. Zwar ist alles im alten Bereich wirklich alt, aber sauber.

Der Tisch dauert ca. zwei Stunden.
Am Ende des Tisches tanzt der Rebbe dreimal mit einigen seiner Chassidim um den langen Tisch und verabschiedete dann alle männlichen Besucher persönlich. Ein Brauch, der mir sehr gut gefällt und allem einen wirklich persönlichen Touch gibt. Bei Dushinsky gibt es keine Massenabfertigung.

Männer und Frauen haben separate Eingänge, wobei der Fraueneingang recht schwer zu finden ist. Es befinden sich zwar Schilder mit Pfeilen am Gebäude, doch ist nicht immer ganz klar, wo die Pfeile hinzeigen. Und mit dem Nachfragen ist es oft schlecht bestellt, denn man darf die Dushinsky - Männer nicht ansprechen. Können schon, nur bekommt man als Frau kaum eine Antwort.

Der Eingang für die Frauen befindet sich auf der Rückseite des alten Gebäudekomplexes. Man wende sich nach rechts, am Zaunende links gibt es einen Hofeingang. Einfach geradeaus durchgehen, dann wieder links geradeaus bis zur Eingangstür. Das Treppenhaus bis zum letzten Stockwerk erklimmen.

Die Dushinsky - Frauen nehmen sehr wohl am Tisch des Rebben teil, nur sind die Stehplätze hinter der Mechitzah (Trennwand) äußerst rar. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Mechitzah ist gut durchschaubar und wer einen guten Platz findet, der kann alles überblicken.

Die Dushinsky - Frauen sind anfangs sehr reserviert, doch wer regelmässig kommt, kann Kontakte knüpfen. Allerdings muß man sich diesbezüglich schon anstrengen. Wer dagegen Fragen stellt, bekommt sofort eine Antwort.

Auf alle Fälle sollte man als Frau nicht verpassen, sich die neue Synagoge anzuschauen. Ich sage hier "als Frau", denn von der Frauenempore beim Tisch hat man gegenüber der Tischmechitzah die beste Aussicht auf die neue Synagoge im Erdgeschoß. Die Tischempore dient zugleich auch als Frauenempore für die Synagogengebete.

Auf mich macht Rebbe Yosef Zvi Dushinsky den Eindruck, dass ihm ein persönliches Verhältnis zu seinen Chassidim wichtig ist. Er ist eine Respektperson, was man ihm ansieht.

Man mag mit den Dushinsky - Konzepten übereinstimmen oder nicht; ein Tischbesuch ist jedoch höchst empfehlenswert.
Egal, ob Männlein oder Weiblein.

Location: Shmuel HaNavi Street in Jerusalem