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Sonntag, 13. September 2009

Selichot Gebete in der Chassidut Sadigura

B"H

Gestern abend begannen die Selichot Gebete der aschkenazischen Juden vor Rosh HaShana. Hier zwei Photos aus der Chassidut Sadigura in Bnei Brak bei den Selichot.




Photos: Chadrei HaCharedim

Donnerstag, 3. September 2009

Diese Woche in der chassidischen Welt

B"H

Diese Woche in der chassidischen Welt ! Wenn jemand weitere Infos hat, kann er dies gerne kundtun.



Sheva Berachot (7 Tage Segen nach der Hochzeit) in BELZ



DerToldot Aharon Rebbe


Der Sadigura Rebbe



Verlobungsfeier in der chassidischen Gruppe Vishnitz


Einer der Vishnitzer Rebben aus Bnei Brak: Rabbi Israel Hager besucht Ashdod.

Der Gerrer (Gur) Rebbe


Der Sohn des Bialer Rebbe (Bnei Brak) heiratete.



Alle Photos gibt es hier:

http://www.bhol.co.il/news_read.asp?id=11910&cat_id=2

Montag, 6. Oktober 2008

Rabbi Israel Friedman von Ruzhin

B"H

Eine der Stories, die sich um den ersten Rebben sowie Begründer der Chassidut Ruzhin (Rizhin in Jiddisch) ranken, hat Weltberühmtheit erlangt und immer wieder wird sie gerne erzählt. Und das nicht nur von Chassidim.

Ich denke, dass uns die Story so einiges verdeutlicht und auch uns im Leben zum Nachdenken verhilft.



Rabbi Israel Friedman von Ruzhin wurde im Jahre 1797 in Probroddzice nahe Kiew geboren und verstarb 1850. Er war ein direkter Nachkomme des Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman), welcher der Nachfolger des Baal Shem Tov wurde.

Schon im jungen Alter von sechs Jahren verlor er seinen Vater und wuchs somit bei seinem älteren Bruder Avraham auf. Im Alter von 13 Jahren heiratete er Sarah, die Tochter von Rabbi Moshe HaLevi Efrati, dem damaligen Yeshivaleiter von Berditchev.

Als Avraham im Jahre 1813 kinderlos verstarb, erbte Israel dessen ganze Habe. Er ließ sich erst in Squira und danach in Ruzhin nieder, wo er ein Beit Din (rabbinisches Gericht) einrichtete. Rabbi Israel lebte im absoluten Luxus. Er nahm auf einem Thron Platz, trug edele Kleider, welche jener des russischen Hochadels glich. Und sein Hut war sogar aus Gold.

Außerdem lebte er in einem edelen Palast ausgestattet mit türkischen und persischen Teppichen. Seine Kutsche wurde von vier Pferden gezogen und im Hause arbeiteten viele Bedienstete. Doch im Gegensatz zu all dem materiellen Wohlstand, bestand Rebbe Israel auf ein schlichtes Leben. Das aber wiederum stand im Gegensatz zu seinem Reichtum und angehäuften Besitz, welchen er als unvermeidlich ansah. G - tt habe ihn damit schließlich beschenkt und nun sei er, Rebbe Israel, halt gezwungen, damit zu leben.

Unter anderem schlief der Rebbe nur ganz wenige Stunden am Tag. Früh morgens stand er auf und betete meist stundenlang und lernte danach Thora. Während des Gebetes bevorzugte er eine leise Stimme und hielt nicht von einem ausschreienden Gebet. Selbst der große Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch war begeistert von Rebbe Israel. "Das Licht von G - ttes Gegenwart sei in seinen Augen zu sehen", so Rabbi Hirsch nach einem Treffen.

Später wurde Rebbe Israel von Ruzhin 22 Monate lang inhaftiert, denn es wurde vermutet, dass seine Anhänger zwei jüdische Informanten getötet hatten. Im Jahre 1840, einen Tag nach Purim kam er frei und kehrte nach Ruzhin zurück. Die lokale Polizei jedoch gab nicht auf und hielt ihn unter ständiger Beobachtung, bis dem Rebben letztendlich die Flucht nach Rumänien gelang. Nach ewigem Hin und Her kaufte Rebbe Israel Land in Sadigura (nahe dem rumänischen Czernowitz) und die einstige glorreiche Zeit von Ruzhin blühte wieder auf. Auch seine Familie verließ Rußland im Jahre 1842 und zog zu ihm nach Sadigura. An Pessach 1847 verstarb des Rebben erste Frau und er heiratete die Witwe des Rabbi Tzvi Hirsch von Rymanov.

Rebbe Israel von Ruzhin erhielt die türkische Staatsbürgerschaft und ließ sich in seinem Paß als "Bürger Jerusalems" betiteln. Seine sechs Söhne gründeten allesamt chassidische Dynastien wie Sadigura, Chortkov, Bohush, Skver, Husyatin sowie Boyan.

Was ist nun so einzigartig an Rebbe Israel und was machte ihn so berühmt und bewunderswert ?

Bei all seinen teuren Kleidern und allem Reichtum trug er Schuhe ohne Schuhsohlen. Er lief ständig barfuß, denn niemals wollte er arrogant werden. Das Laufen mit blanken Füssen erinnerte ihn immer daran, dass alles vergänglich und er vor G - tt nur ein einfacher Mensch ist.
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Und wie immer kommt auch die kritische Frage auf, ob wir das alles so glauben sollen ? Nicht in Bezug auf die goldenen Schuhe ohne Sohlen, sondern ob ein Rebbe sich einfach solche einen unermeßlichen Reichtum anhäufen kann. Ist es erlaubt, seine Chassidim dermaßen mit Steuern zu plagen, nur um selbst ein Luxusleben führen zu können.

Genau diese Frage stellte ich mir auch als ich das Luxushotel des Toldot Aharoner Rebben in Saalbach / Österreich sah. Wie kann ein Rebbe dort Urlaub machen, während seine Chassidim im Hinterhof von Mea Shearim nicht immer ein finanziell gutgestelltes Leben führen ?

Jemand aus New York gab per e - mail Folgendes zu bedenken:

1. Finanziert der Toldot Aharon Rebbe David Kahn sämtliche Chassidim und sie hängen fast alle von ihm ab. Kein Grund also, ihm Vorwürfe zu machen.

2. Vielleicht trifft der Rebbe andere Reiche im Blumenhotel und diese sind unverhofft bereit, den Toldot Aharon zu spenden.

3. Kann es sein, dass der Rebbe repräsentieren muß ? Was sollen denn andere denken, wenn er in einer Hütte leben täte ?
Zu Punkt 3 kann ich sagen, dass manchmal weniger Luxus einen besseren Eindruck schindet !

Aber wie so oft, muß sich halt jeder von uns seine eigene Meinung darüber bilden.

Sonntag, 27. Juli 2008

Chassidischer Tisch bei Ruzhin - Boyan

B"H

Zuerst dachten wir, dass alles ins Wasser fällt. Das Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis zog sich in die volle Länge und vor lauter Gästen (garantiert 200) ging gar nichts mehr. Seitdem der Rabbi sein Wohnzimmer baulich erweiterte, strömen die Massen am Schabbat nur so herein. Und als dann noch eine jüd. - amerik. Studentengruppe von 42 Leutchen auftauchte, ging fast gar nichts mehr. Wie die Sardinen hingen wir in den Sitzen und selbst der Anbau wurde zu klein. Tür auf und der Rest saß draußen in der riesigen Sukka (Laubhütte), welche das ganze Jahr über aufgebaut hinter dem Haus steht.

In letzter Zeit habe ich eine "Fast - Freundschaft" mit einem Boyaner Chassid geschlossen. Er schrieb mir eine Mail bezüglich meines engl. Blogs und seither versorgt er mich mit sehr hilfreichen Infos. Und er war es dann auch, der mich wissen liess, dass es höchste Zeit sei, einmal über die Ruzhin - Boyaner Chassidim zu berichten und zu deren Tisch mit dem Rebben zu gehen. Gesagt, getan, denn meine Freundin und ich hatten dies schon lange einmal vor. Nur besteht bei einigen chassidischen Gruppen das Problem, dass man oft als Außenstehender nicht weiß, wann genau ein Tisch mit dem Rebben (meistens freitags abends) stattfindet. Manche Gruppen tun dies nur an Feiertagen oder zu bestimmten festlichen Anlässen wie Hochzeiten etc. Dem Boyaner Rebben, Rabbi Nachum Dov Brayer, in Jerusalem war ein Enkel geboren worden und von daher gab es den Tisch. Aber auch, weil es sich um den Schabbat vor Rosh Chodesh (dem Beginn eines neuen jüdischen Monats handelt).

Ruzhin - Boyan ?
Vielleicht ein etwas ungewöhnlicher Name für eine chassidische Gruppe.

Ihren Ursprung hat sie in der Ukraine und der Begründer der Chassidut Ruzhin, Rabbi Israel Friedman (1796 - 1850) war väterlicherseits ein Nachfahre des Rabbi Avraham Mal'ach, welcher wiederum der Sohn des berühmten Maggid von Mezritch, dem Nachfolger des Baal Shem Tov, war. Rabbi Israel hatte einige hatte sechs Söhne, von denen alle ihren eigenen chassidischen Dynastien gründeten. So, u.a., Sadigura und Boyan. Boyan ist also eine sogenannte "Filiale" oder "Abzweigung" von Ruzhin. Wie man es auch immer betrachten mag.

Die große Boyaner Synagoge befindet sich in Ge'ula (Jerusalem) in der Malchei Israel Street und viel wurde mir soweit berichtet. Ja, die Boyaner seien total nett und das hat einen Grund. Anscheinend weil kaum jemand zu ihnen findet und alles nur nach Mea Shearim zu den Tischen stürmt.

Um 23.00 Uhr machten wir uns von den Machlises auf, um zu den Boyanern zu gelangen. Den Fraueneingang der Synagoge, auf der Rückseite des Gebäudes, fanden wir Dank Beschreibung des Chassid, sehr schnell. Die Synagoge selbst ist ein riesiges Gebäude und schon Jahre zuvor fiel mir jedesmal am Sukkot (Laubhüttenfest) die gigantische Sukka auf.

Der Tisch begann gegen 23.30 Uhr und Rebbe Nachum Dov Brayer betratt die im Untergeschoß gelegene Männerseite. Für einen chassidischen Rebben macht er einen recht jungen Eindruck und ich hörte, dass er sowie seine Frau eigentlich Amerikaner seien. Hunderte Chassidim hatten sich versammelt und die Boyaner tragen am Schabbat den traditionellen Streimel (Pelzmütze) sowie lange schwarze Kaftane. Eine ukrainische Chassidut ohne die bunten Kaftane der ungarischen oder rumänischen Gruppen. Stattdessen war alles schlicht und einfach.

Eines jedoch war ganz anders und ein Chassid aus England ließ es mich vorher wissen. "Achte auf den Streimel des Rebben", meinte er in einer e - mail an mich. Und das tat ich dann auch. Der Streimel des Rebben war anders, denn oben in der Mitte ist keine übliche niedrige Rundung zu sehen, sondern stattdessen ein kleiner Spitz, der heraussteht.


Der Boyaner Rebbe, Rabbi Nachum Dov Brayer, in der Mitte mit Buch in der Hand. Man beachte seinen aussergewöhnlichen Streimel (Pelzmütze) !!!!

Überhaupt benahm sich der Boyaner Rebbe während seines ca. zweistündigen Tisches sehr ruhig. Zwischendrin gab er eine Thora - Derascha (eine Rede), von der wir Frauen aufgrund der Mechitzah (Trennwand zu den Männern im Erdgeschoß) kein einziges Wort verstanden.

Was war besonders an den Boyaner Chassidim ?

Dass die Frauen total nett waren und alle Fragen wurden sofort beantworteten. Nun gut, das hatten wir schon bei vielen anderen Gruppen, doch dass jemand von allein auf uns zukam, gab es noch nicht. Eine der Frauen schien eine gewisse Aufsichtsposition auszuüben und diese kam auf uns zu und fragte, wer wir seien. Ich erklärte es ihr, danach begannen wir mit ihr über andere Tische zu reden, wobei ich zugab, im Internet zu schreiben. Sie war weder abgeneigt noch zeigte sie sich beeindruckt. Unser Gespräch verlief einfach ganz normal weiter.

Was mir nicht besonders zusagte waren die Lieder der Chassidim. Etwas langsam, obwohl die Chassidim auf den Rängen dazu hin und her wippten. Keine chassidische Gruppe bei der wir bisher waren, übertraf die tollen Lieder von Belz. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die letzten zwei Lieder der Boyaner hingegen waren dann doch noch etwas vertröstlich.

Der Tisch war sehr gut und ein Besuch lohnt sich wirklich. Was aber besonders gut bei uns ankam war die Freundlichkeit, mit der wir aufgenommen worden sind. Meine Freundin, die mich zu fast jedem der Tisch begleitet, war total hin und weg. Sie wollte am nächsten Morgen in die Boyaner Synagoge geben und ich sollte die Aufsichtsdame fragen, wann der G - ttesdienst am Schabbat beginne. Das tat ich dann auch und bekam ein "Welcome" zu hören. Gegen 8.45 Uhr, recht früh für eine chassidische Gruppe. Fast überall wonaders beginnt der G - ttesdienst erst zwischen 9.30 - 10.00 Uhr.

Leider haben die Boyaner ihren Tisch nur einmal im Monat, doch gleich nach dem Trauer - und Fastentag "Tisha Be' Av" gibt es in Boyan eine große Hochzeit. Der Chassid will mir Details nennen und wenn alles gutgeht, fahren wir dorthin.

Was gibt es noch zu den Boyanern zu sagen ?

Ja, sie haben Takanot (interne Gruppenregeln). Die Mehrheit von ihnen regeln das Verhalten in der Synagoge und was man beim Kiddusch (Segnung des Weines am Schabbat) essen darf. Der Rebbe legt höchsten Wert darauf, dass während des G - ttesdienstes nicht geredet wird. Er selber betet in einem Nebenraum und erscheint nur beim Herausholen bzw. Zurückbringen der Thora in den Aron HaKodesh (Thoraschrein) sowie zum "Birkat HaCohanim - Segen der Cohanim (Tempelpriester)".

Ja, man kann neu in die Gruppe hinzustossen. Dies wird jedoch nicht sonderlich gefördert, denn in der Vergangenheit gab es mit vielen Neuzugängen von außen Probleme.

Ja, eine Frau kann außerhalb der Gruppe arbeiten. Auch mit Computern etc. Dagegen lernen die Frauen keinen Talmud oder höhere jüdische Studien wie den Rambam.

Nein, die Boyaner hören nicht unbedingt Radio, denn dies sei nicht förderlich für irgendwelche relig. Gedanken und störe nur.

Ansonsten ist jedes Mitglied relativ frei in seinem Leben und trifft alleinige Entscheidungen. Ein Mitglied meinte zu mir, dass die Chassidim die Anordnungen des Rebben mit Freude ausführen.

Zum Morgeng - ttesdienst Schacharit kamen wir dann übrigens doch nicht, denn es wurde ausgeschlafen. Trotzdem ist meine Freundin so begeistert von der Gruppe, dass es kaum möglich ist, sie zu bremsen.

Sonntag, 6. Juli 2008

Bnei Brak – Die andere chassidische Welt

B"H

Es verirren sich wahrlich nicht viele nichtjüdische Touristen in die haredische (ultra – orthod.) Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv. Eigentlich gibt es auch nichts zu sehen und derjenige, der die Stadt besucht ist meist jüdisch – relig. oder interessiert sich für die israelische Niederlassung der Coca Cola Produktion. Obwohl einige Säkulere sowie Nationalreligiöse leben auch in Bnei Brak. Die Mehrheit der Bevölkerung jedoch ist haredisch und die Mehrheit der Mehrheit ist litvisch – haredisch. Die Litvischen besetzen fast die ganze Stadt und viele von ihnen tummeln sich in ihren Yeshivot (u.a. in Ponibezh und Chazon Ish). Wer sich hingegen für die chassidischen Gebiete interessiert, nun, der muß etwas suchen. Hat man sie aber erst einmal gefunden, dann sind alle in wenigen Straßen leicht zu lokalisieren.

Etwas mehr als eine Stunde vor Schabbatbeginn stand ich am Freitag abend in der Hauptgeschäftsstraße von Bnei Brak, der Rabbi Akivah, und wußte nicht so recht wohin. Ich hatte absolut keine Ahnung, wo genau ich nun die Chassidim ausfindig machen sollte, und begann erst einmal, die Rabbi Akivah hinaufzulaufen. Unterwegs fragte ich eine Frau und eine Beit Yaakov – Schülerin (von einer haredischen Schule), wo ich denn den Stadtteil Kiryat Vishnitz finde. Die Vishnitzer Chassidim sind in der Stadt dermaßen verbreitet, dass sie sogar ihr eigenen Stadtteil haben.

"Wow, weit weg. Da mußt Du einen Bus nehmen; bis Chazon Ish und dann frag Dich durch", so lauteten die Antworten, die ich bekam.

Ich nahm keinen Bus, sondern beschloß, soviel von Bnei Brak zu sehen wie nur möglich. Und so machte ich mich zufuss auf den Weg. Nicht weit entfernt traf ich auf die erste Synagoge. Die der chassidschen Gruppe Alexander. Bis vor dem Holocaust war die Chassidut Alexander eine der blühenden polnischen chassidischen Gruppen gewesen. Nach dem Holocaust jedoch gab es kaum noch Chassidim und irgendwann beschloß man, sich der großen "Schwester" Gur (Jiddisch: Ger) anzuschliessen. Heute findet man Alexander überwiegend in Bnei Brak und da sie eine Art Teil von Gur sind, kenne ich ihre Politik gegenüber Frauen nicht. Ob sie Frauen zu ihrem chassidischen Tisch zulassen, denn Gur tut dies als einzige Gruppe nicht. Nach Alexander werde ich ein anderes Mal gehen, denn sie liegen etwas weiter von dem Rest der chassidischen Gruppen der Stadt entfernt.

Nachdem ich fast die gesamte Rabbi Akivah hinaufgelaufen war, sah ich rechts eine Einbiegung, welche Chazon Ish heißt. Ich bog ein und befragte sogleich eine Frau nach Kiryat Vishnitz. "Ich bin von Vishnitz", sagte sie und beschrieb mir sofort den Weg. Ich ging einige Meter weiter und sah sofort die Synagogen der chassidischen Gruppen "Dushinsky", "Bobov" sowie "Seret – Vishnitz". Fast genau gegenüber von ihnen befinden sich die Satmarer mit einer riesigen Synagoge und ihrem Wohngebiet einschließlich ihrer eigene kleinen Läden (u.a. Makolet Satmar).

Kurz darauf stößt man auf die "Aschlag – Synagoge" (einer der früheren Aschlag – Rabbis schrieb den ZOHAR – Kommentar "HaSulam"). Mein erklärtes Ziel jedoch waren die Schomrei Emunim, die Ursprungsgruppe der Toldot Aharon sowie die Chassidut Sadigora (Sadigura). Der Gründer und derzeitige Rebbe Avraham Chaim Roth ist der Sohn des Toldot Aharon Gründers Rebbe Aharon Roth.

Die Chazon Ish Street ist endlos lang und in ihr findet man unzählige Synagogen. In den Seitenstraßen findet man sogar einige litvische Synagogen. Und nun stand ich vor einem Dilemma. In welche der vielen Synagogen sollte ich nun zum abendlichen Schabbatservice gehen ? Selbst Breslov hatte ich gefunden.

Ich entschloß mich, die Schomrei Emunim – Synagoge zu finden und dorthin zu gehen. Endlich fand ich sie gleich neben der Raschi Street und man kann es kaum glauben. Die Frontseite des Schomrei Emunim – Gebäudes ist mit Musikinstrumenten behängt. Schaut ein wenig hippiemäßig aus, aber es ist einmal etwas anderes im sonst so angepassten Bnei Brak. Ich traf auf einen der Chassidim und er berichtete, dass die Frauen der Gruppe nicht den Brauch haben, am Freitag abend die Synagoge zu besuchen. Wie bei vielen anderen chassidischen Gruppen übrigens auch.

Ich kenne Rebbe Avraham Chaim Roth von seinem chassidischen Tisch in Jerusalem und war überrascht, seine Chassidim in Bnei Brak mit einem anderen Kleidungsstil anzutreffen. Schwarze Kaftane tragen sie dort anstatt des Jerusalemer Outfits blau – weiß. Toldot Aharon – Gründer Rebbe Aharon Roth wollte, dass seine Chassidim den Jerusalemer Stil tragen, woanders aber sind sie nicht daran gebunden.

Allerdings wollte ich nun nicht meine Zeit mit dem Suchen nach einer Gruppe, deren Frauen am Freitag abend in die Synagoge kommen, verschwenden und fand gleich um die Ecke Chabad. Wie könnte es auch anders sein ?

Dennoch war ich auch die einzige weibliche Person bei Chabad.
Die Chabadnikim in der Synagoge waren anders. Keine Baalei Teshuva und andere neu hinzu Gekommene. Dies waren richtige ursprüngliche Chabadnikim, die auch Jiddisch sprachen. Selbst andere Chassidim hatten sich zum G – ttesdienst eingefunden. Einer von Gur oder Alexander war auch dabei. Ich sage hier "oder", denn Gur und Alexander haben denselben Kleidungstsil und man kann sich nicht auseinanderhalten.

Mincha, das Nachmittagsgebet, ging in weniger als zehn Minuten ruckzuck über die Bühne und danach gab es eine 40 – minütige Lernpause. Zum Abendgebet Mariv sang ein Chazan alle Gebete laut vor, was sehr schön anzuhören war. Ich hatte keine besonderen Pläne und aß mein mitgebrachtes Essen. Hinterher machte ich mich wieder auf die Suche nach Sadigura, an deren Tisch ich teilnehmen wollte. Ich ging und ging und fan dimmer neue chassidische Synagogen, aber nicht die von Sadigura. Ich ging die Rabbi Akivah bis zum Ende hinauf, wo sie in die Kahaneman Street mündet. Und dort fand ich eine chassidische Gruppe, die ich in Jerusalem schon oft besuchen wollte, aber nie dazu kam. Der Rebbe der Gruppe, welcher regelmäßig Jerusalem besucht und große Tische gibt kommt aus Lugano. Und nun wissen viele, welche Gruppe ich fand. Genau die chassidische Gruppe Biale. In Bnei Brak hat Biale einen eigenen Rebben. Ich fand den Fraueneingang und fand dort einen Mann vor. Typisch.

Mit dem Typen hatte ich dann auch gleich eine lange Diskussion, die sich über eine halbe Stunde lang hinzog. Er war kein Chassid, sondern betete bei Biale. Der Typ stellte sich als Glücksfall für mich heraus, denn er gab mir bessere Auskünfte, wie jede Enzyklopedie. Er wußte alles und kannte jeden. Hinterher fragte er mich auch noch nach meinem Alter, denn er suchte offebar einen Schidduch (Ehepartner). Aber ich entkam rechtzeitig. Auf alle Fälle werde ich zu Biale zurückkehren, aber nicht wegen dem Typen.

Einige Auszüge unserer Unterredung:

ER:
"Weißt Du, Bnei Brak ist leicht zu erkunden. Die Chassidim haben sich so in etwas um vier große Straßen herum angesidelt und Du stehst gerade genau in der Mitte. Sadigura ist ganz in der Nähe. Geh nur einfach die Straße weiter hinauf. Aber da ist eh nicht viel los und ob es einen TIsch gibt ….wer weiß. Geh zu Vishnitz, da ist high life. Die sind so groß, dass sie allein zwei Stockwerke nur für Frauen haben. Jeder geht zum Vishnitzer Tisch".

ICH:
"Wer gibt denn den Tisch ? Israel oder Menachem Mendel ?"
(Die zwei Söhne (Rabbi Israel Hager sowie Menachem Mendel Hager) des Vishnitzer Rebben Bnei Brak kloppen sich um die Nachfolge)

ER:
"Oh, Du kennst Dich ja mit den Gruppen aus. Israel gibt den Tisch und er ist hier der King. Nicht Menachem Mendel".

ICH:
"Und was ist mit Gur (Ger) ? Was denken die Leute hier über sie ?"

ER:
"Nun, Gur ist schwer zu handhaben. Die bleiben immer nur untereinander und reden mit keinem. Von denen kriegst Du nie Infos. Eine chassidische Gruppe sollte offen sein und den Leuten entgegenkommen und nicht so geschlossen wie Gur".

ICH:
"Und was ist mit Machnovka, die derzeit mit Belz streiten ?"

ER:
"Oh, Machnovke, Machnovke, die haben eine winzige Synagoge in der Raschi Street. Sie nennen sich jetzt sogar Belz – Machnovke oder Machnovke – Belz. Kämpfe zwischen chassidischen Gruppen sind schon etwas Trauriges".

ICH:
"Und was gibt es hier bei Biale ?"

ER:
"Mit Biale in Bnei Brak ist es recht traurig. Der Rebbe ist über achtzig und hat zwar 300 Leute zum Beten am Schabbat, aber keinerlei eigene Chassidim. Er ist ein großer Mann, aber leider ohne Anhänger".


Ich war dem Typen total dankbar für all seine Infos, trotz offensichtlicher Schidduch – Absichten.

Ich kehrte zurück in die Kahaneman Street und ging dann irgendwie in den Seitenstraßen verloren. Unterwegs fand ich das Center der Chassidut Karlin – Stolin und irgendwann dann war ich dann sogar in Kiryat Vishnitz. Dort ging ich total verloren und fragte eine Bewohnerin nach der Chazon Ish Street. Ich gelangte in die Ezra Street und unterwegs sah ich von weitem das riesige Center der Chassidut Nadvorna. Abe rich wollte zu den Schomrei Emunim zurück und schauen, ob die einen Tisch mit dem Rebben haben. Nein, hatten sie nicht; also auf zu Nadvorna.

Ich ging um den riesigen Gebäudekomplex herum und fand ohne Mühe den Fraueneingang. Kurz bevor den Fraueneingang erreichte, erschien hinter mir der Rebbe von Nadvorna. Einige Chassidim und zwei Litvische in Begleitung. Jemand machte mir ein Zeichen, dass ich kurz warten solle. Also stand ich fast neben dem Nadvorna Rebben, der sich von den Litvischen berieseln lassen mußte, denn die krochen fast, verbeugten sich und küßten ihm ohne Ende die Hand. Der Rebbe entkam dann irgendwann. Er wohnt übrigens genau gegenüber vom Fraueneingang und sein Privateingang in die Synagoge befindet sich gleich daneben.

Die Frauenempore bei Nadvorna ist riesig und erinnerte mich an jene von Belz in Jerusalem. Riesig und sauber. Die Mechitzah (Trennwand zu den Männern) besteht aus Glas mit eingefärbten kleinen Löchern. Immer mehr Frauen kamen herein und verschwanden im hinteren Teil um die Ecke. Ich folgte dann irgendwann und als ich ankam, sah ich eine riesige Glaswand, durch die man schauen konnte wie im Theater. Keine Löcher mehr. Eine Frau meinte, ich hätte man gleich hier stehen sollen und ich erwiderte, dass dies mein erster Besuch sei und ich mich nicht auskenne. So kamen wir ins Gespräch und sie erzählte, dass sie von Nadvorna sei. Überhaupt waren wir an dem Abend nur zwei weibliche Gäste. Im Männerbereich standen vier oder fünf Nationalrelig.

Man erzählte mir, dass es Nadvorna nur in Bnei Brak gebe. Kein Jerusalem, kein New York, nichts. Außer ein paar kleinen Synagogen hier und da. Es war total einfach mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Sie sprechen Jiddisch und Hebräisch untereinander. Genauso wie die Teenage Girls.

Unten im Männerbereich hatten sich mindestens 300 Chassidim eingefunden und der Rebbe klatschte in die Hände; als Zeichen zum Beginn. Und man kann mir glauben, wenn der Nadvorna Rebbe Befehle gibt, dann folgen alle. Der Typ aus der Biale Synagoge hatte mir gesagt, dass Nadvorna die besten Melodien (Niggunim) habe, was ich nicht unbedingt bestätigen kann. Das erste Lied war grandiose, das zweite wurde zur Melodie von "Avinu Malkeinu" gesungen und der Rest riss mich nicht gerade vom Tisch, auf dem ich sass. Für mich persönlich hat Belz immer noch die besten Niggunim.

Der Rebbe machte Kiddusch (Segnung des Weines) und aß etwas Challah (Schabbatbrot), aber das war es auch. Das gesamte Essen verteilte er unter den Chassidim, und es gab reichlich warmes Essen. Ein toller chassidischer Tisch und zu keinem Zeitpunkt der Dauer von zwei Stunden langweilig. Allerdings war schwer, mitten in der Nacht wieder nach Tel Aviv zurückzulaufen.

Wenn jemand in Bnei Brak ist, dann sollte er sich nicht nur auf Vishnitz konzentrieren, sondern auch andere chassidische Gruppen besuchen. Nadvorna lohnt sich immer und ich kann es wärmstens empfehlen.



Tu Be'Shvat bei Chassidut Nadvorna / Bnei Brak