B"H
Es gab und wird immer Leute geben, die an historischen Ereignissen und Personen interessiert sind oder auch nicht.
Eine bemerkenswerte Persönlichkeit in der Geschichte sowie der Entwicklung des Chassidismus (Chassidut) stellte Rabbi Yaakov Yitzchak HaLevi Horowitz, der Seher von Lublin (HaChozeh MiLublin), dar. Kaum ein anderer Rabbiner prägte den Chassidismus so mit wie er und wurde von seiner Anhängerschaft so verehrt.
Das größte Aufsehen jedoch erregte sein seltsamer Tod und die Ursachen und Gründe geben bis heute viel Stoff für Spekulationen her. Es darf spekuliert werden, doch eine wahrheitsgetreue Antwort gibt es nicht. Auf meine Anfrage an einen Belzer Chassid antwortete mir dieser, dass niemand genau sagen kann, was passiert ist und warum. Die Leute, die damals im Jahre 1814 wirklich dabei gewesen waren, hüllten sich in Schweigen.
Geboren wurde Yaakov Yitzchak HaLevi Horowitz im Jahre 1745 in Lukov bei Tarnograd in Polen. Sein Vater war Rabbi Avraham Eliezer HaLevi, der außerhalb Lublins die Gemeinde Yosefov betreute. Die Mutter war Sprinza – Meitel, die Tochter des litvishen Rabbiners Yaakov Koppel. Wie viele Rabbis der damaligen Zeit verweigerte Rabbi Koppel beharrlich, sich der chassidischen Bewegung anzuschliessen. Seinerzeit bekam er sogar hohen Besuch vom Baal Shem Tov persönlich, doch Rabbi Koppel weigerte sich ebenso, den chassidischen Meister zu empfangen.
Frühzeitig fanden ihm sein Vater und Großvater eine passende Braut, aber Rabbi Yaakov Yitzchak fand sie alles andere als besonders passend und weigerte sich, die Dame zu heiraten. Aus Zwang heraus tat er es schließlich doch, nur um schnell zu verschwinden und den Maggid aus Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman, Nachfolger des Baal Shem Tov) um Rat zu fragen. Wenig später erreichte die frischgebackene Braut der Scheidungsantrag (Get). Er begründete die Scheidung damit, dass er keinerlei "Kedusha – Heiligkeit" aus den Augen der Braut herauslesen konnte. Die zweite Frau des Sehers von Lubin wurde Tehila Sprinza und gemeinsam hatten sie sechs Kinder. Vier Söhne (Israel, Yosef, Avraham und Zvi Hirsch) sowie zwei Töchter.
Rabbi Yaakov Yitzchak lebte in Armut, denn er weigerte sich, eine rabbinische Position anzunehmen. Stattdessen lernte er unter Rabbi Moshe Zvi Hirsch Meisels von Zulkov. Später lernte er unter Rabbi Shmuel aus Nikolsburg und danach traf er auf den Maggid aus Mezritch (1704 – 1772) bei dem er so berühmte chassidische Rabbiner wie Rabbi Levi Yitzchak aus Berditchev (1740 – 1810) und Rabbi Israel Hofstein (den Maggid aus Koznitz, 1733 - 1815) kennen lernte. Der Maggid aus Mezritch sagte über Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz, dass es solch außergewöhnliche Seele seit der Zeit der Propheten nicht mehr gab.
Nach den Lehrjahren beim Mezritcher Maggid wandte er sich dem ebenso berühmten Rabbiner, Rabbi Elimelech Weissblum aus Lejansk (1717 – 1786), zu. Rabbi Elimelech wurde soetwas wie eine Vaterfigur für den jungen vielversprechenden Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz. Bald sahen chassidische Größen wie Rabbi Zvi Naftali aus Ropschitz (1760 - 1827, Rabbi Elimelech aus Lejansk sowie Rabbi Levi Yitzchak aus Berditchev in ihm die chassidische Führerfigur der damaligen Generation.
Aber nicht alles war Friede, Freude, Eierkuchen, denn ausgerechnet mit seinem grossen Lehrer, Rabbi Elimelech von Lejansk, gab es Unstimmigkeiten. Rabbi Yaakov Yitzchak eröffnete sein eigenes Lernzentrum In der Stadt Lanzhut, nur wenige Kilometer entfernt von Lejansk. Rabbi Elimelech sah eine Art Konkurrenz am Horizont aufsteigen. Alsbald sandte er seinen Sohn Elazar zu Rabbi Yaakov Yitzchak, um letzteren zu bitten, den Konkurrenzbetrieb einzustellen. Rabbi Yaakov Yitzchak gab nach und zog nach Rozbadov.
Einige Zeit später zog Rabbi Yaakov Yitzchak zurück nach Lanzhut (Polen) und Rabbi Elimelech war abermals verärgert. Nun geschah noch Schlimmeres, denn einige wichtige Schüler Rabbi Elimelechs, wie Rabbi David aus Lelov, liefen zur Yeshiva (relig. Schule) des Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz über. Jetzt erschien Rabbi Elimelech persönlich vor dem Seher und beschuldigte ihn, seine Schüler zu "kidnappen". Somit gab es ein länger andauerndes Hin und Her zu dem es mehrere Berichte gibt. Einer davon lautet, dass Rabbi Elimelech aufgrund seines Alters als chassidischer "Führer der Generation" zurücktrat und an seiner Stelle den Seher von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak, ernannte.
Den Titel "Seher – Chozeh" erhielt Rabbi Yaakov Yitzchak, weil er in der Lage war, die Zukunft vorauszusagen. Weiterhin konnte er beim blossen Anblick einer Stirn die Herkunft und das Schicksal der Seele (Neshama) herauslesen. Aber nicht nur die Mystik war ausschlaggebend. Rabbi Yaakov Yitzchak war ebenso eine Größe auf dem Gebiet der Halachot (jüd. Gesetz).
Des Weiteren erhielt den Beinamen "Seher" da er noch vor seinem Tod prophezeihte, dass in einem Zeitraum von 100 Jahren die Russen ihre Herrschaft über Polen verlieren werden. Und so geschah es; im Jahre 1915 besetzten die Österreicher Lublin und die einstige Prophezeihung des Seher erschien sogar in der Zeitung.
Unter seinen Anhängern waren so berühmte Rabbis wie der Maggid aus Koznitz, Rabbi Menachem Mendel aus Rimanov, der Rebbe aus Apta, Rabbi Moshe Leib aus Sassov, Rabbi Naftali von Ropschitz, der Yismach Moshe (ein Vorfahre des späteren Satmarer Rebben Yoel Teitelbaum), Rabbi Yitzchak Eisik aus Kalov und Rabbi Chaim aus Czernowitz. Zwar hatte der Seher den bekannten Rabbi Nachman aus Breslov nicht persönlich, dennoch bewunderte er ihn sehr.
Sein gesamtes Leben über erwartete Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz die Ge'ulah, das Kommen des Meschiach. Zur damaligen Zeit, als Napoleon seine Kriege führte, sahen nicht wenige chassidische Rabbiner eben jene Kriege als Gog und Magog. In den Propheten wird uns mitgeteilt, dass der Krieg zwischen Gog und Magog dem Eintreffen des Meschiach vorausgeht. Wobei e shier verschiedene Kommentare darüber gibt, um wechen Krieg es sich handelt. Der letzte Lubawitscher Rebbe, Rabbi Menachem Mendel Schneerson, zum Beispiel, war der Ansicht, dass der Zweite Weltkrieg schon Gog und Magog verkörperte und somit der Weg für Meschiach frei sei.
In der Nacht von Simchat Thora (Ende des Laubhüttenfestes Sukkot / Sept. oder Oktober) des Jahre 1814, kam Rabbi Yaakov Yitzchak aus der Synagoge und zog sich zurück auf sein Schlafzimmer, welches sich im ersten Stock seines Hauses befand. Im Schlafzimmer befand sich nur ein schmales Fenster und im Untergeschoß lag die Beit Midrasch (Bibliothek).
Gegen Mitternacht fanden die Chassidim den Körper des Rabbis unten im Hof liegen. Wie er dahin kam, ob er gestürzt oder gesprungen war, ist bis heute unklar. Bis zu seinem Tode am Tischa Be' Av des Jahres 1815 (ungefähr im August) verliess er nicht mehr sein Bett.
Tatsachen, die gegen einen Selbstmord sprechen:
Der Rabbi hätte zu dem über seinen Schultern gelegenen Fenster hinaufklettern müssen. Die Weingläser auf dem Fenstersims waren jedoch unberührt und wurden nicht beiseite geschoben.
Da einfach keine logische Erklärung für den Fall zu finden war, sahen ihn die Chassidim als ein mystisches Zeichen an. Der behandelnde Arzt Doktor Bernhard fragte Rabbi Yaakov Yitzchak, was denn geschehen sei und lezterer antwortete, dass die "Sitra Achra" ihn überkommen habe. "Sitra Achra" bedeutet, dass jemand seinen negativen Gedanken folgt, anstatt sich an G – tt zu wenden. In anderen Worten, der Mensch ist anfällig für Vergehen.
War es ein Fall oder ein Selbstmordversuch ?
Wenn Selbstmord, dann warum ?
Jahrelang hatte Rabbi Yaakov Yitzchak den Meschiach sehnlichst erwartet und hatte dessen Ankunft sogar für das Jahr 1814 / 1815 vorhergesagt. Als dieser aber auf sich warten liess, verfiel der Rabbi in schwere Depressionen.
Kritiker des Rabbis, besonders die litvischen Juden, sehen in dem Fall genauso einen spirituellen Fall. Der Zaddik (Gerechter) Yaakov Yitzchak Horowitz fiel von seinem hohen Level. Manche Litvische gingen sogar soweit zu behaupten, der Rabbi sei betrunken gewesen und deshalb aus dem Fenster gefallen.
Eine chassidische Weisheit gilt jedoch bis heute:
Als der Rabbi verunglückte, verkündeten die Litvischen sarkastisch, dass sie sich am Tage seines Todes freudig betrinken werden. Die Strafe G – ttes an die Litvischen kam postwended; Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz verstarb am Tischa Be' Av. Der Tischa Be'Av ist in 25 – stündiger Fastentag, der an beide Tempelzerstörungen erinnert. Der Rabbi starb an einem Fastentag und so hatte G – tt die Litvischen um ihr Gelage gebracht.
____________________________________
Folgende Buchautoren waren mir eine große Hilfe bei den Recherchen:
Yitzchak Alfassi, Rabbi Zvi Meir HaCohen Rabinovitch, David Assaf sowie Rachel Elior
Mit Absicht bin ich in diesem Artikel nicht auf die Lehren des Rabbi Yaakov Yitzchak eingegangen, denn dies werde ich in einem gesonderten Artikel tun, der sich ebenso mit der Abspaltung von Lublin, dem Peschis'cha – Movement befassen wird. Kurz darauf folgt dann ein langer Artikel über das Hause Kotzk und dessen Rabbi Menachem Mendel von Kotzk, sowie die daraus entstandene chassidische Gruppe Gur.
Bekannte chassidische Gruppen, die in den Lehren des Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz ihren Ursprung haben:
Apta, Ropschitz, Lelov, Belz, Satmar und weitere.
Dienstag, 18. März 2008
Sonntag, 16. März 2008
Chassidischer Tisch Guide Teil 3 - Chassidut Slonim
B"H
Bevor jemand zu fragen beginnt:
In diesem Artikel geht es nur um die Slonim in Jerusalem und (noch nicht) um jene in Bnei Brak bei Tel Aviv.
Als ich vor knapp einem Jahr beschloß, an nur allen möglichen chassidischen Tischen teilzunehmen, erzählte mir ein Freund von den Slonim. Ich solle doch unbedingt einmal bei ihnen vorbeischauen. Ich gebe zu, dass ich bis zu dem Zeitpunkt nie etwas von den Slonim gehört hatte und wurde neugierig. So fragte ich herum und ein haredischer (ultra - orthod.) Bekannter erklärte mir den Weg zum "Wohl Center".
Die Slonim sind eine recht große chassidische Gruppe in Mea Shearim. Sie sind bekannt für Sauberkeit und bei ihnen muß alles glänzen. Andere Einwohner Mea Shearims reissen sogar Witze über sie. Wenn jemand zu sauber ist, heißt es gleich sarkastisch: "Du bist wohl einer von den Slonim ?"
Details zur Geschichte der Chassidut Slonim:
http://zachor.michlalah.edu/english/khila/khila-5.asp
Dennoch reden andere Chassidim natürlich vorwiegend über den Streit der Slonim in Jerusalem mit ihrem Gegenpart in Bnei Brak. Beide Gruppen befinden sich in einer Art Kriegszustand miteinander.Zwei verschiedene Rebben und zwei fast unterschiedliche Gruppenkonzepte. Anscheinend sind die Slonim in Jerusalem moderater als jene in Bnei Brak und daher werden die Jerusalemer "weiße" und die in Bnei Brak ansässigen "schwarze Slonim" genannt.
Die Slonim haben eine direkte Linie zum Baal Shem Tov. Insbesondere auch durch Rabbi Aharon den Großen; dem Gründer der Chassidut Karlin. Bisher habe ich mich leider mit den Slonim noch nicht ausführlich beschäftigt, kenne jedoch ihre Thorakommentare einigermassen. Der derzeitige Slonimer Rebbe (Jerusalem), Rabbi Shmuel Brozovsky, verfasste einen großartigen Thorakommentar mit dem Titel "Darchei Noam". Ein Kommentar, den ich regelmäßig in meiner Thora Parasha (Parashat HaShavua) auf "Hamantaschen" verwende.
Wir alle haben unsere Vorlieben im Leben; es gibt Dinge, die wir mögen und anderes, was weniger unsere Zustimmung findet. Zu manchen Dingen finden wir sofort Zugang bzw. eine Verbindung, und manchmal geschieht das genaue Gegenteil. Und so erging es mir mir den Slonim. Ich habe keine Ahnung warum, aber ich finde zu den Slonim einfach keine Verbindung. In erster Linie nicht zu ihren Niggunim (Melodien) beim Tisch. Nur wenige Lieder mag ich. Ein Chassid (keiner von den Slonim) sagte mir, dass die Lieder irgendwie "schwer" seien. Langsam und auf eine gewisse Weise traurig. Leider fehlen mir die Worte, dies besser zu beschreiben.
All das bedeutet keineswegs, dass ich die Gruppe nicht mag, aber irgendwie tue ich mich schwer mit den Slonim.
Zuerst sagte ich mir, dass ich halt öfters vorbeigehen sollte, damit ich die Leute kennen lerne. Ein guter Gedanke, aber nur ist es so, dass die Frauen der Slonim kaum am chassidischen Tisch teilnehmen. Soweit habe ich kaum eine der Frauen gesehen, geschweige denn mit einer von ihnen gesprochen. Ich bin mir sicher, dass die Slonim tolle Leute sind, aber ich finde einfach keine Verbindung zu ihnen. Nicht zu ihren Lieder, aber doch zu den Lehren ihres Rebben.
Der Rebbe der Slonim in Jerusalem: Rabbi Shmuel Brozovsky

Der chassidische Tisch der Slonim beginnt fast immer gegen 22.00 Uhr (Erev Schabbat) und dauert ca. zwei Stunden.
Rebbe Shmuel Brozovsky verzehrt keine Mahlzeit, sondern legt hohen Wert auf das Singen von Niggunim.
Wie ich schon sagte, es sind kaum Slonim Frauen bei Tisch zu sehen und anwesende weibliche Besucher sind überwiegend junge haredische Mädels von außerhalb. Allem Anschein nach sind die Slonim den Nationalreligiösen sowie den säkuleren israelischen Tischbesuchern gänzlich unbekannt.
Der Gebäudekomplex der Slonim ist recht groß und besteht generell aus der Synagoge und einem weiteren Gebäude, in dem die Tische des Rebben stattfinden. Der gesamte Komplex trägt den Namen "Wohl Center".
Der Männereingang in das "Tischgebäude" ist relativ einfach zu finden; die Ezrat Nashim, der Fraueneingang, hingegen ist leicht zu übersehen. Insgesamt ist es von Vorteil, auf eine weibliche Person zu warten, die einem den Eingang zeigen kann. Nur nicht auf eigene Faust lossuchen, wie meine Freundin und ich es bei unserem ersten Besuch bei den Slonim taten. Wir stürmten in das Gebäude und wurden kurz darauf von drei männlichen Chassidim erspäht, die sich sofort in Richtung Wand umdrehten. Manche Chassidim nehmen es halt ernst, keine fremden Frauen anzuschauen. Ich kann nur hoffen, dass wir nicht zu häßlich waren.
Als ich die Drei aber dennoch nach dem richtigen Eingang befragte, gab man uns per Handzeichen die Richtung an.
An alle Leserinnen: Hütet Euch davor, jemals einen männlichen Slonimer Chassid anzusprechen !!!
Die Tür zur Frauenempore befindet sich links neben dem Männereingang. Sie ist nur von außen zu erreichen.
Wer die Tür findet, der kann die Treppen bis zum letzten Stockwerk hinaufsteigen.
Die Mechitzah (Trennwand zu den Männern) besteht aus Holz und wer einen guten Stehplatz findet, kann alles mühelos überblicken.
Gewöhnlich ist der Tisch mit mehreren Hundert Chassidim überfüllt und männliche Besucher haben es nicht einfach, einen Stehplatz zu finden.
Auch scheint es im Erdgeschoß bei den Männern an der Tür einen Aufpasser zu geben. Immer steht ein Chassid parat und durchleuchtet jeden Besucher mit seinen Blicken. Einmal erlebten wir es, dass ein paar Litvische hereinkamen und schon warnte der "Aufpasser" sie, hier keinen Ärger zu machen. Kann sein, dass die Slonim diesbezügliche schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wer weiß ?
Allerdings haben sie einen wunderbaren Brauch bei ihrem Tisch:
Die Chassidim stellen sich nacheinander auf und verbeugen sich vor dem Rebben. Eine tolle persönliche Art, "Gut Schabbes" zu sagen.
Der Slonim - Tisch ist perfekt für all jene, die keine wilden Shows suchen, sondern etwas Ruhiges. Kein großes Getanze oder Herumgehopse. Eher geht es behäbig zu.
Location: Gleich hinter dem Mea Shearim Markt, hinter dem Mosdot Toldot Avraham Yitzchak.
Bevor jemand zu fragen beginnt:
In diesem Artikel geht es nur um die Slonim in Jerusalem und (noch nicht) um jene in Bnei Brak bei Tel Aviv.
Als ich vor knapp einem Jahr beschloß, an nur allen möglichen chassidischen Tischen teilzunehmen, erzählte mir ein Freund von den Slonim. Ich solle doch unbedingt einmal bei ihnen vorbeischauen. Ich gebe zu, dass ich bis zu dem Zeitpunkt nie etwas von den Slonim gehört hatte und wurde neugierig. So fragte ich herum und ein haredischer (ultra - orthod.) Bekannter erklärte mir den Weg zum "Wohl Center".
Die Slonim sind eine recht große chassidische Gruppe in Mea Shearim. Sie sind bekannt für Sauberkeit und bei ihnen muß alles glänzen. Andere Einwohner Mea Shearims reissen sogar Witze über sie. Wenn jemand zu sauber ist, heißt es gleich sarkastisch: "Du bist wohl einer von den Slonim ?"
Details zur Geschichte der Chassidut Slonim:
http://zachor.michlalah.edu/english/khila/khila-5.asp
Dennoch reden andere Chassidim natürlich vorwiegend über den Streit der Slonim in Jerusalem mit ihrem Gegenpart in Bnei Brak. Beide Gruppen befinden sich in einer Art Kriegszustand miteinander.Zwei verschiedene Rebben und zwei fast unterschiedliche Gruppenkonzepte. Anscheinend sind die Slonim in Jerusalem moderater als jene in Bnei Brak und daher werden die Jerusalemer "weiße" und die in Bnei Brak ansässigen "schwarze Slonim" genannt.
Die Slonim haben eine direkte Linie zum Baal Shem Tov. Insbesondere auch durch Rabbi Aharon den Großen; dem Gründer der Chassidut Karlin. Bisher habe ich mich leider mit den Slonim noch nicht ausführlich beschäftigt, kenne jedoch ihre Thorakommentare einigermassen. Der derzeitige Slonimer Rebbe (Jerusalem), Rabbi Shmuel Brozovsky, verfasste einen großartigen Thorakommentar mit dem Titel "Darchei Noam". Ein Kommentar, den ich regelmäßig in meiner Thora Parasha (Parashat HaShavua) auf "Hamantaschen" verwende.
Wir alle haben unsere Vorlieben im Leben; es gibt Dinge, die wir mögen und anderes, was weniger unsere Zustimmung findet. Zu manchen Dingen finden wir sofort Zugang bzw. eine Verbindung, und manchmal geschieht das genaue Gegenteil. Und so erging es mir mir den Slonim. Ich habe keine Ahnung warum, aber ich finde zu den Slonim einfach keine Verbindung. In erster Linie nicht zu ihren Niggunim (Melodien) beim Tisch. Nur wenige Lieder mag ich. Ein Chassid (keiner von den Slonim) sagte mir, dass die Lieder irgendwie "schwer" seien. Langsam und auf eine gewisse Weise traurig. Leider fehlen mir die Worte, dies besser zu beschreiben.
All das bedeutet keineswegs, dass ich die Gruppe nicht mag, aber irgendwie tue ich mich schwer mit den Slonim.
Zuerst sagte ich mir, dass ich halt öfters vorbeigehen sollte, damit ich die Leute kennen lerne. Ein guter Gedanke, aber nur ist es so, dass die Frauen der Slonim kaum am chassidischen Tisch teilnehmen. Soweit habe ich kaum eine der Frauen gesehen, geschweige denn mit einer von ihnen gesprochen. Ich bin mir sicher, dass die Slonim tolle Leute sind, aber ich finde einfach keine Verbindung zu ihnen. Nicht zu ihren Lieder, aber doch zu den Lehren ihres Rebben.
Der Rebbe der Slonim in Jerusalem: Rabbi Shmuel Brozovsky

Der chassidische Tisch der Slonim beginnt fast immer gegen 22.00 Uhr (Erev Schabbat) und dauert ca. zwei Stunden.
Rebbe Shmuel Brozovsky verzehrt keine Mahlzeit, sondern legt hohen Wert auf das Singen von Niggunim.
Wie ich schon sagte, es sind kaum Slonim Frauen bei Tisch zu sehen und anwesende weibliche Besucher sind überwiegend junge haredische Mädels von außerhalb. Allem Anschein nach sind die Slonim den Nationalreligiösen sowie den säkuleren israelischen Tischbesuchern gänzlich unbekannt.
Der Gebäudekomplex der Slonim ist recht groß und besteht generell aus der Synagoge und einem weiteren Gebäude, in dem die Tische des Rebben stattfinden. Der gesamte Komplex trägt den Namen "Wohl Center".
Der Männereingang in das "Tischgebäude" ist relativ einfach zu finden; die Ezrat Nashim, der Fraueneingang, hingegen ist leicht zu übersehen. Insgesamt ist es von Vorteil, auf eine weibliche Person zu warten, die einem den Eingang zeigen kann. Nur nicht auf eigene Faust lossuchen, wie meine Freundin und ich es bei unserem ersten Besuch bei den Slonim taten. Wir stürmten in das Gebäude und wurden kurz darauf von drei männlichen Chassidim erspäht, die sich sofort in Richtung Wand umdrehten. Manche Chassidim nehmen es halt ernst, keine fremden Frauen anzuschauen. Ich kann nur hoffen, dass wir nicht zu häßlich waren.
Als ich die Drei aber dennoch nach dem richtigen Eingang befragte, gab man uns per Handzeichen die Richtung an.
An alle Leserinnen: Hütet Euch davor, jemals einen männlichen Slonimer Chassid anzusprechen !!!
Die Tür zur Frauenempore befindet sich links neben dem Männereingang. Sie ist nur von außen zu erreichen.
Wer die Tür findet, der kann die Treppen bis zum letzten Stockwerk hinaufsteigen.
Die Mechitzah (Trennwand zu den Männern) besteht aus Holz und wer einen guten Stehplatz findet, kann alles mühelos überblicken.
Gewöhnlich ist der Tisch mit mehreren Hundert Chassidim überfüllt und männliche Besucher haben es nicht einfach, einen Stehplatz zu finden.
Auch scheint es im Erdgeschoß bei den Männern an der Tür einen Aufpasser zu geben. Immer steht ein Chassid parat und durchleuchtet jeden Besucher mit seinen Blicken. Einmal erlebten wir es, dass ein paar Litvische hereinkamen und schon warnte der "Aufpasser" sie, hier keinen Ärger zu machen. Kann sein, dass die Slonim diesbezügliche schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wer weiß ?
Allerdings haben sie einen wunderbaren Brauch bei ihrem Tisch:
Die Chassidim stellen sich nacheinander auf und verbeugen sich vor dem Rebben. Eine tolle persönliche Art, "Gut Schabbes" zu sagen.
Der Slonim - Tisch ist perfekt für all jene, die keine wilden Shows suchen, sondern etwas Ruhiges. Kein großes Getanze oder Herumgehopse. Eher geht es behäbig zu.
Location: Gleich hinter dem Mea Shearim Markt, hinter dem Mosdot Toldot Avraham Yitzchak.
Dienstag, 11. März 2008
Chassidischer Tisch Guide Teil 2 - Chassidut Dushinsky
B"H
Wer die chassidische Gruppe Dushinsky weniger oder gar nicht kennt, steht nicht allein. Die Mehrheit der Israelis hat noch niemals von Dushinsky gehört.
In der chassidischen Welt dagegen ist der Name "Dushinsky" bekannt. Vielleicht weniger bei so manchem Chassid, welcher einer Gruppe der Agudat Israel (Vishnitz, Belz oder Gur) angehört. Dafür umso mehr bei anderen Chassidim. Besonders natürlich jenen Gruppen, die der anti - zionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" angehören.
Beispiel: Satmar, Toldot Aharon, Avraham Yitzchak oder Spinka. Und selbstverständlich spielen auch die Chassidim von Dushinsky eine wichtige Rolle in der Edah. Wichtigster Dushinsky - Vertreter bei der Edah HaCharedit ist derzeit Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann (Mitglied im Beit Din Zedek der Edah).
Sitzend in der Mitte mit weissem Schal: Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann

Die Dushinsky - Gruppe ist relativ neu und ist mit die einzige chassidische Gruppe überhaupt, welche nach einem Familiennamen benannt worden ist und nicht nach dem Herkunftsort (Shtetl). Des Weiteren verfügt Dushinsky, wie unter anderem auch die Toldot Aharon Chassidim, über keine direkte Baal Shem Tov - Linie. Heißt, dass die Vorfahren nie direkt mit einem Schüler des Baal Shem Tov oder einem Schüler des Schüler des Baal Shem Tov lernten.
Die Gruppe wurde erst vor ca. 70 Jahren von Rabbi Yosef Zvi Dushinsky gegründet. Sie ist extrem anti - zionistisch und der Gründer sprach im Jahre 1948 höchstpersönlich bei der UNO vor, um diese von der Zustimmung der Gründung eines Staates Israel abzubringen.
Details zum Anti - Zionismus:
Auf Deutsch:
http://chassidicstories.blogspot.com/2008/01/der-talmudisch-begrndete-antizionismus.html
Auf Englisch: http://shearim.blogspot.com/2007/12/talmudic-reason-for-anti-zionism.html
http://www.jewsagainstzionism.com/rabbi_quotes/dushinsky.cfm
Anti - zionistisch oder nicht, der chassidische Tisch bei Dushinsky ist begehrt. Vor allem von anderen chassidischen Gruppen der Edah. Da Dushinksky im allgemeinen weniger bekannt ist, verirren sich nicht allzu viele Fremde wie Nationalrelig. oder litvische Juden zum Tisch. Man sieht sie schon, aber die Anzahl hält sich in Maßen.
Während der Wintermonate beginnt der chassidische Tisch mit dem Rebben Yosef Zvi Dushinsky (nicht der, der zur UNO fuhr) gegen 22.00 Uhr. In den Sommermonaten hingegen um 23.00 Uhr (am Erev Schabbat).
Der Tisch ist verhältnismässig klein, aber gut besucht. Mindestens 200 Chassidim dürften schon anwesend sein. Falls nicht mehr. Die Atmosphäre ist ein wesentlich familiärer als, zum Beispiel, bei der riesigen Gruppe Belz. Bei Dushinsky ist alles übersichtlich gehalten und ein persönlicher Rebbe - Kontakt ist möglich.
Rebbe Yosef Zvi Dushinsky ißt keine Mahlzeit, sondern hält eine Derascha (relig. Rede zum Schabbat) oder stimmt Lieder (Niggunim) an.
Der derzeitige Rebbe, Rabbi Yosef Zvi Dushinsky.

Nicht selten kommt es vor, dass ein hoher Rabbi der Edah HaCharedit präsent ist und ebenso eine Derascha gibt.
Der Dushinsky - Komplex schaut von außen etwas vernachlässigt aus. Die gleich anschließende neue Synagoge macht jedoch den Eindruck etwas wett. Solange man sich aber im alten Gebäude befindet, bleibt der alte Eindruck bestehen. Zwar ist alles im alten Bereich wirklich alt, aber sauber.
Der Tisch dauert ca. zwei Stunden.
Am Ende des Tisches tanzt der Rebbe dreimal mit einigen seiner Chassidim um den langen Tisch und verabschiedete dann alle männlichen Besucher persönlich. Ein Brauch, der mir sehr gut gefällt und allem einen wirklich persönlichen Touch gibt. Bei Dushinsky gibt es keine Massenabfertigung.
Männer und Frauen haben separate Eingänge, wobei der Fraueneingang recht schwer zu finden ist. Es befinden sich zwar Schilder mit Pfeilen am Gebäude, doch ist nicht immer ganz klar, wo die Pfeile hinzeigen. Und mit dem Nachfragen ist es oft schlecht bestellt, denn man darf die Dushinsky - Männer nicht ansprechen. Können schon, nur bekommt man als Frau kaum eine Antwort.
Der Eingang für die Frauen befindet sich auf der Rückseite des alten Gebäudekomplexes. Man wende sich nach rechts, am Zaunende links gibt es einen Hofeingang. Einfach geradeaus durchgehen, dann wieder links geradeaus bis zur Eingangstür. Das Treppenhaus bis zum letzten Stockwerk erklimmen.
Die Dushinsky - Frauen nehmen sehr wohl am Tisch des Rebben teil, nur sind die Stehplätze hinter der Mechitzah (Trennwand) äußerst rar. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Mechitzah ist gut durchschaubar und wer einen guten Platz findet, der kann alles überblicken.
Die Dushinsky - Frauen sind anfangs sehr reserviert, doch wer regelmässig kommt, kann Kontakte knüpfen. Allerdings muß man sich diesbezüglich schon anstrengen. Wer dagegen Fragen stellt, bekommt sofort eine Antwort.
Auf alle Fälle sollte man als Frau nicht verpassen, sich die neue Synagoge anzuschauen. Ich sage hier "als Frau", denn von der Frauenempore beim Tisch hat man gegenüber der Tischmechitzah die beste Aussicht auf die neue Synagoge im Erdgeschoß. Die Tischempore dient zugleich auch als Frauenempore für die Synagogengebete.
Auf mich macht Rebbe Yosef Zvi Dushinsky den Eindruck, dass ihm ein persönliches Verhältnis zu seinen Chassidim wichtig ist. Er ist eine Respektperson, was man ihm ansieht.
Man mag mit den Dushinsky - Konzepten übereinstimmen oder nicht; ein Tischbesuch ist jedoch höchst empfehlenswert.
Egal, ob Männlein oder Weiblein.
Location: Shmuel HaNavi Street in Jerusalem
Wer die chassidische Gruppe Dushinsky weniger oder gar nicht kennt, steht nicht allein. Die Mehrheit der Israelis hat noch niemals von Dushinsky gehört.
In der chassidischen Welt dagegen ist der Name "Dushinsky" bekannt. Vielleicht weniger bei so manchem Chassid, welcher einer Gruppe der Agudat Israel (Vishnitz, Belz oder Gur) angehört. Dafür umso mehr bei anderen Chassidim. Besonders natürlich jenen Gruppen, die der anti - zionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" angehören.
Beispiel: Satmar, Toldot Aharon, Avraham Yitzchak oder Spinka. Und selbstverständlich spielen auch die Chassidim von Dushinsky eine wichtige Rolle in der Edah. Wichtigster Dushinsky - Vertreter bei der Edah HaCharedit ist derzeit Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann (Mitglied im Beit Din Zedek der Edah).
Sitzend in der Mitte mit weissem Schal: Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann
Die Dushinsky - Gruppe ist relativ neu und ist mit die einzige chassidische Gruppe überhaupt, welche nach einem Familiennamen benannt worden ist und nicht nach dem Herkunftsort (Shtetl). Des Weiteren verfügt Dushinsky, wie unter anderem auch die Toldot Aharon Chassidim, über keine direkte Baal Shem Tov - Linie. Heißt, dass die Vorfahren nie direkt mit einem Schüler des Baal Shem Tov oder einem Schüler des Schüler des Baal Shem Tov lernten.
Die Gruppe wurde erst vor ca. 70 Jahren von Rabbi Yosef Zvi Dushinsky gegründet. Sie ist extrem anti - zionistisch und der Gründer sprach im Jahre 1948 höchstpersönlich bei der UNO vor, um diese von der Zustimmung der Gründung eines Staates Israel abzubringen.
Details zum Anti - Zionismus:
Auf Deutsch:
http://chassidicstories.blogspot.com/2008/01/der-talmudisch-begrndete-antizionismus.html
Auf Englisch: http://shearim.blogspot.com/2007/12/talmudic-reason-for-anti-zionism.html
http://www.jewsagainstzionism.com/rabbi_quotes/dushinsky.cfm
Anti - zionistisch oder nicht, der chassidische Tisch bei Dushinsky ist begehrt. Vor allem von anderen chassidischen Gruppen der Edah. Da Dushinksky im allgemeinen weniger bekannt ist, verirren sich nicht allzu viele Fremde wie Nationalrelig. oder litvische Juden zum Tisch. Man sieht sie schon, aber die Anzahl hält sich in Maßen.
Während der Wintermonate beginnt der chassidische Tisch mit dem Rebben Yosef Zvi Dushinsky (nicht der, der zur UNO fuhr) gegen 22.00 Uhr. In den Sommermonaten hingegen um 23.00 Uhr (am Erev Schabbat).
Der Tisch ist verhältnismässig klein, aber gut besucht. Mindestens 200 Chassidim dürften schon anwesend sein. Falls nicht mehr. Die Atmosphäre ist ein wesentlich familiärer als, zum Beispiel, bei der riesigen Gruppe Belz. Bei Dushinsky ist alles übersichtlich gehalten und ein persönlicher Rebbe - Kontakt ist möglich.
Rebbe Yosef Zvi Dushinsky ißt keine Mahlzeit, sondern hält eine Derascha (relig. Rede zum Schabbat) oder stimmt Lieder (Niggunim) an.
Der derzeitige Rebbe, Rabbi Yosef Zvi Dushinsky.
Nicht selten kommt es vor, dass ein hoher Rabbi der Edah HaCharedit präsent ist und ebenso eine Derascha gibt.
Der Dushinsky - Komplex schaut von außen etwas vernachlässigt aus. Die gleich anschließende neue Synagoge macht jedoch den Eindruck etwas wett. Solange man sich aber im alten Gebäude befindet, bleibt der alte Eindruck bestehen. Zwar ist alles im alten Bereich wirklich alt, aber sauber.
Der Tisch dauert ca. zwei Stunden.
Am Ende des Tisches tanzt der Rebbe dreimal mit einigen seiner Chassidim um den langen Tisch und verabschiedete dann alle männlichen Besucher persönlich. Ein Brauch, der mir sehr gut gefällt und allem einen wirklich persönlichen Touch gibt. Bei Dushinsky gibt es keine Massenabfertigung.
Männer und Frauen haben separate Eingänge, wobei der Fraueneingang recht schwer zu finden ist. Es befinden sich zwar Schilder mit Pfeilen am Gebäude, doch ist nicht immer ganz klar, wo die Pfeile hinzeigen. Und mit dem Nachfragen ist es oft schlecht bestellt, denn man darf die Dushinsky - Männer nicht ansprechen. Können schon, nur bekommt man als Frau kaum eine Antwort.
Der Eingang für die Frauen befindet sich auf der Rückseite des alten Gebäudekomplexes. Man wende sich nach rechts, am Zaunende links gibt es einen Hofeingang. Einfach geradeaus durchgehen, dann wieder links geradeaus bis zur Eingangstür. Das Treppenhaus bis zum letzten Stockwerk erklimmen.
Die Dushinsky - Frauen nehmen sehr wohl am Tisch des Rebben teil, nur sind die Stehplätze hinter der Mechitzah (Trennwand) äußerst rar. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Mechitzah ist gut durchschaubar und wer einen guten Platz findet, der kann alles überblicken.
Die Dushinsky - Frauen sind anfangs sehr reserviert, doch wer regelmässig kommt, kann Kontakte knüpfen. Allerdings muß man sich diesbezüglich schon anstrengen. Wer dagegen Fragen stellt, bekommt sofort eine Antwort.
Auf alle Fälle sollte man als Frau nicht verpassen, sich die neue Synagoge anzuschauen. Ich sage hier "als Frau", denn von der Frauenempore beim Tisch hat man gegenüber der Tischmechitzah die beste Aussicht auf die neue Synagoge im Erdgeschoß. Die Tischempore dient zugleich auch als Frauenempore für die Synagogengebete.
Auf mich macht Rebbe Yosef Zvi Dushinsky den Eindruck, dass ihm ein persönliches Verhältnis zu seinen Chassidim wichtig ist. Er ist eine Respektperson, was man ihm ansieht.
Man mag mit den Dushinsky - Konzepten übereinstimmen oder nicht; ein Tischbesuch ist jedoch höchst empfehlenswert.
Egal, ob Männlein oder Weiblein.
Location: Shmuel HaNavi Street in Jerusalem
Sonntag, 9. März 2008
Chassidischer Tisch – Guide, Teil 1, – BELZ
B"H
Nach all dem, was ich bisher erlebt bzw. in Erfahrung gebracht habe, ist es vielleicht an der Zeit, einige Infos an interessierte Juden weiterzugeben oder besser gesagt, die vielen Details besser zu ordnen.
Es versteht sich von selbst, dass dieser Guide nur einen recht eingeschränkten Blick auf die chassidischen Tische wiedergibt. Ein wichtiger Grund dafür ist u.a., dass ich weiblichen Geschlechts bin und somit nicht immer Zugang zu allen Tischen habe. Viele finden privat statt und sind nur für Männer zugänglich. So, zum Beispiel, der private Tisch des Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann der Chassidut Dushinsky und zugleich ein hohes Mitglied der anti – zionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit.
Aber was soll ich machen ?
Die Realität schaut manchmal etwas frauenfeindlich aus und ich muß halt nehmen, was mit zugänglich ist.
Viele Leser meines englischen Blogs fragten per e – mail nach Tischen in Jerusalem an. Religiöse jüdische Touristen lieben es, zum Tisch der Belzer Chassidim zu gehen. Belz ist die unantastbare Nummer 1, wenn es um Tische für jüdische Touristen geht. Dies geschieht keineswegs aufgrund meiner Artikel, sondern vielmehr sind die Belzer eh berühmt genug. Die Leser befragen mich nach dem Weg zur Belzer Beit Midrash.
Religiöse jüdische Reisende, die einen Synagogenbesuch in Jerusalem anstreben, fragen mich mehrheitlich nach einer bestimmten chassidischen Gruppe:
Nach Karlin – Stolin.
Die Karliner Chassidim sind weltberühmt für ihre euphorischen Gebete mit beispielhafter Kavanah (Konzentration). Sie schreien geradezu ihre Gebete heraus. Ehrlich gesagt wünsche ich mir, dies auch so beherrschen. Ich kann die Synagoge der Karlin – Stolin in Mea Shearim nur wärmstens weiterempfehlen.
Manchem mag es nicht bewußt sein, aber chassidische Tische sowohl als auch Synagogenbesuche sind nur für Juden !!! Wer sich als Nichtjude hineinwagt, kann schnell unbarmherzig hinausgeworfen werden.
Soweit machte ich fast nur gute Erfahrungen bei meinen Tisch – bzw. Synagogenbesuchen. Es kommt immer darauf an, was der Besucher individuell erwartet. Manche mögen es ruhiger und ein anderer sucht einen Tisch mit viel Action. Einer bevorzugt einen großen Tisch und andere wiederum eine eher familiäre Atmosphäre.
Ich werde die bekanntesten Jerusalemer Tische beschreiben und einige Details zum Thema geben.
Der erste Artikel umfasst den Tisch der Chassidut Belz
Es versteht sich von selbst, dass dieser Guide nur einen recht eingeschränkten Blick auf die chassidischen Tische wiedergibt. Ein wichtiger Grund dafür ist u.a., dass ich weiblichen Geschlechts bin und somit nicht immer Zugang zu allen Tischen habe. Viele finden privat statt und sind nur für Männer zugänglich. So, zum Beispiel, der private Tisch des Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann der Chassidut Dushinsky und zugleich ein hohes Mitglied der anti – zionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit.
Aber was soll ich machen ?
Die Realität schaut manchmal etwas frauenfeindlich aus und ich muß halt nehmen, was mit zugänglich ist.
Viele Leser meines englischen Blogs fragten per e – mail nach Tischen in Jerusalem an. Religiöse jüdische Touristen lieben es, zum Tisch der Belzer Chassidim zu gehen. Belz ist die unantastbare Nummer 1, wenn es um Tische für jüdische Touristen geht. Dies geschieht keineswegs aufgrund meiner Artikel, sondern vielmehr sind die Belzer eh berühmt genug. Die Leser befragen mich nach dem Weg zur Belzer Beit Midrash.
Religiöse jüdische Reisende, die einen Synagogenbesuch in Jerusalem anstreben, fragen mich mehrheitlich nach einer bestimmten chassidischen Gruppe:
Nach Karlin – Stolin.
Die Karliner Chassidim sind weltberühmt für ihre euphorischen Gebete mit beispielhafter Kavanah (Konzentration). Sie schreien geradezu ihre Gebete heraus. Ehrlich gesagt wünsche ich mir, dies auch so beherrschen. Ich kann die Synagoge der Karlin – Stolin in Mea Shearim nur wärmstens weiterempfehlen.
Manchem mag es nicht bewußt sein, aber chassidische Tische sowohl als auch Synagogenbesuche sind nur für Juden !!! Wer sich als Nichtjude hineinwagt, kann schnell unbarmherzig hinausgeworfen werden.
Soweit machte ich fast nur gute Erfahrungen bei meinen Tisch – bzw. Synagogenbesuchen. Es kommt immer darauf an, was der Besucher individuell erwartet. Manche mögen es ruhiger und ein anderer sucht einen Tisch mit viel Action. Einer bevorzugt einen großen Tisch und andere wiederum eine eher familiäre Atmosphäre.
Ich werde die bekanntesten Jerusalemer Tische beschreiben und einige Details zum Thema geben.
Der erste Artikel umfasst den Tisch der Chassidut Belz
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Der chassidische Tisch der Belzer Chassidim
Während der Wintermonate beginnt der Tisch der Belzer um 21.00 Uhr, in den Sommermonaten um 23.00 Uhr. Fast jeden Erev Shabbat ist Tisch.
Mehrere Hundert Chassidim nehmen an dem Tisch des Rebben Yissachar Dov Rokeach teil.
Der Rebbe ißt und seine Chassidim singen überwiegend.
Belz hat mit Abstand die besten Niggunim (Melodien) überhaupt.
Die Atmosphäre ist einzigartig, aber beachtet, dass der Tisch jedesmal vollkommen überfüllt ist. Nix mit Familienplausch.
Die Belzer sind organisiert. Also benehmt Euch gut und stellt das Gebäude nicht auf den Kopf.
Der Tisch selbst dauert kaum länger als zwei Stunden.
Es gibt separate Eingänge für Männer und Frauen.
Die Mechitzah ist okay und die Frauen sind in der Lage, alles gut zu überblicken.
Das Untergeschoß, in dem der Tisch stattfindet, sowie die Synagoge nebenan sind extrem sauber zu gehalten. Alles ist blitzblank geputzt.
Die Chassidim sind freundlich und offen und wer eine Frage hat, kann als Frau unter Umständen auch die Männer ansprechen. Dies allerdings sollte vorwiegend nur bei jüngeren Männern geschehen und nicht bei jenen über 50.
Wer diesbezüglich kein Gefühlt hat, wen er ansprechen darf oder nicht, der sollte sich nur an die Frauen halten, um keine negative Überraschungen zu erleben.
Der gesamte Tisch ist perfekt organisiert und gewöhnlich läuft absolut nichts schief.
Das Essen, welches gereicht wird ist nur für jene Chassidim bestimmt, deren Namen laut verlesen wurden.
Jemand von Belz berichtete mir, dass es sich hierbei um jene Chassidim handelt, wie innerhalb der Woche den Rebben aufgesuchen und ihn um einen Beracha (Segen) baten.
Da es sich bei den Belzer um eine grosse chassidische Gruppe handelt, ist es fast unmöglich, mit dem Rebben persönlich in Kontakt zu kommen.
Location: Kiryat Belz neben Kiryat Mattersdorf in Jerusalem.
Besuch empfehlenswert !!!
Die Belz Synagoge in Jerusalem
Tisch bei Belz
Donnerstag, 6. März 2008
Switch
B"H
Jeden Donnerstag wieder muß ich meine innere Uhr umstellen; meine eigene Denkweise und Philosophie hinten anstellen, um nicht einer anderen Philosophie in die Quere zu kommen.
Diese Sätze mögen verwirrend klingen, doch stellen sie nur meinen inneren Gedankenswitch dar.
Jeden Donnerstag am Spätnachmittag unterrichte ich eine nationalreligiöse Kindergruppe. Kinder zweier Familien, die im gleichen Haus wohnen. Und schon allein der Gang dorthin bedeutet einen Switch. Lebte ich zwar noch vor Jahren selbst im nationalrelig. Stadtteil Kiryat Moshe, so ist er mir heute gänzlich fremd geworden.
Kiryat Moshe, der nationalrelig. Stadtteil Jerusalems;
hier hängen die "Free Jonathan Pollard - Plakate aus den Fenstern, Gush Katif wird zurückgefordert und Olmert zum Rücktritt aufgefordert.
Nationalrelig. bedeutet aber nicht immer gleich "Siedlertyp". Kiryat Moshe ist ein kleiner ruhiger Stadtteil inmitten des Jerusalemer Chaos. Hier kennen sich viele Bewohner und es ist fast schwer, in der Anonymität zu verschwinden. Kiryat Mo, wie ein Freund von mir den Stadtteil nennt, grenzt einerseits an das haredische (ultra - orthod.) Givat Shaul, andererseits an das Säkulerterritorium von Beit HaKerem und zu guter Letzt an die ewig lange Kanfei Nescharim Street, die zwar offiziell zu Givat Shaul gehört, jedoch eher die "weltliche" Seite des Haredistadtteils wiedergibt. Büros, Fabriken und Restaurants.
Das Bequeme daran ist, das man in Kiryat Moshe alles zuammen hat. "Religion light", wie viele Haredim (Ultra - Orthod.) die Nationalreligiösen zu nennen pflegen, dann die Ultras selber genauso wie die Säkuleren auf der anderen Seite.
Kiryat Moshe ist kein Stadtteil, in dem die grosse Action stattfindet. Außer vielleicht ab und an einige rechte Demos gegen die Regierung. Eher sieht man Wohnhäuser wovon die meisten von kleinen gepflegten Gärtchen umgeben. Hier lebt es sich ruhig und ohne den Welttrubel. Die Mieten sind zwar hoch, aber was tut man nicht alles für Nachbarn, die die gleichen relig. Ideale vertreten wie man selbst ?
Mittendrin oder besser gesagt, fast schon im haredischen Givat Shaul, leben die zwei Familien, deren Kinder ich unterrichte. Allesamt streng nationalrelig. und zionistisch.
Einer der Väter, ein sephardischer Jude, diskutiert gerne mit mir chassidische Themen. Er selbst sieht sich als eine Art Chassid. Zumindest irgendwie so angehaucht. Seine Frau hingegen ist typisch nationalrelig., aschkenazisch und in den Staaten geboren. Sie hat keine Ahnung vom Chassidismus und ist eher der Karrieretyp. Und sobald er und ich diskutieren, steht sie daneben und läßt ihre weltlichen Gedanken walten.
Der sephardische Vater liebt zu jammern, dass seine Kinder fast nichts Chassidisches an sich haben. Wie auch, beklagt er, sie gehen ja auf diese NOAM - Schule, die ihnen diesbezüglich nichts beibringt.
Noam - Schulen sind die anerkannten Schulen des nationalrelig. Movements und insgeheim werden dessen Schüler von vielen Haredim als arrogant bezeichnet. Noam - Schüler sind nicht einfach zu handhaben und ich bedauere alle Lehrer, die dort arbeiten. Um nicht alle über einen Kamm zu scheren, es gibt sicher auch Gegenteiliges; meine bisherige Erfahrung aber zeigt, dass Noam - Schüler rotzfrech sind. Und wenn eine rechte Demo ansteht, werden sie penetrant.
Ich habe jahrelang in dieser Mentalität gelebt und weiß meinen Switch von haredischen auf nationalrelig. Philosophien zu bewältigen. Allerdings bin ich für meine Noam - Schüler eine Attraktion, an die sie sich aber nach den Jahren, welche ich sie unterrichte, gewöhnt haben. Ihnen sind meine haredischen Einstellungen bekannt. Bekannt, aber trotzdem fremd. Und so reissen wir regelmässig gegenseitige Witzchen.
Noam - Schüler haben vom haredischen Leben Null Ahnung, wobei ich mir sicher bin, dass es mit ihrem haredischen Gegenpart nicht besser bestellt ist. Wenn ich meine Schüler ärgern will, dann brauche ich nur zionistische Themen anzusprechen und schon gehen sie hoch. Neulich geschah dies erst wieder als ich andeutete, demnächst einmal die Neturei Karta Synagoge in Mea Shearim aufzusuchen. Zu der einzigen weiblichen Schülerin in der Gruppe sagte ich, dass ich sie gerne mitnehmen könne. Sie war außer sich, hatte sie doch bei den letzten Knessetwahlen Wahlpropaganda für die zionistische nationalrelig. Partei MAVDAL betrieben.
Zionismus hin oder her, Chassidismus hin oder her, der Vater eines Teils der Gruppe, will dass sein Noam - Clan nun endlich einmal Spiritualität und Chassidismus lernt. Und so wurden jetzt CD's mit chassidischen Liedern gekauft, die oft im Haushalt gedudelt werden. Die Mutter läßt selbst die wildeste Musik kalt und sie steht realistisch und karrierebeflissen in der Küche. Die Kinder finden das alles nur öde. Einzig und allein die zwei Allerkleinsten springen darauf an und drehen sich tanzend im Kreis.
Der Vater hat noch andere tiefere Massnahmen getroffen.
Ganz neu sind die Video CD's, die nun auf dem hauseigenen PC laufen. Chassidische Geschichten und sämtliche Stories früherer chassidischer Rebben pur. Und wenn das auch nicht helfen sollte, dreht der Vater gewiss durch. Es soll gefälligst chassidische Spiritualiät her und keine Noam - Arroganz.
Jeden Donnerstag wieder muß ich meine innere Uhr umstellen; meine eigene Denkweise und Philosophie hinten anstellen, um nicht einer anderen Philosophie in die Quere zu kommen.
Diese Sätze mögen verwirrend klingen, doch stellen sie nur meinen inneren Gedankenswitch dar.
Jeden Donnerstag am Spätnachmittag unterrichte ich eine nationalreligiöse Kindergruppe. Kinder zweier Familien, die im gleichen Haus wohnen. Und schon allein der Gang dorthin bedeutet einen Switch. Lebte ich zwar noch vor Jahren selbst im nationalrelig. Stadtteil Kiryat Moshe, so ist er mir heute gänzlich fremd geworden.
Kiryat Moshe, der nationalrelig. Stadtteil Jerusalems;
hier hängen die "Free Jonathan Pollard - Plakate aus den Fenstern, Gush Katif wird zurückgefordert und Olmert zum Rücktritt aufgefordert.
Nationalrelig. bedeutet aber nicht immer gleich "Siedlertyp". Kiryat Moshe ist ein kleiner ruhiger Stadtteil inmitten des Jerusalemer Chaos. Hier kennen sich viele Bewohner und es ist fast schwer, in der Anonymität zu verschwinden. Kiryat Mo, wie ein Freund von mir den Stadtteil nennt, grenzt einerseits an das haredische (ultra - orthod.) Givat Shaul, andererseits an das Säkulerterritorium von Beit HaKerem und zu guter Letzt an die ewig lange Kanfei Nescharim Street, die zwar offiziell zu Givat Shaul gehört, jedoch eher die "weltliche" Seite des Haredistadtteils wiedergibt. Büros, Fabriken und Restaurants.
Das Bequeme daran ist, das man in Kiryat Moshe alles zuammen hat. "Religion light", wie viele Haredim (Ultra - Orthod.) die Nationalreligiösen zu nennen pflegen, dann die Ultras selber genauso wie die Säkuleren auf der anderen Seite.
Kiryat Moshe ist kein Stadtteil, in dem die grosse Action stattfindet. Außer vielleicht ab und an einige rechte Demos gegen die Regierung. Eher sieht man Wohnhäuser wovon die meisten von kleinen gepflegten Gärtchen umgeben. Hier lebt es sich ruhig und ohne den Welttrubel. Die Mieten sind zwar hoch, aber was tut man nicht alles für Nachbarn, die die gleichen relig. Ideale vertreten wie man selbst ?
Mittendrin oder besser gesagt, fast schon im haredischen Givat Shaul, leben die zwei Familien, deren Kinder ich unterrichte. Allesamt streng nationalrelig. und zionistisch.
Einer der Väter, ein sephardischer Jude, diskutiert gerne mit mir chassidische Themen. Er selbst sieht sich als eine Art Chassid. Zumindest irgendwie so angehaucht. Seine Frau hingegen ist typisch nationalrelig., aschkenazisch und in den Staaten geboren. Sie hat keine Ahnung vom Chassidismus und ist eher der Karrieretyp. Und sobald er und ich diskutieren, steht sie daneben und läßt ihre weltlichen Gedanken walten.
Der sephardische Vater liebt zu jammern, dass seine Kinder fast nichts Chassidisches an sich haben. Wie auch, beklagt er, sie gehen ja auf diese NOAM - Schule, die ihnen diesbezüglich nichts beibringt.
Noam - Schulen sind die anerkannten Schulen des nationalrelig. Movements und insgeheim werden dessen Schüler von vielen Haredim als arrogant bezeichnet. Noam - Schüler sind nicht einfach zu handhaben und ich bedauere alle Lehrer, die dort arbeiten. Um nicht alle über einen Kamm zu scheren, es gibt sicher auch Gegenteiliges; meine bisherige Erfahrung aber zeigt, dass Noam - Schüler rotzfrech sind. Und wenn eine rechte Demo ansteht, werden sie penetrant.
Ich habe jahrelang in dieser Mentalität gelebt und weiß meinen Switch von haredischen auf nationalrelig. Philosophien zu bewältigen. Allerdings bin ich für meine Noam - Schüler eine Attraktion, an die sie sich aber nach den Jahren, welche ich sie unterrichte, gewöhnt haben. Ihnen sind meine haredischen Einstellungen bekannt. Bekannt, aber trotzdem fremd. Und so reissen wir regelmässig gegenseitige Witzchen.
Noam - Schüler haben vom haredischen Leben Null Ahnung, wobei ich mir sicher bin, dass es mit ihrem haredischen Gegenpart nicht besser bestellt ist. Wenn ich meine Schüler ärgern will, dann brauche ich nur zionistische Themen anzusprechen und schon gehen sie hoch. Neulich geschah dies erst wieder als ich andeutete, demnächst einmal die Neturei Karta Synagoge in Mea Shearim aufzusuchen. Zu der einzigen weiblichen Schülerin in der Gruppe sagte ich, dass ich sie gerne mitnehmen könne. Sie war außer sich, hatte sie doch bei den letzten Knessetwahlen Wahlpropaganda für die zionistische nationalrelig. Partei MAVDAL betrieben.
Zionismus hin oder her, Chassidismus hin oder her, der Vater eines Teils der Gruppe, will dass sein Noam - Clan nun endlich einmal Spiritualität und Chassidismus lernt. Und so wurden jetzt CD's mit chassidischen Liedern gekauft, die oft im Haushalt gedudelt werden. Die Mutter läßt selbst die wildeste Musik kalt und sie steht realistisch und karrierebeflissen in der Küche. Die Kinder finden das alles nur öde. Einzig und allein die zwei Allerkleinsten springen darauf an und drehen sich tanzend im Kreis.
Der Vater hat noch andere tiefere Massnahmen getroffen.
Ganz neu sind die Video CD's, die nun auf dem hauseigenen PC laufen. Chassidische Geschichten und sämtliche Stories früherer chassidischer Rebben pur. Und wenn das auch nicht helfen sollte, dreht der Vater gewiss durch. Es soll gefälligst chassidische Spiritualiät her und keine Noam - Arroganz.
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Dienstag, 4. März 2008
Was macht einen Zaddik (Gerechten) aus ?
B"H
Nicht nur, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann, einer chassidischen Gruppe beizutreten oder nicht; aber selbst wenn, welche Gruppe würde dann bei mir ganz oben auf der Liste stehen ?
Wie ich einige Male zuvor erwähnte, bin ich keine Person, die mit einer einzigen Gruppierung mitläuft, denn ich behalte immer meine eigenen Ideen und Ansichten bei. Ich laufe nicht mit der Masse. Nach all den Jahren, in denen ich mit Chassidim zu tun hatte / habe, könnte ich nicht konkret bestimmen, welche chassidische Gruppe ich besonders bevorzuge und welche nicht. Und das, obwohl ich mich mit dem Chassidismus identifiziere und viele chassidische Bräuche halte und ein chassidisches Sidur (Gebetbuch) habe.
Allerdings ist es mehr als offensichtlich, dass die Chassidim bestimmter Gruppen sich durch eine spezielle Mentalität bzw. einem Verhalten voneinander unterscheiden. Ich weiß nicht genau, wie ich das einem Außenstehenden genau erklären könnte, jedoch sieht man nach einiger Zeit diverse Unterschiede. Ich nehme einfach einmal die Chassidut Belz als Beispiel und hoffe, dass sich kein Belzer beleidigt fühlt. Nichtsdestotrotz gibt Belz ein hervorragendes Beispiel her.
Andere chassidische Gruppen sagen Folgendes über die Belzer:
"Die denken doch einzig und allein nur an ihr Geld. Immer nur Geld, Geld, Geld."
Wer zum chassidischen Tisch des Belzer Rebben, Rabbi Yissachar Dov Rokeach, geht, der sieht Hunderte Chassidim, die beflissen ihrem Rebben zu dienen bereit sind. Einmal kam ich etwas zu früh zum Tisch am Freitag abend und der Rebbe war noch nicht eingetroffen. Seine Chassidim liefen auf und ab, redeten miteinander, etc. Plötzlich verkündete jemand laut, dass der Rebbe im Anmarsch sei und man sah die Chassidim nur noch rennen. Alle wollten schnell auf ihren Platz und bereitstehen. Solch Beflissenheit habe ich noch bei keiner anderen chassidischen Gruppe erlebt. Es war als käme ein Armeegeneral seine Truppe besuchen.
Am Schabbat tragen die Belzer ihre allerbeste Garderobe und vor allem die schwarzen Schuhe sind blitzblank geputzt.
Wer die Belzer nur vom Tisch kennt, der wird kaum übersehen, dass vor allem sie eine bestimmte Mentalität haben, die ich einfach nicht in der Lage bin genauer zu definieren. Man muß es schon selbst sehen. Allein ihr Gang ist schon anders. Man könnte es Eleganz nennen, andere Chassidim hingegen nennen es Arroganz.
Kennt man die Belzer jedoch etwas näher, lernt man meistens nette offene Menschen kennen, die nicht immer nur an Geld denken. Jedenfalls habe ich bisher nur positive Erfahrungen mit Belz gemacht.
Vor wenigen Wochen erzählte ich einem Chassid (NICHT Belz) von Bekannten von mir. Die nämlich schliessen sich gerade einer anderen chassidischen Gruppe an, da sie den Rebben lieben.
Der Chassid grinste und meinte ironisch: "Und was ist, wenn der Rebbe stirbt und sie seinen Nachfolger nicht mögen ? Was dann ? Wechseln sie dann wieder die Gruppe ?"
All diese Aufzählungen stellen nur einige meiner Gründe dar, warum ich mich mit keiner chassidischen Gruppe uneingeschränkt identifiziere. Einfach so ein bestimmtes Verhalten zu übernehmen, nur einen Rebben verehren und all dessen Ideen und Halachot (Psak Din – halachische Entscheidungen) zu 100%ig zu akzeptieren, ist nichts für mich.
Eines meiner größten Probleme ist es, einen chassidischen Rebben, egal welcher Gruppierung, als einen Zaddik (Gerechten) anzuerkennen. Ohne Frage stimme ich mit dem Baal Shem Tov und seinem Zaddik – Konzept zu. Dennoch ist mir Rabbi Elimelech von Lejansk in seinem Buch "Noam Elimelech" mit seiner Zaddik – Definition viel zu weit abhanden gekommen. Ich kann da kaum noch etwas nachvollziehen.
Es war Rabbi Elimelech von Lejansk (1717 – 1786), der das Zaddik – Konzept erst richtig ausbaute und der Meinung war: "Wenn der Zaddik großartige Dinge tut, kleidet sich seine Seele im Ruach HaKodesh (eine Art Prophezeihung)".
Besonders der Chozeh (Seher) von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (1745 – 1815) fügte dem chassidischen Zaddik – Konzept noch viele zusätzliche Aspekte hinzu. An dieser Stelle will ich nur einige wenige nennen, denn die gesamte Liste aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.
Laut dem Chozeh steht der Zaddik über einem gewöhnlichen Juden (Am HaAretz). Ist es doch das Gebet des Zaddiks, welches den Meschiach bringen könnte und nur der Zaddik allein erhebt unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten.
Das Peshis'cha – Movement unter Rabbi Yaakov Yitzchak von Przysucha (Jiddisch: Peshis'cha) stimmte dem Konzept des Chozeh (Sehers) von Lublin alles andere als zu. Stattdessen lehrte der Rabbi von Przysucha (1765 – 1814), dass die Aufgabe eines Zaddiks (eines Rebben) darin bestehe, anderen Juden zu verhelfen, selbst ein Zaddik zu werden. Keineswegs sollte der Rebbe die alleinige Zaddikfunktion übernehmen und sich nur auf Distanz zu anderen Juden halten.
Wenn ich mir den historischen Background ansehe und die heutigen Rebben betrachte, bin ich mir nicht sicher, ob die Zaddik – Konzepte nicht etwas übertrieben klingen. So mancher mag mich in dem Punkt für einen Litvak (litvischen Juden) halten, aber ich kann hier einfach nicht von meiner Meinung abweichen.
Zuerst einmal habe ich immer das Chabad – Konzept des Zaddiks in meinem Kopf. Wenn ich hier Chabad sage, dann meine ich damit deren Gründer Rabbi Schneur Zalman von Liadi (1745 - 1812) und nicht die heutigen Meschiach – Fraktionen der Gruppe.
In seinem Buch "Tanya" definiert Rabbi Schneur Zalman den Zaddik als eine Person ohne jegliche Yetzer HaRah (die negative Seite in einem jeden von uns). Ein Konzept Rabbi Schneur Zalmans, welches ich besonders mag.
Obwohl viele verschiedene Ideen darüber bestehen, wie denn nun ein Zaddik zu sein hat, frage ich mich immer wieder, ob die Zaddikim, die Rebben der heutigen chassidischen Dynastien, wirkliche alle Zaddikim sind und ihre Yetzer HaRah überkommen haben. Ich bin manchmal recht altmodisch und wage zu behaupten, dass heutzutage die Zaddikim mehr als rar auf dieser Welt sind. Zu früheren Zeiten vor Hunderten oder einigen Tausend Jahren war mag dies noch anders gewesen sein. Kurz gesagt, in meinen Augen ist nicht jeder chassidische Rebbe automatisch gleichzusetzen mit einem Zaddik.
Um als ein Zaddik zu gelten, sollte eine Person über herausragende Eigenschaften verfügen und nicht diese Position einnehmen, weil sie ihm eben einmal so vererbt worden ist. Diejenigen, die mit den Schriften des Rabbi Yehoshua Heschel von Apta (1748 – 1825) vertraut sind, wissen, wie der Apter Rebbe einen Zaddik definiert. In seinem Buch "Ohev Israel" schreibt er, dass ein Zaddik sich diese hohe Position nicht alleine aussucht, sondern sie ihm vom Himmel gegeben wird.
Aber was ist mit all den chassidischen Rebben heute ? Haben sie wirklich ihre Position vom Himmel bekommen ? Einerseits schon, denn schließlich geschieht nichts auf der Welt ohne G – tt.
Viele der chassidischen Rebbes tun sicherlich großartige Dinge und halten die Mitzwot (Gesetze), aber sind sie deshalb automatisch Zaddikim ? Obwohl Rabbi Nachman von Breslov (1772 - 1810) sich selbst als "Zaddik HaDor – Als der Gerechte seiner Generation" proklamierte, predigte er dennoch einen weiteren Gedanken:
"Im Grunde genommen hat jeder das Zeug zum Zaddik. Er muß nur an sich arbeiten."
Für mich ist ein chassidischer Rebbe eher eine Authorität und eine Respektperson. Er kann eine herausragende Figur mit hervorragenden relig. Kenntnissen sein, was ihn jedoch für mich nicht unbedingt zu einem "Heiligen" macht. Eine Person mit großem Charisma, das ist alles. Ist das so schlimm ?
Ich sehe mich nicht einem speziellen Rebbe hinterherlaufen, der alles für mich entscheidet. Es gibt auch noch andere Meinungen und Leute bzw. Rabbis. Und der Chassid, mit dem ich sprach, sagte etwas Treffendes: "Was ist, wenn der Rebbe stirbt und Du seinen Nachfolger nicht magst ?"
Bei den chassidischen Tischen frage ich mich des öfteren schon, wo eigentlich G – tt ist. Die neben mir Stehenden sagen immer nur: "Der Rebbe, der Rebbe, der Rebbe." Übrigens geht mir dies genauso. Wir alle starren gemeinsam auf den Rebben.
Aber ist nicht G – tt wichtiger als der Rebbe ? Und wo bleibt er beim Tisch ? Chassidisch gesprochen verbindet uns der Rebbe mit G – tt. Aber andererseits können wir dies auch alleine und individuell tun, denn jeder Jude hat selbst eine jüdische Neschama (Seele).
Anscheinend ist es für solche Leute wie mich wirklich besser, sich keiner bestimmten Gruppe anzuschliessen und stattdessen ein Outsider zu bleiben. Ich könnte diesbezüglich keine definitive Entscheidung fällen, bewundere aber Leute, die dies können.
Nicht nur, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann, einer chassidischen Gruppe beizutreten oder nicht; aber selbst wenn, welche Gruppe würde dann bei mir ganz oben auf der Liste stehen ?
Wie ich einige Male zuvor erwähnte, bin ich keine Person, die mit einer einzigen Gruppierung mitläuft, denn ich behalte immer meine eigenen Ideen und Ansichten bei. Ich laufe nicht mit der Masse. Nach all den Jahren, in denen ich mit Chassidim zu tun hatte / habe, könnte ich nicht konkret bestimmen, welche chassidische Gruppe ich besonders bevorzuge und welche nicht. Und das, obwohl ich mich mit dem Chassidismus identifiziere und viele chassidische Bräuche halte und ein chassidisches Sidur (Gebetbuch) habe.
Allerdings ist es mehr als offensichtlich, dass die Chassidim bestimmter Gruppen sich durch eine spezielle Mentalität bzw. einem Verhalten voneinander unterscheiden. Ich weiß nicht genau, wie ich das einem Außenstehenden genau erklären könnte, jedoch sieht man nach einiger Zeit diverse Unterschiede. Ich nehme einfach einmal die Chassidut Belz als Beispiel und hoffe, dass sich kein Belzer beleidigt fühlt. Nichtsdestotrotz gibt Belz ein hervorragendes Beispiel her.
Andere chassidische Gruppen sagen Folgendes über die Belzer:
"Die denken doch einzig und allein nur an ihr Geld. Immer nur Geld, Geld, Geld."
Wer zum chassidischen Tisch des Belzer Rebben, Rabbi Yissachar Dov Rokeach, geht, der sieht Hunderte Chassidim, die beflissen ihrem Rebben zu dienen bereit sind. Einmal kam ich etwas zu früh zum Tisch am Freitag abend und der Rebbe war noch nicht eingetroffen. Seine Chassidim liefen auf und ab, redeten miteinander, etc. Plötzlich verkündete jemand laut, dass der Rebbe im Anmarsch sei und man sah die Chassidim nur noch rennen. Alle wollten schnell auf ihren Platz und bereitstehen. Solch Beflissenheit habe ich noch bei keiner anderen chassidischen Gruppe erlebt. Es war als käme ein Armeegeneral seine Truppe besuchen.
Am Schabbat tragen die Belzer ihre allerbeste Garderobe und vor allem die schwarzen Schuhe sind blitzblank geputzt.
Wer die Belzer nur vom Tisch kennt, der wird kaum übersehen, dass vor allem sie eine bestimmte Mentalität haben, die ich einfach nicht in der Lage bin genauer zu definieren. Man muß es schon selbst sehen. Allein ihr Gang ist schon anders. Man könnte es Eleganz nennen, andere Chassidim hingegen nennen es Arroganz.
Kennt man die Belzer jedoch etwas näher, lernt man meistens nette offene Menschen kennen, die nicht immer nur an Geld denken. Jedenfalls habe ich bisher nur positive Erfahrungen mit Belz gemacht.
Vor wenigen Wochen erzählte ich einem Chassid (NICHT Belz) von Bekannten von mir. Die nämlich schliessen sich gerade einer anderen chassidischen Gruppe an, da sie den Rebben lieben.
Der Chassid grinste und meinte ironisch: "Und was ist, wenn der Rebbe stirbt und sie seinen Nachfolger nicht mögen ? Was dann ? Wechseln sie dann wieder die Gruppe ?"
All diese Aufzählungen stellen nur einige meiner Gründe dar, warum ich mich mit keiner chassidischen Gruppe uneingeschränkt identifiziere. Einfach so ein bestimmtes Verhalten zu übernehmen, nur einen Rebben verehren und all dessen Ideen und Halachot (Psak Din – halachische Entscheidungen) zu 100%ig zu akzeptieren, ist nichts für mich.
Eines meiner größten Probleme ist es, einen chassidischen Rebben, egal welcher Gruppierung, als einen Zaddik (Gerechten) anzuerkennen. Ohne Frage stimme ich mit dem Baal Shem Tov und seinem Zaddik – Konzept zu. Dennoch ist mir Rabbi Elimelech von Lejansk in seinem Buch "Noam Elimelech" mit seiner Zaddik – Definition viel zu weit abhanden gekommen. Ich kann da kaum noch etwas nachvollziehen.
Es war Rabbi Elimelech von Lejansk (1717 – 1786), der das Zaddik – Konzept erst richtig ausbaute und der Meinung war: "Wenn der Zaddik großartige Dinge tut, kleidet sich seine Seele im Ruach HaKodesh (eine Art Prophezeihung)".
Besonders der Chozeh (Seher) von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (1745 – 1815) fügte dem chassidischen Zaddik – Konzept noch viele zusätzliche Aspekte hinzu. An dieser Stelle will ich nur einige wenige nennen, denn die gesamte Liste aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.
Laut dem Chozeh steht der Zaddik über einem gewöhnlichen Juden (Am HaAretz). Ist es doch das Gebet des Zaddiks, welches den Meschiach bringen könnte und nur der Zaddik allein erhebt unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten.
Das Peshis'cha – Movement unter Rabbi Yaakov Yitzchak von Przysucha (Jiddisch: Peshis'cha) stimmte dem Konzept des Chozeh (Sehers) von Lublin alles andere als zu. Stattdessen lehrte der Rabbi von Przysucha (1765 – 1814), dass die Aufgabe eines Zaddiks (eines Rebben) darin bestehe, anderen Juden zu verhelfen, selbst ein Zaddik zu werden. Keineswegs sollte der Rebbe die alleinige Zaddikfunktion übernehmen und sich nur auf Distanz zu anderen Juden halten.
Wenn ich mir den historischen Background ansehe und die heutigen Rebben betrachte, bin ich mir nicht sicher, ob die Zaddik – Konzepte nicht etwas übertrieben klingen. So mancher mag mich in dem Punkt für einen Litvak (litvischen Juden) halten, aber ich kann hier einfach nicht von meiner Meinung abweichen.
Zuerst einmal habe ich immer das Chabad – Konzept des Zaddiks in meinem Kopf. Wenn ich hier Chabad sage, dann meine ich damit deren Gründer Rabbi Schneur Zalman von Liadi (1745 - 1812) und nicht die heutigen Meschiach – Fraktionen der Gruppe.
In seinem Buch "Tanya" definiert Rabbi Schneur Zalman den Zaddik als eine Person ohne jegliche Yetzer HaRah (die negative Seite in einem jeden von uns). Ein Konzept Rabbi Schneur Zalmans, welches ich besonders mag.
Obwohl viele verschiedene Ideen darüber bestehen, wie denn nun ein Zaddik zu sein hat, frage ich mich immer wieder, ob die Zaddikim, die Rebben der heutigen chassidischen Dynastien, wirkliche alle Zaddikim sind und ihre Yetzer HaRah überkommen haben. Ich bin manchmal recht altmodisch und wage zu behaupten, dass heutzutage die Zaddikim mehr als rar auf dieser Welt sind. Zu früheren Zeiten vor Hunderten oder einigen Tausend Jahren war mag dies noch anders gewesen sein. Kurz gesagt, in meinen Augen ist nicht jeder chassidische Rebbe automatisch gleichzusetzen mit einem Zaddik.
Um als ein Zaddik zu gelten, sollte eine Person über herausragende Eigenschaften verfügen und nicht diese Position einnehmen, weil sie ihm eben einmal so vererbt worden ist. Diejenigen, die mit den Schriften des Rabbi Yehoshua Heschel von Apta (1748 – 1825) vertraut sind, wissen, wie der Apter Rebbe einen Zaddik definiert. In seinem Buch "Ohev Israel" schreibt er, dass ein Zaddik sich diese hohe Position nicht alleine aussucht, sondern sie ihm vom Himmel gegeben wird.
Aber was ist mit all den chassidischen Rebben heute ? Haben sie wirklich ihre Position vom Himmel bekommen ? Einerseits schon, denn schließlich geschieht nichts auf der Welt ohne G – tt.
Viele der chassidischen Rebbes tun sicherlich großartige Dinge und halten die Mitzwot (Gesetze), aber sind sie deshalb automatisch Zaddikim ? Obwohl Rabbi Nachman von Breslov (1772 - 1810) sich selbst als "Zaddik HaDor – Als der Gerechte seiner Generation" proklamierte, predigte er dennoch einen weiteren Gedanken:
"Im Grunde genommen hat jeder das Zeug zum Zaddik. Er muß nur an sich arbeiten."
Für mich ist ein chassidischer Rebbe eher eine Authorität und eine Respektperson. Er kann eine herausragende Figur mit hervorragenden relig. Kenntnissen sein, was ihn jedoch für mich nicht unbedingt zu einem "Heiligen" macht. Eine Person mit großem Charisma, das ist alles. Ist das so schlimm ?
Ich sehe mich nicht einem speziellen Rebbe hinterherlaufen, der alles für mich entscheidet. Es gibt auch noch andere Meinungen und Leute bzw. Rabbis. Und der Chassid, mit dem ich sprach, sagte etwas Treffendes: "Was ist, wenn der Rebbe stirbt und Du seinen Nachfolger nicht magst ?"
Bei den chassidischen Tischen frage ich mich des öfteren schon, wo eigentlich G – tt ist. Die neben mir Stehenden sagen immer nur: "Der Rebbe, der Rebbe, der Rebbe." Übrigens geht mir dies genauso. Wir alle starren gemeinsam auf den Rebben.
Aber ist nicht G – tt wichtiger als der Rebbe ? Und wo bleibt er beim Tisch ? Chassidisch gesprochen verbindet uns der Rebbe mit G – tt. Aber andererseits können wir dies auch alleine und individuell tun, denn jeder Jude hat selbst eine jüdische Neschama (Seele).
Anscheinend ist es für solche Leute wie mich wirklich besser, sich keiner bestimmten Gruppe anzuschliessen und stattdessen ein Outsider zu bleiben. Ich könnte diesbezüglich keine definitive Entscheidung fällen, bewundere aber Leute, die dies können.
Sonntag, 2. März 2008
Die Lästerein der Männer
B"H
In der haredischen (ultra – orthodoxen) Welt herrschen viele stereotype Ansichten über die Frau in der eigenen Gesellschaft.
"Frau sei naiv, ist oft unfähig, selbständige Entscheidungen zu treffen, will sich nicht unbedingt zu höheren jüdische Studien einschreiben, denn Frau verbringt lieber die Zeit mit den Kindern, in der Küche und beim Weiberklatsch. Ganz, wie sich das gehört."
Die Frauen selbst wissen, dass dies nicht immer stimmt, doch die Männer verfallen nur allzu gerne in diese bequeme Gedankenwelt. Und heißt es nicht schon im Talmud, dass die Frauen mehr "Binah – Verstehen" haben ? Wehe dem, der (die Frauen) diesen Talmudpassuk jemals einem Mann zitiert. Dann heißt es im Gegenzug, dass sei ja alles nicht wahr und die Frau brauche halt eine starke Hand.
Natürlich lästern und klatschen die Männer unter sich. Und das sogar zur Genüge. Chassidim sind da keine Ausnahme.
Seitdem ich über die haredische Welt schreibe, musste ich mir schon so einiges anhören. Ständig werde ich von männlichen Haredim (Ultra – Orthodoxen) ausgefragt. Zumindest versuchen sie es. Wohlgemerkt, Haredim und keine Nationalreligiösen. Wobei Letztere auch nicht hinten anstehen und genügend eigenen Klatsch und Tratsch verbreiten.
Was also lästert ein Chassid ? Welche Themen liebt er ?
Es versteht sich von selbst, dass er nur die Lästerein über andere chassidische Gruppen liebt und nichts, was seine eigene Gruppe angeht. Denn die ist schliesslich die Größte. Und wehe dem, der einem Chassid mitten ins Gesicht sagt, dass es Mißstände in seiner Gruppe gibt. Wobei es hier auf die Art der Mißstände ankommt, wie man es formuliert und rüberbringt. Sobald jedoch jemand etwas zur eigenen Gruppe verlauten läßt, wird natürlich die chassidische Konkurrenz beschuldigt, Unwahrheiten in die Welt zu setzen.
Chassidim lieben es, über die Rebbitzens andere Gruppen zu hetzen. Wenn es geht, viel Delikates. Ihre eigene Rebbitzen ist selbstverständlich die größte Zadekes (Gerechte), ausgesprochen intelligent, sie kann kochen, repräsentieren, ist voll Chesed (Güte) und wer weiß, was noch alles. Die Rebbitzen einer anderen Gruppe dagegen wird in Frage gestellt. Generell gilt, dass eben diese Rebbitzen weniger intelligent ist als die eigene.
Viele männliche Chassidim kennen die anderen Rebbitzens nicht, da sie nie mit ihr persönlich zu tun haben. Und so fragen nicht wenige mich, wie es denn beim Tisch war mit der Rebbitzen und so.
"Wie ist sie ?"
"Hat sie was im Hirn ?"
Ich lache mich jedesmal wieder aufs Neue tot, wenn ich diese Fragen höre. Wie soll ich denn die Rebbitzen einschätzen, wenn ich kaum mit ihr rede ? Die meisten von ihnen sind eh immer von ihrer eigenen Frauengruppe umgeben. Klar, bei den Toldot Aharon oder den Avraham Yitzchak ist es ungewöhnlich einfach mit den Rebbitzens zu reden. Aber nicht überall ist dies der Fall. Übrigens sind gerade diese zwei Rebbitzens von unbeschreiblicher unterschiedlicher Natur.
Soweit sprach ich nur mit einer Rebbitzen und die war von den Jerusalemer Kretchnifer Chassidim. Sorry, aber ich habe sie in dem Moment nicht nach ihrem IQ gefragt.
Männliche Chassidim jedoch lassen mich kaum mit der Frage in Ruhe und ich wiederum verstehe nicht, was sie von einer Antwort hätten. Wollen sie in dem Moment nur eine gewisse Überlegenheit gegenüber einer andere Gruppe fühlen ? Anstatt ewig nach der Rebbitzen zu fragen, würde mich hingegen interessieren, wieviel Hirn der Rebbe hat. Ist er wirklich so intelligent oder nur Rebbe, weil es halt so vererbt wird ?
Männer lästern nicht weniger als Frauen, aber in diesem Falle verstehe ich ihren Lästergrund einfach nicht.
In der haredischen (ultra – orthodoxen) Welt herrschen viele stereotype Ansichten über die Frau in der eigenen Gesellschaft.
"Frau sei naiv, ist oft unfähig, selbständige Entscheidungen zu treffen, will sich nicht unbedingt zu höheren jüdische Studien einschreiben, denn Frau verbringt lieber die Zeit mit den Kindern, in der Küche und beim Weiberklatsch. Ganz, wie sich das gehört."
Die Frauen selbst wissen, dass dies nicht immer stimmt, doch die Männer verfallen nur allzu gerne in diese bequeme Gedankenwelt. Und heißt es nicht schon im Talmud, dass die Frauen mehr "Binah – Verstehen" haben ? Wehe dem, der (die Frauen) diesen Talmudpassuk jemals einem Mann zitiert. Dann heißt es im Gegenzug, dass sei ja alles nicht wahr und die Frau brauche halt eine starke Hand.
Natürlich lästern und klatschen die Männer unter sich. Und das sogar zur Genüge. Chassidim sind da keine Ausnahme.
Seitdem ich über die haredische Welt schreibe, musste ich mir schon so einiges anhören. Ständig werde ich von männlichen Haredim (Ultra – Orthodoxen) ausgefragt. Zumindest versuchen sie es. Wohlgemerkt, Haredim und keine Nationalreligiösen. Wobei Letztere auch nicht hinten anstehen und genügend eigenen Klatsch und Tratsch verbreiten.
Was also lästert ein Chassid ? Welche Themen liebt er ?
Es versteht sich von selbst, dass er nur die Lästerein über andere chassidische Gruppen liebt und nichts, was seine eigene Gruppe angeht. Denn die ist schliesslich die Größte. Und wehe dem, der einem Chassid mitten ins Gesicht sagt, dass es Mißstände in seiner Gruppe gibt. Wobei es hier auf die Art der Mißstände ankommt, wie man es formuliert und rüberbringt. Sobald jedoch jemand etwas zur eigenen Gruppe verlauten läßt, wird natürlich die chassidische Konkurrenz beschuldigt, Unwahrheiten in die Welt zu setzen.
Chassidim lieben es, über die Rebbitzens andere Gruppen zu hetzen. Wenn es geht, viel Delikates. Ihre eigene Rebbitzen ist selbstverständlich die größte Zadekes (Gerechte), ausgesprochen intelligent, sie kann kochen, repräsentieren, ist voll Chesed (Güte) und wer weiß, was noch alles. Die Rebbitzen einer anderen Gruppe dagegen wird in Frage gestellt. Generell gilt, dass eben diese Rebbitzen weniger intelligent ist als die eigene.
Viele männliche Chassidim kennen die anderen Rebbitzens nicht, da sie nie mit ihr persönlich zu tun haben. Und so fragen nicht wenige mich, wie es denn beim Tisch war mit der Rebbitzen und so.
"Wie ist sie ?"
"Hat sie was im Hirn ?"
Ich lache mich jedesmal wieder aufs Neue tot, wenn ich diese Fragen höre. Wie soll ich denn die Rebbitzen einschätzen, wenn ich kaum mit ihr rede ? Die meisten von ihnen sind eh immer von ihrer eigenen Frauengruppe umgeben. Klar, bei den Toldot Aharon oder den Avraham Yitzchak ist es ungewöhnlich einfach mit den Rebbitzens zu reden. Aber nicht überall ist dies der Fall. Übrigens sind gerade diese zwei Rebbitzens von unbeschreiblicher unterschiedlicher Natur.
Soweit sprach ich nur mit einer Rebbitzen und die war von den Jerusalemer Kretchnifer Chassidim. Sorry, aber ich habe sie in dem Moment nicht nach ihrem IQ gefragt.
Männliche Chassidim jedoch lassen mich kaum mit der Frage in Ruhe und ich wiederum verstehe nicht, was sie von einer Antwort hätten. Wollen sie in dem Moment nur eine gewisse Überlegenheit gegenüber einer andere Gruppe fühlen ? Anstatt ewig nach der Rebbitzen zu fragen, würde mich hingegen interessieren, wieviel Hirn der Rebbe hat. Ist er wirklich so intelligent oder nur Rebbe, weil es halt so vererbt wird ?
Männer lästern nicht weniger als Frauen, aber in diesem Falle verstehe ich ihren Lästergrund einfach nicht.
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