Sonntag, 30. Dezember 2007

Nicht für mich

B"H

Es hat nichts dem dem gestrigen chassidischen Tisch zu tun, aber ausgerechnet dort ereilte mich die Erkenntnis.

Schon seit ewigen Zeiten frage ich mich, wieso ich total unfähig bin, mich einer chassidischen Gruppe anzuschließen.
Ist es die Gewissheit nur noch einem Rebben und einer Ideologie zu folgen ? Ist es die Art der Kleidung insbesondere des Rockes, den man verpflichtet ist zu tragen. Hosen für Frauen stehen nämlich absolute nicht zur Debatte.

Das Tragen von Röcken kann manchmal recht nervig sein und ich entpuppe mich nur am Shabbat zum Rock – Freak. Für mich ist das genug.

Wenn ich mir es jedoch genauer überlege, dann könnte ich mich sehr wohl ändern. Sogar auf Dauer einen Rock anziehen.
Bisher war ich immer der Überzeugung zu faul zu sein. Ich strenge mich ganz einfach nicht genügend an und lasse alles so an mir vorbeilaufen. Letzte Nacht jedenfalls wurde mir überraschend bewußt, warum ich mich keiner festen Gruppe anschließe. Der Grund ist ganz einfach: Ich bin einfach nicht der Typ dafür. Ich kann mir auf gar keinen Fall vorstellen, mich einer bestimmten Gruppe anzuschließen und dann mit deren Frauen zusammensitzen und mich unterhalten zu müssen. Bei den meisten chassidischen Gruppen ist ein Frauenkontakt zu den Männern unmöglich und somit bleiben dann nur die Frauen übrig. Mit denen über Frauenthemen wie den Haushalt, die Nachbarn oder das Kochen zu redden, täte mich zu Tode langweilen.

Nicht, dass ich alle mit hohen talmudischen Studien, Geschichte, Wissenschaft oder anderem auf die Nerven gehen will. Aber ich könnte es einfach nicht ertragen, in einer bestimmten Gesellschaft eingeengt zu leben und auch noch darauf zu achten, bloß nicht anzuecken, um ja nicht unangenehm immerhalb der Gesellschaft aufzufallen. Es ware für mich ganz einfach schwer, einen idealen Ansprechpartner zu haben.

Natürlich mögen jetzt einige lächeln und sagen, dass nicht alle Frauen in den Gruppen ungebildet sind und es sehr wohl möglich sei, Ansprechpartner zu finden. Besonders Chabad (die Lubawitscher) werden jetzt einwerfen: "Komm doch zu uns, denn wir sind die intelligenteste chassidische Gruppe".

Wahr oder nicht, geschlossene Frauengesellschaften sind definitiv nichts für mich.

Falsche Absichten

B"H

Es ist schon eine ganze Zeit her und ich hoffe, dass beide Hauptpersonen dieser Story letztendlich ihr wahres Glück gefunden haben.

Eines Freitags abends war ich zusammen mit mehreren Personen zu einem Shabbat - Dinner bei einer Bekannten namens Channah eingeladen. Sie wohnt in einem der ultra - orthodoxen Stadtteile Jerusalems, in Mea Shearim. Seit vielen Jahren ist sie mit einem Satmarer Chassid verheiratet und hat mehr als zehn Kinder, die mittlerweile aber alle verheiratet sind und selbst schon Kinder haben.

Wer zu Channahs Shabbatessen kommt, der muß sich auf einiges gefasst machen. Unter anderem darauf, dass Männlein und Weiblein in zwei verschiedenen Räumen sitzen. Des Anstands halber.

Ich hatte es mir am Tisch schon bequem gemacht als mein Blick ins Nebenzimmer fiel. Ich sah einen jungen Satmarer Chassid in meinem Alter und eine der Töchter Channahs ließ mich wissen, dass der Chassid noch ledig sei. Überhaupt käme er gebürtig aus Ungarn und sei erst kurze Zeit Mitglied bei Satmar.

Ich wiederum überlegte, wie ich wohl ein Date mit dem Chassid zustande bringen würde als Channah strahlend umherlief und verkündete, dass sich ausgerechnet jener Chassid gerade verlobt habe. Ich fiel fast vom Stuhl und war enttäuscht.
Natürlich malte ich mir aus, dass er bestimmt eine Angebetete gefunden hatte, die auch fleißig nach der Hochzeit mit einer Perücke ihr Haar bedecke und noch dazu am Shabbat ein weisses Tichel auf dem künstlichen Haar plaziert. Ganz Satmar halt.
Aber nichts war es. Eine junge nette Amerikanern wurde uns vorgestellt, die alles andere als Satmar war. Sie war happy, das sah man sofort. Der Chassid strahlte auch und ich war sauer.

Am nächsten Tag waren wir wieder alle versammelt. Dieses Mal zum Mittagessen und meine Bekannte Channah schwärmte mir unaufhörlich von dem neuen Paar vor.

Dann sah ich das Paar längere Zeit nicht mehr und hatte beide sogar vergessen. Bis ich eines abends den Bus von der Klagemauer in einen der chassidischen Stadtviertel nahm. Der Bus war volkommen überfüllt, aber plötzlich klopfte mir jemand auf die Schulter. Es war die junge Amerikanerin, die den Chassid heiraten wollte. Zuerst erkannte ich sie gar nicht und es dauerte einige Zeit, bis ich wußte, wer sie war.

Ob sie denn verheiratet ist, fragte ich neugierig.
"Nein, meinte sie lakonisch, der Typ aus Ungarn wäre nur hinter ihrem amerikanischen Paß hergewesen. Nichts religiös mit Satmar und so; der Typ wollte nur irgendwie nach New York kommen und sich dann schnell verdrücken. Die ganze Satmar - Show war nur vorgeschoben und sie sei heilfroh gewesen, das rechtzeitig herausgefunden zu haben.

Sie war froh….und ich erst.

Mir war das alles erspart geblieben und ich wurde nicht nach meinem deutschen Paß gefragt. Passieren tut mir das auch nicht mehr, denn in der Zwischenzeit besitze ich nur noch einen israelischen Paß.

Mishkenot HaRoim

B"H

Das einzige existierende Photo der Gruppe "Mishkenot HaRoim":



In der Mitte: Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann von der Edah HaCharedit (Chassidut Dushinsky). Links davon: Der Rebbe der Mishkenot HaRoim, Rabbi Chaim Rabinovitz.

Die Mishkenot HaRoim sind eine extrem geheime Gruppe im ultra - orthod. Stadtteil Mea Shearim.
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Mittlerweile ist dieses Photo nicht mehr das einzig existierende, denn mit einer Freudin machte ich gleich mehrere Photos am letzten Purim (5768).

Samstag, 29. Dezember 2007

Chassidischer Tisch bei Chassidut Kretchnif

B"H

Seit mehr als einem halben Jahr gehe ich regelmaessig zu chassidischen Tischen in Mea Shearim / Jerusalem.

Hier ein Bericht ueber unseren gestrigen Tischbesuch bei der Chassidut Kretchnif:

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/12/kretchnif-der-fast-unbekannte.html

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Chassidim in Deutschland

B"H

Schon die Idee allein, dass Chassidim in Deutschland leben koennten, klingt absurd. Eine Bekannte meinte zu mir: "Fuer deutsche Juden waren die Chassidim schon immer die Ostjuden. Ein Fremdkoerper."

Wer die Geschichte naeher betrachtet, der sieht, dass dies der Realitaet entspricht. Der aufkommende Chassidismus im 18. Jahrhundert hat Deutschland, bis auf wenige Ausnahmen, niemals erreicht und das spaeter gegruendete Reform - Movement tat sein uebriges. Man legte Wert auf Aufklaerung und Anpassung an das damalige Deutsche Reich. Fuer deutsche Juden war es schon immer unvorstellbar in traditioneller chassidischer Kleidung herumzulaufen. Man fand und findet es primitiv. Schliesslich wuerde jeder Passant einen von weitem als Juden erkennen.
Chassidisches Leben und Lehren gelten als fremd. Wer will sich schon einem Rebben unterordnen, wenn er von einer freien Gesellschaft umgeben ist, die auf Assimilation draengt ?

Im Osteuropa des 18.Jahrhunderts schaute es anders aus. Nach vielen russischen Pogromen suchten die Juden Erklaerungen und Hoffnung. Da kamen die nicht neuen, aber wiederbelebten Ideen des Baal Shem Tov gerade recht. Die Menschen hatten einfach die Nase voll vom akademischen Judentum, welches nur fuer einige Auserwaehlte bestimmt war (siehe litvishe Juden). Insgesamt waren die Juden in Osteuropa religioeser als jene in Deutschland. Auch nachdem das Reform Judentum Osteuropa erreichte, hielt die ueberwiegende Mehrheit der dortigen Juden ihre orthodoxe Richtung bei. Auch Dank einiger chassidischer Rebbes, die den Reformern erfolgreich entgegenwirkten.

Wie steht Deutschland heute zu den Chassidim und wie stehen diese zu Deutschland ?

Immerhin hat sich die chassidische Gruppe Chabad auch in Deutschland niedergelassen, was positiv zu bewerten ist. In der heutigen Zeit interessieren sich viele Juden fuer den Chassidimus. Einige litvishe Jerusalemer Yeshivot (relig. Schulen) waren gezwungen, chassidische Vortraege anzubieten, weil die Nachfrage so gross wurde.

Die Frage ist, ob deutsche Juden Chabad annehmen. Wer wirklich etwas ueber das Judentum lernen will, der geht dorthin, denn Chabad bietet reichlich Aufklaerung in allen Gebieten. Halachisch, Thora genauso wie spirituell. Es ware wuenschenswert, dass Chabad sich in Deutschland auch weiterhin ausbreitet und mehr Synagogen baut.
Ausser Chabad wird sich heutzutage keine chassidische Gruppe mehr niederlassen und Chabad weiss, dass es das es eine absolute Monopolstellung hat. Befinden sich vor allem in Zuerich, Paris, Antwerpen oder London Tausende anderer Chassidim wie Belz, Satmar, Gur etc., nach Deutschland kommt niemand. Nun koennte man der fehlenden Infrastruktur die Schuld geben. Keine ausreichenden koscheren Laeden, kaum relig. Schulen und und und. Doch das ist kein Grund fuer Chassidim sich nicht niederzulassen. Wenn sich einmal eine Gruppe niederlaesst, dann werden sofort Schulen, Synagogen, Laeden etc. eingerichtet. Und das in Windeseile.

Einer der wichtigsten Gruende fuer Chassidim Deutschland zu meiden, ist und bleibt der Holocaust. Die chassidischen Gruppen verloren Tausende ihrer Mitglieder im Holocaust und viele Rebbes sind auf aeusserst bestialische Weise von den Nazis ermordet worden.
Ich hoerte sogar von einigen deutschen Touristen, dass sie in New Yorker Stadtteilen wie Boro Park oder Williamsburgh von Chassidim beschimpft worden waren.

Aber nicht nur der Holocaust ist der Grund. Vor Jahren sprach ich einmal telefonisch mit einem Chabad - Verantwortlichen in der Chabad - Hauptniederlassung in New York. Er sagte mir das die Grundkriterien fuer eine Chabadniederlassung sind, dass es an dem entsprechenden Ort wirklich halachische Juden gibt.
Deutsche Gemeinde sind heutzutage voll mit russischen Neuankoemmlingen, die kaum ueber eine halachische juedische Herkunft verfuegen. Die meisten halachischen deutschen Juden wiederum sind nicht unbedingt am chassidischen Judentum interessiert, weil es fuer sie immer zu fremd und unbequem ist.

Insgesamt ist es fuer deutsche Gemeinden auf Dauer von Nachteil, keine chassidischen Juden zu haben. Wenn man schon allseits auf die Vielfalt pocht, dann darf man den Chassidismus nicht ausser acht lassen. In einer Zeit, in der der Antisemitismus wieder einmal Hochkonjunktur hat, will man nicht unnoetig durch chassidische Mitglieder auffallen. Man hat eh schon genuegend Probleme am Hals. Da wird sich dann doch lieber mit den grossen Kirchen arrangiert und macht auf christlich - juedische Zusammenarbeit. Selbst litvishe orthod. Rabbiner geben Vortraege in christl. Gemeinderaeumen. Ein grosses Paradox, denn mittlerweile sollte auch der Orthodoxie in Deutschland aufgefallen sein, was sie erntet. Assimilation und Mischehen.

Tatsache ist, dass sich diesbezueglich nichts aendern wird. Wer Chassidut lernen will, der geht zu Chabad und wer wirklich chassidisches Leben sehen will, der faehrt ins Ausland.

Die Aussteiger - Der Versuch einer Erklaerung

B"H

Jeder wird in seinem Leben immer wieder mit etwas konfrontiert; bei mir sind es die Aussteiger aus der Haredi - Society (Aussteiger aus dem Ultra - Orthodoxen Judentum).

Immer wieder treffe ich unbewusst auf andere Aussteiger. Jemand meinte einmal lakonisch zu mir, dass dies vielleicht G-ttes Weg sei, mich auf die Haredi - Pfade zurueckzufuehren.
Seien es nun Satmar, Chabad, Belz oder Gur (Ger)....Ich habe die Gabe alles anzuziehen.

Mein Ausstieg aus der Haredi - Society war wesentlich einfacher als derer aus den genannten chassidischen Gruppen. Nicht als Haredi geboren, kam ich viel spaeter dazu. Heisst, ich hatte vorher ein "normales" Leben mit Uni und Beruf, was den Ausstieg im Endeffekt erleichterte.
Ich kam irgendwie zufaellig dazu. Durch meinen Job mit Haredim und die automatischen Haredi - Freunde. Dadurch kam ich in die Gesellschaft und nahm an vielen Shabbat - Essen bei Satmar in Mea Shearim teil. Zusaetzlich ging ich noch auf eine litvishe (Midnagdim) Yeshiva. Die Umwelt ausserhalb dieses Zirkels, die sogenannte normale Welt, spielte keine Rolle mehr. Nicht, dass man sich als Haredi total abschottet, doch will man andererseits auch nicht mit gewissen Dingen in Beruehrung kommen, die einen dann stoeren. Ungluecklich war ich nicht, eher das Gegenteil.

Doch wo kam der Bruch ?
Der Bruch kam nicht durch die Haredim, sondern durch mich selbst. Um perfekter zu sein, hatte ich mir selbst Zwaenge auferlegt, was mich gewiss nicht zu einem Einzelfall macht. Andererseits vermisste ich sehr viele Dinge in meinem "neuen" Leben, wie Kino, Kreativitaet etc.

Ich war in zwei Personen gespalten, was mich zu einem Doppelleben zwang. Unter der Woche war ich toll religioes und dreimal pro Monat auch am Shabbat. Doch einmal pro Monat musste ich entkommen. Entweder nach Tel Aviv in ein Hostel und Halligalli machen oder ich fuhr zu einer belgischen Freundin, welche damals in Kiryat Ekron (nahe Rehovot) wohnte. Francoise wusste schon immer, was auf sie zukam, wenn mein Besuch anstand. Ersteinmal dauerte es mindestens zwei Stunden, bis ich meine religioese Welt vergass und mich auf etwas anderes konzentrieren konnte. "So, what's up this time?" lautete immer ihre erste Frage.
Wenn ich am Shabbat wegfuhr, so zog ich mich meistens vorher um. Jeans und so. Dieses war immer eine kleine Prozedur, denn tat ich das doch heimlich. In unserer Nachbarschaft haette ich nicht in Hose herumlaufen koennen.

Das ist das Schlimmste ueberhaupt, das eigene Gewissen. Schliesslich rannte ich nicht vor der Religion davon, sondern einem Lebensstil, den ich wollte und doch nicht wollte.
Klar, ich haette einfach meine Sachen packen und abhauen koennen, aber damals dachte ich, dass dies alles nur eine zeitweilige Krise sei, die jeder einmal durchmacht.

Das ganz grosse Problem ist, keinen Ansprechpartner zu haben. Mit wem kann man schon ueber soetwas reden ? Ein Chabad - Rabbi wollte mir helfen und waere er damals nicht gerade nach New York geflogen, well, vielleicht waere alles anders gekommen.
Ich konnte an nichts anderes mehr denken als an mein Problem. Wieso konnten andere in dieser Gesellschaft leben und ich nicht ? Wieso schaffte ich es nicht ? Der Koerper wollte, die Seele nicht.
Heute gibt es sehr viele Help - Groups diesbezueglich und viele Foren im Internet, doch damals vor genau neun Jahren stand ich ziemlich alleine da. Zu den Nationalreligioesen wollte ich nicht entkommen, denn das waere unter meiner Wuerde gewesen. Stattdessen stand ich eines morgens auf, zog eine schwarze Jeans an und schmiss meine Roecke, bis auf einen denn man weiss ja nie, in die Muelltonne. Die Nachbarn waren zuerst geschockt von meinem Anblick, doch gewoehnten sich dran. Und sie sprachen sogar noch mit mir.

In der Innenstadt hatte ich immer das Gefuehl von allen angestarrt zu werden. Jeder muesse doch sehen, dass ich Haredi bin. Wieso sagt keiner was ?
Mein Freundeskreis reagierte ueberraschend positiv und ich habe nur ganz ganz wenige Freunde verloren. Ansonsten verurteilte niemand, sondern sah es als eine Krise.

Die Situation wurde taeglich schlimmer, was fast zu einem kompletten Nervenzusammenbruch fuehrte. Ich beschloss einen schnellen Tapetenwechsel und fuhr innerhalb weniger Wochen nach Deutschland. Dort wollte ich einen klaren Kopf bekommen und Gedanken ordnen. Einfacher gesagt als getan, denn in Deutschland incl. bei juedischen Gemeinden ist dieses Problem voellig unbekannt. So half ich mir irgendwie selbst, hielt Kontakt mit einem Rabbi in Jerusalem und anderen Freunden. Meine zweieinhalb Jahre Deutschland wurden religioes zu einer Farce, war ich doch mehr Haredi als ich eigentlich wahr haben wollte. Dennoch war es eine hilfreiche Zeit, in der ich sehr viel lernte.

Zurueck in Israel hatte ich sofort wieder Kontakt zu meinen alten Freunden. Ich sah alles etwas distanzierter, was mir half.
Bei den Nationalreligioesen bin ich nach wie vor nicht und fuer das Kino habe ich leider kaum Zeit. Meinem Aussehen nach bin ich nichtreligioes, doch redet jemand einige Minuten mit mir, werde ich schon als Dossit (Haredi) gesehen. Mit den Haredim verbindet mich eine gemeinsame Sprache und wir verstehen uns sofort. Mit den Nationalreligioesen hatte ich soetwas nie. Komischerweise sind heute fast alle meine Freunde Haredim und wir kommen sehr gut miteinander aus, denn ich mache keine Show mehr.

Ein nichtreligioeser Kollege fragte mich vor einigen Monaten, ob ich mich nicht schuldig vor G-tt fuehle, religioes zu sein, doch in Hose herumzulaufen. Nein, antwortete ich.
Es gibt einen tollen Satz im Film "YENTL", der wahrscheinlich auf mich zutrifft: G-tt wird es verstehen, die Nachbarn nicht."

Eines aber trifft auf fast alle Aussteiger gleichermassen zu:
Fast alle bleiben religioes, wenn auch etwas mehr "light".

Orthodoxe Frauen und ihre Kopfbedeckung

B"H

Im orthodoxen Judentum ist es ueblich, dass verheiratete und geschiedene Frauen sowie Witwen ihr Haar bedecken und Kopfbedeckungen tragen.

Ich lernte einmal, dass die Kopfbedeckung auf die Episode zurueckgeht, in der Rebekka (Rivka) zum ersten Mal ihren zukuenftigen Ehemann Yitzchak trifft und vorher ihr Haar bedeckt (Thora Parashat Chaye Sarah).

Allerdings gibt es fuer die Kopfbedeckung der verheirateten Frau noch andere Quellen: den Talmud Traktat Ketubot 72a, den Schulchan Aruch - Orach Chaim 75:2 und die Thora in Numbers 5:18.
Dort naemlich geht es um Ehefrauen, die verdaechtigt werden, Ehebruch begangen zu haben und zum Beweis von Schuld oder Unschuld das "Sotahwasser" (Mei Sotah) vom Cohen (Tempelpriester) verabreicht bekommen. Dazu mussten sie ihre Kopfbedeckung absetzen (siehe Thora Parasha Nasso).
Soweit erst einmal zur Herkunft und Halacha der Kopfbedeckungen fuer verheiratete Frauen.

Dies alles geschieht aus Anstandsgruenden (Zniut). Kein fremder Mann soll das Haar einer verheirateten Frau sehen und sich deshalb zu ihr hingezogen fuehlen. Das Haar der Frau gehoert zur Intimssphaere einer Ehe.

Jede Gruppe im orthodoxen Judentum hat ihre eigenen Regeln wie die Kopfbedeckung der Frau aussehen soll. Bei Nationalreligioesen reichen meistens Hut oder die sogenannte Midpachat (eine Art Netz, welches das gesamte Haar bedeckt).
Eine Midpachat ist jedoch auch unter haredischen Frauen sehr gelaeufig.

Litvishe Frauen tragen normalerweise Peruecke oder eine Midpachat. Bei chassidischen Frauen ist dies genauso, doch kommt es gewoehnlich auf den Brauch jeder chassidischen Gruppe an.
Die Frauen von Chabad und Ger (Gur) tragen normale Peruecken, wogegen die Peruecke bei Breslov gemieden wird.
Chassidische Gruppen aus Ungarn / Rumaenien (einige Satmarer Chassidim oder Toldot Aharon) haben den Brauch, dass verheiratete Frauen sofort nach der Hochzeit ihr gesamtes Haar abrasieren. Diesen Brauch gibt es auch bei Vishnitz und teilweise bei Belz.

Doch niemals habe ich Gruppen kennen gelernt, in denen das Abrasieren des Haares eine so grosse Rolle spielt wie bei Avraham Yitzchak oder Toldot Aharon. Eine Bekannte (Satmar) erklaerte mir, dass die Mikwe (Ritualbad) der Grund sei. Schliesslich solle das Wasser an jede Koerperstelle gelangen, um eine koschere Mikwe zu gewaehrleisten. Die Gruppen Toldot Aharon sowie Avraham Yitzchak haben ihre hauseigenen Regeln, die Takanot. Wer als Gruppenmitglied jene Takanot unterschreibt, der rasiert seine Haare ein bis zwei Tage nach der Hochzeit ab.

Allerdings gibt es noch einen weiteren Grund:
Zur Zeit der Chashmonaim (Maccabim) wurde das Recht der ersten Nacht nach der Hochzeit von den griechischen Besatzern eingefuehrt. Jeder griech. Stadthalter konnte damit jede juedische Braut in der ersten Nacht fuer sich beanspruchen. Dies war einer der Gruende fuer den Aufstand der Maccabim. Um die Griechen abzuschrecken, rasierten sich die Frauen die Haare ab. Der Brauch hat sich bis heute erhalten, aber nicht mehr, um die Maenner abzuschrecken.

Bei Satmar traegt die Frau ueber dem kurzgeschorenen Haar eine Peruecke und am Shabbat ein sogenanntes Tichel (kleines weisses Tuechlein - das Tichel) auf der Peruecke.
Bei Toldot Aharon werden keine Peruecken getragen, sondern es wird immer nur ein schwarzes Tuch um den Kopf gewickelt. Am Shabbat wird das Schwarz gegen Weiss eingetauscht.

Zusaetzlich gibt es unendlich viele Diskussionen zu dem Thema. Jede chassidische Gruppe entscheidet, was koscher genug fuer sie ist. Vor ca. drei Jahren kam es zu einem weiteren Eklat, da Peruecken mit echtem Haar aus Indien importiert wurden, welche spaeter als nicht koscher eingestuft und verbrannt wurden.
Manche sind gegen Peruecken und andere nur gegen Kunsthaar oder echtes Haar.

Wer in chassidische Traditionen hineingeboren wurde, der stellt all diese Vorschriften nicht unbedingt in Frage. Fuer Aussenstehende dagegen mag das fremd und nach Unterdrueckung klingen. Jedenfalls habe ich noch keinen haredische Frau getroffen, die die Peruecke als Unterdrueckung empfand.