B"H
Seit über 1000 Jahren hinweg ist das jiddische die Sprache der aschkenazischen Juden. Im Laufe der Zeit, vor allem nach dem Holocaust, sank die Attraktivität der jiddischen Sprache und oft beschränkten sich die Sprachkenntnisse fast nur noch auf die Mitglieder diverser chassidischer Gruppen, litvishe Haredim oder ältere Juden, die ganz einfach damit aufgewachsen waren. Seit Jahren erlebt das Jiddische in Israel jedoch wieder ein kleines Revival.
Der Exodus Tausender Juden Osteuropas transportierte die jiddische Sprache hinaus in alle Welt. Zuvor und ebenso danach war das Juddische überwiegend auf osteuropäische Länder wie Polen, Russland, Ukraine, Rumänien, Ungarn oder Tschechien begrenzt. Als Sprache der regulären Juden verschrien, erhob sich das Jiddische selbst, denn immer mehr chassidischen Rebben verfassen ihre Schriften in eben dieser Sprache.
Rabbi Nachman von Breslov (1772 - 1810) sprach zu seinen Anhängern in Jiddisch. Er orderte sogar an, auf jiddisch zu beten.
Rabbi Levi Yitzchak von Berditchev (1740 - 1810) fügte seinen Gebeten jiddische Wörter hinzu. Zum Beispiel rief er während des Gebetes oder Thorastudiums "Darbarmiger" (Erbarmender) aus.
Rabbi Elimelech von Lejansk (1717 - 1786) unterwies seine Anhänger G - tt auf Jiddisch zu danken.
Rebbe Dob Baer Schneersohn (Mittlerer Lubawitscher Rebbe), 1773 - 1827, schrieb ein Buch auf Jiddisch: "Opening the Eyes - Pokeach Ivrim". Dort schrieb er, unter anderem: "Viele relig. Texte sind in hebräischer Sprache verfasst, aber diejenigen, die des Hebräischen nicht mächtig sind, bleiben außen vor. Deshalb lag es mir am Herzen, den Weg der Umkehr (zu G - tt) auf Jiddisch zu verfassen.
Hitler und Stalin zerstörten Europas jüdische Kultur (jiddische Presse, Literatur oder Theater). Es gleichet fast einem Wunder, dass die Sprache überhaupt überlebte.
In einigen chassidischen Gruppen werden hebräische Texte ins Jiddische übersetzt. Allerdings ist stets zu beachten, dass es nicht nur DAS Jiddisch gibt, sondern unterschiedliche Dialekte. Für mich persönlcih ist das Jiddisch der ungarischen, rumänischen Oder galizischen Juden (chassidischen Gruppenmitglieder) viel schwerer zu verstehen als das polnische oder litauische Jiddisch.
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Quelle:
"The Encyclopedia of Hasidim"
von Tzvi M. Rabinovicz
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Jiddisches Wörterbuch
http://www.yiddishdictionaryonline.com/
Sonntag, 6. September 2009
Freitag, 4. September 2009
Der BAAL SHEM TOV & der ALTER REBBE
Der Chabad - Gründer, Rabbi Schneur Zalman von Liadi, 1745 - 1812.B"H
Am kommenden Montag feiern wir zwei Geburtstag zweier überaus wichtigen Personen der chassidischen Welt. Zum einen den Geburtstag des Baal Shem Tov und zum zweiten den Geburtstag des Gründers der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch), Rabbi Schneur Zalman von Liadi (Alter Rebbe oder auch Baal HaTanyah genannt).
Rechts: Der Rabbi Israel Baal Shem Tov, ca. 1698 - 1760.Rabbi Schneur Zalman war ein Schüler des Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman), welcher wiederum der Nachfolger des Baal Shem Tov war.
Aus diesem Grunde gibt Chabad am Montag in aller Welt spezielle Farbrengen (chassidischer Shmooz mit Stories, etwas Essen und Getränken).
Donnerstag, 3. September 2009
Diese Woche in der chassidischen Welt
B"H
Diese Woche in der chassidischen Welt ! Wenn jemand weitere Infos hat, kann er dies gerne kundtun.
Alle Photos gibt es hier:
http://www.bhol.co.il/news_read.asp?id=11910&cat_id=2
Diese Woche in der chassidischen Welt ! Wenn jemand weitere Infos hat, kann er dies gerne kundtun.
Sheva Berachot (7 Tage Segen nach der Hochzeit) in BELZDerToldot Aharon Rebbe
Verlobungsfeier in der chassidischen Gruppe Vishnitz
Einer der Vishnitzer Rebben aus Bnei Brak: Rabbi Israel Hager besucht Ashdod.
Der Sohn des Bialer Rebbe (Bnei Brak) heiratete.
Alle Photos gibt es hier:
http://www.bhol.co.il/news_read.asp?id=11910&cat_id=2
Wird es weitere Demonstrationen geben ?
B"H
Jerusalems "Karta" Parkhaus hat New York erreicht, denn auch dort beginnen nun die Haredim (Ultra - Orthodoxe) zu demonstrieren. Sozusagen als Unterstützung der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" in Jerusalem, welche die hiesigen Demos gegen Bürgermeister Nir Barkat sowie dessen Entscheidung, das "Karta" Parkhaus am Jaffa Tor am Schabbat für die Öffentlichkeit freizugeben, bekämpft.
Nachdem die haredischen Demos am vergangenen Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) ziemlich wild ausfielen, entschied die Edah jetzt, die Demos an diesem anstehenden Schabbat (Parashat Ki Tavo) auf den Stadtteil Mea Shearim zu beschränken. Außerdem sollen Jugendliche daheim bleiben, damit die Demo nicht wieder aus den Fugen gerät. In der Vergangenheit jedoch gab es einige Fälle, bei denen die Jugendlichen nicht auf ihre Rabbiner hörten.
Laut dem säkuleren staatlichen Rundfunksender "Reshet Beit" scheint die Edah verstanden zu haben, dass sie einiges an Kontrolle verlor und ihre eigenen Demonstrationsteilnehmer oftmals nicht mehr zu stoppen waren. Selbst ein Taxi wurde angegriffen und der Fahrer verletzt.
Als ich vor einiger Zeit die Demos beobachtete, sah ich ebenso wie einige der haredischen Demonstranten Steine auf vorbeifahrende Autos warfen, deren Insassen selber Haredim waren.
Die haredische Knessetpartei "Yahadut HaTorah", deren Mitglieder wie die chassidischen Gruppen Vishnitz, Gur oder Belz, sowie litvishe Haredim, absolut nichts mit der Edah HaCharedit (Mitglieder: Die chassidischen Gruppen Toldot Aharon, Spinka, Dushinsky, Satmar, etc.) zu tun haben, stellte sich dennoch auf die Seite der Edah. Nicht bezüglich aller Demo - Punkte, doch gab man bekannt, dass weder Bürgermeister Nir Barkat noch der Minister für innere Sicherheit Yitzchak Aharonovitch kompromissbereit seien und die Angelegenheit einfach so weiterlaufen lassen. Der Streit dauert nun schon zwei Monate an und keine Lösung ist in Sicht.
Fraglich bleibt, ob nach Schabbat Ki Tavo (diesem Schabbat) noch weitere Demos stattfinden. Die Edah hat sich noch nicht entschieden.
Jerusalems "Karta" Parkhaus hat New York erreicht, denn auch dort beginnen nun die Haredim (Ultra - Orthodoxe) zu demonstrieren. Sozusagen als Unterstützung der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" in Jerusalem, welche die hiesigen Demos gegen Bürgermeister Nir Barkat sowie dessen Entscheidung, das "Karta" Parkhaus am Jaffa Tor am Schabbat für die Öffentlichkeit freizugeben, bekämpft.
Nachdem die haredischen Demos am vergangenen Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) ziemlich wild ausfielen, entschied die Edah jetzt, die Demos an diesem anstehenden Schabbat (Parashat Ki Tavo) auf den Stadtteil Mea Shearim zu beschränken. Außerdem sollen Jugendliche daheim bleiben, damit die Demo nicht wieder aus den Fugen gerät. In der Vergangenheit jedoch gab es einige Fälle, bei denen die Jugendlichen nicht auf ihre Rabbiner hörten.
Laut dem säkuleren staatlichen Rundfunksender "Reshet Beit" scheint die Edah verstanden zu haben, dass sie einiges an Kontrolle verlor und ihre eigenen Demonstrationsteilnehmer oftmals nicht mehr zu stoppen waren. Selbst ein Taxi wurde angegriffen und der Fahrer verletzt.
Als ich vor einiger Zeit die Demos beobachtete, sah ich ebenso wie einige der haredischen Demonstranten Steine auf vorbeifahrende Autos warfen, deren Insassen selber Haredim waren.
Die haredische Knessetpartei "Yahadut HaTorah", deren Mitglieder wie die chassidischen Gruppen Vishnitz, Gur oder Belz, sowie litvishe Haredim, absolut nichts mit der Edah HaCharedit (Mitglieder: Die chassidischen Gruppen Toldot Aharon, Spinka, Dushinsky, Satmar, etc.) zu tun haben, stellte sich dennoch auf die Seite der Edah. Nicht bezüglich aller Demo - Punkte, doch gab man bekannt, dass weder Bürgermeister Nir Barkat noch der Minister für innere Sicherheit Yitzchak Aharonovitch kompromissbereit seien und die Angelegenheit einfach so weiterlaufen lassen. Der Streit dauert nun schon zwei Monate an und keine Lösung ist in Sicht.
Fraglich bleibt, ob nach Schabbat Ki Tavo (diesem Schabbat) noch weitere Demos stattfinden. Die Edah hat sich noch nicht entschieden.
Mittwoch, 2. September 2009
"Mesibat Chumash" in Chassidut Dushinsky
B"H
Die "Talmud Torah" Jungenschule der Chassidut Dushinsky feierte eine "Mesibat Chumash" (Thora Feier) in ihrer Jerusalemer Synagoge (7. Elul 5769).
Die "Talmud Torah" Jungenschule der Chassidut Dushinsky feierte eine "Mesibat Chumash" (Thora Feier) in ihrer Jerusalemer Synagoge (7. Elul 5769).
Die Synagoge der Chassidut Dushinsky in Jerusalem.
Links: Der Dushinsky Rebbe Yosef Zvi Dushinsky. Rechts: Der "zweite Mann" in Dushinsky: Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann.
Alle Photos gibt es hier zu sehen:
http://ladaat.net/gallery.php?catid=185#ancor
Die Mülltonnen brennen wieder
Umgekippter Müllcontainer am Kikar Shabbat gestern abendPhoto: Haredim.co.il
B"H
Sonntag nacht begannen erneute wilde Demonstrationen in den haredischen Stadtteilen Jerusalems: in Ge'ulah und Mea Shearim. Am Tage zuvor, nach Schabbatende, demonstrierten Hunderte Haredim vor dem "Karta" Parkhaus in Jerusalem. Bürgermeister Nir Barkat erlaubt nach wie vor die Öffnung des Parkhauses am Schabbat.
Seit Monaten befinden sich die antizionistische "Edah HaCHaredit" (Mitglieder: Chassidut Satmar, Dushinsky, Toldot Aharon, Spinka, Toldot Avraham Yitzchak, Teile Breslovs sowie Anhänger des Vilna Gaon) im Streit mit der Stadtverwaltung. Insbesondere mit Nir Barkat, der auf haredischen Mitteilungspostern (Paschkevilim) nach wie vor angegriffen wird. Anderweitige chassidische Gruppen (jene der "Agudat Israel" wie Belz, Vishnitz oder Gur), mischen sich in den Krieg nicht ein. Am vergangenen Mozzaei Shabbat wurden mehrere Haredim (meist Toldot Aharon) verhaftet, kamen aber zwischenzeitlich wieder frei.
Am Sonntag abend nun erstach ein Palästinenser in der Nähe des "Hotel Zephania" in Ge'ulah einen Juden. Die Tat geschah aufgrund eines kriminellen Hintergrundes. Überhaupt ist das "Hotel Zephania" als Absteige der Stadtverwaltung bekannt. Sozialarbeiter stopfen zeitlich befristet sämtliche obdachlose Junkies, Alkoholiker und sonstige Gestalten in das "Zephania".
Ein Freund von mir meinte neulich, ich solle doch einmal über das "Zephania" berichten. Wenn ich dorthin gehe, sollte ich allerdings meinen "Baseball Schläger" nicht vergessen, denn ehe ich bis zur Verwaltung vordringe, könnte ich von einem der irren Bewohner angegriffen werden.
Nachdem der Palästinenser vor dem Hotel einen Juden erstochen hatte, flüchtete der Täter. Wenig später wurde er von der Polizei verhaftet. Die Polizei kam zum "Hotel Zephania", um die Leiche abzuholen und zur Obduktion zu bringen. Zwischenzeitlich hatten sich mehrere Haredim versammelt, um die Abholung der Leiche zu verhindern. Laut Halacha ist eine Obduktion verboten ! Es kam zu einer wilden Auseinandersetzung und die Polizei setzte Tränengas ein. Gestern abend brannten am Kikar Schabbat in Ge'ulah aus Protest erneut die Mülltonnen.
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Stadtverwaltung Jerusalem
Dienstag, 1. September 2009
Ssshhhhhhhhhhhhhhh
B"H
Am vergangenen Erev Schabbat (Freitag abend) ging ich mit einer Freundin zum Tisch des Belzer Rebben. Die große Synagoge (Beit Midrasch) der Chassidut Belz ist gigantisch und wer davor steht, ist überaus beeindruckt. Das Design erinnert an die alte Belzer Synagoge im einstmals polnischen Städtele Belz. Heute ist Belz Teil der Ukraine.
In der Synagoge ist alles extreme sauber und genau das ist der Stil der Belzer Chassidim: Sie sind überaus organisiert in allen Lebenslagen. Alles verläuft nach Plan und alles funktioniert.
Wir kamen etwas später zum Tisch von Rebbe Yissachar Dov Rokeach, der schon Kiddusch (Segnung des Weines) gemacht hatte. Er verteilte gerade die Schirayim der Challot (Schabbatbrote). "Schirayim", so wird das Essen genannt, welches der Rebbe beim Tisch an seine Chassidim weiterreicht. Zuerst sagt er einen Segen darüber; in der Chassidut heißt es, dass, wenn der Rebbe (Zaddik - Gerechter) einen Segen über das Essen spricht, er die Kraft besitzt, sich selbst sowie seine Ungebung in die oberen spirituellen Welten zu befördern. Genau deswegen streben alle Chassidim danach, die Schirayim zu bekommen.
Beim Belzer Tisch werde die Namen jener Chassidim laut ausgerufen, welche die Schirayim bekommen. Ein Belzer erzählte mir, dass ein jeder Chassid habe seinen Stammplatz beim Tisch und demnach stehen immer die gleiche Chassidim um ihn herum. Der Ausgerufene erhält die Schirayim und teilt sie dann mit seiner Umgebung.
Wie ich schon erwähnte, Belz ist bestens organisiert und alles verläuft nach einem geordneten Plan ab. Inmitten der Lieder, die gesungen werden sowie der Schirayim, nimmt Rebbe Yissachar Dov Rokeach sich enorme Zeit zu beten. Vor ihm liegt ein aufgeschlagenes Gebetbuch, in welches er sich oft vertieft. Tut er dies, so herrscht absolute Ruhe. Niemand darf reden oder sich sonst irgendwie bewegen, denn der Rebbe befindet sich im meditativen Gebet.
Natürlich gibt es immer Leute, die reden, aber Belz hat vorgesorgt. Es befinden sich genügend Aufpasser dort, deren Aufgabe es ist zu schauen, wer zum Tisch kommt. Schaut jemand nicht gerade seriös aus, kann er abgewiesen werden oder er bekommt einen speziellen Einzelplatz. Zugleich sorgen die Aufpasser ebenso für Ruhe und sonstige Ordnung."Sssshhhhhhhhhhh !" Dieses Zischen vernimmt man die ganze Zeit über. Auf der Frauenempore (Ezrat Naschim), was so ziemlich ungewöhnlich ist, geht des Öfteren ein älterer Chassid auf und ab und sorgt dort mit seinem ärgerlich klingenden "Ssshhhhhhhhh" für Ruhe. Ich fragte einen Belzer Chassid, warum denn gerade ein Mann auf die Frauenempore steigt, um dort für Ruhe und Ordnung zu sorgen, aber der Belzer zeigte sich unbeeindruckt und meinte, das sei halt der Job des 90 - jährigen Chassid.
Beim letzten Tisch stellte sich der ältere Chassid in eine Ecke und war somit imstande, beide Seiten der Ezrat Naschim zu überblicken. Sobald er ein verdächtiges Geräusch vernahm, ging er auch schon einmal auf die "verdächtigen" Frauen zu und schimpfte lautstark "Schämt sich" auf Jiddisch. Manche Frauen finden dieses Schauspiel amüsant, kleinere Kinder jedoch haben angst vor dem auf und ablaufenden Chassid und seiner strengen Art.
Obwohl ich den Belzer Tisch liebe, sind mir die Belzer selbst viel zu organsiert in allem. Ehrlich gesagt ziehe ich den Tisch der chassidischen Toldot Avraham Yitzchak vor, wo alles "rustikaler" zugeht. Dort steigen zwei Chassidim auf den langen Tisch und werfen die Früchte (Äpfel, Nektarinen, Weintrauben, etc.) einfach nur in die Menge der Chassidim. Selbst die Schuhe ziehen sie sich nicht aus, während sie auf dem Tisch stehen. Bei Belz wäre dies ein Ding der Unmöglichkeit.
Die Belzer Beit Midrasch in Jerusalem
Am vergangenen Erev Schabbat (Freitag abend) ging ich mit einer Freundin zum Tisch des Belzer Rebben. Die große Synagoge (Beit Midrasch) der Chassidut Belz ist gigantisch und wer davor steht, ist überaus beeindruckt. Das Design erinnert an die alte Belzer Synagoge im einstmals polnischen Städtele Belz. Heute ist Belz Teil der Ukraine.
In der Synagoge ist alles extreme sauber und genau das ist der Stil der Belzer Chassidim: Sie sind überaus organisiert in allen Lebenslagen. Alles verläuft nach Plan und alles funktioniert.
Wir kamen etwas später zum Tisch von Rebbe Yissachar Dov Rokeach, der schon Kiddusch (Segnung des Weines) gemacht hatte. Er verteilte gerade die Schirayim der Challot (Schabbatbrote). "Schirayim", so wird das Essen genannt, welches der Rebbe beim Tisch an seine Chassidim weiterreicht. Zuerst sagt er einen Segen darüber; in der Chassidut heißt es, dass, wenn der Rebbe (Zaddik - Gerechter) einen Segen über das Essen spricht, er die Kraft besitzt, sich selbst sowie seine Ungebung in die oberen spirituellen Welten zu befördern. Genau deswegen streben alle Chassidim danach, die Schirayim zu bekommen.
Beim Belzer Tisch werde die Namen jener Chassidim laut ausgerufen, welche die Schirayim bekommen. Ein Belzer erzählte mir, dass ein jeder Chassid habe seinen Stammplatz beim Tisch und demnach stehen immer die gleiche Chassidim um ihn herum. Der Ausgerufene erhält die Schirayim und teilt sie dann mit seiner Umgebung.
Wie ich schon erwähnte, Belz ist bestens organisiert und alles verläuft nach einem geordneten Plan ab. Inmitten der Lieder, die gesungen werden sowie der Schirayim, nimmt Rebbe Yissachar Dov Rokeach sich enorme Zeit zu beten. Vor ihm liegt ein aufgeschlagenes Gebetbuch, in welches er sich oft vertieft. Tut er dies, so herrscht absolute Ruhe. Niemand darf reden oder sich sonst irgendwie bewegen, denn der Rebbe befindet sich im meditativen Gebet.
Natürlich gibt es immer Leute, die reden, aber Belz hat vorgesorgt. Es befinden sich genügend Aufpasser dort, deren Aufgabe es ist zu schauen, wer zum Tisch kommt. Schaut jemand nicht gerade seriös aus, kann er abgewiesen werden oder er bekommt einen speziellen Einzelplatz. Zugleich sorgen die Aufpasser ebenso für Ruhe und sonstige Ordnung."Sssshhhhhhhhhhh !" Dieses Zischen vernimmt man die ganze Zeit über. Auf der Frauenempore (Ezrat Naschim), was so ziemlich ungewöhnlich ist, geht des Öfteren ein älterer Chassid auf und ab und sorgt dort mit seinem ärgerlich klingenden "Ssshhhhhhhhh" für Ruhe. Ich fragte einen Belzer Chassid, warum denn gerade ein Mann auf die Frauenempore steigt, um dort für Ruhe und Ordnung zu sorgen, aber der Belzer zeigte sich unbeeindruckt und meinte, das sei halt der Job des 90 - jährigen Chassid.
Beim letzten Tisch stellte sich der ältere Chassid in eine Ecke und war somit imstande, beide Seiten der Ezrat Naschim zu überblicken. Sobald er ein verdächtiges Geräusch vernahm, ging er auch schon einmal auf die "verdächtigen" Frauen zu und schimpfte lautstark "Schämt sich" auf Jiddisch. Manche Frauen finden dieses Schauspiel amüsant, kleinere Kinder jedoch haben angst vor dem auf und ablaufenden Chassid und seiner strengen Art.
Obwohl ich den Belzer Tisch liebe, sind mir die Belzer selbst viel zu organsiert in allem. Ehrlich gesagt ziehe ich den Tisch der chassidischen Toldot Avraham Yitzchak vor, wo alles "rustikaler" zugeht. Dort steigen zwei Chassidim auf den langen Tisch und werfen die Früchte (Äpfel, Nektarinen, Weintrauben, etc.) einfach nur in die Menge der Chassidim. Selbst die Schuhe ziehen sie sich nicht aus, während sie auf dem Tisch stehen. Bei Belz wäre dies ein Ding der Unmöglichkeit.
Die Belzer Beit Midrasch in Jerusalem
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