Sonntag, 13. April 2008

Verdächtigungen

B"H

Immer und immer wieder neu wiederfährt es mir. Sobald ich erzähle, dass ich über die haredische (ultra - orthod.) Gesellschaft schreibe, werde ich fast schief angesehen. Und das unabhängig davon ob mein Gesprächspartner religiös oder säkuler ist. Man verdächtigt mich sofort des Klatsches.

Und immer wieder neu ist es schwer, den Leuten klarzumachen, was genau ich berichte bzw. schreibe. Sehen sie meine Sites, sind sie meistens begeistert, aber wehe, wenn nicht. Wie soll ich Chassidim nur klarmachen, was genau ich schreibe und warum ? Das "WARUM" spielt hierbei eine immense Rolle, denn was ist die Aufgabe einer Frau in solch einer Gesellschaft ? Genau, heiraten und Kinderkriegen. Und wieso befasse ich mich stattdessen mit chassidischer Geschichte, der Kabbalah, dem Talmud oder mit den Chassidim ?

Dennoch bekomme ich viele positive Stimmen zu hören; überwiegend von männlichen Chassidim, denn für sie bin anscheinend eine wandelnde Attraktion. Oft tun sie sogar beschützermässig und gehen mir so schon wieder auf den Geist. "Naja, man muß ja der Dame mal sagen, was Sache ist".

Bei derlei Anbiederungen bleibt einem nichts anderes übrig als freundliche Fassung zu bewahren und richtig zu kontern. Spätestens zum nächsten Artikel tritt wieder etwas Ruhe ein.

Donnerstag, 3. April 2008

Spiritualität in der Mikweh

B"H

Eine der zentralen Rollen im Judentum wird manchmal leicht übersehen; nämlich der Mikwehgang - der Gang ins Ritualbad. Frauen benutzen sie in der Regel zum ersten Mal am Abend vor ihrer Hochzeit und danach als verheiratete Frau natürlich regelmässig. Es besteht die Halacha, dass eine jüdische verheiratete Frau nach dem Ende jeder monatlichen Regel in die Mikweh gehen muß. Hierfür gibt es genaue Gesetze wie, z.B., wann genau sie nach der Regel als zulässig für die Mikweh gilt oder wieviel Tage zwischen dem Beginn und Ende der Regel mindestens vergangen sein müssen. Darüber hinaus geht sie nach jeder Geburt (auch hier gibt es eine vorgeschriebene Anzahl von Tagen) in die Mikweh. Ein relig. Mann geht in der Regel jeden Freitag vor dem Schabbatbeginn in die Mikweh. Hinzu kommen ebenso die Feiertage.

Eines aber übersehen viele, die sich zum Thema "Mikweh" informieren. Das Ritualbad dient nicht nur der körperlichen, sondern ebenso der spirituellen Reinigung. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria (1534 - 1572) sah eine hohe mystische Bedeutung in der Mikweh. Genauso wie in der Kabbalah, massen später der Baal Shem Tov und seine chassidischen Anhänger bzw. Nachfolger der Mikweh allerhöchste spirituelle Bedeutung bei. Und so kommt es, dass chassidische Männer bis heute täglich in die Mikweh gehen. In der Regel geschieht dies am frühen Morgen.

Litvische Juden lieben es, sich über den täglichen Mikwehgang der Chassidim entweder zu beschweren oder einfach nur lustig zu machen. Das ganze Mikwehgerenne sei ja viel zu übertrieben. Chassidim hingegen betrachten es als eine absolute Notwendigkeit, nicht nur den Körper, sondern auch die Seele zu reinigen und mit der richtigen Kavanah (Konzentration) in der Mikweh sei dies allemal möglich. In der Chassidut heißt es, dass, z.B., der Baal Shem seine Weisheiten in der Mikweh erlangte. Durch Gebet und Kavanah stieg er zu höheren Leveln auf.

Gewöhnlich hegen die Chassidim ihre gruppeneigenen Bräuche in der Mikweh - so auch, wieviele Male man untertauchen muß. Bei der Chassidut Breslov ist es so, dass selbst die Frauen siebenmal untertauchen. Jedes Untertauchen wird als ein höherer Level gesehen, bei dem man völlig vom Wasser umgeben ist und so G - tt nahe kommt. Andere chassidische Gruppen hingegen folgen dem Brauch, mindestens dreimal unterzutauchen.

Unter chassidischen Rebbes sowie Kabbalisten ist es nichts Ungewöhnliches, die größte individuelle Kavanah (Konzentration) dadurch zu erreichen, indem sie sich auf die Namen G - ttes konzentrieren und völlig in die Meditation eintauchen.

Sonntag, 30. März 2008

Kleiner Überblick - Die NETUREI KARTA

B"H

Sobald wir den Begriff "Neturei Karta" vernehmen, denken wir unweigerlich an die Rabbis, welche in den Iran fuhren und an der Anti - Holocaust - Konferenz teilnahmen. Wir denken an Moshe Hirsch, welcher als Minister für jüdische Angelegenheiten im Kabinett Arafats saß. Bei der Neturei Karta handelt es sich dem Anschein nach um ein paar Irre, die aus unverständlichen Gründen den im Jahre 1948 ins Leben gerufene Staat Israel verdammen.

Worauf aber basiert ihre Politik ? Wer ist die Neturei Karta und ist die Neturei immer gleich die Neturei Karta ?

Die Politik der Neturei Karta (übersetzt aus dem Aramäischen heißen sie "Hüter der Stadt") besteht überwiegend aus einer talmudischen Grundlage im Traktat Ketubot 110a - 111b. Kurz formuliert geht es darum, dass nur G - tt einen Staat Israel gründen kann. Allein Er bringt den Meschiach und danach kommen die Juden aus der Diaspora in das Land zurück. Der von G - tt gegebene Staat Israel oder besser das biblische "Eretz Israel" ist ein relig. Staat, der nach der Thora geführt wird. Derzeit haben wir einen mehr als säkuleren Staat, was nicht gerade dazu beiträgt, mit der Neturei Karta oder chassidischen Gruppen ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. Viele Teile dieser Gesellschaften lehnen den derzeitigen Staat Israel in seiner jetzigen Form grundsätzlich ab.

Aber nicht nur auf dem Talmud Ketubot basieren die Ideen der Neturei Karta. Genauso benutzen sie das Buch "Va'yoel Moshe" des ehemaligen Vorsitzenden, dem verstorbenen Satmarer Rebben Yoel Teitelbaum. Aber auch der Autor des Buches "Shomer Emunim - Hüter des Glaubens", der Gründer der chassidischen Gruppe Toldot Aharon, Rebbe Aharon Roth, steht Rebbe Teitelbaum in nichts nach. Leider wird immer wieder der Fehler gemacht zu behaupten, dass die Chassidut Satmar sowohl als auch die Toldot Aharon Teile der Neturei Karta oder sie sogar völlig identisch miteinander wären. Dem ich gewiß nicht so und selbst die Neturei Karta ist nicht immer nur die Neturei Karta, denn auch in ihre gibt es Spaltungen.

So behauptete die Neturei Karta, dass Moshe Friedman und sein in den Iran eingereister Clan keinewegs der Neturei Karta angehöre, sondern eher sein eigenes Süppchen koche und den Namen der Neturei Karta in den Schmutz ziehe.

Genauso erging es Moshe Hirsch, der in Arafats Kabinett in Ramallah saß. Seit wenigen Jahren ist Moshe Hirsch an Alzheimer erkrankt und heute leitet sein Sohn Israel Hirsch den absolut extremen Zweig der Neturei Karta in Mea Shearim. Hierbei ist zu beachten, dass Israel Hirsch seine eigene Synagoge hat, welche "Ohel Sarah" heißt. Die etwas moderatere Abspaltung befindet sich in der großen Synagoge "Thora ve'Yirah". Ebenso in Mea Shearim und nur Hundert Meter vom Hirsch - Clan entfernt. Moshe Hirsch sowie sein Sohn Israel sind sogar für Mea Shearimer Verhältnisse zu extrem.

Wie wird man Neturei Karta ?

Offiziell indem man regelmässig in deren Synagoge zum Beten geht. Wobei ich sagen muß, dass ausgerechnet "Thora ve'Yirah" eine der schönsten Synagogen in Mea Shearim ist. Ich war schon einmal dort, doch leider fand kein G - ttesdienst statt. Hingehen werde ich aber wieder.

Thora ve'Yirah in Mea Shearim



Jemand aus Mea Shearim erzählte mir, dass die heutige Mea Shearimer Neturei Karta keinerlei Oberhaupt besitzt. Bis zum Jahre 1974 war alles anders, denn es gab den berühmt berüchtigten Rabbi Amram Blau. Rabbi Blau war der prominenteste Neturei Karta - Führer in Jerusalem und sorgte immer gerne für Schlagzeilen. Er organisierte wilde Demos gegen den Staat Israel und dessen Polizei, gegen das Edison - Theater oder gegen den Strassenverkehr am Schabbat in der Bar Ilan Street.

Die Neturei Karta wurde ca. um 1940 gegründet. Die Mehrheit denkt sicherlich, dass es sich bei ihnen um chassidische Juden handelt. Falsch, denn die Neturei Karta besteht überwiegend aus litvischen Juden, den ehemaligen Anhänger des Gaon aus Vilna. Verbandelt ist die Gruppe dennoch mit der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" sowie mit den Satmarer Chassidim. Offiziell bestehen keine Verbindungen, inoffiziell jedoch schon. Die Neturei Karta ist zwar kein Mitglied in der Edah, doch verfügt sie durch die Satmarer Chassidim über einen gewissen Einfluß.

Inwieweit ? Das kann ich nicht sagen, da auch die Chassidut aufgrund des Streites der zwei Rebben (die Brüder Rabbi Aharon und Rabbi Zalman Leib Teitelbaum) gespalten ist.

Heute gehören weltweit ca. 500 Familien der Neturei Karta an.
Ihre letzte Aktion vor wenigen Wochen war ein Schreiben an den libanesischen Hizbollah - Führer, Hassan Nasrallah, indem er zur Zerstörung des Staates Israel aufgerufen wird. Die Juden nämlich würden ihn insgeheim lieben.

Für uns alle sind solcherlei Aktionen kaum begreifbar. Da feiert Israel in Mai seinen 60. Geburtstag und die Neturei Karta scheint sich offen mit unseren größten Feinden zu verbrüdern. Als ich Freunden und Bekannten erzählte, dass ich in der Synagoge der Neturei Karta war, erntete ich fast nur Kopfschütteln.
Darüber hinaus, dass ich in meinen Blogs aus alle Gruppen eingehen will, finde ich es dennoch wichtig, auch den Antizionismus zu erklären. Ich weiß nicht, ob die Neturei Karta mit mir übereinstimmt, dennoch versuche ich ihren Standpunkt zu definieren:

Ich denke kaum, dass die Neturei Karta die arabische Welt so sehr liebt und dazu aufruft, Juden zu vernichten. Vielmehr sehen sie sich anscheinend als die Retter der Religion und wollen die Juden davor bewahren, zu sündigen, indem sie versuchen, den g - ttlosen Staat Israel auszulöschen. Vielleicht ist es die Ansicht der Neturei Karta, dass der Meschiach erst dann kommt, wenn es den säkuleren Staat Israel nicht mehr gibt.
Die Neturei Karta sieht sich als etwas Positives; sie nämlich wollen die Juden vor dem Sündigen bewahren. Ein schwer begreifbares Konzept, über das man wahrscheinlich länger nachdenken muß.

Andererseits hat die Neturei Karta anscheinend andere Kommentare übersehen. So zum Beispiel die Lehren des gleichen Talmud Traktates Ketubot (110) sowie den Ramban (Nachmanides). Demnach ist es eine große Mitzwah in Israel zu leben und dort die Mitzwot auszuführen. Aber weder die Toldot Aharon, noch Satmar oder die Neturei Karta betrachten es als Widerspruch in Israel zu leben. Man darf hier leben, nur soll man den jetzigen Staat weitgehend ignorieren und sich lieber nur um die Thora kümmern. Und somit fahren jene Gruppenmitglieder in keinen staatlichen EGGED - Bussen oder lehnen jede staatliche Unterstützung ab. Brenzlig nur wird es, wenn jemand ernsthaft krank wird. Dann springen allgemein die staatlichen "zionistischen" Krankenkassen ein.

Ich lehne die Neturei Karta nicht grundlegend ab, nur finde ich es weitaus übertrieben, mit unseren Feinden auf einem Gruppenbild zu posieren. Aber wie sagte mir ein Chassid ?
"Sind denn unsere Politiker wie Olmert und Livni soviel besser ? Machen sie nicht das Gleiche ? Wer stellt sich mit einem Abu Mazen zum Phototermin ? Anstatt immer nur auf der Neturei Karta herumzuhacken sollten wir uns genauso in der politischen Realität umschauen."

Von der offiziellen Neturei Karta - Site:

Schirayim

B"H

Jedesmal ist es immer wieder eine Show, wie sich die Chassidim am Freitag abend (beim chassidischen Tisch) um den Tisch des Rebben drängen bzw. gierig nach dem herumgereichten Essen greifen. Nicht jeder Rebbe, doch die Mehrheit schon, ißt bei seinem chassidischen Tisch am Erev Schabbat (Freitag abend).

Bei einem Tisch des Rebben einer chassidischen Gruppe handelt es sich um ein öffentliches Treffen zwischen ihm und seinen Chassidim in der Synagoge. Bei großen chassidischen Gruppen sitzt der Rebbe an einem langen Tisch zusammen mit den wichtigsten Rabbiner der jeweiligen Gruppe. Hierbei ißt der Rebbe gewöhnlich nur ein paar Häppchen und reicht den Rest des Mahles an die Chassidim herum. Meistens auf Tabletts oder Tellern. Jeder nimmt sich dann ein paar Brocken bzw. Krümel. Gegen Tischende werden Früchte und Kuchenstücke verteilt. Für die Frauen habe ich diesbezüglich schlechte Nachrichten, denn außer bei den Kretchnifer Chassidim bekommen sie nie etwas ab. Bei Kretchnif hingegen kann Frau schon mal zu einem Kuchenstück kommen.

Zu Beginn fragte ich mich, warum sich die Chassidim so danach drängeln, vom angetouchten Essen des Rebben etwas abzubekommen. Als ich den Grund dafür herausfand, betrachtete ich jedoch alles mit anderen Augen. Obwohl ich dennoch auf kein angegrabbschtes Essen stehe.

"SCHIRAYIM" - so heißt das Essen, welches der Rebbe mit seinen Chassidim teilt. Zuerst einmal ist es ein Privileg, jene Stücke Nahrung zu sich zu nehmen, über welche der Rebbe einen Segen gesprochen hat. Zum anderen bauten die Chassidim die kabbalistischen Ideen des Rabbi Yitzchak Luria aus; sobald der Rebbe einen Segen über sein Essen spricht (von dem er danach einen Großteil an seine Chassidim weiterreicht), setzt er die sogenannten Netzizot (sparks, Funken) frei, welche somit zu ihrem Ursprung zurückkehren.

Bei den "Netzizot" handelt es sich um eine Metaphor aus der Lurianischen Kabbalah. Bei der Erschaffung der Welt zog G - tt Seine unbegrenzte Macht zurück, um so Platz für eine unvollkommene Welt zu schaffen. Er erschuf die Welt also nicht mit Seiner unbegrenzten perfekten Macht, sondern schränkte Sich ein. Um die Welt in einen absolut perfekten Zustand zu bekommen, müssen wir gewisse Netzizot (Funken) zu ihrem Ausgangsort zurückführen.

Diese Funken fielen metaphorisch einmal von den höheren Welten in unsere materielle Welt und unsere Aufgabe ist es, sie wieder nach oben zurückzubringen. Dies geschieht durch die Einhaltung der Mitzwot (Thoragesetze) sowie dem Essen, wenn wir vorher einen Segen sprechen. Wir benutzen also die materielle Welt für heilige Zwecke. Aber auch wenn Männer Tefillin (Gebetsriemen) und Zizit tragen, kommen eben jene Funken frei. Des Weiteren bewirken wir sehr viel, sobald wir uns für ein Leben nach den Mitzwot entscheiden.

Daher ist es so wichtig, einen wenn auch nur winzigen Teil vom Mahl des Rebben zu bekommen. In der Chassidut ist er meistens ein Zaddik - Gerechter (zumindest die früheren Rebbes) und somit hat er die Kraft, viele Netzizot in die oberen Welten zu führen. Die Chassidim sehen sich als Teil davon und fühlen sich genauso durch den Zaddik erhoben.

Das Zaddik - Konzept ist heutzutage nicht immer das, was es einmal war. Viele heutige chassidische Rebben sind keineswegs mehr die großen Gerechten, die ihre Vorväter einmal waren. Heutzutage sagt man auch nicht immer, dass der Rebbe ein Zaddik ist, sondern das er der Sohn eines Zaddiks ist.

Siehe hier einen ähnlichen Artikel zum Thema.

Mittwoch, 26. März 2008

Die Mischkenot HaRoim

B"H

Photos von der Purim - Party der geheimen chassidischen Gruppe "Mischkenot HaRoim" in Mea Shearim.





Chassidischer Tisch Guide Teil 5 - Chassidut Kretchnif

B"H

Schon einmal von den Kretchnifer Chassidim gehört ? Nein ?
Wer Kretchnif nicht kennen sollte, für den ist es höchste Zeit, einmal zu deren chassidischen Tisch mit dem Rebben zu gehen. Jedenfalls mit dem derzeitigen Jerusalem Rebben, Rabbi Nissan Chaim Rosenbaum.

Zwar sind die Kretchnifer samt Rebbe auch in den Städten New York, Rehovot (Israel) oder Haifa vertreten, doch kann ich meinerseits bisher nur über den Jerusalemer Tisch berichten.

Mit Kretchnif verhielt es sich bei mir genauso wie mit den Slonim; ein Freund empfahl sie mir. Ein kleiner Tisch incl. gemütlicher Atmosphäre. Die Wegbeschreibung war perfekt und so fanden wir schnell das relativ große Gebäude der chassidischen Gruppe. Gleich gegenüber der Synagoge von Karlin - Stolin sowie der Beit Midrasch von Satmar. Und wie gewöhnlich begann unsere Suche nach dem Fraueneingang. Glück hatten wir dabei auch, denn zwei junge Frauen gingen vor uns hinein und nahmen uns mit auf die Frauenempore.

Viele Wochen war Kretchnif für uns soetwas wie ein Notnagel. Unsere Favoriten, die Rebben der Toldot Aharon sowie der Avraham Yitzchak, waren im Ausland und so schauten wir uns verzweifelt nach einem anderen Tisch um. Wir blieben ca. zwei Stunden bei Kretchnif und das reichte uns völlig. Wer jedoch so denkt, der verkennt die Kretchnifer und tut ihnen geradezu Unrecht. Wer sich zum dortigen Tisch entschließt, der sollte sich schon genauer umschauen und bis zum Ende bleiben.

Der chassidische Tisch der Kretchnifer beginnt relativ früh. Zwischen 22.00 und 22.30 Uhr. Enden tut er gegen 2.15 Uhr nachts.

Video vom Tisch

http://video.google.com/videoplay?docid=7495712384584720227&q=kretshnif+tish&total=3&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=0

Purim bei Kretchnif

http://video.google.com/videoplay?docid=-8247918920442353615

Rebbe Nissan Chaim Rosenbaum beim Mitzwetanz bei der Hochzeit seiner Tochter.

http://video.google.com/videoplay?docid=8053135343788864700

Wer einen kleineren gemütlichen chassidischen Tisch sucht, der kommt bei Kretchnif gerade richtig. Bei den ca. 40 - 50 anwesenden Männern findet man schnell Anschluß und Rebbe Nissan Chaim Rosenbaum ist zu jedem freundlich und aufgeschlossen. Kein Wunder, dass sich der Tisch selbst bei Gruppen wie Satmar, Karlin, Toldot Aharon, den Toldot Avraham Yitzchak, Gur, und vielen anderen großer Beliebtheit erfreut. Alle sind willkommen und bekommen vom Essen des Rebben etwas ab. Selbst die wenigen Bierflaschen werden brüderlich geteilt. Leider aber nur unter den Männern !!!

Der Kretchnifer Rebbe ißt eine ganze Mahlzeit, wobei er zwischendurch ständig an einem silbernen Behälter riecht. Vielleicht Kräuter, vielleicht auch Schnupftabak.

Das Synagogeninnere ist verhältnismäßig klein und die Frauenempore noch winziger.

Der Rebbe liebt es zu singen und tut dies natürlich ausgiebig. Außerdem hält er mindestens zwei Deraschot (relig. Reden zur aktuellen Thoralesung). Er ist akustisch etwas schlecht zu verstehen und das nicht nur auf der Frauenempore. Selbst die Chassidim rücken nahe an ihn heran, sobald er mit einer Rede beginnt.

Wie gesagt ist die Frauenempore recht klein, dafür aber kommt man schnell mit anderen Frauen ins Gespräch. Zumindest mit denen von anderen chassidischen Gruppen. Die Kretchnif - Frauen brauchen etwas mehr Gewöhnung und man sollte schon öfters hingehen, um Kontakte zu finden. Die Rebbitzen ist äußerst freundlich und gesprächig, doch eben auch nur, wenn man regelmäßig kommt. Meine Freundin und ich sind immerhin schon zu einer automatischen Begrüssung bei ihr aufgerückt.

Kretchnif ist soweit die einzige Gruppe, bei welcher die Frauen etwas vom Tisch des Rebben abbekommen. Die gigantischen dampfenden frischen Kuchen werden auch an die Frauen ausgegeben.

Besonders sehenswert sind die Tänze von Rebbe Rosenbaum. Dieses tut er mit einer ganz besonderen unbeschreiblichen Eleganz. Einmal allein vor seinem Stuhl und kurz darauf bildet er zusammen mit den Chassidim eine Kette und sie tanzen durch den Raum. Wobei besonders der Rebbe seine ganze Energie walten läßt und viele Chassidim gar nicht so schnell hinterherkommen.

Der Tisch bei den Kretchnifer ist äußerst sehens - und empfehlenswert. Wer familiäre Atmosphäre mag, der ist hier genau richtig. Das Einzige was stört ist die Mechitzah (Trennwand zu den Männern) auf der Frauenempore. Mir ist sie zu niedrig, da ich 1,75m groß bin. Und nach einer Stunde bekomme ich nicht selten Rückenschmerzen.

Die Mechitzah besteht aus ineinander geflochtenen Metallbügel, die leider vor kurzem auch noch zusätzlich mit einer durchsichtigen Plane überzogen worden sind. Diese Plane macht es den Augen nicht gerade leicht und nach einiger Zeit flimmert alles. Es wäre toll, wenn man bei Kretchnif diese Plane wieder abnimmt.

Location: Avinoam Street in Mea Shearim, gegenüber Karlin - Stolin.

Der Eingang zur Frauenempore befindet sich links vom Haupteingang. Einfach den Hinterhof überqueren, rechts abbiegen und die Treppen bis zum Ende hinaufgehen. Danach rechts den ausserhalb liegenden Gang durchqueren und rechts durch die Tür.

Montag, 24. März 2008

Das "Kommittee zur Reinheit"

B"H

Was und wer ist das sogenannte "Kommitte zur Reinheit" im ultra - orthodoxen Mea Shearim ?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muß ich mich anscheinend selber dort um einen Job bewerben, ein Vorstellungsgespräch erfolgreich absolvieren und einen Arbeitsvertrag bekommen. Ansonsten wird die Frage unbeantwortet bleiben. Vielleicht ist das "Kommittee" Teil der anti - zionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit, vielleicht auch nicht.

Wer dieser Tage an Purim durch Mea Shearim geht, kann überall an den Häuserwänden die angeklebten Warnposter lesen. Da die dortigen Bewohner weder TV noch Radio besitzen, müssen die Nachrichten zwangsläufig auf einem anderen Wege verbreitet werden. Und daher lesen alle die Poster, welche in der Umgangssprache "Fakschvilim" genannt werden. Wer auch immer die lokalen Mea Shearim News erfahren will, der lese die Fakschvilim auf Jiddisch oder Hebräisch. Und auf diesem Wege erfahren alle die neuesten Erlässe der Edah HaCharedit sowie des "Kommittees zur Reinheit", welches gerade an den Feiertage immer besonders aktiv wird.

Die ganz aktuelle Warnung des "Kommittees" bezieht sich auf die haredische (ultra - orthod.) Teeniejugend in Mea Shearim. Eltern sollen an Purim ihre jugendlichen Sprößlinge nicht allein auf die Straße lassen, denn gerade an Purim treiben sich allerhand negative Einflüsse in den Straßen herum. So könnte die "reine" Yeshiva - Jugend zu Untaten angestiftet werden. Drogenkonsum, Diebstahl oder gar einfach ganz verloren gehen. Es bestehe Gefahr, dass die "reine" Jugend sich plötzlich auf dem Zions Platz (Zion Square) wiederfindet; und zwar weg von der Religion und säkuler.

Was aber passiert genau, wenn sich die Jugendlichen sehr wohl draußen herumtreiben ? Läuft das Kommittee etwa Streife und sammelt alle "Gesetzesbrecher" ein ? Und wie soll überhaupt ein böses Subjekt von außerhalb erkannt werden ? Was genau sind die Kriterien ?

Hoffentlich beschuldigt man nicht noch mich, ein solches "Subjekt" zu sein. Allerdings kann ich dem "Kommittee zur Reinheit" versichern, nur eine negative Gefahr für mich selber darzustellen und keineswegs für andere.

Ich frage mich nur, was eigentlich mit dem Vertrauen in die eigenen Leute ist ? Ab einem gewissen Alter sollte doch jeder Mensch Verantwortung für sich selber ergreifen. Wieso herrscht keinerlei Vertrauen in die eigene Yeshiva - Jugend ?